Kitabı oku: «Katathym Imaginative Psychotherapie mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen»

Die Autoren

Dr. med. Dipl.-Psych. Franz Wienand hat ein Studium der Psychologie und der Medizin in Würzburg absolviert. Nach der Facharztausbildung zum Kinder- und Jugendpsychiater bei Prof. Remschmidt an der Universität Marburg leitete Franz Wienand die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (KJPP) an der Landesklinik Calw-Hirsau. Seit 1992 ist er in eigener Praxis in Böblingen niedergelassen.
Wienand ist Psychoanalytiker sowie Dozent und Supervisor an diversen Instituten. Er publiziert über KIP mit Kindern und Jugendlichen, projektive Diagnostik und Qualitätsaspekte in der KJPP.

Dipl.-Psych. Waltraut Bauer-Neustädter hat nach einem Lehramtsstudium (Anglistik, Sport und Sportwissenschaften) das Studium der Psychologie in Heidelberg absolviert. Nach intensiven Lehrjahren in der stationären und teilstationären Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitet sie seit 1993 in eigener Praxis sowie als Dozentin und Supervisorin.
Weiterbildung zur Psychodramatherapeutin, Gruppenpsychotherapeutin und KIP-Therapeutin. Seit 2001 Mitarbeit beim Auf- und Ausbau des Saarländischen Instituts für Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (SITP).
Franz Wienand/Waltraut Bauer-Neustädter
Widmung
Allen Psychotherapeutinnen und -therapeuten, die sich immer wieder der Herausforderung stellen, sich Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden samt ihren Familien anzunehmen und ihnen mit Kompetenz, Kreativität und Phantasie als gute und entwicklungsfördernde Begleiter zur Verfügung zu stehen!
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1. Auflage 2022
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-034230-9
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-034231-6
epub: ISBN 978-3-17-034232-3
Inhalt
1 Vorwort
2 Teil I Einführung in die Katathym Imaginative Psychotherapie
3 1 Von den experimentellen Anfängen zur Katathym Imaginativen Psychotherapie (KIP)
4 2 Wie geht und wirkt die KIP?
5 2.1 Wie geht die KIP?
6 2.2 Wie wirkt die KIP?
7 2.3 Wirksamkeitsstudien KIP
8 3 Imagination, Kreativität und Unbewusstes
9 3.1 Imagination
10 3.2 Unbewusstes
11 3.3 Kreativität
12 3.4 Symbol und Symbolisierung
13 3.5 Symbolbildung und Emotionen
14 3.6 Neurobiologische Grundlagen der KIP
15 Teil II Katathym Imaginative Psychotherapie mit Kindern (FW)
16 4 Entwicklungspsychologische Voraussetzungen im Kindesalter
17 4.1 Die Entwicklung der Symbolfunktion nach Piaget
18 4.2 Die Mentalisierungstheorie
19 4.3 Das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung von Erik H. Erikson
20 4.4 Zur Entwicklung von Geschlechtsunterschieden
21 4.5 Risikofaktoren und protektive Bedingungen der Entwicklung
22 4.6 Voraussetzungen für die Behandlung mit KIP im Kindesalter
23 5 Grundlagen der KIP im Kindesalter
24 5.1 Indikation und Kontraindikation für KIP mit Kindern
25 5.2 Ziele und Effekte der KIP im Kindesalter
26 5.3 Die therapeutische Grundhaltung
27 5.4 Übertragung und Gegenübertragung
28 5.5 Therapeutische Interventionen
29 5.6 Die Bedeutung der Motive
30 6 Behandlungstechnik im Kindesalter
31 6.1 Vorbereitung und Einleitung einer KIP mit Kindern:
32 6.2 Therapieplanung und Behandlungsstrategie
33 6.3 Motivwahl und Interventionen
34 6.4 Durchführung/Setting der KIP mit Kindern
35 7 Einbeziehung der Bezugspersonen in die KIP mit Kindern
