Kitabı oku: «Die Legende der Star Runner»

Yazı tipi:


Published in the English language originally under the title:

The Legend of the Star Runner

© 2017, freshamedia GmbH, Dreieich

ISBN 978-3-96326-770-3

Texte: Jens I. Wagner

Illustrationen: Cindy Fröhlich

Alle Rechte vorbehalten. Ohne schriftliche Erlaubnis des Autors darf dieses Werk weder ganz noch in Teilen, weder mechanisch oder elektronisch, nicht durch Fotokopien, Aufnahmen oder Datenspeicherung, vervielfältigt werden.

Dieses Buch ist reine Fiktion. Alle Namen, Personen und Orte entstammen allein der Fantasie des Autors. Jede Ähnlichkeit mit aktuellen Ereignissen, Orten oder lebenden beziehungsweise toten Personen oder zu Firmen, Ereignissen, Einrichtungen oder öffentlichen Orten ist rein zufällig.

Copyright der deutschen Ausgabe:

© Ullmann Medien GmbH, Rolandsecker Weg 30, 53619 Rheinbreitbach

Layout und Satz: freshamedia GmbH

Redaktion und Lektorat: Daniel Fischer

Gesamtherstellung: Ullmann Medien GmbH, Rheinbreitbach

E-ISBN 978-3-7415-2540-7

10 9 8 7 6 5 4 3 2 1

www.ullmannmedien.com



Für alle, die sich ein Leuchten in den Augen,

Liebe im Herzen

und Tagträume in ihren Gedanken bewahren.


Inhalt

Cover

Opener

Impressum

Titelblatt

Inhalt

Willkommen in der Welt von Timmi Tobbson!

Kapitel 1: Etwas stimmt nicht

Kapitel 2: Der geheime Eingang

Kapitel 3: Das Rätsel

Kapitel 4: Der verschwundene Pirat

Kapitel 5: Ein seltsamer Besucher

Kapitel 6: Schwer bewacht

Kapitel 7: Das verschlossene Buch

Kapitel 8: Ein tiefer See

Kapitel 9: Das Haus der hundert Zimmer

Kapitel 10: Der Schatzjäger

Kapitel 11: Der Diebstahl

Kapitel 12: Das verlorene Symbol

Kapitel 13: Die Star Runner

Kapitel 14: Ein Mann allein

Kapitel 15: In der Falle

Kapitel 16: Das Piratenquartier

Kapitel 17: Der Plan

Kapitel 18: Die Finsternis

Kapitel 19: Am Ende der Kräfte

Kapitel 20: Unter Beobachtung

Kapitel 21: Die Schatzkarte

Kapitel 22: Tief unter uns

Kapitel 23: In Verkleidung

Kapitel 24: Der Schlüssel

Kapitel 25: Der Geheimgang

Kapitel 26: Die Spur des Wächters

Kapitel 27: Das perfekte Versteck

Kapitel 28: Die letzte Warnung

Kapitel 29: Neue Hoffnung

Kapitel 30: Lotterlulus Schatz

Kapitel 31: Alles oder nichts

Kapitel 32: Ein Sommertag

Hinweise

Danksagung

Ach, und Übrigens

Über den Autor


Willkommen in der Welt von Timmi Tobbson!

Bei diesem Abenteuer bist du mittendrin. Hilf Timmi und seinen Freunden mit deiner Beobachtungsgabe, möglichst viele der Geheimnisse rund um die Legende der Star Runner zu lüften. Die Herausforderungen, die euch bevorstehen, sind unterschiedlich schwer:


Die Anzahl der neben einer Rätselfrage stehenden Lupen zeigt, wie schwer Timmi, Lilli und Marvin die jeweilige Rätselfrage finden. Natürlich kann es sein, dass du auch einmal anderer Meinung bist und dir eine Aufgabe leichtfällt, die den dreien schwer erscheint. Oder anders herum.


Im hinteren Bereich des Buches findest du zudem Hinweise zu jeder Rätselfrage, die dir helfen, die richtige Spur zu finden.


Jedes Rätsel wird im nachfolgenden Kapitel aufgelöst.


