Kitabı oku: «Ausgewählte Wildwestromane von James Fenimore Cooper»

Yazı tipi:

James Fenimore Cooper

Ausgewählte Wildwestromane von James Fenimore Cooper

Der letzte Mohikaner + Der Wildtöter + Die Steppe + Der Pfadfinder + Die Ansiedler + Satanstoe…


Books

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musaicumbooks@okpublishing.info

2017 OK Publishing

ISBN 978-80-272-0977-4

Inhaltsverzeichnis

Lederstrumpf-Romane:

Die Ansiedler an den Quellen des Susquehanna

Der letzte Mohikaner

Die Steppe oder die Prärie

Der Pfadfinder

Der Wildtöter

Littlepage-Trilogie:

Satanstoe, oder die Familie Littlepage.

Der Kettenträger oder die Handschriften der Familie Littlepage

Ravensnest oder die Rothhäute

Die Ansiedler an den Quellen des Susquehanna

Inhaltsverzeichnis

Vorrede Coopers zur Ausgabe von 1832

I

II

III

IV

V

VI

VII

VIII

IX

X

XI

XII

XIII

XIV

XV

XVI

XVII

XVIII

XIX

XX

XXI

XXII

XXIII

XXIV

XXV.

XXVI

XXVII

XXVIII

XXIX

XXX

XXXI

XXXII

XXXIII

XXXIV

XXXV

XXXVI

XXXVII

XXXVII

XXXIX

XL

XLI

Vorrede Coopers zur Ausgabe von 1832

Inhaltsverzeichnis

Da sich diese Schrift bereits auf dem Titelblatt als ein Zeitgemälde ankündigt, so wird es denen, welche sich die Mühe nehmen, sie zu lesen, nicht unwillkommen sein zu erfahren, was von ihrem Inhalt buchstäbliche Wahrheit, und was Zutat des darstellenden Dichters ist. Der Verfasser fühlt wohl, daß er ein weit besseres Buch hätte zustande bringen können, wenn er sich ausschließlich auf die letztere beschränkt hätte, da das freie Walten der Phantasie immer die lebhaftesten Eindrücke hervorbringt Aber bei der Schilderung von Szenen und vielleicht auch von Charakteren, die ihm in seiner Jugend vertraut geworden waren, konnte er der Versuchung nicht widerstehen, lieber das zu zeichnen, was er selbst gesehen hatte, als das, was nur der Einbildungskraft entsprungen wäre. Dieses strenge Festhalten an der Wahrheit, so unerläßlich es auch für die Geschichte und für Reisebeschreibungen ist, zerstört den Zauber der Poesie; denn was dem Geiste durch die letztere vorgeführt werden soll, nimmt sich weit besser in Entwicklung von Grundsätzen und typischen Charakteren aus, als in einem allzu ängstlichen Haften an wirklichen Vorbildern.

Da Neuyork nur einen Bezirk Otsego und der Susquehanna nur eine eigentliche Quelle hat, so kann hinsichtlich des Schauplatzes dieser Erzählung kein Irrtum stattfinden. Die Geschichte dieses Bezirks, soweit sie auf die Ansiedlungen der Weißen Bezug hat, läßt sich in kurze Worte fassen.

Otsego, wie überhaupt der größte Teil der inneren Provinz Neuyork, gehörte vor dem Unabhängigkeitskrieg zu der Grafschaft Albany und fiel bei einer späteren Teilung des Gebiets an Montgomery, bis es endlich infolge der Zunahme seiner Bevölkerung kurz nach dem Frieden von 1783 zu einem eigenen Bezirk erhoben wurde. Er liegt zwischen den niedrigen Ausläufern des Alleghany-Gebirges, welche die mittleren Teile des Staates Neuyork durchziehen, etwas östlich von einem durch den Mittelpunkt des Staates gezogenen Meridian. Die Flüsse von Neuyork haben ihren Ablauf entweder nach Süden in das Atlantische Meer oder nach Norden in den Ontario und seine Ausmündungen. Der Otsegosee ist die Quelle des Susquehanna und liegt daher begreiflicherweise in den Hochlanden. Die Gestalt des Landes, das Klima, wie es von den Weißen angetroffen wurde, und die Sitten der Ansiedler sind in unserer Erzählung mit einer Ausführlichkeit geschildert, die der Autor nur mit der Lebhaftigkeit seiner Rückerinnerungen entschuldigen kann.

