Kitabı oku: «Tristan und Isolde», sayfa 11

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Mit seinen Freunden allzumal

Besucht' er dann des Drachen Thal,

Daß sie das Wunder schauten.

Auch bat er die Vertrauten,

Daß sie ihm Zeugniss böten

Von den bestandnen Nöthen.

Das Haupt dann führt' er dannen.

Blutsfreund' und Mannen

Lud er und besandt er;

Zu dem König rannt er

Und mahnt' ihn an sein Königswort.

Hierüber ward nach Weisefort

Ein Tag beraumt dem ganzen Land.

Zugleich ward auch das Land besandt,

Die Landbarone mein ich.

Da rüsteten sie Alle sich

Zu dem Tage, der da war benannt.

Nun ward den Frauen auch bekannt

Am Hofe diese Neuigkeit.

Die Marter und das bittre Leid,

Die sie da hatten auszustehn,

Ward noch an Frauen nie gesehn.

Die süße, schöne Magd Isot

War recht in ihrem Herzen todt;

Noch sah sie nie so leiden Tag.

Ihre Mutter Isot zu ihr sprach:

»Nein, schöne Tochter, laß die Schmerzen,

Nimm dieß dir nicht so sehr zu Herzen;

Denn mag es nun die Wahrheit sein

Oder eitel Trug und Schein,

Wir wollen schon dazwischen fahren;

Auch wird uns Gott davor bewahren.

Nicht weine, Tochter meine:

Die klaren Augen deine

Sollen nimmer werden roth

Um also nichtige Noth.«

»Ach, Mutter«, sprach die Schöne,

»Schände nicht und höhne

So deinen Adel, Frau, und dich.

Eh ich gehorchte, sicherlich

Mein Herz träf eines Meßers Klinge.

Eh sein Will an mir ergienge

Nähm ich mir Leben und Leib.

Nie soll er an Isot ein Weib,

Noch eine Fraue je gewinnen,

Er brächte mich denn todt von hinnen.«

»Nein, schöne Tochter, fürcht es nicht.

Was Er hievon, was Jemand spricht,

Das ist allzumal verloren:

Und hätt es all die Welt geschworen,

So wird der Truchsäß nie dein Mann.«

Als es zu nachten begann

Und um der Tochter Ungemach

Bei den geheimen Künsten nach

Die weise Königin frug

(Sie wuste deren genug),

Da sagt' ihr bald ein Gesicht,

Ergangen sei es also nicht,

Wie Schall und Ruf besagte.

Darauf, so bald es tagte,

Rief sie schon Isolden zu:

»Ach, süße Tochter, wachest du?«

»Ja«, sprach sie, »liebe Mutter mein.«

»Kind, so laß die Ängste sein,

Ich will dir liebe Märe sagen.

Er hat den Drachen nicht erschlagen:

Was auch den Fremdling zu uns trug,

Es war ein Gast, der ihn erschlug.

Wohlauf, wir wollen selber gehn

Und schauen wie die Sachen stehn.

Steh nun auf, Brangäne, leis

Und befiehl dem Knappen Paraneis,

Uns die Pferde zu bereiten.

Wir Viere müßen reiten,

Ich und Isolde, du und Er.

Die Pferde soll er uns hieher,

So schnell ers möge zwingen,

Ans geheime Pförtchen bringen,

Wo des Baumgartens Ende

An Feld rührt und Gelände.«

Nun, dieß geschah nach ihrem Sinn.

Sie saßen auf und ritten hin,

Wo nach der Leute Sagen

Der Drache war erschlagen.

Als sie nun dort das Ross ersahn

Und das Reitzeug daran

Genauer sich betrachteten,

Die klugen Vier erachteten,

Sie hätten Reitzeug alsoschön

In Irland nimmer noch gesehn,

Und kamen also überein,

Wer er sonst auch möge sein,

»So hat der den Wurm erschlagen,

Den dieses Ross hat hergetragen.«

Sie ritten weiter durch den Wald

Und stießen auf den Drachen bald.

Nun war des Teufels Genoß

So ungeheuer und so groß,

Daß die lichte Frauenschar

Todtenbleich zu schauen war,

Als sie das Ungethüm ersah.

Zur Tochter sprach die Mutter da:

»Ach, wie sicher ich des bin,

Der Truchsäße, daß er ihn

Sich nicht getraute zu bestehn!

