Kitabı oku: «...und im Luftschloss wird es kühl», sayfa 3
Tag zwölf
(Dienstag)
Der nächste Morgen begann genauso wie in den letzten Tagen. Die Haushaltshilfe und Frau Spaltholz versorgten Sabine vorbildlich. Daran könnte ich mich direkt gewöhnen, dachte sie, während sie ihr Frühstück kaute. Aber wenn ich an Physiotherapie und Arztbesuche denke, dann lieber nicht… Denn diese Termine standen an diesem Vormittag an.
Erst um die Mittagszeit konnte Sabine ihren Laptop hochfahren und natürlich fand sie eine Nachricht von David vor.
Hallo meine schöne Frau!
Wie geht es Dir, wie hast Du geschlafen?
Leider schlief ich schlecht, da ich das Bild Deines hübschen Antlitzes immer vor mir hatte. Ich werde immer auf die Liebe meines Lebens hören, weil jede Frau es verdient hat, wie eine Königin behandelt zu werden. Meine neue Frau bekommt meine ganze Liebe und Aufmerksamkeit.
Denke doch bitte einmal darüber nach, ich empfinde viel für Dich, meine Königin. Und ich hoffe sehr, Du erwiderst meine Gefühle eines Tages. Was hättest Du denn zu verlieren, Honey? Vielleicht Dein Herz, aber mehr nicht, nicht wahr Pretty??? Dein David
Ungläubig starrte Sabine auf den Bildschirm und schüttelte den Kopf. Schon wieder so ein romantischer Humbug. Schließlich atmete sie kurz durch und begann eine Antwort an David.
Vielen Dank für Deine Zeilen und danke der Nachfrage, ich habe sehr gut geschlafen. Heute Morgen hatte ich einige Termine und so kann ich Dir erst jetzt antworten.
Deine Zeilen voller Liebe berühren mich sehr, jedoch kann ich kaum glauben, dass sie echt sind. Wir kennen uns aus dem Internet und von einigen Fotos. Genügt das, um von Liebe und Beziehung zu sprechen?
Ich denke, Du merkst es bereits, bei einem neuen Mann wäre ich anspruchsvoll.
Und lieber bleibe ich allein, als das ich mich an den falschen Mann binde. Ich kann Dir nicht versprechen, ob ich mich noch einmal auf eine neue Beziehung, oder gar eine Ehe einlasse…
Hoffentlich hat er es jetzt verstanden, dass ich mich nicht mehr so schnell verliebe, dachte Sabine, während sie die Mail auf die Reise schickte.
Da es Nachmittag war und sie nicht unbedingt der Hunger plagte, machte sie sich nur einen Pott Kaffee und zog sich mit einer Illustrierten auf das Sofa zurück. Doch ihre Gedanken flogen immer wieder zu David. In aller Ruhe nahm Sabine einen Schluck Kaffee, doch dann riss sie das Klingeln des Telefons zurück in die Wirklichkeit. Wer mochte das sein? Sabine ging ans Telefon.
Im ersten Moment glaubte sie, eine ihr unbekannte Stimme zu hören, doch dann ging ihr ein Licht auf. Diese Stimme einer offenbar jungen Frau mit dem leichten Akzent kannte sie doch. Na klar, das war doch Zayba! Eine nette junge Frau aus Ghana, die wenige Straßen weiter wohnte und der sie vor einigen Jahren Unterricht in der deutschen Sprache gegeben hatte. Zwar war Zayba nur wenig älter als ihr Sohn Christian, trotzdem verstanden sich die beiden Frauen gut. Sabine freute sich. Das hatte zwei Gründe: Erstens sprach Zayba bis auf den Akzent die deutsche Sprache nach einigen Jahren deutsch perfekt und zweitens freute sie sich, dass Zayba sich wieder einmal bei ihr meldete.
„Hallo Zayba, das ist aber schön, dass du anrufst. Wie geht es Dir?“ Aufgeregt rutschte Sabine auf der Couch hin und her.
