Kitabı oku: «Wellen meines Lebens», sayfa 2
Dann fuhren wir mal mit der Straßenbahn. Als Kind wird man ja zur Ordnung und Ehrlichkeit erzogen. Meine Mutter hatte einen Sitzplatz. Meine Schwester und ich saßen auf ihrem Schoß. Da meine Schwester quengelte, gab meine Mutter ihr einen Keks. Als wir dann ausstiegen, fiel der Keks runter. Meine Mutter schob ihn mit dem Fuß unter die Sitzbank, da keine Zeit mehr war, ihn aufzuheben. Sonst wäre die Bahn wieder angefahren und wir hätten die Station verpasst. Zur Ordnung erzogen, verstand ich diese Handlungsweise meiner Mutter nun gar nicht und brachte das auch lautstark zum Ausdruck. Die Bahn war voll und meine Mutter völlig blamiert.
Mit meiner Schwester verstand ich mich selten gut. Ich fühlte mich von Anfang an weniger geliebt und beachtet. Darum hatte ich wohl auch so eine enge Bindung zu meiner Oma. Oft verpetzte meine Schwester mich oder ich bekam Strafen, da ich ja die Ältere war und auf sie aufpassen musste. Sie machte aber auch nicht immer das, was ich ihr sagte. So kam es, dass ich auch oft um Anerkennung bei meinen Eltern ringen musste. Mit 11 Jahren wusch ich häufig Wäsche, bügelte oder saugte Staub, damit meine Mutter, die viel arbeitete, Zeit für uns hatte und was mit uns unternehmen konnte. Klar bemerkte meine Mutter meine Aktivitäten im Haushalt und lobte mich auch dafür, aber das war es dann auch.
Meine Liebe zu Tieren kam bei mir schon sehr früh zum Vorschein. Mit 5 Jahren bekam ich zum Geburtstag einen Puppenwagen mit Puppe geschenkt. Ich durfte bei schönem Wetter auch draußen damit fahren. Unserer Wohnung gegenüber auf der Straße lag ein großer Findling, unter dem sich gerne mal Eidechsen und Frösche versteckten. Eines Tages fingen wir so eine Kröte. Ich setzte meine Puppe in die Ecke an der Haustür und legte den Frosch in den Wagen und fuhr ihn spazieren. Als meine Mutter von der Arbeit kam, freute sie sich über mein Spiel mit dem Puppenwagen und wollte gern auch mein Püppchen im Wagen sehen. Aber als sie dann das Kissen zurückzog und den Frosch sah, überkam sie das blanke Entsetzen, denn sie mochte Reptilien ganz und gar nicht. Sofort war mein Ausflug mit Frosch vorbei, und ich musste ihn wieder ins Gras setzen.
Einen Vorfall mit einer Eidechse gab es dann noch. Ich war noch etwas jünger. Wir fuhren mit dem Trabant nach Warin, meine andere Oma besuchen. In einer Streichholzschachtel hatte ich eine Eidechse gefangen, die ich mitnahm. Vorsorglich hatte ich Luftlöcher in die Streichholzschachtel gestanzt. Aber ich wollte dann doch mal sehen, ob es ihr gut ging. Ich hatte dem Tier auch 2 gefangene Fliegen mit hineingelegt. Nur hatte ich zu dem Zeitpunkt etwas Streit mit meiner Schwester im Auto. Das nervte meine Eltern schon eine ganze Weile. Als ich mich dann nach einer Ermahnung meines Vaters zurückzog, spielte meine Schwester ihren Trumpf aus und erwähnte die Eidechse. Meine Mutter glaubte an einen schlechten Scherz, aber als sie die Eidechse sehen wollte, rastete sie bei dem Anblick total aus. Mein Vater sollte anhalten, das ging aber wegen des Halteverbotes nicht. Voller Angst steuerten wir dann den nächsten Wald an, wo ich die Eidechse aussetzen musste. Meine Schwester lachte schadenfroh in sich hinein. Ich heulte wie ein Wasserfall um das Leben der Eidechse.
Aber als wir dann bei meiner Oma angekommen waren, nahm ich mich junger Katzen an. Als wir wieder heimfuhren, vergewisserte sich meine Mutter ganz genau, ob ich nicht eine Katze versteckt hatte. Hatte ich aber nicht, damit nicht noch ein weiteres Tier sein Zuhause verlor.
Haustiere durften wir nicht halten.
