Kitabı oku: «NACHT ÜBER DUNKELHEIT», sayfa 4

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»Was habt ihr gemacht?«, fragte eine Stimme hinter ihm. »Etwa gelauscht?«

Vigor zuckte zurück, dann rollte er die Augen. Das durfte doch nicht wahr sein. Er drehte sich um. Vor ihm und Volker stand breitbeinig ein Junge, etwa in ihrem Alter, groß mit blondem Haar und kräftiger Statur. Allerdings konnte er weder bei den Muskeln, noch von der Größe her mit Volker mithalten. Die himmelblaue Gewandung die der Junge trug, verrieten ihn als Mitglied der Delegation von Hohen-Himmelsstein. Er hatte die Hände an den Hüften und musterte sie. Vigor wusste, was er tun würde, sich dumm stellen.

»Und wenn schon«, kam ihm Volker mit der Antwort zuvor, »Was geht es dich an?«

»Ich bin der Sohn eines Königs, mich geht alles etwas an«, antwortete der Junge. »Prinz Viktor von Hohen Himmelsstein.«

Volker zog ein Gesicht. »Toll, ein Wichtigtuer.«

Vigor wurde augenblicklich klar, von wem im Rat die Rede war.

»Nun redet«, forderte Viktor.

»Wir haben gelauscht und jetzt?« Volker sah ihn erwartungsvoll an.

»Wer seid Ihr überhaupt?«, fragte Viktor nun.

»Volker von Starkenberg, Sohn des Großherzogs«, stellte sich Volker vor. »Und das ist Vigor von Niedlich-Süßerbub.«

Vigor gab Volker einen Stoß in die Rippen, was dieser nur milde zur Kenntnis nahm. »Der Esel nennt sich immer zuerst. Übrigens hättest du Volker daran sofort erkennen müssen.«

»Wieso?« Der blonde Junge sah verwirrt aus.

»Viel da unten.« Vigor kniff in Volkers Oberarm. »Und wenig da oben.« Er deutete auf Volkers Stirn. »Esel halt.«

Volker grinste, packte Vigor an der Schulter und am Hemdkragen. Er riss ihn herum, stellte seinen Fuß hinter Vigors Beine und schleuderte den kleineren Jungen zu Boden. Volker warf sich obendrauf. Vigor unterbrach sein Lachen für ein kurzes Aufstöhnen.

„War ja klar. Da sind wieder die Muskeln“, seufzte Vigor spielerisch.

Volker nagelte Vigor am Boden fest, indem er quer über dessen Brust lag und Vigors Arme unter seiner Achsel eingeklemmt hatte.

»Bist du ruhig, oder soll ich dich lieb drücken?«

»Ja, ich hab dich auch lieb.«

Volker spannte die Muskeln an, zog den kleineren, schlanken Jungen an sich heran und drückte zu. Er presste Vigor die Luft aus den Lungen.

»Ja, ich bin brav«, beschwichtigte Vigor. »Sonst sind die Rippen hin.«

Viktor rollte die Augen. »Ihr seid Raufbolde.«

»Und du ein Jammerlappen«, erwiderte Volker.

»Ha, bin ich nicht.«

»Nee, gar nicht.«

Viktor erkannte Volkers Ironie nicht. Er sah schweigend den beiden Jungen am Boden zu. Schließlich ließ Volker seinen Freund wieder aufstehen.

»Sag mal, quälst du deinen kleinen Bruder immer so?«, fragte Viktor schließlich.

»Ihn?« Volker tippte auf Vigors Brust. Dann nahm er ihn in den Schwitzkasten und rieb ihm mit der Faust durchs Haar. »Was soll ich sonst mit ihm machen?«

»Du könntest ihn anbeten?«, schlug Vigor vor.

Volker ließ ihn los. »Nee, da füge ich dir lieber Schmerzen zu.«

»Ich dir auch.«

»So?« Volker riss die Arme hoch. »Boxkampf.«

Vigor ballte die Fäuste, ließ sie dann aber sinken. »Wobei lass mal. Letztes Mal hast du geheult.«

Vigor ging wieder zu Boden, bevor er hatte lachen können. Er lachte nun auf dem Rücken liegend, während Volker auf ihm saß.

»Könnt ihr auch was anderes als kämpfen?«, fragte Viktor genervt.

»Also ich habe nichts besseres vor«, brummte Volker.

»Klar, immerhin darfst du dich mit mir beschäftigen«, warf Vigor ein.

»Warte es ab, ich beschäftige mich gleich mit dir«, drohte Volker scherzhaft.

»Ihr könntet doch die Zeit nutzen«, schlug Viktor vor, »euch mit den Gepflogenheiten eines Königshofes vertraut zu machen. Mein Onkel Justin meint, dass wir den Kreaturen ein sittliches Beispiel liefern müssen. Denn die kennen nur Balgerei und Gewalt.«

Volker verzog das Gesicht zum gähnenden Vigor, dann sah er Viktor an. »Dein Onkel ist ein Langweiler.«

»Mein Onkel ist ein tapferer Feldherr.«

»Dann sollte er mal seinem weichen Neffen mal das Kämpfen lehren.«

»Ich kann kämpfen, wenn es notwendig ist.«

»Und zum Spaß?« Volker musterte Viktor.

»Das geziemt sich nicht als Gast.« Viktor verschränkte die Arme.

