Kitabı oku: «Tristan und Isolde», sayfa 7
Wie ihre Sorge sich zerließ,
Und sie von dannen kamen,
Sieg an den Feinden nahmen.
Als Tristan von dem Lande schied,
Wie ihm Rual, sein Rather, rieth,
Das Lehen zu begehren
Und wieder heimzukehren,
Da lags dem seligen Rual
Im Herzen stäts, und schuf ihm Qual:
Es ahnt' ihm wohl, es werd ergehn
Wie es auch mit Tristan ist geschehn;
Nur daß ihm in den Sinn nicht kam
Wie großen Schaden Morgan nahm.
Hundert Ritter nahm er an
Und folgte seinem Herrn Tristan
Des Wegs, den er geritten
War in das Land der Britten.
Als er dahin gekommen,
Da hatt er bald vernommen
Wie es ergangen wäre
Und nach des Landes Märe
Führt' er seine Fahrt hinaus
Zu dem umseßnen Waßerhaus.
Als sie diesen jetzt zu nahn
Begannen und die Feinde sahn,
Da ward von ihrer Rotte
Nicht Einer so zu Spotte,
Daß ihn Furcht gesäumt und abgezogen:
Sie kamen allesamt geflogen
Mit fliegenden Banieren.
Da gabs ein laut Croijieren
Von ihrer Massenîe:
»Schevalier, Parmenîe!
Parmenîe, Schevalier!«
Da schuf Banier auf Banier,
Das durch die Zeltschnüre brach,
Schaden und groß Ungemach.
Sie trafen die Bretonen
In ihren Pavillonen
Mit tödtlichen Wunden.
Die in der Veste stunden,
Als sie ihr Landbanier erkennen
Und ihren Feldruf hören nennen,
Wollen sie den Raum sich weiten
Und hinaus ins Weite reiten:
Da säumt sie Tristan nicht daran.
Großer Schade ward gethan
An den Landgesellen:
Fahen und Fällen,
Schlagen und Stechen,
Damit sah man durchbrechen
Zu beiden Seiten ihr Heer;
Auch brachte das sie außer Wehr,
Daß jedwede Companîe
Ihr »Schevalier, Parmenîe«
So viel riefen und schrien:
Damit war ihre Wehr dahin.
Ihnen blieb nicht Wehr noch Wiederkehr,
Nur verdecktes Fliehen
Und zögerndes Ziehen
Nach dem Berg und nach dem Wald;
Da ward der Streit erst mannigfalt.
Die Flucht war da ihr letzter Trutz
Und vor dem Tod ihr bester Schutz.
Nun dieser Sieg erfochten war,
Da ruhte sich die Ritterschar;
Sie schlugen Hütten auf dem Plan
Und die sie des Gesindes sahn
Sich auf dem Feld erschlagen,
Die ließen sie zu Grabe tragen;
Und Die verwundet waren,
Legten sie auf Bahren
Und zogen heim zu ihren Landen.
Hiemit war jetzo Tristanden
Sein Lehn und sein gesondert Land
Verliehn aus seiner eignen Hand;
Er war von Dem auch Herr und Mann
Das noch sein Vater nie gewann.
So hatt ers in die Richte gebracht
Und seine Sache schlicht gemacht:
In die Richte gebracht am Gute
Und schlicht gemacht im Muthe.
All sein Unrecht war nun recht,
Seine Schwermuth eben und schlecht.
Er hatte nun aus freier Hand
Sein Vatererb und all sein Land
Unangefochten und also,
Daß Niemand irgend wann noch wo
Anspruch erhob an all sein Gut.
Hiemit so wandt er seinen Muth,
Wie ihm da gebot und rieth
Sein Oheim als er von ihm schied,
Wiederum gen Cornewal;
Und mochte doch auch von Rual
Nicht wenden sein Gemüthe,
Der ihm so manche Güte
Mit väterlicher Stätigkeit
Erwiesen hatte jederzeit.
An Rual und an Marke lag
Tristans Herz bei Nacht und Tag;
An diesen zwein lag all sein Sinn:
Der Sinn, der lockt' ihn her und hin.
Nun spräche wohl ein werther Mann:
»Unser werther Tristan
Wie verhält er sich hiezu,
Daß er Recht Jedwedem thu
Und Beiden lohne wie er soll?«
Ein Jeder sieht und weiß das wohl,
Er kann sichs nicht ersparen:
Einen muß er laßen fahren,
Daß er bei dem Andern bleibe.
So laßt denn hören, wie ers treibe?
Kehrt er gen Cornewal sich wieder,
So sinkt ihm Parmenîe nieder
Und büßt an seinen Würden ein;
So muß verkürzt auch Rual sein
An Freuden und frohem Muth
Und an alle dem Gut,
Dem seine Wonne sollt entblühn;
Und will er nicht von hinnen ziehn,
So muß er entbehren
Höherer Ritterehren
Und setzt auch Markes Rath hintan,
Von dem er Ehre mag empfahn.
Wie soll er nun sein Heil bewahren?