Mit 7 Jahren kam ich dann zur Schule. Da diese ganz in der Nähe unserer Wohnung war, konnte ich immer „Schlüsselkind“ sein und brauchte nie in den Hort zu gehen. Ich konnte nach der Schule immer gleich nach Hause gehen. Mittagessen wurde in der Schulspeisung angeboten.
Lecker war das nicht immer, darum ließ ich auch die eine oder andere Essensmarke heimlich verfallen.
Von den Fächern haben mir Werken, Sport, Deutsch und später Sprachen und Naturwissenschaften viel Spaß gemacht. Ich war sehr wissensdurstig und ehrgeizig. Schon früh habe ich schnell das Lesen gelernt, weil ich gerne Bücher alleine und schnell lesen wollte. Wir hatten eine schuleigene Bibliothek, in der ich Stammgast war.
Erst waren Märchen meine Welt, später kamen dann Indianerbücher, wie die 3 dicken Bände von „Liselotte Welskopf-Henrich“ hinzu. Zur gleichen Zeit wurden von der „DEFA“ nach diesen Buchvorlagen auch Indianerfilme gedreht. Ich ließ natürlich keinen Kinobesuch aus, als die Filme erschienen. Als ich dann später auch im „Westfernsehen“ die Lederstrumpffilme mit Pierre Brice sah, erkannte ich erst, wie viel wahre Geschichte in den Ostverfilmungen mit dem Hauptdarsteller Gojko Mitic war. Sehr viel später im Leben lernte ich sogar den Schauspieler noch kennen bei einer Veranstaltung, in der er über seine Karriere sprach und Fragen der Zuschauer beantwortete. Das war für mich ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Denn er erzählte auch, dass sehr viel der Geschichten nah an der Realität waren, was ihm echte Indianer der heutigen Zeit bei seinem Besuch in Kanada bestätigt hatten. Die Lederstrumpferzählungen von Karl May waren zum größten Teil erfunden, da dieser selbst nie in Indianergebieten gewesen war.
Von Beginn an hatte ich immer gute Zeugnisse und gute Beurteilungen. Ich war nicht die beste Schülerin, sondern immer gutes Mittelmaß.
Da mein Vater seinen Hobbys großen Anteil seiner Zeit schenkte und auch die ganze Familie daran teilhaben ließ, genossen wir auch sonst eine umfangreiche Erziehung, die uns später im Leben viel nützte. Mein Vater reparierte gerne Autos. Unseren 1. Trabant bekamen wir, wie schon erwähnt, 1962 nach 8-jähriger Wartezeit. Es war ein 600 Modell. Ersatzteile waren noch relativ gut zu bekommen in der ersten Zeit, später dann nicht mehr, sodass man dann schon viel improvisieren musste. Ich musste viel mithelfen in der Garage, da nicht alle Arbeiten und Reparaturen allein gemacht werden konnten. So verstand ich schon recht früh, wie man Räder wechselte, einen Wagen hochhob, Zündkerzen wechselte und einen defekten Keilriemen mittels einer Damenstrumpfhose ersetzte. Das machte mir auch viel Spaß, denn vom Kochen und Backen und sonstiger Hausarbeit hielt ich nicht sehr viel.
Ein weiteres Hobby meines Vaters war das Reparieren von Fernsehern, Radios und Tonbandgeräten. Wenn zur Probe manchmal 4 oder mehr Fernseher das Staubsaugen im Wohnzimmer behinderten, fand meine Mutter das nicht mehr so toll. Aber eine „Hand wäscht die andere“ war damals das Motto und mache aus „Schei… Bonbons“. Westfernsehen oder feindliche Sender mit Musik im Radio zu hören, war damals streng verboten. Keiner wusste genau, ob er von der Stasi bespitzelt wurde. Später erfuhr ich, dass sogar Eheleute oder beste Freunde sich heimlich bespitzelt hatten und der eine vom anderen das nicht wusste. Meine Mutter arbeitete zu der Zeit beim FDGB als Sachbearbeiterin unter Harry Tisch. Zur Wendezeit erfuhr ich, dass gerade der ein ganz gefährlicher Verräter war. Ich nehme mal an, dass auch meine Eltern bespitzelt wurden. Einmal bekam ich so am Rande mit, dass die Kölner Freundin meiner Oma kurz vor der Wende einen Ausflug nach Berlin machte. Da ein Treffen oder überhaupt der Kontakt mit westdeutschen Menschen streng verboten war, wollten meine Eltern nach langen Jahren ein Wiedersehen auf diese Art und Weise organisieren. Aber die Stasi erfuhr, wie auch immer, davon, und unterband es. Mein Vater war in der Konstruktion im Schiffbau auf der Werft beschäftigt und musste die Jungfernfahrt der ersten Fähre nach Schweden mitmachen. Meine Mutter durfte auch mit, aber beide durften natürlich nicht von Bord, da Schweden auch kapitalistisches Ausland war. Mein Vater musste dann während der Fahrt schauen, ob die Technik funktionierte im Klima- und Kältebereich.
