Kitabı oku: «Globaler Klimawandel aus ökonomischer Perspektive»

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Frank Hubert

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1. Auflage 2020

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© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-037391-4

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pdf: ISBN 978-3-17-037392-1

epub: ISBN 978-3-17-037393-8

mobi: ISBN 978-3-17-037394-5

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Inhaltsverzeichnis

1  Vorwort

2  1. Ökologische Hintergründe, empirische Fakten und Institutionen

3  1.1 Wetter, Klima, Klimamodelle

4  1.2 Treibhausgase und Temperaturanstieg

5  1.3 Entwicklung der Treibhausgasemissionen: Daten und Trends

6  1.4 Institutioneller Rahmen zur Bekämpfung der Erderwärmung

7  2. Gesamtwirtschaftliche Perspektive: Klimawandel aus Sicht der Volkswirtschaften

8  2.1 Umweltschutz als wirtschaftspolitisches Ziel

9  2.2 Marktversagen im Umweltbereich

10  2.2.1 Öffentliche Güter

11  2.2.2 Externe Kosten

12  2.2.3 Verursacherprinzip

13  2.3 Staatsversagen im Umweltbereich

14  2.3.1 Ökonomische Theorie der Politik

15  2.3.2 Einfluss von Interessengruppen

16  2.4 Klimawandel und Gerechtigkeit

17  2.4.1 Internationale Ebene

18  2.4.2 Nationale Ebene

19  2.4.3 Generationengerechtigkeit

20  3. Folgen des Klimawandels auf verschiedenen Ebenen der Makroumwelt

21  3.1 Ökologische Konsequenzen

22  3.2 Politisch-rechtliche Konsequenzen

23  3.3 Gesellschaftliche Konsequenzen

24  3.4 Technologische Konsequenzen

25  3.5 Ökonomische Konsequenzen

26  3.6 Kosten des Klimawandels

27  4. Risiken und Chancen ausgewählter Sektoren: Klimawandel auf Branchenebene

28  4.1 Energiewirtschaft

29  4.2 Automobilindustrie und Verkehrssektor

30  4.3 Land- und Forstwirtschaft

31  4.4 Tourismusbranche

32  4.5 Baugewerbe

33  4.6 Pharmaindustrie und Gesundheitswesen

34  4.7 Weitere Industriebereiche

35  4.8 Finanzwirtschaft

36  4.9 IT-Branche

37  5. Einzelwirtschaftliche Perspektive: Folgen des Klimawandels für Unternehmen und Verbraucher

