Kitabı oku: «Misteln – Kraftvolle Krebsheiler aus der Natur», sayfa 4
Beispiel: Nierenkrebs
Die Diagnose bei einer 56-jährigen Frau lautete Nierenkrebs. Das Karzinom an der linken Niere wurde operiert, danach gab es Bestrahlungen. Der Allgemeinzustand der Frau blieb jedoch weiterhin schlecht. Ein Jahr später zeigten sich Metastasen in den Knochen, und zwar im Bereich des rechten Rippenbogens und am Oberschenkelhals. Hierauf erfolgte eine Mistelinfusionstherapie, die bei der Patientin zu einer erheblichen Besserung des Allgemeinbefindens führte. Im Computertomogramm zeigte sich ein halbes Jahr später eine komplette Rückbildung der Knochenmetastasen – und auch zwei Jahre später fanden sich keine weiteren Knochenmetastasen.
Beispiel: Bösartiger Hautkrebs
Bei einer 59-jährigen Patientin hatte ein bösartiges Melanom (Hautkrebs) Hirnmetastasen verursacht, die operativ entfernt wurden. Doch wenige Monate später kam es erneut zu Hirnmetastasen. Dieses Mal wurden die Karzinome bestrahlt, sie wuchsen jedoch trotzdem weiter. Nach einem halben Jahr zeigten sich außerdem Lungenmetastasen. Die Ärzte führten eine Misteltherapie durch, die jedoch zunächst keinen Einfluss auf das Tumorwachstum nahm. Ungefähr einen Monat später wurde damit begonnen, das Mistelpräparat direkt in eine Melanommetastase zu spritzen, die unter der Haut der rechten Achsel heranwuchs. Es kam zu einer starken Entzündungsreaktion und zu Schmerzen. Gleichzeitig bildeten sich alle drei Hirnmetastasen vollständig zurück. Die lokale Mistelbehandlung wurde fortgesetzt, doch zwei Jahre später entwickelten sich erneut Hirnmetastasen und eine weitere Hautmetastase. Erneut wurde die Mistel in die Hautmetastase injiziert. Wieder bildete sich die Hirnmetastase zurück, bei der Hautmetastase hingegen sprach das Mistelpräparat nicht an – sie musste operativ entfernt werden.Vier Jahre nach Beginn der Misteltherapie war der Befund unverändert gut.
Beispiel: Lymphknotenkrebs
Eine 34-jährige Patientin mit einem Non-Hodgkin-Lymphom (Lymphknotenkrebs) hatte in den letzten vier Jahren zwar sieben verschiedene Chemotherapien durchgemacht, aber es kam jeweils nur zu vorübergehenden, drei bis vier Monate andauernden Rückbildungen des Lymphoms. Medizinisch galt die Patientin deshalb als »austherapiert«. So wurde sie drei verschiedenen onkologischen Zentren vorgestellt mit der Frage, ob eine weitere chemotherapeutische Behandlung sinnvoll sei. Alle drei Fachkliniken lehnten eine weitere Therapie als nicht erfolgversprechend ab.
Um die Frau in der ihr verbleibenden Lebenszeit nicht weiter zu belasten, erfolgte nur noch eine Misteltherapie. Ihre Befindlichkeit war durch starke Hitzewallungen, Juckreiz und Schlafstörungen schwer gestört – ihr Zustand wurde auf der medizinischen Skala mit der untersten Bewertung 6 (»sehr schlecht«) eingestuft. Die Tumormasse fand sich vor allem im Bereich der Lymphknoten in der linken Achselhöhle, und es gab einen Tumor, der die linke Brustwand bis zum Herzen durchsetzte und sogar schon bis zur Herzaußenwand vorgedrungen war.
Nach einem Jahr Misteltherapie zeigt das Computertomogramm eine fast völlige Rückbildung des Tumors, wobei besonders auch die innerhalb der Brust gelegenen Anteile zurückgegangen waren. Dieser Befund war auch drei Jahre später konstant, die Patientin war nahezu beschwerdefrei, Schmerzmittel wurden nicht benötigt, eine Progression trat nicht ein, es wurden auch keine weiteren Metastasen festgestellt.
