Kitabı oku: «Brauner Zucker»

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Brauner Zucker

Einleitung

Die Sonne entschwand langsam am westlichen Horizont hinter den weit entfernten Bergen. Die letzten Sonnenstrahlen die sie an diesem Herbsttag spendete, brachten die spärlich verteilten Wolken zum Glühen, als würden vereinzelte Feuer am nächtlichen Himmel brennen. Je tiefer die Sonne sank desto glutroter wurden sie, bis endlich die Dunkelheit den Himmel in seinen Besitz nahm und die ersten Sterne zum Vorschein kamen.

*

Das Wohnzimmer sah aus, als hätte ein Orkan darin gewütet. Stühle lagen umher. Zerbrochenes Glas von Gläser und den Alkoholflaschen waren auf dem ganzen Fußboden verteilt. Rundherum der, durch die zerbrochenen Flaschen, vergossene Alkohol. Der seelisch gebrochene Mann ignorierte den penetranten Duft des Alkohols, der ihm in die Nase stieg.

Jean griff nach einem Stuhl. Stellte in direkt vor den Kamin und nahm darauf Platz. Sein Blick war starr in die Feuerstelle gerichtet. Ihm war, als sähe er wie aus einem kleinen Funken ein loderndes Feuer entstand. Vernahm das Knistern des brennenden Holzes und roch den Duft von Rauch. Sah darin, wie das Feuer das Holz umschloss und langsam niederbrannte, um aus seiner Energie die wohltuende Wärme frei zu geben, die den menschlichen Körper erwärmt. Bis schlussendlich nur mehr Kohlenstaub übrig blieb. Die Ofensteine saugten diese Wärme auf. Er fühlte diese ansteigende Wärme, die von dem erwärmten Stein ausging. Spürte wie sein kalter Körper diese Wärme in sich einsog. Doch sein Innerstes erwärmte sich nicht. Sah zu wie die Schwärze von Verbranntem sich über das Holz verbreitete und die Glut den Rest in Asche verwandelte.

Doch es brannte kein Feuer, dort im Ofen, wohin er seine starren Augen gerichtet hielt. Seine Handfläche berührte vorsichtig den vermeintlichen heißen Stein. Doch dieser war eiskalt. So kalt wie sein Körper und Seele, der diese Kälte in sich aufnahm und doch nicht real spürbar wahr. Verbarg das Gesicht in seiner linken Hand. In der rechten hielt er eine Schusswaffe. Die Waffe die sie zurückließ. Seine körperliche Haltung war in sich zusammengesackt.

Tränentropfen liefen über seine Wangenbacken. Aber wirklich geweint hat er nicht.

Binnen weniger Minuten sah er sein ganzes bisheriges Leben wie in einem Film ablaufen. Beobachtete wie die Flammen des Feuers, das er weiterhin im Kamin lodern sah, sein Leben zu versengen drohte. Heißer und größer wuchsen die Flammenzungen, bis er sich davon umzingelt sah und kein Entrinnen mehr für ihn gab. Die Feuerflammen speisten sich von seinem Verdruss. Von seiner zerfleischten Seele. Auch wenn es sich nur um ein metaphorisches Feuer handelte, das ihn in Bann hielt.

Tief drangen die Feuerzungen in ihn ein. Verlor dabei gänzlich seine Besonnenheit. Selbst seine Seele nahm es in Besitz. Ein letzter Versuch sich aus den bildlichen Feuerszungen zu befreien, die seinen Geist umschlungen hielten, scheiterte kläglich. Denn, der ihm zugefügte Schmerz hatte sich bereits zu tief in seiner Seele verankert und gab ihn nicht mehr frei.

Er verlor die reale Einsicht seines nüchternen Denkens und Verhaltens an dieses Feuer, das sich von seinem Schmerz nährte. An das er Stück um Stück sein Ichbewusstsein verlor. Es brannte heiß, tief in seinem inneren. Zehrte ihn aus. Bis es schließlich so machtvoll war und ihn, seinen Geist und Seele, voll und ganz in Besitz hatte.

War es das Ende. Sein Ende. Verbrannt durch die lodernden Feuerzungen, die sie in ihm entfacht hat.

Es schien ihm, als gäbe es nichts mehr für was es zu leben lohnte.

Glutrote Augen starrten ihn aus dem Feuer an, die sich hinter dem schützenden Glas der Feuerstelle formiert hatten. Mehr und mehr formte sich um sie ein schemenhaftes noch nicht erkennbares Gesicht zusammen. Es nahm die Form eines zarten, tugendhaften mit feinen noch mädchenhaften Zügen an. Ein heiteres Gesicht das ihn entgegensah.

