Kitabı oku: «Handbuch Wintergärtnerei», sayfa 3

KAPITEL 3
Wie alles begann
„Im Leben gibt es etwas Schlimmeres als keinen Erfolg zu haben: Das ist, nichts unternommen zu haben.“
Franklin Delano Roosevelt
Wie viele andere begeisterte Frischgemüsegärtner habe ich mir immer gewünscht, dass die Saison nie zu Ende gehen möge. Dies bedeutet nicht unbedingt, dass ich Sehnsucht nach einem endlosen Sommer hätte, nein, ich liebe auch die schönen Seiten von Herbst, Winter und Frühjahr. Das einzige, was ich will, ist das ganze Jahr frisch geerntetes Gemüse auf meinem Tisch und dem meiner Kunden. Und immer hatte ich die Gewissheit, dass es einen einfachen Weg geben müsse, um durch die Kombination von kältefesten Gemüsesorten mit minimalem Schutz während der Kälteperioden auch im Klima Neuenglands das ganze Jahr über wirtschaftlich erfolgreich Lebensmittel erzeugen zu können.
Frühbeetkästen waren für einen Gärtner mit beschränkten finanziellen Mitteln immer die einfachste und billigste Art, um ein positives Kleinklima zu schaffen. Schon 1966, in meinem ersten Jahr als Gärtner, begann ich Frühbeetkästen zu verwenden, aber die ernsthafte Beschäftigung mit den Gedanken der Wintergärtnerei begann erst in den Jahren 1978 bis 1981, als ich eine Bio-Versuchsgärtnerei nördlich von Boston, Massachusetts, leitete. Danach, von 1982 bis 1990, konnte ich das System auf einem Betrieb in einer sehr rauen Gegend im Bundesstaat Vermont perfektionieren. Die Tatsache, dass es an diesen beiden klimatisch so verschiedenen Orten ebenso gut funktionierte wie danach hier an der Küste von Maine, hat mich davon überzeugt, dass Winteranbau fast überall möglich ist.
Holländische Frühbeetkästen
Während meiner ersten Jahre der Beschäftigung mit dem holländischen Modell der Frühbeetkästen, den sogenannten „Dutch Lights“ waren folgende Bücher von Nutzen:
• Carter, A.R. Dutch Lights for Growers and Gardeners. London, Vinton & Co., 1956
• Quarrell, C.P. Intensive Salad Production. London, Crosby Lockwood, 1938
• Willmott, P.K. Dutch Lights and Frames. London, Ernest Benn Ltd., 1958
Auf meinen Reisen nach Europa in den 1970er Jahren hatte ich die wenigen verbliebenen Gärtner besucht, die in Holland und Frankreich noch kommerzielle Produktion von Wintergemüse im Frühbeet betrieben. Ihre einfachen Frühbeetkästen faszinierten mich, weil sie ohne hoch technisierte Lösungen auskamen. Für mich sind Isolierungen aus Styropor, seltsame reflektierende Abdeckungen und jegliches Material aus dem Weltraumzeitalter ganz einfach geschmacklos. Ich bin von dem Motto „je einfacher, desto besser“, überzeugt, besonders, wenn die einfache Version schon den Test der Zeit bestanden hat. Vergleiche von zwei verschiedenen Formen von Frühbeetkästen haben gezeigt, dass das althergebrachte Standardmodell – ein Kasten ohne Boden aus 5 cm dicken Planken, hinten 20 bis 30 cm hoch, vorne 15 bis 20 cm, mit Glasfenstern als Abdeckung – immer noch das Beste ist. Und so baute ich die holländischen Modelle nach – ca. 75 mal 150 cm große Fenster in einem Holzrahmen, (bekannt als Dutch Lights) – weil sie einfacher herzustellen waren als die französischen Typen, die ich in der Gärtnerei bei Louis Savier gesehen hatte.
