Kitabı oku: «Das Todesnest»
Das Todesnest
Ein Kurzkrimi
von
Isa Maxen
Impressum
Copyright © 2019 IMBook-Verlag e.U.
Inh. Isabella Schmitzer-Köhle
Goetheweg 20, 2201 Gerasdorf bei Wien
Österreich
Landesgericht Korneuburg (Firmenbuchgericht)
FN 507290 s
Alle Rechte vorbehalten.
Verlag und Herstellung eBook:
IMBook- Verlag e.U. Goetheweg 20, 2201 Gerasdorf bei Wien
Cover: Gestaltung: © Vanessa Streng
(www.BuchGestalt.com)
Cover Bildmaterial: © Vasilyev Alexandr/Shutterstock.com
Lektorat und Korrektorat:
Lektorat BuCHreif Christine Hochberger,
Billerbeck Deutschland
ISBN: 978-3-200-06709-7
„Au!“
Mein Kopf schmerzte, als ich aufwachte. Hatte ich zu viel getrunken? Ich konnte mich nicht erinnern. Mir wurde plötzlich übel, aber ich traute mich nicht, meine Augen zu öffnen. Alles drehte sich. Was war los? Wo bin ich? Wie bin ich ins Bett gekommen? Ich hatte keine Ahnung und versuchte krampfhaft, mich daran zu erinnern. Aber es fiel mir schwer. Ich hatte das Gefühl, mein Kopf würde gleich zerspringen. Das Letzte, das ich noch wusste, war ein romantisches Abendessen bei Kerzenschein und einem anschließenden Glas Cognac. Aber es müssen eher zwei Flaschen gewesen sein, nachdem, wie ich mich fühlte.
Ich zog mir die Decke über den Kopf und wollte weiterschlafen. Doch als ich mit der Hand über die Decke strich, hielt ich inne. Diese Bettwäsche fühlte sich nicht wie meine an. Ich öffnete langsam die Augen, die Sonne blendete durch das Fenster, ich konnte nichts erkennen. Ich tastete über das Bett und spürte einen Körper neben mir. Wo bin ich? Ich riss die Augen auf - nicht in meiner Wohnung. Warum kann ich mich an nichts erinnern?
Ich setzte mich auf und sah die Unordnung im Zimmer. Alle Schubladen und Schränke waren aufgerissen, überall auf dem Boden lag Kleidung verstreut.
Ich drehte mich zu dem Körper, den ich ertastet hatte und schrie.
„Oh Gott, oh Gott, oh Gott!“
Ich sprang aus dem Bett, hüpfte schreiend herum, konnte nicht glauben, was ich sah.
Harald lag regungslos da, auf dem Bettlaken war eingetrocknetes Blut.
„Was ist passiert?“
Ich schloss die Augen und versuchte mir einzureden, dass das alles nur ein Traum sei, es konnte nicht anders sein.
Haralds Telefon läutete und holte mich in die Realität zurück. Er rührte sich nicht, er lag da, als würde er schlafen. Aber das Blut …! Das Telefon klingelte immer noch. Was sollte ich machen?
Ich ging vorsichtig zu seinem Nachttisch.
Ich hatte Angst, furchtbare Angst.
Lisa, stand auf dem Display. Wer war Lisa? Als ich zurückwich, stolperte ich über etwas. Auf dem Boden lag ein Kerzenständer.
Das Telefon läutete erneut.
Ich wollte zu Harald gehen und seinen Puls fühlen, aber meine Füße waren wie festgeklebt. Was mache ich, wenn er tot ist? Ich konzentrierte mich auf die Nachttischlampe, um das Blut neben seinem Kopf nicht sehen zu müssen, ging langsam zum Bett, ergriff Haralds Handgelenk und tastete nach dem Puls.
Nichts!
