Kitabı oku: «Hilja und der Weihnachtszauber (Bd. 3)»

Yazı tipi:

Heidi Viherjuuri

Hilja und der Weihnachtszauber

Aus dem Finnischen von Tanja Küddelsmann

Mit Illustrationen von Nadja Sarell


Kapitel 1 Ich glaube an den Weihnachtsmann

»Türchen auf«, rufe ich und rase die Treppe runter.

Taimi ist mir dicht auf den Fersen, sodass sie an der Küchentür fast in mich hineinrennt.

Hinter dem Esstisch ist über Nacht eine lange Reihe Adventskalender aufgetaucht.

»Guten Morgen«, sagt Mama, während sie den Tisch deckt.

»Eins, zwei, vier – VIELE Kalender«, zählt Taimi begeistert.

An der Wand hängen drei Reihen mit bunt verzierten Papiertüten, denn Mama hat für jedes Kind, also für Taimi, Aino und mich, einen eigenen Adventskalender gebastelt. Opa hat wie jedes Jahr einen Pfadfinder-Kalender mit Bildern für alle zusammen besorgt, und unsere Tante aus der Stadt hat uns Kindern Schoko-Adventskalender geschickt.

»Guck mal, Taimi!«, rufe ich und zeige auf den gefleckten Hund, der hinter dem ersten Bildertürchen steckt.

»Kreisch doch nicht so«, schnaubt Aino, die sich zum Frühstück Obst klein schneidet.

»Und du sollst nicht immer so rummeckern«, gebe ich zurück.

Aus dem Tütchenkalender von Mama ziehe ich zwei Puzzlestücke. Sie sehen aus, als würden sie zu einer Landkarte gehören, aber so genau kann man das noch nicht wissen.

Papa kommt gähnend in die Küche.

»Jetzt müsst ihr langsam anfangen, euch zu benehmen, denn die Wichtel …« Papa zeigt zum Fenster.

»Wie viele Tage hat das Jahr?«, frage ich dazwischen.

»365«, sagt Aino wie aus der Pistole geschossen.

Ich nehme den Taschenrechner aus der obersten Kommodenschublade, tippe ein bisschen darauf herum und lächele zufrieden.

»Es gibt also 341 Tage im Jahr, an denen man machen darf, was man will.«

»Das ist ja einfach«, lacht Papa.

»Na ja, so ist es nun auch wieder nicht«, sagt Mama und gießt sich Milch in den Kaffee.

»Die Wichtel erfahren alles, was das ganze Jahr über passiert«, behauptet Aino. Sie will uns bestimmt bloß Angst einjagen.

»Das sagt die Richtige«, knurre ich.

Aino hat schon seit dem Ende der Herbstferien schlechte Laune, deswegen hoffe ich wirklich, dass die Wichtel auch dann ein Auge auf die Menschen haben, wenn gerade nicht Weihnachtszeit ist.

Taimi streicht Himbeermarmelade auf ihr Toastbrot und sieht dabei sehr nachdenklich aus.

»Was machen die Wichtel eigentlich, wenn nicht Weihnachten ist?«, fragt sie.

»Wahrscheinlich schlafen«, überlege ich laut. »So wie Bären ihren Winterschlaf machen.«

Mama hat eine andere Erklärung: »Sie bearbeiten die Weihnachtspost der Kinder und kümmern sich um die Geschenke.«

Ich zucke so stark zusammen, dass ich fast vom Stuhl falle.

»Wir haben noch nicht an den Weihnachtsmann geschrieben!«

Jetzt ist aber allerhöchste Eisenbahn, denn wenn unsere Wunschzettel nicht rechtzeitig ankommen, liegen unter dem Weihnachtsbaum bestimmt wieder nur weiche Päckchen. Über die freut sich zwar Mama, aber ich kann damit überhaupt nichts anfangen.

»Der ganze Weihnachtskram ist doch eine einzige große Werbeveranstaltung für einen Limo-Konzern«, sagt Aino schnippisch und steht von ihrem Platz auf.

Mama wirft ihr einen besonderen Blick zu.

»Gar nicht!«, rufe ich.

»Also, ich glaube an den Weihnachtsmann«, meint Papa.

»Ich auch!«, bekräftigt Taimi.

»Dürfen wir nach der Schule das Kinderzimmer schmücken?«, frage ich.

»Natürlich«, sagt Mama und verspricht, die Weihnachtsdekoration vom Dachboden zu holen.

