Kitabı oku: «Die Bambusstrategie»
Katharina Maehrlein
Die Bambusstrategie
Den täglichen Druck mit Resilienz meistern
Danksagung & Widmung
Meinen Töchtern Elena und Irina, auf die ich sehr stolz bin, Michaela Schreiber, seit Jahrzehnten in guten und in schlechten Zeiten die beste Freundin, die man sich nur wünschen kann,
Pawel Jatczak, der mich gelehrt hat, wann es besser ist, loszulassen,
Alexander Lutz, ein im besten Sinne ungewöhnlicher Mensch und guter Freund,
Maximilian March, ein Quell der Lebensfreude und Inspiration,
Heinz Meloth und Helgo Bretschneider, meinen Kollegen, die mir ein Halt in der Not waren und die mittlerweile zu Freunden geworden sind,
Heini Kürzeder, der Chef meiner Agentur „5-Sterne-Redner“, der beste Manager überhaupt,
Susanne Bauermann, der genialen und geduldigen Illustratorin,
Ben Schulz und seinem Team von „Werdewelt“ für die selbstlose und sehr hilfreiche Begleitung,
Holger Fischer, Chef der Confidos-Akademie für seine Unterstützung und sein Engagement, die Bambusstrategie nach La Gomera zu holen,
Und den über 10.000 Menschen, die in den letzten 15 Jahren meine Vorträge gehört, ein Seminar besucht oder ein Coaching erlebt haben:
Danke! Ohne sie wäre das Buch zur Bambusstrategie nie entstanden.
Katharina Maehrlein
Die
Bambusstrategie
Den täglichen Druck
mit Resilienz meistern

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Lektorat: Anja Hilgarth, Herzogenaurach
Umschlaggestaltung: Martin Zech, Bremen | www.martinzech.de
Illustrationen: Susanne Bauermann | www.susanne-bauermann.de
©2015 GABAL Verlag GmbH, Offenbach
Das E-Book basiert auf demBuch „Die Bambusstrategie“ von Katharina Maehrlein, ©2012 GABAL Verlag GmbH, Offenbach.
ISBN Buchausgabe: 978-3-86936-441-4
ISBN epub: 978-3-95623-285-5
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.
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Inhalt
Prolog
Widerstandsfähigkeit entsteht im Trotzdem
Resilienz – unser Überlebensprogramm
Aktvieren Sie Ihre innere Kraft
Ein Sturm zieht auf
Handlungsbedarf erkennen
Selbstcheck: Wie stark ist der Bamboo in Ihnen?
Allen Stürmen standhalten

Souveräner Umgang mit der Krise
Merkmale des Bamboo-Strategen
Bamboo gibt uns tiefe Wurzeln
1. Wurzel: Akzeptanz – die Dinge annehmen, wie sie sind
Die vier Phasen einer Veränderung
Übung: Gedanken-Check
2. Wurzel: Verbundenheit – in gutem Kontakt mit sich, anderen und der Welt
Übung: Netzwerk-Check
Übung: Beziehungskonto
3. Wurzel: Positive innere Einstellung – das Gute wahrnehmen
Übung: Die drei guten Dinge des Tages
Übung: Weckerexperiment
Bamboo stärkt unseren flexiblen Stamm

1. Ich-Stärker: Selbstbewusstsein – sich seiner selbst bewusst sein
Übung: Die A-N-A-A-Formel
Übung: Die Potenzial-Pyramide
2. Ich-Stärker: Einem Leitstern folgen – sich auf eine Vision ausrichten
Übung: Ihr 80. Geburtstag
Übung: Zielprogramm installieren
3. Ich-Stärker: Selbstliebe – es sich selbst wert sein
Selbstwert-Check: Wie ausgeprägt ist Ihre Selbstliebe?
8 Tipps für mehr Selbstliebe
4. Ich-Stärker: Selbstsicherheit – sich selbst vertrauen
Selbstcheck: Wie steht es um Ihre Selbstsicherheit?
4 Tipps für mehr Selbstsicherheit
Bamboo nährt uns durch immergrüne Blätter

1. Energiespender: Handlungsspielräume nutzen – sich auf das Machbare konzentrieren
Übung: Handlungsspielräume erkennen und ausdehnen
Übung: Berg in Schotter zerlegen
2. Energiespender: Vitalität erhalten – sich rüsten für den nächsten Sturm
Übung: Die zwei Seiten einer Medaille
Übung: Den Geist durch Fragen lenken
3. Energiespender: Durchsetzungsfähigkeit trainieren – sich souverän behaupten
Statusspiele: Das Gerangel um den Rang
11 Tipps für durchsetzungsstarkes Verhandeln
4. Energiespender: Arbeitsumfeld gestalten – das persönliche Wohlfühl-Biotop designen
Übung: Aufgaben-Check
Übung: Kräftefeld-Analyse
Den Bamboo in Ihren Mitarbeitern wecken und stärken
WARUM Sie den Bamboo Ihrer Mitarbeiter stärken müssen
WIE Sie den Bamboo Ihrer Mitarbeiter stärken können
Notfallkit für große Turbulenzen

Achtsamkeit üben – der sicherste Weg zu Ihrem Bamboo
Prolog
„Du kannst die Wellen nicht stoppen,
aber du kannst lernen, sie zu reiten.“
KARIN KRUDUP
Sie ist 22 Jahre alt, als ihre Mutter beschließt, sich das Leben zu nehmen. Sie hat zwei kleine Kinder und keinen Schulabschluss. Sie hat im Internat, im Erziehungsheim und schon mit 16 Jahren in einer eigenen Wohnung gelebt. Denn Zuhause, das war ihre unbeherrschte schizophrene Mutter, das waren lautstarke Streitereien zwischen ihren Eltern. Jetzt ist sie selbst mit einem arbeitslosen Alkoholiker verheiratet. Ihre Hoffnungen auf Unterstützung und eine liebevollere Beziehung haben sich damit nicht erfüllt.
Die Nachricht vom Tod ihrer Mutter lässt ihre Welt zu einem endlos langen Tunnel werden, an dessen Ende sie kein Licht sieht. Sie spielt immer wieder mit dem Gedanken, es ihrer Mutter gleichzutun.
Die junge Frau lebt wie zwischen zwei Sandwichhälften. Die eine Hälfte besteht aus Eltern und Ehemann, die andere Hälfte sind ihre Kinder. Beide Seiten wirken auf sie ein, stellen Anforderungen, haben Erwartungen. Druck von oben, Hilferufe von unten. Und sie selbst irgendwie dazwischen.
Es ist das Jahr 1987. Und sie hat nur zwei Möglichkeiten: aufgeben oder etwas tun. Ihr ist völlig klar: Niemand wird kommen, um ihr die Belastung zu nehmen. Klagen, Resignieren oder die Flucht in Drogen helfen auch nicht weiter. Helfen kann sie nur sich selbst.
Die junge Frau besinnt sich auf ihre innere Stärke und trifft die Entscheidung, weiter für eine Zukunft nach ihren Vorstellungen zu kämpfen. Also macht sie sich auf den Weg zurück zum Licht. Dabei lässt sie einige Menschen hinter sich, die unter ähnlichen Belastungen zerbrechen: Eine Freundin springt mit 17 Jahren vom Hochhaus, ein Freund stirbt mit 22 Jahren an einer Überdosis Heroin, viele ehemalige Weggenossen sind noch am Leben, aber nie wirklich auf die Füße gekommen.
Sie schöpft aus einer Quelle, die sie nur in sich selbst finden kann: Sie hat ihren Bamboo entdeckt und lebt die Bambusstrategie. Doch zu diesem Zeitpunkt weiß sie das noch nicht.
Bamboo – so nenne ich die Kraft, jeden Tag mit seinen vielfältigen Aufgaben zu meistern, mit Druck, Konflikten, Misserfolgen und Niederlagen fertig zu werden und gestärkt aus Krisen hervorzugehen. Jeder hat sie in sich! Bei manchen ist sie kleiner, bei anderen größer.
Die gute Nachricht lautet: Bamboo ist leicht trainierbar – und das ist nicht nur im Privatleben nützlich. Auch und gerade im beruflichen Umfeld hilft uns Bamboo, wenn wir zum Beispiel zwischen Vorgesetzten auf der einen und Mitarbeitern auf der anderen Seite stehen, zwischen Schulbehörde und Schülern, zwischen Klinikleitung und Patienten, … Er stärkt uns für hohes Arbeitsaufkommen, Druck von allen Seiten oder sogar Krisen. Er hilft, Ziele zu erreichen und die Erfüllung im Berufsleben (wieder) zu finden. Härteproben lauern überall. Vor allem dann, wenn der Druck gleich von mehreren Seiten auf Menschen einwirkt. Gerade dann ist die Gefahr groß, dass Sie sich selbst aufreiben. Wenn innere Stärke und Durchsetzungskraft fehlen, wenn Sie das Machbare nicht mehr erkennen, entsteht leicht das Gefühl, machtlos zu sein, keinen Einfluss nehmen zu können. Der Blick für den Handlungsspielraum geht verloren. Dann ist der Bamboo in Ihnen ins Koma gefallen und Sie haben Gedanken wie: „Ich kann doch sowieso nichts bewirken. Jemand anderes hat hier das Sagen“, „Mein Engagement ist sinnlos, es wird sowieso nicht honoriert“. Alles scheint irgendwann aussichtslos und sinnlos. Der Weg zur inneren Kündigung oder totalen Resignation ist geebnet und führt weg von der inneren Stärke, die in diesen Situationen besonders gebraucht wird.
Die Bambuspflanze ist hier Vorbild. Ob eine lange Trockenzeit oder schwerer Schnee sie belasten, ob der Wind sie beugt oder sie Hindernisse beim Wachsen überwinden muss: Der Bambus überlebt, weil er alle seine eigenen Kräfte immer wieder gezielt mobilisiert. Und er schafft es auch noch, das ganze Jahr über kraftvolle, grüne Blätter zu entwickeln.
So wie Sie. Sie schaffen das auch! Denn Sie haben wie wir alle einen Bamboo in sich: Ihre innere Widerstandskraft, Ihre Fähigkeit zur Resilienz.
Wenn Sie trotz Druck von allen Seiten Erfolg haben wollen, sollten Sie wie der Bambus im Sturm sein: Biegen statt brechen, Belastungen mit Stärke begegnen und auch noch daran wachsen. Wie der Bambus, der sich nach jedem starken Wind wieder zu voller Größe aufrichtet und weiter wächst.
In diesem Buch finden Sie Tests zur Selbsteinschätzung, Checklisten, Übungen und pragmatische Tipps für Ihren Weg, in Ihrem Inneren so stark und unabhängig zu sein wie ein Bambus und sich in den Stürmen des Arbeits- und Privatlebens gelassen biegen zu können, aber nicht zerbrechen zu müssen. Sie lernen die neuesten Ergebnisse aus der Resilienz- und Glücksforschung kennen und werden sehen, wie sich die Bambusstrategie auf Erkenntnisse der positiven Psychologie stützt.
Lernen Sie mit diesem Buch, wie Sie mehr Mut, Kraft und Stehvermögen entwickeln, um die herausfordernden Situationen im Job standfest zu meistern. Finden Sie Ihren Bamboo und die Stärke, die er Ihnen verleiht, in sich selbst. Bauen Sie ihn auf, um sicher und gelassen agieren zu können. Sie werden danach kraftvoller, widerstandsfähiger, lebensfroher sein.
Die Bambusstrategie hat der jungen Frau im wahrsten Sinne das Leben gerettet. Als sie ihrem Bamboo begegnete, legte sie richtig los. Sie holte erst ihren Schulabschluss nach, machte dann Abitur und startete den zweiten Bildungsweg. Sie trennte sich von ihrem Mann, machte eine Ausbildung zur Ergotherapeutin, arbeitete in ihrem Ausbildungsberuf, studierte danach Psychologie, Soziologie und Publizistik. Schließlich machte sie sich als Kommunikationstrainerin und Coach selbstständig. In den letzten 15 Jahren hat sie über 10.000 Menschen trainiert und gecoacht.
Diese junge Frau – das war ich. Ich freue mich darauf, Sie mit Ihrem Bamboo bekannt zu machen und Sie auf Ihrem Weg zu mehr innerer Stärke, seelischer Widerstandskraft und Zufriedenheit zu begleiten. Denn Bamboo ist Ihre Energiequelle, die Ihre seelische Widerstandskraft speist und damit Ihre Leistungslust und Lebenskraft am Leben erhält.
Wiesbaden, August 2012