Meine Mutter bekam aber von der Reise nicht viel mit, da sie von Beginn der Reise an sehr seekrank war.
Mein Vater war auch ein großer Freund der Volksmusik. Er hatte in seiner Jugendzeit in der Kirche Waldhorn geblasen. Das Instrument war aber während des Krieges bei der Flucht verloren gegangen. Dann hatte er sich auf Blockflöte und Mandoline spezialisiert. Alles nur für den Hausgebrauch und zu Zeiten nach seinem Studium, denn vorher war natürlich nie Zeit für solche Dinge. In der ersten Klasse kamen Leute vom Konservatorium und warben um talentierte Kinder in den Schulen zum Besuch der Musikschule. Bereits in der 1. Klasse nahm ich am Blockflötenunterricht teil. Ich beherrschte das Instrument auch ganz gut. Die Auswahl der zu erlernenden Instrumente belief sich auf Geige, Trompete und Akkordeon. Geige und Trompete kamen allein wegen der Lautstärke nicht infrage, aber Akkordeon war eine Option. Wir besprachen das zu Hause im Familienrat. Gitarre wäre mein Wunsch gewesen, aber die Kurse waren voll.
So absolvierte ich ein halbes Jahr Probezeit und wurde dann auch zur Aufnahmeprüfung zugelassen.
Ich war 8 Jahre alt. Mein Vater oder auch meine Mutter begleiteten mich immer zur Musikstunde. Das Konservatorium befand sich am anderen Ende unserer Stadt und man musste mit dem Bus von Endstation zur Endstation fahren. Ein Instrument bekam ich zum Üben für zu Hause ausgeliehen. Meinen Vater konnte ich immer mit guten Leistungen und mit neu eingeübten Musikstücken auf dem Akkordeon begeistern. Davon hing auch zum größten Teil später ab, ob ich mit den anderen Kindern des Hauses zum Spielen raus durfte oder später nachmittags mit meiner Freundin zur Disco gehen durfte. Da ich in der Theorie in der Musikschule auch das Notenlesen und nach Noten spielen erlernt hatte, bekam ich häufig zu Weihnachten oder zum Geburtstag Notenhefte von meinem Vater geschenkt, woraus er mir dann die Lieder aussuchte, die ich in einer Woche neben den Übungssachen der Musikschule können musste. Da ich da sehr ehrgeizig war, strengte ich mich mächtig an, um an den Samstagen alles fehlerfrei vorspielen zu können.
Noch ein weiterer Vorfall fällt mir gerade ein:
Es war die Weihnachtszeit und meine Schwester und ich hatten zu Weihnachten Gleitschuhe bekommen. Jedes Jahr zur Winterzeit wurde auf dem Wäscheplatz auf dem Hof eine Eisbahn hergestellt. Dort konnten wir Kinder dann Schlittschuh laufen, damit wir nicht auf die Teiche gehen sollten und da einbrechen konnten. Durch Unachtsamkeit rutschte ich aus und fiel auf mein linkes Handgelenk. Nächster Tag war die Aufnahmeprüfung in der Musikschule. Meine Eltern wollten mit mir zum Arzt. Aber instinktiv fühlte ich, dass mit dem Handgelenk doch was Ernsteres passiert war. Ich wollte nicht zum Arzt, weil ich dann die Prüfung verpasst hätte und alle Arbeit umsonst gewesen wäre. Also gaben meine Eltern nach. Am nächsten Tag waren die Schmerzen noch stärker geworden und das Handgelenk geschwollen. Ich zog schnell etwas Langärmeliges an, um das zu vertuschen. Dann absolvierte ich die Prüfung und bestand. Danach flossen aber doch die Tränen und meine Eltern fuhren mit mir zur Notaufnahme. Die Röntgenaufnahmen bestätigten, dass das Handgelenk angebrochen war.
Zur nächsten Unterrichtsstunde fuhr mein Vater mit mir mit einer Gipsschiene hin. Mein Lehrer fiel aus allen Wolken und fragte, was los sei. Und als er dann erfuhr, dass ich zur Prüfung mit angebrochenem Handgelenk gespielt hatte, bewunderte er meinen Willen und meinen Ehrgeiz.