„Oh Gott, er ist tot! Wie konnte das passieren?“
Ich wankte geschockt auf die andere Bettseite und suchte verzweifelt mein Handy. Ich muss die Polizei anrufen. Aber was soll ich sagen? Ich kann mich an nichts mehr erinnern. Das erneute Läuten von Haralds Telefon, riss mich aus meinen Gedanken. Ich muss die Polizei anrufen! Ich tippte die Ziffer eins. Aber mir fiel der Rest der Nummer nicht ein. Was war es 122, 133, 144? Ich wusste es nicht mehr. Ich versuchte es mit 133. Polizei.
„Tot. Er ist tot!“, rief ich.
„Wer?“
„Harald. Er ist tot!“
„Wo ist der Tote?“
„Hier auf dem Bett, neben mir.“
„Und wo sind Sie?“
„Das weiß ich nicht … “
„Wie heißen Sie?“
„Laura. Ich heiße Laura.“
„Und Ihr Nachname?“
„Lister. Laura Lister.“
„Gut Frau Lister. Beruhigen Sie sich erst einmal. Was ist passiert?“
„Ich weiß es nicht. Ich bin aufgewacht und er lag tot neben mir.“
„Wo sind Sie aufgewacht?“
„Im Bett, aber nicht in meinem.“
„Okay, woran können Sie sich noch erinnern?“
„An nichts, ich kann mich an nichts mehr erinnern.“
„Wissen Sie den Nachnamen des Toten?“
„Ja, Reiter.“
„Gut Frau Lister. Gehen Sie zum Fenster und sagen Sie mir, was Sie sehen.“
Ich stand auf und taumelte zum Fenster.
„Ich sehe ein Hochhaus.“
„Sehen Sie auch eine Hausnummer?“
„Nein ich bin zu weit oben.“
„Was sehen Sie sonst noch?“
„Einen Supermarkt und eine U-Bahn-Station.“
„Welche U-Bahn-Station?“
„Taubstummengasse. Ich erkenne sie.“
„Frau Lister, ich weiß, wo Sie sind. Ist das Ihr Handy, von dem Sie anrufen?“
„Ja.“
„Gut, dann setzten Sie sich hin und versuchen Sie, sich zu beruhigen. Meine Kollegen sind gleich bei Ihnen.“
„Danke“ murmelte ich.
Ich setzte mich unter das Fenster, vergrub mein Gesicht in den Händen und ließ meinen Tränen freien Lauf.
Kurze Zeit später hörte ich Sirenen heulen.
Polizisten stürmten mit gezückten Waffen in das Zimmer.
Ich erlebte alles wie in Zeitlupe.
Einige liefen zu Harald und einer kam zu mir. Er trug zivil.
„Sind Sie Frau Lister?“
„Ja“, antwortete ich erschöpft.
„Ich bin Kommissar Gruber. Ich muss Ihnen einige Fragen stellen.“ Er stellte zwei Stühle in den Raum. „Bitte setzen sie sich, Frau Lister.“
Ich nickte entkräftet und setzte mich, während mir Tränen übers Gesicht rollten.
Ich versuchte mich auf die Fragen zu konzentrieren, aber ich war so mit mir selbst beschäftigt, dass ich auch die danach folgende Untersuchung des Zimmers durch die Spurensicherung, meine Erstversorgung durch die Rettungssanitäter sowie die Untersuchungen im Krankenhaus und die erste Vernehmung wie in Trance erlebt hatte. Mir war übel und ich kämpfte damit, nicht einzuschlafen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit tippte mich jemand an. „Sie können jetzt gehen, aber halten Sie sich zu unserer Verfügung.“
Ich nickte schwach und wollte aufstehen, aber ich schaffte es nicht. Der Polizist streckte mir seine Hand entgegen und half mir auf die Beine. Sie fühlten sich an, als wären sie aus Watte.
„Kommen Sie alleine zurecht?“, fragte der Beamte.
„Ja“, flüsterte ich, Ich wollte einfach nur nach Hause und das Bild aus meinem Gedächtnis streichen.
