Kitabı oku: «Lebensmittelmanagement», sayfa 6

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3.3.4 Narzissmus – die Sucht nach sich selbst

Manager sind Führungskräfte, sie müssen führen wollen. Wer führen will, muss sich im Wettbewerb um eine Position gegen Konkurrenten durchsetzen und anschließend bewähren. Je weiter oben man sich auf der Karriereleiter befindet, umso ausgeprägter sind diese Gegebenheiten. Der Aufstieg in den Flaschenhals mit steigenden Anforderungen und dem andauernden Kampf um die Alphatier-Position erfordert bzw. begünstigt Persönlichkeiten mit Eigenschaften und Talenten, die das breit gefächerte Anforderungsprofil eines Managers abdecken. Dieses spannt sich von einer hohen Belastbarkeit, großer Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit über fachliche und soziale Kompetenzen bis zur internen und externen Kommunikationsfähigkeit. Alle Eigenschaften sind Bestandteil der Persönlichkeitsstruktur, die im Berufsleben mit voller Wucht auf andere Menschen treffen. Leider verändert die Position den Menschen schneller als dies umgekehrt der Fall ist. Das Risiko von Managern, aufgrund des enormen Drucks im Laufe ihres Berufslebens eine Persönlichkeitsstörung zu bekommen, ist hoch. Macht verstärkt die Eigenschaften, die sie vorfindet, Werte werden ambivalent. Macht kann zur gefühlten Allmacht verführen, kann Speichellecker und Jasager im Umfeld der Führungskraft fördern und ein überhöhtes Selbstbild erzeugen, das nicht mehr infrage gestellt wird. Das frühere positiv gesehene Dominanzverhalten nimmt dann tyrannische Züge an, letztendlich sieht sich die Führungskraft als Mittelpunkt, um den sich alles zu drehen hat. Die Charakterdegeneration wird irgendwann offensichtlich, manchmal unerträglich, aber auf jeden Fall schädlich für das Unternehmen. Die Psychologie bezeichnet ein derartiges pathologisches Verhalten als Narzisstische Persönlichkeitsstörung, es ist die krankhafte Form eines sonst durchaus gesunden Narzissmus (Luczak 2012, Teutsch 2012).

In der griechischen Mythologie verkörpert Narziss den schönen Sohn des Flussgottes Kephissos und der Nymphe Leiriope, der sich als 16-jähriger Jüngling aus Stolz der Liebe der Bergnymphe Echo entzog. Zur Strafe traf ihn der Fluch, sein eigenes Spiegelbild im Wasser lieben zu müssen. Weder gelang es ihm, dieses zu berühren noch konnte er sich von ihm lösen. Das Spiegelbild entzog sich ihm, wie er sich der Nymphe entzogen hatte. Narziss verwandelte sich aus Gram darüber in eine Blume. Von diesem Jüngling ist der Begriff Narzissmus abgeleitet, der in der Psychologie mehrschichtig verwendet wird: einerseits als notwendige Entwicklungsstufe und damit als normales Verhalten, andererseits als pathologische Form. Im positiven Fall versteht man darunter einen wichtigen Reifungsschritt auf dem Weg zur Ich- und Persönlichkeitsfindung. Die übersteigerte Selbstliebe am eigenen Bild, eine auffällige Selbstbewunderung oder Selbstverliebtheit und ungesunde Eitelkeit zeichnen die negative Seite aus. Eine Grenzziehung ist schwierig, auch hier macht die Dosis das Gift. In der Umgangssprache werden die Schlagworte Profilneurose oder Geltungssucht verwendet, aber auch von übertriebener Selbstsucht ist die Rede, zu der Egoismus und Egozentrik gehören. Der Begriff Narzissmus ist dabei ausschließlich negativ besetzt und wird im alltäglichen Gebrauch in der negativen Bedeutung wesentlich häufiger verwendet als es nach den strengeren diagnostischen Kriterien der Psychologie gerechtfertigt ist.

Fehlender positiver Narzissmus gilt als ebenso schädlich wie übertriebener Narzissmus. Ein starkes Selbstwertgefühl fördert die Karriere, zu wenig hemmt, zu viel kann zerstörerisch wirken.

