Kitabı oku: «Suchtfaktor Liebe», sayfa 4
Seitensprung hat in den seltensten Fällen etwas mit Sexualität zu tun, auch wenn es zu Hause nicht mehr so läuft.
Mein Lebensgefühl und meine Einstellung ist das einzige, was mich daran hindert eine erfüllende Sexualität zu leben. All das wissen wir doch genau! Trotzdem leben wir diese Szenarien, weil wir gerne andere die Verantwortung mit tragen lassen wollen. Es ist manchmal zu schwer, diese Bürde alleine zu tragen.
Ja dann lass doch den Mist! Es zwingt Dich doch keiner eine Situation herzustellen, die eine Bürde für Dich und dann auch noch für die eigentlich unbeteiligten Zweiten und Dritten darstellt. Bleib mir doch einfach vom Leib und komm erst mal mit Dir selber klar. Es ist noch nicht einmal wichtig, ob dieser Seitensprung wirklich getan ist oder nur angedacht. Ein Sprung zur Seite, neben mich. Ich stehe neben mir, an der Seite meines eigentlich gewählten Lebens.
Was macht es schon für einen Unterschied, ob das Ziel erreicht wurde oder ich kurz davor stehe. Ist es überhaupt wichtig zu wissen? Brauchen wir wirklich das Damokles-Schwert, um etwas über uns selbst zu kapieren?
Du hast mich betrogen – stimmt nicht, ich habe mich selbst betrogen. Vielmehr habe ich mir mehr Zielstrebigkeit und Umsetzungsvermögen zugetraut. Ich habe mich nicht richtig einschätzen können, aber ich hab’s versucht. Wirklich. Ich krieg’s gerade nicht besser hin. Du kannst nichts dafür.
Klar, hat nichts mit mir zu tun, logisch. Bin nur nicht mehr begehrenswert genug für Dich, dass Du eine andere brauchst. Nehme ich überhaupt nicht persönlich. Vor allem im Rahmen von Sexualität – das empfindlichste Thema überhaupt!
Ist das so? Fremdgehen ist schlimmer als Fremdlieben? Wenn Du Dich in jemand anderen verliebst, dann stehe ich hilflos daneben. Das ist kein Seitensprung mehr. Du gehst oder ich. Nichts geht mehr. Du liebst eine andere. Das ist wenigstens konsequent - die Liebe wird auf eine andere Person verlagert.
Na dann ist ein Seitensprung ja wirklich nicht so schlimm. Da geht es ja schließlich nur um Sex. Wobei sich beides nahtlos verbinden lässt, ein Schritt nach dem anderen…
Single-Dasein. Das ist eben doch das Beste vom Besten. Der Trend unserer Zeit, obwohl wir eigentlich alle etwas anderes wollen. Und wenn ich behaupte es zu genießen, ist dies nur temporär oder einfach nur gelogen. Wir lügen dann, wenn wir aus der Auszeit vom WIR eine unerträgliche Zeitspanne machen oder nicht mehr die Kurve raus und rein ins Leben bekommen. Ich bin als Single nicht alleine – ich bin eine unter Vielen und das ist oft viel zu viel für mich. Schuster bleib bei deinen Leisten. Was soll das bedeuten: Bleib bei dem was Du kannst und baue es aus. Versuche nicht immer zu tun, was nicht für Dich bestimmt ist. Erkenne Deine Bestimmung. Erkenne Dich selbst! Lehrmeisterliches Geschwätz – aber wahr. Wenn ich die unterschiedlichen Lebensphasen betrachte, sehe ich klar, ob ich sie mir mit Partner oder ohne vorgestellt habe und unter welchen Voraussetzungen. Wenn es das Leben aber nicht hergibt, ich allerdings trotzdem bei meinen Vorstellungen und Einstellungen bleibe, bleibe ich gnadenlos auf der Strecke. Selbst gewählt und gewollt. Und was ist mit Sexualität? Die spiegelt genau das wieder. Will ich das sehen? Macht Sinn für mein Glück. Bleib bei Dir und komm erst mal klar, bevor ich es ausbaden muss. Ich zerstöre lieber meine eigenen Träume, als dass Du es tun musst. Aber Dich nehme ich gleich mit, Dir zeig ich’s. Wollen mal sehen, ob es Dir nicht eine Lehre sein kann.
Vergiss es, ich hab genug mit mir selbst zu tun, als dass ich Dir helfen werde klar zu kommen. Es reicht.
