Kitabı oku: «Andere Spezies, gleiches Prinzip»
Karen B. London
Andere Spezies, gleiches Prinzip
Wie wir vom Hundetraining fürs Leben lernen

Titel der englischen Originalausgabe: Treat Everyone Like a Dog:
How a Dog Trainer’s World View Can Improve Your Life
© 2020 by Karen B. London
Karen B. London/Animal Point Press
3100 West Shannon Drive
Flagstaff, Arizona 86001
Aus dem Englischen übersetzt von Lisa Wetzmüller
© 2021 für die deutsche Ausgabe
KYNOS VERLAG Dr. Dieter Fleig GmbH
Konrad-Zuse-Straße 3 • D-54552 Nerdlen/Daun
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eBook-Ausgabe der Printversion 2021
ISBN eBook (epub): 978-3-95464-264-9
ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-95464-256-4

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Inhalt
Kapitel 1 Positivität
Kapitel 2 Positivität anwenden
Kapitel 3 Grundlegende Trainingsstrategien
Kapitel 4 Weiterführende Trainingsstrategien
Kapitel 5 Klassische Konditionierung
Kapitel 6 Erkenne dein Tier
Kapitel 7 Nützliche Aufgaben und Fähigkeiten beibringen
Kapitel 8 Zusätzliche Trainingsmethoden für eine erweiterte Anwendung
Kapitel 9 Weitere Grundsätze und Ideen aus dem Hundetraining
Für meine Söhne Brian Hofstetter und Evan Hofstetter, für die das Hundetraining mit seinen Grundsätzen schon immer Teil des Alltags war, und die deshalb (so glaube ich) glücklichere und bessere Menschen geworden sind.
Und für meinen Mann Rich Hofstetter, der derartig außergewöhnlich ist und so perfekt zu mir passt, dass ich keinerlei Interesse habe, irgendetwas an ihm oder seinem Verhalten zu ändern.
Vorwort
Von Patricia McConnell, Ph.D.
Kennen Sie das, wenn Ihnen zu spät einfällt, was Sie hätten sagen sollen? Vielleicht während der Heimfahrt nach einem Meeting oder während Sie sich gerade unter der Dusche einseifen? Mir geht es ständig so und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Vielleicht geht es Ihnen genauso. Aber es trifft nicht auf Dr. Karen London zu, da sie die schlagfertigste Person ist, die ich kenne. Bei ihr kann man sicher sein, dass sie immer genau das Richtige sagt, und zwar genau zum richtigen Zeitpunkt.
Und hier hat sie es wieder geschafft: Dies ist ein Buch voller perfekter Tipps – Tipps, die Ihr Leben unglaublich verbessern werden, weil sie die Grundsätze des Hundetrainings in Ihr Leben einbringen. Hätten Sie gerne, dass Ihr Ehepartner Ihnen öfters Blumen mitbringt? Dass Ihre Kinder ihre Kleidung aufhängen und den Süßigkeiten an der Supermarkt-Kasse widerstehen? All das ist möglich und Karen wird Ihnen beibringen, wie es geht. Verhaltensbeeinflussung ist keine Quantenphysik, aber die meisten von uns haben nicht von klein auf gelernt, sie anzuwenden. Karen erinnert uns jedoch daran, dass gute Hundetrainer ihre Hunde dazu bringen, Erstaunliches zu leisten: Diese Hunde sind bereit, abrupt abzubremsen, obwohl sie gerade ein Kaninchen jagen oder eine fettige Essenverpackung auf ein ruhiges Wort ihres Besitzers hin fallen zu lassen. Wenn wir es schaffen können, hochmotivierte Raubtiere – die noch dazu zu einer anderen Spezies gehören – dazu zu bringen, fröhlich zu uns zurückzukommen und Futter abzulehnen, das wie von Zauberhand vor ihnen erscheint, dann können wir es sicher auch schaffen, unsere Kinder dazu zu bringen, an der Bordsteinkante stehenzubleiben, anstatt hinter einem Ball her auf die Straße zu rennen!