Eine zusätzliche Abdeckung
Diese einfachen Glasfenster über einem Holzrahmen gewährten unseren Pflanzen einen erstaunlich hohen Schutz. Wenn man eine Kultur in einem Frühbeet anzieht, versetzt man sie quasi in ein Klima, das eineinhalb USDA-Zonen wärmer ist als die Umgebung, was hier an der amerikanischen Ostküste einem Sprung nach Süden um 800 km entsprechen würde. Ein Frühbeet hält die darin befindlichen Pflanzen für gewöhnlich bis zu einer Außentemperatur von -4 °C frostfrei. Aber bei uns wird es im Winter weit kälter, und so ließen wir 1980 unsere Phantasie spielen und probierten etwas Neues aus. Wir besaßen ein ungeheiztes Glashaus in traditioneller holländischer Bauweise – eine Konstruktion aus 5 x 10 cm Staffeln, gedeckt mit einfachen Mistbeetfenstern. Wir pflanzten darin Wintergemüse an und stellten im Inneren des Glashauses noch zusätzlich Frühbeetkästen über die Kultur. Voilà! Der große Schritt war geglückt! Unsere Pflanzen waren noch einmal 800 km in den Süden gewandert und befanden sich jetzt in Klimazone 8. Und, sozusagen als „Sahnehäubchen“, blieb ihnen unter dem Dach des Glashauses auch der Kontakt mit Schnee erspart.
Es ist faszinierend zu sehen, wie ein kleiner Schritt vorwärts plötzlich unseren Blick auf das Gesamtkonzept in eine völlig neue Richtung lenkt. Und dies hier war einer jener raren Momente. Erstens hatte mir die einfache Tatsache, dass wir nur eine zusätzliche Schicht eingezogen hatten, ein besseres Verständnis dafür beschert, was wir eigentlich erreicht hatten. Wir hatten keinen aktiven Kampf gegen die Winterkälte geführt, wie jene, die versuchen, wärmeliebendes Gemüse in geheizten Glashäusern zu kultivieren. Stattdessen hatten wir ein geschütztes Mikroklima geschaffen, das für die Bedürfnisse unserer kältefesten Pflanzen ausreichend war. Ein Vergleich verdeutlicht den Unterschied: in einem Fall sitzt man an einem kalten Tag drinnen im Haus beim Kaminfeuer, im anderen ist man im Freien mit ausreichenden Schichten warmer Kleidung, und fühlt sich ebenso wohl.

Holländische Frühbeetkästen, sog. Dutch Lights, in Holland im Jahr 1978.
Zweitens begannen wir darauf zu achten, wie sich das Pflanzenwachstum im Laufe der Saison veränderte. Ab Mitte November hörten die meisten Pflanzen auf, mit derselben Geschwindigkeit zu wachsen wie im Sommer. Sie fielen fast in eine Art Winterruhe, lebten sozusagen auf Sparflamme, und warteten nur darauf, geerntet zu werden. In anderen Worten: wir hatten nicht die Kulturzeit verlängert, was das Ziel bei beheizten Glashäusern ist, sondern den Erntezeitraum ausgedehnt. Diese Überlegungen spielten eine große Rolle, um bei der Entwicklung unseres Konzepts der Wintergärtnerei in geschütztem Mikroklima einen Durchbruch zu erzielen. Da es keinerlei Anleitungen gab, mussten wir zuallererst die Pflanztermine „erraten“. Während unserer ersten Versuchsjahre mit dem Winteranbau stellte sich heraus, dass einige unserer Pflanzen keine erntefähige Größe erreichten, während andere schon zu weit fortgeschritten und damit zu wenig frostfest waren, um den Rest des Winters noch zu überstehen (jüngere Pflanzen sind nämlich für gewöhnlich frostfester als ältere). Wir hatten unsere Sache zwar nicht schlecht gemacht, aber in den nächsten Jahren war noch jede Menge Versuchsarbeit nötig, um zu den idealen Pflanzterminen im August, September und Oktober zu gelangen, die eine produktive Winterernte versprachen. Wir fanden heraus, dass einige Arten von zwei, drei oder mehr Folgesätzen profitierten, und wir dadurch die Erntezeitpunkte besser verteilen und das langsame Wachstum zwischen Mitte November und Anfang Februar kompensieren konnten. Die Anbaustaffelung garantierte uns verlässlichere Ernten zu Beginn des Kalenderjahres.
