Kitabı oku: «Bei Erwachen Mord», sayfa 3
7
Ich fühle mich leicht und frei. – Ich gleite durch die dunklen Straßen. Meine Füße berühren den Boden kaum. Die bläulich-schwarzen Gebäude rechts und links beugen sich über mich. Aber sie können mich mit ihren schiefen Fenstern nicht sehen. Das herausdringende Licht erhellt nur spärlich die einsamen Gassen, die sich in Windungen dunkelrot vor mir hinziehen.
Ich kann jetzt den Takt ihrer schnellen Schritte auf dem Pflaster hören. Die Dunkelheit scheint sie zur Eile anzutreiben. Aber es ist zwecklos – auch, wenn sie noch einige hundert Meter Vorsprung hat. Ich werde sie bald einholen – sehr bald. Und dann wird sie für alles bezahlen! Sie scheint stehen geblieben zu sein. Will sie es mir wirklich so einfach machen? Nein – nun ist sie in eine Seitengasse abgebogen. Ich höre wieder ihre raschen Schritte … aber diesmal viel näher. Sie hätte nicht stehen bleiben sollen. Ich kann bereites ihren Duft einatmen … den salzig dunstigen Geruch ihres Schweißes. Ich liebe den Geruch der Angst. Jetzt kann ich sie schon vor mir sehen – sie beschleunigt ihre Schritte, dreht sich mehrmals um ... Sie hat mich gesehen – sie fängt an zu rennen!
Meine elastischen Schritte werden immer größer. Ich nehme mehrere Meter auf einmal … ich bin jetzt direkt hinter ihr … ich hole mit meinen Armen aus … greife nach ihrem Hals und drücke sie gegen mich. Sie versucht zu schreien. Meine Hände umklammern ihren Hals wie ein Schraubstock … meine Armmuskeln schwellen an. Ich fühle das Blut in ihrer Schlagader pulsieren … es kommt nur ein unterdrücktes Keuchen aus ihrem Mund, ich drücke noch fester zu. Sie windet sich, und ein Beben durchzieht ihren Körper ... ihre Hände umklammern meine Handgelenke, ihre Nägel dringen in das Leder meiner Handschuhe – ich fühle keinen Schmerz. Ihre langen, dunklen Haare verdecken ihre Augen … Ich will sie sehen … die Augen – die weit aufgerissenen Augen! Sie bäumt sich noch einmal auf, schlägt um sich, dreht ihren Kopf. Ich drücke fester zu, aber ich lasse mir Zeit. Ich bin Herr über die Sekunden, die ihr noch bleiben – ich musste ja auch leiden – Jahre des Leidens … Sie beißt mich, tritt, versucht sich freizumachen. Sie hat einen Schuh verloren, und ich kann ihren krampfhaft zuckenden Fuß sehen – ihre Zehen sind angezogen, sie strampelt heftiger … jetzt endlich sehe ich ihre dunklen Augen, die sich immer schneller hin und her bewegen. Ihre Pupillen sind erweitert. Jetzt schiebt sich die Iris nach oben, und ich kann nur noch das Weiße ihrer Augen sehen. Ich drücke noch fester zu – meine Arme sind zum Bersten gespannt, ich drücke sie zu Boden. Ihr Widerstand wird immer schwächer. Ich lege mich auf sie und fühle das Zucken ihres schweißüberströmten Körpers. Ich kann vor Erregung kaum atmen ... ich will jetzt nicht länger warten und umklammere ihren Hals noch fester. Ich fühle ein leichtes Knacken – ihr Körper erschlafft. Das Aufbäumen hat sich in ein leichtes Zittern verwandelt, ihr Blick wird immer glasiger, ich besitze sie jetzt vollkommen ... ich bin auf dem Höhepunkt angelangt. Das Leben scheint aus ihren Augen gewichen zu sein, sie starrt mich an ... aus ihrem linken Mundwinkel tropft der Speichel langsam auf ihren weißen Hemdkragen … ich vergrabe meine Zähne in ihrem Hals … das Blut strömt pulsartig über meine Lippen. Eine große Wärme überkommt mich und breitet sich in meinem Körper aus – so warm wie der Geruch, der ihrem nassen Körper entströmt.