Beispiel: Blasenwandkrebs
In diesem Fall handelte es sich um eine 49-jährige Patientin mit einem Tumor, der die hintere Blasenwand fast vollständig durchdrungen hatte. Die Blase war bereits mit dem Schambein verwachsen. Wegen starker Beschwerden wurde eine Bestrahlungstherapie abgebrochen. In der Folge bestanden starke Schmerzen im Unterbauch und im Bereich des Steißbeins, die Patientin litt unter häufigem Wasserlassen und war nicht mehr arbeitsfähig.
Nach Beginn einer Mistelbehandlung gingen die Schmerzen zurück. Innerhalb von vier Monaten betrug die Gewichtszunahme sieben Kilo – und vier Wochen später konnte die Frau wieder arbeiten. Während der nächsten elfeinhalb Jahre kam es unter der Misteltherapie zur allmählichen Rückbildung der Tumormassen und zur weitgehenden Normalisierung des Blasenbefundes. Die Patientin war während der gesamten Krankheitsdauer arbeitsfähig.

Optimierung der Misteltherapie durch bewusste Wahl des Wirtsbaums
► Trotz der bisher erzielten Erfolge der Misteltherapie sind die Möglichkeiten, die Rudolf Steiner aufgezeigt hat, noch längst nicht ausgeschöpft. Anthroposophische Ärzte schätzen, dass gegenwärtig erst 30 bis 50 Prozent des tatsächlich möglichen Wirkungsgrades erreicht werden – in den Mistelbehandlungen stecken also noch gewaltige Potenziale.
Doch schon die bisherigen Ergebnisse können sich sehen lassen, wie auch die Beispiele zeigen, die im vorigen Kapitel beschrieben sind. Die Mistelextrakte aktivieren nachweislich das Immunsystem der Krebspatienten und können das Tumorwachstum stoppen oder sogar dafür sorgen, dass es sich zurückbildet. Die Lebensqualität der Kranken wird verbessert, meistens wirkt die Mistel auch lebensverlängernd. Fast immer führt die Misteltherapie dazu, dass die Patienten leistungsfähiger werden, wieder Appetit bekommen und an Gewicht zunehmen. Sie schlafen wieder ruhiger und tiefer und sind weniger anfällig für Infektionen. Die Krankengeschichten zeigen auch, dass die Misteln die Stimmung der Patienten aufhellen und zur Linderung der Schmerzen beitragen, die der Tumor verursacht.
Jede Misteltherapie ist natürlich eine sehr individuelle Behandlung – die verabreichten Substanzen, die Dosis und die zeitlichen Kriterien bei den gegebenen Medikamenten lassen sich nicht in ein einheitliches Schema pressen, sondern verändern sich von Fall zu Fall. Deshalb ist es bei Misteltherapien normal, dass im Laufe der Behandlung das Medikament oder die Dosierung gewechselt wird – je nachdem, wie der Patient auf die Arznei oder auf einzelne Wirkstoffe der Mistel reagiert. Dem Wissen und der Erfahrung des Arztes kommt daher eine besonders große Bedeutung zu.
Um die Wirksamkeit von Mistelbehandlungen zu optimieren, ist es notwendig, die bisherige Vorgehensweise – ganz im Sinne Rudolf Steiners – um einige wichtige Aspekte zu erweitern. So sollte vor Beginn einer Therapie erst einmal die – bisher zu wenig beachtete – typologische Verwandtschaft zwischen dem Patienten und dem Wirtsbaum, von dem die Mistel stammt, geklärt werden. Zusätzlich sollten den für die Behandlung ausgewählten Mistelwirkstoffen auch Metallsubstanzen beigemischt werden. Denn diese Kombination, so Steiner, kann die Heilchancen bei Krebs noch einmal deutlich verbessern. Das gilt auch für die ergänzende Therapie mit anderen »Winterblühern«, vor allem für die beiden Pflanzen Christrose und Herbstzeitlose. Auch homöopathisierte Arzneien aus Tieren – wie der Ameise, der Kreuzspinne, der Biene und Hornisse sowie den Schlangen – wirken dämpfend auf die Krebsbildung ein. Die künftige Berücksichtigung dieser Faktoren wird den bisher schon hohen Wirkungsgrad der Misteltherapien noch deutlich übertreffen, sodass die Heilungsaussichten bei der Volkskrankheit Krebs wahrscheinlich eine ganz neue Dimension erreichen.
