Kitabı oku: «Wunderwelten», sayfa 3
„Über die Temperaturverhältnisse des Raumes sind wir völlig im unklaren“, entgegnete der Engländer: „Die beständige Abnahme der Temperatur ist schon innerhalb der Erdatmosphäre widerlegt, in welcher bekanntlich die große Inversion stattfindet: Die unterste Luftschicht ist 3 bis 4 Kilometer hoch und befindet sich in steter Unruhe und Bewegung; über ihr befindet sich eine ruhigere, trockene, kalte Luftschicht, in der die Temperatur bis zu 85 Grad unter Null abnimmt. In einer Höhe von 10 Kilometern aber beginnt die dritte, sehr gleichmäßige, ruhige und trockene Schicht, die wieder wärmer ist und bei 14 Kilometer Höhe 52 bis 57 Grad unter Null aufweist. Die Theorie der ‚Strahlung‘ von Licht und Wärme halte ich für eine völlig verfehlte: Sie müsste zu ganz unmöglichen Folgerungen führen. Bedenkt man, mit welcher Geschwindigkeit die Erde durch den Raum eilt, so dass in jedem Augenblick neue, zuvor im Raum verlorene Sonnenstrahlen sie treffen, so müsste man annehmen, dass sie überhaupt kein Licht und keine Wärme von der Sonne empfangen könnte, falls nicht der Raum, den sie durchwandert, erleuchtet und erwärmt wäre. Meiner Ansicht nach pflanzen sich Licht und Wärme in der Weise fort, dass die erleuchteten und erwärmten Stoffteile des Raumes sie einander durch Berührung weitergeben, meinetwegen als Schwingungen. Je dünner die Materie ist, desto rascher gibt sie die Schwingungen weiter und desto weniger speichert sie an Licht und Wärme auf; je dichter sie ist, desto mehr absorbiert oder verschluckt sie, speichert davon in sich auf oder wirft die Strahlen zurück, wobei es auf die Art des Stoffes ebenfalls ankommt, auf seine Leitungsfähigkeit, Färbung und so weiter.“
„Sie haben recht, Lord“, mischte sich nun Kapitän Münchhausen in das Gespräch: „Auf den höchsten Berggipfeln, die infolge der mangelnden Erdwärme ewig in Eis und Schnee starren, brennt die Sonne viel heißer als unten in der dichten Atmosphäre. Warum? Die dünne Luft gibt ihre Wärme rascher ab, wobei sie sich selber weniger durch Aufspeicherung erwärmt; der Raum, durch den wir fliegen, ist jedenfalls weit kälter als die Bergluft, aber durchaus nicht so bodenlos kalt, wie man annimmt, und bei Tag werden wir es erfahren, dass die Sonnenstrahlen uns tüchtiger einheizen als irgendwo auf der Erde.“
„Und da eine Hälfte unserer Sannah stets Sonnenlicht genießen wird“, fügte Heinz bei, „so denke ich, werden wir nie unter zu starker Abkühlung zu leiden haben.“
„Damit rechne auch ich“, schloss Flitmore: „Ich glaube, wir werden, solange wir uns im Bereiche der Sonnenwärme befinden, überhaupt keiner Heizung mehr bedürfen; im Gegenteil, die Schutzhülle meines Weltschiffs wird uns vor unerträglicher Hitze bewahren müssen.“
6. Am Mond vorbei.
Unsere Freunde richteten nun ihr Augenmerk wieder auf den Mond, der sein weißes Licht aufs Neue durch das große Deckenfenster sandte; denn Sannah hatte inzwischen eine zweite Umdrehung vollendet.
Er erschien nun als eine ungeheure Kugel, so nah, wie er durch das stärkste irdische Fernrohr nicht gesehen werden kann.
„Wir stürzen geradewegs auf ihn zu!“, rief Lady Flitmore nicht ohne Besorgnis.
„Beruhige dich, Mietje“, tröstete ihr Gatte: „Die Fliehkraft gestattet nicht, dass wir an seiner Oberfläche zerschellen, er muss uns abstoßen, ehe wir ihm nahekommen. Wenn wir übrigens wollten, könnten wir ihm einen Besuch abstatten: Ich brauchte nur den Strom abzustellen.“
„Ich stimme nicht dafür“, erklärte Münchhausen: „Er sieht durchaus nicht einladend aus, dieser Sehnsuchtstraum der Poeten.“
„Und ob wir dort atmen könnten“, meinte Schultze: „Er soll ja keine Atmosphäre besitzen.“
„Was das betrifft“, entgegnete der Lord, „so halte ich vorerst an meiner vorhin geäußerten Meinung fest, dass jeder Weltkörper seine Lufthülle besitzt.“
„Doch hat man nie mit Sicherheit Dämmerungserscheinungen auf ihm beobachten können“, warf der Professor ein.
