Kitabı oku: «The Arrangement: Zweite Chance für die Liebe»
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Lia K. Harry
The Arrangement Teil 2: Zweite Chance für die Liebe
© 2021 Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels
www.plaisirdamour.de
info@plaisirdamourbooks.com
Covergestaltung: © Sabrina Dahlenburg (www.art-for-your-book.de)
ISBN Taschenbuch: 978-3-86495-481-8
ISBN eBook: 978-3-86495-482-5
Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Dieses Buch darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches anderes Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 27
Kapitel 28
Epilog
Danksagung
Autorin
Kapitel 1
Christopher
Drei Tage sind seit der Anhörung vergangen. Drei Tage, seit Layla einen Schlussstrich unter unsere Ehe gezogen hat. Ich bin nur ein Schatten meiner selbst. Meine Wohnung habe ich, nachdem Layla sich umgedreht und fortgegangen ist, nicht mehr verlassen, sondern ich habe mich komplett abgeschottet. Im Büro denken alle, ich wäre krank. Gewissermaßen bin ich das auch: krank – vor Sehnsucht nach dieser Frau.
Die meiste Zeit lag ich im Bett und hatte das Gefühl, dass die Wände mich erdrücken. Oft habe ich daran gedacht, meinen Kummer in Alkohol zu ertränken. Ja, er hätte mich für ein paar Stunden betäubt, und dann? Dann wäre alles wieder beim Alten. Also tat ich es nicht.
Meine Eltern wollten vorbeischauen, ich habe ihnen jedoch gesagt, dass es nicht gut wäre, da ich die Grippe habe und sie nicht anstecken wolle. Sie mussten noch nicht wissen, dass er mir so dreckig geht, weil Layla sich von mir getrennt hat.
Wenn ich mal nicht im Bett lag, schlurfte ich von einer Ecke in die andere. Mein ganzes Penthouse ist voller Erinnerungen an sie und sogar die Bettlaken riechen immer noch nach ihr.
Die Stille ist unerträglich. Einmal habe ich das Radio eingeschaltet, aber nachdem ich gehört habe, welches Lied gespielt wurde, habe ich sofort auf den Off-Knopf gedrückt. Es erinnert mich an sie.
Ein paar Stunden nachdem ich die Anhörung verlassen hatte, hat Jeremy mich angerufen und mir mitgeteilt, dass Layla keinen einzigen Penny von dem haben wollte, was wir vertraglich vereinbart hatten. Auf der einen Seite war ich erleichtert, da mir so klar geworden ist, dass sie nicht hinter meinem Geld her war, sondern wahre Gefühle für mich haben musste. Auf der anderen Seite frage ich mich aber, warum sie mich trotzdem verlassen und die Annullierung beantragt hat. Ich glaube, dass ich darauf vielleicht nie eine Antwort bekommen werde.
Jeremy hat mehrmals nach mir gesehen und mir öfter gesagt, ich solle mich endlich zusammenreißen und nach vorn schauen. Der hat gut reden. Er hat ja nicht die Frau verloren, die ihm die Welt bedeutet. Ich habe es. Er kann weiter durch die Clubs ziehen und mit Frauen vögeln. Das kann ich nicht.
Ich kann nicht in mein altes Leben zurückkehren und mit anderen Frauen Sex haben, ohne sie mit Layla zu vergleichen. Bestimmt werde ich nie wieder in der Lage sein, eine andere Frau so zu lieben. Keine andere Frau kann Layla ersetzen. Sie ist diejenige, die mir Leben eingehaucht und es mir wieder genommen hat.
Irgendwie habe ich das starke Bedürfnis, eine bestimme Person zu sehen, um zu versuchen, ein paar entspannte Minuten mit ihr zu verbringen. Aus der Küche hole ich mein Handy und suche ihre Nummer aus den Kontaktdaten heraus. „Hey. Ich brauche dich dringend. Hast du Zeit für ein Mittagessen?“
„Für dich immer“, antwortet sie.
„Gut. In einer Stunde. Du weißt, wo.“
Noch bevor sie mir antworten kann, beende ich das Gespräch und gehe mich fertig machen.
In zehn Minuten müsste sie hier sein. Es ist knapp eine Woche vergangen, seit ich sie zum letzten Mal gesehen habe. Ich nehme den Kaffeelöffel in die Hand, klopfe damit auf die Handinnenfläche, lege ihn wieder weg, um den Zuckerstreuer hin und her zu wirbeln. Wie wird sie wohl reagieren, wenn sie erfährt, warum ich sie so kurzfristig sehen musste?