Darüber hinaus gewinnt die Idee für eine Mistelimpfung zunehmend an Bedeutung, weil viele Vorstufen von Krebs, die sogenannten Präkanzerosen, heute bekannt sind und durch den Einsatz von Misteln nachweislich positiv beeinflusst werden. Mehr dazu im Kapitel zur Mistelimpfung.
Die geistig-soziale Analogie zwischen dem Wirtsbaum der Mistel und dem krebskranken oder gefährdeten Menschen sowie die richtige Zuordnung einer metallischen Substanz sind somit die entscheidenden Fortschritte, um die Misteltherapie zu vervollkommnen. In diesem Kapitel versuchen wir, diese wichtigen, aber ziemlich komplizierten Aspekte zu beschreiben. Wir bezeichnen dabei das verbesserte und verfeinerte Verfahren als »optimierte« beziehungsweise »typologische« Misteltherapie.
Gemeinsamkeiten von Baum und Mensch
Die optimierte Misteltherapie ist seit einigen Jahren keine These mehr, sondern wird europaweit in Kliniken und Universitätseinrichtungen sowie in Arztpraxen eingesetzt. Inzwischen sind tausende Krebspatienten, von denen viele sogar als austherapiert galten, nach diesem Verfahren behandelt worden – mit meist außerordentlich guten Erfolgen. Natürlich gab es wie bei allen neuen Methoden auch Enttäuschungen, aber die Ergebnisse sind insgesamt sehr erfreulich.
Selbstverständlich muss jede Form von Krebs zunächst schulmedizinisch behandelt werden. Doch die klinischen Erfahrungen zeigen: In Verbindung mit einer optimierten Misteltherapie kann bei Krebspatienten die Heilquote beziehungsweise die Lebensverlängerung deutlich verbessert werden. Die bisher dokumentierten Fälle reichen selbstverständlich nicht aus, um wissenschaftlichen Anforderungen gänzlich zu genügen, aber sie stoßen ein Tor zu bislang unbekannten Wegen auf. Wer Neuland betritt, kann selten schon von Beginn an beweisen, dass seine Methode richtig ist und allen Nachprüfungen standhält – das gilt auch in der Medizin. Umso wichtiger ist es, dass die optimierte Misteltherapie möglichst bald in eine breit angelegte Studie einbezogen wird, die sich über einen entsprechenden Zeitraum erstreckt, damit die Heilerfolge auch mittel- und langfristig bewertet werden können.
Von entscheidender Bedeutung für die Wahl des richtigen Mistelpräparates ist letztendlich, dass der jeweilige Wirtsbaum zum sozialen Typus des Patienten passen muss. Diese typologische Übereinstimmung, die im vorliegenden Buch erstmals außerhalb von Fachpublikationen dargelegt wird, ergibt sich aus der Analogie von Baum und Mensch. Es wurden dazu die 13 Bäume ausgewählt, deren Mistelpräparate heute in potenzierter Form von den verschiedenen Herstellern angeboten werden. Jeder dieser Wirtsbäume hat in der Botanik und in der Phyto-Pharmakologie, in der Mythologie und Homöopathie charakteristische Merkmale, die auch bei bestimmten Menschen erkennbar sind. Deshalb werden die Eigenschaften der Bäume in eine Beziehung zu den Menschentypen gebracht, wie sie der Arzt und Wissenschaftler Dr. Edward Bach (1886–1936) in seiner berühmten Lehre von der Bach-Blütentherapie beschrieben hat. Dr. Bach hat darin völlig wertfrei Menschen aufgrund ihrer Charaktereigenschaften in typologische Gruppen eingeteilt – mit ihren Stärken, ihren Schwächen und mit ihrer individuellen Problematik. Zum besseren Verständnis haben wir dabei manche Wesenszüge der Bäume und der Menschen schärfer konturiert oder bewusst in vereinfachter Form dargestellt. Am Beispiel von 13 Misteln sollen die Analogien aufgezeigt werden, die zwischen den Bäumen und den verschiedenen Menschentypen bestehen. Die Therapie mit den unterschiedlichen Mistelbäumen ist also analog zur Bach-Blütentherapie zu sehen, sie ist aber erheblich tiefer wirksam.
