Kitabı oku: «Tristan und Isolde», sayfa 8

Yazı tipi:

Jahrelang auf sie gewandt.

Zwei edle Sporen schön und stark

Spannt' ihm dann sein Freund Herr Mark

Als sein getreuer Dienstmann

Mit weinendem Herzen an;

Die Waffenriemen er ihm band

Alle mit der eignen Hand.

Ein Waffenrock ward hingetragen,

Dem war, wie ich hörte sagen,

In den»Spelten« mit den »Drihen«,

An den Fugen Zier verliehen,

Und war an allen Enden

Von schönen Frauenhänden

Mit seltnem Preise bedacht

Und noch preislicher vollbracht.

Hei, als er den nun an sich nahm,

Wie lustig und wie wonnesam

Stand er unserm Helden!

Davon wär viel zu melden,

Nur daß ichs nicht noch längen will:

Der Rede würde gar zu viel,

Wenn ich es Alles wollte

Erschöpfen wie ich sollte.

Wißen sollt' ihr eins jedoch.

Der Mann stand seinem Kleide noch

Beßer als das Kleid dem Mann,

Das seine Zier von ihm gewann.

Wie gut sei, wie erlesen

Der Waffenrock gewesen,

Er war doch Seiner Würdigkeit,

Der nun die Zierde lieh dem Kleid,

Nur kaum und allzukaum noch werth.

Darüber schnallt' ihm Mark ein Schwert,

Das sein Herz und Leben war,

Durch das er diesmal der Gefahr

Entgieng und wohl noch oft hernach,

Und das so in der Schwebe lag

Und in so gefüger Maße

Sich hielt auf seiner Straße,

Daß es nicht auf noch nieder gieng

Und stäts in rechter Richte hieng.

Ein Helm ihm auch beschieden

war Recht wie ein Krystall so klar,

So lauter und so feste,

Der schönste und der beste,

Den ein Ritter je zu Häupten nahm.

Auch glaub ich, ein so guter kam

Nie gen Cornewal zuvor.

Darüber stand der Pfeil empor,

Der ihm weißagte Minne,

Was auch an seinem Sinne

Sich erfüllt hat allzu sehr,

Geschah es lange gleich nachher;

Den setzt' aufs Haupt ihm Marke da:

»Ach Neffe, daß ich je dich sah,

Das hab ich höchlich Gott zu klagen!

Ich will Allem widersagen,

Woran man seine Freude sieht,

Wenn mir an dir ein Leid geschieht.«

Nun ward ihm auch ein Schild gesandt,

An welchen sehr geschickte Hand

Gewendet hatte allen Fleiß.

Die ließ ihn eitel silberweiß,

Ihn überein zu bringen

Mit Helm und Panzerringen.

Sie hatt ihn aber poliert,

Und mit Lauterkeit geziert

Wie ein neues Spiegelglas.

Ein Eber drauf gebildet saß

Von Zobel schön und meisterlich

Und schwarz, daß er der Kohle glich.

Den hängt' ihm auch sein Oheim an:

Er stund dem kaiserlichen Mann

Und lag ihm an der Seiten

Nun und zu allen Zeiten,

Daß wie angeleimt er sah.

Als der werthe Jüngling da,

Der genehme kindsche Mann,

Tristan, noch den Schild gewann,

Da schienen die vier Dinge,

Helm und Panzerringe,

Hosen und Schilt einander an

So schön, und hätt ihr Werkmann

Sie alle vier dazu gemacht,

Daß eines jeden Schein und Pracht

Vom andern Schöne borgte,

Und mit Schöne dieß versorgte,

Dennoch wär der Schein der viere

Nicht lichter, gleicher als der ihre.

Doch nun das neue Wunderbild,

Das unter Ringen, Helm und Schild

Zu Schaden und zu Sorgen

Den Feinden war verborgen –

Hatte das nicht andre Kraft

Als all die seltne Meisterschaft,

Die ihm außen angebildet lag?

