Kitabı oku: «NACHT ÜBER DUNKELHEIT», sayfa 3

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3. Kapitel: Leidige Diskussionen

Die Abendsonne verschwand hinter den spitzen, baumlosen Gipfeln der Heros Rocks. Der Gebirgszug warf lange Schatten auf die roten Ziegeldächer und den Innenhof des Schlosses, um den sich das Palais, einige Türme, Kasernen und Wirtschaftsgebäude aus gelbem und rotem Sandstein quetschten. Eine Garde in türkisfarbenen Gewändern verließ gerade den Burghof, als sich mitten über den gelben Sandsteinplatten ein magisches Portal als roter Lichtpunkt öffnete. Mit einem leisen Surren wuchs es in die Form eines ovalen Kreises und wurde immer gelblicher. Das Portal schwebte kurz über dem Boden und wechselte ständig die Farbnuancen zwischen Hellgelb, Goldgelb und Orange. Ein Gefolge erschien darin und trat heraus. Es waren Ritter in den Uniformen von Starkenberg. Ihre Schilder verrieten durch ein Symbol, das wie ein Haken aussah, dass die Männer zur Neunten Armee, dem größten Infanterieverband des Großherzogtums, gehörten. Siegmund trat hindurch. Er trug wie so oft die traditionelle Herrscherkluft der Herren von Starkenberg: der dunkelrote Mantel mit dem gelbem Innenfutter auf der königsblauen Weste, darunter das weiße Hemd und die pechschwarzen Hosen. An seinem schwarzen Ledergürtel prangten Schwert und Dolch, deren Griffe mit schwarzem Leder umwickelt war. Knauf und Stange waren wenig verzierter, aber elegant geschwungener Stahl. Passend dazu trug er schwarze, geschnürte Reiterstiefel. Die Männer standen stramm mit dem Schild an der linken Seite und der Schwerthand flach am Oberschenkel. Lady Margaret ging an seiner Seite. Sie war eine ältere Dame von um die Siebzig, doch ihre Bewegungen waren flink und anmutig. Sie trug ein langes orangefarbenes Seidenkleid mit gleichfarbigem Umhang. In der rechten Hand hatte sie einen langen Zauberstab aus Buche, mit einem leuchtend orangefarbigen, quadratischen Turmalin an der Spitze, welcher von ihrem königsblauen Haar überragt wurde. Siegmund und Lady Margaret waren in ein Gespräch vertieft.

»Sobald Ihre Bediensteten hindurch sind, werde ich das Portal wieder schließen, damit ich nach Hause zurückreisen kann.«

»Ihr bleibt nicht über Nacht?«, fragte der Großherzog.

»Nein, Mike und ich haben genug um die Ohren.«

»Also keine Fortschritte.«

»Leider immer noch nicht.« Lady Margaret schüttelte den Kopf. »Die Ermittlungen stocken, als ob er vom Erdboden verschluckt wäre. Es ist zum verzweifeln.«

Siegmund nickte ernst. »Das tut mir Leid.«

»Danke. Diese Ungewissheit ist das Schlimmste.« Lady Margaret seufzte. Sie schwiegen und sahen am Schlossgebäudes vor sich empor bis zur Baustelle des unfertigen Dachstuhls. Die Geräusche der großherzoglichen Diener durchbrach die Stille zwischen den beiden.

Nach einer ganzen Weile kam Volker vorbei mit Vigor im Schlepptau, der sich sehr unsicher fühlte. Der kleinere Junge sah sich ständig um, nicht wissend wo er war, was man von ihm erwartete und was er hier eigentlich sollte. Volker trat von hinten an seinen Vater heran, um zu verkünden, dass sie alle durch waren. Volker hatte die Zeit verbummelt und war daher der letzte.

»Es ist hart jemanden zu verlieren«, meinte Lady Margaret schließlich. Volker stockte und hielt Vigor mit der Hand vor der Brust zurück. Vigor sah ihn fragend an.

»Ihr habt mein vollstes Mitgefühl«, erwiderte der Großherzog.

»Wenn jemand das versteht, dann Ihr.«

Volker hatte es befürchtet: das Thema. Er zog den sich widerstrebenden Vigor schleunigst fort.

»Ein verlorenes junges Leben«, seufzte Lady Margaret.

Vigor schüttelte den Kopf. Er wollte gar nicht weg. Erst Volkers alarmierender Blick überzeugte ihn. Vielleicht half auch, dass der große Junge zog, als würde Vigor wieder im Schlamm stecken.