Vom Wesen eines Baumes
Seit Adam und Eva wissen wir: Mensch und Baum sind innig miteinander verbunden. Wie im Alten Testament beschrieben, tragen die Menschen den Baum des Lebens sowie den Baum der Erkenntnis und des Todes in sich. Auch die Edda, die germanische Sagenwelt, spricht von »Stammbäumen« der Menschheit: von ask und embla, Esche und Ulme.
Tatsächlich erinnern viele Bereiche im Menschen an einen Baum. Das Nervengewebe scheint in der Peripherie des Menschen zu wurzeln, bündelt sich dann im Stamm, dem Rückenmark, und entfaltet seine Äste und Blüten im zentralen Nervensystem. Im Atmungsbereich finden wir einen umgekehrten Baum, den »Bronchialbaum« mit seinen peripheren Ausfaltungen, den Alveolen. Im Blutsystem sehen wir einen arteriellen Baum des Lebens und einen venösen Baum des Todes, die einander umfassen. Kurzum: Überall sind Analogien zu finden.
Am Baum fasziniert uns außerdem, dass er Himmel und Erde zusammenzuspannen scheint. Wie auch der Mensch steht er vermittelnd zwischen Licht und Finsternis. Gleich dem Menschen muss er sich in der Materie verwurzeln, aber mit seiner Krone auch dem Himmel aufrecht entgegenwachsen. Die Analogie von Mensch und Baum ist verblüffend: Beide sind auf vielfache Weise »geerdet«, vergessen aber nicht ihren kosmischen Ursprung.
Vom Wesen der Mistel
Misteln sind weltweit in den tropischen, subtropischen und gemäßigten Zonen verbreitet. Die Anzahl ihrer anerkannten Arten ist umstritten und wird – je nach Familienabgrenzung – auf 400 bis 1400 geschätzt. Für die Misteltherapie wird nur Viscum album verwendet. Sie hat sich als einzige Art weit nordwärts bis nach Südschweden ausgebreitet – und gleicht in der Fauna der Kreuzotter, die als einzige Giftschlange bis in den Norden wanderte, oder unserem Efeu, der als einziger Vertreter seiner tropischen Gattung auch im kühlen Norden wächst.
Typisch für Misteln ist das Fehlen von Wurzeln. Sie dringen stattdessen mit einem saugenden Haustorium in das Kambium ihres Wirtsbaumes ein, um von ihm »Baumwasser« mit den darin gelösten Mineralien zu übernehmen. Bis zur Hälfte der Wirkstoffe des Wirtsbaumes sind in der Mistel wiederzufinden. In ihrer ganzen Organisation und ihrem Wachstum ähnelt die Mistel einer embryonal gebliebenen Pflanze im Keimblattstadium. Andere Pflanzen bilden erst einfache Keimblätter und dann ihre jeweils charakteristischen Blätter. Die Mistel kommt aus dem ersten Stadium nicht heraus.
Viscum album zeigt einen wesentlichen Unterschied zu ihren tropischen Verwandten, die oft eine Art von botanischer Mimikry betreiben und in ihrem Aussehen dem Wirtsbaum ähneln. Im Gegensatz zu den tropischen Misteln besiedelt Viscum album eine Fülle verschiedener Wirtsbäume – und dennoch erkennt nur ein Experte den Unterschied zwischen einer Ahornmistel und einer Apfelmistel. Sie trägt zwar die Stoffe und Kräfte des Wirtsbaumes in sich, lässt sich von diesen aber nicht »überformen«. Sie bleibt ein ideales Gefäß für die Kräfte und Wirkstoffe des Baums.