Widerstandsfähigkeit entsteht im Trotzdem
„Wenn die Wellen über mir zusammenschlagen,
tauche ich tiefer, um nach Perlen zu suchen.“
MASCHA KALEKO
Resilienz – unser Überlebensprogramm
Fallbeispiel
Professor G. ist im Sommer 2010 seit rund 20 Jahren ärztlicher Direktor in einer psychiatrischen Klinik, die noch nicht lange Konzern ist. Der neue Geschäftsführer ist BWLer, die Anforderungen an die ärztlichen Führungskräfte haben sich von Aufgaben eines Arztes immer mehr zu denen eines Managers geändert. Professor G. versteht die Welt nicht mehr. Er ist doch Arzt geworden, um mit Patienten zu arbeiten, und nicht, um Manager zu sein. Schon das Wort „Manager“ bringt ihn in Rage.
In den letzten beiden Jahren wurde er gleich zweimal von seinen Mitarbeitern in der jährlichen Befragung schlecht bewertet. Ich werde als erfahrener Coach aus der Wirtschaft eingekauft, um ihn dabei zu unterstützen, eine bessere Führungskraft zu werden. Er soll in Zukunft wie ein Manager aus einem Wirtschaftsunternehmen agieren.
Im Verlauf des Coachingprozesses macht er gewaltige Schritte. So versteht er beispielsweise mit einem Mal, dass Führung Klarheit und Bestimmtheit braucht, um den Mitarbeitern Sicherheit und Orientierung zu bieten. Aber der Geschäftsführung genügt das nicht. Es geht nicht schnell genug und bald wird klar: Professor G. soll gehen.
Nach seiner jahrzehntelangen Betriebszugehörigkeit ist es nicht ganz einfach, Professor G. zu kündigen. Hinter den Kulissen finden Beratungen mit den Konzernanwälten statt, und ich weiß schon vor dem Professor, was die Stunde geschlagen hat.
Er selbst aber will es nicht wahrhaben. „Da müsste ich schon goldene Löffel gestohlen haben. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Mir kann niemand etwas.“ Nach Beendigung der vereinbarten Coachingsitzungen bekommt er die Einladung zu einem Gespräch mit der Geschäftsführung. Ein scheinbar ganz gewöhnliches, turnusgemäßes Mitarbeitergespräch. Einige wenige Tage vor dem Termin dann per Mail die Aufforderung: „Bringen Sie einen Anwalt mit.“
Nach dem Gespräch schreibt er einen Brief an mich: „Man setzt alles daran, mich zu ‚entsorgen’, und bietet mir die Aufhebung meines Arbeitsvertrags in beiderseitigem Einvernehmen und eine Abfindung an, was ich natürlich abgelehnt habe. Daraufhin hat man mich vom Dienst freigestellt und versucht nun, in der nächsten Sitzung des Konzernaufsichtsrats meine Kündigung durchzubekommen. Mit der Begründung: Führungsschwäche. Sollte es dazu kommen, werde ich über meinen Anwalt ein Arbeitsgerichtsverfahren anstrengen, das sich über ein bis zwei Jahre hinziehen kann. Ich bin tief erschüttert, wie mit mir nach 21 Jahren ärztlicher Leitungstätigkeit umgesprungen wird. In der freien Wirtschaft ist ein derartiges Vorgehen dem Vernehmen nach im Umgang mit altgedienten Mitarbeitern, die man nicht mehr haben will, gang und gäbe. Meine Welt ist das nicht. Ich weiß jetzt absolut nicht, wie es bei mir beruflich weitergeht. Ich bin 55 Jahre alt, habe also noch knapp zehn Jahre bis zum Rentenalter. Zum Privatisieren zu jung, andererseits auch schon so alt, dass eine neue Leitungsstelle nicht so einfach zu finden sein wird, vor allem weil ich wegen unserer 16-jährigen Tochter örtlich doch gebunden bin. Zu meinen aktuellen Stressoren kommt noch hinzu, dass die Ehe mit meiner Frau kurz vor dem Aus steht. Zurzeit brauche ich wahrhaft Nerven wie Drahtseile.“
Wir haben telefoniert und seine Abschlussworte waren: „Ich hoffe, dass ich alles gut bewältigen kann. Hoffnung geben mir unter anderem mein Glaube, aber auch etliche Verwandte und Bekannte.“
Ein halbes Jahr später hat er eine Chefarztstelle in einer Klinik, die ihm sehr gut gefällt, bekommt 40.000 Euro mehr als zuvor, sein altes Gehalt wird noch zusätzlich bis zum Ende des Jahres gezahlt, obendrauf gibt es noch eine dicke Abfindung – und er kann wieder mehr mit Patienten umgehen, genau das, was er sich gewünscht hat. Er ist zufriedener als zuvor, und selbst die Hierarchiestufe niedriger fällt für ihn nicht ins Gewicht.
Er bekam die ganze Packung und hat diesem niederdrückenden Sturm der Niederlagen nicht nur standgehalten, er ist sogar daran gewachsen. Das ist das, was ich unter der Bambusstrategie verstehe. Der Mann hat seinen Bamboo wahrlich aktiviert! Er wurde resilient.
Das gelingt nicht jedem: In Berlin gibt es schon 20 Prozent Akademiker, die aus ähnlichen Gründen auf der Straße gelandet sind. Frau weg, Job weg, totaler Absturz. Den Unterschied macht Resilienz. Mit der Bambusstrategie werden Sie resilient.
Ein Teil der Arbeit in meinem Coaching mit Professor G. aus dem Fallbeipiel war daher: „Lassen Sie uns trotzdem einen Plan B erarbeiten. Nur mal angenommen, es käme doch zu Ihrer Entlassung, auch wenn Sie sich das jetzt nicht vorstellen können …“ Und wir haben gemeinsam seinen „Leitstern“ gesucht und gefunden: die Arbeit mit den Patienten. Er war gut vorbereitet und konnte recht schnell das Gute im Schlechten sehen.
Aktivieren Sie Ihre innere Kraft
Ihr Bamboo besteht aus elf Teilen:
■ den drei tiefen Wurzeln: Akzeptanz, Verbundenheit und positive innere Einstellung, mit denen er Sie dabei unterstützt, sich fest und dauerhaft zu verwurzeln, so dass nichts Sie wirklich umhauen kann.
■ den vier Bestandteilen seines biegsamen Stammes, den Ich-Stärkern, nämlich: Selbstbewusstsein, einem Leitstern folgen, Selbstliebe und Selbstsicherheit. Sein biegsamer Stamm erinnert Sie daran, selbst wie ein Bambus im Sturm zu sein, sich zu biegen statt zu brechen und auch nach großer Schneelast einfach wieder aufzustehen und weitere Triebe auszubilden.
■ den vier immergrünen Blättern, unseren Energiespendern: Spielräume und Lösungen, Vitalität, souverän durchsetzen und Arbeitsumfeld gestalten. Wie beim Bambus ermöglichen sie Ihnen, sich immer der Sonne zuzuwenden. Ihre „Blätter“ werden sich zwar im Sturm heftig bewegen, aber nicht fallen und auch im härtesten Winter grün bleiben.
Bambusstrategie universell einsetzen
Die resiliente Bambusstärke Ihres Bamboo zu nutzen, ist auch in weniger dramatischen Situationen hilfreich. Immer mehr Aufgaben, verteilt auf immer weniger Köpfe und immer weniger Zeit: Das ist die Realität vieler Menschen.
Bamboo ist Ihre immer greifbare innere Stärke, die Ihre seelische Widerstandskraft speist und damit Ihre Leistungslust und Lebenskraft am Leben erhält. So wie auch der Bambus aus sich selbst heraus seine Kräfte gegen die äußeren Widerstände mobilisiert.
Mit der Bambusstrategie aktivieren Sie Ihren Bamboo. Das nützt Ihnen
■ zur vorbeugenden Stärkung Ihrer Persönlichkeit (man weiß nie, wie es kommt im Leben …).
■ um den Anforderungen aus allen Richtungenn gelassen standzuhalten.
■ für Ihre souveräne Durchsetzungskraft und mehr Gelassenheit im Umgang mit jeder Hierarchieebene.