Weiß Gott, er muß von hinnen fahren:
Man soll ihm Urlaub geben.
Er muß noch höher schweben
An Ehren und am Muthe,
Soll sich sein Glück zu Gute
Noch und zu Freuden kehren.
Nach den höchsten Ehren
Soll er noch trachten können.
Will die sein Heil ihm gönnen,
Es hat wohl Recht, daß es das thu,
Steht ihm doch all sein Muth dazu.
Der sinnreiche Tristan
Gar sinnigen Rath ersann:
Er war bedacht, so eben
Und gleich sich zu vergeben
An seine Väter beide
Als ob man ihn zerschneide.
Er theilte selber sich entzwei
So gleich und eben wie ein Ei,
Und gab Jedwedem dann den Theil,
Der am Meisten ihm zum Heil
Kam nach seinem ganzen Wesen.
Wer nun von Theilung nie gelesen,
Die man an sich selber macht,
Dem sag ich wie sie wird vollbracht.
Es zweifelt Niemand doch daran:
Zwei Dinge machen einen Mann
Und diese zwei sind Leib und Gut;
Von diesen zwein kommt edler Muth
Und weltlicher Ehren viel.
Wenn man die beiden scheiden will,
So wird das Gut zur Armut,
Und der Leib, dem man sein Recht nicht thut.
Kommt auch von seiner Würde dann,
Und wird der Mann ein halber Mann.
Und doch mit ganzem Leibe.
So ists auch mit dem Weibe.
Es sei Mann oder Weib,
Immer müßen Gut und Leib
Gesellt in allen Sachen
Erst ein ganzes Wesen machen;
Will man sie aber scheiden,
So ist es aus mit beiden.
Diese Theilung begann
Der sinnreiche Tristan
Und vollführte sie mit Sinnen.
Man must ihm erst gewinnen
Schöne Ross und reich Gewand
Und Speis und Vorrath mancherhand
Wie ein Fest sie nöthig macht,
Denn auf ein Fest war er bedacht.
Dazu lud er aus dem ganzen Land
Die Edelsten, in deren Hand
Die Kraft des Landes war gelegen.
Die thaten wie die Freunde pflegen
Und kamen zu der Lustbarkeit.
Nun war auch Tristan bereit
Mit allen seinen Dingen.
Er gab zwei Jünglingen,
Ruals Söhnen, da das Schwert,
Die ihm das Lehn zu erben werth
Nach ihrem Vater schienen.
Und Alles was er ihnen
Zu Würden und zu Ehren
Nur wenden mocht und kehren,
Da sah er keine Kosten an,
Das ward so williglich gethan
Als wär es für die eignen Kinder.
Nun sie Ritter wurden, und nicht minder
Zwölf Gesellen zumal,
Da war der höfsche Curvenal
Auch mit in der Zwölfe Schar.
Tristan, des Herz nur Zucht gebar,
Nahm seine Brüder bei der Hand
Höfisch, wie man ihn immer fand,
Und führte sie von dannen.
Seine Freund und Mannen,
Und Alle, die da waren
Von Sinnen oder Jahren
Oder schon von beiden
Verständig und bescheiden,
Die wurden Alle zuhand
An den Hof entboten und besandt.
Als er sie sah erschienen,
Tristan stand auf vor ihnen,
»Ihr Herren«, sprach er zu der Schar,
»Denen gern ich immerdar
In Treuen und mit Lauterkeit
Zu allen Diensten bin bereit
So fern als ich das immer kann –
Freund', und mein getreuer Bann,
Von deren Gnaden ich empfieng
Was Gott zu Ehren mir verhieng;
Denn mit eurer Hülfe lediglich
Ist Alles nun vollführt, was ich
In meinem Sinn begehrte.
Ob Gott es mir gewährte,
So weiß ich doch, es ward vollbracht
Durch eure Tugend, eure Macht.
Was soll ich weiter noch sagen?
Ihr habt in diesen wengen Tagen
Eure Ehr und euern Preis
An mich gewandt so mancherweis,
Es bleibt kein Zweifel mir daran,
Eher ists um diese Welt gethan,
Eh ihr zu irgend einer Zeit
Entgegen meinem Willen seid.
Freund' und Mannen alle, schau ich sie
Nun kraft meines Willens hie
Oder durch ihr eigen Recht,
Laßt euch nun nicht allzuschlecht
Meiner Rede Sinn gefallen.
Ich künd und sag euch Allen,
Wie auch mein Vater hier, Rual,
Gesehn hat und gehört zumal,
Daß mein Oheim sein Land
Gestellt hat in meine Hand
Und sich auch um meinetwegen
Kein ehlich Weib denkt beizulegen,
Daß Ich sein Erbe möge sein;
Auch sah er gern mich nahe bei
Wo er auch sei mit den Genoßen.
So hab ich denn mich entschlossen
Und steht mir all der Sinn dazu,
Daß ich seinen Willen thu
Und wieder zu ihm kehre.