Ich fühle mich befreit und ruhig, mein Körper entspannt sich. Sie hat bezahlt …
8
Rolf fuhr mit einem Aufschrei hoch. Es hämmerte wie in einem Dieselmotor in seinem Kopf. Verschwommen erkannte er die Möbel seines Schlafzimmers, das von der Gartenbeleuchtung erhellt war. Es war nur ein Traum – nur ein Traum …
Panik überkam ihn.
„Monika!“ Rolf drehte sich hastig im Bett um ... Richtig, sie war ja heute in San Francisco geblieben. Sie übernachtete immer bei der Inhaberin der Galerie, wenn die monatliche Vernissage veranstaltet wurde. Er hatte ihr eingeschärft, nachts die gefährliche Küstenstraße nach El Granada zu meiden.
Und er selbst – war gestern Nacht mit John und einem von dessen Bekannten versackt … Irgendwann hatte er aufgehört, die Gläser zu zählen. Er konnte sich gar nicht mehr an den anderen Mann erinnern.
Rolf hielt sich seinen dröhnenden Schädel, in dem das Platzkonzert munter weiterlief.
Eine starke Übelkeit stieg in ihm auf. Er fühlte, dass er sich gleich übergeben würde, und schaffte es gerade noch ins Badezimmer. Als Rolf sich dann im Spiegel ansah, merkte er, dass er sich noch nicht einmal ausgezogen hatte. Er schaute an sich herunter. Sein Jackett und seine Krawatte waren blutverschmiert.
Dann entdeckte er die Platzwunde auf seiner Stirn. Er musste wohl hingefallen sein. Als er seinen Hinterkopf betastete, bemerkte er auch eine Beule. Er öffnete den Hahn und hielt seinen schmerzenden Kopf unter das kalte Wasser. Rolf starrte wieder auf die Verletzung und überlegte, ob er nicht lieber einen Notarzt rufen sollte, um die Wunde nähen zu lassen. Doch der bloße Gedanke, jetzt mit jemandem sprechen zu müssen, erfüllte ihn mit starkem Widerwillen. Die Verletzung hatte sowieso aufgehört zu bluten.
Er versuchte krampfhaft, sich an den gestrigen Abend zu erinnern. Nichts, er sah nur Johns grinsendes Gesicht vor sich – und wer war der andere Mann gewesen?
Die Erinnerungen an seinen Traum kamen wieder hoch.
Rolf griff nach dem Hörer des Telefons. Er musste wissen, was er letzte Nacht getrieben hatte – John konnte ihn sicherlich aufklären. Er schaute auf seine Armbanduhr. Es war fünf – nein, er konnte jetzt seinen Partner nicht anrufen.
Irgendwie musste er einen klaren Kopf bekommen. Mit unsicheren Schritten lief Rolf die Treppe zur Küche hinab und bewegte sich auf die Kaffeemaschine zu. Sein Blick fiel auf den Küchentisch, auf dem ein Glas und eine halbvolle Whiskyflasche standen. Bloß nicht!
Er bemerkte, dass auch auf dem Stuhl Blut klebte.
Er wandte sich der Espressomaschine zu und ließ sich einen Kaffee einlaufen. Dann griff er nach dem Päckchen Chesterfields.
Rolf fühlte sich sehr schwach und hätte sich gerne wieder hingelegt. Es war Samstag. Aber er musste das alles hier und sich selbst in Ordnung bringen, bevor Monika morgens aufkreuzen würde. Und dann war ja heute diese verdammte Gartenparty. Es war wirklich nicht notwendig, John gleich zweimal innerhalb von vierundzwanzig Stunden zu sehen.