„Mir geht es super, aber Dir wohl nicht, oder? Vor ein paar Tagen habe ich Frau Spaltholz auf der Straße getroffen und die hat mir erzählt, dass du einen kleinen Unfall hattest. Und da dachte ich, du brauchst vielleicht Hilfe. Gerne würde ich Dich besuchen, was meinst du? Und selbstverständlich bringe ich auch etwas zu essen mit. Dann musst du Dich nicht anstrengen. Das ginge aber nur abends, weil ich tagsüber arbeite. Wir haben uns bestimmt eine ganze Menge zu erzählen, weil wir uns ja fast ein Jahr nicht gesehen haben, oder ist es sogar länger her?“
Sabine rechnete kurz im Kopf, überlegte und antwortete dann: „Ich würde ja meinen, eher anderthalb Jahre, bin mir aber auch nicht so ganz sicher. Ist doch auch egal. Es ist jedenfalls über drei Jahre her, dass ich Dir Deutschunterricht gegeben habe. Der ging etwas über ein Jahr und danach haben wir uns noch einige Male privat abends gesehen. Da ging dann der Deutschunterricht weiter. ‚Die Olsenbande‘, weißt du noch? Alle Filme, die es gab.“
Sabine hörte Zayba am Telefon laut lachen: „Oh ja, die drei putzigen Gesellen aus Dänemark. Eigentlich ulkig, dass sie mir den letzten Schliff in der deutschen Sprache gegeben haben. Ich kann heute noch ganze Dialoge auswendig und bin dankbar dafür. Ich denke, ich habe das mit dem Deutsch ganz gut hinbekommen, oder? Also, was hältst du von einem Besuch?“
Sabine überlegte einen Augenblick und antwortete dann: „Also morgen Abend bin ich mit Essen noch versorgt, aber wie wäre es denn übermorgen? Das wäre Donnerstag, aber ich richte mich natürlich nach Dir.“
„Aber ist doch Ehrensache“, meinte Zayba voller Enthusiasmus. „Da kann ich mich endlich mal so richtig bei Dir bedanken und wir haben uns wirklich eine Menge zu erzählen. Und das Neuste erzähle ich Dir gleich.“
Zayba machte eine kurze dramatische Pause und verkündete dann:
„Mittlerweile habe ich sogar den Führerschein bestanden. Den habe ich sogar selbst finanziert und ein kleines Auto habe ich auch, wenn auch ein gebrauchtes!“
Sabine spürte förmlich, wie stolz Zayba darauf war und erwiderte: „Also Zayba, du schaffst es wirklich noch: Vom Flüchtling zur Millionärin.“
„Nein, nein, dazu wird es sicher nicht kommen. Ich hab noch nicht einmal eine eigene Wohnung, sondern nur ein Zimmer in einer WG. Mehr ist nicht drin und der Führerschein war mir wirklich wichtiger. Ich komme auch mit dem einen Zimmer ganz gut klar. Immerhin besser als die Unterkunft im Flüchtlingswohnheim. Leider können sich nicht alle Einwohner so eines Heims benehmen und ich bin froh da raus zu sein. Das habe ich Dir ja schon einmal erzählt. Aber zurück zu unserem Treffen. Ich könnte am Donnerstag erst gegen einundzwanzig Uhr bei Dir sein. Vorher schaffe ich es wirklich nicht, mein Job verstehst du?“
„Das ist für mich kein Problem, wir können uns trotzdem Zeit nehmen, ich habe keine Termine am Freitag“, Sabine lächelte.
„Also okay, dann bis Donnerstag und wenn etwas ist, rufst du mich einfach an, bye.“
Und schon hatte Zayba aufgelegt. Sabine wechselte kurz ihre Sitzposition und griff erneut nach ihrer Illustrierten. Auf ihren Laptop hatte sie im Augenblick keine Lust. Sollte David erst einmal über ihre letzte Mail nachdenken. So schnell wollte sie keinem Mann mehr ins Netz gehen. Morgen ist auch noch ein Tag, dachte Sabine und fuhr den Laptop herunter.
Tag dreizehn
(Mittwoch)
Der nächste Tag hatte begonnen. Das übliche morgendliche Ritual, Duschen und Frühstück waren schnell erledigt. Am Vormittag stand Physiotherapie auf dem Programm, der Laptop musste warten. Am späten Vormittag kehrte Sabine zurück. Vom Bäcker hatte sie sich ein belegtes Brötchen mitgebracht. Kaum hatte sie ihre Wohnung betreten, klingelte schon die Haushaltshilfe. Sabine ließ sie ein und begrüßte sie freundlich. Die Dame kann mir gleich mal einen Kaffee machen, dachte sie, während sie ihre Schuhe wechselte. Und so bat sie die freundliche junge Frau um Hilfe.
