Kitabı oku: «Жизнь взаймы / Der Himmel kennt keine Günstlinge», sayfa 9
Clerfayt nahm die Flasche und füllte die Gläser. »Gut. Lassen wir es also darauf ankommen, wer zuerst müde wird.«
»Sie verstehen ihn nicht«, erwiderte Lillian scharf.
»Er ist nicht eifersüchtig.«
»Nein?«
»Nein. Er ist unglücklich und krank und sorgt sich um mich. Es ist leicht, überlegen zu sein, wenn man gesund ist.«
Clerfayt stellte die Flasche zurück. Diese loyale, kleine Bestie! »Möglich«, sagte er gleichmütig. »Aber ist es ein Verbrechen, gesund zu sein?« Sie wandte sich ihm zu. »Natürlich nicht«, murmelte sie. »Ich weiß nicht, was ich rede. Es ist besser, ich gehe.«
Sie griff nach ihrer Tasche, aber sie stand nicht auf.
* * *
Clerfayt hatte von ihr genug, aber er hätte sie um nichts in der Welt gehen lassen, solange Wolkow noch an der Bar stand und auf sie wartete »Sie brauchen mit mir nicht besonders vorsichtig zu sein«, sagte er. »Ich bin nicht sehr empfindlich.«
»Hier ist jeder empfindlich.«
»Ich bin nicht von hier.«
»Ja.« Lillian lächelte plötzlich. »Das ist es wohl!«
»Was?«
»Das, was uns irritiert. Verstehen Sie das nicht? Sogar Hollmann, Ihren Freund.«
»Das ist möglich«, erwiderte Clerfayt überrascht.
»Ich hätte wahrscheinlich nicht kommen sollen. Irritiere ich Wolkow auch?«
»Haben Sie das nicht bemerkt?«
»Möglich. Warum gibt er sich aber dann soviel Mühe, es mich merken zu lassen?«
»Er geht«, sagte Lillian.
Clerfayt sah es. »Und Sie?« fragte er. »Sollten Sie nicht auch besser im Sanatorium sein?«
»Wer weiß das? Der Dalai Lama? Ich? Das Krokodil? Gott?«
Sie nahm ihr Glas. »Und wer ist verantwortlich? Wer? Ich? Gott? Und wer für wen? Kommen Sie, wir wollen tanzen?«
Clerfayt blieb sitzen. Sie starrte ihn an. »Haben Sie auch Angst für mich? Meinen Sie auch, ich sollte –«
»Ich meine gar nichts«, erwiderte Clerfayt. »Ich kann nur nicht tanzen; aber wenn Sie wollen, können wir es versuchen.«
Sie gingen zur Tanzfläche.
4
Das Sanatorium war still.
Lillian Dunkerque hockte in hellblauen Hosen auf ihrem Balkon. Die Nacht war weit weg und vergessen. Das Telefon klingelte. Sie hob den Hörer ab. »Ja, Boris – nein, natürlich nicht – wohin kämen wir, wenn wir das täten? – Lass uns nicht darüber reden – natürlich kannst du heraufkommen – ja, ich bin allein, wer sollte schon hier sein –?«
Wolkow kam auf den Balkon.
Sie beobachtete ihn.
»Boris«, sagte sie »Wir verstehen uns zu gut.«
»Wirklich?«
»Ja. Du verstehst mich zu sehr und ich dich, und das ist unser
Elend.«
Wolkow lachte. »Besonders bei Föhnwetter.«
»Nicht nur bei Föhnwetter.«
»Oder wenn Fremde angekommen sind.«
»Siehst du«, sagte Lillian. »Du weißt bereits den Grund. Du kannst alles erklären. Ich nichts. Du weißt alles im voraus über mich. Wie müde das macht! Ist das auch der Föhn?«
»Der Föhn und das Frühjahr.«
Lillian schloß die Augen.
»Warum bist du nicht eifersüchtig?« fragte sie.