Die elf Teile Ihres Bamboo
Tatsache ist, dass manche Menschen in der Lage sind, selbst die furchtbarsten Erlebnisse zum Guten zu wenden und nicht nur ihre Ausgangssituation wiederherzustellen, sondern ihre Beziehungen noch zu verbessern, eine höhere Wertschätzung dem Leben gegenüber zu bekommen und ein stärkeres Gefühl für ihre persönliche Kraft zu entwickeln. Trotz oder genauer gesagt gerade wegen des erlittenen Tiefschlags wachsen sie und entwickeln sich menschlich weiter. So kann eine Krise auf verdrehte Art zu einem positiven Ergebnis führen, das sich andernfalls nicht eingestellt hätte. Oder wie Shakespeare sagt: „Ein tiefer Fall führt oft zu höherem Glück.“
Neues aus Scherben schaffen
Stellen Sie sich eine schöne Vase vor, die in tausend Teile zerbricht. Im Bemühen, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen, können Sie die Scherben zusammenkleben. Die Vase sieht danach vielleicht fast genauso aus, ist aber längst nicht mehr so stabil wie zuvor. Mit der Bambusstrategie kitten Sie nicht, sondern schaffen aus den Scherben etwas völlig Neues, noch Schöneres – etwa ein Wandmosaik, wie es kein zweites gibt.
Denken Sie wie Edison
Von Thomas Alva Edison, einem der erfolgreichsten und produktivsten Erfinder der Weltgeschichte, wird folgende Geschichte erzählt, die bezeichnend für seine Einstellung zu Niederlagen ist: Bevor es Edison gelang, eine Glühlampe zum dauerhaften Leuchten zu bringen, kam ein junger Wissenschaftler in das Labor und sah unglaublich viele durchgeglühte Drähte. Er fragte Edison: „Ist es nicht deprimierend, so viele Rückschläge zu haben?“ Edison blickte ihn verwundert an und sagte: „Was heißt hier Rückschläge? Ich habe 5000 Möglichkeiten entdeckt, wie man keine Glühbirne herstellt!“
Bamboo-Strategen
Edison war ein Bamboo-Stratege. So nenne ich resiliente Menschen, die einen starken Bamboo in sich haben. Ein Bamboo-Stratege fällt hin, steht aber bald wieder auf, um danach flotter, stärker und aufrechter seinen Weg zu gehen. Er hält Belastungen ohne langfristige Beeinträchtigung stand und ist Gestalter seines Lebens.
Es wäre ja gelacht, wenn Sie Ihre individuellen Herausforderungen nicht auch in den Griff kriegen würden. Packen wir es an: Aktivieren wir Ihren Bamboo! Werden auch Sie zum Bamboo-Strategen!
Was heißt Resilienz eigentlich und wo kommt der Begriff her?
Resilienz – so heißt die seelische Kraft, die Menschen dazu befähigt, Niederlagen, Unglücken und Schicksalsschlägen besser und schneller standzuhalten. Seit Anfang der Neunzigerjahre macht das Thema in der Verhaltensforschung Furore. Das Wort, vom lateinischen resilio (abprallen, zurückspringen) abgeleitet, kommt aus der Physik und bezeichnet in der Materialforschung hochelastische Werkstoffe, die nach jeder Verformung wieder ihre ursprüngliche Form annehmen. Die Verhaltensforscher haben den Begriff schließlich auf den Menschen übertragen: Resilient ist, wer die emotionale Stärke aufbringt, sich von Stress, Krisen und Schicksalsschlägen nicht brechen zu lassen, sondern das Beste aus jedem Unglück zu machen, daraus zu lernen und gerade durch die Leiderfahrung über sich selbst hinauszuwachsen. Oder anders gesagt: Wer auch mit dem Kopf unter Wasser noch Perlen findet.