36 7.1 Therapiebegleitende Elterngespräche in der KIP
37 7.2 Imaginative Arbeit an den Bindungsrepräsentationen der Eltern
38 7.3 Die gemeinsame Imagination von Mutter/Vater und Kind
39 7.4 Familienimaginationen
40 8 Ausgewählte Fallbeispiele aus der KIP mit Kindern
41 8.1 Angststörung
42 8.2 Krisenintervention
43 8.3 Anpassungsreaktion nach Trennung der Eltern
44 8.4 Geschwisterrivalität
45 8.5 Trauer und Depression nach Zwillingsverlust
46 Teil III Katathym Imaginative Psychotherapie mit Jugendlichen und Heranwachsenden (WBN)
47 9 Entwicklungspsychologische Besonderheiten von Pubertät und Adoleszenz: Entwicklungsaufgaben, Belastungen, Konflikte
48 10 KIP im Jugendalter
49 10.1 Therapeutische Herausforderungen
50 10.2 Voraussetzungen, Indikationen und Kontraindikationen
51 10.3 Vorbereitung und Hinführung zur KIP
52 10.4 Grundhaltung
53 10.5 Übertragung und Gegenübertragung
54 10.6 Motive und Motivwahl
55 10.7 Interventionsstrategien und -techniken
56 10.8 Begleitung im Verlauf
57 10.9 Vorbereitung des Abschieds
58 11 Einige Techniken für die KIP im Jugendalter
59 11.1 Assoziatives Vorgehen
60 11.2 Fortsetzungsmotive
61 11.3 Rollen- und Perspektivübernahme
62 11.4 Induzierter Dialog
63 11.5 Die Arbeit mit dem gemalten Bild
64 12 Störungsbezogene Aspekte der Behandlung mit der KIP
65 12.1 Angst
66 12.2 Depression
67 12.3 Zwang
68 12.4 Essstörungen
69 12.5 Spätadoleszente Entwicklungsprobleme: Narzissmus – Identität – Autonomie
70 Teil IV Und der Therapeut? – Imagination in Selbsterfahrung und Supervision
71 13 Lernen durch Selbsterfahrung
72 13.1 Spezielle Selbsterfahrung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
73 13.2 Die Arbeit mit der »Abgestuften Altersregression«
74 14 Supervision in und mit der KIP
75 14.1 Die dialogische Begleitung und ihre Folgen
76 14.2 Anwendungen katathymer Imaginationen in der Supervision
77 15 Fort- und Weiterbildung in KIP
78 15.1 Kompakt-Curriculum KIP
79 15.2 Aufbaukurs KIP-KJ
80 Literatur
81 Stichwortverzeichnis
Vorwort
Die Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP) ist eine im Rahmen der Psychotherapie-Richtlinien anerkannte spezielle Behandlungsmethode der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, die gefühlsgetragene (katathyme) Imaginationen systematisch als therapeutische Parameter einsetzt. Die Entwicklung und Begründung der zunächst Katathymes Bilderleben (KB) genannten Methode geht zurück auf Hanscarl Leuner, der ab den 1950er Jahren die Wirkung therapeutisch induzierter Tagträume in einem experimentellen Setting untersuchte. Der dialogisch begleitete Tagtraum ist das zentrale Element, in dem sich unbewusste Konflikte, Bedürfnisse, Motive, Ressourcen und Übertragungsaspekte in symbolischer Form zeigen und therapeutisch beeinflusst werden können. Das Durcharbeiten findet in der KIP in der Abfolge von Vorgespräch, Tagtraum, Nachgespräch, medialer Gestaltung (zumeist in Form von Malen) und Bildbesprechung statt. Auf ihrer psychodynamischen Grundlage ist sie zutiefst integrativ und ermöglicht die Einbettung und partielle Integration von Elementen anderer Ansätze (u. a. aus der Systemischen Therapie, der Hypnotherapie, dem Psychodrama, der Verhaltenstherapie oder auch aus körpertherapeutischen Methoden). Die KIP hat einen immanent kreativen und entwicklungsorientierten Charakter und eignet sich für junge Menschen ab dem Grundschulalter.
