Kitabı oku: «Louise Otto: Frauenbewegung Essays, Romane, Biografien & Gedichte»

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Louise Otto

Louise Otto: Frauenbewegung Essays, Romane, Biografien & Gedichte

Frauenleben im deutschen Reich + Das Recht der Frauen auf Erwerb + Schloß und Fabrik…

Books

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musaicumbooks@okpublishing.info 2017 OK Publishing ISBN 978-80-272-0490-8

Inhaltsverzeichnis

Frauenbewegung:

Aufsätze aus der »Frauen-Zeitung«

Das Recht der Frauen auf Erwerb

Frauenleben im deutschen Reich

Die erste deutsche Frauen-Conferenz in Leipzig

Die Führerinnen der Frauenbewegung in Deutschland

Romane: Schloß und Fabrik

Nürnberg

Biografien:

Der Sänger des Ziska.

Ein deutscher Handwerksmann

Gedichte:Mein Lebensgang Abteilung 1. Aus den Jahren 1840–1850

Berufung

Tiedge

Sonette

An Ludwig Börne

Sonnenaufgang

Erwachen

Einst und Jetzt

Die Schwalben

Die Jungfrau auf dem Lurlei

Totenklage

Erinnerung an die Rudelsburg

Im Dom zu Naumburg

Im Erzgebirge

Allein

Das Kätchen von Heilbronn

Zur Zeitgeschichte

Meine Lieder

Neue Liebe

Schneeglöckchen

Die Rose

An Georg Herwegh

An Byron

Dem Vater Jahn

Gruß zum Sängerfest

Elbeisgang

Klöpplerinnen

An Alfred Meißner

Thüringer Wald

Johannisnacht im Münster zu Straßburg

Volkers Lied, bei Siegfrieds und Chriemhildens Verlobung

Römisch und Deutsch

Wartburg

Weserfahrt

Vom Dorfe

Wohlauf

Gott im Himmel sieh darein!

Im Dom zu Breslau

Auf dem Kynast

Die Wachtel

Gelübde

Im Hirschberger Thal

Bergbau

Wär' ich gestorben!

Ich schmücke meinen Speer

Am längsten Tage

Epilog der »Lieder eines deutschen Mädchens. 1847.«

Und ich bin nichts als ein gefesselt Weib!

Robert Blum

Talismann

Am Schluß des Jahres 1849

Abteilung 2. Aus den Jahren 1850–1860

Aus der Gefängniszeit

Ein Gefangner

Sonette

Dem Befreiten

Moosrose

Geständnis

Der Sohn des Volkes

An Richard Wagner

Drachenfels

Nebel

Zwei Frauen aus der Reformationszeit

Konrad Celtes

Ein gekrönter Dichter

Victoria regia

Abteilung 3. Aus den Jahren 1860–1870

An August Peters. (Elfried von Taura.)

Freihut

Eine Kaiserin

Keno Hässelaer

Muckensturm

Maria von Medicis in Köln

Heinrich von Meißen, genannt Frauenlob

Die Aebtissin von Lindau

Die erste Schwalbe

Blumengeister

Romantik

Was ist die Liebe denn?

Neue Waffe

Dem toten Gatten

Christbescherung

Jahreswechsel

Eine Ostererinnerung

Pfingstgruß

Mission der Kunst

Natur und Kunst

Einem Baubruder

Einem Künstler

Weihe zu den 1868 erschienenen Gedichten

Für alle

Abteilung 4. Aus den Jahren 1870–1880

Zur Kriegserklärung

Den deutschen Frauen

Ich bin bereit

Germanias Standbild auf dem Niederwald

Jung-Elschen

Korn und Wein

Die Nachtigall von Werawag

Heimat

Remontanten und Centifolien

Abteilung 5. Aus den Jahren 1880–1893

Rückblicke

Des Jahres erste Hälfte

Seligkeit

Des Lebens Lied

Weihe der Freundschaft

Mein Dankesgruß

Ernte und Saat

Nachklang

Frauenbewegung:

Inhaltsverzeichnis

Aufsätze aus der »Frauen-Zeitung«

Inhaltsverzeichnis

Programm

Die Freiheit ist unteilbar

Bücherschau

Krieg

Sendschreiben an alle »Verbrüderten«1

Assoziation für Alle!

Bücherschau

Überall wie hier

Vortrag, gehalten im demokratischen Frauen-Verein zu Oederan, im Januar 1849

Vortrag, gehalten im demokratischen Frauen-Verein zu Oederan, im Januar 1849 (Fortsetzung.)