Ich weiß es klarer als den Tag,

Wie schön das Äußre mochte sein,

Doch war des innern Bildes Schein

Viel beßer erdichtet,

Gemeistert und gerichtet

Zu Ritterkraft und Stärke

Als all die äußern Werke.

Das Gebild inwendig drin

War in Erfindung und Sinn

Mit hoher Meisterschaft vollbracht.

Seines Werkmanns Kunst und Macht

Schienen groß und ungemein;

Seine Brust und Arm und Bein

Die waren herrlich und reich,

Wohl gebildet, herrengleich.

Und darüber stand das Eisen,

Man must es für ein Wunder preisen.

Sein Ross hielt ihm ein Knappe da;

In Spanienland, noch fern und nah,

Ward nie ein schöneres erzogen.

Man sah es nirgend eingebogen,

Sondern frei und offen

An der Brust und an den Goffen,

Stark von beiden Lenden,

Erwünscht an allen Enden.

An seinen Füßen und Beinen

Sah man Alles sich vereinen

Der Bildung, die sich Lob verspricht:

Die Füße grad, die Beine schlicht,

Und aufrecht alle viere

Wie einem wilden Thiere.

Auch war es anzuschaun mit Lust

Vom Sattel ab bis vor der Brust;

Da hielt es sich so grad und wohl

Als ein Ross nur immer soll.

Eine weiße Decke auf ihm lag,

Licht und lauter wie der Tag

Und den Harnischringen gleich.

Auch war sie lang und also reich,

Daß sie von oben niedergieng

Und dem Ross schier vor den Knieen hieng.

Nun Tristan zum Gefechte

Nach ritterlichem Rechte

Und wie gebräuchlich ist im Streit

Wohl und preislich war bereit,

Die da wohl konnten preisen

Und prüfen Mann und Eisen,

Die sahn es Alle dafür an,

Es hätten Eisen und Mann

Nie ein schöner Bild gewiesen.

Wie sehr das aber ward gepriesen,

Viel mehr die Augen doch ergetzte,

Als er sich jetzt zu Rosse setzte

Und den Sper zu Händen nahm:

Da war das Bild erst wonnesam,

Da schien der Ritter schön und reich,

Ob und unterm Sattel gleich.

Die Arme hatten Weite,

Die Schultern gute Breite;

In den Sattel wust er wohl

Wie man im Sattel sitzen soll

Sich zu setzen und zu fügen.

Neben des Rosses Bügen

Schwebten die Beine schön herab,

Strack und ebner als ein Stab.

Da stund das Ross, da stund der Mann

Eins sowohl dem Andern an,

Als wären sie so überein

Miteinander im Verein

Gewachsen und geboren.

Die Geberden waren auserkoren,

Stät und gleich zu allen Zeiten.

Die Tristan hatt im Reiten:

Doch wie schön auch von Gebahren

Tristans Geberden waren,

So war doch innerhalb sein Muth

So rein geartet und so gut,

Kühnern Muth und reinre Art

Hat nimmer wohl ein Helm bewahrt.

Nun war den Kämpen, den zween,

Eine Kampfstatt ausersehn,

Eine kleine Insel in dem Meer,

So nah dem Ufer und dem Heer,

Daß man da wohl Alles sah

Was auf der Insel geschah;

Und sollt ein Jeder das vermeiden,

Ausgenommen diese Beiden,

Daß er auf die Insel käme

Bis der Kampf ein Ende nähme.

Das ward auch so gehalten.

Ans Gestade ließ man schalten

Zwei Schifflein, enge wohl und klein;

So stark doch mochte jedes sein,

Daß es Ross und Mann in Waffen

Wohl hinüber konnte schaffen.

Nun, diese Schifflein hielten dort:

In eines stieg Morold sofort;

Das Ruder nahm er an die Hand

Und schiffte jenseits an das Land;

Und als er auf den Werder kam,

Des Schiffleins Kette gleich er nahm

Und band es fest an den Strand.

