Kitabı oku: «Der Fremde: Erotische Novelle»
Katja Slonawski
Der Fremde: Erotische Novelle
Lust
Der Fremde: Erotische Novelle ÜbersetztGesa FüßleOriginal FrämlingenCopyright © 2018, 2019 Katja Slonawski und LUSTAll rights reservedISBN: 9788726122039
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
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Der Fremde
Das Erste, das sie beim Aufwachen hört, ist das wohlbekannte, schlürfende Geräusch der Kaffeemaschine, und abgesehen davon: die unverständlichen leisen Radiostimmen. Während der ersten wachen Sekunden fällt es ihr schwer, die Geräusche zuzuordnen, es ist ungewohnt, zu ihnen aufzuwachen. Normalerweise ist sie die Erste, die aufsteht und Kaffee kocht und – wie sie es inzwischen so liebevoll nennen – die Dusche aufwärmt. Während sie ihre Morgenroutine durchführt, liegt ihr Mann noch einige Minuten im Bett, schön warm unter der Decke. Aber nicht heute. Sie fühlt mit der Hand nach dem leeren Platz rechts von sich. Die Decke ist aufgeschlagen und die Kuhle in der Matratze ist kühl in der Wohnungsluft. Nur ein paar flüchtige warme Fäden finden sich noch in den Baumwollfasern der Bettwäsche. Ich Dummchen, denkt sie, als ob sich die Kaffeemaschine von selbst anstellen würde. Natürlich ist er vor ihr aufgestanden. Sie ist noch etwas müde, obwohl das Aufstehen ihr morgens eigentlich leicht fällt. Normalerweise streckt sie sich sanft in der Dusche, aber vielleicht, weil sie heute das Doppelbett für sich alleine hat, streckt sie ihren ganzen Körper dort, wo sie gerade liegt. Von den Fingerspitzen bis zu den Zehen drückt sie sich in die Matratze, kneift die Schenkel zusammen und beschreibt mit den Händen langsam einen großen Kreis. Malt eine Sonne ins Laken. Gerade, als sie einen tiefen Seufzer ausstößt, knackt das Parkett in ihrer Nähe. Ihr Mann steht in der Türöffnung. Oder eher seine Silhouette. Einen kurzen Augenblick fragt sie sich, ob sie etwas vergessen hat. Hat sie Geburtstag? Hat er Geburtstag? Eine Reihe Begebenheiten gehen ihr durch den Kopf: Weihnachten, Flugzeug verpassen, Arztbesuch, aber nichts passt.
„Morgen“, sagt er mit seiner rauen Morgenstimme, und betritt das Zimmer. Er reicht ihr einen Becher dampfenden Kaffee. Schwarz, wie immer.
„Morgen“, antwortet sie.
Er setzt sich auf die Bettkante auf seiner Seite. Er sagt, dass es schon spät ist, aber dass er sie nicht wecken wollte. Aber sie wird etwas zu spät zur Arbeit kommen.
„Du bist doch nicht krank?“, fragt er, und sie schüttelt den Kopf, schlürft ein bisschen am Kaffee und verbrennt sich die Zunge.
Sie sitzen eine Weile da, besprechen, wann sie heute Abend nach Hause kommen und was sie kochen werden. Planen die Woche ein wenig. Er fragt wieder, ob sie krank ist, ob sie heute nicht mit ihm zu Hause bleiben will, er kann heute Nachmittag ein paar Stunden freinehmen und sie könnten einen langen Spaziergang machen. Sie lacht und sagt, dass ihrem neuen Chef das nicht gefallen würde, wirft die raschelnde Daunendecke von sich und zieht eine Nylonstrumpfhose und einen Bleistiftrock an. Dann steht er auf, nimmt ihren Becher und geht zurück in die Küche.