Die Gülten und die Ehre
Und was ich hier noch nenne mein,
Die will ich laßen und leihn
Meinem Vater Rual:
Wenn es mir in Cornewal
Nicht ergeht wie ich gedenke,
Daß ich sterbe oder sänke,
Daß es sein Erblehen sei.
Hier stehn auch seiner Söhne zwei
Mit noch manchem andern Kind;
Und Die ferner seine Erben sind,
Die haben alle Recht daran.
Hört Alle, Dienstmann oder Mann,
Die Lehen über all dieß Land
Sollen stehn zu meiner Hand
All meine Jahr und meine Tage.«
Groß war der Jammer und die Klage
Bei aller dieser Ritterschaft;
Ihre Freude lag in Kummers Haft,
Ihr Mut, ihr Trost war ganz dahin.
»Ach,« sprachen Alle wider ihn,
»Viel besser wär uns da geschehn,
Hätten wir euch nie gesehn:
So wäre dieses Los vermieden,
Das uns jetzo nimmt den Frieden.
Herr, unser Trost und lieber Wahn,
War immer dieser bisheran,
Wir sollten miteinander leben;
Nein, unserm Leben ist vergeben,
Das wir zu Freuden sollten haben:
Erstorben ist es und begraben,
Wenn ihr euch von hinnen kehrt.
Herr, so habt ihr uns gemehrt
Und nicht gemindert unser Leid.
Unser aller Seligkeit
War kaum ein wenig aufgestiegen;
Nun muß sie gar darnieder liegen.«
Ich weiß es sicher wie den Tod,
Wie groß der Andern Klag und Noth
Und ihres Herzens Schwere
Auch war um diese Märe,
Rual, dem es zu Gut geschah,
Der davon so großes Frommen sah
An der Ehre wie am Gut,
Dem schuf es doch in seinem Muth
Mehr als all den Andern Qual:
Er empfieng ein Lehen dazumal,
Weiß Gott, ihm ward all sein Leben
Mit solchem Jammer keins gegeben.
Nun Rual und seine Kinder
Belehnt sind und beerbt nicht minder
Von Tristan, ihres Herren Hand,
Tristan befahl Gott Leut und Land
Und fuhr aus seinen Landen;
Da fuhr auch mit Tristanden
Sein treuer Meister Curvenal.
Seine Mannen mit Rual,
Dazu das Landvolk insgemein,
War ihr Kummer da nur klein
Und ihres Herzens Leiden
Um des trauten Herren Scheiden?
In Treuen, das vernein ich wohl.
Parmenîe war da voll
Des Jammers und der Klagen;
Es war nicht auszusagen.
Die Marschallin Floräte,
Die treue, die stäte,
Marterte den schönen Leib
Wie es billig thut ein Weib,
Der Gott ein gehehrtes Leben
An Weibesehren hat gegeben.
X. Morold.
Was läng ich länger noch hieran?
Der landlose Tristan
Als der gen Cornwal wieder kam,
Eine Mär er allzuhand vernahm,
Die er ungern hat vernommen:
Von Irland wär gekommen
Morold der heldenstarke,
Und forderte von Marke
Mit kampflichen Handen
Den Zins von beiden Landen,
Von Cornwal und von Engelland.
Um diesen Zins wars so bewandt:
Der Englands Krone sonst besaß,
Wie ichs in der Historie las
Und die rechte Märe spricht,
Der hieß Gurmun und anders nicht,
Und war von Africa geboren
Und sein Vater dort zum Herrn erkoren.
Als der verschied, da fiel das Land
An ihn und seines Bruders Hand,
Der Erbe war so gut als er.
Doch wuste Gurmun sich so hehr
Und trug so hoch seinen Muth,
Er mochte kein gemeines Gut
Mit einem andern Mann empfahn.
Ihn wies das Herz auf andre Bahn:
Er wär gern selbst ein Herr gewesen.
Da begann er zu erlesen
Die Muth- und Ehrenfesten,
Zu aller Noth die Besten,
Die Jemand wust im Lande,
Ritter und Sarjande,
Die er mit seinem Gute
Oder höfischem Muthe
Bringen mocht in sein Geleit,
Und überließ zur selben Zeit
Seinem Bruder all sein Land.
So wandt er sich hinaus zuhand
Und erwarb auch bei den Römern bald,
Die der Welt geboten mit Gewalt,
Urlaub mit dem Bedinge:
Was seine Kraft bezwinge,
Daß er darüber schalte,
Und ihnen nur behalte
Gewisse Recht' und Ehren.
Da mocht ihm Niemand wehren,
Er fuhr mit einem starken Heer
Über Land und über Meer
Bis er zu den Iren kam,
Deren Land er siegreich nahm
Und sie so bezwang im Streit,
Daß sie, wenn auch unbereit,
Ihn zum Herrn und König nahmen
Und so in Knechtschaft kamen,
Daß sie zu allen Zeiten
Mit Stürmen und mit Streiten
Ihm die Nachbarn halfen zwingen.
So einmal im Gelingen
Unterwarf er seiner Hand
Auch Cornewal und Engelland.