Laß dir die Sorgen all vergehn,

Und wiße, Tochter Isot,

Er sei am Leben oder todt,

So ahnet mir fürwahr, er sei

Verborgen hier ganz nahebei;

Das weißagt mir der Muth.

Mithin, bedünkt es dich gut,

Müßen wir uns ans Suchen geben,

Ob Gott das Heil uns läßt erleben,

Daß wir ihn irgend finden

Und mit ihm überwinden

Die grundlose Herzensnoth,

Die uns ängstigt wie der Tod.«

So ward alsbald beschloßen:

Die vier Fahrtgenoßen

Ritten von einander fort;

Die suchte hier, die andre dort.

Nun ergieng es wie es sollte

Und das Verhängniss wollte,

Die junge Königin Isot,

Daß die ihr Leben, ihren Tod,

Ihre Wonn und ihre Pein

Zuerst erblickte von den Drein.

Von seinem Helme gieng ein Glast,

Der verrieth ihr den Gast.

Als sie den Helm hatt erschaut,

Der Mutter rief sie überlaut:

»Frau, eile dich und reit fürbaß;

Dahinten glänzt, ich weiß nicht was.

Es ist recht wie ein Helm beschaffen;

Gewiss, ich sah ihn in den Waffen.«

»In Treuen«, sprach die Mutter froh,

»Es dünkt mich, Tochter, ebenso.

Gott erhört unser Flehn:

Nach Dem wir suchen und spähn,

Den haben wir gefunden dort.«

Die Zweie riefen sofort

Die beiden Andern auch herbei

Und ritten schauen Wer es sei.

Als so bei ihrem Nahen

Die Vier ihn liegen sahen,

Sie wähnten all, er wäre todt.

»Er ist todt«, sprach jegliche Isot.

»Unsre Hoffnung ist dahin.

Der Truchsäße hat ihn

Meuchlings ermordet und erschlagen

Und hat ihn in dieß Moor getragen.«

Da stiegen von den Rossen

Die vier Fahrtgenoßen

Und zogen ihn heraus ans Land.

Sie entstrickten ihm des Helmes Band,

Die Kuppe hoben sie hindann;

Isot, die weise, sah ihn an

Und sah wohl, daß er lebte

Und doch sein Leben schwebte

Wie an einem dünnen Haar.

Sie sprach: »Er lebt, er lebt fürwahr.

Helft nur, und entwaffnet ihn;

Wenn ich dann so glücklich bin,

Daß er nicht Todeswunden hat,

So wird wohl noch für Alles Rath.«

Als die drei Schönen insgemein,

Dieser lichte Verein,

Den Armen, Elenden

Mit schneeweißen Händen

Der Waffen entbanden

Und da die Zunge fanden,

»Sieh«, sprach die Königin Isot,

»Was ist das hier so dunkelroth?

Brangäne, Herzensnichte, sprich!«

»Eine Zunge, dünket mich.«

»Du hast ganz Recht, Brangäne;

Und ist es wie ich wähne,

So war es die des Drachen:

Unser Heil will erwachen.

Herzenstochter, Schön Isot,

Ich weiß es sicher wie den Tod,

Auf die rechte Spur sind wir gekommen:

Ihm hat die Zunge benommen

Die Kraft zumal und den Sinn.«

Vollends entwaffneten sie ihn,

Und als sie weder Wunden

Noch Hieb' an ihm gefunden,

Wie wohl den Frauen all geschah!

Theriak nahm die Weise da,

Der alle Heilkunst war ein Spiel,

Und flößt' ihm ein davon so viel,

Daß er zu schwitzen begann.

»Er will genesen«, hub sie an:

»Beginnt der Dunst erst auszuziehn,

Der von der Zunge fiel auf ihn,

So wird er sprechen und uns sehn.«

Das war auch alsobald geschehn.

Er lag nicht lang bis es geschah,

Daß er beides auf und um sich sah.

Als er der wonnigen Schar

Ob und um ihn ward gewahr,

Er gedacht in seinem Muthe:

»Ach, Herre Gott, der gute,

Du hast in Treuen mein gedacht:

Drei Lichter stehn um mich zur Wacht,

Die schönsten, die die Erde hat,

Vieler Herzen Trost und Rath

Und manches Auges Wonne:

Isot, die lichte Sonne,

Und ihre Mutter Isot,

Das fröhliche Morgenroth;

Die stolze Brangäne,

Der Vollmond gegen jene.«

Hiemit erstarkt' er und sprach,

Doch schwach mit schwacher Stimme: »Ach,

Wer seid ihr und wo bin ich?«

»Ach, Ritter, magst du sprechen? sprich:

Wir helfen dir zu deiner Noth«,

Sprach die sinnige Isot.