„Klar mache ich Ihnen einen Kaffee und Du kannst so langsam mal Babsi zu mir sagen“, meinte sie, „schließlich kennen wir uns jetzt schon ein Weilchen.“
„Mach ich gerne, aber nur, wenn Du Biene zu mir sagst, schließlich werden wir noch einige Zeit miteinander zu tun haben“, Sabine lachte und hievte sich auf die Couch. Wenige Minuten später brachte ihr Babsi den Kaffee und das Brötchen.
„Lass es Dir schmecken, aber verrate mir bitte, was ich sonst noch für Dich tun kann.“
Sabine überlegte einen Augenblick und meinte dann: „Einfach mal ein bisschen meine kleine Wohnung putzen. Nicht wie zu Weihnachten, aber gründlich.“
„Geht klar, Biene“, Babsi grinste und begann eifrig zu arbeiten.
Am besten schmeiße ich gleich mal meinen Laptop an und sehe nach dem Rechten.
Für Herrn Lenz gibt es sicher etwas zu tun und vielleicht hat sich David gemeldet. Gesagt, getan! Aufgeregt öffnete Sabine ihren Facebook Account und stieß prompt auf eine Nachricht von David.
Ich vermisse Dich so, ich bete den ganzen Tag zu Gott, dass Du in Sicherheit bist und gesund bleibst. Sabine, glaube mir einfach und ich werde mein Bestes geben, Dich bald in Berlin zu besuchen, sofern ich auf die Gnade Gottes hoffen darf.
Du bist so nett und süß, liebste Sabine, ich möchte für immer und immer bei Dir sein.
Es ist mir eine Freude, dass es Dich gibt. Denn ich habe Dich gewollt. Du bist unendlich wertvoll in meinen Augen. Du bist meine große Liebe, in die ich tief versunken bin. Und in meiner Seele hast Du ein heißes Feuer entfacht!
Sabine stutze. Kam jetzt schon wieder der liebe Gott mit ins Spiel? Damit konnte Sabine so gar nichts anfangen. Und daher entschied sie sich, diese Mail gleich zu beantworten. Das konnte nicht warten!
David, nun kennen wir uns nicht einmal zwei Wochen. Daher kann ich nicht von Liebe reden. Und eines solltest Du gleich wissen: Ich bin nicht gläubig! Für mich gibt es keinen Gott. Ja David, ich mag Dich. Aber verlieben kann ich mich nur in der Realität, wenn ich Dich gesehen habe.
Was soll dieser schwülstige Unsinn, lieber David? Du kennst mich doch gar nicht!
Und ich weiß nur wenig von Dir. Ich kenne nicht einmal Deine Hobbys…
Hastig schickte Sabine die Mail auf die Reise. So etwas duldete keinen Aufschub, fand sie. Anschließend schloss sie ihren Facebook Account.
Unterdessen hatte Babsi ihre Arbeit beendet. Sogar abgewaschen hatte sie.
Sabine bot ihrer Hilfe einen Platz an. „Einen kleinen Augenblick für einen Schwatz hast du doch sicher, oder?“ Babsi stimmte zu.
„Eigentlich wollte ich nur mal ganz herzlich danke sagen, das ist alles. Und ein Weilchen werde ich auch noch auf Dich angewiesen sein. Die Orthese werde ich noch mindestens zwei Wochen tragen müssen, meine Ärztin ist noch nicht so ganz zufrieden. Warten wir erst einmal ab und dann sehen wir weiter.“
Babsi nickte. „Klar das bekommen wir hin, aber jetzt muss ich auch weiter. Für den kommenden Dienstag bin ich wieder für Dich eingeteilt. Schönes Wochenende!“
Damit verließ Babsi freundlich lächelnd die Wohnung und Sabine war wieder allein. Sie begab sich wieder an ihren Laptop. Lieber widmete sie sich den Aufgaben, die ihr Herr Lenz geschickt hatte. Schließlich wollte sie ihren Chef nicht enttäuschen. Und so vertiefte sich Sabine so in die Arbeit, dass sie fast die Zeit vergaß. Dann hatte sie es geschafft und schickte eine Mail an den Verlag. Danach öffnete sie ihren Facebook Account. Eine Nachricht von David!
Meine liebe Kathy!
Es ist richtig, ich habe Dir nichts über meine Hobbys geschrieben und das möchte ich jetzt nachholen.
Wie Du weißt, bin ich beruflich ziemlich eingespannt und für Hobbys bleibt nicht viel Zeit.
Meine beiden Jungs, die Golden Retriever fordern schon einmal Zeit. Ich gehe gerne mit ihnen spazieren und habe bei diesen Spaziergängen gerne meine Kamera dabei. Ich liebe es, zu fotografieren. Ebenso gehe ich gerne essen. Aber allein macht es wenig Spaß.