»Es ist das Kreuz, wenn man sich einem Kind annimmt«, erzählte Lady Margaret. »Man öffnet ihm sein Herz. Und wenn dann etwas schief geht, dann ist man verwundbar.«

Siegmund schüttelte den Kopf. »Es konnte ja keiner ahnen, dass man dem Bub etwas antun wollte.«

»Wie könnte man auch. Er war doch so ein netter Junge.«

Volker zog Vigor außer Hörweite in einen Seiteneingang. Vigor riss sich los. »Sag mal, was ist mit dir denn los?«

»Was bleibst du da stehen?«, erwiderte Volker.

Vigor zuckte mit den Achseln. Volker verschränkte die Arme. »Ich will nicht von traurigen Eltern gehätschelt werden.«

Vigor grinste, das war es also. Er versuchte eine besonders tiefe Stimme. »Aber wenigstens haben wir noch unseren Volker. Er ist unser ganzer Stolz.«

Er stellte sich auf die Zehenspitzen und tätschelte dem großen Jungen den Kopf. Volker sah ihn an. »Und seinen netten Vigor-Freund. Der ist so klein und süß.«

Volker kniff Vigor in die zarte Wange. Vigor zog den Kopf weg. »Lass mal stecken.«

»Sag ich doch, dass will doch wirklich keiner.«

»Hast du dich deswegen im Schloss so herumgedrückt? Von wegen Schlüssel suchen und so.«

Volker deutete auf die Tür. »Los, lass uns was zwischen die Zähne kriegen.«

4. Kapitel: Hochzeit, Krönung, Streit

Am folgenden Morgen traf sich der Rat der Magier des Nordens zu einer Besprechung des bevorstehenden Tages. Die Magier des Nordens war der Zusammenschluss der Magier nördlich des großen Meeres, dem mittlerweile fast alle bedeutenden Magier angehörten. Insbesondere der oberste Magier des Ordens der Feuerglut hatte angeregt, dass die Magier nochmal zusammentrafen, um sicherzustellen, dass man die richtige Entscheidung getroffen hatte. Die dem Rat nahestehenden Herrscher hatten sie eingeladen. Während die als Gäste geladenen Kreaturenfürsten von den Magiern bewusst nicht zu der Versammlung gebeten wurden, da sie in der Regel eher zu den möglichen Feinden des Rats gehörten.

Baron Snakeman of Bash hatte eigens ein Zimmer für die Besprechung herrichten lassen. Er führte persönlich die Magier hinein. Snakeman war ein typischer, männlicher Basherdämon. Diese Dämonen waren etwas über zwei Meter groß, von muskulöser Statur und mit leuchtend gelber Haut. Der menschliche Körper ging in einen schuppigen Hals über und wurde von einem schlangenähnlichen Kopf, gespickt mit scharfen Reißzähnen und zwei glutroten Augen, vollendet. Snakeman trug traditionell nur eine Lendenschürze. Seine nackten Füße offenbarten vier gleich große Zehen mit scharfen Krallen. »Das ist der runde Lesesaal«, erklärte er.

Lady Margaret nickte wohlwollend, während sie sich umsah. »Es ist sehr schön geworden.«

»Habt Dank, my Lady.«

Es war ein rundes Zimmer im Bibliotheksturm. Der Turm thronte hoch über der Stadt wie ein Erker am Rand der Festung. Durch die schwebende Position über dem Berghang erreichte Snakeman in der Bibliothek die bestmögliche Sicht. Dies sollte zum Nachdenken und Philosophieren anregen. Snakeman wollte diesen herrlichen Blick seinen hohen Gästen natürlich zur Schau stellen.

Lady Margaret lief mit Snakeman zum Fenster. Aus den mit Klarglas besetzten Turmfenstern hatte sie einen Blick von fast zweihundertvierzig Grad. Es war eine Dreiviertel-Rundumsicht. Neben der gesamten Stadt war auch das Nordende der Bash-Golden-Sands vollständig überblickbar, bevor die Dünen am Horizont verschwanden. Ansonsten beengten nur das Magiergebirge und die Heros Rocks die Sicht.