Ich erlernte dann 6 Jahre lang das Akkordeonspiel an der Musikschule. An vielen Auftritten, Prüfungen und Vorspielen war ich immer mit Begeisterung dabei. Aber die Zeit war auch kein Zuckerschlecken. Ich hatte einen sehr strengen Lehrer der alten Schule, der sehr viel verlangte. Häufig liefen auch die Tränen, wenn er meine Finger auf die Tasten drückte, dass es schmerzte, wenn was nicht so schnell klappte. Meine Abschlussprüfung absolvierte ich in der Aula der Universität zu Rostock. Die theoretischen Prüfungen (Notenlehre, Komponisten der Epochen usw.) waren der praktischen Prüfung schon vorausgegangen und von mir mit Bravour bestanden worden. Es war eine wundervolle Akustik in der Aula. Wir Prüflinge waren alle sehr aufgeregt, denn der Saal war voll. Es durften neben den Eltern und Lehrern auch weitere Verwandte und Gäste dabei sein. Ich hatte 2 klassische Titel von Bach, meinem Lieblingskomponisten, zu spielen. Durch Vorhandensein von 13 Registern im Diskant und 5 Registern im Bass konnte man ein Akkordeon den Klängen einer Orgel angleichen. Und dazu noch das klassische „Präludium“ und die dazugehörige „Fuge“ von J. S. Bach waren ein wahrer Ohrenschmaus. Ich musste die beiden Werke auswendig spielen. Aber ich bekam super Kritiken für meinen Vortrag und schloss die 6 Jahre Grundausbildung mit der Note „Gut“ ab, was alle sehr stolz machte.
Als ich dann aber in der 8. Klasse doch schon mal meinen Berufswunsch in Erwägung zog, wo ich doch keine Verwendung für das Akkordeonspielen hatte, wurde ich Mitglied im gemischten Orchester der Deutschen Post für 2 Jahre. Das Orchester bestand aus Amateurmusikern mit Instrumenten wie Geige, Fagott, Trompete, Bass, Akkordeons, Oboen, Klarinetten und Gitarren.
Wir spielten verschiedene Genres, Volksmusik, klassische Musik, und vieles mehr. Wir hatten Auftritte auf Volksfesten, aber auch in Konzerthallen oder Open Air. Es war eine schöne Zeit. Als ich dann meine Lehre in der Landwirtschaft begann, beendete ich die Mitgliedschaft im Orchester. Ich hatte mir aber auch einen kleinen Vorteil während der Orchestermitgliedschaft geschaffen. Ich konnte kostenlos von einem der Mitglieder das Gitarre spielen erlernen. Später in der Lehrzeit ergänzte ich diese Kenntnisse und Fähigkeiten noch, kaufte mir eine gebrauchte eigene Gitarre, und wir Lehrlinge gründeten eine Musikgruppe.
Mein Vater hatte mit meinem Besuch der Musikschule eigentlich das Ziel verfolgt, dass ich mal berufsmäßig in der Branche als Musikpädagogin arbeiten sollte. Aber dazu hätte man studieren müssen, und das war nicht möglich. Meine Mutter hätte mich gerne im Büro gesehen. Aber das kam für mich gar nicht infrage. Ich wollte was mit Tieren machen und wo ich viel körperliche Bewegung hätte.
In der Schule war Deutsch eines meiner Lieblingsfächer, besonders das Aufsatzschreiben. Immer nach den Ferien mussten wir unsere besten Erlebnisse niederschreiben. Ich schrieb immer ganze Romane. Manche wurden dann vor der Klasse vorgelesen. Einige waren auch richtige Lachnummern, wenn mir in der knappen Zeit die richtigen Wörter und Begriffe nicht sofort einfielen. Ich hielt mich dann nicht lange an der Wortsuche auf, sondern versuchte, den Begriff so verständlich wie möglich zu machen und bildlich darzustellen. So war ich in den Ferien bei meiner Tante zu Besuch gewesen. Sie besaß einen Zwergpudel, mit dem ich auch spazieren gehen durfte. Nun fiel mir der Begriff „Zwergpudel“ nicht gleich ein. Kurzerhand nannte ich das Tier dann „Kurzbeinpudel“. Das war natürlich total peinlich, weil sich die ganze Klasse darüber köstlich amüsierte, Aber jeder wusste, was gemeint war.
