Kitabı oku: «Die neue Elite», sayfa 2

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DIE ENTSTEHUNG DER NEUEN ELITE

Bisher war die Elitenbildung in unserer Gesellschaft durch ein System der Nachfolge gekennzeichnet. Die Kinder bewegten sich in den Fußstapfen der Eltern und erbten deren gesellschaftliche Position. Das zeigte sich in der Bildung genauso wie am Vermögen und an den Berufen. Dieses System der Nachfolge erodiert zusehends aus mehreren Gründen, die wir genauer beleuchten werden.

Unsere Chance als Gesellschaft besteht darin, dass durch diesen Wandel die Begabung zum entscheidenden neuen Faktor für die Elitenbildung wird. Das hat weitreichende Konsequenzen.

Unter anderem verliert unser reformresistentes Regelschulsystem an Wert für die Elitenbildung. Im Bildungsbürgertum, das bislang am Regelschulsystem festgehalten hat, setzt sich ein Umdenken durch. Die neue Elite weicht der Regelschule zunehmend aus und ist bereit, in eine pädagogisch bessere Schule für die eigenen Kinder zu investieren. Alternativschulen erleben einen Boom und gewinnen an Reputation. Für jene, die für ihre Kinder keinen Zugang zu einer kostspieligen Privatschule schaffen können, zeigt dieses Buch Wege auf, mit dem Regelschulsystem im für die Entwicklung der Kinder besten Sinne umzugehen.

Aus den gegenwärtigen Krisen ergeben sich mehrere Kriterien, die sich als Formel für die Bildung der neuen Elite zusammenfassen lassen. Wir müssen uns vor allem die Frage stellen, was es braucht, damit unsere Kinder allen hinderlichen Faktoren zum Trotz eine intrinsische Motivation für analoge Begabungen und Resilienz angesichts von Krisen entwickeln können.

Die Kinder der alten Elite fallen leichter zurück, wenn sie die Entwicklung ihrer Begabungen vernachlässigen. Immer mehr erobern die Begabten die Plätze der gesellschaftlichen Elite der nahen Zukunft. Aus diesem gleichsam organischen Wandel in der Elite entsteht die Chance auf gesellschaftliche Veränderung. Die Fortschreibung des Alten, um in die Positionen der alten Elite einzurücken, ist für die Elite der nahen Zukunft nicht mehr notwendig. Die Chance auf gesellschaftlichen Aufstieg öffnet sich deutlich weiter als bisher und quer durch die verschiedenen Elitegruppen auch für Kinder, deren Eltern nicht zu einem elitären Kreis zählen.

DIGITALISIERUNG

Meine vier Töchter gehören verschiedenen Generationen an. Meine beiden älteren sind Zwillinge und mittlerweile 31 Jahre alt. Meine beiden jüngeren Töchter sind zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Buches 17 und 15.

Aufgrund meiner Erfahrungen als Vater kann ich nur bestätigen, was ich auch von anderen Eltern höre, die deutlich ältere und derzeit jugendliche Kinder haben. Vor rund zwanzig Jahren konnten wir als Eltern noch recht gut zurechtkommen mit dem, was uns unsere eigenen Eltern als Elternschaft vorgelebt hatten. Heutzutage hingegen stoßen wir mit diesem tradierten alltagspädagogischen Wissen an frustrierend harte Grenzen.

Das augenscheinlichste Problem kennt mittlerweile fast jede Familie. Die Nutzung von Smartphone, Tablet und PC hat in die Kinderzimmer Einzug gehalten. Damit haben sich auch Computerspielsucht und Social-Media-Sucht immer weiter verbreitet. Die COVID-Pandemie hat diese Tendenz noch verstärkt. Ab 2022 nimmt die Weltgesundheitsorganisation WHO die Computerspielsucht in den offiziellen Katalog der anerkannten Krankheiten auf.