Dann schwang er sich zu Ross gewandt,

Und nahm in seine Hand den Sper;

Über den Werder hin und her

Sah man ihn schön punieren

Und reichlich loisieren;

Er warf die Puneiße

In dem ernstlichen Kreiße

So leicht und lustig an das Ziel,

Als gält es hier nur Scherz und Spiel.

Als Tristan auch zu Schiffe kam

Und das Seine zu sich nahm,

Seinen Sper und auch sein Ross,

Vorn stand er eh das Schifflein floß.

»Herr«, sprach er, »König Mark,

Seid mir nun nicht allzu stark

Besorgt um Leib und Leben:

Gott seis anheim gegeben.

Unsre Angst mag hier nicht frommen.

Es mag zu beßerm Ende kommen,

Als man wähnt, mir wird zu Theil.

Unser Sieg und unser Heil

Hängt nicht ab von Ritterschaft;

Sie steht bei Gottes Macht und Kraft.

So laßt denn alle Sorgen sein,

Denn ich mag gar wohl gedeihn.

Ich fahre guter Dinge

Zu diesem Streitberinge.

Seid fröhlich und gehabt euch wohl

Es ergeht doch was ergehen soll.

Doch wie mir auch gelinge,

Zu welchem End ichs bringe,

So befehlet Ihr doch heute

Euer Land und eure Leute

Dem, welchem ich vertraue:

Gott, der zu dieser Aue

Mit mir geht zum Gefechte,

Der bringe Recht zu Rechte.

Gott muß wahrlich mit mir siegen

Oder sieglos erliegen:

Der muß es walten, muß es pflegen.«

So bot er ihnen seinen Segen;

Sein Schifflein stieß er von dem Ort

Und fuhr in Gottes Namen fort.

Da ward sein Leib und sein Leben

Von manchem Munde Gott ergeben;

Ihm ward von mancher edeln Hand

Manch süßer Segen nachgesandt.

Und als er ans Gestade stieß,

Der Held sein Schifflein fließen ließ

Und schwang sich auf sein Ross gewandt.

Gleich ritt auch Morold an den Strand.

»Was soll das heißen, thu mir kund«,

Sprach Morold, »und aus welchem Grund

Hast du das Schifflein laßen gehn?«

Er sprach: »Das ist darum geschehn:

Hier ist ein Schiff und sind zwei Mann,

Und ist kein Zweifel auch daran,

Bleiben wir nicht beide hier,

Daß Einer doch, Ich oder Ihr,

Auf diesem Werder bald erliegt:

So hat der Andre dann, der siegt,

Wohl an dem einen Schiff genug,

Das dich zu diesem Werder trug.«

Morold sprach: »Ich höre wohl,

Daß es dabei verbleiben soll,

Der Kampf müße vor sich gehn.

Gedächtest du noch abzustehn

Und schieden wir in Minnen

Mit dem Geding von hinnen,

Daß der Zins von beiden Landen

Mir bliebe zugestanden,

Das deuchte mich dein Glück zu sein;

Denn fürwahr, es schafft mir Pein,

Wenn ich dich erschlagen soll.

Mir gefiel kein Ritter noch so wohl,

Den meine Augen je ersahn.«

Da sprach der kühne Tristan:

»Wir mögen nicht zur Sühne kommen,

Der Zins sei denn hinweggenommen.«

Der Andre sprach: »Auf meinen Eid,

Solcher Sühne bin ich unbereit.

Wir kommen nicht zu Minnen,

Der Zins muß mit mir hinnen.«

»So stellen wir«, sprach Tristan,

»Hier sehr unnütze Theidung an.

Da du so gar nicht Zweifel trägst,

Morold, daß du mich erschlägst,

So wehr dich, so du willst gedeihn;

Es kann hier schon nicht anders sein.«

Er warf das Ross im Bogen

Und kam zurückgeflogen

In richtiger Schlichte.

Herstob er in der Richte

Nach seines Herzens Begehr.

Mit herabgesenktem Sper,

Mit fliegenden Schenkeln,

Mit Sporen und mit Enkeln

Nahm er das Ross in die Seiten.

