Kitabı oku: «Wilde Zeiten – Wie du deinen Sohn gelassen durch die Pubertät begleitest.», sayfa 2

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Familienverhältnisse als Rahmen

Familien sind unterschiedlich – heute noch mehr als in früheren Zeiten. Es gibt die klassische Kleinfamilie mit oder ohne Trauschein, alleinerziehende Frauen und Männer mit einem oder mehreren Kindern, gleichgeschlechtliche Paare oder Großfamilien mit vielen Kindern und mehreren Generationen in der unmittelbaren Umgebung. Es gibt Stieffamilien, bei denen ein Verlust im Hintergrund steht und kunterbunte Patchwork-Formen. Familie muss nicht qua Geburt legitimiert sein, sondern kann auch in frei gewählter Form als langfristiger Verbund existieren.

Entscheidend für eine gute Ausgangsbasis ist die Stabilität. Diese kann im Alleinerziehenden-Haushalt ebenso gegeben sein wie im Mehrgenerationenverbund. Sie kann aber auch anfällig sein. Ein Jugendlicher kann sich in einem Öko-Dorf ebenso unverstanden fühlen wie in einer 1-1/2-Zimmer-Wohnung in einer Großstadt in prekären Verhältnissen.

Das Umfeld eines Jugendlichen sollte Stabilität vermitteln und Rückzugsraum bieten. Es sollte ebenjene Basisstation sein, die ein Bergsteiger benötigt, wenn er zu einer Expedition aufbricht. Der Jugendliche muss wissen, dass er nach Hause kommen kann und dort immer alles findet, was er braucht. Er muss wissen, dass er bedingungslos geliebt wird.

Das bedeutet nicht, dass es keine Regeln gibt und das er im rechtsfreien Raum schwebend tun und lassen kann, was er will. Regeln, Grenzen und Sanktionen sind Teil einer stabilen Familienbeziehung. Sie sind nicht mit einem Liebesentzug gleichzusetzen, sondern notwendig, um Beziehungen zu regeln und Familie zu erhalten.

Dennoch ist immer im Einzelfall zu schauen, welche Belastungen mit der Familienkonstellation zusammenhängen können. Wer als gut verdienende Ärztin allein lebt, kann sich Unterstützung organisieren. Wer prekär am Rande der Gesellschaft existiert und jeden Tag unter Druck steht, hat es schwerer, mit dem Entgelt seines Jobs Betreuung oder Freizeitangebote zu organisieren. Wer mit Unterstützung nur halbtags tätig ist, materiell ausgesorgt und viel Zeit hat, kann womöglich perfekt mit der Situation umgehen.

Doch auch das Materielle allein ist nicht entscheidend, wenn es um ein Zuhause mit einem Pubertierenden geht: Wichtig sind Verständnis, Zuneigung und Regeln, an denen sich ein Heranwachsender orientieren kann.

Vertrauen auf dem Prüfstand

Während der Pubertät werden Regeln infrage gestellt und neu ausgehandelt. Der Heranwachsende erfährt durch seine körperliche und geistige Reife neue Möglichkeiten, die er für sich nutzen und ausprobieren will. Dieser plötzlich entgrenzte Raum kann (je nach bisherigem Erfahrungsumfeld) überwältigend sein. Die Erlebnisse müssen erst verarbeitet werden, um sie zu begreifen.

Das Austesten von Grenzen gehört zur Pubertät. Gerade männliche Jugendliche sind extrem risikofreudig und setzen sich ohne nachzudenken vermehrt Gefahren aus. Diese werden auch in der körperlichen Auseinandersetzung, in Drogenexperimenten und anderen Grenzerfahrungen gesucht. Der Hintergrund wurde lange allein in Hormonschüben, mangelnder Erfahrung und Spontaneität gesehen. Neuere Studien zeigen, dass Jugendliche sehr wohl Vor- und Nachteile von Handlungen abwägen, dies aber eher nach sozialen Maßgaben. So zeigten Untersuchungen, dass Jungen deutlich weniger Risiken eingingen, wenn ihre Mutter anwesend war und eher zu riskanten Handlungen neigten, wenn sie Freunden imponieren konnten. Gleichzeitig gibt es eine hohe Zahl an Jugendlichen, die sich vollkommen unauffällig verhält.