38  5.1 Direkte betriebliche Folgen

39  5.2 Indirekte betriebliche Folgen

40  5.3 Konsequenzen für das betriebliche Risikomanagement

41  5.3.1 Risiko und Risikomanagementprozess

42  5.3.2 Risikobeurteilung

43  5.3.3 Risikobewältigung

44  5.4 Konsequenzen für den Konsum und das Verhalten der Verbraucher

45  6. Lösungsansätze auf Makroebene

46  6.1 Vermeidung versus Anpassung

47  6.2 Ursachenadäquate Ansätze zur Begrenzung des Klimawandels

48  6.2.1 Beurteilungskriterien für umweltpolitische Instrumente

49  6.2.2 Information und Aufklärung

50  6.2.3 Subventionen und Transferzahlungen

51  6.2.4 Auflagen und Standards

52  6.2.5 CO2-Steuern

53  6.2.6 CO2-Zertifikate

54  6.2.7 Ein Vorschlag für ein modifiziertes weltweites Zertifikatesystem

55  6.2.8 Begleitende Investitions- und Innovationsoffensive

56  6.3 Geo-Engineering

57  6.4 Ergänzende Anpassungsstrategien

58  6.5 Das Klimapaket der Bundesregierung

59  7. Handlungsoptionen auf Mikroebene

60  7.1 Wettbewerbsumfeld der Unternehmen

61  7.2 Betriebliche Handlungsmöglichkeiten

62  7.2.1 Innovative Entwicklung umweltfreundlicher Güter

63  7.2.2 Energieeffiziente und klimagerechte Produktionsverfahren

64  7.2.3 Umweltmarketing

65  7.3 Umstellung des Verbraucherverhaltens und nachhaltige Lebensstile

66  7.3.1 Wohnen und Arbeiten

67  7.3.2 Ernährung und Bekleidung

68  7.3.3 Mobilität und Freizeitverhalten

69  8. Fazit

70  Literaturverzeichnis

Vorwort

Die monatelangen Waldbrände in Australien zum Jahreswechsel 2019/20 sowie zahlreiche weitere Extremwetterereignisse, wie große Überschwemmungen sowie Orkane und Tornados, zeigen rund um den Globus die Verwundbarkeit der Menschheit durch solche natürlichen Katastrophen. Deutschland erlebte 2018 einen Jahrhundertsommer mit anhaltender Dürre in vielen Regionen. Im Folgejahr wurden sogar Rekordtemperaturen von deutlich über 40 Grad Celsius erreicht. Bei ihren Fridays for Future-Kundgebungen demonstrierten vor allem Schüler und Studierende rund um die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg in vielen Ländern gegen den sorglosen Umgang mit unserem Planeten und für mehr Klimaschutz. Ein »Green Deal« spielt auch im Programm der neuen EU-Kommission unter der Präsidentschaft von Ursula von der Leyen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig gewinnen in zahlreichen Volkswirtschaften grüne Parteien immer mehr an Aufmerksamkeit. Dies schlägt sich z. B. in Deutschland auch in einer Reihe von Wahlerfolgen nieder. Das Thema Klimawandel ist mitten in der Gesellschaft angekommen. Trotz Corona-Pandemie wird es auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten von größter Bedeutung sein.

In zahlreichen Monographien, Fachaufsätzen und Zeitungsartikeln werden die naturwissenschaftlichen Zusammenhänge und vor allem die ökologischen Konsequenzen des sehr komplexen Themas Klimawandel dargestellt. Dabei spielt vor allem der anthropogene Treibhauseffekt eine wichtige Rolle. Der hohe Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und anderen Klimagasen durch menschliche Aktivitäten verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt und sorgt mit einer zeitlichen Verzögerung für eine Erderwärmung und weitere erhebliche Umweltprobleme. Dagegen werden volks- und betriebswirtschaftliche Aspekte, die mit der Veränderung unserer natürlichen Lebensbedingungen verbunden sind, oft nur rudimentär behandelt. Ebenso spielen polit-ökonomische Ansätze häufig nur eine untergeordnete Rolle. In diese Lücke stößt das vorliegende Werk.

Auch bei einer Betrachtung des Klimawandels aus ökonomischer Sicht ist es allerdings unerlässlich, die grundlegenden ökologischen Hintergründe zu kennen. Daher wird im ersten Kapitel auf die Zusammenhänge zwischen der Entwicklung der Treibhausgasemissionen und den damit verbundenen Konsequenzen für unser Klima eingegangen. Eine Besonderheit dieses Umweltproblems ist seine globale Dimension. Für die weitere Entwicklung der Erderwärmung ist es egal, ob CO2 in Berlin, Peking oder Nairobi ausgestoßen wird. Anhand empirischer Daten wird gezeigt, welche Staaten besonders zur Verschärfung der Klimaproblematik beitragen. Sowohl die aktuellen Emissionen als auch der Treibhausgasausstoß der Vergangenheit zeigen, dass es eine »historische Schuld« vieler Industrieländer gibt. Diese Fakten müssen bei globalen Lösungsansätzen berücksichtigt werden. Die Schwierigkeiten bei der Suche nach einer ursachenadäquaten Antwort auf dieses Umweltproblem zeigen sich an den meist wenig überzeugenden Ergebnissen vieler weltweiter Klimakonferenzen.

Im Mittelpunkt der Analyse steht in den folgenden Kapiteln allerdings die ökonomische Betrachtung des Klimaproblems. Eine hohe Umweltqualität ist für die Wohlfahrt der Menschen ein wichtiges Gut. Jedoch zeigt sich, dass reine Marktwirtschaften nicht in der Lage sind, in ausreichendem Maße für eine intakte Umwelt zu sorgen. Aufgrund dieses Marktversagens sind Eingriffe des Staates zwingend notwendig. Allerdings fällt auch staatlichen Entscheidungsträgern die Lösung von Umweltproblemen häufig sehr schwer. Dieses Staatsversagen lässt sich insbesondere mit der ökonomischen Theorie der Politik erklären. Speziell beim Thema Klimawandel kommt noch erschwerend die internationale Dimension dieses ökologischen Problems hinzu. Globale Lösungsansätze haben nur dann eine Chance, wenn sie auch von allen Ländern und der jeweiligen Bevölkerung akzeptiert werden.