Die folgenden Dinge könnten dir bei der Lösung des einen oder anderen Rätsels von Nutzen sein. Unbedingt notwendig sind sie jedoch nicht.

Eine Lupe – ein Lineal – ein Stift – ein Zirkel (nur für Kapitel 22) – ein kleiner Spiegel (um die Hinweise am Buchende leichter zu lesen) – eine Taschenlampe (wenn du im Halbdunkeln liest).

Viel Spaß!

KAPITEL 01
Etwas stimmt nicht


„Schnell! Timmi!“ Lillis aufgeregte Stimme riss mich aus meinem Dämmerschlaf. Ich blinzelte in die Sonne. Sie stand aufgeregt und außer Atem vor mir: „Steh auf, komm mit!“.

Ich rappelte mich auf und rieb mir den Staub aus den Händen. „Was ist denn?“, fragte ich.

„Komm! Es geht um einen Schatz!“, rief sie und rannte los.

Verdutzt blickte ich ihr nach, bevor ich zur Aufholjagd ansetzte. Wir hatten Sommerferien. Endlich. Noch war es früh am Vormittag, doch es war schon absehbar, dass es ein heißer Tag werden würde. Schwimmbadwetter. Der Geruch frisch gemähten Rasens hing in der Luft. Irgendwo spielte Musik. Irgendwo lachten spielende Kinder. Und bis eben hatte ich noch faul in der Sonne gelegen, jetzt rannte ich neben meiner besten Freundin Lilli her, ohne den Grund zu kennen.

„Machst du Witze? Was für ein Schatz?“, keuchte ich.

„Opa hat gestern Abend angerufen. Ich soll heute Morgen um 10 Uhr bei ihm sein.“ Lillis Augen funkelten aufgeregt: „Mehr wollte er noch nicht sagen. Ich habe Marvin schon Bescheid gegeben. Er kommt auch.“


Als wir schnaufend ankamen, stand Marvin bereits im Vorgarten von Lillis Opa und hielt dessen Katze im Arm. Sie war weiß mit zwei orangenen Streifen an ihrem Schwanz. Wir kamen so schnell angerannt, dass die Katze erschrak, maunzte und anfing, fürchterlich zu strampeln und zu kratzen. Marvin stieß einen schrillen Schrei aus, ließ die Katze los und strafte uns mit einem verärgerten Blick. Er liebte Tiere, war klein, dick und mein bester Kumpel.

Lilli rannte an ihm vorbei, ohne ihn zu beachten, und klingelte.

„Hab ich schon versucht, er macht nicht auf“, meinte Marvin.

Lilli warf ihre Stirn in Falten, hämmerte mit der Faust gegen die Tür und rief: „Opa!“ Keine Reaktion. „Er hat doch gesagt, um 10 Uhr ...“, brachte Lilli schwer atmend hervor.

Marvin sah mich mit großen Augen an und strahlte über das ganze Gesicht: „Hast du gehört, es geht um einen Schatz!“

Immer wenn Marvin vor Vorfreude zu platzen drohte, begann er, auf und ab zu wippen. Manchmal war es schon fast ein Hüpfen. So auch jetzt. Das sah seltsam aus, störte ihn aber keineswegs.

„Vielleicht gibt es diese Ferien ein Abenteuer“, sagte er hüpfend und klatschte in seine Hände.

„Ich glaub, wir sind schon mittendrin“, sagte ich, noch immer nach Luft ringend.

Lilli stand ratlos vor der Tür. „Wir müssen da jetzt rein“, schnaufte sie. „Da stimmt doch was nicht.“

Es war wirklich seltsam, dass Lillis Opa nicht öffnete, aber ich versuchte, sie zu beruhigen: „Vielleicht hört er uns gerade nicht.“

„Oder er ist kurz Kuchen holen“, steuerte Marvin freudig bei.

Lilli überzeugte das wenig. Bei ihr gab es nur ja oder nein. Sie war ein Dickkopf, besonders wenn ihr jemand oder etwas am Herzen lag.

„Nein, nein, wir müssen da rein“, beharrte Lilli, während sie ein paar Schritte Abstand nahm und das Haus betrachtete. Ich folgte ihrem Blick.