Dieses Buch ruft uns ins Gedächtnis, dass „Training“ in Wirklichkeit eine Art der Verhaltensbeeinflussung ist und dass positive Verstärkung diesbezüglich eines der Hauptwerkzeuge ist. Diese Methode bietet allen Tierarten Chancengleichheit: Anhand von positiver Verstärkung können Zoowärter Blutproben von Tigern entnehmen, Hundetrainer Hunden beibringen, ihre Spielzeuge in einen Korb zu legen und Ehepartner Hilfe beim Hausputz erhalten. Hundetrainer, die positive Verstärkung anwenden, sind von der Effektivität dieser Methode niemals überrascht – aber uns überrascht sehr wohl, wie selten sie im restlichen Leben eingesetzt wird. Es scheint, als ob die menschliche Spezies einen Hang zu Beschwerden, Strafen und Korrekturmaßnahmen hat, obwohl diese Methoden selten so wirksam sind, wie wir gerne glauben würden.
Hier ist ein kleines Beispiel aus meinem eigenen Leben: Als ich meinen Ehemann gerade kennengelernt hatte, erzählte er mir von den häufigen Beschwerden seiner Ex-Frau, die dahin gingen, dass er sie tagsüber selten anrief oder ihr mailte – nicht einmal, wenn es um etwas Wichtiges ging, das wenig Zeit in Anspruch genommen hätte. Da ich zu dem Zeitpunkt frisch in ihn verliebt war, wusste ich, dass ich gerne auch untertags gelegentlich Kontakt mit ihm hätte. Ich traf die bewusste Entscheidung, eine fehlende Reaktion seinerseits niemals zu erwähnen, aber schamlos mit ihm zu flirten, wenn er auf meine Kontaktaufnahme reagierte. In weniger als einem Monat hatte ich ihn so weit, dass er mir öfter mailte oder mich anrief als ich ihn.
Vielleicht denken Sie nun: Oh nein, wie manipulativ! Eine meiner Lieblingsstellen in diesem Buch ist Karens Beobachtung, dass der Einsatz positiver Verstärkung oft als „manipulativ“ gebrandmarkt wird, während wir diesen Begriff niemals für negative Reaktionen – wie beispielsweise Beschwerden oder Strafen – verwenden. So wahr und gleichzeitig komplett unlogisch.
Logisch – und wirksam – wäre es, wenn wir grundlegende Lernmethoden einsetzten, um uns das Leben zu erleichtern. Karens Buch erklärt diese Methoden (wie z. B. Einfangen von Verhalten, Freies Formen, Locken und die Bedeutung des äußeren Umfelds) nicht nur, sondern bietet auch eine Fülle an Beispielen, die aus dem echten Leben gegriffen sind. Zum Beispiel setzte Karen Methoden direkt aus dem Hundetraining ein, um das Verhalten einer Kassiererin in ihrem örtlichen Supermarkt von „unfreundlich“ auf „freundlich“ umzupolen oder um ihren schüchternen Sohn dazu zu bringen, seine Großeltern sofort nach deren Eintreten zu umarmen. Das alles ohne Nörgeln und ohne das Einjagen von Schuldgefühlen, sondern anhand von einfachen Maßnahmen, die das Leben für alle Beteiligten einfacher und befriedigender machen.
Aber es sind nicht nur unsere Söhne, unsere Ehepartner oder alle anderen Menschen, mit denen wir regelmäßig in Kontakt stehen, deren Verhalten unser Leben zu Himmel oder Hölle machen kann. Es sind wir selbst. Wenn Trainer und Schüler in ein und demselben Körper und Geist wohnen, kann es ein bisschen schwierig werden. Mit den eigenen Gewohnheiten zu brechen ist besonders schwer und diese Tatsache besitzt solch eine allgemeine Gültigkeit für die menschliche Natur, dass keine Beispiele nötig sind. Karen eilt jedoch auch hier zu Hilfe und führt Beispiele aus ihrem eigenen Leben an, um aufzuzeigen, wie wir unser eigenes Verhalten auf effektive und angenehme Weise beeinflussen können.
Lassen Sie mich ganz offen sein: Ich bin nicht völlig objektiv. Ich habe Karen kennengelernt, als sie im Jahr 1996 meine Lehrassistentin an der University of Wisconsin-Madison wurde. 150 Studenten belegten den Kurs mit dem Titel „Die Biologie und Philosophie von Mensch-Tier-Beziehungen“, der Lehrplan war voller Kontroversen, und es war sehr viel Interaktion zwischen mir, ihr und den Studenten notwendig. Es gab viel zu organisieren und da Karen immer behilflich war, begann ich sie Radar zu nennen, nach Korporal „Radar“ O’Reilly aus der Fernsehserie M*A*S*H. Radar hatte die Antwort immer schon parat, bevor die Frage gestellt worden war – er war der Inbegriff einer „unschätzbaren Hilfe“. Karen und ich führten unsere Zusammenarbeit in der Hundeschule „Dog’s Best Friend Training“ fort, wo Karen sich von Assistenztrainerin zu Verhaltensberaterin hocharbeitete und schlussendlich einige unserer schwierigsten Aggressionsfälle betreute.