An einem Tag wie diesem, an einem ganz normalen Donnerstag im November, geht sie durch den feuchten Morgen mit schnellen Schritten ins Büro. Sie muss nicht pendeln: Das Büro ist fünfundzwanzig Minuten von ihrem Zuhause entfernt. Während sie über Pfützen und verrottende, nasse Laubhaufen steigt, denkt sie an den Blick ihres Mannes, als er auf der Bettkante saß. Die schwache Flamme, die in seinem Blick aufleuchtete, als sich die Strumpfhose eilig über ihren Waden, Hintern und Schenkel spannte. Wie ein Streichholz. Es ist schon lange her, dass sie echte Lust für ihn empfunden hat und es fällt ihr schwer, sich zu erinnern, wie es sie anfühlte. Natürlich machen sie es. Manchmal. Aber meistens ist es ohne Engagement von beiden Seiten, und fühlt sich mehr nach Pflichtübung als nach Lust an. Sie denkt nicht schlecht von ihm, sie fühlt nur nicht besonders viel. Und dadurch fühlt sie sich schlecht. Er macht ihr ein schlechtes Gewissen, besonders wenn er sie bittet, einen Tag lang krank zu sein. Nur einen Tag zu Hause, gemeinsam mit ihm.
Die Zeit im Büro verfliegt. Ihr neuer und zehn Jahr jüngerer Chef domptiert die kleine Arbeitsmannschaft von zwölf Personen, wie immer darauf bedacht, seine Fähigkeiten zu präsentieren. Sie macht ihren Job, weder besser, noch schlechter als die anderen. Sie hört Radio, quatscht ein bisschen mit einer Kollegin, trinkt Automatenkaffee und erledigt ihre Aufgaben. Zum Mittag isst sie zum dritten Mal diese Woche Wurst Stroganoff und sieht aus dem Fenster, wie der Regen dünn und jugendlich wie glitzerndes Konfetti herabfällt. Derselbe Regen fällt auf ihre Haare, als sie das Büro verlässt, als Letzte von allen, um die morgendliche Verspätung wieder gutzumachen. Sie nimmt wie immer den Weg durch den Park und erreicht die Gegend mit den alten Grafschaftshäusern. Fast jedes untere Stockwerk beherbergt ein Gewerbe: Frisörsalons und Cafés drängen sich an Solarien und Floristen. Einige Blocks von ihrem Wohnkomplex entfernt bemerkt sie ein neues Neonschild an der Ecke auf der anderen Straßenseite, Wand an Wand mit der Bäckerei, in der sie am Wochenende Brot kauft. Drei signalrote, blinkende Buchstaben breiten sich auf der Mauer aus: BAR. Sonst nichts. Sie späht durch den Regen nach mehr Details, aber die Bar, die Bar heißt, scheint geschlossen zu sein, und so setzt sie ihren Weg nach Hause fort. Als sie an ihre Tür kommt, ist sie durchnässt, aber die elektrisch erleuchtete Wohnung erscheint trotzdem kälter als der Regen. Sie stellt sich unter die Dusche, lehnt die Frage ab, ob sie Gesellschaft haben möchte, und lässt die warmen Tropfen dorthin, wo ihr vorher die kalten durch die Haare fuhren. Sie essen gemeinsam zu Abend, unterhalten sich ein wenig, und verbringen den Rest des Abends vor dem Fernseher. Sie sieht ihn über Teller, Esstisch und Schmuckkissen auf dem Sofa an. Denkt dabei: Wer bist du? Obwohl sie es genau weiß. Mit wem lebe ich zusammen? Als ob er, trotz ihrer fast fünfzehn gemeinsamen Jahre, ein Fremder für sie wäre. Als sie ins Bett gegangen sind, liegt sie noch lange wach und denkt an ihre Hochzeitsnacht. Hände in der Dunkelheit, Lippen an Lippen, ihre Nägel in seinem Nacken, seine Zunge in ihrer Spalte. Wie sie es genossen hat. Sie waren nach Italien auf Hochzeitsreise gefahren. Sie hatten vor, in der Toskana herumzufahren und Wein zu trinken, ins Museum zu gehen und Nudeln zu essen, aber alle Pläne wurden über den Haufen geworfen, um mehr Zeit im Bett verbringen zu können. Sie hatten die ganze Zeit und überall kichernd beieinander gesessen. So nah war sie nie einem Menschen gewesen; seelisch, physisch, menschlich. Wenn sie jetzt in ihrem gemeinsamen Bett liegt, hört sie seine tiefen, leicht schnarchenden Atemzüge neben sich. Ein Fremder in der Dunkelheit.
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