Gerne würde ich Dich ausführen, mein Engel. Ein ausgezeichnetes Essen im Restaurant genießen, gemeinsam mit Dir lachen und guter Dinge sein.
Oder wie wäre es mit einem gemütlichen Leseabend auf der Couch?
Die Hunde liegen zu unseren Füßen und im Hintergrund läuft leise Musik. Du bringst mich zum Träumen, Darling.
Würde der Himmel aus Papier bestehen und das Meer wäre ein Behälter mit Tinte, könnte ich doch nicht aufschreiben, wie viel du mir bedeutest.
Ich liebe Dich so sehr, Kathy!
Dein David
Kathy? Sabine zog die Stirn kraus und sofort klingelten bei ihr sämtliche Alarmglocken. Hier stimmte etwas nicht! Sabine war sich nicht sicher und beschloss, der Sache gleich auf den Grund zu gehen.
Warum in aller Welt nennst Du mich Kathy? Ich finde das sehr merkwürdig.
Vielleicht kannst Du es mir erklären. Eigentlich müsstest Du wissen, wie ich heiße!
Diesmal schloss Sabine ihren Facebook Account nicht, sondern wartete ab. Das wollte sie jetzt wissen! Sie griff nach einer Illustrierten und begann darin zu lesen. Nun war ihre Geduld gefragt. Eine knappe Stunde später meldete sich David.
Meine liebste Sabine!
Bitte entschuldige, dass ich Dich Kathy genannt habe. Aber lass mich erklären.
Kathy ist eine gute Schulfreundin von mir. Nicht mehr und nicht weniger. Sie ist eine Taufpatin von Alicia und darum habe ich regelmäßig Kontakt zu ihr. Ich hatte ihr, bevor ich Dir schrieb, eine Mail geschrieben, daher hatte ich den falschen Namen im Kopf. Das kann mal passieren, aber ich schäme mich dafür. Bitte sei mir nicht böse.
Ich liebe Dich jetzt schon, mit Haut und Haar und ich möchte Dich auf all Deinen Wegen begleiten, Dir ein perfekter Partner sein. Höre auf Dein gutes Herz!
Darf ich Dir was Schönes erzählen? Ich habe ein Bild von Dir an Alicia geschickt und sie hat mir gesagt, dass sie Dich jetzt schon mag. Ich weiß, dass die Realität anders aussehen kann, aber ich glaube fest an das, was mein Herz mir sagt.
Abgesehen davon liebt Alicia Pferde über alles und ich bin mir sicher, ihr würdet Euch blendend verstehen. Mit der Zeit werden wir uns alle besser kennenlernen und ich bin mir sicher, die Liebe wird siegen! Glaub daran, mein Engel! Natürlich haben wir alle unsere Vorlieben und Abneigungen, aber damit werden wir fertig, nicht wahr?
Für heute reichte es Sabine. Ihr brummte der Schädel. Und so beschloss sie, für heute ihre Arbeit am Laptop zu beenden. In Ruhe ließ sie den Tag ausklingen, ohne PC und Telefonate.
Tag vierzehn
(Donnerstag)
Ein neuer Tag begann. Sabine hatte schlecht geschlafen und musste sich erst einmal orientieren, nachdem sie aufgewacht war. Zu sehr hatte David Silverstone in ihrem Unterbewusstsein herumgespukt.
Sabine streckte sich kurz und setzte sich dann mit Schwung auf die Bettkante.
Was lag heute an? Sabine überlegte. Zayba! Sabine freute sich, und auf einmal fiel es ihr leicht, das Bett zu verlassen und ihr Morgenritual durchzuführen. Erst nach dem Frühstück widmete sie sich ihrem Laptop und fand eine Nachricht von David.
Ich hoffe, Deine letzte Nacht ist wundervoll gewesen und Du hast gut geschlafen,
Dich sehe ich an jedem Morgen als erstes, wenn ich meine Augen öffne.
Dein Anblick ist der letzte, mit dem ich in die Nacht entgleite. Dich wünsche ich mir so an meiner Seite.
Genervt stöhnte Sabine auf. Konnte David nichts anderes als Süßholz raspeln?
Irgendwie muss ich ihn zur Räson bringen, dachte sie. Plötzlich riss sie das Smartphone aus ihren Gedanken. Eine WhatsApp von Zayba!
Iss heute nicht so viel und vergiss unsere Verabredung nicht!