Wer gibt uns eigentlich dieses Zwiegespräch immer wieder ein? Kann ich noch lachen, wenn es umso ernsthafte Themen geht, die mir in Mark und Bein gehen? Ich sollte es zumindest versuchen. Alles andere ist total überflüssig und deplatziert. Meine eigene Zerrissenheit hat mit Dir nichts zu tun. Und mit mir schon mal gar nichts. Ich bin doch ganz! Zerrissenheit ist etwas für Anfänger, die immer noch nicht verstehen wie sie funktionieren. Wie kann ich innerlich zerrissen sein, wenn ich doch für mich alleine bin? Das geht nur, wenn ich nicht für mich alleine bin. Und das hat nichts mit dem eigenen Beziehungsstatus zu tun, sondern ausschließlich mit unserer sexuellen Einstellung und Ausrichtung zu uns selbst. Bin ich eine wirkliche Frau und was macht sie aus? Entspreche ich diesem Bild, das ich mit auf den Weg bekommen habe, von den Eltern oder anderen Menschen?
Es ist eine innere Auseinandersetzung, um meine eigene innere Stimme wieder hören zu können, die zeitweise von den anderen übertönt wird. Als Streit und Gebrüll im Außen, als bescheidenes Gefühl und Gedanken im Innen – als Resignation dazwischen. Ich kann nicht mehr, deprimiert ziehe ich mich in mich zurück…
Jetzt ist aber wirklich mal Schluss! Das grenzt ja an innerem Selbstmord. Abtötung des gesamten Selbstwertes und somit der Triebe. Bedürftigkeit setzt ein. Wer kann denn da noch wirklich Lust haben. Darauf und überhaupt. Ist doch super, wenn ich mal wieder in mich gehe. Schließlich geht es genau darum. In mir ruhen heißt ja nicht das ganze „in Dir“ zu tun. In Dir kann ich nicht ruhen. Ich werde vielleicht mit Dir ruhen, wenn Du willst und kannst.
Da haben wir es – du kannst nicht, vielleicht willst Du auch gar nicht und das wirft mich aus der Bahn.
Welche Bahn denn! Langsam werde ich wirklich wütend. Was kannst Du denn dafür, wenn ich nicht auf Spur bin. Das ist doch ganz alleine meine Sache. Ich muss ja schließlich auch damit leben, was jetzt passiert. Erst werfe ich mich selbst aus der Bahn, weil ich nicht richtig hinsehe und lieber handle und rede anstatt vorher nachzudenken. Und dann sollst Du schuld sein? Das ist doch alles nicht wahr. Das ist ja ein Liebesdrama wie abgekupfert – erinnert an Vivian Leigh und Clark Gable in „Jenseits von Eden“. Genau da bin ich – Jenseits des Paradieses und selber dafür verantwortlich.
Wer frei ist von Schuld werfe den ersten Stein – und immer drauf. Jawohl! Unsere große Spielwiese ist nichts anderes als die Unterstützung unseres eigenen Selbstfindungsprozesses. Undurchlässig saugen wir unsere Erfahrungen auf und schauen mal, was sie mit uns anrichten. Dafür sammeln wir und speichern sie zuerst mal in uns. Da können sie viel besser wirken. Am besten Jahrzehnte lang. Gute Idee! Hätte von mir sein können. Sex kann auch von der Liebe ablenken. Körperliche Nähe wird hergestellt, um die menschliche Nähe vernachlässigen zu können – als Pseudo-Schutz sozusagen. Ein weiteres mögliches Motiv für den Seitensprung. Funktioniert nur nicht. Ich kann mich nicht von meiner Liebe abschneiden, soviel Dramen, Probleme, Dreck und anderes Zeug ich auch dazwischen schmeiße.
Wie wär’s denn mal mit reden? Darüber reden mit wem auch immer. Am besten natürlich mit Dir, nachdem ich mir selbst im Klaren bin, oder um mich im Gespräch mit Dir zu klären. Sexualität ist ein Mittel Aggressionen aufzulösen. Versöhnungssex ist großartig. Danach lässt sich entspannt und ruhig reden, wenn es dann noch was zu sagen gibt. Hast Du Vorbehalte dagegen? Warum nur? Es funktioniert doch.
Alles was funktioniert muss ja noch lange nicht richtig sein. Mittel zum Zweck? Ist das wirklich falsch – wenn ich doch so meine innere Verbindung zu Dir versuche zu stärken?
Das ist ein Trugschluss und funktioniert nicht langfristig. Wird Sexualität erst als Mittel eingesetzt, dann verselbständigt es sich schnell und wird funktionalisiert.