Das flackern des Feuers zerstreute das entstandene Gesicht. Dann breitete sich ein dunkler blutroter Fleck darüber aus. Erst klein, der größer und roter wurde. Bis das gesamte Gesicht davon in Besitz genommen wurde, der wiederum wie Blut im Feuer zerfloss.

Wut und Zorn, Verzweiflung und Entsetzen breitete sich im hoffnungslosen Gesicht des Mannes aus. Gefühle die sein Körper ebenso in sich aufnahm.

Was jetzt wohl im Kopf dieses Mannes vor sich ging?

Jähzorn stieg in ihm hoch, der sich seiner bemächtigte. Ein Wutschrei entfuhr seiner Kehle. In dem sich all seine Bitterkeit entlud. Sein Schrei hallte durch den Raum.

Er sah die Vergangenheit und die Gegenwart; doch eine Zukunft sah er nicht mehr.

Sein bisheriges Leben zerbröckelte Stück um Stück. >Isabell<. Nur dies eine Wort wiederholte sich immer und immer wieder in seinen Gedankengang, als hätte es sich mit seinem Geiste verflochten. Bis er diesen Namen selbst in den Mund nahm und ihn aussprach. „Isabell, Isabell.“ Mehrmals und jedes Mal lauter wiederholte er diesen. Bis der Name von ihm herausgeschrien wurde und er der psychischen Ohnmacht nah war.

Der Glanz, der einst seine Augen erhellte war erloschen. Ausdruckslos starrten diese auf die Waffe, die er in der Hand hielt.

Er war in Trance. Realisierte nicht mehr das Geschehen seines automatischen Handelns. Losgelöst von Realität und Sein.

War es ein Reflex, als er die Hand hob? Die, in der er die Waffe hielt. Langsam krümmte sich der Zeigefinger der am Abzug lag. Der Hahn spannte sich. Als dieser durchgezogen war, schlug er auf dem Schlagbolzen auf, der auf die Patrone schlug und die Kugel abfeuerte. Die Kugel bahnte sich den Weg durch den Lauf. Der Knall des Schusses durchbrach die absolute Stille.

Eine ewige Nacht breitete sich in seinem Körper aus, hüllte seinen wandernden Geist mit seinem Mantel ein.

*

Aber was mache ich da. Ich kann doch nicht das Ende der Geschichte zu Anfang erzählen.

Um zu verstehen wie es zu dieser geschilderten Situation kam, muss ich die Zeit zu seinem Anfang zurückdrehen, verehrte Leser. Zurück zum Auftakt der Geschichte. In eine Zeit da alles noch bestens für Jean P. Hegena stand. Dem Autor alle Wege offen standen und er noch ein, wie er es selbst bezeichnen würde, achtbares, vergnügliches und aufrichtendes Leben führte.

Der Auslöser zu dieser Geschichte begann bereits vor knapp achtzehn Monaten. Damals arbeitete Jean an seinem zweiten Buch. ‚Isabell‘. Genau dieses Buch ist der Umstand zu den Geschehnissen dieser Geschichte. Auch möchte ich nicht weiter vorgreifen zum Inhalt jenes Buches und deren Umstände, das Jean P. Hegena in die gegenwärtige Misere gebracht hat.

Lassen sie uns einen Schritt nach dem anderen gehen.

Vorweg möchte ich noch erwähnen, dass nach und nach Begebenheiten aus jener Zeit sich in den Textpassagen einfinden werden und die vorhandenen Umstände zu dieser Geschichte geklärt werden.

Kap. 1

Stille beherrschte den Vorraum von Helen Jesadas Büro.

Lautlos öffnete sich die Türe und genauso lautlos wurde sie wieder von dem eintretenden Herrn geschlossen. Kaum hörbar waren seine Schritte. Doch das leise Geräusch, das die Gummisohlen seiner Schuhe auf den marmornen Boden verursachten, ließ sich nicht vermeiden. Es ließ die junge Dame, die hinter dem Schreibtisch vor Helens Jesadas Bürotür saß, aufsehen. Ihre Gesichtszüge formten sich zu einem freundlichen Lächeln.

„Guten Morgen Herr Hegena“, grüßte sie sehr höflich.

Der sanfte Klang ihrer erotisch weichen Stimme, mit der sie sprach, konnte bei einem Mann so manche verborgene Sehnsucht erwecken.