Eine Hand legt sich auf meine Schulter und weiche Lippen hauchen mir einen Kuss auf die Wange. Ich zucke kurz zusammen, da mich das an Layla erinnert. Vielleicht ist sie es ja.
Aber ein Blick über meine Schulter reicht aus, um mich zurück in die Realität zu holen. „Hey, schön dich zu sehen.“
„Schön, dich zu sehen.“ Sie setzt sich auf die Sitzbank.
Irgendwie kommt sie mir immer hübscher vor. Ihre hellblauen Augen strahlen wie immer. Die neuerdings pink gefärbten Haare sind gewöhnungsbedürftig, aber sie stören mich nicht. Das zartrosa Kleid, das sie anhat, ist nicht mein Geschmack, aber sie ist bei allen bekannt dafür, dass sie ihren ganz eigenen Stil hat. Ich bevorzuge die schlichte, sexy Mode bei einer Frau.
Für ein paar Augenblicke sitzen wir uns stumm gegenüber. Dann ergreift sie die Initiative und legt ihre Hand auf meine. „Ich kann mir schon denken, warum du mich hergebeten hast.“
Ich hole tief Luft und lehne mich in der Sitzbank zurück. Ist sie sich da wirklich so sicher? Ich glaube nicht, dass sie weiß, was ich gerade durchmache. „Britney!“
„Chris, ich sehe es dir doch an. Ich habe es an deinem Tonfall gehört. Du siehst echt scheiße aus, und ich bin mir sicher, dass es mit Layla zu tun hat.“
Meiner kleinen Schwester kann ich nichts vormachen. Sie hatte schon immer die Gabe, meine Stimmung richtig einzuschätzen, noch bevor ich etwas sagen konnte.
Als ich jünger war, habe ich mich zwar immer davor gedrückt, was mit ihr zu unternehmen oder auf sie aufzupassen, das hat sich aber auf der High School geändert. Wir wurden älter, und ich musste sie vor den anderen Jungs beschützen, damit sie ihr nicht an die Wäsche gehen. Jedenfalls bin ich nun außerordentlich froh darüber, dass ich sie habe.
„Ein Streit ist vollkommen normal unter Paaren und du musst …“
Ich hole tief Luft und sehe sie an. Anscheinend denkt sie, wir hätten einen fürchterlichen Streit. Ich stütze mich mit dem Ellbogen auf dem Tisch ab, fahre mir durch die Haare, schlucke den riesigen Klumpen herunter, der sich in meiner Kehle gebildet hat, und schließe die Augen.
„Sie hat mich verlassen, Brit“, falle ich ihr krächzend ins Wort. „Vor drei Tagen haben wir die Unterlagen für die Annullierung der Ehe unterzeichnet“, raune ich und bei dem Gedanken daran zieht sich mein Brustkorb zusammen.
„Was?“ Sie reißt die Augen auf. „Du verarschst mich, oder?“
„Tue ich nicht.“
Brit stützt die Ellbogen auf den Tisch und vergräbt das Gesicht in ihren Händen. Als sie sie wieder herunternimmt, sieht sie mich mitleidig an. Erneut greift sie nach meiner Hand und drückt sie ganz fest, zeigt mir damit, dass sie an meiner Seite ist. „Tut mir leid, Chris. Das ist echt scheiße. Hast du irgendetwas Falsches gesagt oder getan?“
„Nicht du auch noch.“ Seufzend entziehe ich ihr meine Hand und schaue über ihre Schulter.
Am Tisch hinter ihr sitzt ein Pärchen, das sich, eng umschlungen, in die Augen schaut und sich zwischendurch immer wieder küsst. Erneut werden Erinnerungen an meine gemeinsame Zeit mit Layla in mir geweckt und ein Stich fährt durch mein Herz.
„Wie meinst du das?“, höre ich Brits Stimme und sehe wieder zu ihr.
„Was?“
„Ich fragte, wie du das meinst?“
„Na, Jeremy, Trish – alle denken, dass ich was getan habe. Und nun du auch noch“, sage ich, atme tief ein und senke den Kopf.
