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Kitabı oku: «Die Regulatoren in Arkansas», sayfa 11

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Er hielt die Finger an den Mund und ahmte ebenso täuschend den scharftönenden Laut des kleinen Vogels nach.

»Huhpih!« schrie Cotton, als jetzt auf einmal rasches Pferdegetrappel hörbar wurde; gleich darauf hielten die sehnlich Erwarteten am Ufer und schwenkten die Hüte zum Zeichen des glücklichen Gelingens.

12. List der Pferdediebe – Die Überraschung – Alapaha und Rowson

»Hurra!« rief Weston , alle frühere Vorsicht vergessend, beim Anblick der herrlichen Pferde, die in diesem Augenblick das jenseitige Ufer herunterkamen und am Wasserrand hielten. »Hurra – das nenn’ ich Pferde!«

»Seid ihr beide wahnsinnig?« rief Rowson ärgerlich hinüber, »wollt ihr mit Gewalt irgendeinen hier zufällig Umherstreifenden herbeilocken? Haltet die Mäuler und spart eure Ausbrüche der Freude auf, bis ihr selbst das, was euch obliegt, gut und glücklich ausgeführt habt. Wo sind eure Pferde?«

»An dem bestimmten Platz hier unten«, antwortete Weston.

»Gut! Holt sie schnell – seht euch aber vor und hinterlaßt keine Spuren am Ufer; bleibt im tiefen Wasser.«

»Ay, ay – weiß schon – Weston ist auch nicht auf den Kopf gefallen.«

Der junge Bursche sprang schnell zu der Stelle hinunter, wo er seine Pferde gelassen hatte, und kehrte auch in sehr kurzer Zeit wieder zurück, vorsichtig dabei die Tiere mitten in der Strömung haltend, die hier kaum drei Fuß tief sein konnte.

»Wo sind die Boote jetzt?« fragte Rowson, »es kommt nicht darauf an, ob diese Pferde hier den Grund eine Weile zerstampfen, denn wenn sie uns wirklich verfolgen, werden sie denken, wir wären unschlüssig gewesen, ob wir den Durchgang versuchen sollten. Lassen wir aber die anderen Tiere am jenseitigen Ufer stehen und viele Fährten machen, so zwingt sie das, die Spuren näher zu untersuchen, und dann möchten sie herausfinden, daß es andere Hufspuren sind. Cottons Pferd hat außerdem so auffallend große Hufe:«

Weston verschwand mit Cotton gleich darauf im Schilfbruch, und nach wenigen Minuten glitten sie in ihren Kanus herbei.

»Halt!« rief Johnson, »nicht weiter, sie dürfen die Eindrücke der Boote nicht am Ufer sehen, so – kommt in die Mitte her – jetzt nehmt die Pferde hier in Empfang – steigt lieber ein, Rowson. Also zwei in das große und einer in das kleine Kanu. – Halt da, laßt mich erst die Pferde wechseln; ah – nun ist mir ordentlich ein Stein vom Herzen, daß ich wieder auf dem Rücken meines eigenen Tieres sitze.«

»Jetzt zeigt aber, daß Ihr reiten könnt, Johnson«, sagte Rowson, während sich jener fertig machte, die Bank hinaufzuklimmen »laßt die Pferde laufen, was sie können, sie haben sich ausgeruht. Gebt ihnen Sporen und Peitsche und bedenkt, daß jede Viertelstunde, die wir die Verfolger von der rechten Spur abbringen, Gold wert ist.«

»Nur keine Angst!« beruhigte ihn Johnson, »die mich einholen wollen, müssen schnell reiten, und wenn sie mich einholen, lach’ ich sie aus. Ich habe schon vorgearbeitet und mehreren von meinen Bekannten erzählt, daß ich meine und noch einige andere Pferde in den südlichen Teil des Staates schaffen will, da ich dort einen gewaltigen Preis für sie zu erhalten hoffe.«

»Also fort«, drängte Rowson, »der Teufel traue. Wer weiß, wie bald sie hinterhergekleppert kommen, und wir befinden uns gerade jetzt hier in einer höchst interessanten Stellung. Gott segne mich, wir würden schön ankommen, alle miteinander.«

»Wie wird’s denn mit dem Proviant?« fragte Cotton.

»Den brauch’ ich nicht!« rief Johnson zurück, als er eben den obersten Kamm der Uferbank erreichte. »Ausruhen müssen die Pferde doch einmal dann und wann, und das kann ebensogut bei einem Hause geschehen.«

»Nur nicht noch in dieser Nacht, daß die Verfolger nicht zu früh die Farbe der Pferde erkennen. Die beiden Schimmel möchten sie stutzig machen.«

»Habt keine Angst, bis morgen mittag müssen sie aushalten. Auf ein frohes Wiedersehen!« Damit stieß er seinen Jagdruf aus, setzte dem Tier, das er ritt, die Hacken in die Seiten und verschwand im nächsten Augenblick im Wald.

