Kitabı oku: «Showgirl: Erotische Novelle»

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Lisa Vild

Showgirl: Erotische Novelle

Lust

Showgirl: Erotische Novelle ÜbersetztGesa Füßle Original ShowgirlCopyright © 2018, 2019 Lisa Vild und LUST All rights reserved ISBN: 9788726122022

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.

Showgirl

„Jetzt stoßen wir an – auf Ella!“ Ihr Vater strahlt sie an. Man sieht in seinen Augen und an seiner Haltung und man hört in seiner Stimme, wie stolz er auf sie ist. Der Garten hallt von den Reaktionen, den fröhlichen Hurrarufen und Beglückwünschungen von Familien und Freunden wider. Ella sitzt mittendrin und lächelt, während sie für den unmittelbaren Weltuntergang betet.

„Also, Ella, was hast du jetzt vor?“, fährt ihr Vater fort. „Kannst du nicht mal herkommen und uns erzählen, was als Nächstes passiert?“ Da war es. Das Todesurteil. Ella sieht, wie sich ihr alle erwartungsvollen, neugierigen Gesichter zuwenden – bereit, an ihrem Lebensplan teilzuhaben. Den Lebensplan, den es nicht gibt. Wie erzählt man seinen Eltern, seinen Verwandten und seinen entfernt bekannten Freunden, dass man die Prüfung zur Sozialarbeiterin gemacht hat, dass man drei Jahre lang richtig hart dafür gearbeitet hat, und dass man alles verabscheut, was damit zu tun hat? Dass man nie in diesem Beruf arbeiten will?

„Ähm … danke, dass ihr heute alle gekommen seid. Und danke für all die tollen Geschenke“, beginnt sie mit zittriger Stimme. Ihre Hände zittern nervös. „Ich hab keinen direkten Plan.“ Sie lacht nervös – sie sieht, wie die schlechte Stimmung sich über den Garten legt. „Oder doch … ich werde nach Stockholm ziehen.“ Das ist neu. Stockholm? Ihre Eltern sitzen mit offenem Mund da, wahrscheinlich haben sie einen Schock. „Ich habe von einem … Freund gehört, dass sie dort Kuratoren für eine Grünanlage für junge Erwachsene suchen. Nächste Woche habe ich ein Vorstellungsgespräch.“ Sie sieht, wie alle Gäste – besonders ihre Eltern – erleichtert aufseufzen. Es gibt einen Plan. Alles ist, wie es sein soll. Ella ist schon fast selbst davon überzeugt.

Ella packt ihre letzten Besitztümer zusammen und sieht sich ein letztes Mal in ihrer engen Einzimmerwohnung um. Ihr Zuhause. Als sie auf ihrer Examensfeier Panik bekam und hervorstotterte, dass sie nach Stockholm ziehen würde, hatte sie nicht einberechnet, wohin ihre Lüge führen würde. Sie würde ihre Wohnung verlassen und fast 500 km weit wegziehen müssen, in eine ganz neue und unbekannte Stadt.

Ihre Eltern hatten eine kurze Weile gebraucht sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ihre Tochter nach Stockholm ziehen würde, doch dann wurde aus ihrem Schock und ihrer Verzweiflung ein Gefühl unglaublichen Stolzes. Sie sind davon überzeugt, dass Ella in Stockholm große Taten vollbringen wird. Ella ist ihrerseits nicht so sehr überzeugt davon. Sie hat weder einen Job, noch eine Wohnung. Stockholm ist eine teure Stadt – das ist etwas ganz anderes als ihr Heimatort, in dem man eine Falafel für 30 Kronen bekommt. Ella will sich gar nicht vorstellen, was eine Falafel in Stockholm kostet. Aber sie hat einen Plan B. Wenn alle Stricke reißen, denkt sie, kann ich immer noch als Camgirl arbeiten. Mit dem Gedanken fühlt sich alles etwas leichter an.

Sie seufzt tief und lässt ein letztes Mal ihren Blick durch die Wohnung schweifen. Erinnert sich an den Tag, an dem sie einzog, das Gefühl der Freiheit, wie sie in genau diesem Zimmer den ersten Orgasmus ihres Lebens bekam und wie sie danach den ganzen Sommer damit verbrachte, sich vor Publikum selbst zu befriedigen. Sie erinnert sich an das Gefühl, als sie letzten Sommer zurückkam – die Sicherheit, die ihr diese Wände boten. Und plötzlich fühlt sich die Wohnung kleiner als je zuvor an.