Während ich in der Schule war, haben Papa und Taimi aus dem Wald Tannenzweige geholt und sie in einer großen Vase mitten im Kinderzimmer aufgestellt. Ich hänge eine Lichterkette hinein, und Taimi schmückt die Zweige mit Anhängern. Zum Schluss wird alles noch mit einer pinkfarbenen Lamettagirlande verziert.


»Besser zu viel als zu wenig«, lacht Papa, der ins Zimmer schaut, um unseren Baum zu begutachten.

Dann bittet er uns, ihm zu helfen, auch draußen die Weihnachtsbeleuchtung anzubringen.

»Hängt alles auf, was ihr findet!«, ruft Mama aus der Tür ihres Friseursalons.

Mama mag unsere düsteren finnischen Winter auf dem Land nicht, aber sie kommt ja auch ursprünglich aus der Stadt, und da ist es immer hell.

Ich habe mal ein Foto von der Erde im Dunkeln gesehen, von oben konnte man erkennen, wo überall Licht an war. Die Küsten sahen aus wie leuchtende Perlenschnüre, und überall wo Städte waren, war es ganz hell. Wir wohnen da, wo es nur schwarz ist, aber ich habe im Dunkeln keine Angst, weil ich eine nagelneue Taschenlampe im Rucksack habe.

Taimi und ich halten den Karton mit der Lichterkette fest, die Papa jetzt um die kleine Fichte im Vorgarten legt. Als Nächstes steckt er an den Seiten der Auffahrt Lichtspieße in die Erde.

»Die leuchten mit Sonnenenergie«, sagt er begeistert.

»Aber im Winter scheint die Sonne doch gar nicht richtig«, gebe ich zu bedenken.

»Zum Aufladen wird es schon reichen«, sagt Papa. Er glaubt eben einfach alles.

Dann lassen Taimi und ich ihn im Schuppen alleine nach den Laternen für die Außentreppe suchen und laufen schnell wieder ins Haus, denn der Brief an den Weihnachtsmann kann nun wirklich nicht mehr warten.

Ich entscheide mich für mintgrünes Briefpapier und spitze einen Bleistift an.

»LIEBSTER WEIHNACHTSMANN«, buchstabiere ich sorgfältig.

»Der Weihnachtsmann ist nicht mein Liebster«, grinst Taimi.

»Man muss schon ein bisschen höflich sein, damit die Wünsche in Erfüllung gehen«, sage ich.

Dann mache ich eine Liste mit all meinen Wünschen: einen Eishockeyschläger, neue Filzstifte, Superheldenfiguren und irre viele Süßigkeiten. Taimi sagt mir, was ich für sie aufschreiben soll, denn sie geht noch nicht zur Schule. Stupsi kann auch nicht schreiben, weil sie ja eine Katze ist, also übernehme ich das und setze noch Heringe und Spielzeugmäuse auf die Liste.

Taimi sieht mir ganz genau zu, wie ich das Blatt falte und in den Briefumschlag stecke und wie ich dann die Adresse vom Weihnachtsmann draufschreibe.

»Was ist denn?«, frage ich, als Taimi plötzlich ganz still ist.

»Große wissen mehr als Kleine«, sagt sie schließlich.

»Stimmt«, gebe ich zu.

»Was, wenn Aino recht hat?«, überlegt sie laut.

»Du meinst, wegen Weihnachten?«

Sie nickt.

Ich lehne mich zu ihr rüber.

»Weißt du was?«, flüstere ich. »Kleine haben dafür wachere Augen.«

»Und wie hilft uns das weiter?«, fragt sie verwundert.

»Wir sehen Dinge, die andere nicht sehen«, sage ich. »Weihnachtswichtel, Elfen und so was alles.«

»Hast du schon mal einen Wichtel gesehen?«

»Nein«, gebe ich zu. »Die sind immer zu schnell wieder weg.«

»Das heißt, Wichtel gibt es vielleicht gar nicht?« Taimi lässt nicht locker.

Wir Schulkinder wissen natürlich, wie es wirklich ist, aber Taimi sieht so traurig aus, dass ich beschließe, sie aufzuheitern. Deswegen, und um Aino zu ärgern, nehme ich mir vor, zu beweisen, dass es Weihnachtswichtel wirklich gibt. Für den Weihnachtsmann kann ich allerdings nicht garantieren.