„Das beweist gar nichts“, widersprach Flitmore hartnäckig: „Erstens wollen mehrere Astronomen Dämmerungserscheinungen auf dem Mond erkannt haben; zweitens gibt es in reiner Luft, wie Tyndall nachwies, überhaupt keine Dämmerungserscheinungen, diese rühren vielmehr von kleinen Partikelchen in der Atmosphäre her; so kennen zum Beispiel auch tropische Länder auf der Erde keine Dämmerung, und die Luft wollen Sie ihnen doch nicht absprechen? Dass der Mond keine Wolkenbildungen zeigt, beweist bloß den Wassermangel auf seiner Oberfläche. Andrerseits erscheint oft ein Stern vor der Mondscheibe, ehe er hinter derselben verschwindet, was sich am leichtesten durch die atmosphärische Lichtbrechung erklären lässt.“
Einladend sah allerdings die Mondlandschaft nicht gerade aus, wie der Kapitän sehr richtig bemerkt hatte: alles erschien starr, öde und tot, ohne eine Spur von Pflanzenwuchs und Wasserläufen. Aber hochinteressant erschien der Anblick und fesselte denn auch die Augen der Beobachter.
Die Gebirge erhoben sich zu ungeheurer Höhe über ihre Umgebung und überall zeigten sich die dem Monde eigentümlichen Ringkrater mit ihren himmelhohen steilen Rändern. Einzelne Erhebungen mochten eine absolute Höhe von 10000 Metern erreichen.
Besondere Aufmerksamkeit wandten der Professor und der Lord dem Krater Linné zu, der von Lohrmann als ein Schacht von zehn Kilometer Durchmesser beschrieben und von Beer und Mädler als solcher mit besonderer Deutlichkeit beobachtet wurde, 1866 aber plötzlich verschwand. An seiner Stelle erschien später ein kleines Kraterchen, das auch die beiden Beobachter der Sannah erblickten.
Gerne hätten sie auch den Doppelkrater Messier betrachtet, der sich ebenfalls in merkwürdiger Weise verändert haben soll: Bei nicht weniger als 300 Beobachtungen von 1829 bis 1837 waren beide Krater rund und einander gleich; heutzutage zeigt der eine Krater eine elliptische Form und die Zwischenwand der beiden Schlünde ist durchbrochen.
Man glaubt auch hie und da ein wogendes Nebelmeer in diesem Krater gesehen zu haben, vielleicht Rauchwolken. Für unsere Freunde war der Messier unsichtbar, weil das Mare foecunditatis, wo er sich befindet, in dunkle Nacht gehüllt war.
Von mehreren Kratern sah man helle Strahlen ausgehen. Namentlich zeigte sich diese merkwürdige Erscheinung an dem großartigsten Ringgebirge des Mondes, dem Tycho, von welchem mehrere hundert getrennte Streifen bis zu 1200 Kilometer Länge ausstrahlten.
Schultze glaubte in diesen rätselhaften Gebilden erstarrte Lavaströme zu erkennen mit glatter glänzender Oberfläche. Dafür spricht der Umstand, dass sie nur bei voller Beleuchtung durch die Sonne sichtbar sind.
Flitmore dagegen wies darauf hin, dass die Strahlen meist erst in einiger Entfernung von den Kraterwällen begannen und dann über Ebenen, Krater, Berge und Täler ununterbrochen hinwegliefen, um dann plötzlich am Fuße irgendeiner Erhebung zu enden oder sich allmählich in einer Ebene zu verlieren. Das stimmte doch nicht recht zu der Theorie der Lavaströme.
Dagegen erkannten beide Forscher deutlich das Wesen der rätselhaften Rillen, die teils gerade, teils gekrümmt, bald vereinzelt, bald sich verzweigend oder einander schneidend, sich in den Ebenen und um die Berge herum zeigten, manchmal auch einen Berg durchbrechend. Sie erwiesen sich als mehr oder weniger breite klaffende Sprünge in der Mondoberfläche.