Aber auch daraus kann ich lernen. Was denn bitte? Dass es keinen Sinn macht? Erfahrungen vervollständigen zum Thema? Das muss einem doch klar sein, ohne es zu leben. Vorgetäuschte Befriedigung – was bringt das alles? Dir ein gutes Gefühl zu vermitteln, der tolle Hecht zu sein bis zu dem Zeitpunkt an dem es Dir klar wird und Du gefühlt aus dem 10ten Stockwerk auf dem Realitätsboden aufknallst und Deine Männlichkeit bis aufs Tiefste verletzt ist?
Mann kann es auch übertreiben. Identifikation ausschließlich mit meinem Geschlecht und dem Gemächt ist Unsinn. Aber was ist das anderes als die Erwartung der Frau, die einzige und ausschließliche Attraktion des Auserwählten zu sein. Er darf nicht mehr gucken, woraus sich schnell ein Spielchen der Geschlechter entwickelt.
Appetit holt „Mann“ sich draußen, Frau nicht? Ach hört doch auf. Die Brad Pitts dieser Welt, George Clooney ist nicht so mein Fall, aber Sean Connery – je älter, desto attraktiver! Wollen wir die wirklich? Nein, aber toll finden wir sie schon. Und „Mann“ darf das nicht? Nein. Die sind anders gestrickt – sexuell gesteuert. Ganz klar, ganz anders. Ich möchte für ihn die Schönste und Beste sein! Seine Liebe reicht Dir nicht? Ich will, dass er mich begehrenswert findet, auch mit 50 Kilo zu viel, einem Babybauch, in Schlamperklamotten und als Heulsuse. Mancher Mann kann, mancher nicht. Drum prüfe, wer sich ewig bindet.
Wer will das denn heutzutage noch! Alle eigentlich, es gibt nur keiner zu: Ich will geliebt werden, verehrt, nahezu vergöttert, begehrt…Wenn Du das wirklich willst, ja dann mach’s doch erst mal selber, bevor ich darf.
Ich glaube nicht, dass ich das will. Geliebt werden um jeden Preis. Von welchem Preis wird hier gesprochen? Liebe ist alles mit dem anderen teilen zu wollen. Wie war das mit dem Teilen? Zuerst komme ich klar, dann wir. Der Preis ist also, dass ich mich selbst liebe, oder dass jemand langfristig genug Liebe für beide aufbringen kann?
Ich brauche das nicht und bleibe lieber so wie ich bin. Will an mir arbeiten aber mich dadurch nicht verbiegen. Man verbiegt sich doch nicht, wenn man andere Seiten an sich wahrnimmt und das Erkannte anstelle überholter Verhaltensweisen auslebt.
Leichter gesagt als getan. Handykontrolle hier, Facebook-Check dort, muss ich überprüfen und mir bestätigen lassen, was ich bereits weiß? Ich spüre doch was läuft. Ändert es etwas an meinem Weg oder der Entscheidung, wenn ich es schwarz auf weiß sehe? Das ist gar nicht sexy. Nicht nur ein Zeichen mangelnden Vertrauens, sondern dazu noch ziemlich ab turnend. Für wen? Für beide. Du turnst mich ab durch Deine Kontrolle und ich Dich durch die Tatsache Dir Anlass oder auch nicht dafür zu geben. Es ist immer dasselbe: Es ist immer der andere. Mein eigenes Fehlverhalten wird relativiert durch Dein Verhalten. Super Vergleich und am besten streiten wir direkt noch darüber, wer angefangen hat. Die Henne, das Ei. Es bleibt schwierig und gar nicht witzig. Das ist das Übel.
Ich lieb Dich nicht, Du liebst mich nicht, aha. Darüber werden Lieder komponiert und getextet. Aber Du willst einfach nicht hören. Auf Dich höre ich schon lange nicht mehr, sonst wäre es ja gar nicht so weit gekommen, dass ich mich dermaßen erniedrigen muss dein Handy zu checken. Allein das macht mich schon wütend auf Dich. Wozu Du mich hier bringst!
Was kann ich denn dafür, wenn Du herum spinnst. Du hast mich doch hierhin getrieben. Und Lust habe ich jetzt auch keine mehr. Und das ist Deine Schuld.
Mensch Kinder, liebt euch und das nicht nur auf dem Papier! Du liebst mich, aber benimmst Dich nicht so. Ist die Luft raus? Keine Erotik mehr oder andere prickelnde Gefühle? Wie denn auch, wenn wir die Zeit damit verplempern uns gegenseitig zu misstrauen, zu beschuldigen und uns zu distanzieren.