Kinder, Jugendliche und auch wir Erwachsenen hängen – gefühlt unaufhörlich – an den digitalen Geräten. Die Zeit, die wir den Bildschirmen widmen, nimmt vor allem bei Kindern stetig zu. Außerdem erfasst die Welle der Digitalisierung immer jüngere Kinder. Heute erreichen die digitalen Geräte auch Kleinkinder und sogar Babys. Vor allem die Tablets etablieren sich derzeit als Spielzeug für Kleinkinder.

Seit vielen Jahren warnen Experten aus Psychologie, Medizin und Pädagogik vor dieser Entwicklung. Nun ist sie Realität geworden. Der allgegenwärtige Konsum digitaler Medien hat vielfältige negative Folgen für die körperliche und geistige Gesundheit unserer Kinder und beeinträchtigt ihre kognitive, motorische, soziale und emotionale Entwicklung.

Wir stehen mitten in einer technologischen Revolution und in einem der größten Sozialexperimente der Menschheit, weil sich alle diese Warnungen vor den Gefahren der digitalen Technologien viel zu langsam herumsprechen und noch viel langsamer zu konkreten Maßnahmen führen, während die Digitalisierung rasant voranschreitet.

Die heutige Elterngeneration kommuniziert digital und erholt sich in der Freizeit zunehmend mittels digitaler Medien. Eine wachsende Anzahl von Erwachsenen arbeitet auch überwiegend digital. Mehrheitlich profitieren die Menschen in den reichen Ländern dieser Welt von den Segnungen der technologischen Revolution, die wir mit Spannung miterleben. Allerdings hatte die derzeitige Elterngeneration selbst noch eine weitgehend analoge Kindheit. Daher ist die heutige Elterngeneration von den Problemen, die die Digitalisierung für die Kindesentwicklung mit sich bringt, verschont geblieben. Auch dieser Umstand trägt dazu bei, dass heutige Eltern in der Digitalisierung vorwiegend das Positive sehen.

Dementsprechend ist es bislang weit verbreitet, die Warnungen vor dem Bildschirmkonsum als übertriebene Ängste von Technikfeinden abzutun. Den Schaden, den die technologische Revolution bei unseren Kindern und Jugendlichen anrichtet, unterschätzen die meisten Eltern noch immer. Dieses kollektive Unterschätzen ist ein großer Teil des Problems. Es sind vor allem die Eltern, die ihren Kindern den Zugang zur digitalen Welt finanziell ermöglichen, um danach damit zu kämpfen, dass die Kinder immer tiefer in ein ungesundes digitales Nutzungsverhalten absinken.

Viele Eltern beruhigen sich damit, dass die Kinder den Umgang mit der neuen Technologie möglichst früh lernen sollen, um als Digital Natives Vorteile für ihr späteres Berufsleben zu haben. Diese Einschätzung war immer schon naiv. Heutzutage ist sie angesichts der empirischen Fakten grob fahrlässig. Es muss klar gesagt werden: Eltern beschädigen ihre Kinder umso stärker, je früher sie ihnen Bildschirme zugänglich machen. Hingegen verschaffen Eltern, die eine weitgehend analoge Kindheit sichern, ihren Kindern vielfältige psychisch-kognitive, körperlich-motorische und emotionale Entwicklungsvorteile. Nichts ebnet den heutigen Kindern den Weg zur neuen Elite so sehr wie eine analoge Kindheit.

Allerdings können wir unsere Kinder nicht vor der allgegenwärtigen Digitalisierung abschotten. Spätestens ab dem Eintritt in den Kindergarten sind wir mit der Frage der Nutzung der digitalen Geräte durch die Kinder konfrontiert. Ab der Pubertät reduzieren sich unsere Möglichkeiten des Gegensteuerns drastisch. Dieses Buch zeigt Mittel und Wege, wie wir unsere Kinder ohne Weltfremdheit und ohne autoritäres Erziehungsregime vor den Gefahren bewahren können, die mit den neuen technischen Möglichkeiten einhergehen.