»Ich bin es ja. Immer.«
Sie öffnete die Augen. »Auf wen? Auf Clerfayt?« Er schüttelte den Kopf.
»Das dachte ich mir. Worauf dann?«
Wolkow antwortete nicht. Wozu fragte sie? Und was wußte sie schon davon? Eifersucht begann nicht mit einem Menschen und endete nicht damit. Sie begann mit der Luft, die der geliebte Mensch atmete und endete nie. Nicht einmal mit dem Tode des anderen. »Worauf, Boris?« fragte Lillian. »Doch auf Clerfayt?«
»Ich weiß es nicht. Vielleicht auf das, was mit ihm heraufkommt.«
»Was kommt schon herauf?« Lillian schloß wieder die Augen. »Du brauchst nicht eifersüchtig zu sein. Clerfayt fährt in ein paar Tagen wieder hinunter und wird uns vergessen und wir ihn.«
Sie lag eine Zeitlang still auf ihrem Liegestuhl. Wolkow saß hinter ihr und las. »Manchmal möchte ich etwas ganz Unsinniges tun, Boris«, sagte sie.
»Das möchte jeder.«
»Du auch?«
»Ich auch.«
»Warum tun wir es dann nicht?«
»Es würde nichts ändern.«
»Du auch?«
Boris sah auf die schmale Gestalt vor sich. Wie wenig sie von ihm wußte, obschon sie glaubte, ihn zu verstehen!
* * *
Die Glocken der Kirche im Dorf begannen zu läuten. Wolkow stand auf und ließ den Vorhang gegen die Sonne weiter herunter. »Eva Moser wird morgen entlassen«, sagte er. »Gesund.«
»Ich weiß. Sie ist schon zweimal entlassen worden.«
»Dieses Mal ist sie wirklich gesund. Das Krokodil hat es mir bestätigt.«
Lillian hörte durch das Verhallen der Glocken plötzlich den Ton Giuseppes. Der Wagen kam rasch die Serpentinen herauf und hielt. Sie wunderte sich, weshalb Clerfayt ihn heraufbrachte; es war das erste Mal seit seiner Ankunft.
Eine halbe Stunde später hörte Lillian den Wagen Clerfayts abfahren. Boris war vorher gegangen. Dann stand sie auf und ging nach unten.
Zu ihrem Erstaunen sah sie Clerfayt auf einer Bank vor dem Sanatorium sitzen. »Ich glaubte, Sie wären vorhin nach unten gefahren«, sagte sie und setzte sich neben ihn. »Habe ich bereits Halluzinationen?« »Nein. Das war Hollmann.« »Hollmann?«
»Ja. Ich habe ihn ins Dorf geschickt, eine Flasche Wodka zu kaufen.«
»Mit dem Wagen?«
»Ja«, sagte Clerfayt. »Mit dem Wagen. Es war höchste Zeit.«
Man hörte den Motor wieder. Clerfayt stand auf und horchte. »Nun wollen wir einmal sehen, was er macht – ob er brav und fromm gleich wieder heraufkommt, oder ob er mit Giuseppe absaust.«
»Absaust? Wohin?«
»Wohin er will. Benzin ist genug im Tank. Damit kann er fast bis Zürich kommen.«
»Was?« sagte Lillian. »Was sagen Sie da? Wissen Sie nicht, daß er krank ist?«
»Gerade deshalb. Er hat schon geglaubt, er hätte verlernt zu fahren.«
»Und wenn er sich eine Erkältung holt?«
Clerfayt lachte. »Er ist warm angezogen. Und Rennfahrern geht es mit Wagen so wie Frauen mit Abendkleidern – wenn sie ihnen Spaß machen, erkälten sie sich nie darin.«
Lillian starrte ihn an. »Und wenn er sich trotzdem eine Erkältung holt! Wissen Sie, was das hier oben bedeutet? Man kann sich hier den Tod an einer Erkältung holen!«