Der Rat hatte an einer runden Tafel aus Buchenholz Platz genommen, die normalerweise in einem anderen Saal stand und dort als Speisetisch der hohen Hofbediensteten fungierte. Um sie herum waren Buchregale aufgestellt, die zum größten Teil bereits mit vielen dicken Büchern gefüllt waren. Snakeman hatte alle Bücher die er auftreiben konnte, zusammentragen lassen, damit die Bibliothek nicht so leer aussah, wie sie eigentlich noch war. Viele Abschriften waren einfach noch nicht fertig. Den Fußboden bedeckte ein dicker, dunkelgrüner Teppich, um die Geräusche zu dämmen. Dies hatte sich Snakeman von der Universität in Keeper’s Town abgeschaut. In der dortigen Bibliothek war ebenfalls ein Teppichboden ausgelegt. Die Wände waren nackter Stein zu weiten Teilen von den großen Regalen davor verdeckt. Auch die Rundbogendecke zeigte die natürliche Pracht der roten und gelben Sandsteine.

Kinder waren zur Versammlung nicht zugelassen, aus Angst dass sie sich verplappern könnten. Auch Vigor und Volker sollten in ihrer Kammer bleiben. Doch die Jungen hatten bereits das Schloss erkundet und Volker beschloss, dass das Verbot die Herausforderung des Tages war. Nachdem Vigor und Volker den ahnungslosen Bony über die Sitzung gelöchert hatten und so den Sitzungsort erfuhren, schlichen sich die beiden Jungen noch vor der Sitzung in die Bibliothek und verbargen sich in einem Bücherregal nahe der Türen. Jenes stand mit dem Rücken zum Tisch. Die Seitenwand bot ihnen Blickschutz vor den hereintretenden Personen. Vigor schloss bei jedem vorbeigehenden Ratsmitglied kurz die Augen, hoffend sie würden unentdeckt bleiben. Dagegen lugte Volker beständig nach den Mitgliedern.

Siegmund, Lady Margaret und Sonnenorden Senior kamen vorbei. Letzterer war ein großer, greiser Mann mit weißem Haar und langem Bart, den ein goldgelbes Gewand kleidete, das fast bis auf den Boden reichte. Er war wohl mindestens so alt wie Lady Margaret. Sein Mahagoni-Stab zierte ein großer, zitronengelber Moissanit im Treppenschliff. Die drei unterhielten sich flüsternd und für die Jungen unverständlich.

Dahinter folgten John, Karolina sowie Hohen-Himmelsstein und Blütenthal, ebenfalls im Gespräch vertieft. Der König von Blütenthal war ein breitschultriger Mann, der bereits jenseits der Siebzig sein musste. Der Großfürst of Siege schritt hinter ihnen her, als bewachte er die Gruppe vor sich. Er war etwa vierzig Jahre alt, mit schartiger Haut, hartem Blick und strenger Miene. Unter seinem grünen Mantel hatte er mindestens ein Schwert, eine Wurfaxt und einen Dolch.

Schließlich trat ein Magier in scharlachroter Gewandung ein und schritt mit zügigen Schritten an dem Versteck der beiden Jungen vorbei. Feuerglut trug einen großen Rubin in einem Dreiecksrosettenschliff an seinem Stab aus Walnussholz. Seine Gesichtszüge waren streng oder ernst, das ließ sich für Vigor nicht erschließen, als er auch mal hinaus lugte. Der Rote Magier war wohl um die vierzig Jahre alt.

Mitternacht, die violette Magierin, blieb unvermittelt genau neben dem Versteck der Jungen stehen. Sie war etwa in Feuergluts Alter, mit rabenschwarzem Haar und blassem Teint. Ihr Gesicht war schön mit samtener Haut, feinen Gesichtszügen und kleiner Nase, aber irgendwie kalt im Ausdruck. Vigor würde es als arrogant beschreiben. Sie runzelte die Stirn und sah sich um. Vigor fragte sich warum, fürchtete aber, dass es mit ihnen zusammenhing. Wie konnte die Frau sie hören? Er hielt die Luft an. Selbst Volker verließ sein Guckloch. Mitternacht bewegte sich nicht, sondern begann das Regal von oben nach unten zu mustern. Wenn sie weiter um den Schrank herumging, würde sie die beiden Jungen entdecken. Sie begann sich zur Seite zu neigen. Ihre Augen wichen nicht von dem Regal.