„Bei deiner Vergangenheit …“
„Bist du nun auf meiner Seite oder nicht?“, werfe ich ein und hebe den Kopf, weil ich keine Lust habe, mich an mein altes Leben zurückzuerinnern. Das war einmal. Seitdem ich Layla getroffen habe, hat sich mein Leben um hundertachtzig Grad gedreht. Sie hat es verändert.
„Das bin ich. Aber irgendetwas muss doch der Auslöser gewesen sein.“
Ich seufze, lege die Hand auf den Mund und reibe mir über meine Bartstoppeln. Etwas schnürt mir die Kehle zu und erschwert mir das Atmen. Sie hat das Recht, die Wahrheit zu erfahren. Ich muss es ihr sagen, ihr alles berichten – von dem Tag an, an dem Luke mir Layla für die Scheinehe vorgeschlagen hat, bis zu dem Zeitpunkt, als mir meine Gefühle für sie klar geworden sind. Ja, ich wollte sie zu Beginn nur vögeln, aber mit der Zeit wollte ich einfach mehr für sie sein als nur ihr Fake-Ehemann. Sie sollte bis in alle Ewigkeit meine Frau sein.
„Brit, ich muss dir etwas gestehen.“
Sie sieht mich mit einem Ausdruck an, der mir ganz klar sagt: „Ich wusste, dass du etwas getan hast.“
Erneut fahre ich mir mit zitternden Fingern durch die Haare, während ich tief Luft hole. Mein Herz rast wie verrückt. „Layla und ich sind ein Arrangement eingegangen“, beginne ich zu erzählen und sehe ihren verwunderten Gesichtsausdruck. „Unsere Heirat war ein Deal.“
„Ihr habt einen Vertrag geschlossen? Das war alles ein Fake?“
„Zu Beginn schon.“
„Wie soll ich das denn verstehen?“
Ich schließe die Augen und ein tiefer Seufzer entfährt mir, während ich versuche, die richtigen Worte zu finden. „Am Anfang war es ein Fake. Mit der Zeit habe ich jedoch gemerkt, dass ich Gefühle für sie entwickelt habe. Ich wurde rasend vor Eifersucht, wenn ein anderer Mann sie ansprach oder sie auch nur ansah. Wenn sie mir Kontra gab, fand ich es nicht mehr amüsant, sondern liebte es. Bei ihr zu sein, sie in meinen Armen zu halten, war das Schönste, was ich je erlebt habe.“
Ihre Lippen zucken, bis sie sich zu einem Lächeln ausbreiten. „Du liebst sie“, stellt sie klar.
Ich lächele zurück. „Ja, ich liebe sie.“
„Das ist doch schon mal ein guter Anfang.“ Brit lehnt sich nach vorn und greift nach meiner Hand. Sie lächelt mich zuversichtlich an und Hoffnung breitet sich in mir aus. „Operation ‚Wir holen uns Layla zurück‘ hat soeben begonnen.“
Layla mag mich zwar verlassen haben, jedoch bin ich mir sicher, dass sie noch irgendetwas für mich empfindet. Würde sie es nicht tun, dann hätte sie das Geld genommen und nicht ausgesehen, als würde sie auf eine Beerdigung gehen.
Ich sehe meine kleine Schwester an. Während ich geglaubt habe, dass alles verloren ist, strotzt sie nur so vor Optimismus. Sie schafft es tatsächlich, mir ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Ich bin bereit für diese Operation. Wir werden Layla zurückholen.
„Also, wir müssen es irgendwie schaffen, an sie ranzukommen, und dann …“
Ihre Augen schauen nach draußen und sie verstummt. Sie schluckt schwer, reißt die Augen auf und schaut mal zu mir, mal nach draußen, bis sie sich auf das fixiert, was auf der Straße los ist. Ich folge ihrem Blick und spüre sofort, wie mein Blutdruck steigt. Meine Finger kribbeln und mein Kiefer mahlt, als ich Layla auf der anderen Straßenseite sehe. Sie geht neben einem Mann, den ich von irgendwo her kenne und der seine Hand auf ihren Rücken gelegt hat. Wer ist dieser Bastard, der seine Finger auf meine Frau legt? Ihr scheint es keineswegs etwas auszumachen! Ganz im Gegenteil! Es gefällt ihr, denn sie lächelt.
„Chris?“, höre ich Brit warnend sagen, als sich meine Atmung beschleunigt und das Blut durch meinen Körper rauscht. Meine Hände ballen sich zu Fäusten, die ich diesem Kerl gern ins Gesicht schlagen würde.
