Kitabı oku: «Ein Kampf um Rom», sayfa 43
»Halt!« donnerte er ihnen zu, »halt, ihr feigen Hunde. Wer flieht, wo Belisar streitet?
Ich bin mitten unter euch, kehrt und siegt!«
Und aufschlug er das Visier des Helmes und zeigte ihnen das majestätische, das löwengewaltige Antlitz.
Und so mächtig war die Macht dieser Heldenpersönlichkeit, so groß das Vertrauen auf sein sieghaftes Glück, daß in der Tat alle, welche die hohe Gestalt des Feldherrn auf seinem Rotscheck erkannten, stutzten, hielten und mit einem Ruf der Ermutigung sich den nachdringenden Goten wieder entgegenwandten. An dieser Stelle wenigstens war die Flucht zu Ende.
Da schritt ein gewaltiger Gote heran, leicht sich Bahn brechend. »Heia, das ist fein, daß ihr einmal des Laufens müde seid, ihr flinken Griechlein. Ich konnt’ euch nicht mehr nach vor Schnaufen. In den Beinen seid ihr uns überlegen. Laßt sehn, ob auch in den Armen. Ha, was weicht ihr, Burschen!
Vor dem, auf dem Braunscheck? Was ist’s mit dem?«
»Herr, das muß ein König sein unter den Welschen, kaum kann man sein zornig Auge tragen.«
»Das wäre! Ah — das muß Belisarius sein! Freut mich«, schrie er ihm hinüber, »daß wir uns treffen, du kühner Held. Nun spring vom Roß und laß uns die Kraft der Arme messen. Wisse, ich bin Hildebad, des Tota Sohn. Sieh, auch ich bin ja zu Fuß. Du willst nicht?« rief er zornig. »Muß man dich vom Gaule holen?« Und dabei schwang er in der Rechten wiegend den ungeheuren Speer.
»Wende, Herr, weich aus«, rief Aigan, »der Riese wirft ja junge Mastbäume.« — »Wende, Herr«, wiederholten seine Hypaspisten ängstlich.
Aber Belisar ritt, das kurze Schwert gezückt, ruhig dem Goten um eine Pferdelänge näher. Sausend flog der balkengleiche Speer heran, grad gegen Belisars Brust.
Aber grad’, ehe er traf — ein kräftiger Hieb von Belisars kurzem Römerschwert, und drei Schritte seitwärts fiel der Speer harmlos nieder.
»Heil Belisarius! Heil«, schrien die Byzantiner ermutigt und drangen auf die Goten ein.
»Ein guter Hieb«, lachte Hildebad grimmig. »Laß sehen, ob dir deine Fechtkunst auch gegen den hilft.« Und sich bückend hob er aus dem Ackerfeld einen alten, zackigen Grenzstein, schwang ihn mit zwei Armen erst langsam hin und her, hob ihn dann über den Kopf mit beiden Händen und schleuderte ihn mit aller Kraft auf den heransprengenden Helden — ein Schrei des Gefolges: — rücklings stürzte Belisar vom Pferd.
Da war es aus.
»Belisarius tot! Wehe! Alles verloren, wehe!« schrien sie, als die hochragende Gestalt verschwunden, und jagten besinnungslos nach dem Lager zu. Einzelne flohen unaufhaltsam bis an und in die Tore Roms.
Umsonst war’s daß sich die Lanzen— und Schildträger todesmutig den Goten entgegenwarfen: sie konnten nur ihren Herrn, nicht die Schlacht mehr retten.
Den ersten tödlichen Schwerthieb Hildebads, der herangestürmt war, fing der treue Maxentius auf mit der eignen Brust. Aber hier sank auch ein gotischer Reiter endlich vom Roß, der erst nach Hildebad Belisar erreicht und sieben Leibwächter erschlagen hatte, um bis zum Magister Militum durchzudringen. Mit dreizehn Wunden fanden ihn die Seinen. Aber er blieb am Leben. Und er war einer der wenigen, welche den ganzen Krieg durchkämpften und überlebten —, Wisand, der Bandalarius.