Als wir älter wurden, war der Puppenwagen überflüssig. Und da man, um „Westfernsehen“ sehen zu können, eine Antenne brauchte, die aber nicht sichtbar sein durfte, baute mein Vater kurzerhand aus dem Aluminiumgestänge des Puppenwagens eine Antenne. Da wir im oberen Stockwerk eines Mehrfamilienneubaus wohnten und der Trockenboden über uns war, war es nicht schwer, auch die Kabelverbindungen zwischen Fernseher und Antenne zu installieren. Auf dem Boden hatten wir auch eine Tischtennisplatte aufgestellt, an der wir uns häufig sportlich betätigten. Das Rollschuhlaufen auf dem Boden fanden die Hausbewohner wegen der Lärmbelästigung dann aber nicht so toll. Tischtennisspielen war aber angebracht.
Wir hatten sehr viel Spaß dabei. Wenn es geregnet hatte, verbrachten wir unsere Wochenenden auch mit Kartenspielen. Mein Vater war leidenschaftlicher Skat-Freund. Oft hatte er bei Skatturnieren mit seinen Kollegen den Sonntagsbraten oder eine leckere ungarische Salami gewonnen. Meine Mutter hatte das Skatspiel so leidlich auch gelernt. Ich fand auch großen Spaß daran und lernte es schon mit 12 Jahren. Später brachte ich es dann auch meinem Sohn bei. Wir räumten bei den Skatturnieren, an denen wir mit der ganzen Familie teilnahmen, dann häufig die Preise ab. Auch meine Partner später waren leidenschaftliche Skatspieler.
Was auch sehr lehrreich fürs Leben war, wir spielten mit kleinen Autos Vorfahrtsituationen mit der ganzen Familie durch. Mein Vater und ich hatten aus Papier einige Schilder und Straßenzüge gebastelt. Meine Schwester bastelte Bäume oder Häuser dazu.
Dann bauten wir das alles auf dem Tisch auf, konstruierten bekannte Straßenzüge unserer Umgebung und lernten dann, wer mit seinem Auto wann fahren durfte. Auch das machte einen Riesenspaß und half mir später beim Erwerb der Fahrerlaubnis viel weiter. Als Radfahrer mussten wir ja auch schon früh Straßensituationen und Vorfahrtsregeln kennen, wollten wir am regen Straßenverkehr teilnehmen.
Gegenüber unserer Wohnung stand ein Hochhaus mit vielen 1-Raumwohnungen, meistens von allein stehenden älteren Frauen bewohnt. Das Hochhaus mit 11 Stockwerken hatte zur Westseite eine schöne glatte große Betonplattform. Diese eignete sich sehr gut zum Rollschuhfahren, was wir auch viel nutzten. Wir waren auch als Stadtkinder viel an der frischen Luft und wussten uns immer zu beschäftigen. Auch das sogenannte „Brummern“ war auf dieser Plattform sehr gut möglich. Dabei bringt man einen pyramidenförmigen Holzkreisel mit der Spitze zum Boden zum Drehen und hält ihn mit einer kurzen Lederpeitsche in Drehbewegung. Wessen Kreisel sich am längsten drehte, der war Sieger. Oder „Gummitwist“ war auch ein beliebter Zeitvertreib.
Zu Geburtstagen oder auch zur Faschingszeit organisierten unsere Eltern für alle Kinder der Hausgemeinschaft Feste im Trockenraum. Vorher gingen wir Flaschen, Gläser und Altpapier sammeln und machten diese an den wöchentlichen Sammelstellen zu Geld, um Girlanden, Ballons und Naschwerk zu bezahlen. Unsere Eltern steuerten dann Kinderbowle, Musik, Gesellschaftsspiele und Gebäck zu. Beim Altstoffsammeln war der Höhepunkt das Fahren mit dem Fahrstuhl im Hochhaus. Die alten Menschen freuten sich über die Abholung der Sachen und öffneten uns bereitwillig die sonst verschlossenen Flurtüren, um ins Hochhaus hineinzukommen.
Ab der 6. Klasse wurde uns in der Schule eine Zusatzausbildung zum Kampfrichter in der Leichtathletik angeboten. Jedes Jahr kämpften die besten Sportlerinnen und Sportler aller Altersklassen in den Rubriken der Leichtathletik um beste Ergebnisse in der „Kinder- und Jugendspartakiade“, die jährlich bis zum Landesvergleich ausgetragen wurde im hiesigen „Ostseestadion“.