„Die Fenster sind alle verschlossen. Gibt es denn noch einen Eingang?“, fragte ich.

„Nicht, dass ich wüsste“, meinte Lilli.

„Wir sollten ums Haus herum gehen und nachsehen“, schlug ich vor.

„Also zumindest einen anderen Weg rein gibt’s doch“, sagte Marvin, der ebenfalls das Haus betrachtete.

Ich schaute ihn verdutzt an und wartete auf eine Erklärung. Marvin stand auf dem Schlauch. Er blickte freundlich lächelnd zurück und so vergingen einige seltsame Sekunden der Stille, in denen ich darauf wartete, dass er sich endlich erklärte.

Dann, ganz plötzlich, platzte es aus ihm heraus: „Oh, und ich glaube ich habe eben eine kleine Eidechse gesehen, die sich unter dem Stein hier verkrochen hat.“

Perplex beobachtete ich, wie er sich zu dem Stein bückte, ihn anhob und darunter schielte.

„Nö“, sagte er enttäuscht, „aber da ist ein Wurm drunter.“

„Wie in aller Welt kommst du darauf, dass es noch einen Eingang gibt?“, fuhr ich ihn ungeduldig an und deutete zum Haus.

Jetzt bist du gefragt. Betrachte aufmerksam das Bild und überlege dir, was bis hierhin passiert ist. Zu jedem Rätsel findest du hinten im Buch einen kleinen Tipp!


Warum dachte Marvin, es müsse noch einen weiteren Weg ins Innere des Hauses geben?

Brauchst du einen Tipp?


KAPITEL 02
Der geheime Eingang

WENN DIE KATZE HINEINGEKOMMEN war, konnten wir das vielleicht auch. Langsam schlenderten wir ums Haus herum. Hier wuchs das Gras kniehoch. Hier und da stand allerlei unnützes Zeug herum, alte Fässer, eine verrostete Schubkarre, ein hölzerner Schuppen. Aber so, wie sich das Sonnenlicht seinen Weg durch die Baumwipfel bahnte und danach auf die umhersurrenden Bienen traf, wirkte der Garten ganz verwunschen.

Marvin war begeistert: „Wie hier alles wächst. Wie im Dschungel. Bestimmt voller Tiere.“ Seine Augen strahlten: „Spinnen, Grashüpfer, Raupen. Vielleicht sogar Frösche.“

„Da sind bestimmt keine Spinnen drin!“, zischte Lilli.

„Warum? Ich mag Spinnen. Die tun dir nichts. Die haben viel mehr Angst vor dir als du vor denen.“

„Das sollten sie auch“, knurrte Lilli.

Das Gras wurde auf der Rückseite des Hauses immer höher, es reichte schon bald bis zum Bauchnabel.

„Passt auf, wo ihr hintretet!“ sagte Marvin besorgt. „Nicht, dass ihr aus Versehen auf eine Schnecke stampft.“

Er fing an, auf Zehnspitzen durch das Gras zu staksen. Irgendwie sah ich mich genötigt, es ihm gleichzutun, während Lilli weiter vorpreschte.

„Oh Mann, Lilli, pass doch auf, wo du hintrittst!“, rief Marvin ihr nach.

„Nerv nur weiter, dann merkst du gleich, wo ich hintrete!“, fauchte Lilli. Sie ging noch ein paar Schritte, blieb dann abrupt stehen, wendete sich Marvin zu und ergänzte: „Nämlich in deinen Hintern!“

Marvin entschied, nicht weiter darauf einzugehen.

„Ah, ein freies Fleckchen. Ich bleib kurz auf dem Brett hier. Kleine Pause von dem Gras.“ Er schaute mich mit großen Augen an.

Lilli bog um die Ecke in Richtung Vorderseite.

„Hier gibt’s alles, bloß keinen Rasenmäher“, murmelte er und wippte auf dem Brett hoch und runter. Auch wenn er sich unwohl fühlte, begann er auf und ab zu wippen.

„Lilli macht sich nur Sorgen. Sie meint es nicht so“, flüsterte ich.