Da muste Jener auch wohl streiten,

Es gieng um das Leben nun.

Da that er wie sie Alle thun,

Die zu rechter Mannheit

Mit allen Sinnen sind bereit:

Er nahm auch eine Kehre

Nach seines Herzens Lehre,

Geschwind hindann, geschwind hinwieder,

Warf auf den Sper und zuckt' ihn nieder.

So kam er her gerühret

Wie den der Teufel führet.

Sie stürmten beide, Ross und Mann,

Im Fluge gegen Tristan an

Noch schneller als der Falke thut;

So gierig war auch Tristans Muth.

Gleich heiß war beider Verlangen,

Die gleichen Flugs zusammen drangen

Daß sie die Spere stachen,

Die in den Schilden brachen

Wohl zu Tausend Stücken.

Da musten sie zücken

Die Schwerter von den Seiten.

Es gab zu Ross ein Streiten,

Gott selber möcht es gerne sehn.

Nun hör ichs allwärts so verstehn,

Und so heißts auch in der Märe,

Daß dieß ein Zweikampf wäre,

Und Alle denken sich dabei,

Da wären nur der Kämpfer zwei.

Doch bin ich zum Beweis bereit,

Daß es ein offener Streit

Zweier ganzen Rotten war.

Nicht gelesen hab ichs zwar

Noch je an Tristans Märe;

Doch hört ob ichs bewähre.

Morold, wie uns der Wahrheit nach

Gemeldet ward seit manchem Tag,

Besaß vierfache Manneskraft:

Das zählt für vier Mann Ritterschaft.

So stand es diesseits mit dem Streite;

Wer stand nun auf der andern Seite?

Erstlich Gott, zum andern Recht,

Der dritte war der beiden Knecht

Und getreuer Dienstmann,

Der wohlgemuthe Tristan;

Das vierte war bereiter Muth,

Der Wunder stäts als Streiter thut:

Hier vier und drüben wieder vier,

Aus diesen bild ich dort und hier

Zwei ganze Rotten, sind acht Mann,

So übel ich auch rechnen kann.

Ihr hättets sonst für Lüge

Gehalten, ungefüge,

Daß auf zwei Rossen sich zwo Scharen

Zum Kampf entgegen möchten fahren;

Nun habt ihr es für wahr vernommen:

Zusammen waren hier gekommen

Unter Einem Helm auf jeder Seite

Vier Ritter zum Vierritterstreite.

Die kamen nun geritten,

Daß sie sich stark bestritten.

Zuerst fuhr Eine Ritterschaft,

Morold mit der Viermannskraft,

Tristanden wie ein Donner an.

Derselbe leidge Teufelsmann

Schlug auf ihn so kräftiglich,

Kraft und Sinne sicherlich

Hätt er mit Schlägen ihm benommen,

Wär der Schild ihm nicht zu Gut gekommen,

Darunter er mit Listen

Sich schirmen konnt und fristen.

Weder Helm noch Halsberg,

Noch ein ander Waffenwerk

Hätt es ihm jemals aufgetragen:

Durch die Ringe hätt er ihn erschlagen:

Er wollt ihm so viel Zeit nicht gönnen,

Daß er vor Schlägen aufsehn können.

So gieng er ihn mit Schlägen an

Bis ers ihm mit Schlägen abgewann,

Daß Tristan von der Schläge Noth

Den Schild zu ferne von sich bot

Und so hoch die Deckung trug,

Daß er ihm durch die Hüfte schlug

Solch einen häßlichen Schwang,

Der ihm hart ans Leben drang,

Daß sein Fleisch und Gebein

Durch Ring' und Hosen warf den Schein

Und das Blut aufblitzte

Und den Werder überspritzte.

»Wie nun? Willst du mirs eingestehn?

Du magst hieran wohl selber sehn,

Daß Niemand Unrecht führen soll;

Man sieht hieran dein Unrecht wohl.

Nun bedenke, willst du noch gedeihn,

In welcher Weis es möge sein.

