Kitabı oku: «Veland»

Yazı tipi:

Gerhart Hauptmann

Veland

Tragödie

Saga

Veland

Coverbild/Illustration: Shutterstock

Copyright © 1925, 2021 SAGA Egmont

Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 9788726956979

1. E-Book-Ausgabe

Format: EPUB 3.0

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Die Idee der Götter ist notwendig für die Kunst.

Jede Idee ist Universum in der Gestalt des Besonderen.

F. W. J. von Schelling, Philosophie der Kunst.

Dramatis personae

 König Harald Schönhaar

 Bödwild, seine Tochter

 Ai, Ingi, seine Söhne

 Jarl Gunnar

 Atli, Jäger

 Bui, Boddi, Strandwächter

 Veland

 Ketill, Schafhirt

 Mannen des Königs Harald

Erster Akt

Die Schafinsel. Eine flache Ödenei mit spärlichem Graswuchs. Zwischen Blöcken der Eingang in die Werkstatt Velands. Diese selbst ist unterirdisch. Erster und zweiter Strandwächter, Bui und Boddi, schwer bewaffnet, langsam den Strand abschreitend.

Bui

O widerwärtig schauderhafter Dienst, den uns

Harald, der König, aufhalst: immer nur den Strand

von dieser wüsten Insel abzuschreiten.

Boddi

Er

straft uns. Zwar weiß ich nicht, womit wir es versehn

und seine Gnade uns verscherzten; doch wir sind

verbannt, so viel ist sicher.

Bui

Heißt es auch, daß wir

bestellt sind, Veland zu bewachen, dieses Vieh,

das einem Menschen kaum von ferne ähnlich ist:

wir selbst sind die Gefangnen!

Boddi

Und bei alledem

erpreßt man noch von uns den Zoll der Dankbarkeit;

denn, sagt man, dieses Untier zu bewachen, ist

der Tüchtigste, der Tapferste kaum gut genug.

Und eine Last von Ehren sei auf uns gehäuft,

indem man uns zum Wächteramte auserwählt.

Wahrlich, ich wüßte keine Last, die ich so gern

ins Meer versenken würde.

Bui

Aus der Seele hast

du mir gesprochen, Bruder. Oder legte endlich doch

auf andre Harald unsre ehrenvolle Last!

Boddi

Als König würd' ich töten diese Nachtgeburt

Veland! Ich bin ein Krieger zwar, und, weiß es Gott,

Furcht hat sich mir im Schlachtgetümmel nie genaht;

allein, sooft ich diesen bleichen Unhold, dies

gelähmte Scheusal, diesen fürchterlichen Schmied

erblicke, läuft es eisig übern Rücken mir.

Ja schon, wenn seine Höhle in der Nähe ist.

Und dabei heißt es, daß er unsern König haßt

und nur das Leben deshalb trägt, um sich an dem

zu rächen, der so furchtbar ihn verstümmelt hat.

Wer aber tat das?

Bui

König Harald, niemand sonst.

Boddi

Und wo und wie geschah es? Weißt du's, sag es mir.

Bui

Im Wolfstal. König Harald hatte sich im Herbst

mit vielen seiner Mannen dorthin aufgemacht.

Sie ritten viele Tagereisen, ehe sie

am Fuße des Gebirges waren, drin es liegt.

Und manche Tagereise klommen sie hinan,

eh sie das Tal erreichten. Selten nur betritt

das abgelegne, felsumschloßne Menschenfuß,

und außer Atli, der des Königs Koppel führt,

kennt nur der Bär, der Adler nur den Weg dorthin.

Und, sagt man, böse Geister.

Mitteninne nun

im Tal liegt, ewig unbewegt, ein kleiner See.

Die Flut ist grundlos! Und am Ufer fanden wir

die Höhle Velands, aufgetürmt wie diese hier.

Rauch stieg aus ihrem Dache.

Boddi

Also warest du

auch damals von der Fahrt.

Bui

Und nie vergess' ich sie.

Boddi

Und merkte Veland euer Nahn? Des Luchses Ohr

hört nicht so fern Geräusche, als sie seines hört,

und keines Hundes Witterung war je so fein

als seine. Und sein Auge blicket adlerweit.

Bui

Es sollte wohl uns übel ausgeschlagen sein,

wenn er daheim war, der an Kraft ein Riese ist.

Allein, verlassen glimmte nur im leeren Haus

der Herd und sandte durch die Esse dünnen Rauch.