Marke war da noch ein Kind,
Unwehrhaft wie die Kinder sind:
So nahm er ab an seiner Kraft
Und ward Gurmunen zinshaft.
Auch half dabei Gurmunen sehr
Und lieh ihm Macht und Ehre mehr,
Daß er Morolds Schwester freite:
Das half ihm, daß er Furcht verbreite.
Der ward da Herzog genannt
Und hätte gern ein Königsland
Selber auch beseßen;
Denn er war gar vermeßen
Und hatte Land und großes Gut,
Starken Leib und hohen Muth.
So focht er Gurmuns Heer voraus.
Nun aber leg ich euch aus
Wie es mit dem Zinse stand,
Der den Iren ward gesandt,
Aus jedwedem Lande zwar:
Sie sandten hin das erste Jahr
Dreihundert Mark Messinges
Und keines andern Dinges;
Das andre Silber, das dritte Gold.
Im vierten aber kam Morold
Der Starke von Irlanden
Und wollte sein bestanden.
So wurden denn vor ihn gesandt
Aus Cornewal und Engelland
Die Baronen all und Großen.
Die giengen da zu looßen
In seinem Beisein, Wer von ihnen
Sein Kind ihm gäbe, das zu dienen
Geschickt wär nach den Jahren
Und kundig zu gebahren
Nach Zucht und edelm Hofgebranch,
Schönen Leibes nicht minder auch:
Nicht Mädchen, lauter Knäbelein,
Und der Knaben sollten dreißig sein
Aus jedwedem Lande,
Und sollte dieser Schande
Niemand mögen widerstehn,
Es müst im Zweikampf denn geschehn
Oder auch im Landgefecht.
Nun mochten sie zu ihrem Recht
Mit offner Gegenwehr nicht kommen,
Denn die Lande hatten abgenommen.
So war auch Morold so stark,
So erbarmungslos und arg,
Daß Niemand wider ihn allda,
Der ihm in die Augen sah,
Verwagte Leben und Leib,
Ein Mann so wenig als ein Weib.
Und wenn der Zins für jedes Jahr
Nach Irland hingesendet war
Und nun das fünfte Jahr begann,
So musten beide Lande dann
Stäts zur Sonnenwenden
Romwärts solche Boten senden,
Die den Römern behagten,
Die dann den Boten sagten,
Welch Gebot und welchen Rath
Der gewaltige Senat
Auserdacht und festgestellt
Für ein jedes Volk der Welt,
Das den Römern pflichtig war.
Denn da las man ihnen jedes Jahr
Vor und ließ sie wißen,
Wie sie hinfort beflißen
Sollten sein, das Recht zu weisen
Nach Römerlandrecht, Römerweisen.
Sie musten dann auch immer leben
Wie ihnen Lehre ward gegeben.
Dieser Zins ward hingesandt
Aus diesem wie aus jenem Land
Roma der Gebieterin
Bei jedes fünften Jahrs Beginn.
Doch boten sie ihr solche Ehr
Und diese Zinspflicht nicht so sehr
Um Rechtes noch um Gottes willen
Als um Gurmuns Zorn zu stillen.
Laßt uns zurück zur Märe kommen.
Tristan hatte wohl vernommen
Dieses Leid zu Cornewal;
Auch hatt er früher manches Mal
Wohl gehört schon den Bericht
Wie es stand um dieses Zinses Pflicht.
Doch nun vernahm er alle Tage
Aus des Landvolkes Klage
Des Landes Leid und große Schmach,
Wohin er ritt dem Wege nach,
Vor Städten und Castellen.
Und als zu den Gesellen
Nach Tintajöl er jetzo kam,
Seht, da hört' er und vernahm
In Gaßen und auf Straßen
Die Klage schallen solcher Maßen,
Daß es ihm sehr zu Herzen gieng.
Nicht lange währt' es, so empfieng
Der Hof und König Mark die Märe,
Daß Tristan angekommen wäre;
Des waren sie da Alle froh.
Froh, das mein ich aber so,
Das Maß lag in der Dinge Stand.
Denn die Besten, die man fand
Im ganzen Lande Cornewal,
Waren eben dazumal
Alle an den Hof gekommen
Zur Schande, wie ihr habt vernommen.
Die Edeln und die Großen
Giengen da zu looßen
Ihren Kindern, ach, zum Falle.
So fand sie Tristan Alle
Niederknieend zum Gebete,
Denn ein Jeder bat und flehte
Ohne Scham und unverborgen,
Laut weinend in den Sorgen,
Mit inniglichen Schmerzen
Des Leibes und der Herzen,
Daß ihm Gott der milde
Beschirme und beschilde
Seinen Adel und sein Kind.
Wie sie so im Beten sind,
Kommt Tristan hergegangen.
Wie ward er da empfangen?
Das sag ich euch, der Wahrheit nach:
Tristan ward an diesem Tag
Unter alle dem Gesinde
Von keinem Mutterkinde,
Auch Marken nicht, mit Grüßen
Empfangen also süßen,
Als er doch sicher wäre
Ohne dieses Leid, das schwere.