Es ist also nicht allein eine Frage des Glücks oder purer Zufall, ob ein Junge in der Pubertät gefährdet ist, sondern auch eine Frage des sozialen Umfelds und der Bindungen.

Gerade darum ist es wichtig, in der Familie an einer Basis zu arbeiten, die Vertrauen schafft. Dazu gehören das Einhalten von Regeln und auch das konsequente Sanktionieren, wenn Regeln verletzt werden.

Erziehung ist keine Einbahnstraße

Von der Idee, dass ausschließlich die Eltern ihre Kinder erziehen, habt ihr euch bestimmt bereits verabschiedet. Ein langer Weg liegt hinter euch, auf dem ihr gemeinsam mit eurem Sohn gewachsen seid. Auch ihr habt euch verändert und durch euer Kind gelernt. Zumal Erziehung nicht allein durch euch erfolgt. Großeltern, Verwandte und das Umfeld nehmen direkt oder indirekt Einfluss, Kita und Schule wirken in großem Maße auf euren Sohn ein. Mit der Erweiterung des Erlebnisraums wächst der Kreis, der ihn beeinflusst und auf den auch er wirkt. Beziehungen sind immer Wechselbeziehungen.

Mit dem Heranwachsen eures Sohnes ändert sich auch die Struktur eures Verhältnisses zueinander. Die weisende Haltung kann in dem Maße abnehmen, in dem das Verantwortungsgefühl auf der Seite eures Sohnes wächst. Das bedeutet nicht, dass ihr eure Rolle als Eltern vorzeitig aufgebt und euch selbst aus der Verantwortung entlasst oder nicht mehr für euren Sohn da seid. Allein rechtlich ist das nicht möglich.

Sehr individuell muss hier austariert und ausdiskutiert werden, was euer Sohn bereits schafft und für sich beanspruchen kann. Mehr Freiheit ist immer auch mit einem Mehr an Verantwortung verbunden und oft mit Pflichten gekoppelt. Ziel sind das verantwortungsbewusste, selbstständige Handeln und die Fähigkeit, alleine Entscheidungen für sich zu treffen und auch die Konsequenzen zu tragen.

Für uns als Eltern bedeutet das, loslassen zu können. Das sollte nicht abrupt erfolgen, sondern sich als Prozess schrittweise vollziehen, der von vielen Gesprächen und gemeinsamen Erfahrungen begleitet wird. Damit wird die Pubertät zu einer Übergangsphase für Eltern und Kind, die damit abschließt, dass aus dem Jungen ein Mann geworden ist. Aus der Erziehung wird eine Beziehung zwischen Erwachsenen.

So schwer es auch manchmal fällt – positiv bleiben

Die Pubertät löst Stress bei Eltern aus. Doch dabei sollte genau hingeschaut werden: Sind die Ängste berechtigt oder macht euch die Idee Angst, dass euer Sohn erwachsen wird? Habt ihr wirklich Grund zur Sorge oder ist es die Angst vor dem, was alles passieren könnte (aber in Wirklichkeit in eurem speziellen Fall gerade gar nicht passiert).

Die Pubertät kann zu einer Phase der Herausforderung werden, in der es vermehrt zu Verletzungen, Rechtsstreitigkeiten und Auseinandersetzungen mit Grenzerfahrungen im Bereich von Alkohol und Drogen kommt, sie muss jedoch keine solche sein.

Setzt euren Sohn (und euch selbst) also nicht unter Druck, indem ihr ihn von vornherein unter Generalverdacht stellt und ihm damit das Leben schwer macht, sondern seht die Zeit als eine Phase des Abschlusses, in der etwas wunderbares Neues beginnt.