Wir traten unbehindert in das Innre ein. –

O Himmelsvater, welch ein Reichtum glänzte da

dem Jarl ins Auge! Aus geschwärzter Wölbung hing,

auf Lindenbast gereiht, der Ringe goldner Hort:

Armring und Fußring, Zauberring und Siegelring.

Die Last war groß und für zwölf Rosserücken wohl

zu schwer. Solch eine Goldlast sah ich nie seitdem.

Vergessen war da ganz im Augenblick die Jagd.

Was war uns jetzt der Höhlenbär und jedes Wild

außer das goldne: die bequeme Beute, die

uns ohne Hatz und ohne Kampf ins Eisen sprang

und jede Faust besinnungslos zum Raube trieb.

Allein, Jarl Harald hatte kaum die Wut erkannt,

als er mit harter Stimme jeden Griff verbot

ins fremde Gut des Schmiedes, und er sagte so:

»Der Schmied gilt mehr als hundertfach des Schatzes Wert,

ihn und nicht Gold, das doch von Hand zu Händen geht,

sollt ihr mir fangen und zu ew'ger Knechtschaft mir

heimschleppen. Dann erst nehmt, was er im Hause hat,

und teilt es nach gerechtem Spruche unter euch!« –

Und so geschah's. Wir hielten lange lauernd uns

versteckt im Hinterhalt, bis Veland endlich kam.

Da zagte mancher, der ihn sah und der das Wild,

den Bären, sah, der seine breite Schulter kaum

zu drücken schien, so ungebunden war sein Schritt.

Denn damals stand er ja noch aufrecht, war noch nicht

wie jetzt durch König Haralds List verstümmelt und verschrumpft.

Boddi

Geschah das gleich, durchschnitt man gleich die Sehnen ihm

an seiner linken Ferse und am rechten Knie?

Bui

Wir banden ihn, als er ermüdet von der Jagd

in unerwecklich tiefem Schlafe röchelnd lag.

Und erst hier auf dem Holm, als man die Fesseln ihm

abnahm, damit er durch die Werke seiner Kunst

sich nützlich mache, hat man ihm den Fuß gelähmt.

Boddi

Sein Los ist bitter. Und mich kommt es bitter an,

des vordem Freien schmähliche Gefangenschaft

bewachen, drin zum Tiere er entartet ist.

Doch sieh, dort kommt des Königs Jäger, Atli, her.

Wer hat sein Boot ihm durch des Sundes Eis gezwängt

Und wichtig muß die Botschaft sein, die er uns bringt.

Atli

ist eilenden Schrittes herangekommen

Ahoi, ihr Männer! Seid ihr's wirklich? Seid

ihr die Strandwächter, die ich suche, oder

nur wieder Schatten, die im Nebel schwinden?

Bui

Wir sind die Wächter, Bui und Boddi, fürchte nichts.

Boddi

Wer Bui und Boddi trifft, der ist in guter Hut.

Was aber, Atli, willst du auf dem Holme wohl

jagen? Denn weder Bär noch Eber gibt es hier.

Hier haust nur Seegevögel, und du wärest nie

ein Mann, der gerne Vögel oder Fische fing.

Atli

Wie gerne fing' ich Fisch und Vogel und

was für ein zahmes Wild ihr immer wollt,

müßt' ich nur nicht auf dieser Wildspur keuchen,

die nun der Drost samt allen seinen Dienern

seit Tagen schon in bittrer Not verfolgt.

Ihr Männer, Ai und Ingi sind verschwunden.

Bui

Die Königsknaben, Ai und Ingi, meinst du sie?

Boddi

Die Sprossen meinest du aus Harald Schönhaars Blut,

wovon des Königs ganzer Stamm ergrünet war,

die Augensterne Älruns, unsrer Königin?

Atli

Ja, sie! Sie eben mein' ich, niemand sonst.

Nach ihnen haben wir, der König selbst,

des Königs Mannen, haben Knecht und Magd

das Land auf allen Wegen abgesucht,

auf manchem tagereiseweiten Ritt

und Gang Gebirge, Wald und Feld durchforscht.

Das Schleppnetz suchte sie am Meeresgrund

und tief im Bett von Flüssen und von Seen.

Bui

Traf König Harald Schönhaar solch ein Schicksalsschlag,

so wird das höchste Glück von Göttern wohl gewährt,

damit, in trügerische Wonnen eingewiegt,

der Mensch nur um so sichrer ihrem Haß erliegt.

Boddi

Ist irgend etwas noch, das leise Hoffnung gibt,

sie doch noch, und noch lebend, aufzufinden? Sprich.