Denn wahrlich, Tristan, diese Noth,

Sie ist dein endlicher Tod,

Ich müst es denn noch wenden;

Von Weibs- noch Manneshänden

Wirst du sonst nicht mehr gesund.

Du bist von einem Schwerte wund,

Das tödtlich und vergiftet ist.

Aller Ärzte Kunst und List

Heilt dich nicht von dieser Noth;

Nur meine Schwester kanns, Isot,

Die Königin von Irland.

Die kennt der Würzen allerhand

Und weiß aller Kräuter Kraft

Und viel ärztliche Meisterschaft;

Die weiß auch diese Kunst allein

Und Niemand anders, wer sie sei'n;

Todt bist du, wenn dich Die nicht heilt.

Willst du mir folgen unverweilt

Und den Zins nicht weigern fürderhin,

Meine Schwester soll, die Königin,

Mit eigner Hand dich heilen;

Und Ich will mit dir theilen

Gesellig Alles was ich habe,

Und weigre nie dir eine Gabe

Was auch dein Wunsch begehre.«

Tristan sprach: »Meine Ehre

Und mein Recht geb ich nicht auf,

Deiner Schwester nicht, noch dir zu Kauf.

Ich hab in meiner freien Hand

Hieher gebracht zwei freie Land'

Und bringe sie von hinnen

Oder ich muß gewinnen

Größern Schaden noch, den Tod.

Ich bin auch noch zu solcher Noth

Mit Einer Wunde nicht getrieben,

Daß dir der Sieg schon wär geblieben.

So leicht mag sich uns Beiden

Der Kampf hier nicht entscheiden.

Der Zins sei Dein Tod oder Meiner!

Das ist der Ausgang, anders keiner.«

Hiemit ritt er ihn wieder an.

Nun spricht vielleicht ein kluger Mann

(Ich muß die Rede für ihn thun):

»Gott und Recht, wo sind sie nun,

Tristans Kampfgefährten?

Daß sie ihm nicht Schutz gewährten,

Das muß mich Wunder nehmen.

Zeit wär es, daß sie kämen:

Ihre Rotte und ihr Orden

Ist gar schadhaft geworden.

Wenn sie nicht eilends kommen,

So kann es nicht mehr frommen;

Darum so kommt in Eil, denn hier

Reiten zweie gegen vier

Und streiten um das bloße Leben;

Das ist auch hingegeben

Schon dem Zweifel und dem Bangen.

Sollen sie noch Trost empfangen,

Wohlan, so sei es nur schnelle.«

Nun reiten Gott und Recht zur Stelle

Nach gerechtem Urtheile;

Ihrer Rotte zum Heile,

Ihren Feinden zum Falle.

Schon beginnen sie sich Alle

Gleichmäßig zu rottieren,

Vier entgegen vieren,

Und reiten Schar wider Schar.

Und Tristan als er gewahr

Wird seiner Kampfgesellen,

Fühlt Muth und Stärke schwellen:

Ihm brachte die Genoßenschaft

Neues Herz und frische Kraft.

Das Ross er mit den Sporen nahm,

So schnell er hergeschoßen kam,

Daß er nach ganzer Herzenslust

Anstoßend mit des Rosses Brust

So auf den Gegner schnellte,

Daß er zur Erd ihn fällte

Mit Ross und mit Allem;

Und als er von dem Fallen

Wieder auf die Füße kam

Und schon das Ross beim Zügel nahm,

Schlug Tristan, eh ers glaubte,

Ihm den Helm vom Haupte,

Daß er hinflog über all den Plan.

Da lief ihn Morold wieder an:

Durch die Couvertüre schlug

Er Tristans Rosse weg den Bug,

Daß es unter ihm darniederfiel.

Doch Er bedachte sich nicht viel.

Aus dem Sattel schwang er sich in Eil.

Morold der listige derweil

Den Schild zum Rücken kehrte

Wie ihn die Schlauheit lehrte,

Griff mit der Hand hernieder

Und nahm den Helm sich wieder.