Distanz zu Dir muss aber jetzt sein! Sonst drehe ich noch durch und schaffe es nicht mich wieder zu sortieren und neu oder anders zu positionieren.
Gib doch Zeit! Die Ungeduld ist etwas Schreckliches – so wird das nichts mit Glück… Wer will denn schon so was im Bett?
Gib doch Ruhe! Dann kann ich mich auch entspannt entscheiden, wo es jetzt lang geht.
Denkst Du wirklich ich kann nicht ohne Dich? Klar kann ich und Du auch! Aber wenn Du so weiter machst, dann will ich nicht mehr können. Heißt nicht, dass ich Dich nicht mehr will. Ich will dann für mich nicht mehr können wollen…
Was dann letztlich dasselbe ist – ich will nicht! Wie ein trotziges kleines Kind übe ich Druck aus durch eine Verweigerungs-haltung, die nichts anderes bezwecken soll als: Mach DU doch mal was – bei mir ist jetzt Schluss! Und Schluss ist nicht gleich Schluss, um das mal klar zum Ausdruck zu bringen. Frauen haben nun mal die Tendenz Nein zu sagen aber ja zu meinen – aber da musst Du Dir schon ganz sicher sein, wenn Du die Antwort umkehrst, vor allem in der Sexualität… Das könnte böse enden.
Aber Männer können das fast noch besser. Wie oft sagt ihr:“ Ja, ja, mache ich“ – und was passiert: NICHTS! Das Dumme ist nur – wir glauben es euch jedes Mal wieder und wieder und wieder. So als würden wir einfach nicht sehen wollen, worauf wir mit Nachdruck gestoßen werden. Wir sind uns so viel ähnlicher als ihr denkt, nur leben wir das in verschiedenen Bereichen aus.
Im Rahmen von Sexualität ist z. B. die Migräne der Frau gleichzusetzen mit der Impotenz des Mannes. Einer will nicht und einer kriegt Symptome. Wer? Das ist austauschbar. Wer sagt denn schon offen, ich will oder kann heute nicht. Chronische Unlust mit dem Zwang das zu ändern. Druck wird einfach verlagert. Das gibt Ärger, früher oder später. Schade eigentlich, weil es ja ein hochsensibles Thema ist, das unsere Körperlichkeit betrifft. Wir treffen einander sozusagen existenziell, weil mangelnde Sexualität die inneren und äußeren Kräfte ins Ungleichgewicht bringt oder sogar staut. Was kann ich tun? Soll ich überhaupt was tun? Trennung?
Wir interagieren doch miteinander – leben sozusagen gemeinsam die Krise! Das ist doch großartig! Heutzutage interessiert das kaum – da wird der Partner abgeschossen, wenn es Ersatz gibt oder es nicht mehr funktioniert. Dabei sind das alles Lebensphasen, die Wellenförmig verlaufen und uns lehren Wellen zu reiten. Es gibt in der ganzheitlichen Medizin nichts, was keinen seelischen Ursprung hat. Man könnte sich ja mal Hilfe suchen. Vielleicht sogar gemeinsam.
Na super – Sexualtherapie! Wo Männer ja geradezu prädestiniert sind alles was mit Therapie zu tun hat als Psychoquatsch abzutun. Reden darüber geht schwer, mit Dritten geht gar nicht. Ihr habt ja auch Recht! Das ist doch schließlich unser Bier. Was soll’s, läuft halt nix mehr im Bett. Ist doch nicht so schlimm.
Es soll ja auch noch andere Varianten geben, die die Beziehung wiederbeleben können sollen– offene Beziehung zum Beispiel. Das ist Klasse, wenn Dein Mann damit um die Ecke kommt! Super Sache, am besten Du noch mit Babybauch! Da hast Du keine Worte mehr und da ist dir eine Therapiemöglichkeit so was von egal. Da kannst Du direkt selbst hin.
Was die Sexualität angeht gibt es schon schrille Ideen, wobei es nichts gibt was es nicht gibt. Ist schon OK, aber nicht mit mir. Da gelte ich lieber als verklemmt und verstockt, anstatt mir die psychologischen Defekte meines Gegenübers im Rahmen seiner mangelnden Sensibilität allzu lange weiter anzutun. Das soll es geben.