Der Name Otsego ist gebildet aus den Worten Ot, was einen Versammlungsort bedeutet, und Sego oder Sago, der unter den Indianern üblichen Begrüßungsformel. Einer Überlieferung zufolge pflegten die benachbarten Stämme an den Ufern des Sees Zusammenkünfte zu halten, um Verträge zu schließen und ihre Bündnisse auf sonstige Weise zu kräftigen, woraus sich die genannte Zusammenstellung erklärt. Da indes das Oberhaupt der Indianer von Neuyork ein Blockhaus an den Ufern des Sees besaß, so ist es nicht unmöglich, daß der Name seinen Ursprung von den Versammlungen hat, die dort bei seinen Beratungsfeuern gehalten wurden. Beim Ausbruch des Kriegs mußte dieser Agent nebst anderen Beamten der Krone den Strich verlassen, und seine unscheinbare Wohnung stand bald verödet. Der Verfasser erinnert sich, sie einige Jahre nachher in der bescheidenen Eigenschaft eines Rauchhauses gesehen zu haben.

Im Jahre 1779 wurden Truppen gegen die feindlichen Indianer gesandt, die ungefähr hundert Meilen westlich von Otsego an den Ufern des Kayugasees hausten. Der ganze Strich war damals eine Wildnis, weshalb es nötig wurde, die Bagage der Mannschaft auf den Flüssen fortzuschaffen – ein Umweg zwar, aber jedenfalls das beste, was man tun konnte. Eine Brigade zog am Mohawk aufwärts, bis sie eine Stelle erreichte, die den Quellen des Susquehanna am nächsten liegt, und von wo aus ein Engpaß durch den Urwald zu dem oberen Ende des Otsego führt. Die Boote und das Gepäck wurden über diesen ›Trageweg‹ gebracht, während die Truppen über den See setzten, an dessen unterm Ende landeten und ein Lager aufschlugen. Der Susquehanna, ein an seinem Ursprunge schmaler, aber reißender Strom, war voll von Treibholz oder entwurzelten Bäumen, und die Truppen mußten ein neues Mittel ersinnen, um sich ihren ferneren Marsch zu erleichtern. Der Otsego ist ungefähr neun englische Meilen lang und wechselt in der Breite von einer bis zu anderthalb Meilen: sein tiefes klares Wasser erhält von vielen hundert Quellen seinen Zustrom. Unten sind die Ufer fast dreißig Fuß hoch, während sie an den übrigen Stellen durch Berge, Niederungen und Vorsprünge gebildet werden. Sein Abwasser oder der Susquehanna fließt durch einen Einschnitt der erwähnten niedrigen Ufer in einer Breite von gegen zweihundert Fuß ab. Dieser Einschnitt wurde mit Dämmen versehen, die Abwasser des Sees gesammelt und der Susquehanna in dieser Weise zu einem stärkeren Gewässer umgewandelt. Als diese Vorkehrungen getroffen waren, schifften sich die Truppen ein; der Damm wurde durchstochen, und der Otsego ergoß seinen Strom, auf dem die Boote alsbald lustig abwärts fuhren.

General James Clinton, der Bruder George Clintons, damals Gouverneur von Neuyork – der Vater De Witt Clintons, der als Gouverneur desselben Staates im Jahre 1827 starb – kommandierte die mit diesem Feldzug beauftragte Brigade. Während die Truppen am unteren Teil des Otsego lagerten, wurde ein Soldat wegen Desertion erschossen. Das Grab dieses unglücklichen Mannes war die erste Grabstätte, die der Autor je gesehen, wie das erwähnte Rauchhaus die erste von ihm erblickte Ruine war. Die in unserer Schrift erwähnte Feldschlange wurde bei diesem Anlaß von den Truppen zurückgelassen und verscharrt; man fand sie später auf, als man in des Verfassers elterlicher Wohnung die Keller grub.

Bald nach Beendigung des Krieges besuchte Washington mit einem Gefolge vieler ausgezeichneter Männer den Schauplatz unserer Erzählung, dem Vernehmen nach, um das Terrain daraufhin zu untersuchen, ob sich hier eine Kommunikation zu Wasser mit anderen Punkten des Landes bewerkstelligen ließe; er blieb jedoch nur wenige Stunden.