»Ja, süße Herrin, selig Weib;

Doch weiß ich nicht, wie mir der Leib

Und alle Kraft in kurzer Frist

Benommen und geschwunden ist.«

Die junge Isot sah ihn an:

»Tantris ists, der Spielmann«,

Sprach sie, »wenn ich je ihn sah.«

Die beiden andern sprachen da:

»Das dünkt mich auch, bei meiner Treu.«

Die weise Köngin sprach aufs Neu:

»Bist du es, Tantris?« – »Herrin, ja.«

»So sage«, sprach die Weise da,

»Von wannen kommst du her und wie,

Und was ist dein Gewerbe hie?«

»Seligste der Frauen,

Ihr mögt wohl selber schauen,

Meine Kräfte reichen leider nicht,

Daß ich ausführlichen Bericht

Euch nach der Ordnung möge sagen.

Laßt mich führen oder tragen

Gott zu Lieb an eine Stätte,

Wo mich Jemand pfleg und bette

Nur diesen Tag und diese Nacht.

Komm ich zu meines Leibes Macht,

So thu ich Alles gern und sage

Was euch geliebe und behage.«

Da nahmen Tristanden

Die Viere zu Handen,

Und hoben ihn zu Ross alsbald.

Sie ritten mit ihm aus dem Wald,

Und brachten ihn so heimlich ein

Durch ihr Geheimthürlein,

Daß von ihrer ganzen Fahrt

Niemand nichts nur inne ward.

Da fand er Hülf und auch Gemach:

Die Zunge, die ich oft besprach,

Sein Eisenwerk und all sein Ding,

Nicht Faden mangelt' ihm noch Ring.

Sie hatten Alles mit hindann

Geführt, die Rüstung wie den Mann.

Als nun der andre Tag erschien,

Ins Gebet nahm ihn die Königin.

»Nun Tantris«, sprach sie, »sage mir,

Bei den Gnaden, die ich dir

Jetzt und das erstemal erwies,

Daß ich dich zwier genesen ließ,

Und bin dir willig und geneigt

Wie du dich Deinem Weib gezeigt:

Wann kamst du her gen Irland?

Wie erschlugst du den Serpant?«

»Herrin, ich wills euch sagen:

Ich kam in diesen Tagen,

Erst drei Tage sind es heute,

Ich und andre Kaufleute,

In diesen Hafen mit dem Kiel,

Als am Gestad uns überfiel

Ich weiß nicht welches Räuberheer:

Die hätten uns, wenn ich nicht wär

Mit meinem Gut zuvorgekommen,

Das Leben zu dem Gut genommen.

Nun ist es so mit uns bewandt,

Daß wir manches fremde Land

Heimsuchen müßen und beschaun,

Und nicht wißen Wem vertraun,

Da Jeder gern Gewalt uns thut.

Drum dacht ich, wär mir nichts so gut,

Als wenn es mir gelänge,

Durch eine That der Menge

Beliebt zu werden und bekannt,

Da Kundschaft nur in fremdem Land

Den Kaufmann reich machen kann.

Dieß war es, Frau worauf ich sann,

Denn lange war von dem Serpant

Mir die Märe wohlbekannt

Und darum nur erschlug ich ihn:

Ich hoffe, daß ich fürderhin

Bei diesem Landgesinde

Frieden und Gnade finde.«

»Fried und Gnade«, sprach Isot,

»Sein mit dir bis an den Tod,

Und Ehr auch und Gelingen.

Du bist zu guten Dingen

Uns und dir selbst hieher gekommen.

Was nun dein Herz zum Ziel genommen,

Das ist gethan, ich schaff es dir

Von meinem Herren und von mir.«

»Dank, Herrin! So ergeb ich mich

Meinen Kiel denn und mich

Gänzlich an eure Treue.

Seht, daß mich nicht gereue,

Daß ich Gut zumal und Leben

An eure Treue hab ergeben.«

»Tantris, das soll es nicht fürwahr;

Sei nur außer Sorgen gar

Um dein Gut und dein Leben.