In den Kapiteln 3 bis 5 werden die Auswirkungen des Klimawandels auf den verschiedenen Ebenen einer Volkswirtschaft betrachtet. Aus makroökonomischer Sicht sind neben den ökologischen und den ökonomischen Folgen vor allem die politisch-rechtlichen, die technologischen und die gesellschaftlichen Konsequenzen zu beachten. Dabei sind vielfältige Interdependenzen zu berücksichtigen. So führt die bisherige, stark auf fossilen Brennstoffen basierende Form der Energiegewinnung zu einem drastischen Anstieg der Treibhausgasemissionen. Daher findet in vielen Volkswirtschaften ein zunehmender Umstieg auf regenerative Energien statt. Dieser Umstieg wird sowohl durch unterschiedliche regulatorische Staatseingriffe (Auflagen, Steuern, Zertifikate) als auch durch technische Innovationen bei den regenerativen Energien unterstützt. Wie bei jedem Strukturwandel gibt es auch hier ökonomische Gewinner und Verlierer. Dies gilt sowohl auf Unternehmensebene als auch auf Ebene einzelner Volkswirtschaften. Unternehmen, aber auch Staaten, deren »gesamtwirtschaftliches Geschäftsmodell« vor allem auf der Förderung und dem Vertrieb fossiler Brennstoffe beruht, gehören ebenso zu den Verlierern wie die Arbeitnehmer in diesen Sektoren. Dies kann zu erheblichen gesellschaftlichen Spannungen führen.

Die mesoökonomische Sichtweise befasst sich mit den Klimafolgen auf Branchenebene. Auch wenn grundsätzlich alle Bereiche des Wirtschaftslebens von den Veränderungen der natürlichen Lebensgrundlagen und dem dadurch ausgelösten Strukturwandel betroffen sind, können einzelne Branchen identifiziert werden, die unter einem besonders großen Anpassungsdruck stehen. Dazu gehören die Energiewirtschaft, die Automobilindustrie und die Land- und Forstwirtschaft. Vor allem in diesen Bereichen werden die bestehenden Geschäftsmodelle grundlegend in Richtung einer klimafreundlichen Produktions- und Wirtschaftsweise verändert werden müssen. Allerdings wird es auch Wirtschaftssektoren geben, die zumindest partiell vom Klimawandel bzw. den dadurch ausgelösten Gegenmaßnahmen profitieren. Dazu zählt insbesondere die Bauindustrie. Die energetische Sanierung von Gebäuden wird an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig entstehen branchenspezifische Sonderkonjunkturen durch vorbeugende Baumaßnahmen und die Beseitigung von umweltbedingten Infrastrukturschäden. In der Summe übersteigen allerdings die negativen Folgen, die viele Wirtschaftsbereiche betreffen, bei Weitem die positiven Auswirkungen in einigen wenigen Branchen.

Auf mikroökonomischer Ebene wird die Betroffenheit von Unternehmen und Verbrauchern betrachtet. Neben den direkten ökologischen Folgen (z. B. durch Sturmschäden) müssen sich die Unternehmen mit den Konsequenzen des Strukturwandels auseinandersetzen, der sowohl auf Nachfrageverschiebungen und/oder auf politisch-regulatorischen Eingriffen beruhen kann. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt sind die Folgen, die der Klimawandel für das betriebliche Risikomanagement hat. Aber auch für die Verbraucher sind verschiedene Auswirkungen deutlich spürbar. Stark umweltbelastende Produkte werden nicht mehr oder nur noch zu deutlich erhöhten Preisen angeboten werden. Durch den Wertewandel, der aktuell vor allem durch die Proteste und das Wahlverhalten der jüngeren Generation forciert wird, werden vermutlich viele bisher akzeptierte, letztlich aber klima- bzw. umweltschädliche Verhaltensweisen ein negatives Image bekommen. Hier ist insbesondere an bestimmte Formen der Mobilität oder manche aktuell beliebten Ernährungsweisen zu denken.