Merksatz

Narzisstische Personen zeichnen sich durch einen Mangel an Einfühlungsvermögen und Überempfindlichkeit gegen Kritik aus. Andere Menschen behandeln sie, wie sie selbst nicht behandelt werden möchten. Beides versuchen sie durch ein großartiges äußeres Erscheinungsbild zu kompensieren.

Narzisstische Menschen haben ein extremes Bewusstsein dafür, wie wichtig sie sind. Sie fordern und erwarten, von anderen bewundert und gelobt zu werden und können nur in beschränktem Umfang die Perspektiven anderer anerkennen. Niederlagen treffen Narzissten besonders, sie kratzen entsetzlich am riesengroßen Selbstwertgefühl. Die Psychologie spricht in diesem Fall von einer narzisstischen Kränkung. Der Großteil der Manager zählt zu den „normal narzisstischen“ Menschen – sie sind kompetitiv, selbstsicher und erfolgreich, psychisch gesund und mit einem positiven Selbstwert ausgestattet. Problematisch ist das Auftreten der krankhaften Formen, die im Extremfall Führungskräfte mit psychopathischen Zügen hervorbringen. Deren Zerstörungspotenzial, insbesondere im zwischenmenschlichen Bereich, ist enorm (Babiak und Hare 2007).

Übertriebener Narzissmus ist nur eine von vielen psychischen Auffälligkeiten eines Managers. Die Psychologie kennt eine große Palette von Persönlichkeitsstörungen, apokalyptische Reiter gibt es mehr als nur die drei beschriebenen. Letztlich sind Führungskräfte ein Spiegel der Gesellschaft und besitzen Eigenschaften wie Gier, Neid, Eifersucht oder Risikobereitschaft nicht in viel höherem Maße als der Durchschnitt der Bevölkerung. Jedes Unternehmen versucht, sich durch Personalmaßnahmen, ein gut organisiertes Compliance Management und/oder Risikomanagement vor den negativen Folgen menschlicher Unzulänglichkeit zu schützen.

Für die Definition von psychischen Störungen existieren Expertenhandbücher. Zu diesen Katalogen für psychische Störungen gehört das DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders; 5. Fassung) der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung, welches maßgeblich das in Europa gängige Klassifikationssystem ICD 10 (International Classification of Diseases; 10. Fassung) beeinflusst. Dort wird festgelegt, welche Störung als Krankheit eingestuft wird, für deren Behandlung Kassen bezahlen. Auch in der neuesten US-Ausgabe des ICD 10 wird Burn-out als allein deutsches Phänomen gesehen und als Variante der Depression nicht extra aufgeführt.

3.4 Zusammenfassung – der Mensch als biologisches Wesen

Das Kapitel 3 hat sich mit dem Bild vom Menschen beschäftigt. Der Blickwinkel war ein naturwissenschaftlicher und wurde von den Konsequenzen der biologischen Herkunft des Menschen dominiert. Die Erkenntnisse unterscheiden sich daher von jenen, die die Philosophie oder Religion über Herkunft und Wesen des Menschen liefern. Es ging dabei nicht um die Frage, ob der Mensch qua Natur „gut oder böse“ oder ein religiöses Wesen ist. Vielmehr ging es darum, einer in der Lebensmittelwirtschaft tätigen Führungskraft die genetische bzw. evolutionsgeschichtliche Prägung einiger wichtiger menschlicher Verhaltensweisen und Reaktionen zu vermitteln. Das diskutierte Menschenbild lässt sich folgendermaßen zusammenfassen, Analogien zu einem Unternehmen sind beabsichtigt. Demnach ist der Mensch

 das derzeitige Erfolgsmodell nach 2,4 Millionen Jahren Trial and Error bei der Entwicklung.

 einem streng hierarchischen Herrschaftssystem unterworfen. Das 1,5 Kilogramm schwere Gehirn behält autoritär und egoistisch alle Prozesse in der Hand, beansprucht allein 20 Prozent der Energiezufuhr und schaltet in Mangelsituationen unwichtigere Körperfunktionen ab. Das Gehirn ist die Firmenzentrale und der unumschränkte Boss!