„Frau Lister, Ihre Tasche!“
Ich drehte mich nur halb um und nahm dem Polizisten die Tasche ab.
Draußen stieg ich in das nächste Taxi, nannte dem Fahrer die Adresse und lehnte mich erschöpft zurück. Plötzlich klingelte mein Handy. Meine Nerven lagen so blank, dass ich fast zu Tode erschrak.
„Hallo.“
„Hallo Laura, wie geht es dir? Ich habe gehört, was passiert ist. Ist bei dir alles in Ordnung?“
Ich kannte die Stimme nicht. Aber ich wollte auch nicht nachfragen, dafür war ich zu schwach. „Es geht“, antwortete ich gequält.
„Soll ich zu dir kommen?“
„Nein“, erwiderte ich und legte auf.
Zu Hause legte ich mich sofort ins Bett. Ich wollte nur noch schlafen.
Ein heftiges Trommeln an der Tür riss mich aus dem Schlaf. Jemand hämmerte gegen meine Tür.
„Laura, bitte mach auf! Ist alles in Ordnung?“, brüllte eine Männerstimme.
Wer auch immer da draußen stand, schlug weiter auf meine Tür ein.
Schließlich hielt ich es nicht mehr aus und taumelte zur Eingangstür. Ich öffnete sie einen Spaltbreit, drehte mich um und wankte wieder ins Bett. Er folgte mir und wollte wissen, was passiert war.
Ich war viel zu müde, um zu antworten. Erst jetzt sah ich meinen Besucher, aber ich konnte nicht mehr auf ihn reagieren.
Als ich das nächste Mal erwachte, vergewisserte ich mich, dass ich in meinem Bett lag. In meinem Schlafzimmer sah alles aus wie immer. Als wäre nichts passiert. Ich wagte einen Blick auf die andere Bettseite. Das Bett war unberührt. Vielleicht war alles doch nur ein Traum gewesen? Ich verspürte keine Kopfschmerzen und keine Übelkeit mehr. Als ich aufstand, entdeckte ich neben meinem Bett einen Brief. Ich nahm ihn und begann zu lesen.
Liebe Laura!
Ich hoffe, dir geht es heute besser. Nachdem du eingeschlafen warst, bin ich gegangen. Bitte melde dich, wenn du ausgeschlafen hast.
Liebe Grüße
Fred
Ich starrte auf die Telefonnummer, die Fred angegeben hatte. War es doch kein Traum? In mir zog sich alles zusammen. Verschwommene Bilder tauchten auf. Wie ich Harald entdeckt hatte. Wie die Polizei das Zimmer stürmte. Alle schrecklichen Erinnerungen kamen in mir hoch. Ich nahm mein Handy und wählte die Nummer, die auf dem Zettel stand und stellte fest, dass es dieselbe war, von der gestern der Anruf kam.
„Hallo Laura, wie geht es dir?“, fragte Fred besorgt.
Ich schluchzte. „Was ist passiert?“
Er war kurz still, dann sagte er: „Was meinst du?“
„Ist Harald wirklich tot?“
„Ja, er ist tot. Auf dem Polizeirevier sagte man mir, dass du dich an nichts erinnern kannst.“
„Ja, das stimmt,“ bevor ich weitersprechen konnte, klopfte ein unbekannter Anrufer an. Ich beendete das Telefonat mit Fred und nahm den Anruf entgegen.
Es war ein Polizist, der mich bat, aufs Revier zu kommen, um meine Aussage zu machen, da ich gestern zu sehr unter Schock gestanden hatte.
Ich nahm eine heiße Dusche und zog mich an.
Auf dem Weg zum Revier versuchte ich krampfhaft, mich wenigstens an Bruchstücke zu erinnern. Aber vergebens, die Erinnerung war weg.
Ein junger Beamter brachte mich zu Kommissar Gruber. Der bat mich, Platz zu nehmen.