Unbenommen können aber auch extreme Ereignisse eintreten, mit denen wir als Eltern umgehen müssen. Ein eigenes Versinken in Aggression, Trauer oder Apathie hilft dann nicht. Steht die Polizei vor der Tür, müssen wir als Erwachsene handeln. Sich positiv zu verhalten bedeutet dann nicht, lächelnd alle Probleme zu negieren, sondern situationsspezifisch zu reagieren und gemeinsam mit eurem Sohn Lösungen zu finden. Schwänzt euer Kind die Schule, muss geschaut werden, was wirklich dahintersteckt und welche Alternativen es gibt. Prügelt sich euer Sohn, hilft es nichts, zu brüllen, sondern es müssen die Zusammenhänge aufgedeckt und Regularien gefunden werden.

Atmet auch immer einmal tief durch und nehmt euch Zeit für euch, um wieder Kraft zu tanken. Tretet innerlich einen Schritt zurück, um neue Möglichkeiten sehen zu können und auch das Positive nicht aus den Augen zu verlieren.

Worauf zu achten ist

Steht euch die Phase noch bevor, bewahrt Ruhe und bleibt gelassen: Die Pubertät kann, aber sie muss nicht zwangsläufig mit Extremerfahrungen verbunden sein. Schürt keine Ängste in euch, die ihr auf euren Sohn übertragt: Er steht an der Schwelle zum Erwachsenwerden, spürt die Veränderung, hat mit Herausforderungen auf vielen verschiedenen Gebieten zu kämpfen und möchte aber auch das Leben und die Welt kennenlernen.

Um ihn zu unterstützen, hilft eine Familie, die zu ihm steht, ihn akzeptiert und ohne Bedingungen liebt. Damit Familie als Basislager für junge, hinausstrebende Forscher funktionieren kann, braucht ihr Familienregeln, die von allen akzeptiert und eingehalten werden. Setzt euch mit eurer eigenen Geschichte und dem Prozess der Pubertät auseinander, erhöht sich die Chance zu einer toleranten und dennoch konsequenten Haltung, an der sich euer Sohn orientieren kann.

In den folgenden Kapiteln wird es um Schule, Sexualität, Medienkonsum und Drogen gehen. Mit diesen Themen kann man angstbesetzt, offensiv oder beobachtend steuernd umgehen, es sollte uns Erwachsene jedoch nicht davon abhalten, den Selbstständigkeitsdrang unserer Kinder als etwas Positives zu erleben.

Pubertät – was ist das eigentlich?

Der letzte Abschnitt der Kindheit beschäftigt Menschen seit Langem. Das hat evolutionäre Gründe, denn der Nachwuchs sichert den Erhalt der Gruppe und in dieser letzten Phase vor dem Erwachsensein beweist sich, ob die Nachkommen dazu fähig sein werden. Schon immer wurde dabei männlichen Nachkommen neben der Fortpflanzung der Part zwischen Wehrhaftigkeit und Tätigkeit zum Unterhalt der Gruppe zugewiesen. Diesem Anspruch in modifizierter Form müssen sich Jungen heute auch stellen. Zunächst geht es jedoch um physische Veränderungen, die zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr auftreten und in der Geschlechtsreife (der pubertas) gipfeln.

Körperliche Veränderungen – geistiger Ausnahmezustand

Während der Pubertät verändert sich der Körper genetisch gesteuert unter dem Einfluss von Hormonen. Entscheidend sind nicht nur Längenwachstum und Gewichtszunahme, sondern das Eintreten der Geschlechtsreife. Gleichzeitig kommt es zu einem Umbau im Gehirn, der mit Stimmungsschwankungen, verstärktem Bewegungsdrang und einem vermehrt das Risiko suchenden Verhalten einhergehen kann.