WAS ELTERN TUN KÖNNEN

Die entscheidende Frage für die Elitenbildung heute ist, wie früh ein Kind seine Begabungen entwickelt und wie konsequent es aufgrund seiner intrinsischen Motivation zu einer Berufung findet. Das betrifft auch die Kinder der alten Elite, die ohne Entwicklung ihrer Begabungen in Abstiegsgefahr geraten. Wenn Eltern gute Voraussetzungen für die Entwicklung der Begabungen ihrer Kinder schaffen, sind die Kinder auf dem Weg zur neuen Elite klar im Vorteil.

Jedes Kind hat Begabungen. Manchen fällt es leichter, die eigenen Begabungen zu entwickeln, anderen fällt das schwerer. Das kann zum Teil genetisch bedingt sein, liegt aber meist überwiegend daran, dass das jeweilige Umfeld die Potentiale des Kindes entweder fördert oder negiert und verschüttet. Zwar kann trotz aller Unterschiede prinzipiell jedes Kind in den Kreis der neuen Elite aufsteigen. Realistisch ist ein solcher Aufstieg jedoch nur, wenn insbesondere die Eltern die entsprechenden Weichen für den Lebensweg ihrer Kinder früh richtig stellen und später, falls notwendig, einfühlsam korrigieren.

Wie Eltern das bewerkstelligen können, ohne dabei in einen autoritären Erziehungsstil zu verfallen und den guten Kontakt zu ihren Kindern zu riskieren, zeigt der abschließende Block.

ELVIRA

Die zarte Elvira wirkte schon als kleines Kind tollpatschig. Oft knickte sie beim Gehen ein und blieb dann einfach eine Weile auf dem Boden sitzen. Damals dachte sich noch niemand etwas dabei. Nicht einmal ihre Mutter Martha, die eine eigene Praxis als Physiotherapeutin hatte.

Bindegewebsschwäche assoziieren die meisten Menschen mit schlaffer Haut und Cellulitis. Elvira hatte die verschärfte, genetisch bedingte Form. Schwacher Stützapparat, schwache Muskelspannung, mangelhafte Bewegungskoordination und vor allem ständige Schmerzen. Als die Krankheit bei Elvira im Alter von 10 Jahren diagnostiziert wurde, war nicht klar, ob sie jemals wieder gesund werden würde.

Bis zu diesem Zeitpunkt war Elvira vor allem durch ihre blühende Phantasie aufgefallen. Sie konnte stundenlang mit ein paar dicken Malstiften spielen, die sie wie Figuren um sich herum auf den Boden stellte. Dazu erfand sie Geschichten, sprach die Dialoge und zeichnete kurzerhand, was sie erzählte. Sie war in Gedanken ständig beschäftigt.

Alleine zu spielen war sie von klein auf gewohnt. Elviras Bruder war neun Jahre älter. Ihre Schwester sogar 14 Jahre. Der Altersunterschied war zu groß für gemeinsames Spiel. Augenscheinlich wichtig war für Elvira nur, dass noch jemand in der Nähe war. Das war zumeist der Fall, denn ihr Vater Martin war als freischaffender Umweltberater flexibel und konnte sich die Zeit bei Elvira mit Martha gut aufteilen.

Als Elvira fünf Jahre alt war, wurde ihre mittlerweile 19-jährige Schwester schwanger. Zu dieser Zeit fand Martin Elvira eines frühen Morgens im Wohnzimmer. Wie so oft saß sie inmitten ihrer dicken Malstifte und schien zu grübeln. Anders als sonst stand sie auf, als sie ihn bemerkte. Sie sagte ihm, sie habe die ganze Nacht nicht geschlafen, weil sie eine Frage beschäftigte. Wenn jede Mama einmal selbst ein Baby war, wer war dann die erste Mama?