Oder Du bist auf einmal nicht mehr erotisch, weil nicht mehr so schön wie früher. Mein Problem? Nein, kann es aber werden. Stell Dich nicht so an, Du hast doch schon ganz andere Sachen geschafft. Ja, mit dem Gedanken kann man sich immer rausziehen aus dem Schlamm. Ändert aber nichts an der Flaute im Bett. Wir müssten wieder Spaß aneinander haben, unvoreingenommen und offen und durchlässig sein. Und ganz nebenbei – lustig darf es auch sein und herzlich lachen dürfen sollte man schon. Humor ist erotisch, er muss nur derselbe sein. Irgendwie lernt man ja jemanden kennen, man flirtet, lacht, verliebt sich… und die Dinge nehmen ihren Lauf. Selten beginnt es mit Tränen und Problemen, kein guter Start, soll es aber geben.
Werbung
Ich möchte schließlich einen verständnisvollen Mann, der auch zuhören kann. Ja aber doch nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und in den ersten 10 Minuten direkt abchecken wollen, ob Haus, Heirat und Kinder gewollt und damit direkt in greifbare Nähe rücken. Überrumpelungstaktik ist interessant, allerdings würde ich nicht allzu viel auf die Antworten bauen. Eine Frau gilt als Neuerwerbung – sie will umworben sein. Er auch.
Eigentlich bin ich hierfür die Falsche, weil ich darin nie sehr gut war. Ich ging immer geradeaus und direkt drauf zu, ohne Umschweife Kontakt mit vielen Sinnen, um die Antworten auf meine provokative Fragen und Aktionen direkt zu analysieren. Hat den Vorteil, dass mein Gegenüber nicht damit rechnet und meist sehr authentisch reagiert, schon mal auch irritiert die Flucht ergreift. In den meisten Fällen kam ich drum herum umworben werden zu müssen, da es mir sehr unangenehm ist und ich dann gerne peinlich berührt reagiere. Sicherlich ist das ein Kriterium, das Männer ganz reizvoll finden. Ich nicht. Es ist mir peinlich, wenn ich umworben werde. Warum eigentlich? Weil es mir unangenehm ist so Mädchenhaft zu erröten. Das bringt mich aus der Fassung und da ist doch lieber der Mann das Opfer. Letztlich ist es egal, wer wen umwirbt. Oder nehme ich Dir etwas weg, das Du für Deine männliche Identifikation benötigst? Dein männliches Hirschtum, der Gockel, der Hengst. Ich gebe Dir Tiernamen, sieh an. Gehört womöglich auch zum vorherigen Kapitel.
Ohne Umwege zum Ziel – Werbung bedeutet anpreisen, sich selbst. Oder heißt es eher - Du willst mich haben! Da habe ich wohl mein Leben lang etwas falsch verstanden und dann wundere ich mich, dass die Traumprinzen zum Albtraum mutieren. Nun gut, ist ein wenig übertrieben. Aber da möchte ich das Spielchen umgehen und mache es meinem Auserwählten einfach und dann erwische ich die absolute Mogelpackung.
Du hast nur nicht richtig hingeschaut – offensiv ist eben doch nicht immer der Weg. Vor allem, wenn man dadurch die weibliche Intuition nicht spürt. Diejenigen, die umwerben, sind uninteressant. Wie schade, das wären sicher die Traumprinzen gewesen! Ich kenne unzählige interessante na sagen wir mal Kennenlerngeschichten. Aus den plötzlichen unerwarteten Zusammenkünften sind die langfristigsten der mir bekannten Beziehungen geworden.
Ich werbe doch nur, weil ich es nötig habe, es reizvoll finde, gerne spiele. Und da sind wir nun bei dem mittlerweile Lieblingsspielplatz der Erwachsenen, den Werbeplattformen der Single-Überdrüssigen und der nicht nur oder ausschließlich feste Beziehungssuchenden. Das Internet, ein Spielfeld der Superlative und auch der passiven Exekutive, in der jeder finden kann was er sucht, sofern er sich auf die Spielregeln einlässt.
Von wegen, hier kann jeder alles und keiner nichts. Hier sind nur die allerbesten Exemplare vertreten, auf den Straßen läuft nichts Adäquates mehr herum. Ja, glaub ich’s denn noch? Sind wir nicht alle von der Straße, oder muss ich mich jetzt auf die interaktive Welt der Matrix einlassen, die da Absolut erscheint? Geht nichts mehr ohne Netzwerk oder organisierte Partnerbeschaffung, Flirtinitiative oder one-night-dates? Ich bin begeistert! So weit haben wir es gemeinsam gebracht, dass Leute lieber abends auf der Couch versuchen Börsen zu hacken, um interessante Bekanntschaften für ihre vielfältigen Interessen zu daten. Wir lassen uns in matching points kategorisieren und über Persönlichkeitsprofile und deren Analysen gegenseitig zuordnen, was nun wie zu wem und warum passt. Ein Vorgehen, das uns dazu veranlasst unsere Visualität unserem Gespür vorzuziehen. Zumal es recht einseitige Darstellungen unserer eigenen Person für eine andere sind. Was will der andere von mir, damit er mich will? Was gebe ich Preis, was verschweige ich vorerst? Was macht mich attraktiv für den anderen? Diese Fragen und noch viele mehr treiben uns um. Und warum?