 ein ausgefeiltes sensorisches System aus Mess-, Steuer- und Regelelementen, das seinen Ist-Zustand (Zelldruck, Blutdruck, Herzfrequenz usw.) permanent an die Zentrale meldet. Diese verarbeitet alle Meldungen und stellt durch sofortige Rückkoppelung sicher, dass Soll- und Ist-Werte innerhalb z. T. extrem enger Grenzen übereinstimmen (Homöostase). Jedes Organ verfügt über ein eigenes Reporting, im Gehirn befindet sich das Controlling.

 ein Organismus, für den bestimmte äußere Reize von besonderem Nutzen sind. Das Gehirn stellt durch seine Entlohnung dieser Reize (Dopamin-Ausschüttung) sicher, dass sich alle Untergebenen dafür „die Beine ausreißen“ (Bonussystem).

 ein offenes System, das auf ausreichende Nährstoffzufuhr von außen angewiesen ist. Der Körper ist aufgrund seiner zahlreichen Lager nicht von Just-in-time-Lieferungen abhängig, er erlaubt sich eine ausreichende Vorratshaltung (Salze, Wasser, Makronährstoffe, essenzielle Mikronährstoffe usw.).

 ein Superorganismus, dessen Zellen zu 90 Prozent die von Bakterien sind. Diesen gibt er Heimat und Nahrung, dafür arbeiten sie für ihn und schützen ihn vor fremden Mikroorganismen; im Firmenverbund hat er die Prozesse optimiert.

 ein Organismus mit über 600 verschiedenen Fremdarbeitern im Darm, die für Kost und Logis seine Verdauung erledigen und nebenbei essenzielle Nährstoffe produzieren.

 ein Organismus, der in seinen Körperzellen Bakterien als Subunternehmer für sich arbeiten und Energie gewinnen lässt (Mitochondrien).

 ein Wesen mit konservativer Unternehmenskultur. Was 2,4 Millionen Jahre gut war, darf nicht unüberlegt über Bord geworfen werden; die hohe Veränderungsgeschwindigkeit der modernen Zeit setzt den Menschen unter Stress.

3.5 Literatur

Babiak, P. und Hare, R. D. (2007): Menschenschinder oder Manager. Psychopathen bei der Arbeit. 1. Aufl., Carl Hanser Verlag, München.

Berg, A. und König, D. (2008): Optimale Ernährung des Sportlers. 4. Aufl., S. Hirzel Verlag, Stuttgart.

Bethge, P. (2007): Ich koche, also bin ich. Spiegel Nr. 52/2007, 126–130.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2013): Aktion: „Kenn Dein Limit“ (www.kenn-dein-limit.de) (www.bzga.de), Stand: 3/2013.

Cordain, L. und Friel, J. (2009): Das Paläo-Prinzip der gesunden Ernährung im Ausdauersport. 1. Aufl., Sportwelt Verlag, Betzenstein.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Bundesministerium für Gesundheit (2009): Drogen- und Suchtberic (ht 2009 (www.drogenbeauftragte.de).

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Bundesministerium für Gesundheit (2011): Drogen- und Suchtbericht Mai 2011 (www.drogenbeauftragte.de).

Findeklee, A. (2008): Suff ohne Schaden. Spitzhörnchen vertragen erstaunliche Mengen Alkohol (www.wissenschaft-online.de/artikel/963204).

Gassen, H. G. (2008): Dein Gehirn, denken, fühlen, handeln. 1. Aufl., WBG Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt.

Lebensmittel Zeitung (2012): Management und Karriere. Ausgabe 29, 2012, 38.

Luczak, H. (2012): Die Liebe zum Ich. GEO 9/2012, S. 64ff.

Marquart, M. (2011): Wie Firmen ihre Spitzenkräfte verbrennen. Spiegel online 28.5.2011 (www.spiegel.de/karriere/Berufsleben/0,1518,765353,00.html).

Nesse, R. M. und Williams, G. C. (1998): Warum wir krank werden: die Antworten der Evolutionsmedizin. 2. Aufl., Verlag C.H.Beck, München.

Paul, S. (2012): PaläoPower: Das Wissen der Evolution nützen für Ernährung, Gesundheit und Genuss. 1. Aufl., Verlag C.H.Beck, München.