Eine ökonomische Analyse des Klimawandels bliebe unvollständig, wenn sie nicht auch auf Lösungsansätze eingehen würde. Es werden sowohl Lösungsvorschläge auf makroökonomischer Ebene ( Kap. 6) als auch Handlungsoptionen auf mikroökonomischer Ebene ( Kap. 7) diskutiert. Die makroökonomische Betrachtungsweise geht davon aus, dass das Klimaproblem nur gelöst werden kann, wenn von staatlicher Seite eine geeignete umweltökonomische Rahmenordnung gesetzt wird. Die staatlichen Eingriffe müssen so festgelegt werden, dass sich umweltfreundliches Verhalten auch aus ökonomischer Sicht lohnt. Klimaschädliches Verhalten muss dagegen finanziell bestraft oder in Einzelfällen sogar verboten werden. Gleichwohl ist es unrealistisch, davon auszugehen, dass sämtliche Treibhausgasemissionen durch staatliche Instrumente verhindert werden können. Daher müssen sowohl Maßnahmen zur Speicherung von Treibhausgasen als auch geeignete Anpassungsmaßnahmen an den unvermeidlichen Teil des Klimawandels untersucht werden.

Angesichts der globalen Dimension ist ein koordiniertes Vorgehen der Staatengemeinschaft notwendig. Es sollten möglichst alle Volkswirtschaften eingebunden werden. Eine Problemlösung, die zumindest ein Großteil der Staaten akzeptiert, wird aber nur dann möglich sein, wenn diese auch als international gerecht angesehen wird. Jeder Erdenbürger hat nach dieser Sichtweise die gleichen Rechte, aber auch die gleichen Pflichten. Es ist völlig undenkbar, dass bald acht Milliarden Menschen einen ähnlichen Lebensstil pflegen, wie er vor allem in den westlichen Industriestaaten derzeit üblich ist. Das Beispiel Ozonloch zeigt eindrucksvoll, dass es prinzipiell auch möglich ist, globale Umweltprobleme zu lösen.

Die mikroökonomische Betrachtungsweise zeigt, dass trotz staatlicher Rahmenordnung auch die Eigeninitiative jedes Unternehmens und jedes Verbrauchers gefordert ist. Nur für den Fall, dass weltweit der überwiegende Teil der Betriebe und Haushalte hinter dem Ziel einer Klimawende steht, lässt sich diese umsetzen. Ist dies nicht der Fall, kommt es nicht nur zu zahlreichen Ausweichreaktionen auf staatliche Maßnahmen, sondern auch zu erheblichen politischen und gesellschaftlichen Konflikten. Obwohl der Beitrag des einzelnen Erdbewohners bei globalen Problemen verschwindend gering ist, entbindet dies den Einzelnen daher nicht von der Aufgabe, die Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen zu erhalten. Die Entwicklung umweltfreundlicher und klimagerechter Güter und Produktionsverfahren sowie die Umstellung des Verbraucherverhaltens in Richtung nachhaltiger Lebensstile sind daher notwendig.

Das abschließende Fazit in Kapitel 8 fasst die wesentlichen Ergebnisse der ökonomischen Analyse zusammen und zeigt, wie die Menschheit die negativen Folgen des anthropogenen Klimawandels auf ein akzeptables Maß begrenzen kann. Hierfür sind sowohl internationale Vereinbarungen und klimafreundliche staatliche Rahmenordnungen als auch Innovationen der Betriebe und Verhaltensänderungen der Verbraucher zwingend nötig. Nur das Zusammenspiel all dieser Faktoren wird eine Begrenzung der Erderwärmung ermöglichen.