Auch wenn die jungen Patienten in der Therapie ihren geschützten Entwicklungsraum haben und über die katathymen Imaginationen ihren eigenen Spielraum erweitern und ausdifferenzieren und Konflikte bearbeiten können, so sind diese Behandlungen nie losgelöst vom Kontext zu sehen. Dies sind zum einen die konkreten familiären Lebensbedingungen und Beziehungsstrukturen, zum anderen die gesellschaftlichen und sozialen Bedingungen und Entwicklungen.
Das Buch wurde aus den unterschiedlichen und sich ergänzenden Perspektiven einer weiblichen Therapeutin (Psychologische Psychotherapeutin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin) und eines männlichen Therapeuten (Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychoanalytiker) und vor dem je individuellen Hintergrund unserer Kindheit und Jugend geschrieben. Es trägt eine sehr persönliche Handschrift und spiegelt unsere Erfahrungen, die wir in den Jahrzehnten unserer Tätigkeit in der Praxis, der Weiterbildung und des Austauschs mit Kolleginnen und Kollegen sammeln konnten.
In weiten Teilen des Buches verwenden wir wegen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum. In Teil II (Katathym Imaginative Psychotherapie mit Kindern) und Teil III (Katathym Imaginative Psychotherapie mit Jugendlichen und Heranwachsenden) weichen wir teilweise von diesem Prinzip ab: Bei der Darstellung von Fallvignetten mit der Wiedergabe von Dialogen und der Einschätzung der Übertragungs-Gegenübertragungs-Dynamik berichten wir von unseren persönlichen Erfahrungen, verwenden die Ich-Form und meinen mit »dem Therapeuten« Franz Wienand (FW) und »der Therapeutin« Waltraut Bauer-Neustädter (WBN). Die jeweilige Autorenschaft ist durch die entsprechenden Initialen zu Beginn der jeweiligen Buchteile gekennzeichnet.
Wir danken den Herausgebern, Arne Burchartz, Hans Hopf und Christiane Lutz, und dem Kohlhammer Verlag für die Möglichkeit, die KIP vorstellen zu können. Unser besonderer Dank gebührt Günther Horn, der die KIP mit Kindern und Jugendlichen auf kreative Weise entwickelt, international verbreitet und gelehrt hat, den Weiterbildungskandidatinnen und -kandidaten in unseren Seminaren sowie all unseren Dozentenkolleginnen und -kollegen, von denen wir lernen durften und weiter lernen. Unsere größten Lehrmeister sind die jungen Patientinnen und Patienten mitsamt ihren Eltern, deren Entwicklung wir eine Wegstrecke weit begleiten durften. Jeder einzelne von ihnen hat dazu beigetragen, unseren Erfahrungsschatz zu erweitern und zu bereichern und hat uns damit ermöglicht, dieses Buch zu schreiben. Herzlichen Dank dafür! Last but not least bedanken wir uns insbesondere bei denjenigen Kindern, Jugendlichen und ihren Familien sowie bei den jungen Erwachsenen, die uns erlaubt haben, in anonymisierter Form Ausschnitte aus ihren Behandlungen einschließlich der gemalten Bilder wiederzugeben. Gerade diese authentischen Dokumente sind es, die die Methode und unser therapeutisches Handeln anschaulich und lebendig machen. Vielleicht lassen auch Sie sich von der Methode und ihren vielfältigen und kreativen Möglichkeiten begeistern.
Im letzten Teil des Buches erfahren Sie, wie katathyme Imaginationen in der Aus- und Weiterbildung von Psychotherapeuten, speziell Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten eingesetzt werden. Die Kombination von Wissensvermittlung, Üben und Selbsterfahrung schult den Therapeuten in einem fortlaufenden Prozess. Sich flexibel in unterschiedliche Lebens- und Entwicklungsalter und dem damit verbundenen Erleben einfühlen zu können und das therapeutische Handeln darauf abzustimmen, ist für den Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten unerlässlich und eine immer wieder spannende Erfahrung. Selbsterfahrung und Supervision unter Einbeziehung katathym imaginativer Techniken sind erlebnisintensiv, machen Freude, erweitern das methodenspezifische Handlungsrepertoire und stärken die Identität als KIP-Therapeut.