»Das wäre also besorgt«, sagte Rowson, »nun, Cotton, müssen wir sehen, wie wir mit diesen Tieren zu Rande kommen. Vor allen Dingen werden wir uns am besten von hier entfernen und etwa eine halbe Meile den Fluß hinuntergehen. An der Straße hier sind wir nicht allein dem ausgesetzt, von jedem Reisenden gesehen zu werden, sondern müssen auch damit rechnen, daß uns die verdammten Regulatoren unversehens über den Hals kommen. Laßt also die Binderei jetzt, den kurzen Weg bringen wir die Pferde schon so hinunter, sie haben überdies wahrscheinlich die ganze Strecke Grund. An der ersten Kiesbank setzen wir alles instand und können vor Dunkelwerden noch mit der ganzen Arbeit fix und fertig sein.«

Es lag zuviel Wahres in diesen Worten, als daß sie einer weiteren Erwiderung bedurft hätten. Schnell waren daher auch alle nötigen Vorkehrungen getroffen, und wenige Minuten darauf glitten die Boote, jedes mit drei Pferden daran befestigt, um die Biegung des Flusses, die es unmöglich machte, daß sie von der Straße aus gesehen werden konnten.

»So – jetzt fängt mir’s erst an ein wenig behaglicher zu werden«, flüsterte Rowson. »Es dunkelt immer mehr und mehr, und sollten uns unsere Verfolger wirklich noch in dieser Nacht nachkommen, so gehen sie ohne Zweifel in die Falle, die wir ihnen gestellt haben. Hurra! Wenn ich mir die Kerle denke, wie sie mit mordlustigen Blicken auf den Fährten dahingaloppieren, mit jeder Minute eifriger den mutmaßlichen Dieb verfolgen – endlich ihn sehen, noch zur letzten Anstrengung den eigenen Tieren die Hacken in die Seite setzen, und dann – die verblüfften Gesichter – das Fluchen und Schimpfen, und Johnsons unschuldige Schafsmiene, wie er bedauern wird, die unbewußte Ursache gewesen zu sein, die vielleicht die Verbrecher der so gerechten Strafe entzogen hat – hahaha – schon der Gedanke ist köstlich!«

»Hier ist die Kiesbank«, sagte Weston und deutete mit der Hand nach dem linken Ufer hinüber; »die Tiere haben Grund, und es wäre besser, die Zäume und Halfter jetzt ein wenig in Ordnung zu bringen. Auch müssen wir die Pferde besser an den Booten verteilen, denn gleich hier unten, sobald wir diese Biegung des Flusses umgangen haben, wird die Strömung tief, und die Pferde müssen jene ganze Strecke schwimmen. Ich habe es heute morgen, als ich hier heraufkam, genau untersucht.«

»Wenn ich nicht irre«, meinte Cotton, zum Ufer hinaufsehend, »muß hier irgendwo an dieser Kiesbank eine kleine verödete Hütte stehen. Vor etwa drei Jahren lagerten wir darin, als ich damals mit Johnson zu den Cherokesen ging. Die Büsche sind aber jetzt so drum herum hochgewachsen, daß man gar nichts mehr von ihr sehen kann. Ja, dies ist die Stelle«, fuhr er fort, als sie mit den Kähnen landeten, »ich erkenne sie an der niedergestürzten Platane; die fiel in derselben Nacht, in der wir hier lagerten, und hätte sie eine andere Richtung genommen, so wär’s um uns geschehen gewesen.«

»Arkansas würde nicht getrauert haben«, spottete Rowson.

»Nein, wohl schwerlich – doch davon schweigen wir lieber. Was wollt ihr denn da machen?«

»Wir müssen das kleine Boot an das größere anhängen«, sagte Rowson, »nachher können wir zwei Pferde an jede Seite nehmen und zwei hinten; zu rudern haben wir auch nicht viel, denn die Strömung ist ziemlich stark. Allenfalls kann einer von uns ein wenig nachhelfen, besonders steuern, die anderen beiden geben dann auf die Pferde acht, daß sich diese nicht in den Halftern verwickeln. Bis um zwölf müssen wir am Devils Crook sein, dort steige ich aus und überlasse euch zwei eurem Schicksal. Schont die Pferde nicht und vermeidet nur da die breite, offene Straße, wo der Wald licht genug ist, ebenso schnell hindurchkommen zu können. Sollten unsere Verfolger wirklich schon morgen, was aber nicht zu erwarten ist, ja was fast nur durch einen Zufall möglich wäre, die richtigen Fährten finden, nun, so habt ihr etwa zwölf Stunden Vorsprung und tüchtige Pferde. Cotton, Ihr kennt den Weg?«