„Chris?“, nehme ich die Stimme meiner Schwester erneut ganz vage wahr.
Ich starre Layla weiterhin an. Sie bleibt mit dem Kerl stehen, fährt ihm mit der Hand über die Brust und umarmt ihn schließlich. Ich glaube, ich kenne diesen Bastard. Irgendwo habe ich sein Gesicht schon mal gesehen.
Sofort springe ich auf und eile zum Ausgang.
„Chris!“, schreit Brit, aber ich ignoriere sie, weil ich nur den einen Gedanken habe, diesem Kerl die Fresse zu polieren. „Al! Hilf mir“, ruft sie und packt meinen Arm, um mich daran zu hindern, das Bistro zu verlassen. Innerhalb von Sekunden steht Al vor mir, legt die Hände auf meine Brust und drückt mich zurück.
„Lass mich los!“, brülle ich. „Ich bringe ihn um!“
Al drückt mich mit seinem Körper weiter nach hinten, aber ich versuche, mich loszureißen. Ich will nur raus und diesem Bastard die Gurgel umdrehen.
„Troy, komm her!“, ruft Al, und ich spüre, wie jemand die Arme um meine Schultern schlingt und mich ebenfalls nach hinten zieht. Ich wehre mich mit aller Kraft, aber die zwei Männer sind stärker als ich und bringen mich hinter die Theke. Al öffnet die Tür des dahinter liegenden Büros, Troy zerrt mich hinein und geht wieder hinaus.
„Du bleibst jetzt hier, Palmer, bis du wieder klar denken kannst“, informiert mich Al, bevor er das Büro ebenfalls verlässt und die Tür hinter sich zumacht.
Ich tigere durch das Büro, reibe dabei ständig meine zur Faust geballte Hand an der Handinnenfläche der anderen. Verdammt noch mal! Vor drei Tagen hat sie den Schlussstrich gezogen und jetzt schon einen anderen Mann gefunden. Fuck! Bestimmt hat sie deswegen die Annullierung eingereicht. Sie waren sicher die ganze Zeit heimlich ein Paar und Luke wusste nichts davon. Aber wenn sie mit einem anderen Mann zusammen war, warum hat sie dann mit mir geschlafen? Womöglich ist sie das Arrangement eingegangen, um das Geld zu bekommen und mit diesem Kerl ein schönes Leben zu verbringen. Ich schüttele den Kopf und schiebe diesen Gedanken zur Seite, denn sie wollte keinen einzigen Cent haben.
Während ich weiterhin auf und ab stampfe, bleibe ich plötzlich stehen und mein Blick fällt auf das Poster, das in Als Büro hängt. Die Dallas Cowboys. Das Football-Team. Ich gehe näher ran, und meine Augen starren auf ein Gesicht, das ich vor ein paar Minuten draußen mit Layla gesehen habe. Shit! Das ist der Kerl. Der Quarterback der Cowboys. Ich wusste, dass ich das Gesicht schon mal irgendwo gesehen habe.
Heilige Scheiße! Das ist Allan Baxter!
Kapitel 2
Layla
Es war schön, meinen besten Freund Allan wiederzusehen. Gott, wie sehr ich ihn vermisst habe. Er hat mich im Büro abgeholt und wir haben zusammen zu Mittag gegessen, bevor er mich wieder zurückbegleitet hat. Ich hätte gern den restlichen Tag mit ihm verbracht, aber er musste zum Training und ich wieder zurück in die Kanzlei. Wir haben aber ausgemacht, dass er mich einmal ins Stadion mitnimmt, solange er noch hier ist. Hoffentlich hat sein Trainer nichts dagegen, wenn er einen Zuschauer mitbringt. Ich will Allan nämlich nicht vom Training ablenken. Die Saison beginnt bald, und das Team muss hart arbeiten, wenn es an die Spitze kommen will.
Ich habe meinem Freund die Sache mit Chris anvertraut. Immer wieder betonte er, wie verrückt ich gewesen bin, mich auf so etwas einzulassen. Wenn er hier gewesen wäre, dann hätte er mich daran gehindert. Chris Palmer ist und bleibt ein Playboy.