Belisar, von Aigan und Valentius, seinem Hippokomos (Roßwart) wieder auf den Rotschecken gehoben und rasch von der Betäubung erholt, erhob umsonst den Feldherrnstab und Feldherrnruf: sie hörten nicht mehr und wollten nicht hören. Umsonst hieb er nach allen Seiten unter die Flüchtigen: er wurde fortgerissen von ihren Wogen bis ans Lager.
Hier gelang es ihm noch einmal, an einem festen Tor, die nachdringenden Goten aufzuhalten. »Die Ehre ist hin«, sagte er unwillig, »laßt uns das Leben wahren.« Mit diesen Worten ließ er die Lagertore schließen, ohne Rücksicht auf die großen Massen der noch Ausgeschlossenen.
Ein Versuch des ungestümen Hildebad, ohne weiteres einzudringen, scheiterte an dem starken Eichenholz des Pfahlwerks, das dem Speerwurf und den Schleudersteinen trotzte. Unmutig auf seinen Speer gelehnt, kühlte er sich einen Augenblick von der Hitze.
Da bog Teja, der längst, wie der König und Totila, abgesessen, prüfend und das Pfahlwerk messend, um die Ecke des Walls.
»Die verfluchte Holzburg«, rief ihm Hildebad entgegen. »Da hilft nicht Stein, nicht Eisen.«
»Nein«, sagte Teja, »aber Feuer!« Er stieß mit dem Fuß in einen Aschenhaufen, der neben ihm lag. »Das sind die Wachtfeuer, samt dem Reisig, von heute nacht. Hier glimmen noch Gluten! Hierher, ihr Männer, steckt die Schwerter ein, entzündet das Reisig! Werft Feuer in das Lager!«
»Prachtjunge«, jubelte Hildebad, »flugs, ihr Burschen, brennt sie aus, wie den Fuchs aus dem Bau! Der frische Nordwind hilft.« Rasch waren die Wachtfeuer wieder entfacht, Hunderte von Bränden flogen in das trockne Sparrenwerk der Schanze. Und bald schlugen die Flammen lodernd gen Himmel. Der dichte Qualm, vom Wind ins Lager getragen, schlug den Byzantinern ins Gesicht und machte die Verteidigung der Wälle unmöglich. Sie wichen in das Innere des Lagers.
»Wer jetzt sterben dürfte!« seufzte Belisar. »Räumt das Lager! Hinaus zur Porta decumana. In gut geschlossener Ordnung zu den Brücken hinter uns!«
Aber der Befehl, das Lager zu räumen, zerriß das letzte Band der Zucht, der Ordnung und des Mutes. Während unter Tejas dröhnenden Axthieben die verkohlten Torbalken niederkrachten und mitten durch Flammen und Qualm der schwarze Held, wie ein Feuerdämon, der erste durch das prätorische Tor ins Lager sprang, rissen die Flüchtenden alle Tore, auch die seitwärts aus dem Lager nach Rom zu führten, die Portä prinzipalis rechts und links, auf einmal auf und strömten in wirren Massen nach dem Fluß. Die ersten erreichten noch sicher und unverfolgt die beiden Brücken; sie hatten großen Vorsprung, bis Hildebad und Teja Belisar aus dem brennenden Lager herausgedrängt.
Aber plötzlich — neues Entsetzen! — schmetterten die gotischen Reiterhörner ganz nahe.
Witichis und Totila hatten sich, sowie sie das Lager genommen wußten, sogleich wieder zu Pferd geworfen und führten nun ihre Reiter von beiden Seiten, links und rechts vom Lager her, den Flüchtenden in die Flanken.
Eben war Belisar aus dem decumanischen Lagertor gesprengt und eilte nach der einen Brücke zu, als er von links und rechts die verderblichen Reitermassen heransausen sah. Noch immer verlor der gewaltige Kriegsmann die Fassung nicht. »Vorwärts im Galopp an die Brücken!« befahl er seinen Sarazenen, »deckt sie!«
Es war zu spät: Ein dumpfer Krach, gleich darauf ein zweiter, die beiden schmalen Brücken waren unter der Last der Flüchtenden eingebrochen, und zu Hunderten stürzten die hunnischen Reiter und die illyrischen Lanzenträger, Justinians Stolz, in das sumpfige Gewässer.