Just in dem Moment kam sie auch schon wieder zurück: „Da ist auch nichts.“

Plötzlich hörten wir ein lautes Krachen. Das Brett unter Marvins wippenden Füßen brach ein und er verschwand mit einem Mal im Boden.

Lilli und ich eilten zu dem Loch und starrten in die Finsternis.

„Hey Marvin, alles OK?“

Wir hörten es rumoren, doch es war zu dunkel, um etwas zu erkennen.

Dann hustete Marvin und krächzte: „Ich bin da. Alles gut.“

Wir steckten unsere Köpfe in das Loch. Langsam gewöhnten sich unsere Augen an die Dunkelheit und die Umrisse von Marvin zeichneten sich ab. Er lag rücklinks auf einem Haufen Heizkohle.

„Oh Mann, hier gibt’s bestimmt Mäuse oder Ratten!“, freute sich Marvin.

„Glückwunsch, du hast einen Eingang gefunden“, sagte ich. „Wir kommen runter.“

„Hör endlich auf, meinen Opa zu beleidigen. Er hat keine Ratten in seinem Keller und sein Gras ist nicht voller Spinnen!“, rief Lilli und ließ sich an der Wand hinab auf den Kohlehaufen gleiten.

Marvin lag noch immer auf dem Rücken und reichte Lilli die Hand. „Ich wollte deinen Opa nicht beleidigen, Lilli“.

Sie schnaubte nur verächtlich und ließ ihn liegen.

„Sie wird schnell sauer“, stellte Marvin fest, als ich ihm auf die Beine half.

Kurz darauf gingen wir im Haus von Zimmer zu Zimmer, während Lilli immer wieder besorgt nach ihrem Opa rief. In der Küche hielt sie plötzlich inne: „Eines wissen wir zumindest jetzt. Bis vor kurzem war auf jeden Fall noch jemand hier.“

„Was? Woher weißt du das?“, fragte ich.


Etwas in der Küche beweist Lillis Beobachtung. Aber was?

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KAPITEL 03
Das Rätsel

LILLI HATTE DIE SCHAUMBLASEN in der Küchenspüle entdeckt. Irgendjemand musste bis vor nicht allzu langer Zeit noch das Geschirr gespült haben.

Ich flüsterte: „Aber wenn er hier ist, warum hat er dann nicht aufgemacht? Hat er uns nicht gehört? Und jemand hat Kaffee gemacht. Aber dein Opa trinkt nur Tee, richtig? Oder trinkt er auch Kaffee?“

Lilli blickte zu der halb vollen Kaffeetasse und dann zu mir. Langsam schüttelte sie den Kopf.

„Glaubt ihr, es ist noch jemand anderes hier?“, stammelte Marvin.

Ich bekam eine Gänsehaut.

Auf einmal gab es einen heftigen Schlag, als ob jemand etwas Schweres hingeworfen hätte. Wir zuckten zusammen. Das kam von irgendwo über uns. Wir alle schauten nach oben zur Decke. Marvin rückte ein Stück näher zu mir. Wieder ein heftiger Schlag!

„Was ist hier los?“, fragte Marvin mit zitternder Stimme.

„Das finden wir raus!“, sagte Lilli entschlossen und ging Richtung Treppenaufgang im Flur.

„Nein, Lilli!“, flüsterte Marvin eindringlich. Sie schaute über die Schulter und warf uns ein „Angsthasen!“ zu, als sie den Raum verließ.

Nervös fummelte ich mein Asthmaspray aus der Hosentasche und nahm einen kräftigen Zug. Immer wenn ich mich aufregte, bekam ich schlecht Luft und dann musste ich das Spray einatmen.

Marvin sah mich mitleidig an: „Geht’s dir gut?“

„Ja, ja, geht schon. Los jetzt, komm.“

Gerade wollte Lilli die erste Stufe der Treppe zum ersten Stock betreten, da flüsterte ich: „Halt, warte!“

Lilli hielt inne.

„Knarren denn die Stufen nicht? Vielleicht hört man uns.“

Lilli beantwortete meine Frage, indem sie fest auf die erste Stufe stampfte. Sie knarrte laut.

„Ja, schätze sie knarren“, sagte Lilli.