Allan sagte außerdem, Chris hätte mich nicht verdient und dass ich viel zu gut für ihn bin. „Wenn du einen besseren Mann gefunden hast, wird er sich in den Arsch treten, dass er dich betrogen hat. Er ist ein arroganter Mistkerl und hat bekommen, was er verdient“.
Vielleicht hat er recht. Chris wird nie in der Lage sein, einer Frau mehr als Sex zu geben.
Seufzend lasse ich mich in meinen Bürostuhl fallen. Tagsüber lächele ich und bin gut gelaunt, um meinen Trennungsschmerz vor meinen Kollegen und Freunden zu verbergen und ihnen zu zeigen, dass es mir gut geht. Nachts, wenn ich im Bett liege, kommt mir alles wieder in den Sinn, und ich sehe Kylie vor mir, die halb nackt in seiner Wohnung steht. Erst da kommen meine wahren Gefühle zum Vorschein und ich leide Höllenqualen. Das Eis um mein Herz, das Chris zum Schmelzen gebracht hatte, baut sich nun wieder Schicht für Schicht auf.
Ständig sehe ich ihn vor mir, wie er mich mit seinen hellblauen Augen ansieht, und spüre, wie seine Finger über mein Gesicht streichen. Wie er mir meinen Namen erregt ins Ohr flüstert, wie seine Lippen über meine streichen und sie letztendlich mit einem sinnlichen Kuss in Besitz nehmen. Jede Nacht wälze ich mich von einer Seite auf die andere, schlafe nicht durch und sehe morgens auch dementsprechend aus. Aber hey, Make-up kann alles vertuschen.
Trish hat mir gesagt, er sei bei ihr aufgetaucht und habe nach mir gesucht. Bestimmt hat Kylie ihn darüber informiert, dass ich da war, und er hat sich auf den Weg gemacht, um mich zu finden und mir zu erklären, dass zwischen ihnen nichts gelaufen sei. Während der Anhörung hat er die Frechheit besessen, sich als zutiefst verletzt darzustellen und vorzugeben, nicht zu wissen, warum ich die Annullierung eingereicht habe. Ich bin mir sicher, er hatte nur Muffensausen, dass sein Vater ihm den Geldhahn zudreht, weil er ihn bezüglich unserer Beziehung angelogen hat. Geschieht ihm recht!
In meiner Brust sticht es unangenehm und meine Augen beginnen zu brennen. Immer wieder kreist dieser eine Gedanke durch meinen Kopf: Wie konnte er mir das nach dieser Zeit antun?
Das Klingeln meines Telefons reißt mich aus den Gedanken. Ich schlucke und räuspere mich. „Ja, Linda.“
„Layla, Roger Davids möchte Sie sehen.“
„Was?“
„Ich kann ihn auch wegschicken, wenn Sie …“
„Nein, nein. Schicken Sie ihn rein.“
Was will er hier? Roger und ich hatten für ein paar Wochen was miteinander, aber unsere letzte Begegnung liegt schon Jahre zurück. Ihm gehört eine Ölraffinerie in Dallas, und er ist außerdem der Präsident der Dallas Cowboys, die zurzeit hier in Houston ihr Vorbereitungstraining absolvieren. Damals, in meinem letzten Jahr auf dem College, arbeitete Roger für seinen Großonkel in Philly. Erst dachte ich, ihm würde eine Restaurantkette gehören und Roger würde dort als Manager arbeiten. Nachdem unserer Affäre zu Ende war, erfuhr ich allerdings, was die beiden wirklich für Geschäfte führten. Rogers Onkel gehörte einer kriminellen Gruppe an, die der italienischen Mafia gleicht.
Roger war schon damals ein verdammt gutaussehender Typ, bei dem die Frauen schnell schwach wurden. Daher hatte es mich gewundert, dass er mit mir eine Affäre anfing. Wir haben uns in Freundschaft getrennt, und aus reinem Interesse habe ich seine berufliche Laufbahn weiterverfolgt. Roger hatte irgendwann die Nase voll von Philadelphia, und nahm, als sein Onkel gestorben war, dessen Vermögen und investierte es in Öl. Das war vor knapp fünf Jahren. Und nun … nun ist er einer der reichsten Männer in Dallas, und ein verdammt heißer dazu.
Ich hole meinen kleinen Spiegel aus der Schublade, um schnell nachzusehen, ob mein Make-up nachgebessert werden muss und ob ich wirklich so erbärmlich aussehe, wie ich mich fühle.