Der Mistel auf den Leim gehen – Von der Bedeutung der Beeren und Embryonen
Nach Rudolf Steiner sind vor allem die Beeren wichtig für die Therapie – aber warum? Der Mistelembryo steckt in der Beere und ist von einer klebrigen, weißen, schleim- und leimartigen Substanz umgeben. Er muss in der Regel erst durch einen Vogelmagen »wandern«, bevor er sich – im Kot des Vogels von der Beerenhaut befreit – an einem Baum anhaften kann. Im Gegensatz zu allen anderen Samen, die vertrocknen und einen Ruhezustand benötigen, bleibt der Mistelsame in einem lebendigen Grün und photosynthetisch aktiv – ein geradezu einmaliger Vorgang! Doch auch die Beerenbildung ist ungewöhnlich. Sie erfolgt nach der Befruchtung in der Winterzeit sehr langsam und braucht bis zu der charakteristischen weißen Färbung ein halbes Jahr. So stehen sich ein unruhiger, immerzu aktiver Same als »Frühgeburt« und ein sich langsam bildendes Nährgewebe als Spätgeburt in der Beerenfrucht polar gegenüber.


Die Eiche
Baum des männlichen Eroberungswillens
Die Eiche hat den lateinischen Namen Quercus, unter dem 600 Arten zu finden sind. Noch vor dem berühmten Orakel von Delphi in Griechenland gab es die heilige Eiche von Dodona. Die Priesterinnen dieses Kultes weissagten aus den Bewegungen der Blätter. Die Hügel Roms waren ursprünglich mit Eichen bedeckt, die dem Gott Jupiter geweiht waren. Auf dem Kapitol wurde der erste Jupitertempel von Romulus in der Nähe einer seit langer Zeit kultisch verehrten Eiche errichtet. An die Äste dieses Baumes hängte Romulus die Trophäen, die er dem Feind abgenommen hatte. Dies taten nach ihm auch die Helden Roms, die Imperatoren, die zum Kapitol hinaufstiegen und dabei eine schwere Krone aus dem Laub von Eichen trugen. Rom war also eine uralte Kultstätte der Eiche.
Noch höher als bei den Griechen und Römern war das Ansehen der Eiche in der germanischen Sagenwelt. Und bei den Kelten leitet sich sogar der Name »Druide« von der Eiche ab. Die Beziehung der Kelten zur Eiche ist heute den meisten durch die Lektüre von Asterix und Obelix bekannt. Den Kelten war die Eiche der heiligste Baum, und die Mistel von der Eiche – Eichenmisteln gab und gibt es nur sehr selten – wurde in besonderer Weise verehrt. Die Kelten und Germanen verehrten ihre Götter in heiligen Hainen und an Quellen, aber eben auch in Bäumen. Bekannt geworden ist vor allem die Donar-Eiche des Bonifatius in Geismar (bei Fritzlar). Donar war der Herr des Blitzes. Im Zuge der Christianisierung wurden später zahlreiche Eichen gefällt, um den Germanen die Machtlosigkeit der einheimischen Götter zu demonstrieren. Dennoch hat sich im deutschsprachigen Raum der Eichenkult lange bewahrt.
Die Eiche gilt als Lebensbaum, als ein Baum, der Regen bringt und den Kreislauf des Wassers reguliert. Die Eicheln hielt man nicht nur für nahrhaft, sondern auch für fruchtbarkeitsfördernd. Die Esche wurde in der Mythologie als Baum der Kraft betrachtet, die Eiche als der Baum der Fruchtbarkeit, der Fülle und der sozialen Begegnung. Sogar als Thing-Baum, unter dem früher Gericht gehalten wurde, ist die Eiche bekannt geworden – hier zeigen sich Beziehungen zur Linde, die ebenfalls diese Funktion innehatte. Dennoch unterscheiden sich Linde und Eiche deutlich in ihrer Ausstrahlung und in ihrer symbolischen Bedeutung: Während die Linde mit den herzförmigen Blättern und dem süßlichen Duft das weibliche, mütterliche Prinzip ausdrückt, steht die herbe, starke Eiche für das männliche Prinzip, für väterliche Kraft und Strenge.