»Weihnachten hat seinen eigenen Zauber«, versichere ich Taimi. »Ich werde es dir zeigen.«

Taimis Augen glänzen vor Aufregung, und ich hoffe, dass ich mein Versprechen halten kann. Die Operation Weihnachtszauber beginnt! Ich muss mir nur noch überlegen, wo und wie ich damit anfangen soll.


Kapitel 2 Keinen Fisch, bitte

Am vierten Dezember ist in dem Bildkalender von den Pfadfindern ein Schneemann hinter dem Türchen, aber unser Garten draußen ist grau, und es rieselt nicht einmal eine einsame Schneeflocke vom Himmel. Nur die Bäume bibbern im kalten Wind.

Auch Mama ist schon genervt, weil der Herbst sich so lange hinzieht und sie so oft die Fußböden wischen muss. Der Dreck will einfach nicht vor der Tür bleiben, auch wenn man ihn noch so oft ermahnt.

Heute ist Mama allerdings gar nicht genervt, denn Papa und Mama haben eine Pärchen-Verabredung.

»Wenn ich groß bin, ziehe ich zur Verabredung ein glitzerndes Abendkleid an«, sagt Taimi mit verträumtem Gesicht und bewundert sich selbst im Flurspiegel.

Mama zieht einfach eine Jacke über ihren Pulli und legt sich einen langen Schal um den Hals.

»In der Ehe braucht man keine Abendkleider«, sagt sie knapp.

»Von mir aus kannst du dich jeden Tag in Schale werfen«, sagt Papa schnell. »Ich hab nichts dagegen.«

»Ach, danke«, sagt Mama und lacht.

»Bei meiner Verabredung will ich Fallschirm springen«, verkünde ich. »Oder Bungee-Jumping machen.«

»Na, ihr habt ja Pläne«, sagt Papa lächelnd.

Da klingelt es, und wir lassen die Regenmantel-Omi rein, die uns bespaßen soll, während Mama und Papa irgendwo knutschen und Aino beim Training ist.

»Vergiss deine Hausaufgaben nicht, Hilja«, sagt Mama und wendet sich dann an die Regenmantel-Omi: »Im Kühlschrank sind Pfannkuchen für zwischendurch.«

»Jetzt geht endlich«, sage ich und schiebe Mama und Papa Richtung Haustür.

»Bis später!«, rufen die beiden.

Dann setzen sie sich ins Auto und fahren los. Wir winken noch, bis der kalte Wind uns wieder nach drinnen treibt.

»Was wollen wir machen?«, fragt die Regenmantel-Omi.

»Lasst uns Eisbären spielen!«, schlage ich vor.

Wir verwandeln das Wohnzimmer in den Nordpol. Unter dem Couchtisch ist das Bärennest. Der Fußboden ist das Eismeer, und man darf nicht darauftreten, sonst geht man unter. Taimi verteilt im Meer kleine Fische aus Holz, die wir mit magnetischen Angelruten fangen. Die Eisbären toben auf dem Teppich, spielen Verstecken und wollen, dass die Regenmantel-Omi sie sucht.

Aino hat mal erzählt, dass die Eisschollen schmelzen und die Eisbären deswegen bald kein Zuhause mehr haben. Auch die Eisbären Taimi und Hilja müssen sich jetzt ein neues Zuhause suchen, in dem es genug zu essen gibt und wo es richtig schön kalt ist.

Auf allen vieren erkunden sie das ganze Erdgeschoss und schnüffeln in allen Ecken, bis sie den Weg zur Regenmantel-Omi in die Küche finden.

»Jetzt wollen die Eisbären was essen«, verkünde ich.

»Aber keinen Fisch, bitte«, sagt Taimi.

Mamas Pfannkuchen schmecken den Eisbären. Sie essen viele, denn bis zum Abendessen ist es noch lange hin.

»Wenn wir doch Schnee hätten«, sage ich verträumt.

»Der erste Schnee lässt dieses Jahr wirklich auf sich warten«, stellt auch die Regenmantel-Omi fest.

»Wir könnten einen Schneemann bauen«, schwärmt Taimi.

»Oder zum Rodelberg gehen«, rufe ich.

»Zum Rodeln braucht man keinen Schnee«, sagt die Regenmantel-Omi spitzbübisch, und ich ahne, dass gleich etwas Lustiges passiert.