Im Jahre 1785 erschien der Vater des Autors in dieser Wildnis, um sie vermessen zu lassen, da er einen bedeutenden Strich derselben anzukaufen gedachte. Welchen Eindruck sie auf ihn machte, haben wir durch den Richter Temple schildern lassen. Zu Anfang des folgenden Jahres begann die Ansiedlung, und von dieser Zeit an bis auf die gegenwärtige kam die Gegend fortwährend in blühendere Verhältnisse. Es ist ein eigentümlicher Zug des amerikanischen Lebens, daß es einem reichen Manne, der zu Anfang dieses Jahrhunderts Gelegenheit hatte, Ansiedlern eine neue Niederlassung in einem entfernteren Landesteil anzubieten, möglich war, solche trotz der günstigen Verhältnisse, deren sie sich in ihrer früheren Kolonie erfreuen mochten, nach sich zu ziehen

Obgleich die Niederlassung am Otsego einige Jahre vor der Geburt des Autors stattfand, so war sie zu der Zeit doch noch nicht so weit fortgeschritten, daß man es für ratsam erachtet hätte, ein für ihn selbst so wichtiges Ereignis in der Wildnis stattfinden zu lassen. Vielleicht hegte seine Mutter ein begründetes Mißtrauen in die Erfahrung es Doktor Todd, der damals noch in dem Noviziat seiner ärztlichen Praxis gestanden haben muß. Doch dem sei, wie ihm wolle, der Autor wurde noch als Kind wieder in das Tal gebracht, welchem er die ersten Eindrücke seiner Jugend verdankt. Er wählte auch in späteren Jahren zuweilen seinen Aufenthalt daselbst und glaubt daher, für die Treue seines Gemäldes einstehen zu können

Otsego ist nun einer der bevölkertsten Distrikte von Neuyork, entsendet seine Auswanderer so gut wie irgendeiner der älteren und steht wegen seines Gewerbefleißes und Unternehmungsgeistes in gutem Ruf. Seine Mannfakturen blühen, und es ist bemerkenswert, daß eine der sinnreichsten Maschinen, welche die europäische Kunstfertigkeit kennt, von dem Scharfsinn, der in dieser abgelegenen Gegend heimisch ist, ihre Entstehung ableitet.

Um Mißverständnissen zu begegnen, wird es ratsam sein zu bemerken, daß der gegenwärtigen Erzählung keine wirklichen Begebenheiten zugrunde liegen und daß die buchstäblich wahren Tatsachen sich nur auf die örtlichen Verhältnisse und die Sitten und Gebräuche der Einwohner beziehen. Die Akademie, das Gerichtshaus, das Gefängnis, das Wirtshaus und die meisten andern Staffagen dieser Art existierten wirklich, haben aber seitdem anderen Gebäuden von anspruchsvollerem Charakter Platz gemacht. Bei der Schilderung des Herrenhauses erlaubten wir uns einige Freiheit; denn das eigentliche Gebäude hatte keinen ›ersten und zweiten Teil‹. Es bestand aus Ziegeln, nicht aus Steinen, und zeigte keine der eigentümlichen Schönheiten der ›zusammengesetzten Ordnung‹, da es in einer zu frühen Periode errichtet wurde, um sich bereits aller Vorteile dieser so anspruchsvollen Schule der Architektonik erfreuen zu können. Das Innere des Hauses ist jedoch ganz nach Rückerinnerungen gezeichnet, und hier trifft alles mit der Wirklichkeit zusammen, sogar Wolfs zertrennter Arm und der Aschenkrug der Königin Dido.

Obwohl noch Wälder die Berge am Otsego krönen, sind doch Bär, Wolf und Panther kaum mehr dort zu finden. Selbst das unschuldige Rotwild springt nur noch selten unter den Baumgewölben umher; denn das Gewehr und die Tatkraft der Pflanzer haben es an andere Orte getrieben. Zu diesem Wechsel – der in mancher Beziehung dem, der das Land im Urzustand gekannt hat, traurig erscheinen muß – kommt noch hinzu, daß der Otsego selbst mit seinem Reichtum zu knausern beginnt.