Die Eiche ist nicht nur der kraftvollste, sondern auch der bekannteste Baum in unseren Breiten. Nicht umsonst spricht man von der »deutschen Eiche« – ein Begriff, der häufig auf Männer bezogen wird. Eichen wachsen langsam und stetig zu einer beachtlichen Größe heran. Insbesondere die Stieleiche bildet knorrige, weit ausladende und markant horizontal abstehende Äste. Die Krone selbst ist mächtig und hat starke Äste. Eichen werden etwa 30 bis 35 Meter hoch, in Ausnahmefällen sogar 60 Meter. Der imposante Baum besitzt eine tief reichende, kräftige Pfahlwurzel, die ihm selbst bei stärkstem Sturm Halt gibt. In den ersten 100 bis 200 Jahren wachsen Eichen rasch in die Höhe, die weiteren Jahre sind dem Dickenwachstum vorbehalten. Der Volksmund unterscheidet im Leben der Eiche 500 Jahre des Aufgangs und 500 Jahre des Niedergangs. In der Jugend hat der Baum eine glatt glänzende, bräunliche bis weißgraue Rinde, die sich später in eine dunkelbraune, längsrissige und außerordentlich gerbstoffhaltige Borke verwandelt. In den Hohlräumen der Eiche leben oft wilde Bienen, deren Honig die Menschen früher ernteten. Eichen sind auch der Lebensraum für den Specht, für zahlreiche Käfer, weitere Vögel und bis zu 1000 Insektenarten – auch in der Natur zeigt sich das schützende Moment dieser Baumart. Kein anderer Baum in unseren Breiten ist so »sozial«.
Die Wohltaten der Eichen sind beeindruckend – sie reichen bis hin zu den kleinen, von der Gallwespe erzeugten weichen Kugeln, die man als Brennstoff für Lampen brauchte. Diese Gallen wurden in der Antike als Färbemittel zur Herstellung von Tinte und zum Gerben von Leder verwendet. Unter allen Bäumen hat die Eiche das widerstandsfähigste Holz. Früher wurde aus 4000 Eichen ein Kriegsschiff gebaut. Das Eichenholz gilt seit jeher als das wichtigste Holz im Hoch- und Tiefbau und wird zu Fässern, Eisenbahnschwellen und Parkettböden verarbeitet. Ebenso diente es der Herstellung von Schleusen, Fußböden, Fenstersimsen und Wasserrädern. Die immergrünen Korkeichen werden in Portugal und Spanien zur Gewinnung von Kork geschält. Die Eicheln sind als Kraftfutter bei den Wildschweinen begehrt, sie wurden aber auch als Kaffeebohnen-Ersatz genutzt.
In der traditionellen europäischen Medizin fand die Eiche bei Infektionen im Verdauungstrakt und der Blase Verwendung. Nebenhöhlenkatarrh und übermäßige Menstruationsblutungen sind weitere Indikationen. Die Substanzen der Eiche dienten der Stärkung der Unterleibsmuskulatur und halfen bei einem Gebärmuttervorfall. Auf Krampfadern und Hämorrhoiden wirken die Eichenextrakte entspannend. Anderen Berichten zufolge neutralisiert die Eichentinktur das Verlangen nach Alkohol. Eichenrindenbäder heilen Hautgeschwüre, und nach Pfarrer Kneipp soll man Eichenpräparate bei Kropf und geschwollenen Lymphdrüsen anwenden. Heutzutage wird die Eiche in der Volksheilkunde vor allem äußerlich bei feuchten Ekzemen eingesetzt. Sie wirkt adstringierend und austrocknend. Erfahrungen aus der Holzindustrie zeigen, dass der Holzstaub von Eichen (und Buchen) auffallend oft zu Tumoren in den Nasennebenhöhlen führt. Tumore bei Schreinern in diesem Bereich werden sogar als Berufskrankheit anerkannt. Es ist damit mehr als wahrscheinlich, dass die Eichenmistel gerade gegen diese Krebsart eingesetzt werden kann. Umgekehrt wird Eichenrinde als ein gutes Mittel bei Katarrh und Verstopfung der Nebenhöhlen verwendet. Als Mundspülung empfiehlt sie sich bei entzündetem Zahnfleisch und Aphten (schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut) ebenso wie zum Gurgeln bei Mandel-, Rachen- und Kehlkopfentzündungen.
In der Homöopathie gilt die Eiche als Mittel bei Alkoholmissbrauch, sie stärkt eine kranke Leber. Leberbeschwerden, Bauchwassersucht, Gicht und eine vergrößerte Milz sind die wichtigsten Erkrankungen, die mit Eichensubstanzen behandelt werden können. Die Beziehung der Eiche zur Leber sowie zu trockener und derber Haut wurde vor allem durch medizinische Beobachtungen in jüngster Zeit bestätigt.
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