Körperliche Veränderungen können mit Schmerzen einhergehen oder psychisch belasten. Diese Beunruhigung spiegelt sich im Verhalten. Jungen wirken verunsichert, ziehen sich zurück oder treten bewusst herausfordernd auf. Nicht selten tritt beides ein. Als Erwachsene können wir uns nur noch bedingt in diesen Zustand hineinfühlen, doch jeder weiß, wie es ist, wenn eine körperliche Veränderung eintritt, die einen beschäftigt oder wenn man sich nach einem Unfall temporär auf neue Bewegungsformen einstellen muss. Schon ein Pflaster an der rechten Hand kann einen ablenken und die Stimmung beeinträchtigen.

Jugendliche fühlen sich in diesem Zwischenstadium verloren, nur dass die Pubertät kein Unfall ist, sondern das Anbrechen des erwachsenen Lebens bezeichnet und mit einem neuen Selbstbewusstsein verknüpft werden muss. Der häufige (oder zu seltene) Blick in den Spiegel ist nichts anderes als diese Selbstvergewisserung, die gebraucht wird, um Ich-Stärke zu entfalten.

Was läuft anders bei Jungs?

Während bei Mädchen die Eierstöcke vermehrt Östrogen abgeben, sich dadurch die Brust herausbildet, die Gebärmutter sich abschließend entwickelt und das Wachsen der Schamhaare einsetzt, erleben Jungen bereits wesentlich früher angeregt über Sexualhormone einen Anstieg des Testosterons. Einerseits kommt es dadurch zu einem erhöhten Wachstum des Körpers und der Muskeln, aber auch wesentlich früher zu einer Reifung der Geschlechtsorgane und oft schon vor der eigentlichen Pubertät zu einem erstmaligen Samenerguss durch das Hoden- und Peniswachstum zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr.

Meist beginnt die lustvolle Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper bereits früher als bei Mädchen und wird während der gesamten Pubertät beibehalten. Gleichzeitig kann dies aber auch zu inneren und äußeren Konflikten führen. Neben dem Selbstverständnis spielen die Selbstdarstellung und die Bewertung von Sexualität durch das Umfeld eine Rolle.

Wachstum als Problem

Längenwachstum kann eine Herausforderung sein. Ähnlich wie Alice im Wunderland geht es auch Jungen, die plötzlich in die Höhe schießen und überall anecken. Während das Wachstum der Geschlechtsorgane und der Schambehaarung in der Regel mit dem 14. Lebensjahr abgeschlossen ist, kann sich das Längenwachstum bis zum 21. Lebensjahr hinziehen.

Jugendliche erleben sich daher in einem Zwischenstadium: Sie wirken körperlich noch wie kleine Jungs, haben aber bereits erste regelmäßige sexuelle Erfahrungen mit sich selbst gesammelt. An sie werden stereotypische Forderungen gestellt, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen.

Das Einleben in den neuen Körper sowie das Aushalten von Schwäche und Kraft sind Herausforderungen, bei denen wir Eltern unseren Jungen mit Toleranz, Achtsamkeit und Respekt unterstützen sollten. Denn nicht selten ist man plötzlich der Kleinste oder auch der Längste in der Klasse und muss seinen Platz erst wieder für sich und im Gruppenzusammenhang finden. Familie als sicherer Rückzugsort ist hier wichtig!

Vom zarten Flaum zum Bart

Das Wachsen der Haare im Schambereich beginnt heute oft bereits vor dem 10. Lebensjahr. Später setzt die Achselbehaarung meist parallel mit der Bildung eines Oberlippenflaums ein. Das Sprießen der Haare wird als unangenehm empfunden. Es juckt, die Haut ist gereizt und empfindlich. Erwachsene kennen den Vorgang vom Rasieren der Achsel- oder Beinhaare. Doch während hier der Vorgang bereits bekannt ist, überfällt er Jungen unverhofft und zum ersten Mal.