Reichholf, Josef H. (2004): Das Rätsel der Menschwerdung. Die Entstehung des Menschen im Wechselspiel der Natur. 6. Aufl., Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München.

Reichholf, Josef H. (2008): Warum die Menschen sesshaft wurden. Das größte Rätsel unserer Geschichte. 1. Aufl., S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main.

Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2012): Studien zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS 1) (http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Studien/Degs/degs_w1/degs_w1_node.html).

Spiegel online (2011): Erste Köche lebten vor zwei Millionen Jahren. Spiegel online 23.8.2011 (www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,781786,00html).

Statistisches Bundesamt (2012): Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen. Private Konsumausgaben und Verfügbares Einkommen, 1. Vierteljahr 2012, Wiesbaden.

Techniker Krankenkasse (Hrsg.) (2011): Gesundheitsreport 2011 – Veröffentlichungen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement der TK. Band 26 (www.tk.de).

Teutsch, K. (2012): Streichle Dich selbst (www.faz.net/aktuell/feuilleton/ist-narzissmus-eine-störung?).

Wrangham, R. (2009): Feuer fangen – Wie uns das Kochen zum Menschen machte. 1. Aufl., Deutsche Verlags-Anstalt, München.

Wiens, F. et al. (2008): Chronic intake of fermented floral nectar by wild treeshrews. PNAS vol. 105, no. 30.

Wuketits, F. M. (2011): Wie der Mensch wurde, was er isst. Die Evolution der menschlichen Ernährung. 1. Aufl., S. Hirzel Verlag, Stuttgart.

Zittlau, J. (2012): Vollrausch in den Wipfeln. Welt am Sonntag Nr. 4 vom 22.1.2012, S. 60.

Weltgesundheitsorganisation WHO (www.who.int/topics/alcohol_drinking/en/, Stand: März 2013).

Literaturtipp zur Vertiefung:

Spiegel online (2012): Nestlé, Kraft und Co. schaden Ernährung in Entwicklungsländern. Spiegel online 27.6.2012 (www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/lebensmittelkonzerne-foerdern-schlechte-ernaehrung- in- entwicklungslaendern-a-841172.html).

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4 Die Lebensmittelwirtschaft

Der Begriff Biozönose bezeichnet in der Biologie die Summe aller Spezies einer Lebensgemeinschaft, die in ihrem Habitat – dem gemeinsamen Lebensraum – in einer intensiven Wechselwirkung zueinander stehen. Der Lebenskampf der teilweise sehr unterschiedlichen Arten ist durch Begriffe wie Wettbewerb, Verdrängung, Aussterben oder Kooperation geprägt. Letztendlich geht es um eine optimale Anpassung an die Umgebung und einen sparsamen Umgang mit Ressourcen, um dadurch eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Im Darwin‘schen Sinne spielt sich in diesem Biotop, also Biozönose plus Habitat, die Evolution aller Arten ab. Immer mehr Managementtheorien verwenden inzwischen diese Evolutionsmetapher und die Begriffe der Evolution, um das wirtschaftliche Agieren eines Unternehmens am Markt zu beschreiben (Bauer und Mathis 1989, Otto et al. 2007, Lawrence und Nohria 2003, Behörden und Organisationen/Adressbuch Ernährungswirtschaft und Landwirtschaft 2011/2012) –ein Ansatz, dem auch dieses Buch folgt.

In Kapitel 4 werden die wichtigsten Stakeholder, die Akteure dieser Lebensgemeinschaft, vorgestellt. Das sind einmal die produzierenden und die Handel treibenden Unternehmen, die einen relevanten Teil des deutschen Bruttoinlandsproduktes erzeugen und Arbeitgeber für Hunderttausende Menschen aller Ausbildungsniveaus sind. Zum komplexen System der menschlichen Ernährung gehören aber auch alle professionellen Meinungsbildner in Politik, Medien und Nichtregierungsorganisationen (NGOs), dazu eine Fülle an Beratern, Lobbyisten und Forschern in privaten oder staatlichen Institutionen. In den letzten Jahren hat sich zudem eine Branche nach vorne geschoben, die die energiereichen Abfall- und Reststoffe sammelt und mit technologisch hochinteressanten Verfahren zu Dünger, Energie oder Tierfutter verarbeitet: die Entsorgungsfirmen (Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie 2012).