Der Verfasser hat bereits anderswo erklärt, daß Lederstrumpfs Charakter ein Gebilde ist, welches durch Hilfsmittel, wie sie zu Hervorbringung des Effekts nötig waren, Wahrscheinlichkeit gewinnt. Hätte er mit noch mehr Einbildungskraft geschildert, so würden die Freunde der Poesie nicht so viel Anlaß haben, gegen die Arbeit Einwendungen zu machen. Das Gesamtgemälde wäre jedoch sicher ohne wirkliche Vertreter für die meisten übrigen Personen weniger treu ausgefallen. Der große Grundbesitzer, der auf seinen Ländereien wohnt und denselben seinen Namen gibt, statt ihn, wie es in Europa üblich ist, von ihnen zu erhalten, kommt in Neuyork häufig vor. Der Arzt mit seiner Theorie, die er sich durch Experimente am menschlichen Körper eher schafft als verbessert; der fromme, selbstlose, tätige und schlecht belohnte Missionar; der halbgebildete, streitsüchtige, neidische und wenig achtbare Advokat mit dem Gegengewichte eines Kollegen von besserem Schlag und anderem Charakter; der unstete, handeltreibende, mißvergnügte Verkäufer seiner ›Verbesserungen‹; der beliebte Zimmermann und die meisten übrigen Charaktere sind allen bekannt, die je einen ›neuen‹ Bezirk besucht haben.

Nach den angeführten Umständen ist es augenfällig, daß der Autor bei Abfassung der ›Ansiedler‹ mehr Vergnügen genossen, als sein Werk wohl je dem Leser zu gewähren imstande sein wird. Er weiß, daß die Schrift zahlreiche Fehler enthält, von denen er in dieser Ausgabe auch einige zu verbessern bemüht war: da er sich aber wenigstens redlich bestrebt hat, das Seinige zur Unterhaltung der Lesewelt beizutragen, so vertraut er darum auch ruhig auf ihre wohlwollende Nachsicht, wenn er für sich selbst irgend zuviel in Anspruch genommen haben sollte.

Paris, im März 1832


I

Inhaltsverzeichnis

Der Winter kommt, am Jahresschluß zu üben

Sein eigensinnig trübes Regiment

Samt allen seinen Nebeln, Wolken, Stürmen.

Thomson

Fast im Herzen des Staates Neuyork liegt ein ausgedehntes Gebiet, das eine Folge von Bergen und Tälern darstellt. In diesem Gebirgsland nimmt der Delaware seinen Ursprung, und aus den silberklaren Seen wie aus den tausend Quellen dieser Gegend schlängeln sich die zahlreichen Zuflüsse des Susquehanna durch die Täler, bis sie durch die Vereinigung ihrer Wasser einen der stolzesten Ströme der Vereinigten Staaten bilden. Die Berge sind fast allgemein bis zu den Spitzen in anbaufähigem Zustand, obgleich nicht selten an ihren Flanken Felsenpartien vorspringen, denen die Gegend ihren in so hohem Grade romantischen und malerischen Charakter verdankt. Durch die schmalen, üppigen und urbar gemachten Täler zieht sich fast immer ein Flüßchen oder ein Bach, während schöne, blühende Dörfer zerstreut an den kleinen Seen oder an jenen Punkten der Wasserläufe liegen, die sich vorteilhaft für Manufakturen benutzen lassen. Man findet allenthalben durch die Täler bis zu den Spitzen der Berge hinan hübsche und bequeme Meiereien mit allen Anzeichen des Wohlstandes, und in jeder Richtung begegnet man Wegen, die von den ebenen, anmutigen Talgründen bis zu den höchsten und verwickeltsten Gebirgsketten hinanführen. Akademien und niederere Bildungsanstalten begegnen dem Auge des Fremden, der durch das unebene Gebiet seinen Weg sucht, alle paar Meilen; in der Menge der Orte, die der Gottesverehrung geweiht sind, bekundet sich ebensosehr der nachdenkliche und sittliche Charakter des Volkes, wie sich in der Mannigfaltigkeit ihrer Formen und des um dieselbe waltenden Geistes die unbedingte Gewissensfreiheit ausspricht. Kurz, der ganze Distrikt ist der sprechendste Beleg, wieviel sich – selbst in einem wenig kultivierten und rauhen Landstrich – unter der Herrschaft milder Gesetze tun läßt, sobald der einzelne für das Wohl des Ganzen, von dem er ein Teil zu sein sich bewußt ist, ein unmittelbares Interesse fühlt. Den Bemühungen des Ansiedlers, die Wildnis zu lichten, folgte der unermüdliche Fleiß des Grundbesitzers, das mit saurem Schweiß Errungene zu verbessern, – ein Umstand, der wohl den Wunsch rege machen kann, dereinst unter dem Rasen, den er bebaute, zu schlummern, oder nicht minder den im Lande geborenen Sohn veranlassen mag, aus kindlich frommem Sinn dem Grabe des Vaters nahe zu bleiben. Vor etwa vierzig Jahren › noch war das ganze Gebiet eine Wildnis.