Nur damit wir das bekommen, was wir wollen – einen Mann, eine Frau, Liebe, Sex. Man muss der Typ dafür sein, sich auskennen, modern und aufgeschlossen die Hosen runter lassen. Macht nur keiner. Selten. Also was ist es dann anderes als tanzen gehen? Nur da habe ich den Vorteil die Anziehung zwischen zwei Menschen zu spüren. Ich befürchte, dass uns genau diese Fähigkeit immer mehr abhanden geht und wir nach Alternativen forschen. Absurd zu glauben, dass das wirklich dauerhaft funktionieren kann, ohne dass wir abstumpfen zu Individuen, die sich alles vorkauen lassen, weil ihr Gefühl sie zu oft betrogen hat. Wer hat hier wen betrogen. Vielleicht wollen wir aber genau das? Anstatt sich selbst zu bearbeiten und das richtige Gespür für die Liebe zu entwickeln oder wieder zu entdecken, ziehen wir uns lieber auf die vermeintliche Tatsache zurück, dass ab einem gewissen Alter das Feld abgegrast ist, die meisten sich nur noch als Getretene und als Resultat ihrer eigenen Erfahrungen wahrnehmen, oder aber einfach nur zu faul sind das Feld selbst wieder aufzurollen. Habe ich was vergessen? Seht es mir nach, es ist ja auch allzu verwirrend selbst zu urteilen.
Die Jungen müssen In sein, weil sie ansonsten am social network, ihrem neuen sozialen Leben, nicht mehr teilnehmen und das ist ein fundamentales Glied der neuen Lebenskette. Sehr traurig, dass wir Erwachsenen uns diesbezüglich für unsere Heranwachsenden nicht besser schlau machen, um Ihre Oase zu bilden für diese ganze irreale Welt, die längst schon zwingend ein Teil ihrer eigenen Realität geworden ist. Das ist ziemlich armselig, zumal uns das Lieben keiner abnehmen kann. Wer In sein will muss leiden?
Im Netz in allen Belangen schön zu sein ist ein absolutes Muss, um Shit-Storms zu vermeiden. Mobbing auf höchstem internationalem Niveau. Und das wird jetzt noch kultiviert. Wir sind doch so offen und frei, frei andere in ihre Schranken zu weisen und öffentlich zu denunzieren, bloßzustellen oder auseinander zu nehmen?
Das ist zwar nur eine der vielen Seiten der Medaille, aber darauf musst Du erst mal vorbereitet werden und sein, damit Du nicht in Fettnäpfe trittst, ungewollte Fehler passieren, nicht wieder gut zu machende Aktionen Dir und anderen das Leben schwer machen. Ein Exkurs in die interaktive Unwirklichkeit, die wir in unsere Realitäten transportiert haben.
Es gibt viele Erfolge in den Börsen – das ist nicht abzustreiten, aber sollte es dann nicht so geschehen? Und haben die meisten den oder die Partnerin nicht relativ schnell gefunden? Jemand, der sich über Gebühr lange in diesen Foren aufhält, der möchte sich dort aufhalten oder seine Werbekampagne ist unzureichend. Aber was rede ich denn da, sind es nicht alles nur Vorurteile? Na und? Die gibt’s doch nun mal auch und sie sind Teil unseres Erlebens. Lässt das nicht auch Rückschlüsse ziehen auf das Klientel, das sich dort bewegt – in den Portalen dieser Welt und auch auf den Straßen? Pro und contra? Nur weil ich eine gute Erfahrung damit gemacht habe, ist es auch auf Dich übertragbar? Nö.