„Fräulein Felicia! Ich wünsche ihnen auch einen wunderschönen guten Morgen.“ Erwiderte er sehr herzlich ihren Gruß, als er sich nah an ihrem Schreibtisch befand.

Sie vertiefte ihren Kopf wieder in die Arbeit, die vor ihr auf dem Schreibtisch lag.

„Sie sehen bezaubernd aus. Wie immer.“ Fuhr er mit dem Gespräch fort. Und sah sie mit prüfenden Augen an.

Sein Kompliment erregte ihre Gefühle und Röte breitete sich in ihrem Gesicht aus. Verlegen sah sie auf den Schreibtisch nieder, dass er ihre Peinlichkeit und Schamröte nicht bemerkt. Doch er nahm diese bei ihr trotzdem wahr.

Ihre Stimme wirkte sehr unsicher als sie auf sein Kompliment antwortet. „Aa …, ja … Danke sehr. Sie bringen mich in Verlegenheit, Herr Hegena.“

Ihre Beengtheit darüber war so stark, dass sie es nicht wagte ihn offen ins Gesicht zu sehen. Heute geschah es das erste Mal, dass ihr auch noch die Röte ins Gesicht schoss, auf sein so reizvolles Kompliment. Jean hatte immer ein freundliches Wort für sie übrig, wenn er zu Helen Jesada ins Büro kam.

Sie nahm das ansteigende Herzklopfen in sich wahr. Dies bereitete ihr Unbehagen.

Jean ist ein sehr attraktiver Mann und Felicia wusste, was Frau Jesada von ihr, in Bezug zu Herrn Hegena, erwartete. Abgesehen davon lebte sie seit einiger Zeit in einer Beziehung. Was ihr wohl zu der Schamröte verhalf.

Sie kannte Jean Hegena. Ein junger schöner galanter Mann, um die dreißig. Groß, kurze schwarze Haare. Dunkle Augen. Ein makelloses schönes bartloses Gesicht. Nur feine schmale kurzgeschnittene Koteletten, die bis zum Unterkiefer reichten. Immer elegant gekleidet. Das herzige Lächeln, das er ihr immer zeigte, wenn er sie ansprach. Sein Deodorant das nach Moschus duftete. Ein Mann eben, von denen wohl die meisten Frauen träumten und schwärmten.

Seit einigen Wochen schaute er regelmäßig ein-, zweimal in der Woche bei Helen Jesada vorbei. Und jedes Mal hatte er ein liebenswürdiges Kompliment für sie parat.

Sein neuester Roman war vollendet und es galt nur mehr die letzten Arrangements zu besprechen, die für die Veröffentlichung seines Buches bevorstanden. Ebenso wie auch der Termin, wann und wo die Erstpräsentation stattfinden sollte, noch festzulegen war.

„Keine falsche Bescheidenheit Fräulein Felicia. Sie sind eine sehr hübsche, anziehende junge Dame.“

Ihr Alter schätzte er um die zwanzig. Dunkelblonde nackenlange Haare. Große blaue Augen. Eine zierliche Nase und ein kindhaftes Antlitz. Schlank und um einen Kopf kleiner als er. Sie trug eine weiße Bluse und eine pinkfarbene Strickjacke die sie offen trug. An der weißen Bluse haftete eine Brosche in der Form eines kleinen Maikäfers aus Swarowskiglas. Ein Goldkettchen zierte ihren Hals das sie über der Bluse trug. An den Ohren hing je einen Ohrring in Form von je drei Wasserperlen. Nur ihre Finger waren schmucklos. Den roten Rock mit schmalen weißen Streifen den sie heute trug, konnte er nicht sehen. Denn der Schreibtisch verbarg ihm die Sicht darauf.

*

Die liebevolle Art wie er seinen männlichen Charme, bei den weiblichen Mitmenschen einzusetzen wusste, verfehlte nicht seine Wirkung. Kaum eine Frau konnte seinen Schmeicheleien wiederstehen. Denn er wusste genau, wann und wie er diese einzusetzen hatte um an das zu kommen, was ihn an den Frauen reizte.

Seine gefühlvolle Weise mit Frauen zu dialogieren war sanft und einfühlsam, so als würde er die Frauen verstehen. Und doch ging er stets sehr direkt vor, sein Ziel bei einer Frau zu erreichen. War es nun mit Worten, seinem Charme oder Blicken. Alles Dinge die eine Frau an einem Mann sich wünscht.

Das Schwärmen der meisten Frauen beachtete er kaum, denn es war ein ganz bestimmter Typ Frau dem sein Interesse galt. Sei es nun ihm Aussehen, Charakter und Sympathie der jeweiligen Frauen mit denen er zu verkehren pflegte. All dies war ihm bei einer Frau sehr wichtig.