Ich bringe uns was Gutes mit!
Sabine entschloss sich, gleich zu antworten.
Keine Sorge, aber wehe, ich werde nicht satt!
Lächelnd schickte Sabine die Nachricht ab, wandte sich wieder Facebook zu und fand eine weitere Nachricht von David.
Meine liebe Sabine!
Ganz schnell muss ich mich bei Dir melden, mein Engel. Es sieht leider so aus, als würde mein PC den Geist aufgeben.
Du weißt, wie ich im Stress stehe (meine Mutter und der Umzug nach Berlin).
Ich kann jetzt unmöglich losziehen und mir einen neuen PC kaufen. Das werde ich erst tun, wenn ich in Berlin lebe. Du hast doch sicher WhatsApp. Gerne würde ich über diesen Dienst mit Dir verbunden sein. Facebook auf dem Handy ist mir zu mühsam… Abgesehen davon könnten wir schneller Nachrichten austauschen.
Du brauchst nur zu schreiben, wenn Du Zeit dazu hast, und wenn Du unterwegs bist, schaltest Du Dein Smartphone auf lautlos. Nerven möchte ich Dich auf keinen Fall, aber diese Idee geht mir schon seit einigen Tagen im Kopf herum.
Überlege es Dir bitte und füge mich zu Deinen Kontakten hinzu. Ich schreibe Dir hier meine Nummer dazu.
Ich liebe Dich, meine Schönheit und ich möchte Dich nicht verlieren, nur weil mein PC den Geist aufgibt. Dein David
P.S. und wenn Du kein WhatsApp haben solltest, können wir Hangouts nutzen.
Sabine starrte auf die aktuelle Nachricht von David. Was sollte das?
Aber okay, was hatte sie zu verlieren? Sabine entschied sich für Hangouts, warum wusste sie nicht genau. Sie fand es gut, nicht mehr so vom Laptop abhängig zu sein. Also übermittelte sie David schnell ihre Gmail Anschrift. Schon wenige Minuten später fand sie eine Nachricht von David in Hangouts.
Es hat geklappt. Wenn Du Zeit für eine Nachricht hast, schreib mir bitte.
Sabine entschloss sich, zunächst nicht zu antworten. Sie zog sich um und machte sich auf den Weg zur Physiotherapie. Mittlerweile war es Anfang Juli, eine Jacke benötigte sie auf dem Weg nicht. Meine letzte Behandlung für diese Woche, dachte sie, als sie die Praxis betrat.
Sabine nickte der Dame an der Anmeldung kurz zu und nahm im Wartebereich Platz. Die Praxis machte einen freundlichen Eindruck, das war Sabine gleich beim ersten Besuch aufgefallen. Neben den wenigen Stühlen im Wartebereich gab es ein kleines Tischchen. Auf dem stand immer ein kleiner frischer Blumenstrauß und einige Zeitschriften lagen aus. Plötzlich weiteten sich ihre Augen!
‚Love Scamming, die moderne Form des Heiratsschwindels‘, prangte es in großen Lettern über einem Artikel. Darunter in etwas kleinerer Schrift ‚Vier Frauen berichten über ihr Schicksal‘. Gerade wollte Sabine sich diesen Artikel zu Gemüte ziehen, da wurde sie aufgerufen. Mit einem Seufzer legte sie die Zeitschrift beiseite. Dieser Artikel hätte sie interessiert! Sabine entschloss sich, nach der Behandlung einmal kurz in diese Zeitschrift zu schauen, und betrat optimistisch den Behandlungsraum.
Die letzte Behandlung für diese Woche und nachher ein schönes Treffen mit Zayba, besser kann das lange Wochenende nicht starten, dachte sie.
Marco, der Physiotherapeut begrüßte Sabine freundlich und half ihr beim Ablegen der Orthese. Dann begann er professionell mit der Behandlung. Nach einer knappen halben Stunde war die Behandlung beendet. Marco half Sabine erneut und sagte: „Holen Sie sich bitte neue Termine und sprechen Sie bei Gelegenheit mit Ihrer Hausärztin wegen einer zusätzlichen Behandlung, wir haben Ultraschall und Elektrotherapie gerade günstig im Angebot.“
Schnell waren neue Termine ausgehandelt und Sabine sah noch einmal auf den Zeitungsstapel in der Anmeldung. Leider las eine andere Patientin die Zeitung, in die Sabine schauen wollte. Mit einem freundlichen Gruß verließ Sabine die Praxis. Angenehm warme Luft schlug ihr entgegen, als sie ins Freie trat.