Sieh, meine Treue will ich geben

Und meine Ehr in deine Hand,

Daß dir nie in Irland

Leid geschieht Zeit meines Lebens.

Eins bät ich gerne nicht vergebens:

Daß uns guten Rath dein Mund

Thät in einer Sache kund,

An der mir Heil und Ehre hängt.«

Und sagt' ihm Alles kurz gedrängt,

Wie sich der Truchsäße

Dieser That vermäße,

Und gern nun vor der Menge

Isotens Hand erzwänge,

Bereit die Lügenmären

Im Kampfe zu bewähren,

So ihm der Gegner käme,

Der seinen Handschuh nähme.

»Selge Herrin«, sprach Tristan,

»Laßt euch keine Sorge nahn.

Ihr habt mir zweimal Leib und Leben

Nun mit Gott zurückgegeben:

So sollen sie für euer Recht

Gerne kämpfen dieß Gefecht,

Und euch zu allen Nöthen frommen,

So lang sie mir zu Statten kommen.«

»Gott lohn es, lieber Tantris!

Des bin ich gern an dir gewiss,

Und will dir offen eingestehn,

Wenn dieser Greuel sollt ergehn,

So wären wir, Ich und Isot,

Mit lebendgem Leibe todt.«

»Nein, Herrin, thut die Rede hin!

Da ich in euerm Frieden bin,

Und auf eure Ehre habe

Gestellt das Leben wie die Habe,

Und ihr allein vertrauen soll,

So gehabt euch, traute Herrin, wohl.

Helft ihr nur zum Leben wieder,

All eure Sorgen leg ich nieder.

Und sagt mir, Frau, ist euch bekannt,

Ob die Zunge, die man bei mir fand,

Im Wald blieb? Ich vermisse sie.«

»In Treuen, nein, die hab ich hie

Und Alles was dir sonst noch Noth.

Ich und mein schönes Kind, Isot,

Wir brachten Alles dir hindann.«

»Das wird uns frommen«, sprach Tristan.

»Wohlan denn, selge Königin,

Legt alle eure Sorgen hin

Und helft mir zu des Leibes Macht;

Das Übrige wird leicht vollbracht.«

Da pflegten ihn die Beiden

Ohn alles Unterscheiden,

Die beiden Königinnen;

Und was sie nur ersinnen

Konnten, das zu Frommen

Seinem Leibe mochte kommen,

Des flißen sie sich jederzeit.

Inzwischen hatte großes Leid

Im Kiel die Kielgenoßenschaft,

Die meist in ihrer Sorgen Haft

Schon ihr Spiel verloren gaben.

Sie meinten schon verspielt zu haben,

Da sie in den zweien Tagen

Nichts hatten von ihm hören sagen,

Wohl aber des Gerüchtes Schall

Vernommen von des Drachen Fall.

Geredes ward auch viel getrieben,

Ein Ritter wäre todt geblieben;

Sein halbes Ross noch läge dort.

Die Gefährten dachten da sofort:

»Wer wär das anders als Tristan?

Fürwahr, kein Zweifel ist daran,

Hätt ihm der Tod es nicht benommen,

Er war wohl längst zurückgekommen.«

Da sannen sie ein Mittel aus

Und sandten Curvenal hinaus,

Das Ross zu schaun in jenem Thal.

Das geschah, dahin ritt Curvenal.

Er fand es und erkannt es bald.

Da ritt er weiter durch den Wald;

Den Drachen fand er auch zuhand,

Und als er da nichts weiter fand

Von allen seinen Dingen,

Von Gewand und Harnischringen,

Große Sorge fiel ihn an.

Ach, dacht er, lieber Herr, Tristan,

Bist du am Leben oder todt?

»Weh«, rief er aus, »o weh Isot,

O weh, daß deines Lobes Schall

Je drang zum Lande Cornewal!

Daß deine Schön und süße Huld

Ward an solchem Schaden Schuld

Des besten Manns von Rittersart,

Dem Schildesamt verliehen ward,

Weil ihm dein Reiz zu wohl gefiel.«

So kehrt' er wieder zu dem Kiel

Weinend und klagend

Und seine Märe sagend,

Wie er sie hatt erfahren.

Diese Mären waren

Da Vielen ein Missfallen,

Jedoch nicht ihnen Allen.

Diese schweren Mären

Mochten Alle nicht beschweren,

Da sie Vielen da gefielen;

Doch sah man auch an Vielen

Großes Leid darum, und zwar

War dieses noch die gröste Schar.