Ella ist in den letzten Jahren so viel gewachsen in diesem engen Zuhause. Sie kann nicht den Finger darauflegen, aber irgendwann muss sie aus der Wohnung herausgewachsen sein. Dieses Zimmer mit der Kochnische ist das letzte Überbleibsel von der alten Ella. Als ihr dieser Gedanke kommt, fühlt sie, dass sie mit diesem Teil ihres Lebens abgeschlossen hat. Als sie da steht, die Hinfahrkarte nach Stockholm in der Hand, und sich von dem Letzten verabschiedet, das sie hier noch hält, fühlt sie sich das erste Mal bereit – neugierig auf das, was kommen mag.

Sie hatte sich selbst eine Woche gegeben. Eine Woche, um so viele Vorstellungsgespräche wie möglich zu führen. Eine Woche, um eine – eher – dauerhafte Bleibe zu finden. Seit sie nach Stockholm gekommen war, hatte sie bei einer Bekannten auf dem Sofa geschlafen, die keine besonders nahestehende Freundin war. Nicht länger als eine Woche, hatte sie sich nach der ersten Nacht geschworen, als sie mit schmerzendem Rücken aufgewacht war und dann am schrecklichsten Frühstück ihres Lebens teilnehmen musste.

Es ist acht Uhr, als Ella allein durch die Straßen von Stockholm geht. Überall sieht sie fröhliche Menschengruppen, die das Wochenende in Bars und Draußencafés einläuten. Es ist noch hell und ziemlich warm – die Stadt saugt die Sonnenwärme auf und gibt sie fast doppelt zurück.

Sie fühlt sich so einsam, so klein, als sie an diesem Freitagabend herumgeht. Neulich hat sie sich eine Wohnung angesehen, es sah richtig gut für sie aus – sie hätte sie beinah bekommen. Aber als der Vermieter erfuhr, dass sie noch keinen richtigen Job hat, ließ er sie den Vertrag nicht unterschreiben. Sie hatte ihm hoch und heilig versprochen, dass sie eine Möglichkeit hatte, an Geld zu kommen, dass sie Geld hätte. Er hatte sie angeekelt angesehen und nichts gesagt, aber Ella konnte genau sehen, was er dachte. Sie ist eine Nutte.

Nein, denk jetzt nicht daran. Ella schüttelt den Kopf. Es ist Freitagabend, ihr erstes – und letztes – Wochenende in Stockholm. Am Montag wird sie aufgeben und nach Hause fahren. Aber jetzt, heute Abend, ist sie noch frei. Sie biegt in die nächstbeste Kneipe ab und setzt sich an die Bar.

„Einen Gin Tonic, bitte.“ Der Barmann nickt lächelnd und serviert ihr in Windeseile den Drink in einem hohen Glas. Sie will gerade bezahlen, als ein Mann seine EC-Karte herüberreicht und sagt: „Lass mich das …“ Ellas und seine Blicke kreuzen sich, sie lächelt dankbar und bemerkt seine dunklen Augen. Seine vollen Lippen sind zu einem Lächeln verzogen und unter dem Hemd sieht man die Bewegung der Muskeln, als er seinen Barhocker neben ihren schiebt und sich hinsetzt. Schweigend sitzen sie zusammen. Sie nippt nervös an ihrem Drink, im vollen Bewusstsein, dass der Mann sie anstarrt.

„Trinkst du nichts?“, fragt sie nach einer Weile. Die Eiswürfel klingen im Glas. Ella läuft ein Schauer vom Nacken zur Lende herunter, als er beim Lächeln die Zähne entblößt. „Nee, mir reicht das so“, antwortet er heiser. Der Schauer breitet sich weiter aus. Sie spürt, wie ihr ganzer Unterleib warm wird, wie ihr Magen sich zusammenzieht. Es ist lange her, dass sie mit einem Mann geschlafen hat – oder jedenfalls mit einem so gutaussehenden Mann. Sie beißt sich auf die Unterlippe und nickt still. Sie ist überzeugt, dass er diese elektrische Spannung auch spürt. Er will sie genauso haben, wie sie ihn.

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