Atli

Ein andres Etwas jeden Augenblick.

Der Jarl fährt immer wieder jäh empor

vom Sitz und herrscht uns an: »Fahrt hier-, fahrt dorthin!«

Ai liebte den und Ingi jenen Ort.

Ein Fischer sah die Königskinder fischen,

ein Jäger Fallen stellen, und so fort.

Die Königin ist still, der Jarl bleibt ruhlos,

das Unabänderliche faßt sein Kopf nicht.

So hat er jetzt mich auf den Holm gesandt,

nach den Vermißten umzufragen. Und

ich frage, frage aber hoffnungslos.

Bui

Wie kämen Ai und Ingi auf den Velandsholm –

für Knabenhände eine allzu harte Fahrt!

Und dann ist hier der undurchdringlich strenge Wächterring,

dem nichts, was sich dem Ufer naht, entgehen kann.

Nie hat der Königskinder Fuß es je berührt.

Atli

Ich weiß es, weiß, daß du die Wahrheit sagst.

Fänd' ich die Knabenleichen angespült

im Sande hier und brächte sie dem König,

es überträfe schon mein Hoffen weit.

Denn mit den Toten brächt' ich ihm die Ruhe.

So aber: Ungewißheit zehrt ihn auf

und trinkt sein Blut gleich einer Otter, die

sich in die Brust ihm einbiß und nicht losläßt.

Wo kommt der Rauch her, der dort drüben aufsteigt?

Boddi

Aus Velands Schmiede. Hörst du denn sein Hämmern nicht?

Bui

Hör, Boddi, ein Gedanke schießt mir durch den Sinn.

Warum hat man bei Veland noch nicht Rats erholt?

Es geht die Rede, daß er manches andre noch

versteht als nur die Kunst, die Gold und Eisen schweißt,

und eine Greisin hört' ich von ihm sagen einst,

er wisse das Verborgne, was im Bauch der Erde, was

in Luft und Himmel waltet, in Vergangenheit

und Zukunft sich versteckt hält. Und so ist es auch:

mir hat er meines Weibes Tod vorausgesagt.

Boddi

Warum gedachte wohl der König Velands nicht,

der doch des Schmieds geheime Kräfte besser kennt

als irgendwer, und klagte ihm nicht seine Not?

Bui

Warum nicht? Du hast recht. Wär' ich in gleicher Not

als wie der Jarl, vor allem forscht' ich Veland aus.

Atli

Wenn sich's verhält, ihr Wächter, wie ihr sagt,

dann kam ich doch wohl nicht vergeblich her,

und ohne weiter einen Augenblick

durch Schwatzen zu vergeuden, laßt uns gleich

und unverzüglich zu dem Schmied hineingehn.

Bui

Man merkt, du kennst das Tier noch nicht, von dem du sprichst.

Viel eher pressest du den Bauern Hof und Feld

ab, eh du, gegen seinen Willen, diesem Wicht

ein Wort abzwingst. Nur List vermag das und Geduld.

Er haßt die Rede, wie uns immer wieder scheint:

die eigne Rede und die fremde Rede mehr.

Nicht anders als ein Stummer lebt er jahrelang,

und grimmig, zähnefletschend tritt er vor das Tor,

wenn Menschenrede Menschennähe ihm verrät.

Boddi

Und wenn sich endlich würgend Laute seiner Brust

entwinden und du aus des Höhlenbärs Gebrumm'

etwas zu hören glaubst, das einem Worte gleicht,

so schwitzt es, hinterhältig, Gift und Tücke aus

und hält den Sinn geheimnisvoller noch versteckt

als Schweigen.

Bui

Atli, er hat recht: so ist der Mann.

Noch immer muß man ihn belauern, will man ihm,

es sei nun, was es immer sei, abnötigen.

Und deshalb folgt mir, denn am längsten kenn' ich ihn,

ich kenne seine Schliche seit dem Wolfstal schon.

Wir liegen hier geduldig still im Hinterhalt.

Sie treten hinter Steinblöcke, von wo sie ungesehen den Eingang der Höhle überblicken können.

Aus der Schmiede tritt nun Veland der Schmied: ein mächtiges menschliches Urtier. Rostrote, langzottelige Behaarung bedeckt fast seinen ganzen Körper. Er schleppt einen Fuß nach. Er erklettert die Spitze eines Porphyrblockes und hockt dort nieder, in die trübe, zur Meereswoge sinkende Sonne starrend und von ihr blutig blaß beleuchtet.