Der Volkskreuzzug in Ungarn

Vortrag, gehalten im demokratischen Frauen-Verein zu Oederan, im Januar 1849 (Schluß.)

Für die Arbeiterinnen

Für die Arbeiterinnen (Schluß)

Bücherschau [2]

Bücherschau [3]

Für die Arbeiterinnen. Zweiter Artikel

Für die Arbeiterinnen. Zweiter Artikel (Schluß)

Die Demokratinnen

I. Die Forcierten oder Gemachten

II. Die Isolierten oder Zurückgezogenen

III. Die Frivolen oder Unsittlichen

IV. Die Enthusiasmierten oder Begeisterten

Bücherschau [4]

Über Robert Blum

Zur Ermutigung

Bücherschau [5]

Der bewaffnete Friede

§ 12. des Entwurfs eines Preßgesetzes für das Königreich Sachsen

Abschiedswort

Programm

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte aller Zeiten, und die heutige ganz besonders, lehrt, daß diejenigen auch vergessen wurden, welche an sich selbst zu denken vergaßen! – Das schrieb ich im Mai des Jahres 1848 hinaus in die Welt, als ich zunächst meine Worte an die Männer richtete, die sich in Sachsen mit der Frage der Arbeit beschäftigten – ich mahnte sie damit an die armen Arbeiterinnen, indem ich für meine Schwestern das Wort ergriff, auf daß sie nicht vergessen wurden!

Dieser selbe Erfahrungssatz ist es, welcher mich zur Herausgabe einer Frauen-Zeitung veranlaßt. Mitten in den großen Umwälzungen, in denen wir uns alle befinden, werden sich die Frauen vergessen sehen, wenn sie selbst an sich zu denken vergessen!

Wohl auf denn, meine Schwestern, vereinigt euch mit mir, damit wir nicht zurückbleiben, wo alle und alles um uns und neben uns vorwärts drängt und kämpft. Wir wollen auch unser Teil fordern und verdienen an der großen Welt-Erlösung, welche der ganzen Menschheit, deren eine Hälfte wir sind, endlich werden muß.

Wir wollen unser Teil fordern: das Recht, das Rein-Menschliche in uns in freier Entwickelung aller unserer Kräfte auszubilden, und das Recht der Mündigkeit und Selbständigkeit im Staat.

Wir wollen unser Teil verdienen: wir wollen unsere Kräfte aufbieten, das Werk der Welt-Erlösung zu fördern, zunächst dadurch, daß wir den großen Gedanken der Zukunft: Freiheit und Humanität (was im Grunde zwei gleichbedeutende Worte sind) auszubreiten suchen in allen Kreisen, welche uns zugänglich sind, in den weiteren des größeren Lebens durch die Presse, in den engeren der Familie durch Beispiel, Belehrung und Erziehung. Wir wollen unser Teil aber auch dadurch verdienen, daß wir nicht vereinzelt streben nur jede für sich, sondern vielmehr jede für alle, und daß wir vor allem derer zumeist uns annehmen, welche in Armut, Elend und Unwissenheit vergessen und vernachlässigt schmachten.

Wohl auf, meine Schwestern, helft mir zu diesem Werke! Helft mir für die hier angedeuteten Ideen zunächst durch diese Zeitung wirken! –

Ich meine nun zwar alles gesagt zu haben, was über die Tendenz dieser Zeitung zu sagen ist – aber leider muß ich denen Recht geben, welche mir zuflüstern, umgekehrt von der gewöhnlichen Redensart, »es sei mit dem Positiven nicht genug«: ich müsse auch noch Negatives hinzufügen – will hier sagen: ich müsse mich und diese Zeitung vor Mißverständnissen schützen. – Nein! ich kann darüber keine Worte machen! ich berufe mich auf mein Leben, auf mein schriftstellerisches Wirken seit 1843 – wer etwas davon kennt, wird wissen, daß ich nicht zu den sogenannten »Emanzipierten« gehöre, zu denen, welche das Wort »Frauen-Emanzipation« in Mißkredit gebracht haben, indem sie das Weib zur Karrikatur des Mannes herabwürdigten. Für diejenigen, die noch nichts von mir wissen, möge einstweilen die Versicherung genügen, daß ich eben durch die Tendenz dieser Zeitung dem Irrtum entgegenzuarbeiten hoffe, welcher oft gerade die begabtesten Frauen veranlaßte, ihr Streben nach geistiger Freiheit in der Zügellosigkeit der Leidenschaften zu befriedigen. – Man wird also weder mich noch meine mitarbeitenden Schwestern zu diesen »Emanzipierten« werfen können, wohl aber werden wir stolz darauf sein, wenn man uns Nachfolgerinnen jener edlen Jungfrau aus Bethanien nennt, von welcher das leuchtende Vorbild aller Menschen sagte: »Maria hat das bessere Teil erwählt!« –