Martin gestand ihr, dass er auf diese Frage auch keine Antwort hatte. Nicht einmal die großen Forscher und Philosophen hätten eine endgültige Lösung gefunden. Martin fragte Elvira, ob sie denn zu einer Lösung gekommen sei. Elvira nickte selbstbewusst. »Ich glaube, eine Fee hat die erste Mama erschaffen.«

»Ja«, antwortete Martin, »dass jemand die ersten Menschen erschaffen hat, ist die Schöpfungsgeschichte. Das ist eine mögliche Antwort. Aber das erklärt noch nicht, wie die erste Fee auf die Welt gekommen ist.«

»Ich glaube, die erste Fee ist aus dem Ei von einem Dinosaurier geschlüpft«, meinte Elvira.

Obwohl ihre älteren Geschwister Handys hatten und diese auch intensiv, teils auch exzessiv nutzten, ließ sich Elvira davon nicht anstecken. Mit ihren Phantasiewelten konnten die digitalen Spiele offenbar nicht mithalten. Das änderte sich auch nicht, als ihre Krankheit diagnostiziert wurde.

Martha tat als Physiotherapeutin ihr Möglichstes, um Elvira zum Training zu motivieren und anzuleiten. Bindegewebe kann durch Training an Elastizität gewinnen. Elvira machte tagein, tagaus ihre Katzensprungübungen, ihre Kniebeugen, ihre Dehnungsübungen. Sie war äußerst konsequent. Trotzdem verschlechterte sich ihr Zustand in den Jahren bis zur Pubertät.

Elvira fand ihr Schicksal ungerecht. Besonders die ständigen Schmerzen setzten ihr zu. Nach Jahren des erfolglosen Trainings schien ihre Lage zunehmend hoffnungslos. In dieser Zeit verfiel Elvira in eine depressive Stimmung. In ihrer Klasse wurde sie zur Außenseiterin und befreundete sich mit einer anderen Außenseiterin.

Dieses Mädchen eröffnete Elvira eine neue Welt, für die sie wegen der dauernden Schmerzen, aber auch wegen ihrer Freude an schönen Phantasiewelten anfällig war: Drogen. Elvira probierte die eine oder andere bewusstseinsverändernde Substanz und fand Gefallen daran. Die Eltern bekamen davon nichts mit. Als allerdings Elviras neue Freundin Probleme mit der Polizei bekam, war das für Elvira der Impuls, Abstand zu nehmen. Ein Abgleiten ins Drogenmilieu konnte sie ihren Eltern trotz aller Ungerechtigkeit ihres Schicksals nicht antun. Fortan verzichtete sie auf jeglichen Drogenkonsum.

Stattdessen beschäftigte sie sich nun selbst mit dem Thema Gesundheit, insbesondere mit dem Thema Ernährung und anderen Aspekten ihrer Krankheit, die außerhalb des Bereichs der Expertise ihrer Mutter lagen.

Im sechsten Jahr des täglichen schmerzvollen Trainings reagierte ihr Bindegewebe endlich positiv. Elvira merkte es an ihren Sprüngen, die sich irgendwie federnder anfühlten. Aus Freude über diesen kleinen Erfolg wollte sie gleich noch mehr trainieren, aber Martha warnte sie. Zuviel Training konnte sich auch negativ auf das langsam erstarkende Bindegewebe auswirken. Also trainierte Elvira konsequent weiter und erntete kontinuierlich mehr Spannkraft ihrer Muskulatur.

Ein paar Jahre später, im Anschluss an die Matura, stellte Elvira ihren Körper auf die Probe. Sie heuerte als Hilfsköchin in einem Gasthaus in Salzburg an. Ein Knochenjob. Aber sie hielt durch. Fast ein Jahr lang arbeitete sie dort.

Mit dem verdienten Geld mietete sie sich eine Wohnung in Wien. Aktuell studiert sie auf der Universität für Bodenkultur Umwelt- und Ressourcenmanagement. Sie verbindet die Ökologie mit dem Gesundheitsbereich und erschließt damit das neue Wissenschaftsfeld der Gesundheitsökologie. Damit sind die Weichen für eine Karriere in einem zukunftweisenden Bereich gestellt. Außerdem ist sie als Klima-Aktivistin engagiert.