Dann tauchte Darkcast auf und Mitternacht begab sich abrupt zu ihrem Stuhl ohne sich nochmal umzusehen. Vigor atmete auf. Die Reaktion von Mitternacht und die riesige Gestalt des Schwarzen Magiers beeindruckte die Jungen. Darkcast war ein großer, kräftig gebauter Mann von etwas über dreißig mit kurz gehaltenem, dichten schwarzen Haar. Er trug ein pechschwarzes Gewand und darüber einen langen, schwarzen Mantel, obwohl es nicht kalt war. Der Mantel streckte die massigen Körperkonturen, die von einer ungeheuren Kraft zeugten. Eine kurze Waffe zeichnete sich unter seinem rechten Arm ab. Sein Gesicht war markant mit stolzen Gesichtszügen und einer Hakennase. Trotz der glatten Rasur zeugten die dunklen Punkte auf seiner Haut von einem kräftigen Bartwuchs. Seine Haut wirkte leicht gebräunt. Der Schwarze Magier schlenderte auf sie zu mit den Händen in den Manteltaschen. Im langsamen Vorübergehen murmelte Darkcast etwas, dass für Vigor wie »Böse Jungs; böse, böse Jungs«, klang.

Dann begab sich der riesige Mann zum Tisch. Vigor war sich nicht sicher ob Darkcast oder Siegmund größer war. Sie hatten beide eine geradezu dämonische Statur, selbst im Vergleich zu den anderen muskulösen Rittern, die anwesend waren. Weitere Magier und Adelige traten ein, doch weder Vigor noch Volker wagten es erneut zu schauen.

Als die Buchentür die Geräusche des Treibens im Schloss aussperrte, eröffnete Feuerglut schließlich das Gespräch. Snakeman war wieder gegangen. Er hatte noch eine Hochzeit vorzubereiten.

»Ich weiß nicht, ob das Krönen eines Dämons eine so gute Idee ist.«

Lady Margaret sah ihn an. »Warum nicht?«

»Nun ja, wir haben im Norden doch recht viele Probleme mit den Bashern«, erklärte der Rote Magier. »Wir wollen nicht, dass sie durch Verbündete die Oberhand gewinnen.«

»Da könnt Ihr unbesorgt sein. Dies wird nicht geschehen, da wir entsprechende Vereinbarungen getroffen haben.«

»Seid Ihr Euch sicher, dass diese eingehalten werden?«

»Absolut. Ich habe sein Wort.«

»Es ist das Wort eines Dämons«, bemerkte Feuerglut.

»Das kann genauso gut, wie das eines Menschen sein«, bestand Lady Margaret. »Wir reden schließlich nicht von einer dummen Bestie.«

»Aber die Ausbildung und Förderung verschiedener Kreaturen ruft auch Probleme hervor«, warf Sonnenorden ein, »beispielsweise bei den Drachen.«

»Nur wenn sie unterdrückt werden«, erwiderte Lady Margaret.

»Die Unterdrückung der niederen Rassen ist berechtigt«, bemerkte Siege. »Außerdem stabilisiert es die Gesellschaft.«

»Nein, tut es nicht. Und ferner ist die Frage der niederen Rasse sicherlich Ansichtssache.«

»Ebenso ist die Ausbildung von Nichtmagiern kein Problem«, mischte sich Darkcast ein, »zumindest nicht, wenn einige Magier und Aristokraten damit umgehen könnten. Aber das ist natürlich zu viel verlangt.«

»Wollt Ihr damit andeuten«, fragte Sonnennorden, »dass zum Beispiel der Übergriff der Drachen auf das Großherzogtum kein hausgemachtes Problem seitens der Universität ist?«

»Ganz recht, ist es nicht.«

Siegmund schloss sich dem Schwarzen Magier an. »Man kann einem Raubtier nicht das Jagen verbieten.«

»Es ist natürlich klar, dass Ihr Darkcast die Basher verteidigt«, mischte sich Mitternacht ein. »Schließlich bildet Ihr sie aus.«

»Hmm«, überlegte Darkcast laut. »Wer verhandelt mit den Horrors?«

»Das ist ein Nicht-Angriffspakt.«

»Ich habe da anderes gehört.«

Mitternacht reagierte auf diese Bemerkung nicht und der Schwarze Magier sah sie an. »Was ist eigentlich mit dem Metzler-Klan?«

»Letztendlich haben aber die Basher die Weißen Magier auf dem Gewissen«, rechtfertigte sich Mitternacht. »Und nicht die Horrors oder Metzler oder sonst wer.«

»Das wissen wir nicht«, stellte Lady Margaret fest. »Lediglich Kampfspuren, die auf die Basher schließen lassen, wurden gefunden.«

»Also, das sag ich doch«, entgegnete Mitternacht.

»Dies beweist lediglich, dass die Basher in einen Kampf verwickelt waren, den wir Joachim und Hannah zurechnen können. Und Domenik...« Sie schluckte.

»...gilt nur als vermisst«, beendete Darkcast ihren Satz.

»Wobei die Zeitspanne, das Schlimmste annehmen lassen muss.« Lady Margaret seufzte.