Seit jener Anfangszeit ist unser Konzept der Wintergärtnerei prächtig gediehen. Nachdem wir einige Jahre Erfahrung sammeln konnten, hatten wir genaueres Wissen über die Anbautermine und konnten den Zeitpunkt, wann die zweite Schicht eingezogen werden sollte, präziser bestimmen. Zusätzlich experimentierten wir damit, die Gewächshäuser mobil zu machen. Wir dachten uns einfache Systeme aus, um unsere Folientunnel zwischen zwei Standorten hin- und herbewegen zu können. Die erste Version basierte auf geölten Holzkufen, die auf Holzschienen liefen; bei einer zweiten waren Kugelrollen auf einer Reihe von Pfosten gelagert, und die Schienen unten am Gewächshausgerüst montiert; ein drittes Modell hatte Kufen, die direkt auf dem Boden dahinglitten wie bei einem Schlitten; und bei einem vierten waren am Fuße jedes Bogens Profilrollen montiert, mit Hilfe derer der Tunnel auf am Boden verlegten Rohren „fahren“ konnte. (Mehr darüber in Kapitel 10.)

Frühbeetkästen im Inneren eines Folientunnels.
Foto von Karen Bussolini.
Der Übergang zu kommerzieller Produktion
Bis in die frühen 1990er Jahre, als wir beschlossen, diese Idee auf einer ernstzunehmenden wirtschaftlichen Basis weiterzuverfolgen, bestand unsere zweite Schicht aus jenen Frühbeetkästen, mit denen wir begonnen hatten. Aber wir stellten fest, dass wir für einen kommerziellen Anbau von Wintergemüse eine innere Abdeckung finden mussten, die weniger kostspielig und zeitraubend war. (Frühbeetkästen sind teuer in der Herstellung und müssen manuell gelüftet werden, damit sie an sonnigen Tagen nicht überhitzen.) Nachdem wir einen Winter lang Verschiedenes ausprobiert hatten, war unschwer zu erkennen, dass das Material der Wahl als Ersatz für Glas ein dünnes Gartenvlies sein würde, das in ca. 30 cm Höhe über dem Boden über eckige Drahtbügel gespannt war. Obwohl die Reihenabdeckung mit Gärtnervlies nicht ganz an den Kälteschutz herankam, den die Frühbeetkästen geboten hatten, so war das Vliesmaterial doch selbst-belüftend, leichter, einfacher über der Kultur anzubringen und zu entfernen, und wesentlich billiger.
Gleichzeitig wurde uns klar, dass wir die Produktion weg von unseren Prototypen in größere Gewächshäuser verlegen mussten, und wir entschieden uns für die effizienteste Version von 9 m breiten und 29 m langen Häusern. Allerdings hatten wir noch nie so große Gewächshäuser verschoben, aber mit Hilfe der Metallkufen konnten wir sie mit einem Traktor ziehen wie einen sehr großen Schlitten, und die Häuser so einigermaßen bequem bewegen und am neuen Standort mittels Erdankern sicher im Boden fixieren.
Zu Beginn unserer Expedition in Richtung Winterproduktion machten wir Witze darüber, ob es wohl möglich sei, eine Gärtnerei „verkehrt herum“ zu betreiben, d.h. von 1. Oktober bis 31. Mai Gemüse und Salat zu produzieren, und dann einen sehr langen Sommerurlaub zu machen. Und so versuchten wir es einige Jahre lang nur mit Winteranbau. Wir waren gespannt darauf, herauszufinden was alles möglich war, wenn wir all unsere Energien auf das unerforschte Potential des Winters konzentrierten. Die Realität konnte aber mit unseren Träumen nicht Schritt halten. Zwar gab es tatsächlich jene ganz neue achtmonatige Erntesaison, aber der Urlaub beschränkte sich auf die zweite Juni- (nachdem die Glashäuser geräumt worden waren) und die erste Julihälfte (bevor schon wieder die Vorbereitungsarbeiten für die kommende Saison begannen).
Während der Sommersaison bauten wir Gründüngung an, um den Boden für unsere hohen Produktionsstandards fit zu machen. Wir beschäftigten uns auch damit, viele der einzigartigen Glashauskonstruktions- und Anbauprogramme, die in diesem Buch vorgestellt werden, auszufeilen. Unser aktuelles Jahresprogramm ist das Resultat einer Verbindung all dessen, was wir aus dem alleinigen Sommer- und dem alleinigen Winteranbau gelernt haben, zu einem System, das die besten Aspekte beider Traditionen vereint. In Kapitel 4 werde ich im Detail erklären, wie die einzelnen Elemente unseres Systems im Jahresablauf ineinandergreifen.
