Kitabı oku: «Religionsphilosophie, Teil 5»

Das Wissen dieser Welt aus den Hörsälen der Universitäten.
Fachbereich
RELIGIONSPHILOSOPHIE
Das Jenseitige ist diesseitig,
das Transzendente immanent
Von Prof. Dr. phil. Josef Schmidt SJ
Als wir uns mit den Gottesbeweisen beschäftigt haben, wurde klar, dass es sich hier nicht um Beweise handelt wie in den axiomatischen oder empirischen Wissenschaften, sondern um Beweise ganz eigener Art. Sie bestehen in verschiedenen Varianten und von verschiedenen Aspekten ausgehend in dem einen Gedanken, dass zwar alles um uns herum und wir selbst endlich und begrenzt ist, dass aber eben diese Erkenntnis nur möglich ist, wenn wir in eine Dimension hineinreichen, die dieser Begrenztheit nicht unterliegt. Da diese Einheit nur aus einer strikten Reflexion auf sich selbst sich ergibt, hat sie keine äußeren Voraussetzungen. Und eben hierin erfasst sie eine letzte Voraussetzungslosigkeit. Auf andere Weise könnte man zu dieser gar nicht kommen. Ich könnte nur zu leugnen versuchen, dass ich zu ihr gelangen kann. Nur es zeigt sich, dass ich sie eben dann auch wieder voraussetze. Denn dann gilt ja, dass es sie nicht geben kann, d.h. nicht nur faktisch nicht gibt, sondern notwendig nicht, also voraussetzungslos.
Nun liegt aber in diesen Beweisen auch enthalten, dass sie neue Fragen aufwerfen. Sie sind also in ihrer Letztbegründung auch unabgeschlossen. Sie werfen Fragen auf, die zu ihrem genaueren Durchdenken nötigen und auf diese Weise eine gewisse Kreativität im Blick auf das Verständnis unserer Wirklichkeit entfalten.
Ein wichtiges Folgeproblem der Gottesbeweise ergibt sich damit, dass wir offensichtlich unterscheiden müssen zwischen einem Bereich des Unendlichen, des Absoluten, des Unbedingten und einem Bereich des Bedingten, des Relativen, des Endlichen. Ein Problem ergibt sich damit insofern, als ich nämlich dieses Unendliche dem Endlichen gegenüberstelle: Hier stehen sich zwei gegenüber, das eine und das andere. Aber ist das nicht eine äußere Relation? Und war nicht gerade die äußere Relation im kosmologischen Gottesbeweis ein Zeichen der Endlichkeit?
Mit dieser Frage muss sich die philosophische Theologie beschäftigen.
Nun haben wir gesehen, dass es in den Gottesbeweisen auch Ansätze zur Lösung dieser Antinomie gibt. Ein Ansatz liegt darin, dass nicht von einer Gegenüberstellung auf gleicher Ebene die Rede sein kann, da es sich um ein Begründungsverhältnis handelt. Es ist eine Beziehung radikaler Asymmetrie. Das Endliche gründet im Unendlichen, und dieses gründet nicht gleicher Weise in jenem. Die Begründung kann nur so gedacht werden, dass das Begründende das Begründete umfasst und in ihm präsent ist als dessen innerster Seinsgrund, d.h. auch als dessen Sein. Damit steht dann das Begründende dem Begründeten gegenüber aber auch wieder nicht, sondern es umfasst es gleichzeitig. Wir haben gesehen, dass die christliche Lehre eben diesen Umfassungs- und Präsenzgedanken besonders betont und damit auch von philosophischer Relevanz ist. Doch um diese Lösung in ihrem Gewicht richtig einschätzen zu können, müssen wir uns die Modelle genauer anschauen, in denen in der Geistesgeschichte das Verhältnis von Unendlichem und Endlichem, von Gott und Welt gedacht wurde.
Der Unendlichkeitsmonismus
Da gibt es zunächst einmal die Möglichkeit, das Verhältnis von Endlichem und Unendlichem so zu denken, dass es sich um eine Identität handelt, in der die eigentliche Wahrheit und Wirklichkeit das Unendliche ist. Was ist dann mit dem Endlichen? Das Endliche ist dann nur Schein. Man kann dieses Modell „Unendlichkeitsmonismus“ nennen. Monismus, vom griechischen monas, „allein“, bedeutet dann: Es gibt allein das Unendliche. Das Endliche ist nicht eigentlich wirklich. Es kommt uns nur so vor. In der abendländischen Geistesgeschichte ist Parmenides als Vertreter eines solchen Monismus zu nennen. Für ihn gibt es nur das reine Sein in seiner Einheit. Unsere Welt mit ihren Unterschieden ist nur Schein.
In die Nähe eines solchen Monismus kommt auch Spinoza, für den es nur eine einzige substantielle Wirklichkeit gibt, die Gottes.
In den östlichen Weisheitslehren ist vor allem die Vedanta-Philosophie zu nennen, deren prominentester Vertreter Shankara ist (9. Jahrhundert) in Indien. Seine Lehre ist die des Advaita, d.h. der Nicht-Zweiheit, also der reinen Identität. Die Vielfalt unserer Welt ist der Schein, der Schleier der Maya, der auf die Wahrheit des einen Seins hin zu durchdringen ist.
Was ist philosophisch zu diesem „Unendlichkeitsmonismus“ zu sagen? Die Kritik ist die, dass diese Sicht das Endliche nie ganz los wird. Auch wenn es zum Schein degradiert wird, ist es doch immer da. Das heißt, man muss das Endliche doch irgendwie gelten lassen und ernst nehmen. Es ist nicht ganz nichts. Der Schein ist auch etwas, sonst könnten wir nicht über ihn reden. Und wenn er schon ist, dann muss er ernst genommen werden. Und dieses „ernst nehmen“ ist dann eben ein Ernstnehmen des Endlichen. In der Tat ist es so, dass wir nicht umhinkommen es ernst zu nehmen. Wir müssten uns sonst selbst in unserer Endlichkeit vollkommen auslöschen. Doch das würde uns in unauflösliche Widersprüche führen. Es gibt also auch das Endliche, und sein Bereich muss ontologisch gewürdigt werden.
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