Aggression war nichts Neues für Karen. Als sie sich als meine Lehrassistentin bewarb, schloss sie gerade ihre Ph.D.-Forschungsarbeit zu Aggressionsverhalten bei Wespen ab – die einzigen Tiere, vor denen ich wirklich Angst habe. Sie wusste bereits damals, dass es für uns alle im Bereich des Möglichen liegt, das Verhalten der Lebewesen um uns herum zu beeinflussen, ob diese nun sechs, vier oder zwei Beine haben. Karen hat die Grundsätze des Hundetrainings besser in ihr Leben inkorporiert als jeder andere Mensch, den ich kenne – und ich kenne viele herausragende Tiertrainer. Niemand hat den Dreh so heraus wie sie. Für mich war dieses Buch eine Inspiration und es wird auch für Sie eine sein. Ganz ehrlich, ich kann es kaum erwarten, dass Sie es lesen.
Anmerkung der Autorin
Ich weiß, dass Sie gerne mit dem eigentlichen Buch anfangen möchten und dass dieser Abschnitt zwischen Ihnen und dem Buch steht – eine zusätzliche Seite zum Umblättern, noch eine Verzögerung. Ich werde Sie nicht länger als nötig aufhalten, aber ich muss mich anhand von zwei kurzen Kommentaren erklären, damit es zu keinen Missverständnissen kommt.
Erstens: Ich sage oft, dass ein Hund oder eine Person verstärkt wird, obwohl ich sehr gut weiß, dass eigentlich Verhalten verstärkt wird. Eine strenge Befolgung dieser Formalität führt jedoch sowohl mündlich als auch schriftlich zu holprigen Konstruktionen, weshalb ich diesbezüglich nicht puristisch bin. Wenn ich sage, dass jemand „verstärkt“ wird, so ist das als eine Kurzform zu verstehen, die das Lesen erleichtern soll – und das ist mir wichtiger als begriffliche Perfektion. Obwohl ich weiß, dass manche sich an meinem Umgang mit dieser Formalität stören werden, sollen Sie wissen, dass es sich hierbei um eine bewusste Entscheidung handelt. Ich betrachte diesen Punkt als so wichtig, dass ich ihn sowohl hier als auch später im Text erwähne.
Zweitens: Linguistisch gesprochen lebe ich oft im Hier und Jetzt. Ich habe an diesem Buch fast ein Jahrzehnt lang gearbeitet, weshalb einige der Beispiele in der Gegenwart geschrieben sind, obwohl sie sich auf Dinge beziehen, die vor Jahren passiert sind. Dieses eigenartige Zeitverhältnis wird besonders deutlich, wenn es um meine Kinder geht, da diese älter geworden sind (wie das bei Kindern so ist). Zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (der englischen Originalausgabe, Anm. des Übersetzers) waren meine Söhne 15 ½ und 17 Jahre alt. Bitte beachten Sie, dass es sich um dieselben zwei Kinder handelt, wenn ich über meine Klein- oder Grundschulkinder schreibe. Sie können mir glauben, dass ich sie heute nicht mehr wie Kleinkinder behandle.
Einleitung
Überlegen Sie nur einmal, was Hundetrainer erreichen können: Sie bringen sehr schnellen, athletischen, verspielten und energiegeladenen Wesen bei, in einem menschlichen Schneckentempo so langsam neben ihnen herzulaufen, dass jeder Hund mit einem Hauch von Selbstrespekt dabei eigentlich gähnen, einnicken oder rebellieren müsste. Und sie bringen die Hunde sogar dazu, dies mit einem glücklichen Grinsen im Gesicht zu tun. Denselben Hunden, die – das sollten wir nie vergessen! – Raubtiere sind, bringen sie bei, mitten aus der Jagd auf Eichhörnchen, Reh, Katze oder Auto umzudrehen und zu ihnen zurückgerannt zu kommen.Wenn Hundetrainer „Nein“ sagen, nachdem ihnen versehentlich ein ganzes Steak auf den Küchenboden gefallen ist, dann ziehen sich ihre Hunde zurück, anstatt hemmungslos zu schlemmen. Diese Trainer müssen nicht noch einmal zum Supermarkt fahren, um sich ein neues Abendessen zu kaufen. Natürlich schafft so etwas nicht jeder Hundebesitzer, aber professionelle Hundetrainer können es und sie setzen es tagtäglich um. Offensichtlich wissen Hundetrainer etwas, was der Rest der Welt nicht weiß – und das ist Gold wert.