»Na, ich sollte denken«, brummte dieser, »bin ihn oft genug gehetzt – einmal mit fünf Kerlen auf den Hacken. Haben wir nur erst den Mississippisumpf erreicht, wo ich die Fährten durch alle die Bayous und Lagunen weiß, dann sind wir sicher. Dort gibt es einen Platz – wenn ich da hindurch bin und haue von der andern Seite einen Baum über die Stelle, so nimmt’s den Verfolgern einen ganzen Tag, um zu Pferde nachzukommen. Diesen Platz habe ich mir bis jetzt immer für einen Notfall aufgehoben.«

»Wo bekommt Ihr aber eine Axt her?«

»Erst im vorigen Monat versteckte ich dort meine Axt in einen hohlen Baum; drängt die Not, so soll’s an Handwerkszeug nicht fehlen.«

»So – jetzt wird wohl alles in Ordnung sein«, sagte Rowson, der eben seine Vorbereitungen an den Kähnen beendet hatte. »Nun, Cotton, noch ein Wort über Euer Verhalten, und dann fort an die Arbeit: Die Stelle kennt Weston, wo Ihr zuerst das Land berühren dürft; es ist dort, wo die breiten Steinplatten bis hoch hinauf zwischen die Bäume laufen. Wir haben dadurch den Vorteil, daß unsere Spuren vom Wasser aus gar nicht bemerkt werden können. Etwa hundert Schritt den Fluß hinunter, wo zwei Fichten kreuzweise übereinandergestürzt sind, hat Atkins einen Sack mit Mais und noch andere Lebensmittel verborgen.«

»Warum geht Ihr denn nicht mit bis an jene Stelle?« fragte Weston.

»Dort könnten meine Spuren gefunden werden«, erwiderte Rowson, »was am Devils Crook nicht möglich ist; mache ich dann von da aus einen kleinen Umweg über die Berge, so komme ich nachher wieder von einer ganz andern Richtung in die Ansiedlung zurück. Ich traue dem verdammten Indianer nicht, besonders wenn sie ihn einmal auf unsere Fährten hetzen sollten, bin deshalb auch so vorsichtig wie nur irgend möglich. Aber, Cotton – habt Ihr nicht irgendwas zu essen mit? Mich hungert fürchterlich. Wie wir herkamen, war’s mir beinahe, als ob ich gebratenes Hirschfleisch röche – ich wollte, ich hätt’ jetzt ein Stück. Daß Ihr auch gar keinen Proviant mitgebracht habt – man kann doch nicht an alles denken.«

»Oben im Schilfbruch, wo die Pferde standen, liegt mein Halstuch mit Maisbrot und Hirschfleisch«, sagte Weston, »ich habe es aber leider vergessen – jetzt ist’s wohl zu spät, es zu holen.«

»Den Teufel auch – an das hättet Ihr früher denken sollen; es wird’s doch niemand finden können?«

»Nein, es hängt versteckt – aber wollen wir nicht fort?«

»Wartet nur noch, bis Cotton den Zaum ausgebessert hat«, sagte Rowson, »wenn er unterwegs reißen sollte, hätten wir mehr Aufenthalt und könnten ihn am Ende im Dunkeln nicht einmal instand setzen.«

»Wie erwischtet Ihr denn eigentlich die Pferde, Rowson?« fragte Cotton, der emsig beschäftigt war, den einen zerrissenen Halfter wiederherzustellen, »erzählt’s uns jetzt, denn unterwegs werden wir nicht viel Zeit zum Schwatzen haben und erfahren es nachher gar nicht.«

»Mit wenigen Worten kann das geschehen«, erwiderte Rowson schmunzelnd, indem er sich in aller Ruhe ein großes Stück Kautabak abschnitt und in den Mund schob. »Glücklicherweise begegneten wir unterwegs keinem Bekannten und erreichten die Stelle an der Fenzecke, wo der Springcreek dicht vorbeifließt, gerade mit Dunkelwerden – so etwa um diese Zeit. Die Mühle hatten wir geschickt umgangen, und als die erste Eule laut wurde, standen wir an der Umzäunung, in der sich die Stuten befanden. Mir war nicht wohl bei der Sache, denn meiner Berechnung nach hätten die wild umherlaufenden Pferde schon dasein müssen; das ließ sich aber nicht ändern, und Johnson und ich kletterten auf Bäume, um vor Überraschung sicher zu sein und alles Herankommende rechtzeitig bemerken zu können. Ein Glück war’s, daß wir es taten, denn kaum saßen wir oben, als, straf’ mich Gott, Husfield selber… sagtet Ihr etwas, Cotton?«