Elviras Geschichte zeigt, dass auch schwere Krankheiten Kinder und Jugendliche nicht notwendigerweise daran hindern, in den Kreis der neuen Elite aufzusteigen. Ihre Geschichte ist eine von vielen, die alle bestätigen, dass Jugendliche, die in der frühen Kindheit vor allem von ihren Eltern ein gutes Fundament erhalten haben, auch große Krisen bewältigen können. Bei Elvira war es neben der stets vertrauensvollen Beziehung zu den Eltern vor allem ihre früh geübte Selbständigkeit, die dieses Fundament gebildet hat.

Was Elvira auf dieser Basis geschafft hat, ist bemerkenswert. Sie hat nicht nur eine schwere Krankheit zurückgedrängt, mit der sie wahrscheinlich noch viele weitere Jahre zu kämpfen haben wird. Sie ist auch ohne jegliche Hilfe vom Konsum von Drogen weggekommen. Das zeugt von großer Ich-Stärke. Mit Computerspielen und sozialen Medien hat sie gar nicht erst angefangen. Sie besteht darauf, sich ihr Leben und ihr Studium selbst zu finanzieren.

Was Elvira durch den Umgang mit ihrer Krankheit vor allem gelernt hat, ist Beharrlichkeit. Sie schätzt die kleinen Erfolge und verliert dabei das Gesamte nie aus dem Blick.

Martha und Martin haben lange Jahre mit ihrer Tochter mitgelitten. Hätten sie verzagt, hätte es vielleicht auch Elvira getan. Aber sie haben trotz der zermürbenden Jahre nie aufgegeben und sich die Hoffnung bewahrt, dass irgendwann alles wieder besser wird. Damit waren sie für Elvira stets eine Stütze. Als Stütze zur Verfügung zu stehen ist der Kern dessen, was Eltern in jeder Krise ihrer Kinder unbedingt tun sollten.

EMPIRISCHE EVIDENZ FÜR DIE BILDUNG DER NEUEN ELITE

Dass sich eine neue Elite bildet, behaupte nicht nur ich. Im Zuge der Recherchen für dieses Buch habe ich viele Lehrer interviewt. Sie alle unterrichten seit vielen Jahren, teilweise seit Jahrzehnten, in unterschiedlichen Schultypen und haben daher einen guten Eindruck von den Unterschieden zwischen den Schülern. Diese Lehrer sehen, wie die Kinder in den Pausen und zum Teil auch im Unterricht mit ihren Smartphones umgehen und sind durchwegs mit mir einer Meinung. Es gibt in der heutigen jungen Generation ganz eindeutige Trennlinien zwischen der mittelmäßigen Masse und den wenigen, die herausragen.

Über die Jahre ist zu beobachten, dass jene Kinder, die mit den Handys zurückhaltender umgehen, bessere Leistungen abliefern. Das gilt für alle Schultypen, für sogenannte Brennpunktschulen und Allgemeinbildende Höhere Schulen ebenso wie für pädagogisch fortschrittliche Alternativschulen. Je weiter die Kinder in der Entwicklung ihrer Talente waren, bevor sie ein intensiveres Nutzungsverhalten der digitalen Geräte an den Tag legen, desto weniger dramatisch sind die negativen Konsequenzen.

Die überwiegend analog aufwachsenden Kinder haben nicht nur bessere Noten in den Kernfächern. Auch in den anderen Gegenständen macht sich der Unterschied zwischen den Kindern bemerkbar.

Beim technischem Werken beobachten die Lehrer das Sinken der Frustrationstoleranz und Geduld bei jenen Schülern, die wegen der digitalen Medien schnelle Befriedigung gewohnt sind. Beim Basteln und Werken wird Geschicklichkeit immer seltener, weil sie Übung erfordert, die nicht mehr im selben Umfang stattfindet wie früher. Das Handwerk kennt keine schnellen Lösungen. Im Gegenteil. Um ein Werkstück über einfache Tätigkeiten hinaus zu bearbeiten, braucht es eben vor allem Geduld.