»Ich denke schon, dass die Basher ihr Ziel erreicht haben, die Familie vom Lichtermeer auszurotten«, meinte Feuerglut.

»Nein, unmöglich. Wie sollten diese Wichtel in den Turm gelangt sein?«, fragte Darkcast. »Das könnt ja nicht einmal ihr... Ach so, ihr seid ja auch so ein Wichtel.«

»Wieso kann dieser Mann nicht aufhören, Beleidigungen um sich zu werfen«, murrte Siege, wie immer viel zu laut.

»Weil er es sich leisten kann«, antworte ihm Darkcast, »mein Hampelmännchen.«

»Ich verbitte mir das!«

»Ja und?« Darkcast sah Siege an. Siege schwieg.

»Ich suche noch einen Kriegsgegner«, sagte der Schwarze Magier schließlich. »Hättet Ihr Lust?«

Antwort bekam er wieder keine. Dafür mischte sich Feuerglut ein, der mit Darkcast ohnehin noch eine Rechnung offen hatte. »Woher wollt Ihr wissen, dass der Junge im Turm ermordet wurde?«

»Laut Zeugenaussagen«, erwiderte Darkcast, »war der Junge zuletzt den Turm betreten gesehen worden.«

»Zeugen des Mordes?«

»Nein, den Mord habt Ihr erfunden«, erklärte Darkcast. »Aber eine sehr interessante These von Euch. Könntet Ihr uns noch die Tatwaffe und den Tathergang schildern? Das wäre äußerst aufschlussreich.«

»Was wollt Ihr mir unterstellen?«, fragte Feuerglut.

»Nichts, was man Euch nicht zutrauen könnte.«

»Schluss damit!«, schimpfte der Rote Magier.

»Würdet Ihr Euch bitte endlich an die Ordnung halten«, ermahnte Sonnenorden den Schwarzen Magier.

»Endlich wird für Ordnung gesorgt«, bemerkte Mitternacht. »Vielleicht sollte man den Gastgeber bitten Darkcast auszuschließen.«

»Hier lehnt sich unser Nachtgetier aber weit aus dem Fenster«, schmunzelte Darkcast.

»Das ist eine Unverschämtheit!«, keifte Mitternacht zurück. »Wie könnt Ihr bloß?!«

»Eine derartig infame Unterstellung ist untragbar«, schimpfte Lady Margret. »Die Familie vom Reich der Mitternacht ist eine lang eingesessene Magierfamilie.«

»Falscher Tempus will ich meinen«, entgegnete Darkcast.

»Genug«, mischte sich Sonnenorden ein. »Ich erwarte, dass Ihr Euch bei Mitternacht entschuldigt.«

»Und wenn nicht?«

»Entschuldigt Euch.«

»Ich habe nicht die Absicht.«

»Ich werde mit dem Gastgeber sprechen«, der Goldene Magier stand auf um zu gehen.

»Viel Spaß dabei.« Darkcast zuckte die Achseln.

»Man kann das nicht einem Dämon überlassen«, warf Siege ein. »Der eine versteht von Anstand so wenig wie der andere. Und es ist schließlich ein Basher.«

»Weil Ihr ja auch bei Moral noch nie zweigleisig gefahren seid«, grinste Darkcast.

»Ich fahre einen klaren Ethos von Tugend und Anstand«, erwiderte Siege. »In meinem Reich wird großen Wert auf die traditionellen Werte gelegt. Und diese Prinzipien werden streng eingehalten und eingefordert.«

»Die Prinzipien gelten dann für jeden, außer für Eure Familie«, bemerkte der Schwarze Magier. »Richtig?«

John schluckte hart. Er hatte Angst davor, wohin die Diskussion führen könnte. Aber Darkcast konnte das eigentlich gar nicht wissen. Andererseits wer wusste schon, was Darkcast wusste oder nicht wusste.

Der Großfürst schien die Gefahr aber nicht zu erkennen oder zu teilen. »Selbstverständlich gelten die Regeln für jedermann innerhalb des Großfürstentums.«

»Und wie steht es mit Kindern?«

John hatte es befürchtet. »Vater lass es«, versuchte er den Großfürsten zu bremsen. Doch Siege war zu sehr in der Grundsatzdiskussion befangen. »Es ist geradezu unausweichlich, die Prinzipien von früh auf an die Kinder weiterzugeben. Und Regelbruch muss daher auch Folgen haben.«

»So?«, fragte Darkcast nun. »Und was ist mit diesen beiden?« Er deutete auf die Delegation von Hohen-Himmelsstein, welcher auch John und Karolina angehörten. Der alte König von Hohen-Himmelsstein hüstelte. Siege sah verdattert aus. Mit dieser Frage hatte er nicht gerechnet und wusste, dass er sich auf sehr glattes Terrain begeben hatte. Obwohl das eigentlich seine Angelegenheit war und weder Darkcast, noch die Gäste Snakemans etwas anging, mit Ausnahme von Hohen-Himmelsstein natürlich. Siege wusste, dass er Darkcast nicht weiter provozieren durfte.