„Ja, knarren“, bestätigte Marvin.

Ich rollte meine Augen und Lilli stürmte die Treppe empor.

„Da seht mal, die Leiter zum Dachboden ist unten!“

Sie rannte weiter und wir hinterher.

Wir kletterten die Leiter hoch und landeten im obersten Raum des Hauses. Direkt unter dem Dach. Wir trauten unseren Augen nicht. Überall standen antike Gegenstände herum. Wie in einem Museum, nur sehr viel unaufgeräumter. Alte Statuen, Vasen, sogar eine Ritterrüstung und etwas wie eine Schatztruhe. Und mittendrin saß Lillis Opa, vertieft in einen kleinen beschrifteten Zettel.

„Opa!“, rief Lilli und rannte auf ihn zu.

„Oh, Lilli!“, rief der alte Mann überrascht, als sie in seine Arme sprang und ihn fest drückte. „Wie viel Uhr ist es? Schon 10?“


Das laute Geräusch gerade eben wurde wohl von dem schweren Truhendeckel verursacht, erklärte er uns. Dieser war ihm zweimal zugefallen. Er suchte schon den ganzen Morgen verzweifelt einen alten Schlüssel, der sich hier auf dem Dachboden befinden müsse.

„Ich habe ihn hier oben versteckt. Leider kann ich mich nicht erinnern, wo genau. Da ich so etwas schon befürchtet hatte, weil ich mein schusseliges Hirn lange genug kenne, habe ich mir das Versteck notiert. Allerdings in Form eines Rätsels, um auf Nummer sicher zu gehen. Doch jetzt weiß ich nicht mehr, was die Zeilen bedeuten.“

„Na dann lass uns doch mal schauen“, murmelte Lilli und las vor.

„Ganz allein fühl ich mich leer.

Ansonsten aber eher schwer.

Fühl ich mich leer, bleibe ich still stehen.

Fühl ich mich schwer, will ich gern gehen.

Doch wenn ich gehe, dann fließt meistens Blut.

Nur wenn ich still stehe, sind die Zeiten gut.“

„Was kann das bedeuten?“, fragte ich mich und blickte in ratlose Gesichter.


Die Zeilen beschreiben ein Versteck auf dem Dachboden. Was könnte gemeint sein?

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KAPITEL 04
Der verschwundene Pirat

„KUNIBERT,“ SAGTE LILLIS OPA, während er den mit einem Tuch umhüllten Schlüssel aus dem Helm entnahm. „So nenne ich die Ritterrüstung.“

„Was hat es mit dem Schlüssel auf sich?“, wollte Lilli wissen.

„Das verrate ich euch bei einer Tasse Kakao. Folgt mir.“

„Es ist viel zu heiß für Kakao“, flüsterte ich zu Marvin.

Der zuckte nur mit den Schultern. „Kakao ist lecker.“


Der Kakao war nicht nur lecker, er war vor allem auch eisgekühlt.

Lillis Opa deutete auf ein Gemälde an der Wand des gemütlichen Wohnzimmers, in dem wir nun saßen. „Das hier ist das Porträt eines Piraten. Nein, einer Piratenlegende! Das ist Lotterlulu.“

„Lotterlulu“, wiederholte Marvin mit staunenden Augen.

„Der große Lotterlulu war vor etwa 250 Jahren aktiv. Überall gefürchtet. Er hatte unermessliche Reichtümer an Bord seines berühmten Piratenschiffes namens Star Runner, was so viel heißt wie 'Sternenrenner'.“

„Der Star Runner? So hieß sein Schiff?“, fragte ich.

„Nun, fast. Schiffe sind immer weiblich. Man sagt also 'die Star Runner' und nicht 'der Star Runner'. Aber wie auch immer, die Star Runner war das schnellste und am stärksten bewaffnete Schiff seiner Zeit. Es kam und verschwand so schnell, als ob es über die Sterne reiten könne.“

„Star Runner“, wiederholte Marvin ehrfürchtig.