Bald nach der durch den Frieden von 1783 anerkannten Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten richtete sich der Unternehmungsgeist ihrer Bürger auf eine Untersuchung der natürlichen Vorteile ihres weitausgedehnten Gebiets. Vor dem Revolutionskrieg beschränkten sich die bewohnten Teile der Kolonie Neuyork nur auf ein Zehntel ihres Gesamtumfangs. Ein schmaler Landgürtel, der sich auf beiden Seiten des Hudson hinzog – mit einem ähnlichen, der etwa 50 Meilen weit den Ufern des Mohawk folgte –, nebst den Inseln Nassau und Staten, und einige abgeschlossene Ansiedlungen auf besonders gutem Boden längs der Flußränder, bildeten das ganze Land, welches damals nicht einmal zweimal hunderttausend Seelen barg. In dem erwähnten kurzen Zeitraum hat sich die Bevölkerung über fünf Breiten-und sieben Längengrade ausgedehnt und ist zu anderthalb Millionen Einwohnern angeschwollen, die behaglich von ihrem Besitz leben und in Jahrhunderten nicht zu besorgen haben, daß der Ertrag des Bodens in ein ungünstiges Verhältnis zu ihren Bedürfnissen treten könnte.

Unsere Erzählung beginnt mit dem Jahre 1793, ungefähr sieben Jahre nach dem Entstehen einer der frühesten jener Niederlassungen, die den erwähnten fast märchenhaften Umschwung in der Macht und dem ganzen Zustand des Landes herbeiführen halfen.

An einem schönen, kalten Dezembertag um die Zeit des Sonnenuntergangs bewegte sich in dem beschriebenen Distrikt ein Sleigh langsam den Abhang eines Berges hinan. Der Tag war für die Jahreszeit schön gewesen, und nur zwei oder drei große Wolken, welche in dem Licht, das von den die Erde bedeckenden Schneemassen widerstrahlte, blendend weiß erschienen, segelten in dem reinen Blau des Himmels dahin. Der Weg wand sich längs eines Absturzes um den Gipfel eines Felsens hin und wurde auf der einen Seite durch übereinandergeschichtete Holzstämme geschützt, während man auf der andern den Felsen ausgesprengt hatte, um dem Straßenzug die für die gewöhnlichen Fuhrwerke der damaligen Zeit nötige Breite zu geben. Aber Holzstämme, Felsenaussprengung – kurz alles, was nicht mindestens etliche Fuß Höhe hatte, lag unter dem Schnee begraben. Eine einzige Fährte, kaum weit genug, um den Sleigh aufzunehmen, bezeichnete den Zug der Landstraße, die mit einer fast ellenhohen Schneeschicht bedeckt war. In dem um etliche hundert Fuß tiefer gelegenen Tal bemerkte man eine sogenannte Lichtung und die gewöhnlichen Vorkehrungen zu einer neuen Niederlassung, die sich sogar bergan bis zu einem Punkt erstreckten, wo der Weg nach einem auf dem Gipfel des Berges liegenden Flachland abbog, während weiter oben alles Wald war. Die Atmosphäre glitzerte, als wäre sie mit Myriaden von Lichtkörperchen erfüllt, und die edlen Rosse vor dem Sleigh waren fast ganz von einer Reifschicht bedeckt. Man sah den Dampf ihrer Nüstern wie Rauch aufsteigen, und jeder im Gesichtskreis liegende Gegenstand, wie auch die Vorkehrungen der Reisenden ließen auf die Strenge des Winters im Gebirge schließen. Das Pferdegeschirr, das von stumpfer tiefschwarzer Farbe war und sich sehr von dem glänzend gefirnißten unserer Tage unterschied, war mit ungeheuren Platten und Schnallen von Messing verziert, die in den flüchtigen Sonnenstrahlen, welche ihren Weg schräg durch die Baumgipfel fanden, wie blankes Gold erglänzten. Gewaltige, mit Nägeln beschlagene und mit Schabracken unterlegte Sättel trugen vier hohe viereckige Türmchen, durch welche die starken Zügel nach der Hand des Lenkers, eines Negers von ungefähr zwanzig Jahren, liefen. Sein Gesicht, das die Natur mit einem glänzenden Schwarz ausgestattet hatte, war jetzt scheckig vor Kälte, und in seinen großen leuchtenden Augen glänzten Tränen – ein Zoll, welchen die schneidenden Fröste dieser Gegenden den Söhnen der afrikanischen Sonne stets abverlangen. Gleichwohl aber lag ein lächelnder Ausdruck der Heiterkeit in seinem glücklichen Gesicht, welcher wohl seinen Grund in dem Gedanken an die nahe Heimat und an die Belustigungen eines Christabends in einem warmen Stübchen haben mochte.