Ohne Bedenken spornte Belisar, an dem steilen Ufer angelangt, sein Pferd in die schäumende und blutig gefärbe Flut. Schwimmend erreichte er das andere Ufer. »Salomo, Dahisthäos«, sagte er, sowie er drüben gelandet, zu seinen raschesten Prätorianern, »auf, nehmt hundert aus meinen Reiterwachen und jagt, was ihr könnt, nach dem Engpaß. Überreitet alle Flüchtigen. Ihr müßt ihn vor den Goten erreichen, hört ihr? Ihr müßt! Er ist unser letzter Strohhalm.«
Beide gehorchten und sprengten blitzschnell davon.
Belisar sammelte, was er von den zerstreuten Massen erreichen konnte. Die Goten waren wie die Byzantiner durch den Fluß eine Weile aufgehalten. Aber plötzlich rief Aigan: »Da sprengt Salomo zurück!« — »Herr«, rief dieser heranjagend: »alles ist verloren! Waffen blitzen im Engpaß. Er ist schon besetzt von den Goten.«
Da, zum erstenmal an diesem Tage des Unglücks, zuckte Belisar zusammen. »Der Engpaß verloren? — Dann entkommt kein Mann vom Heere meines Kaisers. Dann fahrt wohl: Ruhm, Antonina und Leben. Komm, Aigan, zieh das Schwert — laß mich nicht lebend fallen in Barbarenhand.«
»Herr«, sagte Aigan, »so hört’ ich euch nie reden.«
»So war’s auch noch nie. Laß uns absteigen und sterben.« Und schon hob er den rechten Fuß aus dem Bügel, vom Roß zu springen, da sprengte Dagisthäos heran —: »Getrost, mein Feldherr!« — »Nun?« — »Der Engpaß ist unser — römische Waffen sind’s, die wir dort sahen. Es ist Cethegus, der Präfekt! Er hielt ihn geheim besetzt.«
»Cethegus?« rief Belisar. »Ist’s möglich? Ist’s gewiß?«
»Ja, mein Feldherr. Und seht, es war hoch an der Zeit.« Das war es. Denn eine Schar gotischer Reiter, von König Witichis gesendet, den Flüchtenden am Engpaß vorauszukommen, hatte durch eine Furt den Fluß durchschritten, den Reitern Belisars den Weg abgeschnitten und vor ihnen den verhängnisvollen Paß erreicht. Aber eben als sie dort einwollten, brach Cethegus an der Spitze seiner Isaurier aus dem Versteck der Schlucht hervor und warf die überraschten Goten nach kurzem Gefecht in die Flucht.
»Der erste Glanz des Sieges an diesem schwarzen Tag!« rief Belisar. »Auf, nach dem Engpaß!« Und mit besserer Ordnung und Ruhe führte der Feldherr seine gesammelten Scharen an die Waldhügel.
»Willkommen in Sicherheit, Belisarius«, rief ihm Cethegus zu, seine Schwertklinge säubernd. »Ich warte hier auf dich seit Tagesanbruch. Ich wußte wohl, daß du zu mir kommen würdest.«
»Präfekt von Rom«, sprach Belisar, ihm vom Pferd herunter die Hand reichend: »du hast des Kaisers Heer gerettet, das ich verloren hatte: ich danke dir.«
Die frischen Truppen des Präfekten hielten, eine undurchdringliche Mauer, den Paß besetzt, die zerstreut heranflüchtenden Byzantiner durchlassend und Angriffe der ersten ermüdeten Verfolger, die über den Fluß gedrungen — sie hatten einen vollen Tag des Kampfes hinter sich —, in der günstigen Stellung ohne Mühe abwehrend.
Vor Einbruch der Dunkelheit nahm König Witichis seine Scharen zurück, auf dem Schlachtfeld ihres Sieges zu übernachten, während Belisar mit seinen Feldherren einstweilen im Rücken des Passes, so gut es gehen wollte, die aufgelösten Heeresmassen, wie sie zerstreut und vereinzelt eintrafen, ordnete. Als Belisar wieder einige tausend Mann beisammen hatte, ritt er zu Cethegus heran und sprach: »Was meinst du, Präfekt von Rom? Deine Truppen sind noch frisch. Und die Unsern müssen ihre Scharte auswetzen. Laß uns hervorbrechen noch einmal — die Sonne geht noch nicht gleich unter — und das Los des Tages wenden.«
Mit Staunen sah ihn Cethegus an und sprach die Worte Homers: »Wahrlich, ein schreckliches Wort, du Gewaltiger, hast du gesprochen. Unersättlicher! So schwer erträgst du’s, ohne Sieg aus einer Schlacht zu gehn? Nein, Belisarius! dort winken die Zinnen Roms: dahin führe deine todesmatten Völker. Ich halte diesen Paß, bis ihr die Stadt erreicht. Und froh will ich sein, wenn mir das gelingt.«
Und so war’s geschehn. Belisar vermochte unter den damaligen Umständen weniger als je den Präfekten gegen dessen Willen zu bewegen. So gab er nach und führte sein Heer nach Rom zurück, das er mit dem Einbruch der Nacht erreichte.