Nur bei wenigen Frauen machte er von diesen seinen Prinzipien eine Ausnahme.

Die Art und Weise wie er bei den Frauen vorging, sollte ihnen zeigen wie Begehrenswert sie für ihn sind. Meistens dauerte aber sein Interesse nur so lange an, bis er das erhielt was er von den Frauen begehrte. Ihre Hingabe der sexuellen Begierde.

Erhielt er diese, so verflog bald schon sein Interesse an ihr. Nur selten geschah es, dass er mit ein und derselben Frau sich öfters seinen sexuellen Interessen hingab. Und wenn dies geschah, dann waren es immer besondere Frauen.

Eine davon befand sich im Raum hinter dieser Türe. Nur in ihrem Fall war die Sachlage anders.

*

„Wie ich sehe haben sie um dekoriert seit meinem letzten Besuch, vor wenigen Tagen“, bemerkte er. „Ein neues Gemälde?“ Es zierte die Wand vor der Felicias Arbeitstisch stand. „Sehr aussagekräftig.“

„Gefällt es Ihnen?“ fragte Felicia errötend.

„Beeindruckend!“

„Es ist von einem Zeitgenössischen Künstler. Es nennt sich ´die Hingabe`.“

„Sehr zutreffend.“ Und blickt die Sekretärin an.

Es füllte die gesamte Wand, von der Ecke bis zum Türrahmen aus und hatte eine Höhe von ca. einhundert cm mal eine Länge von etwa einhundertfünfzig cm. Es war ein sehr lebendiges Bild, mit lebhaften Farben. Man könnte durchaus meinen, dass so eine Situation, die es darstellte, nicht nur aus der Phantasie heraus entstand. Sondern sehr real sein konnte.

Ein nackter jugendlicher Frauenkörper seitlich ausgestreckt daliegend, in einer geöffneten Venusmuschel. Den einen Arm den Kopf stützend, die andere an ihrer Seite mit der Handfläche an der Innenseite der Oberschenkel unterhalb des Intimbereichs. Umgeben von Engelsknaben und -mädchen in ihrem Hintergrund.

Durch die Sprechanlage ertönte die Stimme von Helen Jesada, die das Gespräch der beiden unterbrach.

„Ist Herr Hegena schon da Felicia?“

Helens Sekretärin war erleichtert über diese Störung. Drückte auf den Antwortknopf der Sprechanlage. „Er ist soeben eingetreten.“

„Pünktlich wie immer. Er mag hereinkommen.“

„Sie haben es gehört Herr Hegena.“ sagt sie mit sehr feiner und freundlicher Stimme zu ihm. Sie stand auf, nahm einige Dokumente von Schreibtisch mit und war bereit die Tür zum Büro von Helen zu öffnen. „Wieso immer so förmlich Fräulein Felicia. Wollen sie nicht Jean zu mir sagen.“

Felicia hielt einen Moment inne, bevor sie die Hand auf die Türklinke legte. Sah ihn für einen Sekundenbruchteil an. Wandte ihren Blick sofort wieder ab. Gab ihm aber keine Antwort. Sie drückte die Klinke nach unten und die Türe nach innen auf. „Bitte treten Sie ein.“ und ließ Jean Hegena vorgehen.

„Würden sie nicht mal die Güte haben mit mir ausgehen, Fräulein Felicia.“ fragte er sie beim Vorübergehen so leise wie möglich, dass nur sie es hören konnte, und schenkte Ihr einen kurzen Blick. Ihr Gesicht rötete sich wieder und sah ihm nach, ohne ein Wort darauf zu erwidern. Trat nach ihm ein. Übergab die Dokumente und entfernte sich. Sah Jean aber im vorbei gehen noch mit einem sittsamen Blick an.

„Herr Hegena, bitte nehmen Sie Platz.“ sagte Helen sehr förmlich zu ihm noch hinter dem Schreibtisch sitzend. Jean trat bis nah an den Schreibtisch heran, währenddessen sie aufstand und um den Tisch herum ging und ihm ihre Hand bot. Er nahm sie in die seine und küsste ihren Handrücken.

„Ich möchte nicht gestört werden Felicia.“ Rief Helen Jesada ihr nach, noch bevor sie die Tür von draußen schloss.

„Natürlich Frau Jesada.“ Erwiderte Felicia und schloss die Bürotür.