Mein herzlicher Dank gilt allen, die zum Gelingen dieses Buches beigetragen haben. Zahlreiche Diskussionen im Kollegenkreis, aber auch mit Freunden, Bekannten und Verwandten zu diesem hochaktuellen und interdisziplinären Thema sind ebenso eingeflossen wie diverse Beiträge von Studierenden im Rahmen von Abschluss- oder Seminararbeiten. Ganz besonders möchte ich mich bei Herrn Dr. Uwe Fliegauf vom Kohlhammer-Verlag bedanken. Er hat dieses Buchprojekt initiiert und die Entstehung der Monographie mit großem Engagement begleitet.

Frank Hubert

Mannheim, im Juni 2020

1. Ökologische Hintergründe, empirische Fakten und Institutionen

Seit rund fünf Jahrzehnten gewinnt das Thema Umwelt in der Politik, den Medien und der breiten Öffentlichkeit an Bedeutung. 1972 veröffentliche der Club of Rome seine Studie »Die Grenzen des Wachstums«.1 Darin warnen die Autoren vor der Endlichkeit der natürlichen Ressourcen. Diese Endlichkeit verhindere ein unendliches materielles Wachstum. Der umweltbelastende Wirtschafts- und Lebensstil stoße daher an Grenzen und sei dringend reformbedürftig. Diese Überzeugung wirkte sich – verstärkt durch die Ölkrise(n) – in Deutschland zunehmend gesellschaftlich und politisch aus. Im Januar 1980 wurde in Karlsruhe die Partei »Die Grünen« gegründet, die aus der Umwelt- und Friedensbewegung der 1970er Jahre entstanden ist. Auch in zahlreichen anderen Ländern entstanden im Laufe der Jahre allmählich Bürgerbewegungen und Parteien, deren zentrales Thema der Schutz und Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ist.

Die wachsende Bedeutung umweltpolitischer Themen führte auch in den Wirtschaftswissenschaften zu einer stärkeren Berücksichtigung dieses Themenkomplexes. An vielen wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten entstanden Lehrstühle für Umweltökonomie und Nachhaltigkeitsmanagement. Sowohl in der volkswirtschaftlichen als auch in der betriebswirtschaftlichen Fachliteratur schlägt sich dieser Trend ebenfalls nieder. Die Analyse von Umweltproblemen aus ökonomischer Sicht stellt eine zwingend notwendige Ergänzung der rein naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise dar. Die Interdependenzen zwischen der Wirtschafts- und Lebensweise in vielen Volkswirtschaften sowie der Zerstörung von Lebensraum und der Ausbeutung von Rohstoffvorkommen sind nicht zu übersehen. Dies gilt auch für den Klimawandel – das aktuell mit großem Abstand wichtigste umweltpolitische Thema.

Die ökonomische Betrachtungsweise von Umweltproblemen orientiert sich an einem Schema, das auch für viele andere wirtschaftspolitische Fragestellungen Anwendung findet. In einem ersten Schritt müssen Ursache-Wirkungszusammenhänge ermittelt werden. Für ein so komplexes Thema wie den Klimawandel ist daher ein grundlegendes Verständnis der ökologischen Zusammenhänge notwendig. Dies umfasst auch die Betrachtung empirischer Daten sowie der institutionellen Rahmenbedingungen. Nur so können die Auswirkungen der Erderwärmung auf viele Bereiche des Wirtschaftslebens beschrieben und untersucht werden. Diese Betrachtungsweise ist dann auch die Basis für die wirtschaftspolitischen Maßnahmen und die individuellen Handlungsoptionen zur Erreichung umweltpolitischer Ziele. Für diesen Ziel-Mittel-Ansatz ist die Definition eines Klimaziels notwendig. Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hat sich die internationale Staatengemeinschaft auf einen maximalen Anstieg der globalen Erwärmung von unter zwei Grad Celsius geeinigt. Wenn möglich, sollte der Temperaturanstieg gegenüber der vorindustriellen Zeit sogar auf 1,5 Grad begrenzt werden. Soll dieses Ziel erreicht werden, sind einschneidende Maßnahmen in fast allen Wirtschafts- und Lebensbereichen notwendig. Neben dem koordinierten globalen Einsatz geeigneter umweltökonomischer Instrumente muss allerdings auch umfangreiche Überzeugungsarbeit in der Bevölkerung geleistet werden. Unternehmen und Verbraucher müssen durch ihr individuelles Handeln den Wandel unterstützen. Dies führt zu einer größeren Akzeptanz der Klimawende und kann gesellschaftliche Konflikte verhindern.