Dabei gibt es auch in dieser Generation den Drang, sich kreativ zu betätigen und etwas Herzeigbares zu produzieren. Was die Kinder mit den eigenen Händen schaffen, bekommt ungebrochen hohe Anerkennung. Das Herzeigen stärkt den Selbstwert der Kinder und Jugendlichen. Allerdings haben sie generell weniger herzuzeigen. Umso mehr stechen jene heraus, die handwerklich etwas zustande bringen.

Der kindliche Präsentationsdrang zeigt sich auch im künstlerisch-kreativen Bereich. Musizieren, Theaterauftritte, Sketches, Reden, Gedichte, Poetry Slam, Kunststücke, es gibt vieles, was die Kids herzeigen wollen. Allerdings gibt es in allen diesen Bereichen nur eine dünne Spitze, die tatsächlich etwas herzeigt, während die überwiegende Mehrheit nur zuschaut, weil die meisten Kinder keinen Zugang zu ihren kreativen Potentialen entwickeln.

Die Lehrer beobachten, dass kreativ Begabte meist eine Art Inselbegabung haben. Sie spezialisieren sich. Sie verhalten sich manchmal etwas anders, weil sie auf ihre Begabung viel Zeit verwenden. Das führt dazu, dass sie leichter als andere Kinder in Gefahr geraten, sozial isoliert zu werden. Daher ist es gerade für kreativ begabte Kinder wichtig, dass sie auch soziale Kompetenzen erwerben. Wenn sie trotz ihrer Eigenheiten rundherum gut eingebunden sind, können sie ihre Begabung frei ausleben. Wenn sie hingegen statt Anerkennung und Wertschätzung Neid und Ausschluss provozieren, besteht die Gefahr, dass sie ihre Kreativität verstecken und ihre Begabung unterdrücken, um dazuzugehören.

ILSE UND ELSE

Ilse und Else waren schon in der Unterstufe besonders mutig. Mit 14 Jahren gestalteten sie Performances im öffentlichen Raum und spielten Theater. Sie zeigten sich mit großer Selbstverständlichkeit und starkem Selbstbewusstsein, waren und blieben aber in ihrer Art sehr bescheiden. In der Klasse stellten sie sich nie übertrieben dar. Aufgrund dieser Bescheidenheit erhielten sie umso mehr Bewunderung. Sie waren unter den anderen Mädchen und Jungs beliebt und bestens integriert. Digitale Medien verwendeten sie privat nie, bezogen sie jedoch in ihren künstlerischen Arbeiten ein.

Die Eltern von Ilse und die von Else bezeichnen ihre Lehrer als eher bürgerlich, keine Akademiker, allerdings reflektiert und aufgeschlossen, sehr fein in ihrer Art. Diese feine Art haben sie Ilse und Else offensichtlich mitgegeben.

Ilse und Else sind mittlerweile 24 Jahre alt. Von Else wissen ihre Lehrer nur, dass sie ins Ausland geheiratet hat. Mit Ilse hingegen haben sie noch Kontakt, denn Ilse besucht manchmal ihre alte Schule. Sie hat bereits die Hochschule für angewandte Kunst absolviert und ist als Künstlerin selbständig.

Eine ähnlich deutliche Spaltung zwischen den Begabten und den übrigen Kindern zeigt sich im Sport. Sportlehrer erkennen über die Jahre, dass die Schüler im Schnitt koordinativ viel schwächer geworden sind. Übergewicht nimmt zu. Mehr Kinder als früher tun sich generell schwer beim Bewegen. Dabei ist die Freude der Kinder an der Bewegung ungebrochen. Sie bewegen sich generell gerne, auch wenn sie durchwegs weniger fit und beweglich sind. Umso deutlicher stechen die wenigen Beweglichen aus der Masse hervor.

Egal ob sie aus sozial benachteiligten Familien kommen oder nicht, stets schneiden jene, die weniger auf das Smartphone fixiert sind, besser ab, wenn sie ähnliche Ausgangsbedingungen bei ihren Fähigkeiten haben.

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