Dazu mussten wir die Regeln in den verschiedenen Disziplinen erlernen. Dazu gehörten Langlauf, Sprint, Staffellauf, Weit- und Hochsprung, Dreisprung und Kugelstoßen. Zuerst wurden wir als Anfänger nur zu Hilfsarbeiten, wie Harken, Abmessen der Entfernungen und Einstellen der Sprunglatten, eingesetzt. Wir sollten Erfahrungen sammeln, um dann später auch die verantwortungsvolleren Aufgaben, wie Listenschreiben, Zeitnehmen und Meldetätigkeiten, zu übernehmen. Bei jedem Einsatz bekamen wir auch ein wenig Geld. Am meisten gab es bei der dreitägigen Spartakiade. Ich gewann viele Einblicke auch bei den Qualifikationswettkämpfen und sah bald, was für einen Willen und Ehrgeiz es bedurfte, um große Leistungen zu erzielen. Aber auch traurige Momente gab es, wenn erstrebte Ziele nicht erreicht wurden, oder es bei Übertreten der Linien z. B. beim Weitsprung zum Ausscheiden kam. Da flossen schon mal die Tränen. Der Zusammenhalt und der Teamgeist der einzelnen Mannschaften und Riegen beeindruckten mich dabei immer sehr.
Mit dem Kampfrichtergeld erfüllte ich mir zusätzlich mit dem Taschengeld so manchen Wunsch.
Als ich 12 Jahre alt war, zog in unserer Nachbarschaft eine Familie mit einem Baby ein. Meine Freundin aus dem Haus und ich freundeten uns mit der jungen Mutter an und fragten, ob wir das Baby nachmittags abwechselnd oder zusammen ausfahren dürften. Sie hatte nichts dagegen. Als das Baby dann älter wurde, spielten wir viel mit ihm, brachten ihm das Sprechen bei und hatten viel Spaß miteinander.
Wir haben jetzt Anfang Januar 2021. Der Jahreswechsel war sehr einsam. Sämtliche Veranstaltungen fielen aus. Die Gaststätten und Restaurants sind schon eine ganze Weile geschlossen. Wir befinden uns nun schon 9 Monate in dieser Pandemie und es wird immer schlimmer. Viele Menschen infizieren sich, alte Menschen sterben an der „Covid 19“ Pandemie. Meine Familie und Verwandtschaft ist zum Glück bis jetzt noch verschont geblieben. Aber die Angst geht um. Man soll sich von jedem fernhalten und man muss Masken tragen, was die Atmung sehr behindert. Aber heute habe ich wieder gute Einfälle, was man aus der Jugendzeit so berichten könnte. Und dann schreite ich zur Tat.
2. Kapitel - Meine Jugendzeit
In der 8. Klasse war wieder so ein Wendepunkt in meinem Leben. Ich hatte 2 beste Freundinnen in der Klasse. Ansonsten war ich eher ein Einzelgänger. Die Leistungen beider Mädchen reichten leider nicht dazu, den Abschluss der 10. Klasse zu schaffen. Sie gingen von der 8. Klasse ab und begannen ihre Lehre. Die eine wurde Verkäuferin. Die andere Freundin erlernte den Beruf einer Schneiderin. In unserer Freizeit unternahmen wir viel gemeinsam während der gemeinsamen Schulzeit. Kinobesuche, Besuche im Wellenbad, Radtouren und Stadtbummel waren angesagt.
Unweit unserer Wohnungen, man musste nur ein paar Stationen mit dem Bus fahren, gab es Gaststätten, die Nachmittags Discomusik und Tanz von 14.00 Uhr bis 17.30 Uhr für Jugendliche ab 14 Jahren anboten, das sogenannte „Ferkelrennen“. Es wurden 60 % Ostmusik und 40 % Westmusik gespielt vom Band. (Manchmal auch umgekehrt) Da waren wir an den Wochenenden meistens Stammgast. Alkohol gab es auch in kleinen Mengen, aber da wurde gut aufgepasst, dass keiner zu viel trank.
Wir waren ein Superdreiergespann. Zu Diskos in der Schule und auch in der Freizeit waren wir dann immer auch auf Jungen-Suche und freuten uns, wenn mal eine leichte Freundschaft sich anbahnte. Wir konnten über alles reden und hielten auch gut zusammen in allen anderen Situationen. In geheimer Zeichensprache half ich ihnen bei Klassenarbeiten, wenn sie mal was nicht wussten.
Nun war ich allein und am Boden zerstört als ich erfuhr, dass alle beide die Schule verließen.
Die Zeit meiner Pubertät begann, und ich wurde immer zickiger und unleidlicher.
Auch war ich mit meiner Figur so gar nicht einverstanden. Zu der Zeit gastierten auch häufig Zirkusse in unserer Stadt. Ich ließ keine Vorstellung aus und verfolgte die Vorstellung, beruflich beim Zirkus mitzumachen, als Tierpfleger und Mädchen für alles im Hintergrund.