Rolf stellte die Whiskyflasche in die Bar zurück und begann, die Küche zu reinigen. Auch unter dem Tisch fand er Blutspuren. Kaum zu glauben, dass seine Wunde so stark geblutet hatte ... Vielleicht hatte er am Hinterkopf auch eine Verletzung?
Im Badezimmer stellte er sich mit dem Rücken zum Hauptspiegel und versuchte, mit Monikas kleinem Kosmetikspiegel seinen Hinterkopf zu untersuchen, konnte aber keine weiteren Blutspuren auf seinen Haaren entdecken. Er strich mit der Hand über die schmerzende Beule.
Rolf betrachtete wieder die Blutspuren auf seiner Kleidung und dachte unwillkürlich an seinen Alptraum. Das Blut musste zwangsläufig von der Verletzung auf seiner Stirn kommen – er hatte doch nur geträumt! Wieder überkamen ihn die Selbstzweifel.
Er zog seine Kleidung aus und wechselte auch den Bettbezug, der sich in einem ähnlichen Zustand befand. Dann steckte er alles in einen Plastiksack und beförderte diesen in den Müllcontainer vor dem Haus. Nach einer heißen Dusche überkam ihn wieder ein starkes Schwindelgefühl, und er beschloss, sich doch wieder hinzulegen.
9
„Du Schlafmütze – raus aus den Federn! Jetzt wird es aber langsam Zeit!“
Rolf schlug die Augen auf. Er war von einem goldenen Seidenvorhang umgeben, und von oben schauten ihn zwei blaue Opale an.
Er ließ seine Finger durch Monikas Haare gleiten und zog ihr Gesicht zu sich herunter. Er schaute auf ihren lächelnden Mund und zeichnete mit seinem Zeigefinger die Konturen ihrer Lippen nach.
Sie schreckte plötzlich hoch. „Was hast du mit deiner Stirn gemacht?“ Dann strich sie mit ihrer Hand über seine Brust. „Und dieser große blaue Fleck?“
Rolf sah erst jetzt das Hämatom auf seiner Brust. „Ich bin heute Nacht die Treppe runtergefallen, als ich ohne Licht in die Küche wollte …“
Die Erklärung erschien auch ihm selbst einleuchtend. Seine Kopfschmerzen hatten nachgelassen, und die Gedanken wurden wieder etwas klarer. Ganz gleich, ob er sich betrank oder Nembutal schluckte, oder beides gleichzeitig – er wurde diese Träume einfach nicht mehr los. Vielleicht war es wirklich gar keine so schlechte Idee, wenn er heute mit Johns Schwager sprach.
„Du hättest dir was Ernsthaftes antun können! Nachts ohne Licht durchs Haus zu schleichen …“ Monika blickte ihn vorwurfsvoll an.
Rolf sah auf. „Was meinst du? Ja natürlich, – du hast vollkommen recht, Spatz. Wieviel Uhr ist es eigentlich?“
„Es ist Mittag. Als ich heute Morgen ankam, hast du gepennt wie ein Murmeltier. Ich wollte dich nicht wecken …“
Rolf dehnte seinen schmerzenden Körper. „Wir müssen gegen vier bei John sein.“
Monika lächelte und legte ein elegantes, blaues Cocktailkleid auf das Bett. „Schau mal, was du mir gestern geschenkt hast. Ich habe es bei Hillsdale gesehen und dachte mir, dass ich es sowohl für die Vernissage als auch für Johns Party tragen könnte. Du siehst – zwei Fliegen mit einer Klappe …“ Sie sah ihn schelmisch an. „Ein Glück, dass du mit einem so praktischen Mädchen lebst. Du sparst richtig Geld!“
Er zog sie zu sich runter und küsste sie lange.
Als sie hinuntergegangen war, griff Rolf zum Telefon. Hoffentlich konnte ihn sein Geschäftspartner über die Ereignisse der gestrigen Nacht aufklären.