Der Sleigh war eines jener geräumigen, bequemen, altmodischen Fuhrwerke, die eine ganze Familie in ihrem Bauch aufnehmen können, obgleich er in dem gegenwärtigen Augenblick außer dem vorerwähnten Schwarzen nur zwei Personen enthielt. Die Farbe war außen bescheiden grün, innen feurig rot; letzteres vielleicht, um in dem kalten Klima doch wenigstens dem Auge eine Glut vorzuführen. Große Büffelhäute, an den Rändern mit girlandenartig geschnittenem rotem Tuch verziert, lagen in dem Sleigh und umhüllten die Füße der Reisenden – eines Mannes in den mittleren Jahren und eines Mädchens in der ersten Blüte der weiblichen Reife. Der erstere war von breiter Statur, soweit die Vorkehrungen, die er zur Abwehr der Kälte getroffen hatte, überhaupt etwas von seiner Persönlichkeit sichtbar werden ließen. Ein verschwenderisch mit Pelzwerk verbrämter Überrock umschloß seinen ganzen Körper mit Ausnahme des Kopfes, der durch eine Marderfellmütze, mit Maroquin ausgekleidet und so geformt, daß sich die Seitenklappen über die Ohren herunterschlagen und durch ein schwarzes Band unter dem Kinn zusammenknüpfen ließen, geschützt wurde. Der obere Teil der Mütze war mit einer Art Quaste verziert, die aus dem Schwanz des Tieres, welches das übrige Material geliefert hatte, bestand und nicht unzierlich hinten einige Zoll über den Nacken hinunterhing. Unter dieser Vermummung sah man teilweise ein schönes Männergesicht, zumal ein Paar ausdrucksvoller, großer, blauer Augen, die einen hellen Verstand, gemütliche Heiterkeit und einen wohlwollenden Sinn verkündeten. Die Gestalt seiner Begleiterin war buchstäblich in den Kleidern, die sie trug, begraben. Aus einem dicht mit Flanell wattierten, großen Kamelottmantel, der dem Schnitt und der Weite nach offenbar für einen männlichen Körper bestimmt war, sah ein mit Pelz ausgelegter seidener Überrock hervor. Eine ungeheuere, mit Daunen gefütterte, schwarzseidene Kapuze verbarg Kopf und Gesicht bis auf eine kleine Öffnung, durch die man Atem holen konnte, obgleich hin und wieder auch ein Paar lebhafter, pechschwarzer Augen hervorfunkelten.

Aber Vater und Tochter (denn in dieser Verwandtschaftsbeziehung standen die beiden Reisenden) waren zu sehr mit ihren Betrachtungen beschäftigt, um durch den Ton ihrer Stimme die Stille zu unterbrechen, die durch das leichte Dahingleiten des Sleighs selten oder nie gestört wurde. Der erstere dachte an die Frau, welche sein Kind – das einzige – zum letzten Male an ihre Brust gedrückt hatte, als sie vier Jahre früher mit widerstrebendem Herzen ihre Zustimmung geben mußte, der Gesellschaft ihrer Tochter zu entsagen, damit diese sich jener Vorteile der Erziehung erfreuen möchte, welche damals nur die Stadt Neuyork zu geben imstande war. Wenige Monate nachher hatte ihn der Tod dieser treuen Genossin seiner Einsamkeit beraubt. Er liebte jedoch sein Kind zu aufrichtig, um sie in das noch recht wilde Land, in dem er wohnte, zurückzuholen, ehe die Zeit, welche zu ihrer völligen Ausbildung für nötig erachtet wurde, abgelaufen war. Die Gedanken der Tochter waren weniger düster, da der Wechsel und die immer neuen Reize der Landschaft, die sich bei jeder Wendung der Straße vor ihr auftaten, ihren Empfindungen ein frohes Staunen beimischten.