»Nein – warum?«

»Mir war’s, als hörte ich einen Laut… Husfield selber mit einer ganzen Koppel Hunde von der Jagd heimkehrte und dort vorüberkam. Wären wir unten auf der Erde gewesen, so hätten uns die Bestien gewiß aufgestöbert, und dann gute Nacht, Johnson, denn auf den hat es Husfield besonders abgesehen; die Zügel, die wir bei uns trugen, würden uns auch auf jeden Fall verraten haben. So schnüffelten die verdammten Hunde nur unter den Bäumen herum, hoben die Nasen in die Höhe und windeten eine Weile, daß uns angst und bange wurde, folgten dann aber kläffend ihrem Herrn, der indessen schon eine Strecke Weges vorausgeritten war.

Wir beide hatten Todesschweiß geschwitzt. Unsere Not endete übrigens dann, denn gleich darauf kamen die Pferde. Wir suchten uns, solange es noch nicht ganz dunkel war, die aus, die uns am besten gefielen, zäumten sie auf, schwangen uns drauf, und fort ging’s wie ein Sturmwind durch den Wald, daß ich ein paarmal glaubte, wir müßten Hals und Beine brechen. Um Husfield irrezuführen, ritten wir noch eine Weile im Zickzack auf steinigem Boden umher, schlugen verschiedene Richtungen ein und setzten erst dann, als wir uns sicher glaubten, unsern Ritt mit weniger Vorsicht, aber dafür auch um so rascher fort.«

»Wurden denn die anderen Pferde nicht scheu, als Ihr Euch einen Teil von ihnen herausfischtet?«

»Ja – sie schnoben gewaltig, und gerade wie wir die letzten bei der Mähne erwischt hatten, brachen die übrigen schnaubend und wiehernd davon und galoppierten um die Fenz, wahrscheinlich wieder in den Wald hinein. Der Fuchs hier hat mich wohl sechsmal im Kreise herumgerissen, ehe ich ihn zum Stehen bringen konnte.«

»Na, Husfield wird schön wüten«, sagte Cotton lachend, »sechs Pferde auf einmal sind seit Menschengedenken keinem Farmer gestohlen worden.«

»Und der fromme Rowson an der Spitze!« jubelte Weston.

»Hört einmal, Rowson«, sagte Cotton jetzt, indem er über den Zügel zu dem schmunzelnd Dastehenden hinüberblinzelte, »über welches Thema werdet Ihr denn morgen predigen? Jammerschade ist’s, daß ich das nicht mit anhören kann; so etwas müßte der Mühe wert sein.«

»Verdammt!« rief Rowson ärgerlich, »morgen schenkte ich ihnen den Unsinn gern, ich werde zu unaufmerksam sein, zuviel Angst haben, was aus Euch geworden ist.«

»Aus den Pferden, meint Ihr?«

»Nun ja, auch aus den Pferden, und da muß ich denn stehen und Gebete plappern und langweilige, alberne Lieder herplärren.«

»Und das ’Glory‹ rufen nachher und das Ohnmächtigwerden von der dicken Witwe!« lachte Weston.

»Und die frommen Gespräche mit der schönen Indianerin«, fiel Cotton ein. »Hört, Rowson, Ihr habt gar keinen so schlechten Geschmack!«

»Verdammt!« rief Rowson, »macht, daß wir fortkommen, mir wird nachgerade kalt, und die Pferde frieren ebenfalls. Hat niemand einen Tropfen Whisky? Johnson, der Halunke, hat meine Flasche in der Tasche und sagt kein Wort – O zum Teufel, laßt noch einen Tropfen drin, Ihr saugt ja, als ob Ihr sie luftleer pumpen wolltet!«

Cotton reichte ihm die Flasche hinüber, und Rowson tat einen langen Zug; dann korkte er sie wieder zu und gab sie zurück.

»Nicht wahr, der labt?« fragte Cotton schmunzelnd, »ja, und wärmt dazu; ich habe eine ganze Handvoll spanischen Pfeffer hineingetan.«

»Es tut einem gut heut abend«, sagte Rowson, sich schüttelnd, »der feine Regen kühlt merkwürdig.«

»So, jetzt kann’s weitergehen!« rief Cotton, »nun schnell, daß wir von hier fortkommen; es wird immer dunkler, und dort dro – dro—ben – Pest und Gift!« fuhr er schnell flüsternd fort, »was ist das? Da schimmert ein Licht durch die Büsche!«

»Wo?« fuhr Rowson auf.