Nachdem ich mich nunmehr selbst wieder einige Tage in Partnerbörsen des Internets herumgetrieben, gestöbert, angemeldet, zurechtgefunden und mehr oder minder erfolgreich das Terrain abgecheckt habe, kam ich nicht umhin mich sehr schnell wieder abmelden zu wollen. Verstehe ich nun doch nicht so recht, was so faszinierend an diesem oberflächlichen Medium sein soll, dass vorgibt, zumindest auf dem einen oder anderen Portal, seriöse Partnervermittlung zu betreiben. Also ich fand da im wahrsten Sinne des Wortes nicht nur schattierte Fotos sondern auch kurzzeitige schemenhafte Kontakte, die scheinbar bei einem interessanteren Exemplar meiner Gattung nicht einmal vorhatten sich zu verabschieden sondern zwangsläufig den Kontakt einstellten. Schließlich ist „Mann“ nicht Multi didaktisch veranlagt und muss sich konzentrieren auf das was er tut.
Liebchen, nicht so einseitig – Du warst es schließlich, die sich darauf eingelassen hat, um den eigenen Marktwert abzuchecken. Vielleicht hat „Mann“ das gespürt?
Ja, vielleicht hat er es aber auch durchschaut, dass er ward durchschaut.
Wie dem auch sei – mein Medium ist es nicht, da bleibe ich lieber Single, als in Börsen Herum zu chatten und immer wieder denselben Müll herunterzubeten, damit sich ein eventuelles Treffen arrangieren lässt. Soweit ist es bei mir willentlich gar nicht erst gekommen, da ich, entsetzt über die Tendenz des „nicht auf eine einzelne Person einlassen Wollens“, meine mühselig erstellten Profile kurzerhand wieder gelöscht habe.
Feigling! Was heißt hier Feigling, wenn ich zur Überzeugung gelangt bin, dass ich Kontakte lieber in Natura schließe, anstatt eine wie auch immer geartete Werbung über meine Person zu betreiben, die ein möglichst ansprechendes Profil über mich für Dich ergibt, damit DU auf mich aufmerksam wirst eventuell die Eine für Dich sein zu können...
Wie einseitig vielseitig und was für ein Zoo der Begierde – ernstgemeint? Oftmals sicherlich, aber wie trennst Du die Spreu vom Weizen? Wie die Mücke von der Biene? Wie sie von mir? Die Qual der Wahl haben zu müssen, was für ein Elend. Selber schuld? Auf jeden Fall.
Es zwingt uns schließlich niemand dazu uns zu outen, jemanden zu suchen geschweige denn zu finden. Wir werden überrollt von einer Welle missmutiger Singles und anderer Geschöpfe, die allen Ernstes behaupten, Beziehung sei das einzig erfüllende und vor allem legitime Lebensmodell. Warum nur ergeben wir uns dieser Farce? Stehen wir auf, wir (oftmals) Rebellen der 70er, moderne Gerne-Alleinleber, Spießertum-überdrüssig-Seier und Konsorten, Sesselpupser-Nicht-sein-Woller und vor allen Dingen Auf-jeden-Fall-und-für-immer-Selbstbestimmer. Wer will so was und vor allem so jemanden? Also ich jedenfalls nicht. Keinen Möchte-gern-Aufsteher aber trotzdem Sitzenbleiber. Keinen Cool-in-der-Ecke-Steher-und-Gucker anstatt Selbst-Ansprecher. Keinen Profile-Checker, der meist selbst nicht so viel zu bieten hat, wie seine eigenen Ansprüche ihm weismachen wollen. Das gilt im Übrigen übertragen für die gesamte Spezies Mensch unabhängig der sexuellen Orientierung. So wird das nix und vor allem werden wir frustriert doch im Tal der Singles untergehen. Es sei denn wir machen uns auf den Weg wirklich Werbung für uns zu machen – lächeln wir jemanden an im Supermarkt, helfen wir der älteren Frau bitte nur über die Straße wenn sie auch wirklich will, begeben wir uns kinderlos auf Spielplätze, um unsere Kinderfreundlichkeit zu untermauern. Sind wir es nicht, kinderfreundlich, dann bitte nicht so tun als ob. Das will kein Mensch. Aufhören mit verbogener Werbung und unserer eigenen inneren und äußeren Verbiegung. Niemand möchte den Wolf im Schafspelz, den Kinderhasser als Ziehpapa, die Walküre als Hausmutti. Sein wir stolz auf das was wir wirklich sind, seien wir echt und ehrlich. Und wenn schon nicht den anderen gegenüber, dann doch wenigstens uns selbst.