Die Antwort des Konsumenten
Eine zweite Dimension der Wintergärtnerei ist die Qualität, die unsere Kunden damit gewinnen. Dass die Konsumenten unsere Produkte schätzen gehört zu den lohnendsten Erfahrungen, die wir in den langen Jahren als kommerzielle Gärtner gemacht haben. Die Menschen mögen es einfach, wenn sie Zugang zu Lebensmitteln haben, die am selben Tag oder am Vortag auf einem Betrieb in der Nähe geerntet wurden – und das mitten im Winter! In den letzten Jahren ist in Zeitungen und Wissenschaftsmagazinen eine wahre Flut an Artikeln erschienen, die bestätigen, was unsere Mütter schon vor Jahrzehnten gewusst haben: „Gemüse ist gesund!“ Ernährungsempfehlungen staatlicher Stellen ermahnen uns, fünf Mal am Tag Obst und Gemüse zu essen. Und von unseren Kunden hören wir, dass Ihnen unsere Winterernte-Produkte das Gemüse-Essen leicht machen:
• Erstens sind Geschmack, Süße und Erntefrische etwas Besonderes. Ihre Kinder bitten um unsere rohen Karotten. Und eine Frau erzählte, sie hätte früher den ganzen Winter lang gelitten und sich auf frisches Sommergemüse gefreut. Aber jetzt nehme sie den Sommer in Kauf, weil danach acht Monate intensivster Geschmackserlebnisse mit unserem Wintergemüse auf sie warten.
• Zweitens bieten wir auch Convenience-Produkte an. Unser Salat-Mix wurde auch schon als gesundes Fast Food bezeichnet: „Er sieht so einladend aus, dass man ihn sofort essen möchte; einfach eine Handvoll in eine Schüssel geben, Dressing dazu – fertig! Das machen die Leute dann auch wirklich.“
• Ein dritter Punkt ist der regionale Anbau während der Wintermonate. Unsere Kunden sagen uns, dass ihnen der Winter nicht mehr so lang und grau erscheint, wenn sie sich immer wieder auf unsere regional angebauten Köstlichkeiten freuen können.
Was uns betrifft, so können wir nun an allen Jahreszeiten teilhaben, die im Kreislauf der Natur vorgesehen sind, und genießen es, das Gärtnern als kontinuierlich fließenden Prozess zu erleben, nicht nur als einen Vorgang mit abruptem Beginn und Ende wie damals, als wir nur die Sommersaison nutzten. Und man bedenke, all dies geschieht im US-Staat Maine. Mehr als 85 % der Fläche der USA sind weiter südlich als wir, bekommen mehr Sonne und haben mildere Winter. Es gibt also nichts, was einer Winterkultur von qualitativ hochwertigem frischem Gemüse im ganzen Land im Wege stehen würde, außer vielleicht mangelndes Wissen, wie man die einfache Technik von Kalthaus und Reihenabdeckung handhabt, und mangelnde Erfahrung bei der Erstellung von Pflanzplänen für kontinuierliche Produktion.

Spinatsorte ‚Space’.

KAPITEL 4
Jahresplanung
„O Winter, der du die Kehrseite des Jahres beherrschst.“
William Cowper
In den ersten sechs Jahren unserer kommerziellen Winterproduktion verkauften wir unser Gemüse nur zwischen 1. Oktober und 31. Mai (also in den „anderen acht Monaten“, wie wir sie nannten). Zusätzlich zu unserer Babyleaf-Salatmischung waren in unseren Kalthäusern noch Karotten, Spinat, Vogerlsalat, Lauch, und Jungzwiebeln in Kultur, außerdem Tatsoi, Pak Choi und andere Asiasalate. In den frostfreien Häusern wuchsen Radieschen, Speiserüben, Stielmus, Mangold, Brunnenkresse, Petersilie und Rucola. An Lagergemüse gab es Zwiebeln, Knoblauch, Schalotten, Winterkürbisse, Knollensellerie, Petersilwurzel, Schwarzwurzel, und Rote Rüben. Sowohl die Kalthäuser als auch die frostfreien Tunnels lieferten im Frühjahr das erste neue Gemüse: Rucola, Karotten, Babyrüben, Baby- Frühkartoffeln, Broccoli, Fenchel, Kopfsalat, Kraut, Speiserüben und überwinterte Zwiebeln.