Calw-Saarbrücken, im November 2020
Franz Wienand und Waltraut Bauer-Neustädter
Teil I Einführung in die Katathym Imaginative Psychotherapie
1 Von den experimentellen Anfängen zur Katathym Imaginativen Psychotherapie (KIP)
Hanscarl Leuner, der 2019 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, veröffentlichte in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts als junger Arzt erste Arbeiten zum Experimentellen Katathymen Bilderleben (Leuner, 1954; 1955) und begründete damit die heutige Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP). Im Kommentar zu den Psychotherapie-Richtlinien (Faber & Haarstrick, 2018) wird die KIP unter ihrer früheren Bezeichnung KB (Katathymes Bilderleben nach Leuner) als spezielle Methode der Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie aufgeführt.
Schon früh galt Leuners besonderes Interesse der »Macht der Symbole« sowie der Symbolinterpretation. Er selbst hatte sich während seiner Weiterbildung einer Jung’schen Analyse unterzogen und so die Methode der Aktiven Imagination kennengelernt. Fasziniert von der Bildproduktion und dem Bilderleben wollte er als Arzt und Psychotherapeut das Geschehen bei seinen Patienten gerne unmittelbar mitverfolgen. Er wollte bei der Entstehung des Bilderlebens dabei sein und entwickelte so das Modell der begleiteten Imagination und des dialogischen Prinzips. Als Wissenschaftler lag es ihm am Herzen nachzuweisen, dass die Methode zu wiederholbaren Ergebnissen führt: Ein standardisierter experimenteller Traum diente dazu, das katathyme Panorama seiner Probanden zu beobachten und zu erforschen. So wurde ein methodisch-didaktisches System zur Vermittlung erarbeitet, dessen Grundzüge noch heute Gültigkeit haben.
Außerdem sollten die in der Psychotherapie verwendeten hypothetischen Symbolinterpretationen über empirische Studien genauer erfasst und damit wissenschaftlich untersucht werden. Leuner griff dabei auf Erfahrungen verschiedener Autoren zurück (Bildstreifendenken bei Kretschmer, 1922; kathartische Bilder bei Tuczek, 1928; Bilder in Tiefenentspannung bei Frederking,1948), die alle feststellten, »daß im abgeblendeten Bewusstsein des Hypnoids (oder des autogenen Trainings) optische Phänomene von Wahrnehmungscharakter auftreten, die wie die Traumbilder katathymen Ausdruckscharakter tragen« (Leuner, 1954, S. 201). »Katathym «, der Seele gemäß, weist darauf hin, dass diese Bilder oder Bildproduktionen Ausdruck eines innerseelischen Geschehens sind und dass sie individuelle Aspekte des Erlebens und/oder der inneren Verfassung abbilden. »Die sich […] im leichten Hypnoid konstellierenden Bilder spiegeln in ihrem Ausdrucksgehalt die jeweilige individuelle affektive Konstellation gerade in jenem Bereich des Unbewußten wider, das durch die Bildprovokation in relativ spezifischer Weise angeregt wurde.« (Leuner, 1954, S. 201). »Seele, d. h. Emotionalität« so die Kurzformel (Leuner, 1980).
Bei der Untersuchung des in wiederholten Sitzungen experimentell erzeugten Bildmaterials kristallisierten sich von Anfang an zwei Typen/Kategorien von Bildern heraus: Diejenigen, die sich leicht entfalteten und sich spontan oder durch suggestiven Einfluss in der dialogischen Begleitung leicht veränderten und weiterentwickelten und diejenigen, die sich als starr und festgefahren erwiesen und als fixierte Bilder bezeichnet wurden. Für Leuner waren unter diagnostischen Gesichtspunkten insbesondere letztere von Interesse, da er sie als Ausdruck »besonders fest verhafteter Affektkonstellationen – der individuellen Komplexe« (Leuner, 1954, S. 202) verstand.