Dazu wollte ich erst mal hart an mir arbeiten und abnehmen. So baute ich mich auf und lief jeden Abend mehr Runden und in schnellerem Tempo auf dem Sportplatz. Zusätzlich stachelten mich die Fernsehsendungen „Jockey Monika“, welche nach den Romanen über ein Mädchen, welches zu DDR-Zeiten Jockey werden wollte (von der Autorin Sieglinde Dick geschrieben, die das alles wirklich durchgemacht hatte) nachempfunden waren, an.
Beharrlichkeit, Disziplin und Durchhaltevermögen wurden dann zu meinen grundsätzlichen Charaktereigenschaften in dieser Zeit, die mich auch weiter mein ganzes Leben begleiten sollten. Die Bücher von der Autorin „Sieglinde Dick“ (3 an der Zahl) las ich sehr häufig durch, um mich immer wieder zu motivieren. Aber auch der harte Musikunterricht bei meinem Akkordeon-Lehrer trug zur Festigung meiner künftigen Charaktereigenschaften bei. Die Hartnäckigkeit meines Vaters bei den Schulübungen tat ihr Übriges. Meine Eltern rieten mir aber doch ab von meinem Zirkusvorhaben, wofür ich ihnen im Nachhinein dann auch dankbar war.
In der 8. Klasse hatten wir Jugendweihe. Im Vorfeld mussten wir allerhand Jugendstunden absolvieren. Da ging es dann vorrangig um Aufbau der sozialistischen Jugend nach den Lehren von Marx, Engels und Lenin. Aber auch einen Besuch im KZ Dachau, einen Besuch in der Sternwarte, Besuche an anderen lehrreichen Orten und Museen waren Inhalte dieser Stunden. Auch verschiedene Betriebsbesichtigungen machten wir, um uns für das weitere Leben und unsere Berufswahl zu orientieren. Im UTP (Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion) bekamen wir im Überseehafen in den verschiedenen Abteilungen Kenntnisse und Fähigkeiten in den Bereichen des Tischlerns, Drehens, der Mechanik und der Kfz-Branche vermittelt. Trotzdem wir nur Hilfsarbeiten machen durften, waren das doch auch Hilfen für das spätere Leben, und es hat Spaß gemacht, dort zu arbeiten alle 14 Tage.
Die feierliche Abhandlung der Jugendweihe fand dann im Volkstheater statt. Vorher galt es aber, passende Kleidung für diesen Tag zu besorgen. Ich ging mit meiner Mutter in die Stadt. Wir kauften ein gelbes Kleid mit Flügelärmeln. Zu der Zeit war Mini der letzte Schrei. Das Kleid konnte nicht kurz genug sein. Dazu sollten es dann Plateau-Sandaletten sein. Der Festakt fand an einem 5. Mai statt. Als wir nacheinander aufgerufen wurden, um die Blumen und ein Buch in Empfang zu nehmen, mussten wir eine kleine Treppe hochgehen. Ich stolperte und fiel meinem Vordermann fast in die Hacken. Alle konnten meine Unterwäsche sehen, es wurde natürlich viel fotografiert. Das war mir sehr peinlich. Gott sei Dank verletzte ich mich nicht noch. Und es hatten auch nicht allzu viele mitbekommen. Ich durfte bei den Feierlichkeiten zu Hause mit der Verwandtschaft auch das erste Mal meinen Freund Michael mitbringen in die Wohnung. Wir hatten aufgrund der vielen Gäste die Wohnung aus- und umgeräumt, um genügend Platz zu schaffen für alle Gäste. Die Sache startete zur Kaffeezeit. Wir hatten viel Kuchen gebacken, meine Oma hatte auch jede Menge Torten und andere Leckereien mitgebracht. Im Kinderzimmer tanzten wir dann zu „Abba“ – und „Beatles-Songs“, die zu der Zeit gerade angesagt waren. Unter den Geschenken waren auch ein neuer Plattenspieler und einige Platten gewesen, die dann auch gleich zum Einsatz kamen. Meine Freundinnen hatten auch ihre Freunde mitbringen dürfen, sodass wir 4 Teenager-Paare waren. Da wurde auch schon mal eng aneinander getanzt und geknutscht. Das machte den Tag dann auch unvergesslich. Später, als die Lehrzeit begann, verloren Michael und ich uns leider aus den Augen. Jeder ging in eine andere Branche. Da verlief sich alles. Ich sollte ihn aber weit später unter anderen Umständen doch noch einmal wieder treffen.