Nicht selten tauchen auch zuerst Fragen auf, ob man nicht krank sei oder Ähnliches. Erst mit der Aufklärung des Phänomens können Jungen gelassener damit umgehen und den Vorgang als lästig, aber natürlich hinnehmen. Wird aus dem ersten Flaum sukzessive ein Bart, wird dies sogar oft mit Stolz beobachtet. Ein erstes gemeinsames Rasieren unterstützt das Selbstbewusstsein. Wir Eltern sollten jedoch auch akzeptieren, wenn Jungen das Bartwachstum für sich ablehnen und ihre zugeschriebene Sexualität infrage stellen und hier ebenso mit Enthaarungsmöglichkeiten unterstützen.

Breite Schultern oder lang und dünn?

Die Veränderungen des eigenen Körpers durch das Wachstum können verschiedene Reaktionen auslösen, die widersprüchlich sein können. Wie im gesamten Prozess der Pubertät gibt es die Tendenz zum Verharren-Wollen in der Kindheit und zum lang ersehnten Aufbruch. Das Widersprüchliche spiegelt sich auch im Verhältnis zum Wachstum.

Einige Jungen wollen heute noch Kind sein und morgen schon ganz erwachsen. Einige geben sich großspurig gereift und sehen sich bereits im Bereich der Erwachsenen.

Das Selbstbewusstsein hält nicht unbedingt mit dem Wachsen des Körpers mit. Oft ist die scheinbare Selbstsicherheit gespielt. Wird unbeabsichtigt am Lack gekratzt, reagiert der Heranwachsende mit Trauer oder Zorn.

Wichtig ist es, den eigenen Sohn in diesem Prozess sensibel zu begleiten und die eigenen Erwartungen zurückzustellen. Mancher sportliche Vater wünscht sich einen dynamischen Recken an seiner Seite und schaut unbewusst auf seinen schmalbrüstigen Vierzehnjährigen herab. Das sollte nicht sein. Findet als Erwachsene eine tolerante, unterstützende Haltung eurem Sohn gegenüber. Sport kann stabilisierend wirken, ist aber auch nicht immer die optimale Lösung. Man sollte immer besonders achtsam und rücksichtsvoll mit einem heranwachsenden jungen Mann umgehen, um ihn nicht zu verletzten. Das Burschikose, mit dem das Bild eines Jungen oft verbunden wird, ist nicht immer geeignet, um in Phasen der Neufindung wirklich zu unterstützen.

Fettiges Haar und erste Pickel

Durch die hormonelle Umstellung kommt es vermehrt zur Bildung von Fetten und einer Veränderung des Körpergeruchs. Pickel, Pusteln und Akne sind typisch für die Pubertät. Nicht nur Mädchen leiden unter fettigen Haaren und unreiner Haut. Auch Jungen empfinden diese Veränderungen als unschön und entwickeln Schamgefühle. Immer noch wird das äußere Erscheinungsbild von jungen Männern mit anderen Kriterien bewertet als das Bild junger heranwachsender Frauen.

Während hier eine ganze Kosmetikindustrie Mädchen mit Pflegeprodukten überschüttet (und unter Druck setzt), gibt es bei Jungen oft Vorbehalte. Um hier das richtige Maß und den richtigen Weg zu finden, solltet ihr euren Sohn genau im Blick haben und euch fragen, was er möchte. Das gilt auch beim Kauf von Pflegepräparaten. Wir können unser Kind unterstützen, eine solide Basis zur Gesundheitspflege und zum achtsamen Umgang mit sich selbst zu entwickeln, wenn wir die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Umstellung des Körpers und Hygiene darlegen und unserem Sohn helfen, ein positives Selbstbild zu entwickeln.

Und plötzlich kippt die Stimme weg

Der Stimmbruch erfolgt bei manchen Jungen fast unmerklich, andere erleben ihn als deutliche Herausforderung. Das Wegbrechen der Stimme kann bereits ab dem 11. Lebensjahr einsetzen. Die Stimme wird mit dem Hervortreten des Adamsapfels, dem Wachstum der Stimmlippen und der Verknorpelung um etwa eine Oktave tiefer.