So fordere ich denn hiermit alle gleichgesinnten Schriftstellerinnen und Schriftsteller, welche für die Rechte der Frauen in die Schranken traten, auf, mich bei diesem Unternehmen durch Beiträge zu unterstützen. Ich bitte auch diejenigen meiner Schwestern, die nicht Schriftstellerinnen sind, um Mitteilungen, zunächst die Bedrückten, die armen Arbeiterinnen, auch wenn sie sich nicht geschickt zum stilisierten Schreiben fühlen; ich werde ihre einfachen Äußerungen gern, wenn nötig, verdolmetschen – aber es liegt mir daran, daß gerade ihre Angelegenheiten vor die Öffentlichkeit kommen, so kann ihnen am ersten geholfen werden.

Alle Gesinnungsgleichen lade ich zum recht zahlreichen Abonnement ein, damit das Unternehmen gedeihen könne!

Louise Otto

Die Freiheit ist unteilbar

Inhaltsverzeichnis

Die Freiheit ist unteilbar! – Dies ist ein so einfacher Lehrsatz, daß er der erste Artikel in jedem Glaubensbekenntnis sein sollte. Gleichwohl müssen wir es täglich erfahren, daß er noch nicht überall Eingang gefunden, vielmehr nur bei gar wenigen Fleisch und Blut geworden ist. Es meinen viele, sich Freiheitskämpfer nennen zu dürfen, welche doch von dem Ideal der Freiheit mit ihren Gedanken ferne sind und nur von einzelnen Freiheiten etwas wissen wollen, für deren Erringung sie sich abmühen. Wieviel z.B. ist in unserm Deutschland besonders nicht für Glaubensfreiheit gekämpft und gelitten worden, wieviel edle Männer und Frauen sind nicht dafür in den Tod gegangen. Sie nannten sich Freiheitskämpfer und wollten doch weiter nichts als die Freiheit, Gott anzubeten und ihm zu dienen je nach ihrem Bedürfnis. Weiter fragten sie nach nichts. So gibt es heute noch viele – ja selbst unter den Lichtfreunden und Deutschkatholiken – welche sich nicht scheuen, selbstgefällig zu erklären, daß ihr Streben nach religiöser Freiheit nichts gemein habe mit dem Streben nach politischer Freiheit, ja daß sie selbst ohne diese, sobald man ihnen nur eben jene garantiere, ganz zufrieden zu leben vermöchten. Höchstens bringt man diese heute mit der Frage in Verlegenheit: ob sie denn allen Ernstes einen so kindlichen Glauben haben, daß es ihnen nie einfällt zu bedenken, ob ein Staat, der nicht auf den Grundpfeilern der Freiheit ruht, in seinen engherzigen, bevormundenden Institutionen auch wirklich die religiöse Freiheit garantieren könne, davon noch gar nicht zu sprechen, ob er es wolle. Besonders aber meinen diejenigen sich Freiheitskämpfer vor allen andern nennen zu dürfen, welche nur den politischen Fortschritt im Auge haben und ihm allein dienen. Dazu gehören vor allen die Liberalen vor dem März, die nur nach einzelnen Freiheiten rangen, wie Preßfreiheit, Versammlungsfreiheit usw., und die man deshalb damals, als wir sogar dieser Güter noch entbehren mußten, für Freiheitshelden hielt. Einige von ihnen, die Beschränkten und Engherzigen, deren Blicke nie über den engen Horizont des Konstitutionalismus hinausgingen, sind auf derselben Stufe stehengeblieben, auf der sie damals standen, und wer vor dem März als Freiheitsmärtyrer dastand, erweist sich jetzt als gutgesinnter Reaktionär. – Andere hingegen von diesen Politikern setzen mit den errungenen einzelnen Freiheiten, wie Preßfreiheit usw., den Kampf um andere einzelne Freiheiten fort, sie kämpfen für die honnette Republik, nehmen sich die Freiheit, den Adel abzuschaffen und sich selbst, die Bourgeoisie, an dessen Stelle zu setzen – aber sie beweisen durch all diese Bestrebungen, daß sie nichts wissen von der einen unteilbaren Freiheit! Und die Sozialisten? und die soziale Freiheit? Die Sozialisten, welche meinen, ihre Utopien mit Hülfe einer Zwingherrschaft gründen zu können, welche über den politischen Fortschritt geringschätzend lächeln und an die Stelle religiöser Freiheit einen erzwungenen Atheismus setzen wollen – die freilich sind eben so fern von der Erkenntnis des Satzes: die Freiheit ist unteilbar! Sie kann nicht in dem einen Zustande sein und in dem andern mangeln – die wahre Freiheit ist eben die Gottheit, die man nicht auf dem oder jenem Berge nur anbeten kann, sondern die man verehren und ihr dienen muß und kann allenthalben, wo ihr auch noch kein Tempel errichtet ist.