„Hallo John, war ja eine raue Sitzung gestern Nacht … Sag mal, wann haben wir eigentlich die Kurve gekratzt?“
„Keine Ahnung, Rolf, wann du gegangen bist … Ich erinnere mich nur noch, dass du dich angeregt mit einer hübschen Brünetten unterhalten hast, als wir im Blue Parrot waren …“
„Wir waren im Blue Parrot?“
„Ja, erinnerst du dich etwa nicht daran? Unser Kunde wollte etwas vom Nachtleben San Franciscos sehen, und du hast diesen Club empfohlen …“
„Um wieviel Uhr war das?“, fragte Rolf mit besorgter Stimme.
„Etwa gegen zwei.“
„Und danach?“, forschte er weiter.
„Und danach – keine Ahnung. Du warst auf einmal weg. Wir dachten, dass du mit der Brünetten nach oben gegangen seist. Leidest Du etwa an Amnesie?“ John räusperte sich am anderen Ende der Leitung. „Ich bin dann so gegen vier nach Hause gekommen – das hat mir jedenfalls Vera erzählt. Und da mich Vera nicht abgemurkst hat, bin ich wahrscheinlich ohne Begleitung gekommen.“
Rolf lächelte bitter. Vera wäre es wahrscheinlich auch egal gewesen, wenn John mit einer ganzen Armee von Blondinen zu Hause ankam – solange sein Geschäft lief und er ihre Spielschulden beglich.
„Kannst du dich noch an das Aussehen des Mädchens erinnern? Irgendetwas, das dir aufgefallen ist?“, fragte er Baudassin.
Rolf hörte ein Brummen am anderen Ende der Telefonleitung.
„Tut mir leid Rolf, aber dafür war ich selbst zu angeheitert. Kannst du dich denn an gar nichts mehr erinnern? Ich meine, sie saß ja auf deinem Schoss, nicht auf meinem …“
Rolf legte auf und ließ sich in die Kissen zurücksinken. Das Telefonat mit John hatte nicht gerade dazu beigetragen, ihn zu beruhigen – im Gegenteil. Wieder überkamen ihn Atemnot und panische Angst. Die Trennlinie zwischen Traum und Realität verschwamm immer mehr. Er hatte doch nur geträumt? Er befand sich in seinem Schlafzimmer. Monika rumorte unten in der Küche – es konnte nur ein Traum gewesen sein!
10
Beide hatten keine große Lust auf Johns Party und die Gäste, die sich wie üblich zum 4. Juli in seinem Garten einfanden. Aber John legte immer großen Wert auf das Ereignis, dass abends mit einem kleinen Feuerwerk endete. Einmal wäre John beinahe ein Feuerwerkskörper ins Gesicht geflogen – aber er hatte Glück und kam mit leichten Verbrennungen an seiner Wange davon.
Die Rogers würden kommen – der einzige Lichtblick für Monika, die sich mit ihrer Freundin aus der High-School-Zeit austauschen konnte. Dann Johns Schwester und ihr Mann, Liam Villan. Er war der Interessanteste der ganzen Bande – die Gespräche mit ihm waren meistens ganz anregend. Liam war auf fast allen Gebieten bewandert, egal ob sich die Diskussionen um Medizin, Politik oder Wirtschaft drehten. Und er ließ die Unterhaltung nie eintönig und trocken werden, sondern mischte immer einen Witz oder eine Anekdote in das Gespräch. Ab und zu lud John auch einige Klienten und ihre Familien ein, um die Arbeitswoche auf den Feiertag auszudehnen.
Als Monika und Rolf die Auffahrt zu Johns imposanter Villa mit Blumen und einer Flasche Bourbon hochliefen, schlugen ihnen schon die Klänge von Volare entgegen. Sie hatten eine Stunde Verspätung und waren wahrscheinlich die letzten Ankömmlinge.