Ein Sturm zieht auf
„Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt,
der andere packt sie kräftig an und handelt.“
DANTE ALIGHIERI
Handlungsbedarf erkennen
Krisen kündigen sich an
Eine Krise zu erleben geht meist mit tiefer Unzufriedenheit, emotionaler Unausgeglichenheit, starker Verunsicherung und heftigen Gefühlsausbrüchen oder totalem Rückzug und Isolation einher. Wollen wir nicht in der Unfähigkeit zu handeln enden, sollten wir möglichst schon den Beginn einer Krise mitbekommen. Leider fällt uns aber genau das nicht ganz leicht: Wir nehmen Zeichen im stressigen Tagesgeschäft einfach nicht zur Kenntnis oder wollen uns nicht damit auseinandersetzen. Unseren Bamboo verbannen wir so lange in die Ecke.
Alle Menschen kennen das Gefühl, enttäuscht und niedergeschlagen auf das nicht so tolle Ergebnis ihrer Arbeit, ihrer Anstrengungen und Bemühungen zu reagieren. Gerne halten wir allerdings die Fassade der Unfehlbarkeit nach außen aufrecht und grämen uns lieber heimlich. Wer redet schon gerne laut über seine Fehler oder zeigt deutlich seine düsteren Gefühle nach verpassten Chancen und Misserfolgen? Wer gibt schon im Kollegenkreis zu, dass er sich überlastet und ausgelaugt fühlt? Dass er Sorge hat, bald einfach nicht mehr zu können? Dass ihm alles zu viel ist? Niemand, denn es gilt nach wie vor als Tabuthema, sich selbst schwach zu zeigen, und macht sich nicht gut im Berufsleben. Höher, schneller, weiter ist die Devise. Dazu passt das Zugeben von Schwäche nicht. Schließlich wollen wir unser Gesicht wahren und unseren Ansprüchen an Perfektion gerecht werden. Und manchmal hoffen wir auch, dass sich die ganze Situation einfach in Luft auflöst, dass wir uns an das Arbeitspensum noch gewöhnen oder die Situation noch besser in den Griff bekommen, wenn wir uns nur genug anstrengen. Häufig mag man die Gefühle von Überlastung nicht einmal sich selbst gegenüber eingestehen – es passt nicht in das Bild von uns selbst, schließlich sind wir Führungskraft und haben tough zu sein.
Viele Menschen in verschiedenen Positionen glauben nach lang anhaltenden Perioden mit heftigem Arbeitsaufkommen und nicht enden wollender Belastung, in einer Sackgasse gelandet zu sein, und wissen keinen Ausweg. Sie fühlen sich verunsichert, erleben sich machtlos und spüren einen massiven Energieverlust.
Krisen bedeuten Veränderung
Krisen haben oft mit Veränderungen zu tun: Veränderungen bei mir selbst – Werte oder Lebensumstände ändern sich und plötzlich scheint der Job nicht mehr zu uns zu passen und Frust macht sich breit. Oder es geht um Veränderungen der Arbeitsbedingungen und wir hätten es lieber anders, als es ist.
Außer plötzlich auftretenden Krisen, die einem Schockerlebnis gleichkommen, wie beispielsweise eine fristlose Kündigung oder der Tod eines geschätzten Kollegen, gibt es aber häufig auch die Art von Krise, die sich über einen längeren Zeitraum anbahnt. Sie tritt so schleichend in unser Leben, dass wir sie zunächst nicht einmal kommen sehen: Die Firma, in der wir arbeiten, baut Stellen ab. Wir hoffen, nicht dabei zu sein, und machen erst einmal einfach so weiter wie bisher. Die Beziehung zu einem Mitarbeiter verschlechtert sich zusehends und wir warten noch ein wenig länger mit einem klärenden Gespräch. Unser Chef beginnt uns zu mobben und wir hoffen monatelang, dass sich das von alleine wieder ändert. Das Unternehmen fusioniert mit einem ehemaligen Konkurrenten, Konflikte zwischen der alten und der neuen Mannschaft werden zum täglichen Belastungsfaktor und wir gehen erst einmal davon aus, dass unser Team schon alleine klarkommt, obwohl wir durchaus mitbekommen, dass die Stimmung schon länger auf dem Nullpunkt ist.
Veränderungen in den Arbeitsbedingungen haben immer eine Vorgeschichte und zeichnen sich oft schon monatelang ab, bevor wir uns dieser bewusst werden. Sie können sich selbst und Ihren Mitarbeitern eine Menge an unnötigem Stress ersparen, wenn Sie auf die Vorboten und Warnzeichen achten.
Anzeichen einer Krise
körperliche Symptome
Oft sind körperliche Symptome wie häufige kleinere Erkrankungen, ständig wiederkehrende Spannungskopfschmerzen, Schwindelgefühle, Rückenschmerzen und Magen- oder Verdauungsstörungen die ersten Indizien, dass Sie auf eine Krise zusteuern, die gesundheitliche Folgen wie beispielsweise Burn-out für Sie haben kann. Bamboo flüstert Ihnen erst einmal liebevoll zu: „Hey Du, es ist Zeit zum Akku-Aufladen.“
psychische Symptome
Doch nicht nur der Körper, auch die Psyche gibt uns oft Hinweise darauf, dass etwas aus der Balance gerät: Ihre Kollegen, Kunden und Chefs gehen Ihnen zunehmend auf die Nerven und Konflikte bahnen sich an oder Sie sind nervöser, reizbarer oder auch vergesslicher, als Sie es sonst von sich kennen. Vielleicht erleben Sie auch Angstgefühle, ohne zu wissen, wovor Sie eigentlich Angst haben, oder sind schnell erschöpft. Alles Zeichen einer schon fortgeschrittenen Überforderung, die weder durch ein verlängertes Wochenende noch durch Entspannungsübungen verschwinden. Auch Schlafstörungen oder dauernde Müdigkeit sind deutliche Hinweise darauf, dass etwas in Ihrem Leben nicht mehr stimmt.
Häufige Niedergeschlagenheit und andauernde schlechte Laune sollten Sie ernst nehmen! Wenn Sie den Spaß an Dingen verlieren, die Ihnen sonst Freude gemacht haben, dann sollten Sie dies als Warnzeichen ansehen. Auch wenn Ihre Leistungsfähigkeit nachlässt und Sie sich schwerer konzentrieren können, wichtige Dinge vergessen, mehr Fehler machen als sonst oder wenn Ihnen die Ideen ausgehen und einfache Routinearbeiten Sie plötzlich anstrengen, können das S.O.S.-Rufe Ihres Bamboo sein, die nach Ihrer Aufmerksamkeit verlangen. Er hält es für seine Aufgabe, Sie zu beschützen – hören Sie auf ihn!
Gedankenkarussell
Weitere Zeichen sind ständige wiederkehrende Gedanken, die immer um dasselbe Problem oder um den immer gleichen Konflikt kreisen, ohne dass Sie zu einer Lösung kommen und ohne dass Sie den Stoppknopf dafür finden. Wenn diese Zeichen sich mehren und über einen längeren Zeitraum hinweg auftreten, dann sind sie ziemlich sicher Signale einer persönlichen Krise. Sie einfach zu übergehen und zu glauben, das würde schon von alleine wieder gut werden, funktioniert nicht.
Je früher Sie eine sich anbahnende Krise bei sich oder Ihren Mitarbeitern erkennen, desto erfolgversprechender können Sie darauf reagieren. Die meisten Menschen neigen dazu, sich erst zu bewegen, wenn es gar nicht mehr anders geht. Aber wir müssen viel Energie darauf verwenden, die Veränderungen nicht wahrhaben zu wollen. Das ist wie bei einem Stromgerät im Stand-by-Modus: Es tut sich scheinbar nichts und wir merken nicht einmal, dass das Gerät Strom frisst, aber genau das tut es. Verdrängen und sich selbst in den Stand-by-Modus schalten, kann uns Menschen richtig krank machen.
Verantwortung führt zum Verdrängen
Je höher in der Hierarchie Sie angesiedelt sind, umso mehr Verantwortung tragen Sie und umso selbstverständlicher werden 60- bis 80-Stunden-Wochen. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, sich zu „outen“ und sich in einen Austausch mit Kollegen zu wagen: „Sag mal, geht es dir auch so? Ich bekomme Schwierigkeiten mit meinem Körper, schlafe nicht mehr gut …“ Wir neigen allzu bereitwillig dazu, erste Warnzeichen wegzuschieben und als persönliche Schwäche vor anderen zu verstecken.
Fallbeispiel
So wie Frau Flörri. Sie fühlt sich für ihre Mitarbeiter stark verantwortlich und glaubt deshalb, selbst immer stark sein zu müssen. Sie hat seit einem halben Jahr immer wechselnde „Wehwehchen“, wie sie das nennt. Mal sind es Kopfschmerzen, mal sticht das Herz, dann sind es Verdauungsbeschwerden und Magenweh oder ein Klingeln im Ohr und flatternde Augenlider. Sie ist jetzt über 40 und sie fragt mich im Seminar, ob das einfach die üblichen ersten Alterserscheinungen sind oder ob das Warnzeichen sein könnten, die sie auf einen drohenden Burn-out hinweisen. Sie hat das Gefühl, ein Schwächling zu sein, und fragt sich, ob andere Menschen in vergleichbaren Positionen ähnliche Probleme haben. Ja, das haben sie …
Und viele haben die berechtigte Sorge, mit niemandem im Unternehmen darüber sprechen zu können. Ich kann Ihnen leider nicht empfehlen, sich im Kollegenkreis zu outen. Tatsächlich ist es immer noch so, dass Sie befürchten müssen, dass man Ihnen nichts mehr zutraut, wenn Sie Schwäche zeigen. Aber Sie können Ihre Situation gründlich reflektieren, Ihrem Bamboo „Guten Tag“ sagen und feststellen, dass Sie in der Vergangenheit schon eine Vielzahl an Fähigkeiten aufgebaut haben, die Ihnen auch in der Zukunft helfen werden, allen Widrigkeiten stand zuhalten. Und Sie können und sollten sich einen externen Gesprächspartner suchen, mit dem Sie frei reden können. Beispielsweise einen Coach.
Selbstcheck: Wie stark ist der Bamboo in Ihnen?
Ihr Bamboo lebt. Und zwar in Ihnen. Wahrscheinlich bisher ohne Ihr Wissen. Dabei haben Sie mit seiner Hilfe schon einige Krisen gemeistert. Manche brillant, manche mit Hängen und Würgen. Mit dem folgenden Selbstcheck können Sie herausfinden, wie stark der Bamboo in Ihnen schon ist. Sie erfahren, in welchen Bereichen Ihr Bamboo Sie schon stark gemacht hat und wo er Sie noch etwas an die Hand nehmen könnte. Die Ergebnisse erlauben Ihnen Einblicke in die Stärken und Schwächen Ihrer seelischen Widerstandskraft – Ihres Bamboo – und wie er Sie jetzt schon bei Ihrer Art der Krisenbewältigung unterstützt. Sie werden erkennen, welche der elf Resilienzfähigkeiten Sie bereits in hohem Maße besitzen und welche Sie noch stärken sollten.
Der Selbsttest besteht aus je zehn Aussagen, die den elf Teilen Ihres Bamboo zugeordnet sind. Entscheiden Sie bitte zügig und intuitiv, in welchem Maße die Aussagen auf Sie zutreffen, und machen Sie in der jeweiligen Spalte ein Kreuz.
Diesen finden Sie auch als Download zum Ausfüllen unter nachstehenden Link: https://www.gabal-verlag.de/buch/die_bambusstrategie/9783869364414
Die Zahlenwerte haben folgende Bedeutung:
1: Die Aussage trifft nicht zu
2: Die Aussage trifft eher nicht zu
3: Die Aussage trifft teilweise zu
4: Die Aussage trifft weitgehend zu
5: Die Aussage trifft voll zu