Des nahm nun Tristan wenig wahr;
Doch trat er kecklich vor die Schar,
Der man die Looße zog und las,
Wo Morold und Marke saß,
»Ihr Herren«, sprach er allzumal,
»Wie ihr auch heißt in diesem Saal,
Die hieher zum Looße laufen,
Ihre edeln Kinder zu verkaufen:
Schämt ihr euch nicht der Schande,
Die durch euch geschieht dem Lande?
So mannhaft wie ihr allezeit
In allen Dingen wart und seid,
So solltet ihr euch selbst zugleich
Und dieses Land und euer Reich
Zu Ansehn bringen und zu Ehren
Und eure Ehren immer mehren;
Und wollt eure Freiheit nun,
Wie verzagte Wichte thun,
Euern Feinden vor die Füße legen
Und ihm schnöden Zins erlegen!
Und eure edeln Kindelein,
Die eure Wonne sollten sein,
Euer Lust und euer Leben,
Gebt und habt ihr hingegeben
Zu Schalken und zu Waisen,
Und könnt doch nicht erweisen,
Daß euch Noth dazu bezwinge.
Denn hier brauchts nicht andre Dinge
Als ein Zweikampf und ein Mann;
Andre Noth hats nie gethan.
Doch könnt ihr in dem ganzen Reich
Nicht Einen finden unter euch,
Der wider Einen Mann sein Leben
An die Wage wolle geben
Ob er bleibe oder siege.
Sei es auch, daß er erliege,
So mag doch wohl ein kurzer Tod
Und diese währende Noth
Im Himmel und auf Erden
Nicht gleich gewogen werden.
Geschieht es aber, daß er siegt
Und das Unrecht erliegt,
So ist ihm Ehr hienieden,
Dort Gottes Lohn beschieden.
Soll doch der Vater für sein Kind,
Da beide nur Ein Leben sind,
Das Leben geben. so wills Gott.
Der treibt mit Gottes Willen Spott,
Der sein freigeboren Kind
Dem Zwingherrn auszuliefern sinnt,
Daß es in Knechtschaft schwebe
Und er in Freiheit lebe.
Soll Ich euch Rath zu euerm Leben
Nach Gott und nach den Ehren geben,
So dünkt michs beßer viel gethan,
Ihr erwählt euch einen Mann,
Wo man ihn immer finde
Unter diesem Landgesinde,
Der den Kampf nicht braucht zu meiden
Und dem Glück es freistellt, zu entscheiden,
Ob er siege oder falle:
Den Kühnen bittet Alle,
Um Gotteswillen allermeist,
Und fleht, daß ihm der heilge Geist
Glück und Ehre gebe,
Auf daß er nicht erbebe
Vor Morold, weil er stark und groß;
Auf Gottes Macht vertrau er bloß,
Denn der verließ noch keinen Mann,
Der auf gerechte Dinge sann.
So geht zu Rath denn schnelle,
Berathet euch zur Stelle,
Wie ihr die Schande von euch kehrt
Und euch des Einen Manns erwehrt:
Nehmt von Geburt und Adel
So großer Schande Tadel.«
»Ach«, sprachen Alle zu Tristan,
»Viel anders stehts um diesen Mann,
Vor dem kann Niemand gedeihn.«
Tristan sprach: »Laßt die Rede sein.
Gott zu Lieb besinnt euch noch:
Seid ihr von Geburt ja doch
Allen Köngen gleich entsproßen.
Aller Kaiser Genoßen,
Und wollt nun eure edeln Kinder,
Die edel sind wie ihr, nicht minder,
Verhandeln und verkaufen
Und zu Eigenschalken taufen.
Und mögt ihr Keinen eurer Mannen
Hierzu erherzgen und ermannen,
Daß er um eure Noth und Klage
Und des Landes Schmach und Niederlage
Kühnlich nach dem Rechte
In Gottes Namen fechte
Wider diesen Einen Mann,
Und geruhet ihr alsdann
Daß ihrs an Gott stellt und an mich,
Fürwahr, ihr Herren, so will Ich
Meine Jugend und mein Leben
Mit Gott auf Abenteuer geben,
Und euch zu lieb den Kampf bestehn.
Gott laß ihn euch zu Gut ergehn
Und helf euch noch zum Rechte.
Geschieht es im Gefechte,
Daß es mir am Glück gebricht,
Das schadet euerm Rechte nicht.
Find ich in dem Kampf den Tod,
Damit ist euer Aller Noth
Weder ab- noch angekehrt,
Nicht gemindert noch gemehrt,
Es steht noch wie es jetzo steht;
Und ists, daß es zum Heil ergeht,
Das kommt allein von Gotteswegen,
Und Gott verdankt allein den Segen.
Denn den ich soll bestehn allein,
Der ist, so sagt man allgemein,
So durch Muth und Leibeskraft
In aller ernsten Ritterschaft
Ein lange her bewährter Mann:
Ich aber, dem nur erst heran
Der Muth wächst und die Kräfte,
Bin zu des Kampfs Geschäfte
Noch nicht zu kürbar und so gut
Als uns Noth wohl jetzo thut;
Doch weiß ich im Gefechte
An Gott und an dem Rechte
Siegreiche Helfer bei mir stehn:
Die solln mit mir zum Kampfe gehn.