Mehr als einmal wurden auch Neubildungen auf dem Monde beobachtet, und unsere Freunde hatten das Glück, eine solche unter ihren Augen entstehen zu sehen: in der großen Ebene des Mare imbrium tat sich auf einmal der Boden auf, Rauch und Glut brach hervor und es bildete sich binnen weniger Minuten ein Krater, von dem aus ein Schlamm- oder Lavastrom sich in die Umgebung ergoss.
„Schade, dass die Astronomen auf der Erde den neuen Vulkan nicht sehen können“, meinte Flitmore bedauernd: „Er ist zu klein für ihre Instrumente.“
„Wir haben den Vorgang beobachtet, das genügt!“, triumphierte Schultze.
„Ja“, mischte sich Heinz darein; „Falls wir je wieder die Erde erreichen und Kunde von diesem Vorgang dorthin bringen können.“
„Damit wäre ein alter Streit entschieden“, sagte der Professor, „wenn man uns nämlich Glauben schenkt, was immerhin sehr zweifelhaft bleibt.“
„Was für merkwürdige Farben!“, bemerkte nun Lady Flitmore und wies auf die Gegend des Oceanus procellarum hin.
In der Tat zeigten sich dort ausgedehnte Flecken von hellgrüner und gelblicher Färbung.
„Sollte da am Ende dennoch Pflanzenwuchs vorhanden sein?“, wagte Heinz zu vermuten.
„Achtung, meine Herren!“, rief jetzt der Lord: „Wir werden nun einen Anblick bekommen, den kein irdisches Auge noch genossen hat. Bekanntlich kehrt der Mond der Erde stets nur ein und dieselbe Seite zu, weil er sich genau in der gleichen Zeit um seine Achse wie um die Erde dreht. Nur infolge seiner Libration, das heißt seiner geringen Achsenschwankung, sehen wir bald auf der einen, bald auf der andern Seite einen kleinen Teil der von uns abgekehrten Hälfte.
Nun ist der Moment gekommen, wo wir am Erdtrabanten vorbeifliegen und seine rätselhafte Rückseite zu Gesicht bekommen werden, und zwar aus verhältnismäßiger Nähe; denn wir sind ihm bis auf 10000 Kilometer nahegekommen, während er 400000 Kilometer von der Erde entfernt ist.“
Alle waren aufs höchste gespannt auf den Anblick, den die geheimnisvolle Rückseite des Mondes ihnen gewähren würde, obgleich Schultze meinte, sie werde nicht viel verschieden sein von dem, was man bisher geschaut.
Zur Beobachtung musste ein andres Zimmer aufgesucht werden, da infolge der Umdrehung der Sannah der Mond für das Zimmer, in welchem sich die Gesellschaft befand, gerade unterging.
Der Lord beschloss, sich dem Monde noch weiter zu nähern, damit alle Einzelheiten der zu erwartenden Erscheinungen mit voller Deutlichkeit beobachtet werden könnten. Er stellte daher den Zentrifugalstrom ab und mit rasender Geschwindigkeit stürzte die Sannah dem Monde zu.
Das Nächste, was entdeckt wurde, war die Fortsetzung der farbigen Flecke, die sich durch das Teleskop nun deutlich als grüne Matten und dürre Grassteppen erkennen ließen.
„Was ist das?“, rief Lady Flitmore auf einmal erschreckt aus.
Durch das Fenster fiel ein leuchtender Schein.
Der Lord sah auf und eilte dann mit einem Satz an die Stromschaltung, um die Fliehkraft wieder in Tätigkeit zu setzen.
„Was war’s?“, fragte Heinz.
„Wir sind in die Mondatmosphäre eingedrungen“, erklärte der Engländer, „und bei der Geschwindigkeit unsres Sturzes begannen die Metallränder der Fenstereinfassung trotz des Flintglasschutzes zu glühen; doch die Gefahr ist beseitigt; wir erheben uns bereits wieder über die Atmosphäre.“
„Sie ist also vorhanden, diese vielbezweifelte Mondluft“, sagte Schultze.
„Daran ist nicht mehr zu zweifeln; aber sehen Sie!“ erwiderte Flitmore.
Die Mondoberfläche war kaum noch hundert Kilometer entfernt; so hoch erhob sich der dichtere Teil ihrer atmosphärischen Hülle. Und nun zeigten sich Landschaftsbilder von entzückender Pracht.
Auch hier herrschten die sonderbaren Ringgebirge vor; aber sie waren bewaldet.