Auswertung
Bitte addieren Sie Ihre Punkte und tragen Sie sowohl die Summen der einzelnen Bereiche als auch die Gesamtpunktzahl ein.
■ 550 bis 440 Punkte:
Sie sind der perfekte Bamboo-Stratege und in allen Bereichen gleichermaßen fit! Ihr Bamboo ist sehr stark! Ihre Einstellungen und Handlungen geben Ihnen eine große Widerstandskraft und innere Stärke und Sie werden auch künftige Krisen mit Bravour meistern. Gratulation! Für Sie kann das Buch dazu beitragen, noch etwas dazuzulernen – gute Bamboo-Strategen mögen das. Bei Ihnen geht es nur noch darum, den „schwarzen Gürtel“ in Sachen Lebensbewältigung zu erwerben. Und darum, sich zu überlegen, wie Sie sich für Ihre Mitarbeiter verfügbar machen, die noch im Versuch feststecken, mit Schwierigkeiten umzugehen. Menschen lernen von anderen Menschen – am besten von Vorbildern. Sie können ein gutes Vorbild für Ihre Mitarbeiter sein und sie dabei unterstützen, ihren Bamboo genauso stark zu machen wie Ihren eigenen!
■ 330 bis 439 Punkte:
Sie haben schon sehr gute Fähigkeiten als Bamboo-Stratege und sind gut gerüstet! Pflegen Sie Ihren Bamboo! Achten Sie auf die Bereiche mit der niedrigsten Punktzahl und arbeiten Sie in diesen Feldern gezielt an sich. Ein Coach, der auf das Thema Resilienz spezialisiert ist, kann Sie dabei unterstützen.
■ 220 bis 329 Punkte:
Sie tun sich in einigen Bereichen noch schwer. Suchen Sie sich zunächst den Bereich mit der niedrigsten Punktzahl aus und lesen Sie das entsprechende Kapitel, um Ihren Bamboo zu stärken. Ihr Ergebnis zeigt, dass Sie von der Beschäftigung mit diesem Buch eine Menge lernen und noch besser darin werden können, Belastungen gut zu verarbeiten. Suchen Sie sich ein geeignetes Vorbild mit einem hellwachen, starken Bamboo, lassen Sie sich unterstützen, coachen und ermutigen. Vielleicht ermöglicht Ihnen sogar Ihr/e Arbeitgeber/-in ein Resilienz-Coaching. Fragen Sie danach!
■ 110 bis 219 Punkte:
Ihr Ergebnis zeigt, dass das (Arbeits)Leben für Sie vermutlich schwierig ist, und das wissen Sie auch. Es ist für Sie nicht leicht, mit Druck umzugehen. Sie fühlen sich wahrscheinlich leicht verletzt, wenn Sie kritisiert werden. Manchmal erleben Sie sich vermutlich hilflos und ohne Hoffnung. Wenn diese Aussagen auf Sie zutreffen, fragen Sie sich: „Möchte ich lernen, mit Schwierigkeiten besser umzugehen?“ Ist Ihre Antwort „Ja“, dann ist es ein guter Start. Wenn Sie Lust darauf haben, Ihren Bamboo zu stärken, ist das schon ein gutes Zeichen. Das Buch wird Sie ein gutes Stück weiterbringen. Bitte holen Sie sich zusätzlich Unterstützung bei einem Coach, Therapeuten oder Arzt! Sie sollten das Thema dringend angehen!
Überprüfen Sie Ihre Selbsteinschätzung
Bitten Sie Menschen, die Sie gut kennen, diesen Fragebogen für Sie auszufüllen und Ihnen Feedback zu geben. Besprechen Sie Unterschiede in der Einschätzung und hören Sie aufmerksam, was Ihnen diese Menschen sagen. Fällt deren Einschätzung höher aus als Ihre eigene, mag das ein Hinweis darauf sein, dass Sie „gut erzogen“ sind. Das macht Ihren Bamboo schwächer, als er sein könnte.
Bonusfragen
Überprüfen Sie Ihre Selbsteinschätzung, indem Sie die nachfolgenden „Bonusfragen“ beantworten:
a. Hat Sie Ihr Sinn für Humor schon mal in Schwierigkeiten gebracht?
b. Haben Sie schon mal Fragen gestellt, die Sie in Schwierigkeiten gebracht haben?
c. Wurde Ihnen schon mal von jemandem vorgeworfen, dass Sie die schlechte Angewohnheit hätten, mögliche Probleme vorauszudenken?
d. Haben Sie schon mal Konfliktpartner/-innen irritiert, indem Sie gezeigt haben, dass Sie deren gegensätzliche Sichtweise verstehen können?
e. Haben Sie schon einmal auf vordergründigen Erfolg verzichtet, um Ihren Werten treu bleiben zu können, und festgestellt, dass Sie danach zufriedener waren als zuvor?
Geben Sie sich für jedes „Ja“ auf die obigen Fragen jeweils 20 Zusatzpunkte und schauen Sie, ob sich Ihr Ergebnis dadurch ändert. Zu allen Bereichen der elf Bamboo-Bestandteile finden Sie in den folgenden Kapiteln Erläuterungen, Ideen, Übungen und Aufmunterungen. Bamboo freut sich schon darauf, Ihnen zur Hand zu gehen!
Sind Optimisten automatisch resilient?
Einzelne Aspekte von Resilienz herauszugreifen, macht nicht resilient. Jemand, der zum Beispiel ausschließlich optimistisch ist, ist nicht automatisch besonders widerstandsfähig. „Wird schon werden“ ist keine Lebensstrategie. Ein resilienter Mensch sieht auch das Risiko: „Ich könnte meinen Job verlieren.“ Oder: „Es kann sein, dass mich meine Führungsaufgabe überfordert.“ Die besten Bamboo-Strategen sind nicht die Daueroptimisten, sondern diejenigen, die zwar grundsätzlich voller Hoffnung sind, sich aber trotzdem bewusst machen, dass etwas nicht klappen könnte, und auf diese Eventualität vorbereitet sind. Mit dieser Haltung wächst Ihr Bamboo. Und je kräftiger er ist, desto mehr kann er Ihnen den Rücken stärken.