Jene sechs Jahre halfen uns bei der konzentrierten Entwicklung neuer Konzepte für den Winteranbau, und sie waren bei weitem keine vergeudete Zeit. Wir arbeiteten daran, viele der einzigartigen Glashauskonstruktions- und Anbauprogramme, die in diesem Buch vorgestellt werden, zu entwickeln und zu verfeinern. Gleichzeitig wurde uns bewusst, dass wir, um das wirtschaftliche Potential eines Kleinbetriebes auszunutzen, langfristig den Sommeranbau wieder aufnehmen mussten. Das taten wir auch, und ergänzten unsere Gewächshauskulturen um Tomaten, Paprika, Melanzani und Gurken, und unser Freilandgemüse um Artischocken, Fisolen, Kraut, Karfiol, Staudensellerie, Melonen, Erbsen, Radicchio und Sommerkürbisse.
Die nächsten paar Jahre, während der wir sommers wie winters voll produzierten, waren wirklich anstrengend. Es ist schwer, zwölf Monate im Jahr auf Hochtouren zu arbeiten, wie es in einer kleinen Gärtnerei notwendig ist, und das ohne Pause. Obwohl die Umsätze für die Sommerkulturen sprachen (der Bruttogewinn für die vier Sommermonate lag knapp über dem für die acht Wintermonate), war uns sehr wohl bewusst, dass der Winter auch wesentlich zum Sommerumsatz beitrug: die Kulturen hatten im Frühjahr einen Startvorteil, was uns den Zugang zu neuen Märkten erschloss. Zusätzlich konnten wir aber auch die Stammkunden nach dem Ende der Sommersaison halten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es uns gelungen, all diese Faktoren in Einklang zu bringen, indem wir einen vier- bis fünfwöchigen Urlaub für unsere Mitarbeiter und uns selbst zu jener Zeit einplanen, wo Pflanzenwachstum, Kundeninteresse, wöchentliches Einkommen und unser aller Energielevel am niedrigsten sind – Ende Dezember bis Ende Jänner.
Herbst und Winter
Dies gelingt uns, indem wir unsere Aussaattermine im Spätsommer und Frühherbst so planen, dass die Herbstproduktion unter Glas zwischen 1. November und 21. Dezember konstant auf Hochtouren läuft. (Viele Freilandkulturen können wir bis Ende Oktober problemlos ernten). Dadurch ist es uns möglich, in der Zeit hoher Nachfrage vor Weihnachten alles, was wir anbauen, auch wirklich zu verkaufen. Außerdem haben wir unsere Produktion während der Wintermonate vereinfacht. Momentan sind Mitte September ausgesäter Spinat und Ende August ausgesäter sibirischer Schwarzkohl die einzigen mehrfach beerntbaren Gemüsearten, die wir über den Winter in Kultur haben. Um die hohe Nachfrage zu befriedigen, werden sowohl Spinat als auch Blattkohl im Dezember so stark beerntet, dass sie danach ein ganzes Monat brauchen, um sich zu erholen und im neuen Jahr erst Ende Jänner wieder beerntet werden können. Um Personal zu sparen, verzichten wir im Herbst auf Schnittsalate und bauen stattdessen Kopfsalat an. Sobald die geschützten Einmalkulturen im November und Dezember geerntet sind (Salat, Radieschen, Speiserüben, Baby-Pak Choi, Staudensellerie, Fenchel, Jungzwiebel), werden Flächen frei, die sofort wieder vorbereitet und bebaut werden, und zwar mit Gemüse, das ab Mitte Februar zu ernten ist. Und so sind bis Ende Dezember alle Kulturen geerntet, die für den Herbst angebaut waren, und das Gewächshaus ist neu bepflanzt mit Gemüse für zukünftige Ernten im Spätwinter bzw. Vorfrühling. Mit der Wintersonnenwende kann unser vier- bis fünfwöchiger Urlaub beginnen.