Die Entfernung gestattete nicht, mit bloßem Auge die Natur dieser Wälder zu erkennen, das Fernrohr jedoch offenbarte ganz eigentümliche Baumformen, wie sie auf der Erde kaum zu finden sind. Die meisten dieser Gewächse glichen ungeheuren Grasbüscheln auf hohen Stämmen, so dass sie palmenartig aussahen; doch hatten die Bäume nur selten eine eigentliche Krone; meist waren es wagrechte Äste, die ihr buschiges Ende nach allen Seiten hin ausstreckten.
Riesenfarnen und Nadelbäume von demselben eigentümlichen Bau waren an andern Stellen zu sehen; die Wedel standen wagrecht von den Stämmen ab und neigten sich zum Teil nach unten, so dass unter dem Stamm kein Schatten zu finden sein konnte, abgesehen vom spärlichen Schatten des Stammes selber und seines Astholzes; in ziemlicher Entfernung erst umgab den Baum ein Kreis von schattigen Stellen.
In den Ringkratern leuchteten häufig kleinere oder größere Seen; Wasserfälle und Bäche stürzten die steilen Bergwände herab, größere Flussläufe und Meere waren jedoch nicht zu sehen: Die Bäche ergossen sich in kleine Binnenseen oder versandeten in der Ebene; vielfach schienen auch Sümpfe die Niederungen zu bedecken.
Von lebenden Wesen war nichts zu entdecken und Schultze sprach die Vermutung aus, dass eine Tier- und Vogelwelt jedenfalls vorhanden sein dürfte, allein wahrscheinlich nur in einer geringen Anzahl von Exemplaren von bescheidenster Größe, so dass auf solche Entfernung nichts davon zu erkennen sei.
Wolkenbildungen schienen auch auf dieser Seite des Mondes überhaupt nicht vorzukommen, was bei dem Mangel an bedeutenderen Wasserflächen nicht gerade verwunderlich war. Dagegen stiegen da und dort Nebelschleier auf, die dazu dienen mochten, das Land zu befeuchten und die Quellen zu speisen.
Leider war der größte Teil der Mondscheibe auf dieser Seite in Nacht gehüllt, so dass es unbekannt blieb, ob nicht noch unbekannte Wunder, vielleicht gar Spuren menschenähnlicher Geschöpfe in den verborgenen Gegenden zu schauen gewesen wären.
„Einen langen Tag und eine lange Nacht haben die etwaigen Mondbewohner“, sagte Schultze. „Sie währen 14¾ unsrer Erdentage; um so kürzer ist ihr Jahr, denn es dauert eben nur einen Tag und eine Nacht, im ganzen 29½ Erdentage.
Auf dieser Seite des Mondes wird die Erde niemals geschaut, während sie auf der andern, jedenfalls unbelebten und unbewohnbaren Seite des Mondes unbeweglich am Himmel steht, ohne jemals auf- oder unterzugehen oder ihre Lage zu verändern. Sie erscheint dreizehnmal größer als uns auf Erden der Mond erscheint und macht innerhalb 24 Stunden alle Mondphasen durch. Welch herrlichen Anblick und welch strahlendes Licht gewährt sie dort, wo wahrscheinlich niemand sie zu bewundern vermag!“
Lord Flitmore beschloss, von nun ab die Fahrt in die Welträume aufs äußerste zu beschleunigen und stellte den vollen Zentrifugalstrom ein; dann wurde eine Mahlzeit eingenommen, die John als Allerweltskünstler inzwischen bereitet hatte.
Da die Weltallreisenden dringendes Ruhebedürfnis verspürten, wurde beschlossen, dass sich nun jeder in sein eigenes Schlafgemach zurückziehen solle, um einige Stunden des Schlafes zu pflegen.
Bei den zahlreichen Räumen, die Lord Flitmores Sannah enthielt, hatte nämlich jeder ein besonderes und sehr geräumiges Schlafzimmer zur Verfügung.
Zuvor aber wurde der Wachdienst geregelt.
Es wurde allgemein anerkannt, dass eine ständige Wache unerlässlich sei, einmal weil bei einer Fahrt von solch rasender Geschwindigkeit, wie sie jetzt ausgeführt wurde, unbekannte Gefahren jederzeit drohten; sodann, weil besonders interessante Erscheinungen sich bieten konnten, die sich niemand gerne hätte entgehen lassen mögen.