»Ja, Ihr habt recht«, gestand er schließlich ein. »Ich habe Ausnahmen machen müssen.«

Lady Margaret war verblüfft. Das Eingeständnis von Seiten des Großfürsten kam überraschend. Stille breitete sich merklich im Saal aus. Es wurde offensichtlich interessant.

»Wir sollten zur Zeremonie kommen.« Siege versuchte das Thema zu wechseln. »Ich gehe davon aus, dass der Raum vorbereitet ist.«

Doch er kannte den Schwarzen Magier schlecht.

»Kennt jemand die Geschichte von Siege und Hohen-Himmelsstein?«, fragte Darkcast.

»Das steht hier nicht zur Debatte«, warf Hohen-Himmelsstein ein.

»Jetzt schon«, entschied Darkcast. »Unser junges Kronpaar hier, hat minderjährig ein Kind gezeugt.«

Ein bestürztes Raunen ging durch den Saal.

»Das ist ein Skandal«, rutschte Blütenthal heraus.

»Aber es kommt noch viel schlimmer...« Der Schwarze Magier grinste breit.

»Es reicht!«, schimpfte Siege.

»Das war noch vor der Ehe.«

»Darkcast, hört auf«, rief Lady Margaret dazwischen. »Das ist doch nicht zu fassen.«

»Ja, die Wahrheit ist unfassbar.«

»Nein, Euer Betragen.«

»Wieso wollt Ihr es unter den Teppich kehren?«, spottete Darkcast. »Es dient schließlich der freien Meinungsbildung.«

»Schonungslose Offenlegung von Informationen, die niemandem helfen, sondern nur Schaden anrichten, ist aber vollkommen falsch.« Lady Margaret verschränkte die Arme.

»Stimmt«, erwiderte Darkcast. »Aber wer sagt, dass es niemandem nutzt?«

»Das sind alles Staatsgeheimnisse!«, schimpfte Hohen-Himmelsstein.

»Jetzt nicht mehr.«

»Und woher kommt es«, mischte sich Feuerglut ein, »dass Ihr das wisst?«

»Weil meine Spione besser sind als Eure.«

»Oder es ist alles erstunken und erlogen«, bemerkte der Rote Magier.

Darkcast wandte sich an John. »Wie alt ist Euer Sohn jetzt? Vierzehn?«

John sah auf den Boden. Was sollte er tun? Eingestehen war wohl das Beste. »Viktor wird vierzehn.«

»Und der junge Mann hier ist siebenundzwanzig Jahre alt. Stellt sich die Frage, was dreizehnjährige Jungs im Großfürstentum so treiben?«

»Diese Sexgetriebenheit...« Mitternacht rümpfte die Nase. »Bloße Fleischeslust.«

»Kindesvergewaltigung vielleicht?«, schlug der Schwarze Magier vor.

»Moment, eines nach dem Anderen«, wandte sich Siege ein. »Zwei Jugendliche hatten sich ineinander verliebt und einen Fehler begangen. Der prompt Folgen hatte.«

»Und von Kindesvergewaltigung kann nicht die Rede sein«, ergänzte Hohen-Himmelsstein. »Die beiden waren bereits ein Paar und Karolina sechzehn.«

»Ich hatte nicht gesagt, dass er sie vergewaltigt hat«, bemerkte Darkcast mit einem kalten Lächeln.

»Schön, dass Ihr Euch so gut amüsiert«, fuhr Siegmund dazwischen. »Aber ich denke Ihr habt schon genug Schaden angerichtet.« Es missfiel ihm, dass der Schwarze Magier seine Machtgelüste auf dem Rücken der jungen Leute auslebte, die sichtlich mitgenommen wirkten. Wie so oft hatte der Großherzog das Gefühl seine Zeit zu verschwenden. Diese Ratsversammlungen schienen doch nur zwei Zwecke zu erfüllen: zum einen Probleme zu verursachen und zum anderen den Unruhestiftern eine Bühne zu bieten.