So war ihr Willen und ihr Muth

Verschieden, übel oder gut,

Daß der so entzweite Kiel

In Haufen unter sich verfiel,

Die anders sprachen, anders dachten.

Die zwanzig Barone machten

Sich kein großes Leid um ihn,

Ob er auch verloren schien.

Sie dachten so hinwegzukommen;

Kein länger Harren möge frommen,

War ihre Meinung insgemein.

Die Zwanzig mein ich allein,

Die all gesonnen waren

In der Nacht hinwegzufahren;

Die Andern riethen jedoch,

Zu bleiben und erst beßer noch

Zu forschen nach der Märe,

Wie es ihm ergangen wäre.

So sah man da gezweiten Sinn:

Diese führen gerne hin;

Des Bleibens wären jene froh.

Zuletzt verglichen sie sich so:

Da noch sein Tod nicht sicher war

Oder kund und offenbar,

So wollten sie noch bleiben,

Ihr Forschen ferner treiben

Und ihr Fragen noch zwei Tage.

Das war der Herrn Barone Klage.

Nun war der Tag auch angebrochen,

Der gen Weisfort war gesprochen,

Den Gurmun hatt entboten,

Über den Truchsäß und Isoten,

Sein Kind, Beschluß zu faßen.

Gurmuns Untersaßen,

Seine Freund und Mannen all,

Die er um Rath in diesem Fall

Entboten hatte und besandt,

Die waren Alle da zur Hand.

Zu Rathe zog er Mann für Mann

Und gieng so dringlich Jeden an,

Daß man wohl an Allem sah,

Nichts Geringres gält es da,

Als die Ehre zu behüten.

Auch ließ er in den Rath entbieten

Sein liebes Weib, die Königin:

Der trug er billig Lieb im Sinn,

Denn er hatt an Ihr allein

Zwei Seligkeiten im Verein,

Die allerhöchsten, die der Mann

An liebem Weibe finden kann:

Schönheit und Weisheit: die besaß

Sie alle beid in solchem Maß,

Er war mit vollem Recht ihr hold.

Die selge Königin Isold,

War auch, die schöne weise, da.

Als sie ihr Freund, der König, sah,

Er zog beiseit sie und begann:

»Was räthst du«, sprach er, »sag mir an?

Mich ängstets wie der bleiche Tod.«

»Seid guter Dinge«, sprach Isot,

»Unsre Ehre bleibt hier ungemindert,

Das hab ich Alles schon verhindert.«

»Wie, Herzensfrau, sage mir,

So freu ich mich doch auch mit dir.«

»Unser Truchsäß, wie er spricht,

Seht, der schlug den Drachen nicht,

Und der ihn schlug, den weiß ich wohl,

Und bewähr es, wenn ich soll.

So legt all eure Sorgen nieder

Und geht zu euerm Rathe wieder:

Sagt ihnen Allen und sprecht,

Wenn sich des Truchsäßen Recht

Bewährt und seine Würdigkeit,

So löst ihr willig euern Eid,

Der dem Lande sei geschehn.

Heißt sie Alle mit euch gehn

Und setzt euch hin, zu richten;

Fürchtet euch mit Nichten.

Laßt den Truchsäßen klagen

Und sagen was er hat zu sagen.

Ist es dann zu sprechen Zeit,

So bin ich mit Isold nicht weit,

Und gebietet ihrs, so spreche ich

Für euch, Isolden und für mich.

Laßt es jetzt hiebei beruhn:

Ich will zu meiner Tochter nun;

Bald bin ich wieder mit ihr dort.«

Nach ihrer Tochter gieng sie fort.

In den Pallas gieng der König wieder,

Zum Gerichte saß er nieder

Und mit ihm viel Barone,

Des Landes Compagnone.

Da war viel schöne Ritterschaft,

Von Rittern große Heereskraft,

Die für des Königs Ehr und Namen

Nicht so sehr zu Hofe kamen,

Als weil sie gerne wollten sehn

Was da sollte geschehn

In so landkundgem Falle:

Das wunderte sie Alle.

Die seligen Isolden zwo,

Als sie mit einander so

In den Pallas giengen,

Da grüßten und empfiengen

Die Herren all die Süßen.