Hundetrainer wissen, wie sich Verhalten beeinflussen lässt, denn das ist der ganze Punkt am Hundetraining. Verhaltenbeeinflussung ist ein sehr weit gefasster Begriff, unter den viele verschiedene Techniken und Taktiken des Hundetrainings fallen. Im Großen und Ganzen gibt es aber bei jedem Training zwei Grundziele:
1 Ein anderes Individuum dazu zu bringen, ein erwünschtes Verhalten zu zeigen, wenn es gewollt ist (auf Signal), wie zum Beispiel „Sitz“, „Komm“, „Rolle“ oder „Fuß“.
2 Ein anderes Individuum dazu zu bringen, ein unerwünschtes Verhalten nicht zu zeigen (z. B. exzessiv bellen, anspringen, im Garten buddeln, Schuhe zerkauen oder Gäste beißen).
Wie wäre es, wenn Sie das Verhalten der Menschen in Ihrem Leben so beeinflussen könnten wie Hundetrainer das Verhalten ihrer Hunde? Wenn Sie ein Interesse daran haben, wie Sie das Verhalten der Menschen um Sie herum beeinflussen können – Ihren Chef, Ihre Arbeitskollegen, Ihre Kinder, Ihren Ehepartner, Ihre Schwiegereltern und sogar die Kassiererin im Supermarkt, deren Kasse Sie vermeiden, wann immer möglich – ist es dann nicht einleuchtend, zu lernen, was Hundetrainer machen und das in Ihr eigenes Leben zu integrieren? Was ist schwieriger: Ihrem Mann beizubringen, seine Schmutzwäsche in den Wäschekorb zu legen oder Ihrem Hund beizubringen, seine Spielsachen aufzuräumen? (Ja, das ist ein Trick, der Hunden häufig beigebracht wird). Wenn Hundetrainer es dank ihrer Talente schaffen, einen Hund vom Dauerkläffen abzuhalten, dann sollte es doch sicherlich auch möglich sein, die eigene Arbeitskollegin dazu zu bringen, etwas weniger zu nörgeln? Und wenn Hunde lernen können, ein Steak liegen zu lassen, dann sollten Eltern ihre Kinder doch eigentlich auch davon abhalten können, sich in der Supermarkt-Schlange einfach Kaugummi und Süßigkeiten zu schnappen.
Ein wohlerzogener, höflicher hündischer Mitbürger mit einer Vielzahl an Talenten ist für potenzielle Klienten sehr viel überzeugender als jeder Lebenslauf, wenn es darum geht, das Wissen und die Fähigkeiten eines Trainers unter Beweis zu stellen. Was der Hund kann und was der Hund sein lässt, sind beides Dinge, die die Leistungen eines Hundetrainers für manche Menschen wie Zauberei wirken lassen. Aber um ehrlich zu sein, sind diese Ergebnisse nur die Nebenprodukte von beachtlichem Können und Wissen.
Behandeln Sie alle Menschen wie Hunde!