Als ich gerade dabei bin, den leicht verschmierten Kajalstift abzuwischen, ertönt eine tiefe Stimme: „Diese Angewohnheit, in den Spiegel zu sehen, bevor du mich triffst, hast du immer noch?“
Schnell klappe ich den Spiegel zu, zaubere mir ein Lächeln aufs Gesicht und sehe zu ihm rüber. Vor Freude, ihn wiederzusehen, beginnt mein Herz zu rasen. Ganz lässig lehnt er sich gegen den Türrahmen, die Arme vor der Brust gekreuzt, und strahlt genau das Selbstbewusstsein aus, das er schon immer hatte.
Er trägt Jeans, Schlabbershirt und ein Jackett. Nie und nimmer würde man denken, er wäre ein Millionär. Seine hellbraunen Haare, die einen leichten Rotstich haben, hat er mit Gel nach hinten gekämmt, wodurch sein markantes Gesicht besonders gut zur Geltung kommt, und seine grünen Augen strahlen pure Freude aus.
„Hey! Was führt dich nach Houston?“ Ich stehe auf, gehe zu ihm und wir umarmen uns. Er hat fast den gleichen Körperbau wie Chris. Groß, breite Schultern, sehr muskulös. Bestimmt ist er hier, um seinem Team bei der Vorbereitung auf die nächste Saison zuzusehen.
„Lass dich ansehen.“ Er zieht sich zurück, beäugt mich von Kopf bis Fuß und pfeift bewundernd. „Ich muss sagen, du bist noch heißer als damals“, bemerkt er und zwinkert mir zu.
„Wir haben den Freunde-Kodex geschworen, Davids“, erinnere ich ihn.
„Leider.“ Er hebt die Augenbrauen und seufzt laut auf.
Nach unserer Trennung haben wir uns versprochen, dass wenn einer die Hilfe des anderen benötigt, wir alles unternehmen werden, um ihn zu unterstützen. Bisher habe ich seine Hilfe nicht gebraucht, aber ich denke, er braucht meine, sonst wäre er nicht hier.
„Also, Roger, was führt dich her?“
„Ich brauche deine juristischen Fähigkeiten“, antwortet er, während er auf dem Sessel Platz nimmt.
Ich lege den Kopf schief. Wenn er meinen juristischen Rat braucht, dann ist er sicher verheiratet und will sich scheiden lassen. Davon habe ich aber nichts gehört oder gelesen.
„Vor drei Jahren hatte ich eine kurze Beziehung. Eigentlich nichts von Bedeutung.“
Roger ist genau der gleiche Typ wie Chris. Reich, gutaussehend und ein Womanizer. Er hatte immer eine Frau nach der anderen, daher wundert mich diese kurze Beziehung nicht.
„Sie wurde schwanger“, fährt er fort, „und bis vor ein paar Monaten war alles okay. Ich habe ihr eine Wohnung gekauft, damit sie keine Miete zu zahlen braucht, habe sie finanziell unterstützt und durfte meinen Sohn sehen, wann immer ich wollte. Doch nun hat sie einen neuen Partner und verbietet es mir.“
Ich öffne den Mund, um etwas zu sagen, jedoch bleiben mir meine Worte im Hals stecken. Roger hat einen Sohn und will für ihn kämpfen.
Anscheinend muss ich in diesem Moment so bescheuert aussehen, dass Roger in sich hineinlacht. Er räuspert sich, lehnt sich nach vorn und stützt die Ellbogen auf die Knie. „Du bist die Beste auf diesem Gebiet. Olivia hat das alleinige Sorgerecht beantragt, weil sie nun als Model arbeitet und ich ihr keinen Unterhalt mehr zahlen möchte.“
„Ihr wart nicht verheiratet. Sie hat kein Anrecht auf Unterhaltszahlung und kann froh sein, dass du sie freiwillig unterstützt hast. Natürlich kann sie Unterhalt für das Kind fordern, wenn die Vaterschaft anerkannt wurde.“
„Ich habe einen Vaterschaftstest machen lassen, Layla. Er ist mein Sohn und ich will für ihn da sein.“
„Du kannst ein geteiltes Sorgerecht beantragen und ihn als deinen Erben angeben.“ Ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht, dass Roger irgendwann für einen Menschen Verantwortung übernehmen würde. Wenn mir das jemand gesagt hätte, wäre ich in schallendes Gelächter ausgebrochen. Aber es aus seinem Mund zu hören, umhüllt mein Herz mit Glück, dass dieser Mensch sich, allem Anschein nach, wegen eines Kindes geändert hat.