Inzwischen diesem Grüßen

Ward viel gesprochen und gedacht,

Zu Tage wunderviel gebracht

Von der Zwein Vollkommenheit.

Jedoch die Mutter und die Maid

Erstaunte minder noch die Menge,

Als wie's dem Truchsäß so gelänge.

Sie dachten, sprachen immerdar:

Nun schauet Alle, nehmet wahr:

Wird diesem heillosen Mann,

Der nimmer Heil noch gewann,

Diese heilbegabte Magd,

So ist ihm all das Heil ertagt,

Das ihm und irgend einem Mann

An einer Magd ertagen kann.

Als vor dem König sie erschienen,

Vom Sitze stand er auf vor ihnen

Und nahm sie freundlich neben sich.

»Nun, Truchsäß«, sprach der König, » sprich

Was du begehrst vor diesen Herrn?«

»Herr, König«, sprach der Truchsäß gern,

»Mein Begehr und meine Bitte

Ist, daß ihr königliche Sitte

Dem Land nicht brechen wollt an mir.

Gedenkt es euch, so sprachet ihr

Und bestärktet den Bescheid

Öffentlich mit euerm Eid:

Den Ritter, der mit seiner Hand

Allein erschlüge den Serpant,

Dem gäbet Ihr zum Solde

Eure Tochter Isolde.

Der Eid verderbte manchen Mann;

Ich aber sah das wenig an:

Weil mir die Maid am Herzen lag,

Hab ich das Leben oft gewagt

Viel fährlicher als je ein Mann,

Bis mir endlich so daran

Gelang, daß ich den Drachen schlug.

Ist es zum Erweis genug,

So seht ihr liegen hier das Haupt:

Ich bracht es her, daß man mir glaubt.

So thut nun eure Schuldigkeit:

Königswort und Königseid

Soll wahr und zuverläßig sein.«

»Truchsäß«, fiel die Köngin ein,

»Wer also reichlichen Sold

Wie meine Tochter Isold

Unverdient verlangen will,

In Treuen, der begehrt zuviel.«

»Ei«, sprach der Truchsäß, »ihr sprecht

Übel, Frau, und wider Recht.

Mein Herr, der hier entscheiden soll,

Der kann doch selber sprechen wohl:

So sprech er, und antworte mir.«

»Frau«, sprach der König, » sprechet Ihr

Für Euch, Isolde und für mich.«

»Dank, Herr, das werd ich sicherlich«,

Sprach sie mit klugem Sinne.

»Truchsäß, deine Minne,

Die ist lauter und gut.

Du hast so männlichen Muth:

Du bist wohl gutes Weibes werth.

Doch wer so hohes Lohns begehrt,

Auf den er keinen Anspruch hat,

In Treun, das dünkt mich Missethat.

Du hast dich einer That gerühmt,

Mit einer Mannheit geblümt,

An der du ganz unschuldig bist,

Wie mir zugeflüstert ist.«

»Frau, ihr sprecht, ich weiß nicht wie:

Ihr seht doch dieß Wahrzeichen hie.«

»Du hast ein Haupt hieher getragen:

Das konnt auch leicht ein Andrer wagen,

Wenn er dafür zum Solde

Verdienen mocht Isolde.

Doch mit so leichten Dingen

Mag man sie nicht erringen.«

»Nein«, sprach die junge Isot,

»Für also mäßige Noth

Bin ich nicht feil, nach meinem Sinn.«

»Ei, junge Frau Königin«,

Sprach der Truchsäß zu der Maid,

»Daß ihr mir so entgegen seid

Und mir die Noth mit argem Mund

Vergeltet, die ich manche Stund

Um eure Minne hab ertragen,

Das will ich fein im Sinne tragen.«

»Ob ihr mich minnet«, sprach Isold,

»Ich ward euch nie getreu noch hold,

Und wills euch wahrlich nimmer sein.«

»Ich weiß gar wohl«, fiel Jener ein,

»Ihr thut wie stäts die Weiber thun,

Denn so geschaffen seid ihr nun

Und geartet all an Sinn und Muth:

Das Arge dünkt euch immer gut,

Das Gute wieder dünkt euch arg:

Die Art sich noch an Keiner barg.

Ihr seid verkehrt in aller Weise:

Die Dummen haltet ihr für weise,

Die Weisen haltet ihr für dumm.

So macht ihr aus dem Graden Krumm

Und aus dem Krummen wieder Grad,

Um allen widersinngen Rath

An euer Seil zu faßen:

Ihr minnet, die euch haßen,

Und haßet, was euch minnet.