»Da oben – das muß in dar Hütte sein.«

»Dort in dem Busch kauert etwas Helles!« rief Weston jetzt, dessen scharfes Auge die Umrisse einer Gestalt bemerkte, die in die dunklen Sträucher, welche das Flußufer begrenzten, hineingeschmiegt stand.

»Tod und Teufel«, schrie Cotton, »das ist Verrat!« und wie ein Pfeil flog er, von Rowson gefolgt, mit wenigen Sätzen die Uferbank hinauf und stand im nächsten Augenblick dem einsamen Wesen, das von dort oben aus das ganze Treiben der Männer beobachtet und jedes Wort gehört hatte, gegenüber.

»Alapaha!« rief Rowson entsetzt.

»Das rothäutige Weib!« knirschte Cotton, ebenso erstaunt wie erschreckt.

»Du bist allein?« fragte Rowson die Indianerin. »Du bist allein? Wo ist Assowaum?«

Alapaha vermochte aber nicht zu antworten, eine Weile stand sie starr und aufrecht und blickte mit einem ernsten, ja fürchterlichen Ausdruck den Mann an, der ihr den Glauben an ihren Gott, die Liebe für ihren Gatten genommen hatte. Dann kam der Gedanke an ihr grenzenloses, entsetzliches Elend über sie. Alapaha barg ihr Gesicht in den Händen, und große helle Tränen rieselten zwischen den zusammengepreßten Fingern hindurch.

»Die Pferde werden unruhig!« rief Cotton ärgerlich, »was fangen wir mit der hier an?«

»Geht – überlaßt sie mir«, flüsterte ihm Rowson zu.

»Sie Euch überlassen? Das glaub’ ich!« erwiderte der Jäger höhnisch. »Ihr seid nicht so dumm – ist’s jetzt Zeit zu solchen Possen?«

»Fort mit den Pferden«, rief Rowson mit unterdrückter Stimme, »der Fluß macht hier den Bogen, wohl drei Meilen in der Länge, es sind aber keine hundert Schritt gerade hinüber zu Land, man kann auf die Art die ganze Biegung abschneiden. – Fort also, Weston vermag nicht die Tiere allein zu halten.«

»Und was soll mit dem Weib geschehen?«

»Habt keine Angst«, flüsterte ihm Rowson zu, »ist einer durch ihre Aussagen gefährdet, dann bin ich es.«

»So geht denn zum Teufel und – kommt bald nach«, fluchte Cotton, »die Folgen über Euch, wenn Ihr uns warten laßt.« Er sprang die Uferbank wieder hinunter, über die lockeren Kiesel hinweg, und wenige Sekunden darauf glitten die Boote mit den schnaubenden und keuchenden Pferden hinein in die Dunkelheit.

13. Der Prediger wird von der Indianerin entlarvt – Die gelungene Flucht

»Wo ist Assowaum?« fragte mit leiser, aber fester Stimme Rowson, als er sich mit der jungen Indianerin allein sah. Diese jedoch schien seine Frage nicht zu hören. Nichts unterbrach die stille Nacht als das Schluchzen des armen Weibes und das schwere Atmen des Predigers.

»Wo ist Assowaum?« wiederholte dieser endlich nach einer Pause und erfaßte den Arm der Weinenden. Wie von einer Schlange berührt, fuhr aber Alapaha empor, machte sich los von dem Griff des finsteren Mannes und rief, vor ihm zurückschaudernd:

»Fort – fort – dein Atem ist Gift – deine Berührung Tod – deine Zunge ist doppelt, und deine Augen lügen Gott, während deine Brust den Teufel birgt. Fort – Gras und Blume müssen welken, wohin du deinen Fuß setzest; die Vögel müssen schweigen, wenn du in ihre Nähe trittst. Der Rauch der heiligen Pfeife muß vor dir zurückfliehen und darf dich nicht umgeben. Dein Gott ist ein Lügengott, denn sonst hätte er lange seinen Blitz gesandt, dich Verfluchten zu zerschmettern – fort!«

»Wo ist Assowaum?« drängte der Prediger mit heiserer Stimme, ohne die Bannworte der Indianerin zu beachten.