Auch hab ich willigen Muth,
Der ist auch zum Kampfe gut:
Und helfen mir nur diese drei,
Wie unversucht ich anders sei,
So hab ich guten Trost dazu,
Daß mir der Eine Mann nichts thu.«
»Herr«, sprach die ganze Ritterschaft,
»Die heilige Gotteskraft,
Die all die Welt geschaffen hat,
Die vergelt euch Trost und Rath.
Und der frohen Hoffnung Wahn,
Die ihr uns habt aufgethan.
Herr, laßt euch das Ende sagen:
Unser Rath hat wenig Frucht getragen.
Wollt unser Heil es uns gestatten,
So viel wie wirs versucht schon hatten
Und so oft als es begonnen ward,
So blieb es nicht auf heut verspart.
Wir haben nicht zu Einem Mal
Allein, wir hier in Cornewal,
Rath um unsre Noth gepflogen:
Wir sind auf manchen Tag gezogen
Und konnten, wie bedrängt wir sind,
Doch Keinen finden, der sein Kind
Nicht lieber wollt in Knechtschaft geben
Als in den Tod das eigne Leben
Im Kampf mit diesem Teufelsmann.«
»Wie sprecht ihr also?« sprach Tristan,
»Der Dinge sind doch viel geschehn:
Man hat oft Wunder gesehn,
Wie ungerechte Hochfahrt
Durch kleine Kraft geniedert ward.
Das möcht auch jetzt wohl noch geschehn,
Wagt' es Einer zu bestehn.«
Das hörte Morold all mit an:
Da verdroß ihm mächtig, daß Tristan
So eifrig nach dem Kampfe da
Verlangte, der so kindisch sah,
Und trug ihm drum im Herzen Haß.
Tristan sprach jedoch fürbaß:
»Ihr Herren alle, redet nun,
Was ist euch lieb, daß ich soll thun?«
»Herr«, sprachen Alle insgemein,
»Möcht es immer also sein,
Die Hoffnung, die ihr uns gemacht,
Daß die würde vollbracht,
So geschäh uns Allen nach Begehr.«
»Ist euch das lieb«, sprach wieder Er,
»Wohl, da es so auf diese Frist
Und mir vorbehalten ist,
Will es denn Gott gefallen,
So versuch ich, ob euch Allen
An meinen jungen Jahren
Gott Heil läßt widerfahren
Und ob mir selber blüht das Glück.«
Da zög ihn Marke gern zurück
Von so fährlichem Beginnen:
Er hofft es zu gewinnen,
Wenn ers ihn laßen hieße,
Daß ers ihm zu Liebe ließe;
Nein, Gott weiß, daß er das nicht that:
Wie er gebot und wie er bat,
Er konnt ihn nicht dazu bewegen,
Daß er abstünde seinetwegen.
Er gieng dahin, wo Morold saß,
Und redete darauf fürbaß:
»Herr«, sprach er zu ihm, »saget mir,
So helf euch Gott, was werbt ihr hier?«
»Freund«, sprach Morold da zur Stund,
»Was fraget ihr? euch ist wohl kund
Mein Gewerb und mein Begehr.«
»Ihr Herren alle, höret her,
Mein Herr der König und sein Bann«,
Sprach der weisliche Tristan;
»Mein Herr Morold, ihr redet wahr:
Ich weiß und kenn es ganz und gar.
Wie sehr es uns entehre,
Es ist doch eine Märe,
Die Niemand unterdrücken mag.
Man hat den Zins nun manchen Tag
Von hinnen und von Engelland
Gen Irland wider Recht gesandt.
Dazu hat man uns lange
Gebracht mit großem Zwange
Und mit mancherlei Gewalt.
Stadt und Burgen kamen bald
In den Landen rings zu Falle,
Und den Leuten that man alle
So großen und so manchen Schaden,
Bis sie wurden überladen
Mit Gewaltthat wider alle Rechte,
Und zuletzt die guten Knechte,
Die noch da am Leben waren,
Ihnen musten willfahren
Was man ihnen auch gebot.
Denn sie fürchteten den Tod
Und konnten wie die Sache stand
Nichts thun als dulden vor der Hand.
So ward die große Unbild,
Die für Recht noch heute gilt,
An dem Land begangen immerdar,
Ob längst die Zeit gekommen war,
Daß sie so schnöder Knechtschaft Ketten
Im Kriege abgeschüttelt hätten.
Denn sie sind sehr vorangekommen:
Die Lande haben zugenommen
An Heimischen und Gästen,
An Städten und an Vesten,
An Gut und an den Ehren.
Man soll zum Beßern kehren
Was versehen ward bisher,
Denn durch Gewalt allein und Wehr
Geneset unser Wesen;
Und soll es noch genesen,
Das kann es nur erreichen
Mit Krieg mit scharfen Streichen.