Wie seid ihr so gesinnet,

Daß nichts euch mag gefallen

Als das Widerspiel von Allem?

Daß das euch stäts ins Auge sticht!

Denn wer euch will, den wollt ihr nicht

Und wollet den, der euch nicht will.

Ihr seid das trüglichste Spiel,

Das Jemand auf dem Brete kann.

Es ist ein sinnbethörter Mann,

Der ohne Bürgen für ein Weib

Zu Markte tragen will den Leib.

Doch wendet mir das nicht den Sinn,

Was Ihr sprecht und die Königin:

Mir wird wohl anderer Bescheid,

Man breche mir denn Wort und Eid.«

Dagegen sprach die Königin:

»Wahrlich, Truchsäß, dein Sinn

Ist gar witzig und schlau.

Wer deine Reden genau

Zu prüfen weiß, der sieht wohl ein,

Sie sind in einem Kämmerlein,

In der Frauen Heimlichkeit erdacht.

Auch hast du sie so vorgebracht,

Wie ein Frauenritter soll.

Du kennst der Frauen Art gar wohl

Und bist so tief hinein gekommen,

Der Männer Art ist dir benommen.

Du hast auch dein Gefallen

An dem Widerspiel von Allem,

Und bewährst es mit der That:

Gar widersinnigen Rath

Hast du an dein Seil gefaßt,

Denn du minnest, was dich haßt

Und willst, was dich nicht haben will.

Das ist doch unser Frauenspiel:

Warum nimmst du des dich an?

So dir Gott, du bist ein Mann:

Laß uns Fraun doch unsre Art;

Du bist nicht wohl damit bewahrt.

Sei wie ein Mann gesinnet,

Und minne was dich minnet,

Was dich begehrt, begehre:

Dieß Spiel bringt Glück und Ehre.

Du klagst hier mit Schalle,

Daß Isold dir gefalle,

Du aber ihr nicht. O du Thor!

Das ist ihre Art: wer kann davor?

Sie läßt noch viel vorüberfliehn,

Das sich ihr wohl nicht würd entziehn,

Und manchen Mann verachtet

Sie ganz, der nach ihr schmachtet –

Wie du davon ein Beispiel bist –

Was ihr wohl angeartet ist.

Denn sieh, ich war dir auch nie hold,

Ich weiß, so hält es auch Isold;

Es ist ihr angeerbt von mir:

Du verlierst nur deine Minn an ihr.

Die Schöne, die reine,

Sie würde gemeine,

Wenn sie Jeden sollte

Minnen, der sie wollte.

Und was du sagst von dem Bescheid,

So wird der König seinen Eid

Gar gern an dir bewähren.

Sieh, daß du deine Mären

Und deine Reden so bewährst,

Daß du den Widerspruch bekehrst.

Verfolge deine Sachen.

Ich hörte von dem Drachen,

Ihn hab ein andrer Mann erschlagen.

Sieh, was du dazu wollest sagen.«

»Wer wäre der?« – »Ich weiß ihn wohl

Und will ihn bringen, wenn ich soll.«

»Frau, wer der Mann auch immer ist,

Der dieser Sache sich vermißt

Und mich von meinen Ehren

Mit Falschheit möchte kehren,

Wird mir Fug und Statt gegeben,

Ich wage gerne Leib und Leben

Wider ihn im Kampfgericht,

Wie mir der Hof das Urtheil spricht,

Hand wider Hand, und wende

Den Fuß nicht, eh ichs ende.«

»Das lob ich«, sprach die Königin,

»Wie ich dir gern auch Bürge bin,

Daß ich erfülle dein Begehr

Und dir zum Kampf ihn bringe her

Von heute vor dem dritten Tag,

Da ichs sogleich noch nicht vermag:

Denselben, der den Drachen schlug.«

Der König sprach: »Das ist genug.«

Die Herrn auch sprachen insgemein:

»Truchsäß, dieß mag genug dir sein.

Es ist auf kurze Zeit verschoben.

Geh hin, den Zweikampf zu geloben;

Die Köngin mag ein Gleiches thun.«

Der König nahm von Beiden nun

Das Wort und sichres Unterpfand,

Daß am dritten Tag von ihrer Hand

Der Kampf zu leisten wäre.

So beschloß sich diese Märe.

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