Auch wenn Helen sehr förmlich mit Jean in Präsenz von Dritten sprach, so wusste Felicia doch, dass zwischen beiden mehr war als nur ein freundschaftliches Verhältnis.

*

Es war damals, als sein erstes Buch von diesem Verlag veröffentlicht wurde.

Die Mittagzeit war nah. Felicia wollte bereits Pause machen, als noch ein Anruf kam. Frau Jesada sollte sich umgehend zum Chef begeben. Sie wollte es ihr sofort mitteilen und einige Unterlagen bringen. Ohne vorher anzuklopfen trat sie ein.

Eng umschlungen sah sie die beiden, sich küssend und gegenseitig der Kleider entblößend. Gott sei Dank noch bevor sie ein Wort sagte.

Sofort und leise wie sie geöffnet hatte, schloss sie die Bürotür von draußen wieder. Setzte sich an ihren Schreibtisch, drückte den Knopf der Sprechanlag und gab die Mitteilung weiter. Und erwähnte auch, dass sie jetzt Mittagspause mache.

*

„Frau Jesada, sie sehen wie immer hinreißend aus.“

Nur der Förmlichkeit halber, gegenüber dritten zu wahren, hielt sich der Autor an die gepflegten Umgangsformen.

Jetzt da sie nah beieinander standen und die Türe geschlossen war, legte sie die Arme um seinen Hals. Er die seinen um Ihre Taille. Zog sie dicht an sich heran und drückte ihr sachte einen langen Kuss auf ihre schmalen rot geschminkten Lippen, den sie voller Innigkeit erwiderte.

„Das habe ich sehr vermisst.“

„Schmeichler.“

Sie lösten sich aus der innigen Umarmung. Ohne Umschweife kam Helen auf den Punkt.

„Gefällt dir meine Sekretärin mehr als ich.“

Er sah sich ertappt. Doch musste er darüber beschämt sein, dass er mit ihr geflirtet hat. Weshalb auch!

„Keineswegs!“

„Mir ist nicht entgangen wie du meine Sekretärin ansahst!“

Aus dem Klang Ihrer Stimme erschien es ihm nicht, als würde sie ihm einem Vorwurf daraus machen.

„Sie ist ja auch ein sehr schönes Mädchen.“ Gab er offen zu.

„Da hast du vollkommen Recht. Und ich weiß welche Wirkung schöne Mädchen auf dich haben.“

„Du bist doch sonst nicht so!“

„Wie?“

„Wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen Neidisch.“

„Ich möchte, dass du meine Sekretärin in Ruhe lässt!“ sagte sie zu ihm, mit fester und bestimmter Stimme, die keinen Wiederspruch duldete.

„Bist du etwa wahrhaftig Eifersüchtig?“ erwiderte er darauf.

„Ich und Eifersüchtig!“ fast entfuhr ihr ein Lachen. „Mach dich doch nicht lächerlich! Wir sind schließlich nicht zusammen. Und außerdem ist sie fast noch ein Kind. Sie hat doch keine Ahnung.“ Ließ alles weitere dazu unausgesprochen im Raum stehen.

„Ich weiß unsere Beziehung zueinander besteht nur auf der Basis von beiderseitigen sexuellen Intimitäten, wenn wir geschäftlich miteinander zu tun haben.“

„Und so sollte es auch bleiben.“ Schnitt sie im scharf ins Wort. „Du weißt ich genieße unsere sexuellen Spielchen. Es wäre doch schade, wenn wir ihnen entsagen müssten. Denkst du das nicht auch?“

„Die immer wieder sehr verführerisch und erregend sind.“ Fügte Jean bei.

„Dann verstehst du sicher, dass ich dich in dieser kurzen Zeit, in der wir zusammen zu arbeiten haben, für mich alleine haben will! Und dich nicht mit einer anderen Frau zu teilen gedenke. Schon gar nicht mit meiner Sekretärin.“

„Auch mir liegt es fern auf unsere gemeinsame Vereinbarung zu verzichten.“

„Dann begreifst du sicherlich wieso ich darauf bestehe.“

„Aber ja doch.“

„Abgesehen von unserem Arrangement, hast du deine Affären, genauso wie ich die meinen habe.“

„Auch dagegen habe ich genauso wenig einzuwenden. Im Gegenteil, ich schätze unsere Abmachung sehr.“

„Ich nehme mir genauso das von einem Mann, was du dir von den Frauen holst. Nur mit einigen kleinen Abweichungen, aber im Grunde wollen wir doch beide dasselbe. Sex! Bist du nicht derselben Meinung?“

Jean gab darauf keine direkte Antwort. Sondern umschweifte auf seine Art diese Frage.