1.1 Wetter, Klima, Klimamodelle

Bei Naturwissenschaftlern ist der Zusammenhang zwischen einem Anstieg der Treibhausgasemissionen durch menschliche Aktivitäten und verschiedenen Phänomenen des Klimawandels, wie z. B. der Erderwärmung, unumstritten. Allerdings wird diese Erkenntnis in der Öffentlichkeit nicht überall geteilt.2 Klimaskeptiker verweisen darauf, dass es auch schon vor Jahrzehnten immer wieder warme Winter, Hitzeperioden im Sommer oder Unwetterereignisse gab. Zudem wird die Prognosekraft jener Klimamodelle bezweifelt, mit denen Wissenschaftler die langfristigen Folgen steigender Treibhausgasemissionen abschätzen. Zu guter Letzt bestreiten Teile der Öffentlichkeit, dass der Mensch das Klima beeinflusst.

Wetter und Klima sind zwar miteinander verflochten, aber doch zwei unterschiedliche Dinge. Das Wetter ist der Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt. Es variiert innerhalb von Tagen, teilweise sogar innerhalb von Stunden sehr stark. Deshalb ist eine zuverlässige Wettervorhersage meist nur für sehr kurze Zeiträume von wenigen Tagen möglich. Das Klima bezieht sich dagegen auf deutlich längere Zeiträume von mehreren Jahrzehnten. Aus einer Vielzahl von Wetterbeobachtungen werden mittels statistischer Methoden Klimaverläufe ermittelt und Prognosen für die zukünftige Entwicklung erstellt. So ist sowohl ein einzelner Wirbelsturm als auch ein Rekordsommer mit großer Trockenheit zunächst nur ein Wetterereignis. Stellt man allerdings fest, dass es seit der Jahrtausendwende sehr viele Jahre mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen sowie eine Häufung von Extremwetterereignissen gegeben hat, so handelt es sich um eine Veränderung des Klimas. Die statistischen Mittelwerte verschieben sich in diesem Fall nach oben.

Zur Verdeutlichung dieser Unterscheidung kann man sich einen Roulettetisch vorstellen. Das Wetter beschreibt, welche Zahl gerade durch die Roulettekugel ausgewählt wurde. Eine Prognose ist hier fast unmöglich. Das Klima dagegen beschreibt, dass im Durchschnitt in fast 50 Prozent der Fälle (genau 48,65 Prozent) eine rote Zahl ausgewählt wird und dass die Wahrscheinlichkeit für die Zahl Null bei 2,7 Prozent liegt. Spielt man nun lange Zeit Roulette und stellt fest, dass die Null regelmäßig ausgewählt wird, während die Häufigkeit roter Zahlen nur bei 20 Prozent liegt, spricht vieles dafür, dass das Roulettespiel manipuliert ist. Die statistischen Parameter haben sich verändert, es hat ein Klimawandel stattgefunden. Seit wenigen Jahren versuchen Klimawissenschaftler mittels der Attributionsforschung den Beitrag des Klimawandels auf extreme Wetterlagen abzuschätzen und so das kurzfristige Phänomen Wetter mit dem langfristigen Klimatrend zu verknüpfen.3

Mit komplexen Modellen prognostizieren vor allem die Wissenschaftler des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) die weitere Entwicklung des Klimas in den nächsten Jahrzehnten. Wie jede Projektion, die auf einer Vielzahl von Einflussfaktoren beruht, sind auch die Vorhersagen dieses Gremiums mit Unsicherheiten behaftet. Entscheidend ist allerdings, dass sämtliche Modelle hinsichtlich der Richtung des globalen Wandels zu gleichen Ergebnissen kommen: Es hat im letzten Jahrhundert bereits eine signifikante Temperaturerhöhung stattgefunden und dieser Trend wird sich auch in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen. Einigkeit besteht in diesen Modellen auch darüber, dass der weitaus größte Teil dieses Klimawandels durch die menschliche Wirtschafts- und Lebensweise verursacht ist.