John öffnete ihnen gutgelaunt die Tür. Sein schlecht gebügeltes Hemd und seine grauen Popelinhosen hatten schon einige Flecken abbekommen, aber seine schwarz-weißen Oxfordschuhe waren tadellos poliert. Seine Frau Vera stand neben ihm. Sie war genauso rundlich wie er und verströmte Humor und Lebenslust. Obwohl ihre Figur nicht gerade dem klassischen Schönheitsbild entsprach, umgab sie eine starke Sinnlichkeit. Die meisten Männer, mit denen Vera in Berührung kam, konnten nicht genau sagen, was es war – aber sie hatte Erfolg.
Es war ein offenes Geheimnis in Johns Bekanntenkreis, dass Vera nicht gerade die Treue erfunden hatte. Rolf konnte dies bestätigen. Bevor er Monika kennenlernte, hatten sich die beiden mehrmals in einer kleinen Fischerhütte am Strand von Half Moon Bay getroffen. Vera war wirklich ein Erlebnis, und Rolf hatte damals beinahe eine körperliche Abhängigkeit zu ihr entwickelt. Er wusste nicht, ob John von der Sache etwas mitbekommen hatte.
„Rolf ist wie immer pünktlich. Na, alter Junge – ich hoffe, du bist gestern doch noch zu Hause angekommen?“, frotzelte John.
Monika sah ihn von der Seite fragend an. Sie kannte die gemischten Gefühle, die ihr Freund seinem Partner gegenüber hegte, ohne dass ihr Rolf jemals einen wirklichen Grund dafür genannt hätte. „Was war denn gestern Abend, John? Wart Ihr beide unterwegs?“
„Ja – Rolf und ich haben deine Abwesenheit schamlos ausgenutzt und an der Strandbar vor unserem Büro einen zur Brust genommen – vielleicht haben wir es etwas übertrieben.“
Monika sah Rolf ärgerlich an. „Dann bist du also deshalb gestern Nacht die Küchentreppe runtergefallen! Kein Wunder … Du solltest dich wirklich etwas besser kontrollieren!“
„Tja, Selbstkontrolle ist nicht unbedingt Rolfs Sache …“ John zwinkerte Rolf zu und servierte ihnen zwei Tom Collins an der Bar. Dann schob er die beiden in den parkähnlichen Garten zu den übrigen Gästen. Die Sonne hatte jetzt am Spätnachmittag an Kraft verloren und tauchte die Anwesenden in ein sanftes, goldenes Licht. Die Hitze war einer lauwarmen Brise gewichen und man konnte trotz Gelächter und Jazzklängen das leichte Rascheln der Blätter in den Bäumen vernehmen.
Sein Geschäftspartner hatte wie üblich keine Kosten gescheut. Die Kellner, die vom Catering Service gestellt worden waren, schwirrten in hellgrauem Livree wie Motten um die Gäste zwischen den Blumenbeeten und servierten Kaviar mit Blinis, eiskalten Wodka und Champagner. Im Hintergrund spielte ein Orchester mit Oboen, Saxofonen, Bratschen und Trommeln. Rolf musste innerlich lächeln, als er feststellte, dass mehr Bedienstete als Gäste auf dem Rasen standen.
An dem mit bunten Hors d’oeuvre und Salaten bedeckten Buffettisch, der vor den großen französischen Fenstern der Villa stand, unterhielten sich die Rogers. Bobby war wie immer wie aus dem Ei gepellt. Er trug einen cremefarbenen Zweireiher, und seine Haare waren sorgfältig nach hinten gekämmt. Neben ihm Monikas Freundin Molly, eine kalte und etwas fade Schönheit, die selten lächelte und die Unterhaltung meistens ihrem Mann überließ. Rolf hatte nie begriffen, wie Monika sich so gut mit ihr verstehen konnte. Sie waren grundverschieden.