„Du bist eine sehr attraktive Frau und sehr begehrenswert. Verstehst deine weiblichen Reize voll einzusetzen. Das mag ich sehr an dir. Und ich gestehen, du weißt was du willst. Was ich ebenso zu würdigen weiß. Gerade deshalb ist es mir recht, dass unser Verhältnis, nur auf der Basis des absoluten körperlichen sexuellen Austausches basiert. Schließlich wollen wir beide nicht auf den Genuss der freien Liebe verzichten. Oder.“

„Natürlich nicht. Aber solange wir in den nächsten Wochen beruflich miteinander zu tun haben, wünsche ich nicht, wie schon gesagt, dass du dich mit anderen Frauen abgibst.“

„Aber …“ Versuchte er einen Einwand vorzubringen. Sie schnitt ihm sofort ins Wort.

„Du willst doch in dieser Zeit nicht etwa deine Männlichkeit bei anderen Frauen als mir verausgaben. Es wäre jammerschade. Sogar außerordentlich schade.“ Und langte mit der Hand an seinen Genitalbereich.

Es war kein harter Griff, vielmehr ein Verlangen, das sofort eine Reaktion im Lustzentrum bewirkte. Geschah die Reaktion auf Grund ihrer Berührung, die seine >maskuline< Erregung in ihm auslöste? Selbst durch die Kleidung hindurch nahm er die Wärme wahr, die von ihrer Hand ausströmte.

„Was macht es mit dir, wenn ich ein bisschen mit ihr flirte“, versuchte er nochmals entgegenzusetzen. „Schließlich ist sie ein sehr nettes, verführerisches Mädchen.“

„Gerade, weil sie meine Sekretärin ist, solltest du nicht versuchen sie zu umgarnen. Abgesehen davon, lebt sie in einer Beziehung. Du möchtest doch nicht etwa eine aufblühende Liebe zerstören.“ Die Ironie, die in den Worten lagen und mit der sie sie aussprach war nicht zu überhören. „Auch wenn ich weiß, dass es dir nicht im Geringsten etwas ausmachen würde.“

„Haltest du mich wirklich für so empfindungslos.“

„Nein, eigentlich nicht! Der entscheidende Faktor ist wohl der, ob du mich mit deinen Flirtversuchen ihr gegenüber erniedrigen möchtest.“

Seine Reaktion kam schnell. „Natürlich nicht“, gestand er. „Das käme mir nie in den Sinn.“

„Ein weiterer Grund ist der, dass ich in dieser Zeit ausschließlich mit dir verkehren werde und ich dasselbe auch von dir erwarte. Also wie lautet deine Entscheidung? Oder möchtest du unsere verbale Vereinbarung wiederrufen. Es hängt ganz allein von dir ab.“

„Warum zanken wir uns darüber.“

„Wir streiten nicht. Ich lege dir nur meinen Standpunkt klar vor Augen und ich hoffe du akzeptierst diesen. Wenn nicht ...“ Sprach aber nicht weiter. Sondern wartete, dass Jean sich äußerte.

Ein kurzes Zögern, dann antwortete er, ohne ein weiteres Argument vorzubringen.

„Na gut. Ich werde in dieser Zeit ganz allein dir gehören.“

„Und so sollte es bleiben.“

„Wie wäre es, wenn wir uns angenehmerer Unterhaltung widmen.“

„Mir wäre dies sehr lieb. Da wir uns jetzt über diesen Standpunkt einig sind.“

„Dann können wir ja über das reden, weswegen ich kommen sollte.“

„Das können wir, da diese Sache bereinigt ist.“ Erklärte Helen erleichtert. „Wenden wir uns also der tatsächlichen Angelegenheit zu.“

Beide standen sich wieder gegenüber. In Augenhöhe. Helen war nur geringfügig kleiner als Jean.

*

Wie unähnlich diese beiden Frauen doch waren‘, kam es ihm in den Sinn. Lag dies nur an Felicias Jugend?

Helen war allenfalls zwei-drei Jahre älter als er. Schlank. Lange Beine. Die Figur eines Fotomodells. Felicia kaum zwanzig. Zwar auch schlank aber kräftiger an Knochenbau.

Ausgenommen von ihrem Altersunterscheid, waren beide vom Typ Frau, dem seine sexuellen Neigungen galten.

Helen; wenngleich in seinem Alter, der man die Erfahrung ihres Liebeslebens ansah. In Bezug auf ihr Benehmen. Felicia; jung, beschämt und schüchtern hinsichtlich der Ausstrahlung ihrer Erotik. Der noch Erfahrung mangelte.