Das vorliegende Buch beschränkt sich auf die deutsche Lebensmittelwirtschaft. Diese bedient ein Grundbedürfnis von 82 Millionen Bundesbürgern und steht stark im Fokus der Öffentlichkeit. Abbildung 4.1 fasst die wesentlichen Akteure der Lebensmittelwirtschaft als Abnehmer, Verarbeiter, Abpacker und Distributeure landwirtschaftlicher Rohprodukte zusammen.


Abb. 4.1 Die Akteure der Lebensmittelwirtschaft

Innerhalb des Produzierenden Gewerbes stehen die Lebensmittelindustrie mit nahezu 6 000 Betrieben sowie das Lebensmittelhandwerk in Deutschland für einen jährlichen Umsatz von knapp 200 Milliarden Euro. Beschäftigt werden in diesem Bereich mehr als eine Million Menschen. Die Lebensmittelindustrie allein ist hierzulande der viertgrößte Industriezweig. Eine Vielzahl von Zulieferern, die Ausrüstungen, Rohstoffe, Hilfs-, Betriebs- oder Behandlungsmittel beisteuern, arbeitet in deren Umfeld. Allein auf der Leitmesse der Lebensmitteltechnologie, der Anuga FoodTec, waren 2012 über 1 300 Firmen vertreten und zeigten dort die gewaltige Dimension dieses Marktsegmentes (Kölnmesse 2012). Bei all diesen Unternehmen, beim Handel sowie bei den mehr als eine Million umfassenden Betrieben der Gastronomie, den Großküchen und zahlreichen NGOs handelt es sich um zweckgerichtete soziale Systeme, bei denen Prozesse geplant, gesteuert und kontrolliert werden müssen (siehe Definition von Management in Kapitel 1). Überall ist Managementkompetenz erforderlich. Und je mehr die Hochschulen sich von unternehmerischem Denken leiten lassen, desto mehr haben auch sie die Denkweise des Managements zu berücksichtigen.

Alle Beteiligten der Lebensmittelwirtschaft werden mit Absolventen von einer wachsenden Anzahl von Hochschulen gefüttert, die immer mehr Studiengänge mit der Bezeichnung „Lebensmittel“ im Namen anbieten. Das bis vor einiger Zeit dominierende Fach Lebensmitteltechnologie hat sich evolutionär weiterentwickelt und neue Unterarten entstehen lassen, die zum Bachelor- oder Master-Abschluss in Lebensmittelwissenschaft, Lebensmittelmanagement, Lebensmittelwirtschaft oder Life Science qualifizieren. In einer EU-Studie mit dem Namen TRACK_FAST werden die Arbeitnehmer der Lebensmittelwirtschaft unabhängig von der Ausbildung als Food Professionals bezeichnet (TRACK_FAST). Die Studie untersucht erforderliche Schulungsmaßnahmen für eine Karriere in einer wissensbasierten Lebensmittelwirtschaft. Zunehmend werden in der Ausbildung betriebswirtschaftliche und ökologische Aspekte berücksichtigt sowie Managementthemen vertieft, um den wachsenden Bedürfnissen der Lebensmittelwirtschaft nach umfassend ausgebildeten Persönlichkeiten gerecht zu werden.

4.1 Hochschulen der Lebensmittelwirtschaft

In einer Welt, in der über sieben Milliarden Menschen zunehmend industriell gefertigte Lebensmittel verzehren, spielen Wissenschaft und Technologie bei Veredelung, Haltbarmachung und Verpackung der Produkte eine immer wichtigere Rolle. Die Nachfrage nach Spezialisten steigt rapide. Der lange Weg vom Rohstoff bis in den Magen wird von einer großen Zahl an Fachdisziplinen begleitet, die ihren spezifischen Beitrag dazu liefern. Die relevante Hochschullandschaft für Fachleute der Lebensmittelwirtschaft insgesamt ist äußerst vielfältig und wird von der einschlägigen Fachpublikation Lebensmittel Zeitung beispielsweise in folgende Gruppierungen untergliedert: Handel und Management, Logistik, Verpackungstechnik sowie Lebensmittelwissenschaften und Ökotrophologie (Lebensmittel Zeitung/Karriere 2012). Diese Einteilung muss um die in der Lebensmittelwirtschaft schon immer eingesetzten Maschinenbauer, Verfahrenstechniker, Juristen und Geisteswissenschaftler ergänzt werden.