Während jener Jahre, als wir in unseren größten Glashäusern mit minimalem Heizungseinsatz experimentierten (→ siehe Kapitel 7), konnten wir in den ersten beiden Monaten nach der Wintersonnenwende eine weit größere Vielfalt an Gemüsearten produzieren, als wenn wir nur Kalthäuser gehabt hätten. (Diese beiden ersten Monate des Sonnenjahres sind die schwierigsten für den Anbau im Kalthaus). Wir waren stolz auf die Vielfalt und Qualität unseres Angebotes und froh, unsere Kunden das ganze Jahr lang jedes Monat durchgehend zu versorgen. Ein Blick in unsere Aufzeichnungen zeigte allerdings, dass die Ausgaben während jener Wochen auf einem Höchststand waren (aufgrund der Energiekosten) und die Erträge auf einem Minimum (aufgrund des langsamen Pflanzenwachstums).

Spinatkultur im Kalthaus, noch ohne Zusatzabdeckung für den Winter.
Und es gab noch einen zusätzlichen Nachteil: Um in jenem Zeitraum ernten zu können, mussten beträchtliche Teile der Glashausfläche für Kulturen reserviert sein, die im Jänner und Februar erntereif sein würden, was wiederum bedeutete, dass im November und Dezember weniger Gemüse zum Verkauf stand. Indem wir bei der Glashausproduktion, wie wir sie jetzt betreiben, darauf abzielen, die Verkaufszahlen für November und Dezember zu maximieren, und alle Folientunnel grundsätzlich ungeheizt betreiben, erreichen wir dieselben Verkaufszahlen, können aber Kosten und eventuelle Schwierigkeiten stark reduzieren. Während der fünf Wochen nach der Wintersonnenwende sind also nur unsere „Nasch-Karotten“ und der überwinterte Lauch zu ernten und als Frischware zu verkaufen (bis auch sie Mitte Februar zu Ende gehen), aber diese Arbeit ist leicht von einer Urlaubsvertretung zu bewältigen.
Spinat – eine verlässliche Kultur
Überwinterter Spinat ist aus drei Gründen zu unserer Blattgemüse-Hauptkultur geworden: Erstens ist er das perfekte Wintergemüse für das Kalthaus. Spinat produziert den ganzen Winter lang neue Blätter, im Gegensatz zu anderen winterharten Blattgemüsearten wie z.B. Kohl, der während der kalten Monate das Wachstum einstellt. Zweitens ist er im Winter ungeheuer beliebt, sodass wir die Nachfrage nie ganz befriedigen können. Und drittens passt er perfekt in den Fruchtfolge-Zeitplan für das mobile Folienhaus. Mitte September im Freiland gesäter Spinat ist winterhart genug, um so lange ohne Schutz auszukommen, bis die Saison für die Sommerkulturen im Folientunnel zu Ende ist. Danach wird der Tunnel in der zweiten Oktoberhälfte über die Spinatkulturen geschoben. Rund um Thanksgiving (Ende November) beginnen wir mit der Ernte; (bis Ende Oktober ernten wir Spinat aus dem Freiland, im November aus einem anderen Glashaus) so wird jedes Spinatbeet im Rolltunnel vier Mal in monatlichem Abstand beerntet, bevor der Spinat gegen Ende März in Blüte geht. Nach der letzten Ernte wird die Kultur geräumt und der Boden Anfang April vorbereitet, um die Setzlinge unserer frühesten Tomatensorte auszupflanzen. Zu diesem Zeitpunkt wird der Tunnel, der im Winter ein Kalthaus war, zum Warmhaus: wir nehmen einen Propangas-Brenner in Betrieb, der den ganzen Winter über nicht gebraucht wurde, und halten so die Nachttemperatur für die Tomaten bei 15 °C.

Anbaustaffelung für die Winterernte in unserem frostfreien Folienhaus.

Frühling im frostfreien Tunnel.
Fruchtfolge
Unser Ziel ist, von jedem Quadratmeter Boden im Glashaus mindestens drei Kulturen im Jahr zu ernten – zwei im Winter und eine (oder mehrere) im Sommer. Eine typische Fruchtfolge in einem der 15 m langen kalten Tunnel könnte so aussehen: nach einer Winter-Karottenkultur werden am 15. März die ersten Baby-Frühkartoffeln gepflanzt. Auf die Kartoffeln folgen Ende Mai als Sommerkultur Charantais-Melonen. Nachdem die Melonen geräumt sind, wird ein Satz Spinat für die Herbsternte angebaut. Dann, Ende November, wird das Glashaus verschoben, um eine später ausgesäte Spinatkultur für die Frühjahrsernte zu schützen.