»O daß er hier wäre, dich zu züchtigen!« entgegnete diese leidenschaftlich, sich hoch aufrichtend, »daß er hier wäre, die Schmach zu tilgen, die du auf den Scheitel seines armen Weibes gehäuft. Aber wehe dir! Er soll dich finden – er soll dich treffen; sein Kriegsruf soll in deine Ohren tönen! Oh, du hast ihn noch nicht gesehen in seiner kriegerischen Herrlichkeit«, fuhr sie stolz fort, als sie das höhnische Lächeln Rowsons bemerkte, »du hast ihn noch nicht gesehen mit geschwungenem blitzendem Tomahawk, mit dem Schlachtschrei auf den Lippen und dem Tod der Feinde im Auge, mit wehender Skalplocke und blitzender Speerspitze. Du hast ihn noch nicht gesehen beim Kriegstanze mit den Tod kündenden Streifen im Antlitz; hast ihn noch nicht gesehen, rot vom Blut der Erschlagenen und mit den Skalpen der Besiegten am Gürtel. – Aber er wird kommen, er wird zurückkehren!«

»Wann – Weib, wann?« fragte der Prediger schnell.

»Wann?« Die Indianerin lachte triumphierend. »Zu schnell noch für dich. Ehe die Sonne zweimal im Osten wieder emporsteigt, ist er da, und wehe dir, wenn sein Pfad den deinen kreuzt!«

»Aber wo ist er jetzt?«

»Oh, wie du zitterst, elender Feigling, schon bei dem Gedanken an seinen Arm, an die Schärfe seiner Waffe, wie du bebst und ängstlich umherblickst, aus Furcht, er könnte jetzt aus den Büschen treten. – Ich bin nur ein Weib, aber ich werde stolz, wenn ich auf dich herniedersehe.«

»Wo ist er jetzt?« fragte zähneknirschend, aber immer noch nicht frei von Furcht der Weiße, denn er konnte sich nicht denken, daß die Indianerin ihren Wigwam allein verlassen habe und sich hier im Wald ohne den Schutz ihres Mannes aufhalte.

»Wo er jetzt ist?« fuhr Alapaha höhnisch lächelnd fort. »Nicht allein wird er zurückkehren, die starke Hand ist bei ihm, die den erschlug, der sie beleidigte – zittre, denn dein Gott wird dich nicht schützen!«

»Ha!« fuhr Rowson auf, »so ist er hinüber, Brown zu holen; dacht ich’s doch. – Gut! Dann bist du mein, und weder Gott noch Teufel soll dich mir entreißen.«

»Zurück!« schrie die Indianerin, erschrocken auffahrend, als Rowson sie umschlingen wollte, und flüchtete nach der Hütte. »Zurück, Teufel! Deine Augen glühen – zurück!«

»Du entgehst mir nicht!« Rowson lachte wild auf. »Ich trotze dem rothäutigen Schuft, er mag kommen – aber dich soll er mir nicht entreißen – und daß du uns nicht verrätst, dafür werde ich sorgen.«

»So möge denn der Manitu unseres Volkes, dem ich von diesem Augenblick an wieder gehöre, mir Kraft geben!« rief Alapaha, sich noch einmal dem Arme des Wütenden entreißend und ihren Tomahawk, den sie an der Seite trug, ergreifend. »Stirb, Verruchter, von der Hand eines Weibes, und mögen Aasgeier und Wolf deine Gebeine umherzerren – stirb!«

Bei den letzten Worten sprang sie auf den erschrocken Zurücktaumelnden zu, und der nächste Augenblick hätte sein Schicksal besiegelt, wäre die Indianerin nicht über eine Wurzel gestürzt. Im nächsten Augenblick war sie in der Gewalt ihres Feindes.

»Wenn Rowson dem Geschrei nicht bald ein Ende macht«, brummte Cotton unwillig vor sich hin, »so wird er uns noch jemanden auf den Hals locken. Ich habe sicher am Nachmittag hier irgendwo schießen hören, und es wäre gar nicht so unmöglich, daß die Rothaut noch irgendwo im Walde läge.«

»Ich wollte, Rowson käme endlich«, sagte Weston, ebenfalls ärgerlich, »das bloße Treiben mit dem Strom geht zu langsam, und man kann doch wahrhaftig nicht drei Pferde halten und auch noch rudern. Die Tiere werden überdies unruhig; das Wasser ist kalt, und das Ganze mag ihnen wohl ungewohnt und sonderbar genug vorkommen.«

Die Männer lauschten einen Augenblick, und wieder drang der schrille Hilferuf der Indianerin durch die stille Nacht herüber, daß die Eule in den dunklen Fichten am Flußufer höhnend darauf antwortete und neugierig dem Orte zuflog, von dem solch unheimliche Laute herübertönten.