Allen Stürmen standhalten
„Wenn wir eine Situation nicht ändern können,
müssen wir uns selbst ändern.“
VIKTOR FRANKL,
PROFESSOR FÜR LOGOTHERAPIE
Gibt es ein Patentrezept dafür, wie man mit den Unsicherheiten und Unwägbarkeiten im Job und im Leben so zurechtkommt, dass man den Kopf oben behält? Nein, ein Patentrezept, das bei jedem in jeder Situation hilft, gibt es nicht. Aber es gibt Strategien, unseren Bamboo zu stärken. Strategien, die uns dabei helfen, wie der Bambus selbst heftigen Stürmen standzuhalten, ohne zu brechen. Das sind Fähigkeiten, Überzeugungen und Einstellungen, die besonders hilfreich dafür sind, auch große Krisen zu bewältigen.
Diese Fähigkeiten lassen sich stärken, und die Überzeugungen und Einstellungen können wir uns aneignen und einüben. Wir sind, wie auch neue Erkenntnisse aus der Psychologie und den Neurowissenschaften gezeigt haben, keineswegs festgelegt, ein Leben lang in der gleichen Art und Weise zu denken, zu fühlen und zu handeln. Ganz im Gegenteil: Wir sind in der Lage, uns auf geradezu unglaubliche Art an alle erdenklichen Situationen anzupassen.
Souveräner Umgang mit der Krise
Vielleicht haben Sie sich gründlich organisiert, Prioritäten gesetzt, delegiert und sind immer noch im Stress. Sie haben Fortbildungen zum Thema Selbst- und Zeitmanagement besucht, aber es hilft alles nichts – manchmal wächst Ihnen alles über den Kopf. Sie wissen einfach nicht mehr, wie Sie die ständigen Veränderungen, das hohe Arbeitsaufkommen und die unterschiedlichen Anforderungen aus Positionen über, unter und neben Ihnen bewältigen sollen. Und es fällt Ihnen schwer, all die Ansprüche mit Ihren eigenen Bedürfnissen unter einen Hut zu bringen. Vielleicht haben Sie manchmal das Gefühl, gescheitert oder ein Versager zu sein. Egal, wie gut Sie alles planen oder wie hart Sie arbeiten, es ist anscheinend nie genug. Damit sind Sie nicht allein. Viele Menschen in Ihrer Lage fühlen sich häufig überrollt, ausgelaugt und stehen dauernd unter Stress, weil sie versuchen, mehr zu tun, als sie können. Wenn Sie das Gefühl haben, viel zu viel zu tun und viel zu wenig Zeit dafür zu haben, dann könnte es gut sein, dass Sie damit recht haben: Oft gibt es wirklich zu viel zu tun. Und nicht immer ist alles zu schaffen.
Leiden gehört dazu
Zu allen Zeiten versuchte die Philosophie zum souveränen Umgang mit Leid und Krisen zu erziehen. Die antike Schule der Stoa beispielsweise war eine einzige Suche nach Resilienzfaktoren. Den großen Gelassenheits-Lehrern von Epiktet über Seneca bis Marc Aurel ging es immer um den rechten Umgang mit dem Leiden und die Suche nach dem Seelenfrieden.
Allerdings meint Resilienz nicht, dass alles Unangenehme künftig wie an einer Regenhaut an Ihnen abperlt! Das sollten Sie sich auch gar nicht wünschen: Neuropsychologen stellten vor einigen Jahren im Rahmen einer breit angelegten klinischen Untersuchung sogar fest, dass „die gänzliche Abwesenheit von Leiden bei einem Menschen als Indikator für einen pathologischen Zustand“ zu werten sei. Anders gesagt: Wer gar nie leidet, der hat sie nicht alle.
Wahre Lebenskunst kann eben nicht darin liegen, das Leid zu verleugnen, die Unzufriedenheit zu unterdrücken. Leiden gehört einfach dazu. Wie resilient ein Mensch ist, bemisst sich allerdings auch daran, ob der Mensch an der Leiderfahrung wächst, und vor allem, ob er für künftige Schicksalsschläge etwas dazulernt.
Merkmale des Bamboo-Strategen
Es sind vor allem folgende Indizien, die dafür sprechen, dass jemand eine starke Fähigkeit zur Stress- und Krisenbewältigung besitzt, resilient und ein guter Bamboo-Stratege ist:
1. Der Bamboo-Stratege ist gut verwurzelt
Wir Menschen bewerten Situationen unterschiedlich: Die gleiche Situation kann, abhängig vom Typ und vom Maß der individuell ausgeprägten Widerstandskraft, entweder als harmlos oder als bedrohliche Krise und irgendwo dazwischen eingestuft werden. Dieser Umgang mit Situationen zeigt, wie stark die einzelnen Bestandteile des Bamboo ausgebildet sind.
Der Bamboo-Stratege ist gut verwurzelt, indem er Unabänderliches akzeptiert, in Verbundenheit mit sich selbst, mit seinem sozialen Netzwerk und dem großen Ganzen lebt und dem Leben mit einer positiven Einstellung gegenübersteht. Er macht sich die Umstände zum Freund, hat Humor, sieht auch in dunklen Zeiten die Sonnenseiten des Lebens und ist in der Lage, sich aus eigener Kraft in einen guten Zustand zu versetzen.
■ Der Bamboo-Stratege stellt sich einer schwierigen Situation, schaut den Tatsachen nüchtern ins Auge und kann sie einschätzen.
■ Er setzt sich bewusst mit seinen Fehlern und Misserfolgen auseinander und lernt daraus.
■ Er macht weiter und gibt nicht auf, so lange, bis er sein Ziel erreicht hat, oder gibt es nach gründlicher Überlegung ohne Groll auf und setzt sich ein neues Ziel.
■ Er akzeptiert Unabänderliches.
■ Er ist im guten Kontakt mit sich selbst und seinen Gefühlen, mit anderen und der Welt.
■ Er folgt seinem persönlichen Leitstern und findet Sinn in seinem Tun.
■ Er spürt Überlastung rechtzeitig und kann sie abwehren.
■ Sein soziales Netzwerk gibt ihm Kraft und Ermutigung, wenn sie gebraucht wird.
■ Er kann aber auch gut Unterstützung annehmen und anderen geben.
■ Er hat Humor, kann auch einmal über sich selbst lachen.
■ Er ist überwiegend Optimist und hat das Gefühl, die Dinge unter Kontrolle zu haben.
2. Der Bamboo-Stratege verfügt über ein starkes Ich
Der Bamboo-Stratege hat einen starken, dabei biegsamen Stamm – seinen von allen äußeren Umständen unabhängigen Kern oder sein Selbst – ausgebildet. Er ist sich seiner Stärken bewusst, achtet gut auf sich selbst und hält sich auch dann für „Okay“, wenn es gerade nicht so gut läuft. Er folgt seinem persönlichen Leitstern und richtet sich an seiner Vision, seinen Werten und Zielen aus. Er sieht den Sinn in seinem Tun und vertraut auf seine Kraft. Herausforderungen sieht er als Chance und er nutzt sie wie eine Art Sportgerät, um sich an neuen Lernaufgaben zu stretchen und aus der ihm vertrauten Homezone über sich selbst hinauszuwachsen.
■ Er wird schneller wieder aktiv, richtet sich nach Enttäuschungen und Phasen großer Belastung wieder auf und beginnt von Neuem.
■ Er hat ein positives Bild von sich, geht davon aus, dass er „Okay“ ist, und zweifelt auch dann nicht an seinem Wert, wenn er große Misserfolge verkraften muss. Er kommt nach Fehlschlägen schnell wieder mit sich ins Reine.
■ Er kann sich unter allen Umständen zu mindestens einem zweiten Anlauf motivieren und lässt sich von nichts und niemand davon abhalten, seine Ziele zu erreichen.
■ Versuch und Irrtum sind für ihn eher normal, er dramatisiert Misserfolge und persönliche Schwächen daher auch nicht und ist das Gegenteil einer „Dramaqueen“.
3. Der Bamboo-Stratege nutzt seine Fähigkeiten und denkt in Lösungen
Der Bamboo-Stratege hat Fähigkeiten, die ihn dabei unterstützen, sich immer wieder auf die Sonnenseite auszurichten, gleich den immergrünen Blättern des Bambus, die sich im Sturm zwar heftig bewegen, aber nicht fallen: Er richtet seinen Blick konsequent auf das Machbare, denkt in Lösungen statt in Problemen und findet und nutzt auch in schwierigen Situationen immer einen Handlungsspielraum. Er ist fit für jeden Sturm und packt Herausforderungen mit großer Vitalität an. Er hat Kontrolle über seine Gefühle und sein Tun, kann im Umgang mit anderen sowohl Grenzen setzen als auch Brücken bauen. Er kann sich souverän durchsetzen, weiß, wie er sympathisch wirkt und gleichzeitig respektiert wird. Er gestaltet sein Arbeitsumfeld aktiv und schafft sich sein persönliches Biotop. Kurz: Er hat Einstellungen und Fähigkeiten, seine immergrünen „Blätter“, mit denen er sich immer nach der Sonne wendet.
■ Er wählt manchmal recht ungewöhnliche und kreative Wege, um selbst harte Schicksalsschläge zum Guten zu wenden.
■ Er sucht nach Auswegen aus der Sackgasse und neuen Lösungen, nimmt die missliche Lage als Herausforderung an, wo andere wütend auf sich selbst sind, arge Selbstzweifel bekommen oder das Handtuch werfen.
■ Er erlebt immer wieder „Flow“, diesen beflügelnden Zustand, bei dem man völlig selbstvergessen und fasziniert das Gefühl für Zeit und Raum verliert und „im Fluss“ ist.
■ Er vertraut auf seine eigene Stärke und Kraft und ist vital.
■ Er hält sich körperlich und mental fit.
■ Er schaut konsequent auf Handlungsspielräume und denkt und handelt lösungsorientiert.
■ Er lebt mit Schwung und weiß, dass nach einem tiefen Tal auch wieder ein Gipfel kommt. Er ist auf die Aufs und Abs des Lebens vorbereitet.
Das Einzige, was Sie brauchen um, diese Fähigkeiten auch zu bekommen, ist etwas Geduld und die Bereitschaft, sich in Ihrem Inneren etwas gründlicher umzusehen.
Der resiliente Bamboo-Stratege ist also immun gegen alle Widrigkeiten?
Nein, Bamboo-Stratege sein bedeutet ja nicht, dass man nie niedergeschlagen ist, keine Sorgen hat oder keinen Schmerz empfindet. Nein, Bamboo-Strategen nehmen die Niederlage an, verar beiten sie und fühlen dabei im Inneren die Gewissheit, dass es zwar wehtut, aber auch, dass es vorübergeht. Ein Bamboo-Stratege versteht es sozusagen, sich selbst zu heilen. Sie werden also auch als perfekter Bamboo-Stratege nicht nur noch die rosarote Seite des Lebens erleben. Nein, auch Bamboo-Strategen sind niedergeschlagen, wenn sie Grund dafür haben. Aber sie stehen nach einer ange messenen Trauerphase wieder auf und wachsen weiter. Und sie halten sich an die Worte des Dalai Lama, den ich sehr schätze. Der hat einmal gesagt: „Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist freiwillig.“