Die große Bandbreite der Temperaturprojektionen beruht vor allem auf zwei Ursachen: Zum einen sind manche physikalischen Prozesse bisher noch nicht vollständig erforscht, sodass ihre Modellierung auf große Schwierigkeiten stößt. Zum anderen benötigt jedes Modell die Vorgabe exogener Variablen, auf deren Basis die Klimaveränderungen projiziert werden können. Zu diesen exogenen Variablen zählen insbesondere das Bevölkerungswachstum, wirtschaftliche und technische Entwicklungen sowie politische Entscheidungen. Der IPCC berechnet verschiedene Szenarien, die für unterschiedliche Ausprägungen dieser exogenen Variablen stehen. Das können unterschiedliche Annahmen zur Geburten- und Sterberate und damit zur Entwicklung der Weltbevölkerung sein oder auch zu den ordnungs- und fiskalpolitischen Maßnahmen, mit denen die einzelnen Volkswirtschaften den Klimawandel bekämpfen wollen. Dadurch entsteht eine große Bandbreite von möglichen Temperaturveränderungen, die jedoch alle in die gleiche Richtung zeigen.4

In seinem bisher letzten Synthesebericht berechnet der IPCC für ein Basisszenario einen Anstieg der mittleren globalen Oberflächentemperatur von 3,7 bis 4,8 Grad Celsius im Jahr 2100 gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900. Dieses Basisszenario berücksichtigt keine zusätzlichen Anstrengungen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen, die über die bestehenden Maßnahmen hinausgehen. Zudem wird in diesem Szenario von einem Wachstum der Weltbevölkerung sowie der wirtschaftlichen Aktivitäten ausgegangen und eine mittlere Klimareaktion angenommen. Berücksichtigt man die Unsicherheit der Klimareaktion, so steigt die Bandbreite möglicher Temperaturänderungen in diesem Basisszenario auf 2,5 bis 7,8 Grad Celsius.5 Diese statistischen Unsicherheiten dürfen allerdings nicht dazu führen, die Hände in den Schoß zu legen. Nach allen Szenarien sind deutliche Temperaturerhöhungen sowie zahlreiche weitere negative Klimafolgen zu erwarten. Das umweltökonomische Vorsorgeprinzip verlangt daher eine präventive Umweltpolitik, die sich am Grundgedanken der Nachhaltigkeit orientiert.

Doch was bestimmt unser Klima? Im globalen Mittel ist das Klima das Ergebnis einer einfachen Energiebilanz: Die von der Erde in das Weltall abgestrahlte Wärmestrahlung und die absorbierte Sonnenstrahlung müssen sich im Mittel ausgleichen. Wird dagegen mehr absorbiert als abgestrahlt, kommt es zu einem globalen Temperaturanstieg und damit zum Klimawandel. Der Strahlungshaushalt wird nun vor allem auf drei Wegen beeinflusst. Erstens kann es zu einer Veränderung der einfallenden Sonneneinstrahlung kommen. Ursache hierfür sind sowohl Änderungen in der Sonnenaktivität selbst als auch Änderungen in der Umlaufbahn der Erde um die Sonne. Zweitens kann sich der reflektierte Anteil der Sonneneinstrahlung verändern. Entscheidend sind hier vor allem die Bewölkung und die Helligkeit der Erdoberfläche, die z. B. durch die Schnee- und Eisbedeckung beeinflusst wird. Und schließlich wird die von der Erde in das All abgestrahlte Wärmestrahlung durch den Gehalt der Atmosphäre an absorbierenden Gasen und Aerosolen beeinflusst. In der Erdgeschichte haben all diese drei Möglichkeiten eine wichtige Rolle gespielt. Warm- und Kaltperioden, die sogenannten Eiszeiten, haben sich über Millionen von Jahren abgewechselt. Im Mittelpunkt des anthropogenen, also vom Menschen verursachten Klimawandels steht allerdings der zuletzt genannte Weg. In den letzten hundert Jahren hat sich die Konzentration an absorbierenden Gasen in der Atmosphäre deutlich erhöht. Diese Gase werden auch als Treibhausgase bezeichnet und verursachen den Treibhauseffekt.6

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Yaş sınırı:
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30 temmuz 2025
Hacim:
381 s. 69 illüstrasyon
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9783170373938
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