Die Schlafzeit wurde auf 8 Stunden festgesetzt, und da Mietje darauf bestand, ihren Wachdienst gleich den Männern zu versehen, wurde jede „Nacht“, wenn man die Zeit des Schlafes so nennen wollte, in drei Wachen eingeteilt, so dass auf jeden alle 48 Stunden eine Wache von etwa 2¾ Stunden kam; gewiss keine übermäßige Leistung, da er hernach schlafen konnte, solange es ihm behagte.
Der jeweilige Wachhabende hatte die Runde durch alle Beobachtungszimmer zwei- oder dreimal zu machen, um alle Himmelsrichtungen zu beobachten. Sah er eine Gefahr oder etwas besonders Merkwürdiges, so war er verpflichtet, das elektrische Läutwerk erklingen zu lassen, das in allen Gemächern zugleich ertönte und von jedem Zimmer aus durch den Druck auf einen Knopf in Tätigkeit gesetzt werden konnte.
7. Eine ernste Gefahr.
Lord Flitmore übernahm die erste Wache.
Mit ungeheurer Geschwindigkeit stürzte die Sannah ins Leere.
An der Abnahme der scheinbaren Größe des Mondes berechnete der Lord, dass sie etwa 100 Kilometer in der Sekunde zurücklegte.
„Die Geschwindigkeit wird sich mit der Zeit noch verdoppeln, vielleicht verdreifachen“, murmelte er; „aber damit wird sie auch ihre höchste Eile erreicht haben. Im gegenwärtigen Tempo würden wir in neun Tagen die Marsbahn kreuzen, mit 300 Kilometern in der Sekunde in drei Tagen; dann würden wir drei Wochen benötigen, um die Jupiterbahn zu erreichen, weitere 25 Tage, um nach dem Saturn zu gelangen, dann 55 Tage bis zum Uranus und etwa 62 Tage bis zum Neptun, im ganzen fünfeinhalb Monate. Das würde elf Monate ausmachen, bis wir wieder zur Erde zurückgelangten, und so lange kann ich wohl hoffen, dass unsere Luftvorräte ausreichen, ganz abgesehen von der Möglichkeit, ja Wahrscheinlichkeit, sie auf irgendeinem Planeten erneuern zu können, wodurch wir in Stand gesetzt würden, noch unbestimmte Zeit auf die Besichtigung und Erforschung der Planeten zu verwenden, deren Natur unserer Konstitution einen Aufenthalt auf ihrer Oberfläche gestatten würde. So könnten wir also ohne besonderes Risiko bis an die Grenzen unseres Sonnensystems reisen.“
„Prächtig!“, rief eine Stimme.
„Oho, Sie sind’s, Professor?“, sagte der Lord, sich umwendend. „Sie sind zu früh dran; erst in einer halben Stunde kommt die Wache an Sie.“
„Na! Ich habe die zwei Stunden famos geschlafen und fühle mich ganz munter; so wollte ich Ihnen die letzte Zeit Ihrer Wache Gesellschaft leisten; aber Sie werden müde sein; legen Sie sich nur gleich, wenn Sie wollen, ich bin ja auf dem Posten.“
„Ich fühle nichts von Müdigkeit; ich bin es gewohnt, lange zu wachen.“
„Also bis zum Neptun können wir reisen, wenn ich Sie recht verstand? Das ist ja famos!“
„Für mich bedeutet es vielmehr eine Enttäuschung: Ich wünschte die Welträume jenseits unsres Sonnensystems zu erforschen; aber das scheint nun ausgeschlossen, denn wir würden bei einer Geschwindigkeit von nur 300 Kilometern in der Sekunde so beiläufig 4500 Jahre brauchen, um den nächsten Fixstern Alpha Centauri zu erreichen.“
„Na, wissen Sie, Lord, wenn wir uns hier in der Unendlichkeit bewegen, außerhalb des Bereichs irdischer Naturgesetze, so ist es ja wohl gar nicht ausgeschlossen, dass wir einige tausend Jahre alt werden“, scherzte Schultze.
„Und auf leibliche Nahrung und Atmung in gesunder Luft dabei verzichten können“, ergänzte Flitmore. „Kann sein! Denn was ein Professor für möglich hält, muss sein können. Aber ich fürchte, wir würden an Langerweile zu Grunde gehen, wenn wir viereinhalb Tausend Jährlein durch den leeren Raum reisen wollten.“
„Hören Sie, Lord“, sagte Schultze unvermittelt: „Die Sonne wird merkwürdig klein!“
Er hatte einen Blick zum Fenster hinausgeworfen und zu seiner Verblüffung bemerkt, dass die Sonnenscheibe kaum noch halb so groß erschien, wie gewöhnlich und auch an Glanz in ähnlichem Verhältnis abgenommen hatte.