In den folgenden Kapiteln schauen wir uns an, wie Sie sich gut verwurzeln können, um allen Stürmen standzuhalten, wie Sie Ihren „Stamm“, den starken Kern in Ihnen entdecken und Ihr „Ich“ weiter stärken und welche Fähigkeiten und Einstellungen Ihre immergrünen Blätter sind, die Ihnen immer genügend Energie spenden, damit Sie sich stets zur Sonne wenden können.
Bamboo gibt uns tiefe Wurzeln
Bambus verwurzelt sich tief und weitverzweigt in der Erde. Das macht er so effektiv, dass man ihn fast nicht mehr loswird, wenn er einmal eingepflanzt wurde. Wer jemals einen Bambus aus seinem Garten entfernen wollte und dazu die Wurzeln in stundenlanger mühevoller Arbeit ausgegraben hat, der weiß, was ich meine …
Die Wurzeln des Bambus sind die Basis seiner Standhaftigkeit. Auch für uns sind die folgenden drei „Wurzeln“ die Basis unserer Stärke, auf sie sollten wir uns im Falle eines Sturms immer als Erstes beziehen. Ohne Wurzeln kein Bambus, ohne Wurzeln keine Resilienz!
1. Wurzel: Akzeptanz – die Dinge annehmen, wie sie sind
„Das Leben ist ein Spiel. Man macht keine größeren Gewinne,
ohne Verluste zu riskieren.“
CHRISTINE VON SCHWEDEN
Es ist der Abschied von alten Vorstellungen, das Neuorientieren und Noch-Fremdsein, das „nicht mehr das Alte und noch nicht das Neue“, welches eine Krise charakterisiert. Von den tiefen Wurzeln, die Resilienz ausmachen, ist die Akzeptanz, das Annehmen der Krise, die erste grundlegende innere Fähigkeit.
Zuerst kommt der Widerstand …
Eine Krise wird zunächst als „Einbruch“ empfunden, der Aufbruch ist meist noch nicht am Horizont sichtbar. Erst einmal zieht es uns in die Tiefe, dahin, wo Angst, Traurigkeit, Hilflosigkeit oder Wut ist. Da will kein Mensch hin und schon gar nicht bleiben. Resilient werden wir aber nicht durch unreflektiertes Positivdenken. Das Motto „Don’t worry, be happy!“ ist als Grundhaltung für innere Widerstandskraft untauglich.
… dann die Akzeptanz
Und trotzdem kommt die Stunde, in der wir nach dem Widerstand gegen die krisenhafte Veränderung die Dinge akzeptieren müssen, wie sie sind. „Es ist, wie es ist, mache das Beste draus!“ Die Einstellung Nietzsches – „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“ – bringt es auf den Punkt. Die Krise, die im menschlichen Leben eher der Normalfall als die Ausnahme ist, trainiert unseren „Steh-auf-Muskel“, der ohne Krise verkümmern würde. Was auch immer wir tun, um uns gegen die Risiken des Lebens abzusichern, wir werden nicht darum herumkommen, dass wir immer wieder einmal Steine auf unserem Weg finden.
Die Prüfsteine des Lebens
Wir können sie als „Prüfsteine“ des Lebens anerkennen. Wir haben es stets in der Hand, ob wir einen großen Schritt über sie machen, sie beiseiteräumen oder zu Schotter zerlegen. Immer gilt: Im ersten Schritt müssen wir sie als Prüfsteine wahrnehmen, sie genau anschauen, um dann mit ihnen umgehen zu können.
Prüfsteine gibt es in groß, mittel und klein: Krankheit, Tod, Verlust des Arbeitsplatzes, Konflikte, Unzufriedenheit oder Stress. Aber wir stehen im Grunde immer vor der gleichen Herausforderung: sich auf eine Veränderung neu einzustellen. Und nach jedem weggeräumten Stein haben wir an Kraft gewonnen, um noch viel größere Steine anpacken zu können!
Die vier Phasen einer Veränderung
Es ist ganz normal, wenn selbst Menschen mit einem sehr starken Bamboo erst einmal etwas Zeit für die Anpassung an eine ungewollte Veränderung brauchen. Jeder Mensch durchläuft vom Zeitpunkt eines für ihn unangenehmen Ereignisses (und fast jede Veränderung wird von uns Menschen als unangenehm bewertet – wir sind Gewohnheitstiere) bis zu seiner erfolgreichen Neuorientierung vier Phasen. Je nachdem, wie dramatisch eine Veränderung für den Einzelnen ist, sind die Phasen mehr oder minder deutlich erkennbar. Ob es um die Übernahme ungeliebter Aufgaben, um Gehaltskürzungen, die Versetzung zu einer einfacheren Arbeit oder um eine Kündigung geht, die Geschwindigkeit der Anpassung variiert ebenso wie die Stärke des Erlebens von typischen Anzeichen für die unterschiedlichen Phasen.
1. Phase: Nicht wahrhaben wollen
Bei drastischen Veränderungen gibt es nicht immer Tränen oder Wutausbrüche. Manch einer bleibt scheinbar ganz cool. Häufig verdrängen Menschen die Realität, wollen sie einfach nicht wahrhaben. Der Überbringer der schlechten Nachricht ist dann oft erst einmal erleichtert, freut sich aber manches Mal zu früh. Ein Teil der Menschen reagiert nach der ersten Schockstarre doch noch: entweder mit aggressivem Verhalten in Form von Beleidigungen und persönlichen Angriffen oder mit depressiv gefärbtem Verhalten wie Tränen, Betteln, Rückzug. Solch emotionales Verhalten wird oft als destruktiv oder peinlich eingestuft und häufig von Chefs und Kollegen als Überforderung erlebt. Allerdings ist es als Überbringer der Botschaft nicht sinnvoll, Ausbrüche dieser Art zu unterdrücken, denn für den von der Nachricht Betroffenen sind sie sehr wertvoll. Es ist der erste Schritt aus der Erstarrung – der Veränderung kann erst jetzt ins Auge geschaut werden.
2. Phase: Gegenmaßnahmen
Jetzt will der Mitarbeiter die Veränderung rückgängig machen. Er versucht zum Beispiel die Gründe infrage zu stellen, sucht Hilfe beim (gedanklich all mächtigen) Betriebsrat oder Rechtsanwalt. Seine Stimmung geht rauf und runter, mal glaubt er das Rad zurückdrehen zu können, dann fühlt er sich ohnmächtig. Sein Bestreben ist es, die alte, gewohnte Stabilität der Situation vor der Veränderung wiederherzustellen. Ein besonderes Problem ist das für Mitarbeiter, die lange im Unternehmen waren und es nicht gewohnt waren, sich öfter auf neue Situationen einzustellen. Die entstehende Hilflosigkeit macht den Mitarbeitern Angst.
3. Phase: Abschied nehmen
Jetzt wird die Veränderung endlich auch innerlich realisiert. Der Betroffene muss nun erkennen, dass er trotz seiner Anstrengungen, Verdienste und Mühen keinen Schutz vor Ungerechtigkeit aus seiner Sicht hat und sich auch keinen Schutz davor erarbeiten kann. Das ist die Ent-Täuschung – das Ende dieser Täuschungen. Viele verklären nun die Vergangenheit im Unternehmen. Die emotionale Verarbeitung ist der wichtigste Teil der Phase, denn sie ermöglicht das „Abschiednehmen“. Und ohne den Abschied wird auch keine wirkliche Neuorientierung möglich sein. In Resignation zu versinken hilft genauso wenig wie Ablenkung. Das Tal muss bis in die Talsohle hinein durchschritten werden, damit es danach wieder aufwärtsgehen kann.
4. Phase: Neuorientierung
Erst wenn der Mitarbeiter seine Ent-Täuschung emotional verdaut hat und das Tal der Tränen zur Gänze durchschritten wurde, kann er sich neu orientieren. Auf dem Weg dorthin gibt er dem Geschehenen einen Sinn, erobert sich sein Kontrollgefühl zurück und fühlt sich nicht länger hilflos ausgeliefert. Der gleiche Prozess verläuft bei der Genesung von Unfallopfern: Die körperliche und emotionale Wiederherstellung verläuft für diejenigen am schnellsten, die ihrem Unfall einen Sinn geben können und noch an die Wirksamkeit ihrer Handlungen glauben. Einen Sinn zu geben und das Beste daraus zu machen, das ist der Punkt, wo Akzeptanz möglich wird.
Die letzte Phase kann man an einem neuen Verhalten erkennen. Der Mitarbeiter zeigt wieder Hoffnung und Zuversicht, er engagiert sich mehr, sucht mehr Kontakt und beschäftigt sich mit seinen „wieder entdeckten“ Möglichkeiten.
Die vier Phasen am Beispiel Kündigung
Die Grafik zeigt die vier Phasen am Beispiel einer der negativsten und stärksten Formen einer Veränderungsmöglichkeit im Unternehmen, der Kündigung.
1. Phase: a. Schockreaktion – Erstarrung
■ Körperliche oder seelische Abwehrreaktion
■ Tatsachen verdrängen, vergessen, leugnen, als Irrtum ansehen
■ anscheinend cool, gefasst und souverän
a./b. Wehren – Bewegung
Ausbruch: Aggression oder Depression

2. Phase: Gegenmaßnahmen
■ Kündigung rückgängig machen wollen
■ getroffene Auswahl infrage stellen
■ Enttäuschung, Rache, Hass
■ nicht rationales Verhalten = Versuch Stabilität der Situation wiederherzustellen

3. Phase: Abschied nehmen
■ innerliche Realisierung der Kündigung
■ vergangenheitsorientiert, Verklärung, vermehrter Kontakt zu Kollegen
■ emotionale Verarbeitung, nicht rational
■ persönlicher Abschied von der Vergangenheit mit Tränen und Trauer
■ Resignation und Ablenkung sind nicht geeignet