Lange wollte man ihn nicht einlassen. Den von Staub und Blut Bedeckten erkannte man nur schwer. Auch hatten Versprengte die Nachricht aus der Schlacht in die Stadt getragen, der Feldherr sei gefallen und alles verloren. Endlich erkannte ihn Antonina, die ängstlich auf den Wällen seiner harrte. Durch das pincianische Tor ließ man ihn ein; es hieß seitdem Porta belisaria.
Feuerzeichen auf den Wällen zwischen dem flaminischen und dem pincianischen Tor verkündeten die Erreichung Roms dem Präfekten, der nun, in guter Ordnung und von den ermüdeten Siegern kaum verfolgt, im Schutze der Nacht seinen Rückzug bewerkstelligte.
Nur Teja drängte nach mit einigen seiner Reiter bis an das Hügelland, wo heute Villa Borghese liegt, und bis zur Aqua Acetosa.
ACHTES KAPITEL
Am Tage darauf erschien das ganze zahlreiche Heer der Goten vor der ewigen Stadt, die es in sieben Lagern umschloß.
Und nun begann jene denkwürdige Belagerung, die nicht minder das Feldherrntalent und die Erfindungsgabe Belisars als den Mut der Belagerer entfalten sollte.
Mit Schrecken hatten die Bürger Roms von ihren Mauern herab mit angesehen, wie die Scharen der Goten nicht enden wollten. »Sieh hin Präfekt, sie überflügeln alle deine Mauern.« — »Ja! In die Breite! Laß sehen, ob sie sie in der Höhe überflügeln. Ohne Flügel kommen sie nicht herüber.«
Nur zwei Tausendschaften hatte Witichis in Ravenna zurückgelassen, acht hatte er unter den Grafen Uligis von Urbssalvia und Ansa von Asculum nach Dalmatien entsendet, diese Provinz und Liburnien den Byzantinern zu entreißen und zumal das wichtige Salona wiederzugewinnen; durch Söldner in Savien geworben, sollten sie sich verstärken.
Auch die gotische Flotte sollte — gegen Tejas Rat! — dort, nicht gegen den Hafen von Rom, Portus, wirken.
Den Umkreis der Stadt Rom aber und ihre weit hinausgestreckten Wälle, die Mauern Aurelians und des Präfekten, umgürtete nun der König mit einhundertundfünfzig Tausendschaften.
Rom hatte damals fünfzehn Haupttore und einige kleinere.
Von diesen umschlossen die Goten den schwächeren Teil der Umwallung, den Raum, der von dem flaminischen Tor im Norden (östlich von der jetzigen Porta del Popolo) bis zum pränestinischen Tor reicht, vollständig mit sechs Heerlagern; nämlich die Wälle vom flaminischen Tor gegen Osten bis ans pincianische und salarische, dann bis an das nomentanische Tor (südöstlich von Porta pia), ferner bis gegen das »geschlossene Tor«, die Porta clausa, endlich südlich von da das tiburtinische Tor (heute Porta San Lorenzo) und das asinarische, metronische, latinische (an der Via latina), das appische (an der Via appia) und das Sankt-Pauls-Tor, das zunächst dem Tiberufer lag. Alle diese sechs Lager waren auf dem linken Ufer des Flusses.