»Die Pest über den Narren!« rief Cotton erbost, »ich wollte bei Gott, sie entwischte ihm – wenn wir nur selbst erst einige fünfzig Meilen weiter fort wären. Entkäme die Rothaut aber jetzt und gäbe Alarm, Höll’ und Teufel! Ich glaube, wir hätten morgen eine Armee hinter uns her.«

»Er wird sie doch nicht umbringen?« fragte Weston schaudernd. »Es ist jetzt auf einmal so totenstill – mir graust’s, Cotton, er wird doch kein Blut vergießen?«

»Narr!« brummte Cotton, »wollt Ihr Euren eigenen Hals in die Schlinge legen, he? Gelüstet’s Euch, von den Regulatoren an irgendeinem bequem gewachsenen Eichenast in die Höhe gezogen zu werden? Rowson wird tun, was nötig ist. Kann’s ohne Blutvergießen abgemacht werden, desto besser, ich bin selbst kein Freund davon. Geht das aber nicht…«

»O kein Blut – kein Blut —« rief Weston ängstlich. »Ich habe mich mit euch verbunden, die Pferde zu stehlen – das ist kein Verbrechen – aber Blut – mich überläuft’s, wenn ich daran denke. Blut mag ich nicht auf dem Gewissen haben; und das war ja auch nur ein Weib.«

»Desto gefährlicher«, entgegnete Cotton, »wenigstens da, wo es gilt, etwas zu verschweigen. Doch seid kein Narr, Rowson wird’s schon machen, er tut gewiß nichts, als was er – habt auf das Pferd da acht, es fühlt Grund und will ans Ufer – Pest, da drüben hat’s schon den Huf in den Schlamm gedrückt. Seht Euch vor, Weston, wir wissen nicht, wer uns auf den Fährten sitzen wird.«

»Der Teufel mag sie alle in Ordnung halten«, rief Weston ärgerlich, »warum bleibt Rowson so lange? Die Tiere werden ungeduldig, und mir sterben die Hände schon ab vom langen Halten.«

»Dort ist die Stelle, wo er zu uns stoßen wollte«, sagte Cotton, »seht Ihr dort, wo die Wurzel im Wasser liegt – gerade vor Euch. Ich habe hier oft in der Gegend gejagt und kenne den Bogen, den der Fluß macht, gut genug.«

»Da steht auch jemand neben der Wurzel!« flüsterte Weston leise. In dem Augenblick ertönte der Ruf des Whip-poor-will, und gleich darauf sprang Rowson, denn er war es, von dem Stein, auf dem er gestanden hatte, in das hier nur wenige Zoll tiefe Wasser und watete an die Boote heran, da die darin Sitzenden nicht anhalten konnten, ihn aufzunehmen.

»Hier ist Proviant«, sagte er mit heiserer Stimme, indem er einen Armvoll auf Stäbe gereihte Stücke Hirschfleisch in das Boot warf, »delikates Wildbret.«

»Wo ist die Indianerin?« fragte Weston, dem finstern Mann ängstlich ins Auge sehend.

»Sicher!« antwortete dieser lakonisch und wandte sich ab vor dem forschenden Blicke des Fragenden.

»Sicher? Ihr habt ihr doch kein Leid angetan?«

»Unsinn! Kümmert Euch um Eure eigenen Geschäfte, was geht Euch mein Handeln an? – So, gebt mir die Pferde und nehmt Ihr das Ruder ein wenig, das Wasser wird hier tief, und wir kommen etwas schneller vom Fleck.«

»Wie weit ist’s noch zu dem Platze, wo wir landen?« fragte Cotton.

»Drei Meilen – eher etwas mehr als weniger.«

»Und wie weit geht Ihr mit?«

»Noch zwei Meilen etwa. Wir werden die Hügelreihen bald erreichen, an deren Fuß ich aussteige. – Aber – Weston, kommt doch noch einmal her und nehmt die Zügel – Cotton, habt Ihr nicht ein altes Tuch oder so etwas bei Euch?«

»Mein Halstuch! Was wollt Ihr damit?«

»Gebt es her, oder bindet es mir hier um den Arm.«

»Ja, dann müßt Ihr aber den Rock ausziehen. Ich komme auch nicht gut an Euch heran, das verwünschte Boot schwankt so, und ich fürchte, es schlägt um.«

»Gut – dann warte ich noch eine Viertelstunde, bis wir wieder an eine seichte Stelle kommen, und gehe nebenher im Wasser, dann macht sich’s besser.«

»Was habt Ihr denn an der Schulter?« fragte Cotton, als Rowson den Rock auszog und den Ärmel hochstreifte.