Bobby schien sich in der Gegenwart seiner Frau zu langweilen und ließ seine Augen unaufhörlich umherschweifen. Dann fing er ein Gespräch mit Johns Schwager Liam an. Rolf und Monika gesellten sich zu ihnen.
„Jetzt ist der günstigste Moment zum Kaufen. Natürlich sollte man bei den augenblicklichen Kreditbedingungen nicht auf Banken angewiesen sein. Aber deshalb sind die Preise so interessant – viel interessanter als beispielsweise in Florida, wo kubanische Emigranten seit Castros Putsch die Immobilienpreise hochtreiben … Hallo ihr beiden!“ Bob gab Monika und Rolf die Hand. „Ich erkläre Liam gerade die negative Korrelation zwischen Zinsen und Hauspreisen …“
Liam schien sich nicht sonderlich für die Korrelation zu interessieren, denn seine intelligenten, dunklen Augen schielten ständig an ihm vorbei. Er war ein schlanker, nervöser Mann, den man nie ohne eine Zigarette in der Hand antraf. „Bobby, verschwende deine Spucke lieber auf jemanden, der wirklich Kapital hat. Ich bin nur ein Psychiater mit durchschnittlichem Einkommen.“ Er lächelte Rogers nachsichtig an.
Monika hatte sich einen zweiten Tom Co genommen und unterhielt sich mit Molly. Rolf musste innerlich lächeln. Wie schaffte sie es nur, diesen Eiswürfel zum Reden zu bringen? Aber Monika hatte eine besondere Gabe, das Zutrauen ihrer Mitmenschen zu gewinnen. Sie konnte besonders gut mit Kindern umgehen, und es war dann immer schwer, die Kleinen wieder von ihr zu trennen.
Etwas abseits am oberen Ende des ovalen Schwimmbads standen Johns Schwester Kimberley und ein anderes Paar. Rolf erkannte die dunkle Schönheit, die sich am Donnerstag mit Bobby vor Johns Haus gestritten hatte. Groß und elegant stand sie neben einem jungen Mann, der auf eine Bemerkung von Johns Schwester hin in schallendes Gelächter ausbrach. Sie ließ sich aber nicht von der guten Laune ihres Begleiters anstecken und starrte unverwandt zu Bobby Rogers hinüber. Obwohl sie nicht viel sprach, wirkte sie nicht kalt. Es war eher ihre ungewöhnliche Schönheit, die einschüchternd wirkte.
Liam sah Rolfs Blick nach und nickte.
„Ja, Faith ist wirklich eine Wucht. Meine Frau hat sie im Reitclub kennengelernt. Wir haben sie ab und zu zum Essen eingeladen – aber eigentlich wissen wir wenig über sie.“
„Und der neben ihr ist ihr Mann?“
Der Psychiater schüttelte den Kopf. „Das wäre er gerne. Nein, Nik ist ein Junge, den sie oft mitschleppt, um nicht alleine auf Gesellschaften zu erscheinen – einer dieser Müßiggänger und Nichtsnutze.“
Rolf musterte Faith eingehend. „Sie scheint wirklich gewagte Dekolletés zu mögen …“
Liam lächelte ironisch. „Rolf, du solltest in deinem Alter inzwischen gelernt haben, dass keine Frau glaubt, sie sei für eine Party richtig angezogen, wenn sie sich nicht genug ausgezogen fühlt. Komm mit, ich mache euch bekannt ...“
Rolf nahm sich ein zweites Glas und folgte Liam am Rande des Beckens entlang zu der kleinen Gruppe, die unter einer großen Trauerweide stand.
„Hallo Faith, darf ich dir Rolf Bennett vorstellen. Er führt mit John das Architektenbüro und ist vor allem ein guter Freund. Rolf, das ist Faith Dommartin ...“
Rolf reichte ihr die Hand und war erstaunt über ihren festen Griff. Obwohl Rolf sehr groß war, sahen ihre dunklen Augen ihn auf gleicher Höhe an. Ein unauffälliger Blick auf ihre Schuhe zeigte ihm, dass die hohen Absätze etwas dazu beitrugen.