Der Entwicklung des Experimentellen katathymen Bilderlebens (EKB) als klinischem Verfahren lag folgendes Konstrukt zugrunde:
• Wenn nun mit Hilfe der Bildprovokation affektive Bereiche der Persönlichkeit zur Symboldarstellung veranlasst werden konnten, dann war auch zu erwarten, dass bei typischen Motivvorstellungen immer wieder die gleichen affektiven Sphären angesprochen werden. So erweist sich die Wiese z. B. als symbolischer Ausdruck der eigenen Gestimmtheit, aber auch des Bodens, auf dem man steht. Der Bach, das fließende Wasser, wird verstanden als symbolischer Ausdruck der Entwicklungsdynamik und des Lebensflusses.
• In einem weiteren Schritt wurde davon ausgegangen, dass diese wiederholbaren Symboldarstellungen durch psychische Einwirkung, insbesondere in Folge therapeutischer Interventionen, veränderbar sind. Die Analyse eines Symbols, d. h. dessen Dechiffrierung, stellt einen folgerichtigen therapeutischen Eingriff dar, der zur Veränderung bzw. Wandlung des Symbols führt.
In einer ersten Auswertung seiner Ergebnisse konstatiert Leuner (1955, S. 246), dass »die Längsschnittbeobachtung der Psychotherapie im Bilderleben […] bei richtigem Vorgehen einen prozeßhaften Verlauf erkennen« lässt, in dem den auftauchenden Symbolen eine replizierbare, tiefenpsychologisch verstehbare Bedeutung zugeschrieben werden kann.
Nach Leuners 20 Jahre währender Entwicklungsarbeit wurde aus der klinisch-experimentellen Arbeit mit Imaginationen das damals noch »Katathymes Bilderleben« oder Symboldrama genannte Verfahren entwickelt, welches sich in der Idee, symbolische Inhalte der Imaginationen als Ausdruck individueller Problematiken zu verstehen, der Psychoanalyse verpflichtet fühlt. Antriebsgeschehen, Abwehrvorgänge, neurotische Fehlhaltungen, Übertragungs-Gegenübertragungs-Geschehen werden beachtet. Leuner selbst ordnete das Verfahren zwischen pragmatisch-hypnoiden Methoden und der Psychoanalyse ein, da es einerseits primärprozesshafte Prozesse aktiviere, es andererseits aber unbewusste Prozesse nicht immer bewusst aufdeckend benutze. Hinzu kommt die Möglichkeit, in der KIP gezielt auf Konflikte zu fokussieren. Hier spielen u. a. die »fixierten Bilder«, die sich als starre, relativ unbeeinflussbare Stereotype zeigen und als Äquivalent der neurotischen Abwehr- und Charakterhaltungen verstanden werden, eine wichtige Rolle. Für den therapeutischen Prozess und den Nachweis einer (Aus-)Wirkung entscheidend sind die Wandlungsphänomene. Dies kann durch wiederholte Übung, die unmittelbare Interpretation und Deutung einer Szene oder den Vollzug von Leistungen (Wirksamkeitserfahrung), z. B. den Aufstieg auf einen Berg, die Überquerung eines Flusses usw. passieren: Details des zuvor stereotypen Bildes verändern sich. Wandlungsphänomene treten aber auch als »synchrone Wandlung« im Verlauf des therapeutischen Prozesses auf. Bilder, Landschaften verändern sich, ohne dass sie als solche gezielt angesprochen worden wären. Letztlich wurde auch die »Operation am Symbol« schon früh als wichtiges therapeutisches Instrument erkannt. Aus dieser Arbeit entwickelten sich auch die diagnostischen und therapeutischen Instrumente. Dazu gehörten zunächst zehn Standardmotive (später erweitert auf zwölf Motive), die als wichtige Kristallisationspunkte typischer, konfliktbesetzter Bereiche dienen. Im technischen Bereich unterschied Leuner zudem drei übergeordnete Prinzipien – das übende Vorgehen, das assoziative Vorgehen und das regieführende Symboldrama – und entwickelte eine ganze Reihe von Interventionstechniken. Es zeichnete sich inzwischen ab, dass differentielle Indikationen in Abhängigkeit von der Problematik für das Vorgehen notwendig sind. So erwies sich z. B. der nicht interpretierende Ansatz bei chronisch verfestigten Problematiken als nicht ausreichend, die Notwendigkeit des Durcharbeitens musste anerkannt werden.