Die Leute hat es, wie es soll,
Beide Lande sind der Leute voll:
Man soll uns Alles wiedergeben,
Was man uns all unser Leben
Mit Gewalt hat genommen.
Wir wollen selbst zu ihnen kommen
Sobald uns Gott es will gestatten:
Was sie jemals von uns hatten,
Es sei wenig oder viel,
So man meinem Willen folgen will
Und meines Rathes pflegen,
Sie müßens auf die Wage legen
Wieder bis zum kleinsten Ring.
So mag noch unser Messing
Zu rothem Golde werden.
Es sind wohl schon auf Erden
Unerhörter Dinge viel geschehn,
Der sich Niemand hat versehn.
Und die Kinder dieser edeln Herrn,
Die zu Schälken wurden fern,
Die werden wohl noch wieder frei,
Wie unverhofft es ihnen sei.
Gott sei's, der mir das noch gewähre,
In Seinem Namen ichs begehre,
Daß ich noch mit dieser Hand
Die Heerfahn in der Iren Land
Mit dieses Landes Großen
So in die Erde dürfe stoßen,
Daß das Land dort und die Erde
Durch mich geniedert werde.«
Morold sprach wieder: »Herr Tristan,
Nähmet ihr euch minder an
Dieses Dings und dieser Märe,
Mich dünkt, daß es euch heilsam wäre.
Denn was man hier darüber spricht,
Wir laßen doch deswegen nicht
Was unser Recht war bisheran.«
Vor Marke trat der starke Mann,
»König Marke«, sprach er, »sprechet ihr
Und die Andern all, die hier
Gegenwärtig sind nicht minder,
Mit mir zu reden um die Kinder,
Gebt mir Bescheid und laßt mich hören:
Wollt ihr euch an die Rede stören,
Und begehrt, daß es gethan
Werde, wie eur Vogt Tristan
Mit Worten mich beschieden hat?«
»Ja, das ist unser Aller Rath,
Herr, unser Will und unser Muth,
Was er spricht und was er thut.«
Da sprach Morold: »So brechet ihr
Meinem Herren und mir
Eure Treu und euern Eid
Und alle Zuverläßigkeit,
Die jemals zwischen uns bestand.«
Der höfsche Tristan sprach zuhand:
»Nein, Herr, ihr irret euch hieran;
Es lautet übel, wer dem Mann
Wider seine Treue spricht.
Keiner von uns Allen bricht
Weder Treue noch Eid.
Ein Gelübd galt lange Zeit
Zwischen euch und ihnen doch,
Das bleibt in voller Kraft auch noch,
Daß sie nach Irland jedes Jahr
Sandten, ohne Weigrung zwar,
Von Cornwal und von Engelland,
Den Zins, der ihnen war benannt;
Es sei denn, daß sie sich zur Wehr
Mit Zweikampf setzten oder Heer.
Sind sie dazu nun noch bereit,
Und lösen Treue und Eid
Zinsend oder im Gefecht,
So thun sie nach dem alten Recht.
Herr Morold, das bedenket ihr,
Berathet euch und saget mir
Was euch minder sei verhaßt,
Worauf ihr lieber euch verlaßt,
Zweikampf oder Heeresstreit:
Des seid ihr nun und allezeit
Von uns gewiss und auch gewährt.
Es müßen einmal Sper und Schwert
Unter euch und uns entscheiden.
So wählt denn von den beiden
Eins und sagt uns von der Wahl:
Der Zins missfällt uns nun einmal.«
Morold sprach wieder: »Herr Tristan,
Mit dieser Wahl ists bald gethan,
Ich weiß wohl was ich wählen will.
Der Meinen sind hier nicht so viel,
Daß ich zum Heeresstreite
Irgend gerüstet reite.
Ich fuhr von Irland über Meer
Mit meiner Diener Schar nur her,
Und bin im tiefen Frieden
Aus der Heimat geschieden
Wie es noch immer ist geschehn;
Ich dachte nicht, so sollts ergehn.
Ich versah mich der Geschichten
Von diesen Herrn mit Nichten.
Ich wähnt, ich führ von hinnen
Mit Recht und auch mit Minnen;
Nun aber kommt ihr mir mit Streit:
Dazu bin ich noch unbereit.«
»Herr«, sprach Tristan, »ist euer Muth
Zu einem Landstreite gut,
So wendet euch zurück sogleich,
Fahrt wieder heim in euer Reich,
Besendet eure Ritterschaft,
Versammelt all eure Kraft,
Und kommt zurück und laßt uns sehn
Was uns solle geschehn;
Und thut das in kurzer Frist,
Eh ein halb Jahr verstrichen ist;
Sonst kommen wir zu euch, gebt Acht,
Und besehn was ihr in Irland macht.
Ist doch schon das Sprichwort alt,
Mit Gewalt vertreibe man Gewalt,
Mit Kraft begegne man der Kraft.