„Kimberley brauche ich dir ja nicht vorzustellen, und das ist Nik Heath, der äh … Golfspieler,“ fuhr Liam fort.
Nik zog eine Grimasse. Er schien mit der Beschreibung seines Profils nicht ganz zufrieden zu sein.
Rolf wandte sich wieder dem holografischen Bild zu. Anders konnte man Faith kaum bezeichnen. „Haben wir uns nicht schon einmal gesehen?“
Sie schien den ironischen Unterton in seiner Stimme zu überhören und verzog keinen Muskel ihres Gesichtes. „Ich wüsste nicht wo. Aber natürlich – Sie erinnern mich total an meinen Urgroßvater in seinen letzten Jahren ...“
„Faith – kannst du dich nicht ausnahmsweise benehmen?“ Kimberley sah ihre Freundin ärgerlich an.
Das holografische Bild blickte zu Rolf. „Verzeihen Sie, Herr … Bennett. Eigentlich wurde ich gut erzogen. Keine Ahnung, was danach passiert ist. Sie arbeiten also mit John zusammen. Seltsam, ganz Kalifornien scheint von Architekten und Immobilienmaklern nur so zu wimmeln …“ Sie schaute wieder flüchtig zu Bobby runter. Ihr Blick hatte jetzt etwas Sehnsüchtiges, und leichte Grübchen bildeten sich auf ihren Wangen.
Rolf wurde schlagartig klar, dass Faith den etwas schmierigen Rogers wirklich liebte. Das holografische Bild nahm menschliche Züge an. Was fand sie bloß an ihm?
Rolf erhaschte Liams Blick und merkte, dass Bobby und er nicht die Einzigen waren, die von Faith beeindruckt waren. Liam starrte einige Sekunden auf sie – der Ausdruck seiner Augen hatte etwas Gieriges.
Auch Bob sah gelegentlich zu ihr herauf. Aber er schien eher Angst vor einem Skandal zu haben, denn er drehte sich immer hastig weg, wenn sich ihre Blicke trafen. Rolf konnte sich gut in ihn hineinversetzten. Wahrscheinlich zählte Rogers die Minuten, bis die ganze Sache vorbei war, und er ungeschoren mit seiner Frau nach Hause gehen konnte.
„Ihr Männer seid doch solche Feiglinge …“ Faith schien zu sich selbst zu sprechen. „Kein Wunder, dass Herzinfarkte meistens euch treffen …“
Rolf wandte sich an Faith und lächelte. „Urteilen Sie nicht zu hart über die Männer. Im Grunde denken wir wie ihr Frauen, nur handeln wir manchmal impulsiver und unüberlegter, wenn es um … äh … zwischenmenschliche Beziehungen geht. Manchmal vergessen wir dann die Verpflichtungen, die wir eingegangen sind. Aber wir können sie deswegen nicht einfach ganz über Bord werfen.“
„Das ist nett gesagt. Man könnte auch sagen, ihr Männer richtet mit eurer Gleichgültigkeit einen Scherbenhaufen an und versteckt euch dann hinter der Familie, die ihr betrogen habt. Andere müssen dann die Scherben wegräumen. Da – sehen Sie ihn sich an …“ Faith deutete mit dem Kopf zu Bobby. „Er weiß nicht, wohin er schauen soll, und versteckt sich wie ein Schuljunge hinter dem Büffet. Ich werde hier auf Johns Fest schon kein Skandal machen – so gut müsste er mich jetzt eigentlich kennen!“ Sie sah auf ihren Solitär, den sie schon die ganze Zeit während ihres Gesprächs um ihren Finger gedreht hatte. Es war bestimmt nicht Bobby gewesen, der ihr diesen Ring geschenkt hatte.