Jedenfalls hatte Jean diesen Eindruck von ihnen.

Beide Typen Frau waren ihm sehr angetan. Zum einen genoss er die Fertigkeit von sexuell erfahrenen Frauen. Zum anderen begehrte er die Unerfahrenheit sexuell weniger kundigen Damen.

Die Charaktere der Selbstbewussten, starken, zielstrebenden, teils auch herrischen Frau die weiß was sie will, sei es beruflich, aber hauptsächlich in sexueller Hinsicht.

Die Schüchterne, ihrer Emotionen betreffend, zweifelnd. Unsicher, scheu und ängstlich in so mancher Hinsicht aber sehr beeinflussbar. Ist es nun arbeitsmäßig, aber auch im erotischen Standpunkt.

*

Er blickte in ihre wunderschönen großen blauen Augen. Streifte mit dem Daumen entlang ihres Kinns. Schob eine Strähne ihres seidigen Haares aus ihrem Gesicht und sagte: „Es tut mir leid, das eben. Ich wollte dich durchaus nicht kränken.“ Sagte er mit reuevoller Stimme. Versuchte er sich für das Geschehene zu entschuldigen.

„Hast du keineswegs.“

„Auch wenn dies jetzt nicht mehr der vernünftigste Moment dafür ist, so möchte ich dir trotzdem sagen, dass mir gestern Nacht deine wohltuende Wärme sehr gefehlt hat.“ Raunte er ihr ins Ohr.

„Die deine mir auch.“ Murmelte sie ihm ebenso leise ins Ohr.

Sie küssten sich energisch.

„Dein Odeur ist verführerisch, wie immer“, und sog ihren süßen Duft an Parfüm durch die Nase. Es wirkte wie ein Aphrodisiakum auf ihn. „Wie begehrenswert du bist“, gestand er ihr.

Seine beiden Hände hafteten sich an ihr Hinterteil, drückten sie zu sich heran, so dass sein Schenkel sich fest in Ihren Schritt presste.

Leise flüsterte er: „Was trägst du denn darunter?“ ins Ohr. Helen ging auf seine Frage nicht ein. „Wollen wir es nicht herausfinden!“ Fügte er hinzu, als er keine Antwort von ihr erhielt.

Helen wirkte gar nicht erschüttert über seine Worte, sondern erwiderte nur: „Nicht so stürmisch mein Hengst“. - und fuhr mit der offenen Hand über sein bartloses Gesicht – „Nicht hier und jetzt.“ Sagte sie mit gedämpfter aber verführerischer Stimme.

Wie gut es sich anfühlte ihre warme Hand an seiner Wange zu spüren.

Mit dem Daumen entfernte sie ihre Lippenstiftfarbe von seinen Lippen. „Gedulde dich“, fuhr sie fort.

Wie ein Hauch von Zärtlichkeit klang ihre Stimme, als sie dies sagte. Sah auf ihre Armbanduhr. „Es dauert nicht mehr lange bis zur Mittagspause. Außerdem möchtest du sicherlich nicht in eine unangenehme Situation geraten.“ Es entstand eine kurze Pause bevor sie weitersprach. „Das möchtest du doch nicht. Oder!“ hakte sie nochmals nach und sah ihm tief in die Augen.

„Peinlich! Für wen denn?“ entgegnete er ihrer Anspielung.

Sie antwortete nicht darauf, sondern küsste ihn voller Leidenschaft. Dieser Kuss, mit dem sie ihre Lust andeutete, sollte ihm zeigen wie begierig und heiß sie nach mehr war.

Als sie sich von seinen Lippen löste zog sie leicht mit ihren Zähnen an seiner Unterlippe.

„Dies ist nur ein Vorgeschmack auf das was dich nachher erwartet. Du musst dich nur gedulden.“

„Ich habe nicht erwartet, dass es dich stören würde. Immerhin waren wir beide schon in den Genuss gekommen, es hier getrieben zu haben.“

„Es war eine einmalige Situation und die Umstände waren damals anders.“

„Ach ja! Den Eindruck hatte ich damals nicht!“

„Ich wäre meinen Job los, wenn ich in der Arbeitszeit mit Autoren gewissen Spielchen hingeben würde. Obwohl ich sehr geneigt wäre es mit dir hier und jetzt auf diesen Schreibtisch zu treiben“. Und löste sich geschmeidig aus seinem Griff.

„Ich wusste es doch!“ War seine schelmische Antwort.