Während der Jugendstunden wurden für Schüler auch Tanzstunden in einer Tanzschule angeboten. Ich nahm auch daran teil. Es konnte nicht verkehrt sein, richtig auch die Standardtänze zu beherrschen. Es machte viel Spaß. Der Abschlussball mit Eltern war dann ein besonderes Highlight. Wunderbare Kleidung in einem wunderbar herrlich ausgestatteten Ballsaal mit himmlischer gastronomischer Versorgung und Live-Kapelle waren zu einem bleibenden Erlebnis in meinem Leben geworden. Später habe ich mich beim Ansehen der Fotos in den Alben köstlich amüsiert über die Frisuren und die hölzernen Schritte. Zeit meines Lebens habe ich wahnsinnig gerne getanzt, aber natürlich in einem anderen Stil als wie bei der Tanzschule.
Ich hatte mich bei den Treffen meiner Eltern mit einer polnischen Familie mit deren gleichaltrigen Sohn angefreundet. Meine Eltern hatten diese Familie auf einem Trip nach Polen kennengelernt. Es hatte sich dann eine langjährige Freundschaft beider Familien entwickelt. Gegenseitige Besuche und das bessere Kennenlernen der Länder und der Sitten erfreuten uns jedes Jahr auf das Neue. Zdislaw, wie der Sohn der Familie hieß, und ich unterhielten uns meistens auf Russisch. Aber da wir uns auch weiterhin schrieben, versuchten wir es auf Polnisch von mir bzw. auf Deutsch von ihm durchzuführen. Mit meiner Berufsentscheidung war ich auch noch nicht im Reinen.
Mein Vater hätte mich, wie schon erwähnt, gerne als Musikpädagogin gesehen, doch dafür hätte man Abitur gebraucht. Zum Abitur gehörten Englischkenntnisse. Wir waren an unserer Schule ein sehr starker Schülerjahrgang. Es gab nur eine Englischlehrerin an der Schule. Auch die Plätze zur weiterführenden Schule waren rar. Darum wurde ausgesucht, wessen Eltern in der Partei waren oder sonstig der Schule zugewandt waren. Wie sind die Leistungen der Schüler? Wie haben diese sich in das außerschulische Leben eingebracht? Usw. Da konnte ich natürlich nicht mithalten. Im Punkt Leistung schon, aber nicht in den anderen Punkten. Ich hatte auch diverse Abzeichen für gutes Wissen, war „Jung-“ und „Thälmann-Pionier“ und „FDJler“ gewesen. Aber trotzdem war Politik nie so mein Ding und auch nicht Sache meiner Eltern gewesen. Russisch mussten sowieso alle ab der 5. Klasse lernen, was mir auch sehr viel Spaß machte. Aber Englisch hätte ich auch schon gerne gelernt, da es schon immer eine Weltsprache war und ist. Aber ich wurde nicht auserkoren. Zudem wusste ich sowieso nicht, was ich werden wollte, und da war mir auch alles egal.
Ich hatte nur den einen Wunsch, auch ab der 8. Klasse die Schule zu verlassen. Aber meine Eltern waren strikt dagegen. Dann nahm ich die Sache selbst in die Hand. Wenn die Eltern schon nicht erlaubten, die Schule zu verlassen, sollten es die Lehrer machen. Ich benahm mich sehr schlecht, machte keine Hausaufgaben mehr, betrog ganz offensichtlich bei den Klassenarbeiten, sodass ich immer schlechtere Noten bekam. Ich störte den Unterricht, wo es nur ging, alles mit dem Ziel, dass die Lehrer mich von der Schule verweisen würden. Aber nichts geschah, im 1. Halbjahr der 9. Klasse war ich versetzungsgefährdet. Ich sah mein Ziel schon näher kommen, Verkäuferin wollte ich dann auch werden. Aber stattdessen tauchte die Direktorin bei uns zu Hause auf und unterhielt sich mit meinen Eltern, was wohl mit mir los sei. Da schlug die Bombe ein. Denn schlechte Arbeiten hatte ich mit einer gefälschten Unterschrift meiner Mutter zurückgegeben, was den Lehrern gar nicht auffiel. Meine Eltern wurden von der Direktorin also vor vollendete Tatsachen gestellt und fielen aus allen Wolken. Das hagelte erst mal eine gehörige Tracht Prügel von meinem Vater und 4 Wochen Stubenarrest und Strafarbeit, bis meine Leistungen wieder normal waren. Das traf mich sehr hart.