Eine Single-Börse ist und bleibt eine Single-Börse und kein Eheanbahnungsinstitut und hat auch nicht den Anspruch auf ehrliche Fakten. Auch dies wird – wie alles andere – oftmals missbräuchlich gehandhabt und macht dann alles andere als glücklich. Wenden wir uns doch endlich wieder den realen Körpern zu, die in der virtuellen Wahrheit nicht zum Zuge kommen. Gehen wir mal wieder aus. Mit wem? Mit uns – und wenn nötig oder nicht anders möglich gerne auch alleine! Frauen, wir wollen immer emanzipiert dastehen, karrierebewusst alles inklusive Haushalt und sogar Kinder gegebenenfalls alleine hinkriegen, aber ein Lokal alleine zu betreten ist nichts für euch?
Wenn wir doch so taff sind, warum nicht auch das! Was ist aus den Männern geworden, die Frauen angeblich verstehen und doch nicht zum Zuge kommen? Ein bisschen weniger cool und ein wenig mehr Mann, ein bisschen weniger emanzipiert und ein bisschen mehr Frau. Das wär’s doch, oder? Aber wie sollten wir eine Entwicklung aufhalten können, die uns vorgaukelt, was schön und gut ist und was nicht! Wir sind das Volk! Kommt mir irgendwie bekannt vor...
Suchtfaktor Liebe – haben wir das wirklich nötig? Scheint so – ich finde es jedenfalls toll mit einem Mann zusammen zu sein. Da ist auch nichts gegen einzuwenden, wenn wir da nicht in eine Abhängigkeit geraten, die uns unfrei entscheiden lässt. Sind wir überhaupt noch in der Lage wirkliche Herzensentscheidungen zu treffen?
In keinem Fall sollten wir Neues überbewerten und unsere gesamte Existenz und unser Wohlbefinden davon abhängig machen.
Ja, wir sind süchtig nach Liebe. Eigentlich haben wir vergessen was das bedeutet – Liebe. So sehr sind wir abgelenkt von dem Weg, der uns dorthin bringen soll, dass wir etwas Wesentliches übersehen: Eine Mail hat keinen Unterton, eine SMS transportiert keine Gefühle, ein Portraitfoto ist kein Gesicht. Alles was wir über ein drittes Medium anstatt auf direktem Wege übermittelt bekommen bedarf unserer eigenen Interpretation. Wir geheimnissen in jedes geschriebene Wort, in alles Visuelle unsere eigenen Emotionen hinein, weil diese fehlen. Erst der direkte Kontakt macht wahr. Alles vorher ist Geplänkel und kann ziemlich heftig in die Hose gehen.
Aber es gibt da auch was Gutes zu berichten – es ist ein geschützter Bereich, in dem wir uns in Partner-Werbebörsen bewegen. Dafür bezahlen wir ja auch.
Solch ein Schutz ist in Natura anders zu gewährleisten. Was macht diese Form der Anbahnung mit uns, wenn es zum zigsten Male nicht geklappt hat? Wir alleine auf unserem Sofa, geknickt und einsam, weitere Chat-Versuche und die Spirale dreht sich weiter...
Zu Hause sieht es keiner, dass wir uns so fühlen wie wir uns fühlen. Aber warum verstecken? Die Schneckenhäuser bringen uns nicht weiter.
Von wem wir hier noch gar nicht gesprochen haben sind diejenigen, die sowieso kein Problem mit der Kontaktaufnahme haben – die haben jetzt noch ein zusätzliches Spielfeld dazugewonnen, welches ihnen unkompliziert ermöglicht auf mehreren Hochzeiten zu tanzen. Man ist mittlerweile eifersüchtig auf SMSen, Internetkontakte, virtuelle Treffen. Für bestehende feste Beziehungen eine zusätzliche neue Herausforderung. Wir werden wieder mit unseren ursprünglichen jedoch abgelegt geglaubten Kontrollmechanismen konfrontiert. Misstrauen wächst. Vertrauen bedeutet heute mehr denn je, dem oder der Liebsten seinen privaten Account zu öffnen, Handys offen liegen zu lassen und zu akzeptieren, dass die eigene Privatsphäre keine mehr sein darf. Und warum das Ganze? Weil wir alle zu blöde sind zu erkennen, was diese neuartigen Formen der Kommunikation eigentlich in unserem Sozialverhalten bewirken – wir trennen uns temporär von unserer zwischenmenschlichen Realität, auch der Realität bewusst im Hier und Jetzt zu leben, eine reale Beziehung zu führen. Was ist mit der Beziehung zu uns selbst? Bewerbe ich durch solche Profile und Verhaltensweisen wirklich mein wahres Selbst, oder bin ich damit auch schon ein Abklatsch, eine Werbekampagne, eine Flucht aus meinem Leben, eine virtuelle Person unter dem Deckmantel einer Chiffre?