Um aber zu verhüten, daß die Belagerten durch Zerstörung der milvischen Brücke den Angreifern den Übergang über den Fluß und das ganze Gebiet auf dem rechten Tiberufer bis an die See abschnitten, schlugen die Goten ein siebentes Lager auf dem rechten Tiberufer: »auf dem Felde Neros«, vom vatikanischen Hügel bis gegen die milvische Brücke hin (unter dem »Monte Mario«). So war die milvische Brücke durch ein Gotenlager gedeckt und die Brücke Hadrians bedroht, sowie der Weg nach der Stadt durch die »Porta Sancti Petri«, wie man damals schon, nach Prokops Bericht, das innere Tor Aurelians nannte. Es war das nächste an dem Grabmal Hadrians. Aber auch das Tor von Sankt Pankratius rechts des Tibers war von den Goten scharf beobachtet.
Dies Lager auf dem neronischen Feld, auf dem rechten Tiberufer, zwischen dem pankratischen und dem Petrus-Tor, überwies Witichis dem Grafen Markja von Mediolanum, der aus den Cottischen Alpen und der Beobachtung der Franken zurückgerufen worden war. Aber der König selbst weilte oft hier, das Grabmal Hadrians mit scharfen Blicken prüfend.
Er hatte kein einzelnes Lager übernommen, sich die Gesamtleitung vorbehaltend, vielmehr die sechs übrigen an Hildebrand, Totila, Hildebad, Teja, Guntharis und Grippa verteilt. Jedes der sieben Lager ließ der König mit einem tiefen Graben umziehn, die dadurch ausgehobne Erde zu einem hohen Wall zwischen Graben und Lager aufhäufen und diesen mit Pfahlwerk verstärken, — sich gegen Ausfälle zu sichern.
Aber auch Belisar und Cethegus verteilten ihre Feldherren und Mannschaften nach den Toren und Regionen Roms. Belisar übertrug das pränestinische Tor im Osten der Stadt (heute Porta maggiore) Bessas, das stark bedrohte flaminische, dem ein gotisches Lager, das Totilas, in gefährlicher Nähe lag, Constantinus, der es durch Marmorquadern, aus römischen Tempeln und Palästen gebrochen, fast ganz zubauen ließ.
Belisar selbst schlug sein Standlager auf im Norden der Stadt. Dieser war unter den ihm von Cethegus eingeräumten Teilen der Festung Rom der schwächste.
Den Westen und Süden hielt eifersüchtig, unentfernbar und unentbehrlich, der Präfekt.
Aber hier im Norden war Belisar Herr: zwischen dem flaminischen und dem pincianischen — oder nun »belisarischen« — Tor, dem schwächsten Teil der Umwallung, ließ er sich nieder, zugleich Ausfälle gegen die Barbaren planend. Die übrigen Tore überwies er den Führern des Fußvolks Peranius Magnus, Ennes, Artabanes, Azarethas und Chilbudius.
Der Präfekt hatte alle Tore auf dem rechten Tiberufer übernommen, die neue Porta aurelia an der älischen Brücke bei dem Grabmal Hadrians, die Porta septimiana, das alte aurelische Tor, das nun das pankratische hieß, und die Porta portuensis, auf dem linken Ufer aber noch das Tor Sankt Pauls. Erst das nächste Tor weiter östlich, das ardeatinische, stand unter byzantinischer Besatzung: Chilbudius befehligte hier.
Gleich unermüdlich und gleich erfinderisch erwiesen sich die Belagerer und die Belagerten in Plänen des Angriffs und der Verteidigung. Lange Zeit handelte es sich nur um Maßregeln, welche die Bedrängung der Römer ohne Sturm, vor dem Sturm, bezweckten, und andrerseits sie abwehren sollten.
Die Goten, Herren und Meister der Campagna, suchten die Belagerten auszudursten: sie schnitten alle die prachtvollen vierzehn Wasserleitungen ab, welche die Stadt speisten. Belisar ließ vor allem, als er dies vernahm, die Mündungen innerhalb der Stadt verschütten und vermauern. »Denn«, hatte ihm Prokop gesagt, »nachdem du, o großer Held Belisarius, durch eine solche Wasserrinne nach Neapolis hineingekrochen bist, könnte es den Barbaren einfallen, — und kaum schimpflich scheinen, — auf dem gleichen Heldenpfad sich nach Rom hineinzukrabbeln.«
Den Genuß des geliebten Bades mußten die Belagerten entbehren: kaum reichten die Brunnen in den vom Fluß entlegenen Stadtteilen für das Trinkwasser aus.