4. Phase: Neustrukturierung
■ Kündigung als Tatsache akzeptieren
■ emotionaler Abschied von der Vergangenheit
■ nach Wegen suchen, das Berufs-Leben neu zu ordnen
■ statt Wut, Schmerz und Trauer jetzt Hoffnung und Zuversicht
„Danke an F. Horsthemke, der die Grafik in dieser Form erstellt hat“
Analyse der Veränderung
Wir können uns unseren Weg als eine Leiter vorstellen, deren Stufen wir Schritt für Schritt erklimmen. Manchmal bricht eine Sprosse ein, manchmal müssen wir länger auf einer Stufe pausieren und manchmal klettern wir einfach wieder runter, weil es oben gar nicht so schön ist wie ursprünglich angenommen.
Krise ist nicht gleich Krise
Es lohnt, einen zweiten und dritten Blick zu riskieren: Wo stehe ich gerade auf der Leiter? Was ist eigentlich mit mir los? Wie ist die Sachlage? Was ist zu tun? Was auch immer Ihnen in Ihrem Job begegnet: Manche Entscheidungen von weiter oben können Sie leicht mittragen, andere kollidieren vielleicht mit Ihren Werten und es fällt Ihnen schwerer, sie zu akzeptieren und entsprechend mit Ihren Mitarbeitern umzusetzen. Einige unliebsame Gegebenheiten in immer wieder auftauchenden Veränderungsprozessen können Sie aktiv so gestalten, dass sie Ihren Vorstellungen entsprechen, einiges andere können Sie aber nur hinnehmen und als gegeben akzeptieren.
Resilient sein heißt nicht nur, auf Lösungen zu fokussieren. Denn manchmal gibt es keine Lösung und die Anpassungsleistung liegt eher darin zu lernen, mit unbeantworteten Fragen zu leben.
Tatsachen klar erkennen können
Ein Bamboo-Stratege beherrscht die Kunst, diese beiden Möglichkeiten voneinander zu unterscheiden, und er ist in der Lage, Unabänderliches zu akzeptieren. Im ersten Schritt gilt es also, den Tatsachen nüchtern ins Auge zu sehen. Dabei ist es wichtig zu bedenken, dass das, was wir für eine Tatsache halten, meist durch unsere persönliche Wahrnehmung gefärbt ist. Die folgende Übung unterstützt Sie dabei, den Tatsachen auf die Spur zu kommen.
Übung: Gedanken-Check
Unsere Gedanken sind dafür verantwortlich, wie wir uns fühlen. Manchmal führen sie uns in eine Sackgasse und wir machen Denkfehler. Achten Sie also darauf, wie realistisch das Bild tatsächlich ist, das Ihre Gedanken entwerfen.
1. Entspannen
Während Sie gerade aufgeregt oder angestrengt sind, gaukeln Ihre Gedanken häufig eine viel schlimmere Situation vor, als sie tatsächlich gegeben ist. Unter Druck ist es fast unmöglich, seine Gedanken und Impulse zu kontrollieren. Machen Sie es sich zum Prinzip, erst wieder zur Ruhe zu finden, bevor Sie Ihre Gedanken bewerten. Finden und nutzen Sie eine für Sie funktionierende Entspannungstechnik.
2. Denkhorror stoppen
Unter Druck neigen wir dazu, immer gleich an das Schlimmste zu denken. Stoppen Sie furchterregendes „Wenn-dann“-Denken und ersetzen Sie lähmende Gedanken wie beispielsweise „Das kann ja nur schiefgehen“ sofort durch positivere Gedanken. Übernehmen Sie den Vorsitz in Ihrem Kopf und halten Sie dagegen! Erinnern Sie sich beispielsweise an eine ähnliche Situation in der Vergangenheit, die Sie gut gemeistert haben.
3. Hemmende Überzeugungen aufspüren und überprüfen
Jeder von uns hat tief sitzende Vorstellungen davon, wie Menschen sich zu verhalten haben und wie die Dinge gemacht werden sollten. Häufig sind diese Glaubenssätze zu starr. Dann beeinflussen sie unser Denken, Handeln und Fühlen unbewusst und sind der Quell für uns zwar logisch erscheinende, aber in Wirklichkeit absolut irrationale Denkfehler.
4. Finden Sie ein C, D und F
Häufig fixieren wir uns zu stark auf nur einen Lösungsweg oder glauben, uns nur zwischen zwei Möglichkeiten A und B entscheiden zu müssen. Finden Sie weitere Lösungsmöglichkeiten, indem Sie sich die Frage stellen: Wie könnte eine Möglichkeit C, D oder F aussehen?
Versuchen Sie beispielsweise die beiden Möglichkeiten A und B zu einem C zu kombinieren oder denken Sie in eine ganz neue Richtung. Fragen Sie sich, welches C wohl Ihr Vorbild vorschlagen würde, wenn Sie es befragen würden.
Das hört sich ja so an, als müssten auch sehr resiliente Bamboo-Strategen Belastungen einfach ertragen?
Ja, genau. Es hilft ja alles nichts – jedes Tun beinhaltet immer die Gefahr, dass das Beabsichtigte nicht gelingt. Das Spiel des Lebens bringt auch Krisen mit sich. Das können und sollten wir nicht verhindern. Warum? Nun, zahllose Beispiele belegen, dass eine Krise häufig der Startpunkt für einen Durchbruch und große Erfolge ist. Nelson Mandela beispielsweise saß 28 Jahre im Gefängnis. Nach der Haftentlassung wurde er zum Staatspräsidenten Südafrikas gewählt. Dazu musste er sicher einige „Prüfsteine“ zur Seite wuchten! Und wer weiß, ob er ohne die Zeit in der Haft auch Präsident geworden wäre?

2. Wurzel: Verbundenheit – in gutem Kontakt mit sich, anderen und der Welt
„Man kann sich vor anderen Menschen verbeugen
und dabei größer werden.“
UNBEKANNT
Die zweite wichtige innere Fähigkeit, um der beruflichen und privaten Stressfalle zu entkommen, ist, auch in diesen Situationen Kraft schöpfen zu können aus der tiefen Verbindung zu uns selbst, zu unserem sozialen Umfeld und der Welt, die uns umgibt.
Doch wenn Anforderungen von allen Seiten auf uns einprasseln, die To-do-Liste nie zu schaffen ist, Konflikte zum täglich Brot werden, dann empfindet auch der stärkste Mensch Stress. Was dann passiert, ist, dass wir versuchen, die Symptome zu lindern, indem wir die Verbindung zu uns selbst, zu anderen und zur Welt kappen.
Wir verlieren die Verbindung zu uns selbst
Als Erstes beginnen wir unseren Körper zu ignorieren. Wir „übersehen“ die Warnsignale, die uns schützen sollen, und „vergessen“, uns gesund zu ernähren. Wir kümmern uns weder um ärztliche Vorsorge noch um genügend Schlaf oder Fitness und hoffen, es geht auch ohne, denn wir haben ja „keine Zeit“.
Der Körper lässt sich nicht auf Dauer stumm schalten!
Zunächst ermahnt er uns noch ganz freundlich im Flüsterton, und wir werden müde, vergesslich, gereizt. Wenn wir ihn jetzt noch nicht ernst nehmen, wird der Ton lauter und wir beginnen unter Schlaflosigkeit, merkwürdigen Ängsten, Rückenschmerzen oder Magengeschwüren zu leiden. Ist auch das noch nicht genug, weiß der Körper sich nur noch durch lautes Schreien zu wehren: Wir kippen um und sind mit Glück lange weg vom Fenster, ansonsten tot.
Immer wieder höre ich bei meinen Vorträgen, Coachings oder Seminaren, dass Menschen behaupten, sie hätten vor ihrem Herzanfall, Hirnschlag oder Nervenzusammenbruch keine Warnzeichen bemerkt. Die gibt es aber immer schon lange im Vorfeld. Wenn wir allerdings die Verbindung zu uns verloren haben, hören wir unserem Körper erst dann zu, wenn er schon laut schreit.
Das ist recht ähnlich, wie wenn man hofft, eine unzufriedene Lebenspartnerin, ein Freund, Kollege oder die eigenen Kinder würden eines Tages ganz von alleine aufhören zu „nörgeln“. Aber auch die werden eines Tages grantig, wenn sie nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie mit zunächst freundlichen Hinweisen einfordern.
Außer unserem Körper nehmen wir auch unsere sonstigen Bedürfnisse nicht mehr wahr oder versuchen sie auf „irgendwann später wenn ich mal Zeit dazu habe“ zu vertagen. Immer weiter in die Zukunft. Nein, die Reise, nach der wir uns schon lange sehnen, passt jetzt nicht ins Konzept, ein Kinobesuch kostet doch nur Zeit und die genüssliche Lektüre eines guten Buches vor dem Kamin bringt mich doch auch nicht weiter. Wenn schon lesen, dann muss es wenigstens ein Fachbuch sein.
Das Tagesgeschäft nimmt uns komplett in Anspruch
Der Wirbelsturm unseres Tagesgeschäfts zehrt unsere gesamte Aufmerksamkeit auf und lässt uns eine irrsinnige Aktivität produzieren im verzweifelten Versuch, ganz viele Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Ständig tun wir etwas und haben kaum noch Raum, um durchzuatmen und einfach zu sein.
Dabei bleiben wir irgendwann auf der Strecke. Menschen können sich zwar gut anpassen und ziemlich lange auf den Druck, etwas tun zu müssen, reagieren. Aber wir werden dabei auf Dauer unzufrieden, weil wir uns nicht entfalten können.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.