»Ih – die kleine Hexe erwischte einmal, ich weiß selbst nicht wie, den Tomahawk, den ich ihr schon weggenommen, und – doch es hat weiter nichts zu sagen. Dort unten, wo es so hell schimmert, hört das tiefe Wasser auf, und dann können wir etwas darumbinden.«

Schweigend steuerten die Männer die Boote zu der bezeichneten Stelle, dann aber stieg Rowson, erst vorsichtig mit dem kurzen Ruder nach Grund fühlend, über Bord, und während er neben dem langsam dahingleitenden Kahn herging und sich mit der rechten Hand am Rande festhielt, verband ihm Cotton die keineswegs unbedeutende Wunde.

»Wenn nur der Mond ein wenig schiene«, rief Weston nach einer Weile, »daß wir wenigstens den Punkt erkennen könnten, an dem wir landen müssen!«

»Sehnt Euch auch noch nach dem Mond«, brummte Cotton, »weiter fehlte gar nichts. Ich wünschte, es regnete, was vom Himmel herunter wollte.«

Die Boote glitten jetzt an einer steilen Bergkette vorbei, deren schroffe Felskanten bis hinein in den Strom reichten, während einzelne dunkle Zedernbüsche aus der senkrechten Wand emporwuchsen und lange, unheimliche Felsspalten sich bis zu dem Gipfel der Berge hinaufdehnten. Die Kuppe krönten hohe, schwankende Fichten und Kiefern, und Zedern und Hickorys bildeten das dichte, feste und beinahe undurchdringliche Unterholz.

»Wir sind nicht mehr weit vom Ziel«, sagte Rowson, »gleich dort unten ist die Stelle, an der ich euch verlasse. Cotton, Ihr kennt ja den Platz, wo Ihr aussteigen müßt!«

»Hat keine Not – den verfehl’ ich nicht. Aber halt! Was ist das? Ein Feuer am Ufer? Dort lagert jemand.«

»Nur ruhig«, flüsterte Rowson, wer es auch sei, das Rohr läßt ihn hier nicht dicht ans Ufer, und der Schatten der Bäume wird uns vor jedem neugierigen Blick verbergen.«

Am Ufer schlug jetzt kläffend ein Hund an, und sie konnten sogar eine Stimme hören, die ihn beruhigte. Das Rohrdickicht war aber, wie Rowson richtig bemerkt hatte, so dicht und verworren, daß es unmöglich gewesen wäre, an dieser Stelle den Fluß zu übersehen, und lautlos schwammen die Männer in der hier ziemlich tiefen Strömung vorüber.

»Verdammt! Wie die Pferde schwanken«, flüsterte Cotton nach einer Weile.

»Es ist Zeit, daß sie festen Boden unter die Beine bekommen«, erwiderte Rowson. »Hier ist übrigens der Ort, wo ich landen muß. Haltet ein klein wenig näher ans Ufer, daß ich abspringen kann – und nun macht eure Sache klug. Haltet euch jetzt fest!«

Mit diesen Worten schwang er sich aus dem schaukelnden Boot auf einen vorspringenden Stein, winkte noch einmal mit der Hand hinüber und verschwand im Dunkel.

Es gehörte ein so geübter Kanufahrer wie Cotton dazu, um das schwankende Fahrzeug bei dem Herausspringen eines Menschen vor dem Umschlagen zu bewahren. Doch es war diesmal für ihn mit nur geringen Schwierigkeiten verbunden; der Kahn schaukelte kaum einige Sekunden und glitt dann ruhig weiter, ohne einen Tropfen Wasser eingenommen zu haben.

Weston sprach keine Silbe mehr; seit dem letzten Schrei der Indianerin, der ihm noch in den Ohren tönte, hatte sich eine unbezwingbare Angst seiner bemächtigt. Er fuhr bei dem geringsten Geräusch empor, und das Herz klopfte ihm in fieberhaften Schlägen.

Ohne weiter ein Wort miteinander zu wechseln, erreichten sie bald darauf die von Rowson bezeichnete Stelle, wo breite, glatte Felsplatten bis in die Mitte des Flusses hineinliefen und sich bis oben hinauf zu dem mit dichtem niederem Gebüsch bewachsenen Ufer erstreckten. Dort hielten die beiden Männer und führten die schnaubenden und ungeduldig stampfenden Pferde auf das Trockene.

»Ja, trampelt nur«, meinte Cotton, »es soll euch bald warm genug werden. Haltet sie einen Augenblick, Weston, ich muß das eine Kanu erst versenken, damit es niemand findet und Verdacht schöpft; das andere mag schwimmen; wenn sie es sehen, werden sie glauben, es habe sich losgerissen.«

Damit warf er schnell seine Kleider ab, um beim Schwimmen nicht behindert zu werden, füllte das Kanu mit Steinen, ruderte es an eine tiefe Stelle und ließ es sinken.

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
30 ağustos 2016
Hacim:
540 s. 1 illüstrasyon
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