Veland

Verdammte Schöpfung, bist du immer noch ringsum

bewegt von deines Erbfluchs ungebrochner Kraft?

Luft, die mein Fell zaust und die Brust mir nährend füllt!

Meer, frönend allen Stürmen, selber stürmend auch

und Blöcke gleichsam schleudernd flüssigen Gesteins

wider den fluch- und grambeladenen Velandsholm! –

Und du, du Erde, wüster Schauplatz einer Wut,

die sich in Zeugung spaltet und Vernichtung! Auf

was wartet ihr, das nicht schon längst vollendet ist?

Atli

Dies wäre Veland, der kunstreiche Schmied,

und nicht ein wildes Tier, das aus den Höhlen

der Felsenwüstenei im Hochgebirg'

furchtbar auf Beute ausgeht? Und ist dies

Sprache, an dem sein Schlund zu würgen scheint,

als wär's ein trockner Bissen in der Kehle?

Veland

Weh! Wehe! Wer nimmt auf sich meine blut'ge Tat?

Was fährst du boshaft rachezüngelnd auf mich ein,

Brandung, und schickst mir geiferndes Geschmeiß, gebierst

mir Schlangenbrut, mir tückisch zischendes Gewürm,

das hämisch, schadenfroh und widerlich mich höhnt?

Da! Meine Antwort!

Er hat einen schweren Stein erhoben und in die Brandung geschleudert.

Zur Belohnung nimm mein Brot.

Bui

An sonderbares Tun des Wichts sind wir gewohnt:

allein, wie er sich heut gehabt, befremdet mich.

Boddi

Versuchen wir doch, das Geknurr und das Geraunz

und das Gebell des lahmen Teufels zu verstehn.

Bui

Bei Gott, nun heult er auf: es geht durch Mark und Bein.

Atli

Ich bin ein Jäger, fürchte weder Bär noch Ur,

doch dieser Schrei raubt beinah die Besinnung mir.

Wo brach je so viel Qual und Wut aus einer Brust?

Boddi

Faßt eure Spieße fest, und haltet euch ganz still!

Entdeckt er uns, so schlägt's uns, fürcht' ich, übel aus.

Veland

Mord! Und warum nicht Mord? Was reißt aus mir Geheul

sich auf und sprengt die Luft mit wüstem Klageton?

Lache!

Er tut es laut und gräßlich.

Wer zwingt sich selbst zum Morde, außer dem,

der selbst der Schöpfer ist? Aus Mordgestöhn erblüht

die Welt! Und Blütenmord erschafft die reife Frucht.

Lache! Wer hört nicht überall das Mordgestöhn?

Was lebt, harrt seines Mörders! Ja, sogar der Stein,

auf dem ich hocke, wartet sein voll Ungeduld. –

Hinab jetzt, meine Mutter ist die Nacht, du Licht!

Mag nun die Mutter Haralds Söhne einmal noch

an ihrer Hand hinführen in des Vaters Traum.

Mich aber säuge sie zuvor mit schwarzer Milch

des gnadenlosen Grimmes und bedecke mich

mit undurchdringlichem Gewand, mich und mein Werk:

das meiner Rache Heiligtum im Schoße birgt.

Er hinkt zurück in die Höhle.

Bui

Er sprach von Haralds Söhnen. Habt ihr's auch gehört?

Boddi

Von Ai und Ingi?

Bui

Nein, die Namen nannt' er nicht.

Des Königs Namen stieß er laut und deutlich aus,

und auch der Söhne hat er irgendwie gedacht.

Atli

Auch ich vernahm von Söhnen etwas, sicherlich.

Gedenkt ihr nun noch nicht zu ihm hineinzugehen?

Bui

Ich wag' es nicht. Er hat heut seinen grimmen Tag,

da kennt er niemand, weiß von sich und andren nichts

und schlägt, gereizt, in sturem Wahnsinn um sich her.

Atli

Der Jarl hat wahrlich keinen beßren Knecht als ihn:

schon wieder reiht sich Hammerschlag an Hammerschlag.

Bui

Niemals ermüdet dieser fürchterliche Schmied.

Doch was ist das? Sag, tönt auch dir vor deinem Ohr

ein Schwall von ungewohnten Klängen rauschend auf?

Boddi

Ich höre nur die Brandung, die ans Ufer tost.

Bui

Und aus dem Meeresbrausen hörst du nichts heraus?

Boddi

Jetzt! Ja! Als rollte klingend Erz die Flut heran.

Bui

Das ist vorbei: es war wie Frühlingsdonner, der

fruchtbar und gnädig übers Inselmeer sich wälzt.