Während der Absenkung kann es immer wieder zu einem spontanen Wegbrechen der Stimme kommen. Auch die Lautstärke kann sich dem bewussten Einsatz entziehen. Jungen empfinden es oft als peinlich, wenn dies im Gespräch oder auch bei Vorträgen in der Schule passiert.

Manche Jungen haben diese Phase in wenigen Monaten hinter sich gelassen, andere kämpfen etwa ein Jahr lang mit dem Stimmwechsel.

Auch hier ist Unterstützung gefragt. Keinesfalls sollte man die Situation ins Lächerliche ziehen, sondern sensibel auf die individuelle Situation eingehen.

Erster Samenerguss

Der erste Samenerguss kann einen Jungen erschrecken. Meist erfolgt er bereits vor dem 13. Lebensjahr nach dem Beginn der Pubertät. Der spontane Erguss resultiert aus dem Hodenwachstum und der beginnenden Spermienproduktion. Oft passiert es nachts und wird schamhaft mit spontanem Urinabgang gleichgesetzt.

Je informierter ein Junge ist, desto besser kann er mit der Situation umgehen. Herausforderungen entstehen nur, wenn die Ejakulation fälschlich als mögliches Symptom einer Krankheit gewertet oder mit einer falschen Scham als unmoralisch eingestuft wird.

Aufklärung schafft die Grundlage für ein Verständnis der natürlichen Vorgänge.

Um einen Jungen nicht zu bedrängen, sollte man ihm Fragen beantworten, doch keine Diskussionen aufzwingen. Herrscht ein offenes, verständnisvolles Klima in der Familie, das von gegenseitiger Achtung und Respekt getragen wird, gibt es Raum für vertrauensvolle Gespräche und auch Toleranz der eigenständigen Entwicklung gegenüber.

Ein Junge hat so die Möglichkeit, seine Orientierung selbst zu wählen und sich zu entscheiden, wer er selbst sein und wen er lieben möchte: Frauen, Männer oder beide.

Leben mit einem neuen Körper

Das „Eingewöhnen“ in den neuen Körper ist eine Herausforderung, die junge Menschen physisch und psychisch beschäftigt. Zum einen laufen die physischen Veränderungen nicht immer komplikationslos ab: Wachsen kann mit Schmerzen verbunden sein, der Kreislauf wird stärker beansprucht, der Schlaf-Wach-Zyklus ändert sich und auch die physische Leistungsfähigkeit schwankt. Zum anderen kommt es durch hormonelle Umstellungen zu Stimmungsschwankungen, die einen Jungen bedrücken können. Er fühlt sich schlapp oder reagiert besonders sensitiv mit Trauer oder Aggression.

Gleichzeitig wachsen die Anforderungen: Der Junge steht vor dem Abschluss, soll eine berufliche Laufbahn einsteigen und muss sich auch sozial verorten. Ein Erkennungszeichen ist das Äußere. Darum verwenden manche Jungen viel Zeit darauf, einen eigenen Stil zu finden, mit Kleidung die gewünschte Gruppenzugehörigkeit zu signalisieren, für sich selbst ein schönes Äußeres zu schaffen, das sie bei ihrem Auftreten in der Welt unterstützt.

Als Erwachsene haben wir bereits Erfahrungen gesammelt und wissen, wie man sich zu kleiden und zu geben hat, damit man akzeptiert und anerkannt wird. Euer Sohn muss das erst lernen und für sich ausprobieren.

Ein weiterer Aspekt ist der Umgang mit physischer Stärke und Schwäche. Jungen müssen auch hier für sich verbindliche Entscheidungen treffen und sich positionieren. Das Beste, was ihr als Eltern tun könnt, ist, euren Sohn zu bestärken und ihm Rückhalt zu geben. Dadurch kann er Selbstsicherheit aufbauen, seine Ich-Kräfte stärken und an Selbstvertrauen gewinnen.

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