Richtet man mit Ritterschaft
Länder zu Grund und Rechte
Und macht aus Herren Knechte –
Wenn das nun billig heißen soll,
So vertrauen wir zu Gott noch wohl,
Daß aller unsrer Schmach Beschwerde
Euch noch einst heimkommen werde.«
»Gott weiß«, sprach Morold, »Herr Tristan,
Hier hör ich Dinge, daß ein Mann,
Der nie zu solchem Ruhme kam
Und solches Drohen nie vernahm,
Von solchen Maulwerksthaten
Wohl möcht in Angst gerathen;
Doch Ich mag wohl davor genesen.
Ich bin schon mehr dabei gewesen,
Wo große Pracht und Hochfahrt
Mit dem Mund getrieben ward.
Mein Vertrauen ist nicht klein,
Gurmun dürf ohne Sorge sein
Für seine Leute und sein Land
Vor eurer Fahn und tapfern Hand.
Auch wird so übermüthger Streit,
Man breche uns denn Treu und Eid,
Auf Irland nicht verschoben:
Wir wollens hier erproben,
Und unter uns Beiden
In einem Ring entscheiden,
Ob das Recht bei euch ist oder mir.«
Tristan sprach: »Das will ich hier
Mit Gottes Hülf erzeigen,
Und mög Er Den geschweigen,
Der Unrecht von uns Beiden thu.«
Da zog er aus den Handschuh
Und bot ihn Morolden dar:
»Ihr Herren«, sprach er, »nehmet wahr;
Herr König, Ihr und alle die,
So hier sind, sollen hören wie
Ich diesen Kampf bespreche,
Ob ich das Recht auch breche.
Daß Herr Morold nicht, den ihr erblickt,
Noch Der ihn hat hieher geschickt,
Noch mit Gewalt ein andrer Mann
Je den Zins mit Recht gewann
Von Cornwal noch von Engelland,
Das will ich nach der Dinge Stand
Vor der Welt und Gott erklären
Und mit meiner Hand bewähren
Gegen diesen Herren, der hier steht,
Ihn, der uns anthat früh und spät
All die Schmach und all die Schande,
Die je betraf die beiden Lande.«
Da rief zur selben Stunde
Von Herzen und von Munde
Manch edle Zunge hin zu Gott,
Daß er die Schmach und diesen Spott
Bedächte, und ihr langes Leid,
Und erlöste sie von Dienstbarkeit.
Wie groß jedoch um diese Fahr
Der Andern Leid und Sorge war,
Morolden giengs zu wenig ein
Zum Herzen oder zum Gebein,
Daß es ihm Sorg erwecke:
Der vielversuchte Recke
Legte den Sper nicht nieder:
Er bot auch ihm hinwieder
Den Handschuh hin, des Kampfes Pfand,
Mit vermeßener Hand,
Mit fierer Contenanze.
Es schien diese Schanze
Nach seinem Willen ganz zu sein:
Er getraute wohl drin zu gedeihn.
Nun dieß so vergewißert war,
Der Kampf ward dem vermeßnen Paar
Bis an den dritten Tag gespart.
Als der dritte Tag vermeldet ward,
Da kam die Landschaft allzumal
Und des Volks so ungezählte Zahl,
Daß das Gestade bei dem Meer
Ganz überdeckt war von dem Heer.
Da waffnete sich Morold bald.
Mit Des Gewaffen will ich halt,
Noch mit seiner Stärk und Kraft
Meines Herzens Merkereigenschaft,
Noch meiner Augen scharfe Sehe,
Indem ich nach ihm seh und spähe,
Nicht stumpfen noch schwächen,
So viel sie von ihm sprechen,
Er sei an Mannheit auserwählt.
Denn es wird gar viel von ihm erzählt,
Daß er an Muth, an Größ und Kraft
Und in vollkommner Ritterschaft
Den Preis in allen Reichen trug:
Hiemit sei Lobs von ihm genug.
Ich weiß gar wohl, er konnte dort
Und konnt an jedem andern Ort
Zu Kampf und zum Gefechte
Nach Rittersbrauch und Rechte
Seinen Leib wohl zieren auf dem Plan;
Er hatt es oft genug gethan.
Nun nahm der gute König Mark
Die Noth sich um den Kampf so stark
Zu Herzen, daß ein schwaches Weib
Wohl nie so sehr den schönen Leib
Gehärmt hat um den lieben Mann.
Er sahs für unvermeidlich an,
Es brächte Tristan den Tod,
Und hätte gerne jene Noth
Noch ferner mit dem Zins gelitten,
Blieb' ihr Kampf nur ungestritten.
Nun gieng es Alles beßer doch
Mit diesem und mit jenem noch,
Mit dem Zins und mit dem Mann.
Der unversuchte Tristan
In so nothhaften Dingen,
Begann sich auch mit Ringen
Vor des Kampfs Gefahren
Aufs Beste zu verwahren.
Seinen Leib und Beine beide
Versah er mit dem Unterkleide;
Darüber legt' er schönes Werk,
Zwo Hosen, einen Halsberg:
Die waren beide licht und weiß,
Nachdem der Meister allen Fleiß
Mit seiner kunstgeübten Hand