Helen setzte sich wieder in ihren Stuhl. Währenddessen sie den Akt der Jean betraf durchblätterte, trat er an das Fenster, blickte hinaus. Sah auf die Zimmerpalme und berührte die Blätter mit der Hand. Entfernte den Staub, der an seinen Fingerkuppen haften blieb. Umrundete dann ihren Schreibtisch und lehnte sich nah bei ihr an dem Schreibtischeck.

Indessen hatte Helen den Akt durchgesehen. Dabei handelte es sich um sein Buchprojekt -Begierde, die Macht der Liebe-, seinen neuesten Roman der bereits in Druck ist und in einigen Tagen abgeschlossen sein sollte.

„Also was gibt es noch zu besprechen“, begann er zu fragen, „ich dachte wir hätten diesbezüglich alles besprochen!“

„Es geht noch um den Einband für das Buch.“

„Ich war der Meinung dies wäre bereits erledigt!“

„Hier habe ich einige Muster. Sieh sie dir an.“ Sie stand auf, überreicht ihm einige Blätter die er ihr abnahm und durchsah. Er setzte sich in den Stuhl der genau Helen gegenüber vor dem Schreibtisch stand.

„Du weißt doch, dass ich dir diese Entscheidung überlassen habe.“

Helen erhob sich, schritt an den Schrank mit den Getränken. Nahm zwei Gläser, füllte diese mit rotem Martini und trat zu Jean. Reichte ihm einen und stützte sich an dem Schreibtisch ab.

„Ich weiß. Aber bedenke, dass ich das nicht ohne deine Zustimmung entscheiden kann. Zudem auch noch die Kurzfassung zum Inhalt des Buches angeführt wird. Sowie auch die Erfolge deiner bisherigen Bücher angegeben werden. Dafür brauche ich, wie du weißt, dein schriftliches Einverständnis. Das du mir laut Vertrag bestätigen musst, dass ich es weiterleiten kann.“

Sie nahm einen Schluck, trat um den Schreibtisch herum und reichte ihm das dazu beschrieben Blatt zum Durchlesen.

„Ließ es durch ob es nach deinem Wunsch entspricht. Wenn du mit allem einverstanden bist setze deinen Namen zum Bestätigen darunter.“ Und setzte sich in ihren Stuhl.

Jean überflog kurz den Text, holte seinen Füller aus der Innentasche seines Jacketts und setzte seinen Namen darunter.

„Hier!“ und legte alles vor Helen auf den Schreibtisch nieder. „Können wir uns jetzt einer vergnüglicheren Konversation widmen, oder gibt es noch weiteres zu klären.“

„Ja. Es gibt noch zu bestimmen wann und wo wir mit der Präsentation beginnen wollen.“

„Du weißt, dass ich mit jeder deiner Entscheidung einverstanden bin die du diesbezüglich triffst. Oder verlangst du dafür auch noch eine schriftliche Bestätigung.“

„Nein die benötige ich vorerst noch nicht, das erledigen wir später. Die Produktion läuft und wird spätestens Ende der nächsten Woche abgeschlossen sein.“

„Gibt es sonst noch irgendetwas zu besprechen.“

„Nein, vorerst war´s das.“

„Und was jetzt?“

„Jetzt, lieber Jean! Jetzt gehen wir essen. Oder hast du keinen Hunger? Ich habe drüben im Eden einen Tisch für uns reservieren lassen.“ Sagte sie zu ihm mit einem freudigen, fast lächelnden Ausdruck in ihrem Gesicht. „Nachher mein Lieber, gibt es noch einen ganz besonderen Nachtisch.“

Wie geschmeidig die letzten Worte klangen. Sanft und voller Begehr drangen diese halblauten ausgesprochenen Worte in seine Ohren. Selbst der Ausdruck in ihrem Gesicht war von einem begehrenden Verlangen geprägt. Ihre hellen Augen, die sonst eher dunkel und streng wirkten, glänzten voller Vorfreude.

Er kannte diesen Gesichtsausdruck bei ihr. Schon bei anderen Begebenheiten hatte sie dieselbe Miene. Er wusste, dass dieser besondere Nachtisch für beide der höchste Genuss sein würde. Ein Ausdruck von Glücksgefühl und Lust stieg auch in ihm hoch, der sich auch in seinen Gesichtszügen wiederspiegelte.

Ein Blick auf die Armbanduhr überzeugte Helen, dass es an der Zeit war. „So wir können jetzt gehen.“

Beide erhoben sich aus ihren Stühlen. Er nahm ihre Jacke vom Kleiderständer und half ihr hinein.

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