Ich setzte mich.
„In welchem Verhältnis standen Sie zu Harald Reiter?“
Ich antwortete ihm, dass er seit Kurzem mein Freund war und ich zum ersten Mal in seiner Wohnung gewesen war.
„Dann können sie vermutlich nicht sagen, ob Wertgegenstände abhandengekommen sind?“
„Nein, wie gesagt, ich war zum ersten Mal dort.“
Ich bemühte mich, mich zu konzentrieren. „Es wurde etwas gestohlen?“
„Das werden wir noch herausfinden.“
„Wie lange kannten Sie Herrn Reiter schon?“
„Etwa zwei Monate.“
„Hatte er Feinde?“
„Nicht, dass ich wüsste. Aber das sollten Sie besser seinen Freund Fred fragen. Die beiden sind schon sehr lange befreundet.“
„Hatten Sie mit dem Ermordeten Streit?“
„Verdächtigen Sie jetzt mich?“, fragte ich schockiert.
„Wir können nichts ausschließen, Frau Lister. Zum aktuellen Zeitpunkt ist jeder verdächtig.“
„Nein, wir hatten keinen Streit.“
„Aber Sie sagten doch, Sie könnten sich an nichts erinnern.“ Er sah mich skeptisch an.
„Das stimmt“, erwiderte ich bedrückt.
„Waren Sie betrunken?“
„Nein, ich kann mich nur daran erinnern, ein Glas Cognac getrunken zu haben.“
„Gut für heute sind wir fertig. Wenn wir weitere Fragen haben, melden wir uns bei Ihnen. Auf Wiedersehen.“
Wieder auf der Straße war ich außer mir. Die verdächtigen mich! Es war zwar tatsächlich seltsam, dass ich mich an nichts erinnern konnte, aber ich wusste, dass ich niemanden ermorden könnte.
Ich rief Fred an.
Er bot mir an, zu ihm zu kommen.
Als ich bei ihm war, stand ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch. „Die verdächtigen mich“ kreischte ich.
„Alles wird wieder gut, Laura. Ich bin überzeugt, sie werden bald davon abkommen“, versuchte er mich zu beruhigen.
„Hatte Harald Feinde“, wollte ich wissen.
„Nicht, dass ich wüsste. Möchtest du etwas trinken, Laura?“
„Ja gerne.“
Wir setzten uns auf das Sofa, und ich weinte, bis ich vor Erschöpfung nicht mehr konnte.
Fred hatte tröstend den Arm um meine Schulter gelegt. „Du kannst gerne hier übernachten, wenn du möchtest“, bot er mir an, nachdem ich mich endlich ein wenig beruhigt hatte. „Ich würde mir Sorgen machen, wenn du in diesem Zustand alleine zu Hause wärst.“
Nach kurzem Zögern nahm ich das Angebot an. Schließlich war Fred der Einzige, der wusste, wie ich mich fühlte und dem ich nichts erklären musste.
Am nächsten Tag wurden wir beide aufs Polizeirevier bestellt.
„Frau Lister, wie sieht es heute mit Ihrem Gedächtnis aus?“, empfing mich der Kommissar.
„Ich kann mich leider immer noch an nichts erinnern.“ Mir war klar, wie das aussehen musste.
„Sie wissen, dass Sie das nicht entlastet?“
Mein Herz begann heftig zu schlagen, und in meinem Magen zog sich alles zusammen. Mir wurde schlecht. „Ich bin mir ganz sicher, dass ich ihn nicht ermordet habe, auch wenn ich mich an nichts erinnern kann.“
„Wie können Sie sich da so sicher sein, wenn Sie nicht mehr wissen, was in der Wohnung passiert ist?“
Kommissar Gruber schüttelte den Kopf und sah mir so tief in die Augen, dass ich das Gefühl hatte, er würde jeden Gedanken in mir lesen können.
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