„Er hat eben Ihre Worte am Donnerstagabend sehr ernst genommen …“
„Sie haben also mitgehört?“ Faith sah Rolf spöttisch an.
„Ich habe es nicht vermeiden können. Glauben Sie mir, es war unabsichtlich – die Geschichten der anderen interessieren mich keinen Penny.“
„Schön, dass es auch Menschen wie Sie gibt – manche machen aus den Geschichten der anderen ihren Hauptbroterwerb. Ich konnte Spanner nie leiden. Sie haben etwas Schmutziges …“
Er sah sie etwas erstaunt an. Ihr Vokabular passte so gar nicht zu ihrer eleganten Erscheinung.
„Kennen Sie die Rogers eigentlich gut?“ Faith zog ein goldenes Zigarettenetui aus ihrer Handtasche.
Rolf schüttelte den Kopf. „Meine Verlobte kennt sie besser als ich – sie ist mit Bobbys Frau auf die High-School gegangen. Aber seit ich mit ihr zusammen bin, waren wir öfters gemeinsam unterwegs.“
Faith sah ihn nachdenklich an. „Dann kennen Sie ihn also doch etwas besser. Vielleicht könnten Sie mir mal einen Gefallen tun?“
„Einen Gefallen? Gerne … Wie?“
Dann schüttelte sie ihren Kopf, als ob sie es sich anders überlegt hätte „Ein andermal – reden wir ein andermal darüber …“
Die beiden hatten sich während ihrer Unterhaltung von der kleinen Gruppe unter der Trauerweide entfernt. Es war Rolf jetzt unangenehm, dass er Kimberley und Nik Heath vernachlässigt hatte, aber seine Augen wurden immer wieder von Faith angezogen. Sie hatte etwas Hypnotisches. Als er an Bobby dachte, musste er lächeln. Ihm kam ein alter Spruch in den Sinn, den John immer zitierte, wenn er die Spielschulden seiner Frau begleichen musste. „Die Frauen kosten uns den Verstand. Deshalb wird es am Ende immer sehr teuer.“
„Lassen Sie es mich wissen, wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann.“ Rolf nickte ihr noch einmal zu und gesellte sich wieder zu Kimberley und Nick.
Faith schritt rauchend zum Grill, der am unteren Ende des Schwimmbades aufgestellt war, und einen angenehmen Duft verströmte. Die Abenddämmerung war jetzt hereingebrochen und John hatte die Gartenbeleuchtung einschalten lassen.
„Ich habe gehört, Sie sind professioneller Golfspieler, Herr Heath?“ Rolf war nie ein sonderlich guter Schauspieler gewesen und sein Interesse wirkte etwas künstlich.
„Ich spiele Golf, weil es mir Spaß macht. Gott sei Dank bin ich finanziell nicht darauf angewiesen.“ Der junge Mann sah Rolf überheblich an.
„Ich verstehe – und was machen Sie beruflich?“
„Ich bin Nik Heath – Heath, sagt Ihnen der Name nichts? Meinem Vater gehört die Heath Corporation Bank – man könnte sagen, ich bin mein eigener Chef!“ Er lachte laut auf.
Rolf erinnerte sich jetzt wieder daran, warum er Johns Partys und seine Gäste so mochte.
Er ließ nach einigen Minuten die kleine Gruppe stehen und wollte zu Monika gehen, als Liam ihn am Arm festhielt. „Hör mal Rolf – John hat mir gesagt, dass ihr im Büro die letzte Zeit viel zu tun hattet und du etwas mit den Nerven runter bist. Möchtest du mit mir darüber sprechen? Wenn ja, sollten wir es jetzt tun und nicht erst das Ende des Feuerwerks abwarten. Es ist doch jedes Jahr das gleiche ...“
Beide sahen zu Monika hinüber, die sich im Schein eines großen, blauen Lampions angeregt mit Vera und Molly unterhielt – dann nickte Rolf.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.