„Du und ich“, sagt er wie aus der Pistole geschossen.
Ich hebe die Brauen und mein Mund steht offen. Roger lehnt sich über den Tisch, legt seine Hand unter mein Kinn und drückt es nach oben. „Ich möchte, dass du mir bei diesem Fall zur Seite stehst.“
„Wieso ich?“
„Weil ich dir blind vertraue.“ Roger schaut auf seine goldene Rolex und steht anschließend auf. „Ich muss leider zu einem geschäftlichen Termin. Wollen wir heute Abend essen gehen und die Details besprechen?“
Ich nicke.
„Um sieben im Charivari?“
„Okay.“
In meiner neuen Wohnung gehe ich durch die Zimmer und suche nach meinem grauen Anzug, der irgendwo hängen muss. Mein Kleiderschrank ist noch nicht aufgebaut, deswegen hängt alles an Türen und Regalen. Schließlich werde ich fündig, mache mich fertig und verlasse die Wohnung, die sich im südöstlichen Teil der Stadt befindet.
Die ersten zwei Tage, nachdem ich Kylie in Chris’ Penthouse angetroffen habe, war ich in einem Hotel. Da konnte ich aber nicht für immer bleiben, und Prescott half mir dabei, eine Wohnung zu finden und den Mietvertrag schnell zu unterschreiben.
Nach zwanzig Minuten Fahrt erreiche ich das Charivari. Roger sitzt schon an einem Tisch, der sich ziemlich weit hinten im Lokal befindet. Sicher möchte er in Ruhe über seinen Fall sprechen und hat aus diesem Grund einen Tisch reserviert, der etwas abseits der anderen ist. Am Eingang teile ich dem Kellner mit, dass ich von Mr. Davids erwartet werde, woraufhin er mich zu dem Tisch führt.
Roger steht auf, legt seine Hände auf meine Oberarme und begrüßt mich mit einem Kuss auf die Wange. Plötzlich höre ich, wie Geschirr klappert und lautes Fluchen folgt.
Ich drehe meinen Kopf in die Richtung, aus der die Geräusche kommen, und sehe Jeremy, der Chris am Arm festhält. Chris’ Kopf ist knallrot und die Adern an seinem Hals sind deutlich sichtbar. Die Zähne hat er zusammengebissen, und er versucht verzweifelt, sich loszureißen, während ein weiterer Kellner dazukommt und ihn ebenfalls festhält.
Mein Blick heftet sich auf ihn, und ich rümpfe die Nase, was ihn natürlich noch wilder macht. Erneut will er sich auf uns stürzen, aber Jeremy und der Kellner ziehen ihn immer wieder zurück und reden auf ihn ein. Es ist das erste Mal, dass ich ihn nach der Anhörung wiedersehe, und mein Herz beginnt vor Aufregung, zu rasen. Die Schmetterlinge in meinem Bauch machen sich selbstständig und tanzen wie verrückt herum. Egal, was er mir angetan hat, meine Gefühle für ihn kann ich nicht einfach so abstellen.
„Kennst du ihn?“ Roger sieht Chris argwöhnisch an.
„Ist der Ex-Mann einer Klientin. Niemand von Bedeutung.“ Absichtlich lege ich meine Hand auf Rogers Oberarm, fahre mit ihr einige Male auf und ab und lächele ihn an. „Lass uns essen. Der Manager wird sich schon um diesen Verrückten kümmern.“
Ich setze mich auf den Stuhl, den Roger mir, ganz gentlemanlike, zurechtrückt, und nehme aus dem Augenwinkel wahr, wie Jeremy Chris nach draußen führt. Gott sei Dank hat Jeremy sofort reagiert. Ich will nicht wissen, was passiert wäre, wenn Chris es bis zu unserem Tisch geschafft hätte. Um Roger mache ich mir keine Sorgen, sondern um Chris. Denn wie schon erwähnt war Roger Mitglied einer kriminellen Organisation, und ich denke, er hätte Chris mit einem gezielten Hieb k. o. geschlagen.
Ich widme mich wieder Roger und seinem Vorschlag, ihn zu vertreten, und lasse mich nicht von dem Getümmel am Eingang ablenken.