Und nun laßt uns einmal fragen, wie viel Männer gibt es denn, welche, wenn sie durchdrungen sind von dem Gedanken, für die Freiheit zu leben und zu sterben, diese eben für alles Volk und alle Menschen erkämpfen wollen? Sie antworten gar leicht zu Tausenden mit Ja! aber sie denken bei all ihren endlichen Bestrebungen nur an eine Hälfte des Menschengeschlechts – nur an die Männer. Wo sie das Volk meinen, da zählen die Frauen nicht mit.

Aber die Freiheit ist unteilbar! Also freie Männer dürfen keine Sklaven neben sich dulden – also auch keine Sklavinnen. Wir müssen den redlichen Willen oder die Geisteskräfte aller Freiheitskämpfer in Frage stellen, welche nur die Rechte der Männer, aber nicht zugleich auch die der Frauen vertreten. Wir können so wenig, wie sie uns selbst zu Bundesgenossinnen haben wollen, sie die Bundesgenossen der Fahnenträger der Freiheit nennen! Sie werden ewig zu dem »Halben« gehören, und wenn sie auch noch so stolz auf ihre entschiedene Gesinnung sein sollten.

L. O.

Bücherschau

Inhaltsverzeichnis

Paris und Berlin. Roman aus der neuesten Zeit von M. Norden. Zwei Teile.

Leipzig. Adolph Wienbrack, 1849.

Es freut mich, die Reihe der Bücher, die ich nach und nach in diesen Blättern zu besprechen gedenke, mit einem Werke beginnen zu können, das ich allen Leserinnen aufs beste empfehlen darf.

Ohne zu weitläufige und ermüdende Kritiken geben zu wollen, scheint es mir doch nötig, die neu erscheinende Literatur im Auge zu behalten und die Resultate dieser Überblicke in dieser Zeitschrift niederzulegen. Daß dabei auf die Werke der Schriftstellerinnen besonders Rücksicht genommen werden wird, versteht sich, aber der Einseitigkeit, nur diese etwa zu besprechen, weil diese Zeitung für Frauen bestimmt ist, soll niemals gehuldigt werden. Am meisten Berücksichtigung werden diejenigen Werke finden, die sich mit der sozialen Reform beschäftigen, welcher wir dienen, und insofern auch die Frage der weiblichen Emanzipation behandeln.

Nach dieser notwendigen Vorbemerkung wenden wir uns zu dem vorliegenden Buche!

M. Norden gehört zu den wenigen Schriftstellerinnen, die sich vorzugsweise der sozialen Frage zugewendet haben. Sie hat dies schon in ihren »Feldblumen« getan, die 1847 erschienen, und hier erblicken wir sie wieder auf demselben Gebiet. Das Geld, dieses unheimliche Gespenst, das besonders in den Zuständen der Gegenwart auf eine so fürchterliche Weise spuken geht, es spielt auch in ihren Romanen eine Hauptrolle, welche ein getreuer Spiegel der Gegenwart sind. Es würde zu weit führen, hier auf den sehr verwickelten Inhalt, der immer spannend und interessant ist, näher einzugehen; um aber zu zeigen, wie wahr und tief die Verfasserin die soziale Frage erfaßt, sei hier einiges aus den Geständnissen einer Verbrecherin mitgeteilt, das sie ihrer von ihr betrogenen Freundin macht:

»Ich kämpfte den Kampf des Armen gegen den Reichen mit aller List und aller Hartnäckigkeit, welche mir die raffinierte Schlauheit meiner Geisteskräfte eingab. Die Verderbnis meines Gemütes gab mir noch schrecklichere Waffen als diese. Ich sah dich reich und glücklich; ich war arm, und ich haßte Dich, weil Du besaßest, was mir fehlte, und ich scheute keine Mittel, um Dir, der Gehaßten, Bevorzugten, das zu entreißen, was Dir dies unendliche Übergewicht über mich gab. Mit kaltem Blute würde ich Dich ins Verderben gestürzt und einen höllischen, innerlichen Triumph gefühlt haben, so ich dich dann so elend gewußt hätte, wie mich selbst! – Dies brennende Verlangen, reich und durch den Reichtum angesehen und geehrt zu werden, stachelte mich von meiner Kindheit an zum ruchlosen Handeln auf. Ich wurde schon in meinem Dorfe das Opfer eines Wüstlings, dessen Außenseite schön war und den ich reich glaubte, weil seine Gewohnheiten mich dies vermuten ließen. – Ich kam wieder in das Haus einer Frau, die die Wohltäterin meiner Kindheit gewesen war; auch sie war reich, darum war sie meine Feindin, so gut, wie jede andere, gleich ihr Begünstigte. Ich entwendete ihr von ihrem Reichtum, was ich ihr überflüssig hielt – und wurde nach der Entdeckung mit Schimpf und Schande auf die Straße gewiesen, mein Brot zu suchen, wo ich es finden könnte. – Ich fand Dich wieder reicher, glücklicher noch, als ich es gedacht hätte. Der Mann, der meine erste Jugend betrog, weil ich arm und deshalb für ihn unbedeutend war, erkor Dich am ersten Tage seiner Bekanntschaft mit Dir zu seiner Gattin, weil Du reich warst! – Du nahmst den Platz seiner rechtmäßigen Frau ein, der mir geweigert worden war, weil ich arm war.« –

So sei dies Buch bestens empfohlen. Auch die Ausstattung, welche ihm die Buchhandlung hat angedeihen lassen, verdient anerkannt zu werden.

L.O.

Krieg

Inhaltsverzeichnis

»Wie? Die Sittlichkeit will Duell-Mandate nur Einzelwesen, nicht Völkern geben? Eher müßte sie die Zweikämpfe als die Millionen-Kämpfe sekundieren; denn jene zeugen mehr Ehre, diese mehr Unglück. – Das Unglück der Erde war bisher, daß zwei den Krieg beschlossen und Millionen ihn ausführten und ausstanden, indes es besser, wenn auch nicht gut gewesen wäre, daß Millionen beschlossen hätten und zwei gestritten. Denn da das Volk fast ganz allein die ganze Kriegsfracht auf Quetschwunden zu tragen bekommt und nur wenig von dem schönen Fruchtkorben des Friedens, und oft die Lorbeerkränze mit Pechkränzen erkauft; – da es in die Mord-Lotterie Leiber und Güter einsetzt und bei der letzten Ziehung (der des Friedens) oft selber gezogen oder als Niete herauskommt: so wird seine verlierende Mehrheit viel seltener als die erbeutende Minderzahl ausgedehntes Opfern und Bluten beschließen. Wenn jetzt der Krieg nur wider, nicht für die Menge, und fast nur von ihr geführt und erduldet wird –: so willigte gewiß ein jetziges Land in einen mehr opfernden als reichenden Krieg viel langsamer als sonst die barbarischen, hungernden Völker, welche nicht anders sich satt essen konnten als mit dem Schwerte in der Hand als Gabel.«

Wenn ein Weib seinen sittlichen Abscheu gegen den Krieg aussprechen will, so muß es wohl auf seiner Hut sein, daß die Leser nicht wegwerfend die Achseln zucken und meinen: so kann mir ein Weib sprechen! Ich habe deshalb mit den Worten eines edlen deutschen Mannes begonnen – mit denen unsres Jean Paul. Sie stehen in seiner »Kriegserklärung gegen den Krieg« in seinen »Dämmerungen für Deutschland«, einem Buche, das gerade vor vierzig Jahren erschien. Und immer noch leben wir in diesen Dämmerungen! Jean Paul ist ihnen schon lange entrückt und sieht vielleicht, wie er so oft geschildert, aus seinen Sonnen-Höhen herab auf seine liebe Erde und lächelt wehmütig, daß wir's in Deutschland immer noch nicht weiter als bis zur Dämmerung gebracht haben, wenn auch der Gedanke, den vor vierzig Jahren vielleicht er allein von Tausenden unbeachtet oder belächelt aussprach, jetzt von ebenso vielen ihm nachgesprochen wird, der Gedanke: »Auf der kleinen Erde sollte nur ein Staat liegen – um den häßlichen Widerstreit zwischen Moral und Politik, zwischen Menschenliebe und Landesliebe auszutilgen –; nicht aber eben eine Universal-Monarchie sollte sein, weil diese wenigstens die Bürgerkriege zuließe, sondern eine Universal-Republik von vereinigten Provinzen.« –