In einem anderen 15 m langen Rolltunnel könnte die Fruchtfolge im Herbst mit der Aussaat von Wokgemüse beginnen, gefolgt von Kopfsalat im zeitigen Frühjahr. Danach werden am 10. Mai sechs Wochen alte Tomatenjungpflanzen ausgesetzt und mit einer zusätzlichen Vliesschicht geschützt. Wenn es warm genug ist, wird das Vlies entfernt und die Tomatenkultur aufgeleitet, um sie möglichst lang in den Herbst hinein vital zu erhalten. Gründüngung in Form von Rotklee kann am 1. September unter die bestehende Tomatenkultur gesät werden, die schließlich Ende Oktober geräumt wird, bevor wir einen Tag später den Folientunnel verschieben, um eine Karottenkultur für den Winter zu schützen. Diese Fruchtfolge wird im zweiten Jahr auf der anderen, offenen Parzelle des Rolltunnel-Standorts wiederholt, und in den beiden darauffolgenden Jahren durch eine andere Kulturfolge ersetzt.

Im Rolltunnel stehen noch die Tomaten, während auf der davorliegenden Freilandfläche gerade die Winterkultur angebaut wurde.
Mit Hilfe der Zusatzheizung im frostfreien Gewächshaus können wir allein während der Wintermonate mindestens vier, und manchmal sogar fünf Kulturen anbauen und ernten, und wir können das Haus außerdem im Sommer immer für wärmeliebendes Gemüse nutzen. Da die Winterkulturen für das frostfreie Haus praktisch zur Gänze aus der Verwandtschaft der Salate (Korbblütler) und der Kohlgewächse (Kreuzblütler) kommen, achten wir bei der Bepflanzung einerseits auf einen akkuraten Wechsel zwischen den beiden Familien, und andererseits darauf, Sommerkulturen aus anderen Familien (Gurken, Paprika, Melanzani) zu wählen, um die Fruchtfolge insgesamt möglichst komplex zu gestalten.
Unser erstes frostfreies Haus ist nicht mobil. Daher legen wir großen Wert auf Bodenvorbereitung, Qualität des Komposts, Fruchtfolge und Bewässerung, um keine Probleme mit Schädlingen oder einer Versalzung des Bodens zu bekommen. Und so konnten wir dieses Gewächshaus seit vierzehn Jahren in produktivem Zustand erhalten. Gemüsegärtner sollten wissen, dass es eben genau die Bodenprobleme waren, die vor vielen Jahren das Interesse an den ersten mobilen Glashäusern erstehen ließen. Vor jener Zeit war es üblich, die Erde bis in eine Tiefe von 40 cm abzutragen und durch frische Grunderde zu ersetzen, sobald Probleme auftauchten. Die Pioniere auf dem Gebiet der mobilen Gewächshäuser kamen dann auf die Idee, dass es wesentlich einfacher sei, das Gewächshaus zu verschieben: mehr darüber in Kapitel 10.
Im Gemüsebau gibt es nicht die eine perfekte Fruchtfolge oder Jahresplanung. Unterschiedliche Märkte, Klimabedingungen und Vorlieben der Gärtner lassen unzählige Variationen zu. Genau das macht aber die Beschäftigung mit dem Winteranbau so lohnend und beflügelt geradezu die Phantasie des Gärtners. Ich kenne eine Reihe von Produzenten, die zunächst nur ein Glashaus bauten, um im Frühjahr einen Vorsprung zu haben, und es dann auch für eine Saisonverlängerung im Herbst zu nutzen. Als nächstes experimentierten sie mit noch früheren Aussaatterminen im Frühjahr, um schließlich in die Ganzjahresproduktion einzusteigen. Und sie alle reden davon, wie sehr sie die Beschäftigung mit neuen Kulturen und ihren Bedürfnissen und das Ausarbeiten von neuen Pflanzplänen in Anspruch nimmt. Im Sommer Gemüse anzubauen ist wunderbar, aber dies zwölf Monate lang zu tun, ist sogar noch besser.
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