»Nun gut, dem soll so sein«, brummte Darkcast. »Ich hege schließlich keinen Groll gegen das Prinzenpaar.«

John und Karolina wussten, dass es für sie doch besser war zu schweigen. Dass der Schwarze Magier diesen Fehltritt offenbarte, war ein einziger Albtraum für John, der dadurch als zukünftiger König deutlich an Ansehen einbüßte. Nur Karolinas Ruf war noch stärker geschädigt.

»Wir haben John und Karolina umgehend zwangsweise verheiratet um das Kind im Nachhinein zu legitimieren«, verteidigte Siege Sohn und Schwiegertochter. »Die beiden wurden für Ihre Fehler bestraft und es gibt keinen Grund darauf länger herumzureiten.«

»Ganz recht.« Darkcast nickte. »Wir werden damit warten bis zur nächsten Diskussion.«

»Darkcast, raus!«, brüllte Feuerglut über den Tisch. Er war aufgesprungen.

»Was?« Darkcast öffnete die Arme. Der ganze Saal begann zu Beben. Man konnte die Macht der beiden Magier in der Luft förmlich spüren.

»Wie lange wollt Ihr dieses Spiel noch treiben?«, fragte Lady Margaret den Schwarzen Magier in einem genervten, aber ruhigen Ton.

»Bis es mir zu langweilig wird«, antworte Darkcast. »Und mir geht die schöne Fassade, die einige hier vorspielen, gehörig auf den Geist.«

»Das gibt Euch aber nicht das Recht, jedem Beleidigungen an den Kopf zu werfen und Enthüllungen zu verbreiten«, bestand Feuerglut.

»Und dann spielt er sich hier auf«, erläuterte Darkcast, »was das Spiel äußerst unterhaltsam macht.«

»Eines Tages, werdet Ihr das noch bereuen«, drohte der Rote Magier.

»Mag sein.« Darkcast lächelte. »Der Tag ist aber noch lange hin, findet Ihr nicht?«

Feuerglut antwortete nicht. Denn er fürchtete, dass der Schwarze Magier recht hatte. Schließlich hatte er zuvor ein Bündnis gegen Darkcast zu gründen versucht. Damals war es nicht zuletzt an Domenik und Lady Margaret gescheitert. Und den Großmagier allein herauszufordern, war unmöglich, selbst Sonnenorden reichte dafür nicht aus.

»Letztendlich wird die Krönung heute stattfinden«, wechselte Lady Margaret das Thema, um zum Beginn des Gesprächs zurückzukommen. »Schließlich hatten wir das bei der letzten Ratssitzung so abgesprochen.«

»Ich hatte damals bereits meine Zweifel gehegt«, erwiderte Feuerglut.

»Richtig, aber Ihr wurdet überstimmt«, entgegnete Lady Margaret, »und ich denke, dass wir zu unserem Wort stehen sollten. Richtig?« Die Frage richtete sie allgemein in den Raum und Sonnenorden nickte.

»Das Wort und der Beschluss des Rates muss verlässlich Geltung haben«, meinte der Goldene Magier. »Außerdem ist es die Fortsetzung des Lösungswegs der Probleme mit den Kreaturen hier im Süden.«

»Na ja«, warf Lady Margaret ein. »Ich würde es eher eine Korrektur des Lösungsweges nennen.«

»Das muss sich erst noch beweisen«, Sonnenorden warf den Vorwurf, dass das Gebirge ein Fehlschlag war, entschieden zurück und am Besten tut man dies mit einer Gegenoffensive. »Schließlich haben wir nur die Zusage eines Dämons. Ob dies alles so umgesetzt wird, wie von uns gewünscht, muss sich erst noch zeigen.«

»Es wird sich zeigen«, meinte Lady Margaret. »Genauso wie es sich gezeigt hat, dass wir weder die Bloodwings, noch die Black Monsters ausrotten konnten.«

»Einzelfälle, wir können nicht alles vernichten.«

»Klar, Einzelfälle wie der Scorpions-Klan. Und ich glaube selbst die Terrors, Dunklen Schrecken und das Mäulerrudel sind zumindest teilweise übrig geblieben.«

»Ist doch gut«, lachte der Schwarze Magier. »Dann wird den Fürsten hier wenigstens nicht langweilig.«

»Moment mal, Darkcast«, mischte sich Feuerglut ein. »Es war immerhin Eure Schnapsidee.«

»Ja, weil von euch Nasen niemand etwas Besseres wusste«, bemerkte Darkcast. »Und ich hatte nie garantiert, dass es funktionieren würde, oder Herr Feuergier?«

»Was soll das schon wieder heißen?«

»Ich möchte auch Land haben«, der Schwarze Magier machte dabei eine Kinderstimme nach. »Gold, Gold, Gold.«

Feuerglut wusste nicht, was er auf den Vorwurf der Gier antworten sollte. Denn er schämte sich insgeheim dafür, dass er blind dem Ruf der Bodenschätze gefolgt war. Es war eine der vielen Fallen Darkcasts gewesen, in die er hineingetreten war. Die Falle hatten ihn und seine Verbündeten in einen Krieg gestürzt, der letztendlich seinem Freund Horizont das Leben gekostet hatte.