Durch das Abschneiden des Wassers hatten aber die Barbaren den Römern auch das Brot abgeschnitten. — Wenigstens schien es so. Denn die sämtlichen Wassermühlen Roms versagten nun. Das aufgespeicherte Getreide, das Cethegus aus Sizilien gekauft, das Belisar aus der Umgegend Roms zwangsweise hatte in die Stadt schaffen lassen, trotz des Murrens der Pächter und Colonen, dieses Getreide konnte nicht mehr gemahlen werden.
»Laßt die Mühlen durch Esel und Rinder drehen!« rief Belisar. »Die meisten Esel waren klug genug und die Rinder, ach Belisarius«, sprach Prokop, »sich nicht mit uns hier einsperren zu lassen. Wir haben nur so viel, als wir brauchen, sie zu schlachten. Sie können unmöglich erst Mühlen drehen und dann noch Fleisch genug haben, das gemahlene Brot selbst zu belegen.«
»So rufe mir Martinus. Ich habe gestern an dem Tiber, die Gotenzelte zählend, zugleich einen Gedanken gehabt... —«
»Den Martinus wieder aus dem Belisarischen in das Mögliche übersetzen muß. Armer Mann! Aber ich gehe, ihn zu holen.«
Als aber am Abend des gleichen Tages Belisar und Martinus durch zusammengelegte Boote im Tiber die erste Schiffsmühle herstellten, welche die Welt kannte, da sprach bewundernd Prokopius: »Das Brot der Schiffsmühle wird länger die Menschen erfreun, als deine größten Taten. Dies so gemahlene Mehl schmeckt nach Unsterblichkeit.« Und wirklich ersetzten die von Belisar erdachten, von Martinus ausgeführten Schiffsmühlen den Belagerten während der ganzen Dauer der Einschließung die gelähmten Wassermühlen.
Hinter der Brücke nämlich, die jetzt Ponte San Sisto heißt, auf der Senkung des Janiculus, befestigte Belisar zwei Schiffe mit Seilen und legte Mühlen über deren flaches Deck, so daß die Mühlenräder durch den Fluß, der aus dem Brückenbogen mit verstärkter Gewalt hervorströmte, von selbst getrieben wurden.
Eifrig trachteten alsbald die Belagerer, diese Vorrichtungen, die ihnen Überläufer schilderten, zu zerstören. Balken, Holzflöße, Bäume warfen sie oberhalb der Brücke von dem von ihnen beherrschten Teil aus in den Fluß und zertrümmerten so in einer Nacht wirklich alle Mühlen. Aber Belisar ließ sie wieder herstellen und nun oberhalb der Brücke starke Ketten gerade über den Fluß ziehen und so auffangen, was die Mühlen bedrohend herabtrieb.
Nicht nur seine Mühlen sollten diese eisernen Stromriegel decken: sie sollten auch verhindern, daß die Goten auf Kähnen und Flößen den Fluß herab und, ohne die Brücke, in die Stadt drängten.
Denn Witichis traf nun alle Vorbereitungen zum Sturm.
Er ließ hölzerne Türme bauen, höher als die Zinnen der Stadtmauer, die auf vier Rädern von Rindern gezogen werden sollten. Dann ließ er Sturmleitern in großer Zahl beschaffen und vier furchtbare Widder oder Mauerbrecher, die je eine halbe Hundertschaft schob und bediente. Mit unzähligen Bündeln von Reisig und Schilf sollten die tiefen Gräben ausgefüllt werden.
Dagegen pflanzten Belisar und Cethegus, jener im Norden und Osten, dieser im Westen und Süden die Verteidigung der Stadt überwachend, Ballisten und Wurfbogen auf die Wälle, die auf große Entfernung balkenähnliche Speergeschosse schleuderten, mit solcher Kraft, daß sie einen gepanzerten Mann völlig durchbohrten. Die Tore schützten sie durch »Wölfe«, d. h. Querbalken, mit eisernen Stacheln besetzt, die man auf die Angreifer niederschmettern ließ, wann sie dicht bis an das Tor gelangt waren. Und endlich streuten sie zahlreiche Fußangeln und Stachelkugeln auf den Vorraum zwischen den Gräben der Stadt und dem Lager der Barbaren.