Abb. 4.2 Fachgebiete im Umfeld der menschlichen Ernährung und der Lebensmittelwirtschaft

Abbildung 4.2 stellt die wichtigsten Fachgebiete zusammen, mit deren Inhalten sich ein Manager bei seiner Arbeit mehr oder weniger intensiv auseinandersetzen muss. Die Technik-Wissenschaften stehen dabei für Fakultäten wie Werkstoff- und Verfahrenstechnik oder Maschinenbau. Die Naturwissenschaften untergliedern sich in die Disziplinen Lebensmittelchemie, Mikrobiologie und Lebensmittelanalytik. Sie besitzen damit eine große Schnittmenge mit dem weiten Feld der Medizin und der Ernährungswissenschaft.

Die in der Lebensmittelwirtschaft maßgeblichen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fachgebiete sind im Berufsbild des Lebensmitteltechnologen gebündelt, das seit rund 40 Jahren an zahlreichen Hochschulen angeboten wird. Darüber hinaus rückt das Fach Ökologie zunehmend in das Bewusstsein der Konsumenten und drängt die Lebensmittelwirtschaft, unabhängig vom ständigen Begleiter Margendruck, zu umweltbewussterem Handeln. Es gilt, die Verschwendung von Lebensmitteln zu reduzieren und den Einsatz von Ressourcen zu optimieren. Die Fächer Soziologie, Kulturwissenschaften oder Anthropologie beschäftigen sich u. a. mit den Konsequenzen einer Ernährungsform auf die individuelle bzw. gesamtgesellschaftliche Situation und fragen nicht zuletzt nach den biologisch-evolutionären Ursachen für das Handeln oder die Reaktion des Menschen. Angesichts der möglichen dramatischen gesundheitlichen Auswirkungen der Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel hat die Philosophie Hilfestellung für ein ethisches Verhalten der Erzeuger, aber auch der Verbraucher zu geben.


Abb. 4.3 Bachelor- und Masterstudiengänge mit lebensmittelbezogenen Inhalten an deutschen Hochschulen (www.lebensmittelstudium.de; Institut für Lebensmittelwissenschaften und Biotechnologie, Fachgebiet Lebensmittel tierischer Herkunft an der Universität Hohenheim 2012); nicht eingetragen sind die Hochschulorte Triesdorf und Sigmaringen

Gemäß Bologna-Vereinbarung enden die Studiengänge nicht mehr mit dem Diplom als erstem akademischem Abschluss, sondern mit dem Bachelor. Die Umstellungen sind inzwischen abgeschlossen. Die Universitäten und Fachhochschulen haben in vielen Fällen zusätzlich eine ergänzende oder konsekutive Ausbildung zum Master eingerichtet und akkreditieren lassen.

Abbildung 4.3 zeigt die Hochschulstandorte, an denen im Jahr 2011 in Deutschland lebensmittelbezogene Studiengänge angeboten wurden. Die Dynamik, die nicht zuletzt der Bologna-Prozess ausgelöst hat, wird in den nächsten Jahren zu weiteren Veränderungen führen, die in der Namensgebung, aber auch in den Inhalten zum Ausdruck kommen werden. Gemein ist den Studiengängen eine verstärkte praktische Ausrichtung (oft in Form eines Praxissemesters), die Einbeziehung von betriebswirtschaftlichen Themen oder Managementinhalten, dazu Vorlesungen in englischer Sprache, um dem globalen Ansatz der Ernährung gerecht zu werden. Bis auf die Standorte Hannover-Ahlem mit dem Schwerpunkt Milchwissenschaft und Geisenheim mit der Konzentration auf Getränke und Weinbau behandeln die Hochschulen Lebensmittel in einer Gesamtbetrachtung. Der Hochschulstandort Geisenheim wird in Abbildung 4.3 noch als Außenstandort von Wiesbaden geführt, ist aber seit Januar 2013 eine eigenständige Hochschule.

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