Plötzlich fiel Sabine ein, dass sich in unmittelbarer Nähe der Praxis ein Zeitungsladen befand. Vielleicht sollte sie dort einmal nach der Zeitschrift schauen, die in der Physiotherapiepraxis ausgelegen hatte. Sabine kaufte sie und schob sie in ihre Tasche. Gutgelaunt machte sie sich auf den Heimweg. Zuhause angekommen zog sie sich um und bereitete sich einen kleinen Snack zum Mittagessen. Nach dem Essen wurde Sabine müde. Eigentlich legte sie sich niemals mittags hin. Aber sie beschloss, an diesem Tag eine Ausnahme zu machen. Sie trug das Geschirr in die Küche, wusch es ab und zog sich dann ins Schlafzimmer zurück. Erstaunlicherweise schlief sie sofort ein. Als sie wenige Stunden später aufwachte, streckte sie sich schlaftrunken und warf einen Blick auf die Uhr. Fast siebzehn Uhr. Solange hatte Sabine nicht schlafen wollen, aber sie fühlte sich frisch und munter.
Gemächlich stand sie auf und verschwand kurz im Bad. Anschließend fuhr sie ihren PC hoch, öffnete ihren E-Mail-Account und dann Facebook. Einen Augenblick lang wunderte sie sich, dass sie keine Nachricht von David fand, doch dann fiel ihr ein, dass sie sich ja auf Hangouts geeinigt hatten. Hastig griff sie zu ihrem Smartphone, doch auch hier fand sich keine Nachricht von David. Sabine entschloss sich, ihm sofort zu schreiben, sie wollte ihn nicht im Ungewissen lassen.
Bitte entschuldige, dass ich mich erst jetzt wieder bei Dir melde, aber ich hatte bis eben zu tun und hatte echt keine Zeit, mich bei Dir zu melden. Mach Dir aber um mich keine Sorgen, ich bin jetzt Zuhause, bekomme aber am Abend Besuch. Wundere Dich nicht, über mein Schweigen. Wenn ich wieder mehr Zeit habe, werde ich ausführlicher schreiben.
Schnell schickte Sabine die Nachricht ab und brühte sich einen Kaffee auf. Vorsichtig trug sie die Tasse ins Wohnzimmer und rührte gedankenverloren darin herum. Gerade hatte einen Schluck Kaffee genommen, als sich ihr Smartphone erneut meldete. Eine Nachricht von David!
Gut, dass Du Dich wieder gemeldet hast, ich habe mir schon Sorgen um Dich gemacht. Aber ich verstehe, dass Du mal Termine hast. Darf ich Dich fragen, wer Dich heute Abend besucht?
Sabine ärgerte sich. Was ging ihn ihr Besuch an? Morgen würde sie David antworten. Und sie würde ihm klarmachen, dass er sich eine Liebe aus dem Kopf schlagen kann. Sie beschloss, sich auf den Abend mit Zayba vorzubereiten. Wenn sie Zayba richtig verstanden hatte, würde sie Essen aus dem Restaurant mitbringen. Getränke brachte sie sicher nicht mit, aber Wasser, Cola und verschiedene Säfte hatte Sabine im Haus. Nein, verdursten würden sie nicht. Sabine deckte den Tisch und stellte die Getränke bereit. Damit ihre Gedanken nicht ständig um David kreisten, versuchte Sabine sich abzulenken und schaltete den Fernseher ein. Dann klingelte ihr Smartphone. Zayba! Sabine hob nervös den Hörer ab. Hoffentlich keine Absage, dachte Sabine, sie hatte sich doch so auf diesen Abend gefreut.
„Hallo Sabine, ich komme schon um zwanzig Uhr, ist es Dir recht? Ich kann eine Stunde eher Feierabend machen!“ Sabine jubelte innerlich: „Super, das ist mir natürlich sehr recht, ist ja nicht mehr so lange.“ „Gut, dann sehe ich zu, dass ich pünktlich bei Dir bin“. Und schon hatte Zayba wieder aufgelegt. Kaum hatte Sabine das Telefon aus der Hand gelegt, klingelte es erneut. Sabine rollte mit den Augen und griff nach dem Gerät.
Diesmal war es Monika! Sabine nahm den Hörer ab und meldete sich. Und schon trompetete Monika los: „Ey du alte Schnecke, ich wollte nur mal hören, was bei Dir Sache ist. Schließlich habe ich ein paar Tage nichts von Dir gehört.“
Sabine wurde es auf einmal siedend heiß. In den letzten Tagen hatte sie ihre Freundin vollkommen vergessen.