Dieses Wissen und diese Fähigkeiten müssen nicht auf die Hundewelt beschränkt bleiben. Die wahre Magie am Hundetraining – das natürlich überhaupt nichts Übernatürliches an sich hat – ist die durchdachte und sorgfältige Anwendung bewährter Techniken zur Verhaltensbeeinflussung. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Verhalten auf Hunde, Delfine, Elefanten, Ratten, Bienen oder Menschen zutrifft. Die meisten von uns würden gerne bestimmte Verhaltensweisen der Leute um uns herum beeinflussen – und mit den Fähigkeiten eines Hundetrainers ist das möglich. Gewissermaßen schlage ich vor, dass wir alle die Menschen in unserem Leben so behandeln, wie erstklassige Hundetrainer Hunde behandeln. Es ist mir zwar bewusst, dass dies missverstanden werden könnte, aber ich meine es überhaupt nicht beleidigend oder herabsetzend. Ganz im Gegenteil! Als Hundetrainerin und Verhaltensberaterin für Hunde, die seit fast 25 Jahren professionell mit Hunden arbeitet, habe ich enormen Respekt für Hunde. Wenn ich sage, dass wir alle Menschen wie Hunde behandeln sollten, dann meine ich es nicht in dem Sinn, in dem dieser Ausdruck üblicherweise verwendet wird. Ich meine es in einem Sinn, der Hunden nicht nur den höchsten Respekt zollt, sondern fast schon ehrfürchtig ist. Ich kann nicht genug betonen, dass ich glaube, den Menschen eine große Ehre zu erweisen, wenn ich sie im Zuge einer Interaktion oder einer versuchten Verhaltensbeeinflussung behandle wie einen Hund. Und zwar deshalb, weil alle es verdienen, so behandelt zu werden, wie die gütigsten und talentiertesten Trainer ihre Hunde behandeln.
Obwohl sich meine professionelle Arbeit mit Hunden auf den Arbeitstag beschränkt, betrachte ich die Welt auch in der restlichen Zeit durch die Brille eines Hundetrainers. Auf eine gewisse Weise bin ich immer und überall Hundetrainerin. Meine Arbeit hat nicht nur Einfluss auf meine eigenen Handlungsweisen, sondern auch darauf, wie ich viele Lebensereignisse und -situationen interpetiere und wie ich die Menschen um mich herum verstehe. Es war nur natürlich, dass ich die Ideen und Fähigkeiten, die ich als Hundetrainerin gelernt hatte, schlussendlich auch auf Menschen ummünzen würde.
Ich hatte ein Jahrzehnt lang als Hundetrainerin gearbeitet, als ich bewusst anfing, mein berufliches Wissen auch auf meine Interaktionen mit anderen Menschen anzuwenden. Ich entdeckte, dass dies nicht nur erfolgreicher, sondern auch netter ist. Man könnte sagen, dass ich den Menschen um mich herum einen großen Gefallen tat, indem ich begann, sie so zu behandeln, wie ich Hunde behandle – weil es eine freundlichere, sanftere und effektivere Methode ist, um das Verhalten von anderen zu beeinflussen.
Um es also ganz klar zu machen: Ich glaube daran, dass wir alle Menschen wie Hunde behandeln sollten. Ich behandle meinen Mann und meine Kinder wie Hunde. Ich behandle meine Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen wie Hunde. Ich behandle meine Eltern, meine Schwiegereltern, meine Schwester, meine Nichten und Neffen, meine Universitätsstudenten und sogar Fremde wie Hunde. Ich behandle Menschen, die ich beruflich kennenlerne, wie Hunde, und Menschen, mit denen ich privat zu tun habe. In meiner Einstellung anderen Menschen gegenüber bin ich sehr egalitär, und erfreulicherweise hat das für mich bisher sehr gut funktioniert.
Mich hat selten etwas mehr gefreut als der Tag, an dem ich überhörte, wie ein Schulfreund meines damals achtjährigen Sohnes zu ihm sagte, dass ich nie so herumbrüllen würde wie seine Eltern. Mein Sohn antwortete: „Ach, meine Mama hat uns schon seit zirka fünf Jahren nicht mehr angeschrien.“ Und das stimmt. Ich hatte entdeckt, dass es sich für mich (und meine Kinder!) schrecklich anfühlte, wenn ich sie anschrie, selbst wenn es nur gelegentlich war – und es fruchtete auch nicht. Als die beiden zwei und drei Jahre alt waren, schlich sich der folgende Gedanke in mein von Schlafentzug geplagtes Hirn: Bei Hunden brülle ich nie herum oder verliere meine Fassung, egal, was für Rückschläge oder Frustationen ich während des Trainings erlebe. Ich schulde es meinen Kindern, mindestens so freundlich und fair mit ihnen umzugehen wie mit den mir anvertrauten Hunden. Ich werde die Details meiner eigenen Anti-Brüll-Erziehung später beschreiben, aber für jetzt sei nur gesagt, dass die Idee für dieses erste Buch sich in jenem Moment zu entwickeln begann.