Der Berg, auf dem sie eben hinfuhren, war mit ungeheuren Rottannen bedeckt, die erst in einer Höhe von siebzig bis achtzig Fuß ihre Zweige ausbreiteten und bis zum Wipfel oft das Doppelte dieser Höhe maßen. Das Auge konnte sich daher durch die zahllosen Öffnungen einer weiten Aussicht erfreuen, wenn diese nicht durch ein fernes Hügelland oder durch einen Berggipfel jenseits des Tales, dem sie zueilten, begrenzt wurde. Die dunklen Baumstämme erhoben sich aus dem weißen Schneegrund wie regelmäßig gebaute Säulenschäfte, bis hoch oben die Zweige mit ihren immergrünen Nadeln eine Decke formten, die einen schwermütigen Kontrast zu der erstarrten Erde bildete. Die Reisenden fühlten keinen Wind, aber die Baumwipfel wiegten sich majestätisch und entsandten einen dumpfen, klagenden Ton, der ganz im Einklang mit der Ruhe der melancholischen Szenerie stand.

Der Sleigh war eine Strecke weit ganz eben fortgeglitten, und der Blick des jungen Mädchens war spähend, vielleicht auch furchtsam in die Tiefen des Waldes gerichtet, als sich ein lautes und anhaltendes Geheul, ähnlich dem Bellen eines zahlreichen Rudels von Jagdhunden, vernehmen ließ, das durch die hohen Bogen des Waldgewölbes hertönte. Sobald diese Laute das Ohr des alten Herrn erreichten, rief er laut dem Schwarzen zu:

»Halt, Aggy, der alte Hektor ist dort; ich würde sein Bellen unter Zehntausenden herauskennen. Lederstrumpf hat an diesem schönen Tag seine Hunde herausgeführt, und gewiß sind sie jetzt hinter einem Wild her. Dort, einige Klafter vor uns, läuft eine frische Hirschspur; – und nun, Beß, wenn du dich vor dem Feuern nicht fürchtest, so verspreche ich dir eine herrliche Zugabe zu deiner Christfesttafel.«

Der Schwarze hielt an, und ein heiteres Grinsen überflog seine erstarrten Züge, während er zugleich die Arme übereinander zu schlagen begann, um wieder einige Zirkulation nach den Fingerspitzen hin herzustellen. Der alte Herr richtete sich inzwischen auf, warf seine Verhüllung ab und stieg aus dem Sleigh auf eine Schneebank, die seine Last trug, ohne zu weichen.

Nach einigen Augenblicken kam er damit zustande, aus einer Masse von Schachteln und Koffern eine doppelläufige Vogelflinte hervorzuholen, und nachdem er sich seiner dichten Fäustlinge, unter denen er ein Paar andere mit Pelz gefütterte Lederhandschuhe trug, entledigt und das Schloß seines Gewehrs untersucht hatte, schickte er sich an, vorwärts zu eilen, als sich das leichte Rauschen eines durch das Gehölz stürzenden Tieres vernehmen ließ und unmittelbar darauf nur wenige Schritte vor ihm ein schöner Bock die Straße kreuzte. Das Auftauchen des Wildes geschah rasch und seine Flucht mit der Eile des Windes; aber der Reisende schien ein zu geübter Jäger zu sein, um sich dadurch außer Fassung bringen zu lassen. Sobald er des Tieres ansichtig wurde, erhob er mit sicherem Auge und stetiger Hand seine Flinte und gab Feuer. Das Tier schoß jedoch nicht erschreckt und scheinbar unverletzt weiter. Ohne sein Gewehr sinken zu lassen, wandte der Schütze aufs neue die Mündung seinem Opfer zu und feuerte abermals. Aber auch dieser Schuß schien seine Wirkung verfehlt zu haben.