„Oh Mann, Monika die Pasta von Dir ist echt lecker gewesen, aber denkst Du ich bin in den letzten Tagen dazu gekommen, an Dich zu denken? Entweder ich sitze an Aufgaben, die mir mein Chef geschickt hat oder ich habe Physio oder ich bin bei meiner Hausärztin oder meine Internetbekanntschaft hält mich auf Trab.“
„Internetbekanntschaft?“ Sabine konnte hören, wie ihre Freundin am anderen Ende der Leitung schnaufte, „das musst Du mir genauer erzählen!“
„Ach das ist so ein Ingenieur aus Hamburg mit britischen Wurzeln, der jetzt wieder nach Berlin ziehen möchte. Schreibt mit mächtig viel Schmalz. Ich weiß nicht recht, da kommt mir etwas nicht ganz astrein vor.“
Sabine machte eine Pause und Monika schaltete sich ein: „Das klingt spannend, da hätte ich gerne mehr gewusst. Was liegt denn heute noch bei Dir an?“
„Also heute ist es für ein Schwätzchen ganz schlecht. Erinnerst du Dich noch an Zayba, die Asylbewerberin aus Ghana? Der habe ich vor einigen Jahren mal Deutschunterricht gegeben und mittlerweile darf sie in Deutschland arbeiten. Sie arbeitet in einem Restaurant in der Küche und möchte mich heute Abend versorgen. Da ich sie lange nicht mehr gesehen habe, haben wir bestimmt eine Menge zu quasseln.“
„Ach ja die Zayba, das war so eine große, schlanke, hübsche Frau, ich erinnere mich. Du hattest sie einmal mit auf meinen Reiterhof gebracht. Die arbeitet in einer Küche? Die hätte doch Model werden können, und zwar locker.“ Monika klang empört.
„So ein Quatsch“, gab Sabine zurück, „könntest Du Dir diese lebenslustige, quirlige Frau mit einem ausdruckslosen Gesicht und einem ulkigen Fetzen am Leib auf dem Laufsteg vorstellen? Also ich nicht!“
„Haste vielleicht recht“, meinte Monika, „dann wünsche ich Dir für den heutigen Abend viel Spaß. Aber wie sieht es morgen bei Dir aus?“
„Morgen habe ich keinen Termin, das bedeutet drei freie Tage für mich.“
„Du, da habe ich eine gute Idee“, sagte Monika, „ich hole Dich morgen Vormittag ab, ich sage mal so um zehn Uhr, dann essen wir auf dem Reiterhof Mittag und am Nachmittag können wir quasseln. Du kannst auch gerne über das Wochenende bleiben, wenn Du möchtest. Ich würde Dich Montag früh wieder nach Hause fahren. Und das mit Deiner Orthese kriegen wir auch hin. Glaub mir, als Betreiberin eines Reiterhofes bin ich auch in medizinischer Versorgung sehr geübt.“
Sabine konnte förmlich spüren, wie Monika am Telefon grinste. Dann überlegte sie kurz und antwortete: „Also am Montag muss ich am Vormittag zu meiner Hausärztin. Könntest Du mich nach dem Frühstück einfach an unserem Gesundheitszentrum absetzen? Dann könnte ich meinen Arzttermin wahrnehmen und nach Hause habe ich es ja nicht weit.“
„Klar können wir das so machen. Wir können aber auch am Montag gemeinsam erst noch einkaufen. Die Einkäufe und Dein Gepäck bringen wir dann in Deine Wohnung und dann fahre ich Dich zu Deiner Ärztin. Wie geht es Deinem Bein?“
„Na ist wohl nicht so optimal, hat jedenfalls der Physiotherapeut heute gemeint. Mehr werde ich wohl am Montag erfahren.“ Sabine atmete tief durch.
„Okay meine Süße, ich melde mich morgen früh bei Dir und wünsche Dir jetzt erst einmal einen schönen Abend mit Zayba. Grüß sie mal schön! Bis morgen!“
Und schon hatte Monika aufgelegt. Zu mehr Grübeleien hatte Sabine keine Zeit, denn es klingelte an der Wohnungstür. So schnell sie konnte, lief Sabine zur Wohnungstür und meldete sich. Na klar, Zayba! Dieser drollige Akzent war unverkennbar, Zayba brauchte nicht viele Worte. Und Sabine betätigte den Türöffner und öffnete zeitgleich die Wohnungstür. Einige Augenblicke später schnaufte Zayba mit einem Speisebehälter die Treppe hoch. Sabine ließ sie herein und bat sie, den Behälter in der Küche abzustellen. Erst dann begrüßte sie die Freundin.