Er hatt in seinen Listen

Gedacht sich so zu fristen:

Wenn er zu Rosse käme

Und den Helm zu Haupte nähme,

Auf Tristan ritt' er wieder an.

Als er nun den Helm gewann,

Nach dem Rosse lief er da

Und kam dem auch bereits so nah,

Daß er mit der Hand den Zügel

Ergriff und schon im Bügel

Mit einem Fuße stand, gottlob;

Wie er da die Hand zum Sattel hob,

Da hatt ihn Tristan erflogen

Und schlug ihm auf dem Sattelbogen

Das Schwert weg samt der rechten Hand,

Daß sie beide fielen auf den Sand

Mit den Ringen alle;

Und über diesem Falle

Gab er ihm wieder einen Schlag,

Der, wo des Helmes Kuppe lag,

So mächtig fuhr hernieder,

Daß er nur schartig wieder

Seine Waffe zog zurück,

Indem des Schwerts ein kleines Stück

In dem Hirnschädel blieb,

Das denn in Ängste später trieb

Tristanden und in große Noth:

Es bracht ihm nahezu den Tod.

Morold, das trostlose Heer,

Als er ohne Kraft und Wehr

Hingieng mit taumelndem Schritt

Und schon schier zu Boden glitt,

»Wie nun, wie nun«, sprach Tristan,

»Helf dir Gott, Morold, sag an,

Ist dir diese Märe kund?

Mich dünkt, du bist auch übel wund;

Nicht zum Besten scheints um dich zu stehn.

Was mit Meiner Wunde mag geschehn,

Dir wäre guter Würze Noth.

Was deine Schwester je, Isot,

Von Arzneikunst hat gelesen,

Das wird dir Noth, willst du genesen.

Der gerechte, wahre Gott,

Siehst du, duldet keinen Spott:

Er hat dein Unrecht wohl bedacht

Und Recht an mir zu Recht gebracht.

So mög er mein auch fürder pflegen:

Doch deine Hochfahrt ist erlegen.«

So trat er ihm erst beßer nah,

Er nahm das Schwert und gab es da

In seine beiden Hände:

Er schlug, das war das Ende,

Das Haupt ihm mit der Kuppen ab.

Dann gieng er an die Bucht hinab,

Wo er Morolds Schifflein fand,

Sprang hinein und fuhr zu Land

Ans Gestad und zu dem Heer.

Da vernahm er bei dem Meer

Große Freud und große Klage:

Freud und Klage wie ich sage:

Deren Glück an seinem Siege lag,

Denen war ein selger Tag,

Ein Heil erschienen sonder Ende:

Sie schlugen fröhlich in die Hände,

Lobten Gott aus vollem Mund,

Und thaten freudgen Dank ihm kund

Durch laute Siegeslieder.

Dem fremden Volk hinwieder,

Den leiden Gästen, die gesandt

Waren aus der Iren Land,

Hatte großes Leid getagt.

Von denen ward so viel geklagt

Als die andern sangen;

Wie sie die Hände rangen,

Sie verwanden nicht die Noth.

Die Betrübten auf den Tod,

Die bestürzten Irlandsmannen,

Da sie nun wollten dannen

Zu Schiffe gehn mit Spott und Schmach,

Da gieng Tristan ihnen nach

Und traf sie am Gestade noch:

»Ihr Herren«, sprach er, » eilet doch

Jenes Zinsrecht zu empfangen,

Das ihr auf dem Werder sehet prangen,

Und bringt es euerm Herren heim,

Und meldet ihm, mein Oheim

Von Cornwal und von Engelland

Schick ihm diesen Prisant

Und entbiet ihm dabei:

Wenn es sein Wille künftig sei,

Daß er geruhe noch einmal

Seine Boten her gen Cornewal

Nach solchem Zins zu senden,

Man läßt mit leeren Händen

Sie nicht nach Hause kehren,

Nein, mit gleich vollen Ehren

Senden wir sie von hinnen,

Wie schwer wirs auch gewinnen.«

Derweil er also sprach und stand,

Deckt' er mit dem Schildesrand

Weislich Blut und Wunde,

Daß Keinem ward die Kunde.