Bei einer Geschwindigkeit von 360000 Kilometern in der Stunde war diese Erscheinung ein Rätsel: Vier bis fünf Tage von 24 Stunden hätte normalerweise die Fahrt währen müssen, bis die Sonne in solcher Entfernung sich zeigte.
Flitmore wunderte sich zunächst nicht weiter über des Professors Bemerkung: „Ja“, sagte er, „wir entfernen uns immer mehr von unserm Zentralgestirn.“
Dabei blickte auch er zum Fenster empor.
„Halloh!“, rief er nun aber ganz verblüfft: „Was soll das bedeuten?“
Er griff sich an die Stirn, als zweifle er, ob er wache oder träume.
„Lord, die Sannah macht nicht 300, sondern 15000 Kilometer in der Sekunde“, rief Schultze aus: „Auf diese Weise erreichen wir Alpha Centauri bereits in 90 Jahren; wenn übrigens die Geschwindigkeit Ihres wunderbaren Weltschiffes im gleichen Tempo noch weiter zunimmt, wie anzunehmen ist, so können auch 90 Tage daraus werden.“
„Ausgeschlossen, völlig ausgeschlossen!“, sagte nun Flitmore ruhig und bestimmt, ging hin und unterbrach den Zentrifugalstrom.
„Was machen Sie da?“, fragte der Professor.
„Es war die höchste Zeit, dass wir die Sachlage entdeckten“, erklärte der Lord: „Wir müssen bereits über die Marsbahn hinausgekommen sein. Hätte ich mich zur Ruhe gelegt und Sie hätten die Bedeutung der auffallenden Erscheinung nicht erkannt, so wären wir rettungslos verloren gewesen. Ja, verloren im unendlichen Raum! Es handelt sich hier nicht um eine fabelhafte Geschwindigkeit unseres Fahrzeugs, sondern um die rasende Schnelligkeit, mit der unser Sonnensystem durch das Weltall saust. Da wir die Anziehungskraft für uns aufgehoben hatten, nahm uns das Sonnensystem auf seiner Fahrt nicht mit, sondern drohte, uns hinter sich zurück im Raum zu lassen.“,
„Erlauben Sie, Lord! Die Sonne soll sich freilich mit ihren Trabanten auf das Sternbild des Herkules zu bewegen, aber nur mit 16 Kilometern in der Sekunde, so dass diese Bewegung gegen die 300 Sekundenkilometer der Sannah kaum in Betracht kommt und keinesfalls unsre rasche Entfernung von der Sonne erklärt.“
„Sie haben recht, Professor; aber da ist eine Bewegung, die kein irdischer Astronom erkennen konnte, die aber geahnt und vermutet worden ist, und die sich in diesem Augenblick enthüllt hat: Die ganze Fixsternwelt, innerhalb deren sich die einzelnen Systeme bewegen, wie etwa unser Sonnensystem nach dem Herkules, bildet wiederum ein großes System, das offenbar mit 15000 oder noch mehr Sekundenkilometern wie ein Strom durch die Unendlichkeit des Raums dahinfährt und diese Strömung ist es, die drohte uns unser Sonnensystem in kurzer Zeit zu entführen, so dass wir im Leeren zurückgeblieben wären, fern von allen Weltkörpern, die uns hätten anziehen oder abstoßen können und uns so die Aussicht gewährt hätten, irgendwo zu landen.“
„Nanu! So hätten wir eben zuwarten müssen, bis der große Weltenstrom neue Welten in unsre Nähe geführt hätte.“
„Ein guter Gedanke; aber wer weiß, wie viele tausend Jahre wir darauf hätten warten müssen. Jedenfalls zog ich es vor, uns wieder dem Einfluss der Anziehungskraft zu überlassen, da es zunächst für unsre Sicherheit notwendig erscheint, unser Sonnensystem nicht zu verlassen. Jetzt werden wir voraussichtlich in die Attraktionssphäre des Mars geraten und müssen aufpassen, dass wir nicht unsanft auf ihn herabstürzen. Ich werde mich daher nicht zur Ruhe begeben, um meine Maßregeln rechtzeitig treffen zu können.“