„Mensch Zayba, da freue ich mich aber, dass es geklappt hat. Zieh Deine Jacke aus, wo das Geschirr steht, weißt Du ja sicher noch, auch wenn der Deutschunterricht schon ein Weilchen her ist. Was möchtest du trinken?“
„Wasser würde mir genügen.“ Zayba sah auf Sabines linkes Bein und seufzte: „Das wird doch hoffentlich wieder okay?“
„Oh ja“, erwiderte Sabine, „es kann noch ein Weilchen dauern, aber das wird schon wieder werden. Ich muss am Montag wieder zu meiner Ärztin, dann erfahre ich mehr.“
„Ich zeig Dir erst mal, was ich uns mitgebracht habe. Für jeden von uns Country Potatoes und jede Menge Grillgemüse, außerdem Rahmchampignons und Pfeffersauce. Leider habe ich nicht an ein Dessert gedacht.“
Sabine riss die Augen auf und lachte: „Ein Glück, dass ich heute Mittag nur ein Brötchen gegessen habe. Soll ich uns eine CD einlegen und leise im Hintergrund laufen lassen?“ Zayba nickte, verschwand kurz im Badezimmer und begann danach in der Küche das Abendbrot aufzutun. Unterdessen hatte Sabine eine CD in den Player getan.
„Afrikanische Klänge habe ich leider nicht zu bieten, aber vielleicht tut es auch eine andere Entspannungsmusik“, meinte Sabine.
„Ist schon okay, Hauptsachen leise, du glaubst gar nicht, wie einen der Krach in Küche und Restaurant stressen kann.“
Sabine trug Besteck und Servietten ins Wohnzimmer, Zayba folgte ihr mit zwei vollen Tellern.
„Die Sauce und das Grillgemüse bringe ich extra, hat nicht mehr auf die Teller gepasst“, murmelte Zayba. Sie stellte die Teller ab und verschwand erneut in der Küche. Auf einem Tablett balancierte sie den Rest an den Tisch.
„Wir müssten alles haben“, meinte Zayba und setzte sich in einen bequemen Sessel. Sabine nahm Platz, sie zog die Couch vor.
„Das sieht wirklich lecker aus“, meinte sie und fuhr fort, „da bekommst Du aber noch Geld von mir.“
„Ich haue Dir mit dem Messer, wenn Du mir Geld geben willst“, rief Zayba aus und Sabine musste lachen. Auch wenn Zayba schon lange in Deutschland lebte, so ganz perfekt war ihr Deutsch doch nicht. Aber sie hatte die fremde Sprache schnell gelernt. Zwar war deutlich ein Akzent zu merken, aber viele Fehler machte sie nicht. Beim Essen sprachen die beiden Frauen nur wenig, sie genossen ihr Mahl.
Nach dem Essen trug Zayba das Geschirr in die Küche. Sabine folgte ihr und sagte: „Lass das Geschirr stehen, das wasche ich ab, wenn Du weg bist, so viel ist es nicht. Wenn Du möchtest, kann ich uns noch einen Kaffee machen und eine gute Packung Pralinen habe ich auch noch da.“
„Super“, jubelte Zayba, „ich bin heute den ganzen Tag auf den Beinen gewesen, da kann ich was Süßes gut gebrauchen.“
Fröhlich machte sich Sabine ans Werk und bereitete Kaffee zu. Die Packung Pralinen war schnell gefunden und die beiden Frauen ließen sich erneut im Wohnzimmer nieder.
Sabine hielt Zayba die Packung Pralinen hin und Zayba griff zu. Dann bediente Sabine sich selbst und forderte Zayba auf: „Nun erzähl mal, wie geht es Dir?“
„Tja“ begann Zayba, „es ist viel Zeit vergangen, seit wir das letzte Mal ausführlich telefoniert haben, ich glaub, da war ich sogar noch im Asylbewerberheim untergebracht.“ Zayba überlegte und fuhr fort: „Erinnerst du Dich, ich bin kurz vor der großen Flüchtlingskrise aus Ghana gekommen. Gemeinsam mit meinem Bruder, der zwei Jahre älter ist als ich. Weißt du noch?“