Die Regenmantel-Omi legt unsere Treppe mit Matratzen aus und fragt mich, was wir als Schlitten nehmen könnten. Ich renne ins Kinderzimmer, kippe die Bausteine auf den Boden und nehme die leere rote Kiste mit.

»Die mutige Hilja ist wie immer bereit zur Probefahrt«, verkünde ich laut und springe in die Kiste. Da ruft die Regenmantel-Omi mir zu:

»Kissen auf den Schoß und Eishockeyhelm auf den Hitzkopf!«

»Drei, zwei, eins, JETZT!«, zähle ich und rodle los.

Die Kiste schlittert über die Matratzen, bis sie in einem Kissenhaufen vor der Haustür zum Stehen kommt.


Taimi quiekt oben an der Treppe vor Aufregung und wartet ungeduldig, dass sie endlich dran ist. Mit meiner kleinen Schwester als Pilotin fliegt die Kiste geradezu den Berg herunter. Danach versuchen wir, zusammen zu rodeln, aber das funktioniert nicht, denn unsere Füße baumeln aus der Kiste heraus und bleiben an den Matratzen hängen. Wir kippen die Kiste einfach um und lassen uns kichernd den Berg herunterrollen.

Auch die Regenmantel-Omi will es einmal probieren. Sie zieht sich die Haarnadeln heraus, denn ihr Dutt passt nicht unter den Helm. Dann quetscht sie sich in den Schlitten, und Taimi und ich geben ihr Schwung.

Leider kommt genau in diesem Moment Aino nach Hause. Die Haustür, die eben noch mit den Kissen davor unsere Bremse war, öffnet sich, und die Regenmantel-Omi rauscht mitsamt der roten Kiste an der verblüfften Aino vorbei und durch die Tür nach draußen.

»Aaah!«, kreischt Aino.

»Huiiii«, ruft die Omi. Ihre grauen Locken flattern unter dem Helm im Fahrtwind.

Sie fliegt die Außentreppe hinunter und landet mit einem Klatscher mitten auf dem nassen Rasen. Taimi und ich rennen hinterher, um nach ihr zu sehen.

»Alles gut!«, ruft die Regenmantel-Omi. »Nur die Kiste ist wohl ein bisschen dreckig geworden.«

Aino möchte nicht rodeln, also verwandeln wir unseren Berg wieder in eine normale Treppe. Die Omi wischt den Schmutz von der Kiste, und ich stelle sie wieder an ihren Platz im Kinderzimmer. Sie wird ja wohl hoffentlich nichts von unseren Abenteuern verraten.

Als Mama uns ins Bett bringt, frage ich sie, was wir tun können, damit es den Eisbären nicht schlecht geht.

»Warum denkst du denn darüber nach?«, wundert sich Mama.

»Weil wir Menschen daran schuld sind, dass die Eisbären ihr Zuhause verlieren«, sage ich.

Mein Kummer lässt die Denkfalte zwischen Mamas Augenbrauen tiefer werden.

»Tja«, sagt Mama, »das stimmt.« Dann zählt sie auf: »Wir können schon was tun. Wir recyceln zum Beispiel und kaufen viele Dinge gebraucht, und ich will demnächst ganz auf Fleisch verzichten.«

»Das findet Papa bestimmt nicht gut«, gebe ich zu bedenken.

»Ich will auch weiter Würstchen essen«, sagt Taimi im Bett unter mir.

Mama stopft meinen Affen Moses unter meine Decke und streichelt mir über den Kopf.

»Würde es dir gefallen, wenn wir Mitglied in einer Naturschutzorganisation werden?«, fragt sie.

»Ja«, sage ich.

»Gut«, sagt Mama lächelnd und drückt mir einen dicken Gutenachtkuss auf die Wange. »Dann machen wir das. Und jetzt schlaft schön.«

Nachdem Mama das Licht im Kinderzimmer ausgeknipst hat, zähle ich langsam bis zehn und dann das Ganze noch einmal rückwärts. Dann mache ich unter der Bettdecke die Taschenlampe an und öffne mein Notizbuch. Auf dem Umschlag steht HILJAS GEHEIME WEIHNACHTSNOTIZEN. Ich schreibe den ersten Eintrag:

1 Man kann auch ohne Schnee rodeln.

2 Papa und Mama würden das nicht gut finden, wenn sie es wüssten.

3 Ich habe noch nicht angefangen, nach dem Weihnachtszauber zu suchen.

4 Gleich morgen fange ich damit an.


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