Inzwischen ist die KIP eine ausgereifte psychodynamische Therapiemethode, die sich unter dem Einfluss aktueller Strömungen und Erkenntnisse immer weiterentwickelt (Kottje-Birnbacher, 2010; Biel, 2018). Eine umfassende Diagnostik mit der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (Arbeitskreis OPD-2, 2014) ermöglicht die Unterscheidung in konfliktbedingte und strukturbezogene Störungen (Rudolf, 2013). Entsprechend der diagnostischen Trias von Konflikt, Struktur und Trauma (Ullmann et al., 2017) und den damit verbundenen Krankheits- und Störungsbildern haben sich unterschiedliche Techniken für die katathym imaginative Arbeit mit den jeweiligen Patienten herausgebildet. In zahlreichen Anwendungsfeldern hat sich die KIP als erfolgreiche Behandlungsmethode erwiesen, wie dies u. a. die ausführlichen Übersichten im Handbuch von Ullmann und Wilke (2012) belegen.
Der erste internationale wissenschaftliche Kongress fand 1978 in Göttingen statt, 2018 der inzwischen 14. Internationale Kongress in Köln. Schon früh ahnte Leuner, dass dieser internationale Austausch sich als »ein glückliches Stimulans für die Bearbeitung und Diskussion neuer Ergebnisse« (Leuner & Lang, 1982, S. 7) erweisen sollte.
Ebenso wichtig war und ist es, die Wirksamkeit der KIP zu untersuchen. Einzelfallstudien der KIP als Kurzzeittherapie waren richtungsweisend (Kulessa & Jung, 1980; Wächter & Pudel, 1980; Wächter, 1982) und bewirkten spätestens seit der Jahrtausendwende eine Fortführung der notwendigen Forschung (Salvisberg, Stigler & Maxeiner, 2000). Stigler und Pokorny (2000; 2012) entwickelten detaillierte Forschungsansätze zur Untersuchung der Wirkungsweise der KIP. Zentral war dabei die Frage, was macht KIP und was ist daran spezifisch? In bisher drei naturalistischen Studien wurde die Wirksamkeit der Katathym Imaginativen Psychotherapie (KIP) nachgewiesen (
Kap. 2.3).
Im Rahmen dieses Buches über die Katathym Imaginative Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen ist es besonders bedeutsam, dass Leuner selbst in unterschiedlichen Bereichen auch mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet hat und diese Erfahrungen einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung seiner Methode hatten. Von den Kindern habe er viel für die Psychiatrie der Erwachsenen gelernt (AGKB, 2019, S. 11). Ein erstes Buch über das Katathyme Bilderleben mit Kindern und Jugendlichen wurde 1978 veröffentlicht (Leuner, Horn & Klessmann, 1997; 4., aktual. Aufl.). Zentral für die Entwicklung der Katathym Imaginativen Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen ist sicherlich Günther Horn, dessen umfassende Erfahrungen in ein weiteres Buch zur KIP mit Kindern und Jugendlichen einflossen (Horn, Sannwald & Wienand, 2006).
Eine systematische Untersuchung zur Wirksamkeit und Nachhaltigkeit Katathym Imaginativer Psychotherapie (KIP) bei Jugendlichen wurde erstmals in Österreich durchgeführt (Fiala-Baumann & Bänninger-Huber, 2016; 2018). Dabei wurde u. a. ein spezifisches Motiv (Blume) zu verschiedenen Messzeitpunkten vorgegeben und inhaltsanalytisch untersucht. Ebenfalls erfasst wurden die Beziehungen zu den Müttern und Vätern, sowie deren Sicht auf die Problematik und die Beziehung. Verbesserungen konnten sowohl im Hinblick auf die Symptombelastung als auch bei den Beziehungsgestaltungen nachgewiesen werden.