„Irgendwann beschloss Lotterlulu, sich zur Ruhe zu setzen. Das war nicht einfach zu bewerkstelligen, aber sein Reichtum sollte ihm dabei behilflich sein. Eines Nachts im Jahre 1755 tauchte er hier mitten in unserem alten Ortskern auf. Der dort verlaufende Fluss führte damals genug Wasser, um ein großes Schiff wie die Star Runner zu tragen.“

„Hier? Er war hier?“, fragte Lilli.

„Richtig. Drei Tage und Nächte lag die Star Runner dort vor Anker, aber kein Mensch wurde an Bord gesichtet. Alle Ortsbewohner waren völlig aus dem Häuschen. Man wusste, dass Schiffe der Regierung Lotterlulu verfolgen würden, doch sie waren einige Tage weit entfernt. Also sperrte man den Fluss ab und bewachte das Schiff Tag und Nacht. Doch in der dritten Nacht zog dichter Nebel auf. Die Wachen konnten die Hand nicht vor Augen sehen und wurden überwältigt. Als die Männer wieder zu sich kamen, war die Star Runner verschwunden.“ Opa schnippte mit den Fingern. „Einfach so.“

„Aber der Fluss war doch abgesperrt“, warf ich ein.

„Das ist ja das Unheimliche. Die Sperrung wurde nicht durchbrochen.“

„Vielleicht ist es gesunken“, mutmaßte Marvin.

„Das Flussbett wurde durchsucht. Es ist nicht gesunken.“

„Wohin ist es dann?“, fragte Lilli.

„Wenn ihr das herausfinden wolltet, müsstet ihr eure Suche im Akademischen Stadtarchiv beginnen. Aber da dürfen leider nur Akademiker rein, also Lehrer, Professoren und Studenten.“

„Nach was müssten wir suchen?“, wollte ich wissen.

„Nach dem Stadtlogbuch des Bürgermeisters. Er hat alles peinlich genau notiert. Wenn ihr einen Hinweis findet, dann dort. Aber es ist ein 250 Jahre altes Buch. Ich bezweifle, dass man euch hineinlässt, und noch weniger glaube ich, dass man euch in dem Buch blättern lassen wird.“

„Was hat es mit dem Schlüssel auf sich?“, fragte ich weiter.

„Ach ja, der Schlüssel. Den hat mir mein Großvater geschenkt. Er hat nie gesagt, woher er ihn hatte. Doch er sagte mir eines ganz eindringlich: Dieser Schlüssel passt in das Auge des Schatzes von Lotterlulu.“

„Ins Auge?“, fragte Lilli.

„Das klingt seltsam“, meinte Marvin.

„Nicht wahr? Deswegen konnte ich es mir bis heute gut merken. Er sagte noch etwas Merkwürdiges. Angeblich liegt der Schatz:

‘Weit oben unter einem Zelt aus Sternen, auf der Rückseite eines Mondes’.

Aber das ist sicher nur im übertragenen Sinne zu verstehen. Ein Raumschiff war die Star Runner nun mal nicht. Und jetzt, Kinder, ist es an der Zeit, diesen Schlüssel weiterzureichen.“


Der Opa beugte sich zu Lilli und übergab ihr langsam den Schlüssel. Er war groß, länger als ihre beiden Handflächen, die sie ausgestreckt hielt, um den Schlüssel in Empfang zu nehmen.

„Wenn eine aus unserer Familie diesen Schatz findet, dann bist du das, Lilli. Viel Glück.“

„Danke, Opa.“

„Es ist kein Zufall, dass ich dir heute den Schlüssel gebe. Bis zum gestrigen Freitag hatte ich die Geschichte noch fast vergessen. Doch dann bekam ich einen seltsamen Besuch.“

„Der Kaffee“, rief ich. „Sie trinken keinen Kaffee, stimmt’s?“

„Gut beobachtet, mein Junge. Kannst du mir auch sagen, wer der Besucher war?“, fragte Lillis Opa während sich sein Blick in Richtung Couchtisch senkte.

Nach einigen Augenblicken begann Marvin auf seinem Sessel auf und ab zu wippen. „Ich kann das. Wenn ich noch eine Tasse Kakao bekomme“, feixte er.


Wer hat Lillis Opa gestern besucht?

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