»Darkcast, Ihr seid geschmacklos!«, schimpfte Lady Margaret mit bebender Stimme. Niemand im Raum verstand ihren Einwurf und die Anwesenden sahen die alte Dame erstaunt an. Sie hatte nicht die Absicht sich zu erklären, doch der erste Satz des Schwarzen Magiers erinnerte sie stark an Domenik. Der arme Junge, der mit eben diesem Satz bei der Gebietsverteilung so verlegen und unprofessionell versucht hatte etwas zu ergattern. Sie konnte den Elfjährigen dastehen sehen, im weißen Gewand und seinem meist frechen Grinsen; Sein Lausbubengesicht, als er mit einem Korb Kekse in die Sitzung geplatzt war; oder wie er sich verschlafen die Augen rieb.

Lady Margaret erhob sich und wandte sich der Tür zu. »Für mich ist diese Tagung beendet. Ich empfehle mich.«

»Trolley, setzt Euch doch bitte wieder«, beschwichtigte Sonnenorden.

Lady Margaret war bereits an der Tür, sie schüttelte den Kopf. Siegmund stand auf und folgte ihr. »Geehrte Magier und Fürsten, guten Tag.« Der Großherzog schloss die Tür hinter sich und Lady Margaret. Darkcast stand auf. »Mein Lieber, da ist aber jemand empfindlich heute.«

»Es wird doch noch möglich sein, Zweifel an der Dämonenkrönung anzusprechen«, rechtfertigte sich Feuerglut. Sonnenorden nickte zustimmend. Der Schwarze Magier schüttelte den Kopf. »Es ist schon faszinierend, dass immer die Gleichen von nichts eine Ahnung haben.«

»Wie meint Ihr das?«, fragte Sonnenorden.

»Wie ich es sage«, antwortete Darkcast.

»Weil Ihr ja auch alles wisst«, spottete Mitternacht, die sich zur Abwechslung wieder einmischte. Es war immer interessant, wenn Darkcast aus dem Nähkästchen plauderte. Denn er ließ sich nie in die Karten sehen, was jeden, Mitternacht eingeschlossen, sehr störte.

»Auch Ihr, meine Gute«, Darkcast klang sarkastisch. »Es ist der Grund warum die Dinge so laufen wie sie es tun.«

»Und wie laufen die Dinge?«, fragte Feuerglut bewusst gelangweilt.

Darkcast drehte sich in der Tür zu ihm um. »Nach Plan.«

Er schloss die Tür in ihre verblüfften Gesichter.

»Wir sollten gehen.« Volker riskierte ein Flüstern. Vigor nickte. Ihm drängten sich schon die ganze Zeit über Fragen auf. Außerdem war er froh, die Gefahrenzone verlassen zu können. Beide Jungen krochen vorsichtig aus dem Regal und standen auf. Glücklicherweise waren unter dem Teppich Steinplatten. Das Knacken von Dielen hätte sie sofort verraten. Doch der Boden gab so keinen Laut von sich. Wenige Schritte waren es zur Tür. Volker drückte die Türklinke langsam hinunter. Vigor sah über die Schulter. Niemand kam. Die Tür öffnete sich knarrend.

»Darkcast?«, fragte die Stimme von Feuerglut hinter den Jungen.

Vigor zuckte zusammen. Ein Stuhl wurde zurück geschoben. Volker huschte die Tür hinaus. Vigor hefte sich an seine Fersen.

Die beiden Jungen rannten den nächstbesten Korridor entlang, quer durch das ganze Schloss. Sie stürzten um eine Ecke, lehnten sich an die Wand und keuchten. Es war ein schlichter Kreuzgang mit Fackeln an der rechten und Fenstern an der linken Wand, die nach Süden in die Berge zeigten. Durch die Berggipfel fiel nur mäßig Licht auf die rechteckigen Sandsteinplatten. Vigor spähte um die Ecke. Niemand kam, die Luft war rein.

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