Nun aber fällt es aus der Luft wie Saitenklang

von goldnen Harfen, wie die Barden sie im Saal

Jarl Harald Schönhaars schlagen.

Boddi

Es ist wahr, bei Gott.

Atli

Von solchen Klängen haben Männer mir

erzählt. Unglaublich war die Nachricht mir.

Wer einmal sie gehört, so geht die Sage,

und hört sie nicht mehr, der verzehre sich

fortan in Sehnsucht, gleich als hätte er

am Tisch der Götter einmal nur gesessen

und wäre nun gestürzt in Finsternis.

Bui

Atli, auch du hörst diese himmlische Musik.

Boddi

Sie quillt aus Velands Schmiede, ich erkenn' es nun,

und füllt die Luft mit Sonne an und Vogelsang,

mit Grüne, Waldeslust und buntem Blütenhauch.

Bui

Laut schmettern erzne Becken aufeinander jetzt.

Boddi

Was strahlt dort?

Bui

An den Strand gestiegen ist ein Weib.

Boddi

Kein irdisches: vom Himmel ist sie ausgesandt.

Bui

In Gold gehüllt vom Scheitel nieder bis zum Fuß.

Boddi

's ist eine Göttin, die von Himmelsanmut strahlt.

Bui

Goldringe klirren an den zarten Fesseln ihr.

Boddi

Bei Gott, ihr Männer, eine nur ist dieser gleich

an Götterschönheit in Jarl Haralds ganzem Reich,

und das ist Bödwild, König Haralds Tochter selbst.

Doch wie kommt Bödwild auf die Insel? Still, nur still,

ihr Männer, ein Geheimnis, scheint's, enthüllt sich uns.

Bui

Sie kommt, sie schreitet vorwärts. Wohin geht ihr Weg?

Boddi

Sind nicht die schleppenden Gewölke über ihr

durchhellt von ihrer Schönheit Glanz, der aufwärtsbricht?

Bui

Ihr Männer, wohin geht ihr Weg? 's ist unerhört.

Sie schreitet auf die Schmiede zu, sie tritt hinein.

Verschwunden ist der Glanz mit ihr im Teufelsnest.

Atli

Gebt Worte mir, ein Stein drückt meine Brust.

Atem! Das packt mich! Atem! Ich ersticke!

Bui

Die Augen reib' ich mir, als wär' ich eben jetzt

aus jahrelangem tiefem Schlummer aufgestört.

Daß je die Königstochter Velandsholm betrat,

mit Eiden hätt' ich's abgeleugnet vor dem Jarl.

Nun steigt sie so, als wär's ihr ein gewohnter Gang,

sogar in den verrufenen Bau des Knechts hinab.

Wenn dies nicht etwa boshaft ränkevoller Trug,

Blendwerk und Zauber dieses zott'gen Teufels war,

der freilich aller bösen Täuschung Meister ist.

Boddi

Dies kann den Kopf uns kosten, Bui, hast du's bedacht?

Schon schneidet Schwertes Schärfe in den Nacken mir,

denn dies war Bödwild wirklich, sieht man doch im Sand

noch klare Spuren, die ihr Fuß hineingedrückt.

Atli

Ins Boot, ihr Männer, und zum Jarl sofort,

denn offenkundig ist's, daß dieser Schmied

mit Höllenkünsten Bödwild an sich lockt.

Und was der Vater alles Bösen tut,

das wahrlich tut er nicht in guter Absicht.

Bui

Wohl, Atli, doch verzieht noch einen Augenblick:

erstlich, weil wir ein beßrer Schutz zu dreien sind

für dieses höchste Gut aus König Haralds Schatz –

wer weiß, ob es des Schutzes nicht sofort bedarf –,

und dann, weil ihr geduldig auf der Lauer hier

noch mehr etwa und Wichtigeres wohl erfahrt.

Schon tritt sie aus der Schmiede wiederum hervor.

Still! Laßt uns keinen Laut verlieren, wenn sie spricht!

Bödwild tritt wieder aus der Schmiede hervor. Sie spricht rückwärts in die Schmiede hinein.

Bödwild

Knecht, Knuten gibt es, deinen ekelhaften Leib

mit Schwielen zu bedecken. Hüte deinen Blick!

Und eh mich jemals deine plumpe Arbeitsfaust

streife: viel lieber nehm' ich einen Tausendfuß,

als das zu dulden, ruß'ges Scheusal, in mein Bett.

Veland tritt ebenfalls, hinkend, aus der Schmiede.

Veland

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