Das gerieth ihm noch hernach zum Glück,

Denn jene kehrten so zurück,

Daß sie sich dessen nicht versahn.

Jetzt bestiegen sie den Kahn

Und fuhren nach dem Werder fort,

Und fanden statt des Herren dort

Einen schwer verhaunen Mann:

Denselben brachten sie hindann.

Als sie zu Lande kamen,

Da giengen sie und nahmen

Den jammervollen Prisant,

Der da durch sie ward übersandt:

Ich meine die zerstückten Glieder.

Die legten sie zusammen wieder,

Daß sich keins davon verlor,

Und trugen sie dem Herren vor,

Und sagten ihm genau dabei

Was ihm durch sie entboten sei.

Da verseh ich mich nun wohl

Wes ich mich wohl versehen soll:

Dem König Gurmun Wohlgemuth

War da gar nicht wohl zu Muth.

Auch stand ihm all sein Leid wohl an:

Er verlor an diesem einen Mann

Herz und Muth, Trost und Kraft

Und manches Mannes Ritterschaft.

Das Rad, das sein Glück getragen,

Das Morold hoch emporgeschlagen

In den Nachbarlanden allen,

War in den Staub gefallen.

Seine Schwester auch, die Königin,

Beklagte diesen Ungewinn

Mit Jammer und mit großer Noth;

Und ihre Tochter mit, Isot.

Sie quälten sehr den schönen Leib,

Wie ihr wohl wißet, daß ein Weib

Gar bitterliche Klage führt,

Wenn ein Leid ihr Herz berührt.

Sie sahen diesen todten Mann

Nur um des Jammers Willen an,

Daß ihres Leides Bürde

Noch desto schwerer würde.

Das Haupt sie küssten und die Hand,

Die vordem manch fernes Land

Ihrer Herschaft unterwarf,

Wie ich nicht wiederholen darf.

Die seinem Haupte war geschlagen,

Die Wunde fanden sie mit Klagen

Und besahen sie genau;

Da fand die sinnreiche Frau,

Isot, die weise Königin,

Jene Scharte darin.

Ein kleines Zänglein ließ sie bringen:

Damit must es ihr gelingen,

Daß sie das Schärtlein gewann.

Sie und die Tochter sahens an

Mit Jammer und mit Leide:

Dann nahmen sie es beide

Und legten es in einen Schrein.

War dieses Stück auch noch so klein,

Doch schuf es Tristan große Noth.

Nun, Herr Morold ist todt.

Wenn ich nun lang erzählte,

Wie sich ein Jeder quälte

Und ihn beklagte, könnt es frommen?

Wir wären weiter nicht gekommen,

Wer möcht ihr Aller Leid beklagen?

Morold ward zu Grab getragen,

Begraben wie ein andrer Mann.

Gurmun hob zu trauern an

Und ließ gebieten allzuhand

Über alles Irenland,

Daß man Acht hätt an der See,

Was Lebendiges je

Dahin von Cornwal käme,

Daß man dem das Leben nähme,

Es wäre Weib oder Mann.

Dieß Gebot und dieser Bann

Ward so streng vollzogen,

Daß Niemand von den Wogen

Mehr nach Irland ward gebracht

Seis bei Tag oder Nacht

Aus cornewalischem Land,

Mocht er noch so reiches Pfand

Zur Lösung bieten oder geben,

Es gieng ihm eben nur ans Leben,

Bis mancher Mutter Kind damit

Unschuldig großen Schaden litt.

Das war doch Alles ohne Noth,

Denn Morold starb verdienten Tod:

Nur seiner Kraft hatt er getraut,

Auf Gottes Hülfe nicht gebaut,

Und sein Ding zu allen Zeiten,

In allen seinen Streiten

Auf Gewalt und Hochfahrt nur gestellt;

In diesen ward er auch gefällt.

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12 kasım 2025
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9783969870617
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