Da liegen sie vor mir, die Zeitungsberichte vom Kriegsschauplatze aus Schleswig-Holstein. – Ich brauche es nicht erst in den Zeitungen zu lesen, ich les' es auf hundert Gesichtern um mich her, welch ein Ungeheuer der Krieg ist! Da ängstigen sich alte Eltern um den einzigen Sohn, der ihnen noch keine Kunde gesendet, ob er noch lebend und unverletzt ist – da betrauert die Mutter ihren einzigen, der die Stütze ihres einsamen Alters war und von dessen Tod ihr bereits die schreckliche Gewißheit geworden – da irren Witwen und Waisen einher, die noch gestern glückliche Gattinnen und glückliche Kinder waren – da jammern Hunderte über ihre Lieblinge, die sie beim Abschied in der Blüte der Kraft und Gesundheit verließen und die sie nun entweder gar nicht oder mit verstümmelten Gliedern wiedersehen. – –

Aber ihr sagt, das sind nur Weiber-Schmerzen, die wiegen nichts, wo es sich um Völker-Schicksale handelt! Wohl, ich sage mit euch so – aber ich bitt' euch: seht euch nur diese Völker-Schicksale ein wenig näher an und fragt, wer diese Kämpfe über uns verhängt und wer sie entscheidet?

Antwort: die Regierungen, die Fürsten.

Deutschland und Dänemark – warum würden sie Krieg zusammen führen, wenn es nicht im Interesse ihrer Fürsten geschähe? Freie Völker bekämpfen einander niemals. Wäre Dänemark ein freier Staat – was kümmerte es dies Land, ob Schleswig-Holstein eine dänisch redende Regierung hätte, wenn es nur im friedlichen Vertrag mit Dänemark lebte? Und wieder! wäre Deutschland ein mächtiger Freistaat, wie könnt' es einem so viel kleineren Staat wie Dänemark nur einfallen, ein Glied von diesem großen Ganzen reißen zu wollen? Der Krieg um Schleswig-Holstein ist nichts als ein dynastischer Erbfolgekrieg – solche Kriege werden unmöglich sein, wenn es seine Erbfolge und keine Dynastien mehr geben wird.

Vor'm Jahre begann dieser Krieg damit, daß eine Freischar begeisterter deutscher Jünglinge vorangestellt und hingemordet ward – nach dem Sieg der Deutschen, als diese den Krieg bald siegreich beenden konnten, ward ein schmachvoller Waffenstillstand geschlossen, weil es den Diplomaten so gefiel – dies Jahr stehen, fallen und siegen unsere braven sächsischen Truppen in den ersten Treffen, diese Soldaten, die freilich von dem Fürsten darum am besten gegen den »äußern« Feind zu führen sind, weil sie verlernt haben, an einen »innern« Feind zu glauben, – und was weiter wird, noch harren wir! – Der König von Preußen wünscht den Krieg mit Mäßigung geführt, und es ist bereits wieder von russischen Noten und Waffenstillstand die Rede. – Wird diesmal dieser Krieg nicht mit Energie und siegreich beendet, da es denn einmal Krieg sein mußte: dann ist das Blut unserer deutschen Brüder nicht, wie wir uns jetzt noch trösten wollen, auf dem Felde der Ehre und zum Ruhme des Vaterlandes geflossen, dann ist es das Blut unglücklicher Schlachtopfer auf dem Richtplatze oder zum Spaß vergossen, wie Nero römisches Blut fließen und Römer verbrennen ließ, nur um sich und dem Volke ein Schauspiel zu geben – dann bleibt uns Frauen nichts anderes, als endlos zu jammern und zu trauern über jeden in diesem Kriege Erschlagenen und Verstümmelten, nichts als der Ruf: »Weh allen, denen schuldlos Blut klebt an den Henkershänden!«.

Uns Frauen! aber was bleibt den Männern? – o, ein echter Mann wird schon Antwort haben!

L.O.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
18+
Litres'teki yayın tarihi:
05 şubat 2026
Hacim:
1812 s. 4 illüstrasyon
ISBN:
9788027204908
Yayıncı:
Telif hakkı:
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