Der ganze Auftritt war mit einer Geschwindigkeit vor sich gegangen, welche das Mädchen in hohem Grade verwirrte, und sie freute sich bereits unwillkürlich über das glückliche Entkommen des Tieres, als es plötzlich wie ein Meteor wieder auftauchte und abermals über den Weg setzte, worauf ein scharfer, rascher Ton, ganz verschieden von dem runden, vollen aus der Waffe ihres Vaters, in dem sich aber der Knall eines Gewehrs ebenfalls nicht verkennen ließ, an ihr Ohr schlug. In demselben Augenblick machte der Bock einen Sprung in die Höhe, und als dem ersten Schuß rasch ein zweiter folgte, stürzte das Tier kopfüber zur Erde, wo es sich auf der Schneerinde einigemal überkugelte. Ein lautes Hallo erscholl aus dem Munde des unsichtbaren Schützen, und unmittelbar darauf traten zwei Männer aus einem Versteck hinter zwei Tannenstämmen hervor, wo sie augenscheinlich dem Zug des Hirsches aufgelauert hatten.

»Ha! Natty, wenn ich gewußt hätte, daß Ihr im Hinterhalt läget, so hätte ich meine Schüsse sparen können«, rief der Reisende, indem er sich nach der Stelle hinbewegte, wo das Tier lag, in dessen Nähe ihm auch der entzückte Schwarze mit dem Sleigh folgte, »aber das Bellen des alten Hektor war zu ermutigend, um ruhig zu bleiben. Und doch bin ich nicht überzeugt, ob nicht eine meiner Kugeln den Burschen niederwarf.«

»Nein – nein – Richter«, entgegnete der Jäger mit einem stillen Kichern und jenem frohlockenden Blick, der das Bewußtsein einer höheren Kunstfertigkeit verkündet. »Sie haben Ihr Pulver nur abgebrannt, um sich an diesem kalten Abend die Nase zu wärmen. Glauben Sie denn, einen ausgewachsenen Bock, dem Hektor und die Slut auf den Fersen sind, mit dieser Schlüsselbüchse da zum Halten zu bringen? Es gibt ja Fasanen genug beim Moor, und die Schneevögel fliegen um Ihr Haus, so daß Sie dieselben mit Brotkrumen füttern können. Derartiges Wildbret ist etwas für Ihre Flinte; wenn Sie’s aber nach einem Bock oder einem Bärenschinken gelüstet, Richter, so müssen Sie eine langläufige Büchse mit eingefettetem Propfen mitnehmen, sonst werden Sie, denke ich, mehr Pulver verschwenden, als Sie Mägen füllen.«

Nach diesen Worten fuhr der Sprecher mit der bloßen Hand unter seiner Nase weg und verzog seinen breiten Mund abermals zu einer Art innerlichen Lachens.

»Das Gewehr streut gut, Natty, und hat seinerzeit wohl auch einem Hirsch den Garaus gemacht«, entgegnete der Reisende mit einem gutgelaunten Lächeln. »Der eine Lauf war mit Hirschposten geladen, – freilich der andere nur mit Vogeldunst. Da sind zwei Schüsse, der eine durch den Hals und der andere gerade durch das Herz. Es ist nicht ausgemacht, Natty, ob nicht einer davon von mir herrührt.«

»Nun, mag ihn erlegt haben, wer will«, versetzte der Jäger verdrießlich; »es handelt sich jetzt, denke ich, nur noch darum, von wem er gegessen wird.« Mit diesen Worten zog er ein großes Messer aus einer ledernen Scheide, die in seinem Gürtel stak, und durchschnitt dem Hirsch die Gurgel »Wenn zwei Kugeln in dem Tier stecken, so möchte ich doch fragen, ob nicht etwa auch zwei Büchsen abgefeuert wurden? – Außerdem, wer hat je gesehen, daß ein so zerrissenes Loch wie dieses hier am Hals durch ein nicht gezogenes Gewehr entsteht? Sie werden mir zugeben, Richter, daß der Bock erst bei dem letzten Schuß fiel, und der kam aus einer sicheren und jüngeren Hand, als die Ihrige und die meinige ist. Ich für mein Teil kann zwar, obgleich ich ein armer Mann bin, ohne dieses Wildbret leben, aber doch mag ich nicht gerne in einem freien Lande meine gerechten Ansprüche fahren lassen. Freilich muß ich, was das anbelangt, leider sehen, daß hier so gut wie in dem alten Land Gewalt vor Recht geht«

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04 şubat 2026
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9788027209774
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