»Klingt für mich nach der Ausrede eines Feiglings.«

»Ich bin kein Feigling.« Der blonde Junge ballte die Fäuste.

»Beweis?«

»Äh.«

»Kommst du mit auf die Hochzeit?«, forschte Volker nach. Vigor rollte die Augen. Siegmunds Worte hallten ihm durch den Kopf.

Viktor sah verlegen aus. »Ich bin nicht eingeladen.«

»Wir auch nicht«, antwortete Volker.

»Im Gegenteil, es ist uns ausdrücklich verboten«, ergänzte Vigor.

»Das hat dich bei der Ratssitzung auch nicht gestört.«

Vigor zuckte die Achseln.

»Ihr habt tatsächlich gelauscht?«, fragte Viktor ungläubig.

»Klar.«

»War aber nur langweiliges Zeug.« Vigor versuchte die Sache herunter zu spielen.

»Schade.« Viktor klang enttäuscht. Volker sah Vigor fragend an. Doch Vigor war sich sicher, dass es sinnvoll war, Viktor die Einzelheiten von Darkcasts Enthüllungen zu ersparen. Viktor musste ja nicht wissen, dass sie es wussten. Falls der Blonde jene Einzelheiten über seine Eltern überhaupt kannte.

»Um was ging es denn?«, erkundigte sich Viktor weiter.

»Ob sie einen Dämon krönen wollen oder nicht«, antwortete Volker.

»Ach so.«

»Da fällt mir ein«, warf Vigor ein, »wer war der Junge von dem ständig gesprochen wird?«

»Welchem?«, fragte Volker zurück. »Jungs sind ein programmfüllendes Thema gewesen.« Er grinste.

»Diese Lady Margaret hat ihn erwähnt.«

»Mann, lernst du schnell Namen«, brummte Volker. »Das war so ein Magierjunge den man umgebracht hat. Nicht weiter auffallend, frech, klein und schmächtig, so wie du streng genommen.« Volker lachte.

»Kanntest du ihn?«

»Nein, er war der Sohn eines Verbündeten. Ich habe ihn nie getroffen«, erklärte Volker. »Vater meinte, dass wer immer den Jungen tötete, eine große Dummheit verbrochen hat. So ein bisschen was vom Anfang vom Ende.«

Eine Glocke schlug die Uhrzeit mit drei entfernten Schlägen.

»Kommt, wir müssen in den Saal«, drängte Volker. »Sonst verpassen wir das beste.«

Die drei Jungen gingen den Korridor entlang und die Treppe hinunter.

Lady Margaret und Siegmund trafen sich mit Sir Mike in einem langen Korridor um gemeinsam den Thronsaal zu betreten. Jener Korridor verband den Bibliotheksturm mit dem Seitenflügel. Der Gang führte daher nach Osten mit einer langen Reihe an Nordfenstern. Sir Mike war nur unwesentlich jünger als seine Frau mit freundlichen Gesichtszügen. Unter dem langen schneeweißen Mantel trug er eine blaue Hose und ein orangefarbiges Hemd vom selben Ton wie seine spitz abstehenden Haare. Sein Stab lugte wie so oft aus der Brusttasche, die Lady Margaret extra für ihn angenäht hatte. Sir Mike marschierte dort auf und ab, sah aus dem Fenster oder ließ sich von einem Skelett eine Erfrischung reichen. Er stellte sein Glas dem Gerippe auf das Tablett, als er seine Frau kommen sah.

»Danke, das wäre alles«, meinte Sir Mike. Das Skelett machte eine Verbeugung und ging davon. Die alte Magierin lehnte sich an die Sandsteinfensterbank und sah nach draußen auf die Stadt hinunter, obwohl der Blick im Turm viel besser gewesen war. Sir Mike gesellte sich neben sie.

»Was ist los?«, fragte der Magier, als er das ernste Gesicht seiner Frau sah.

»Ach, dieser Darkcast mit seinen Sticheleien«, Lady Margaret seufzte.

»Ich verstehe.«

»Nein, tust du nicht.«

Sir Mike sah Lady Margaret etwas verdutzt an.

»Es tut mir Leid«, entschuldigte sie sich. »Darkcast hat ihn nachgemacht. Verstehst du? Er hat Domenik nachgemacht. Als ob der arme Junge irgendetwas mit den Dummheiten im Orden zu tun gehabt hätte!«

Sir Mike legte ihr den Arm um die Schulter und nickte. Dann führte er sie vom Fenster weg. Die drei gingen den Korridor entlang. Das dies sie vom Thronsaal wegführte, kümmerte sie wenig. Die drei wollten ungestört sein.

»Das war mir auch nicht bewusst«, bemerkte Siegmund, der Lady Margarets Gefühle nachvollziehen konnte. Letztendlich war sein Sohn im gleichen Alter und gab ihm auch ab und zu Grund zur Sorge. »Denkt Ihr, dass er das mit Absicht zitiert hat?«

»Ich weiß es nicht«, Lady Margaret schüttelte den Kopf. »Was hätte er davon?«

»Dich aufzuregen, mein Schatz«, schlug Sir Mike vor.

»Das gelingt ihm auch ohne das in so ziemlich jeder Sitzung des Rats.«

»Wahrscheinlich um Euch aus der Reserve zu locken«, meinte Siegmund. »Jedes Wort, dass der Schwarze Magier heute sprach, diente dem Ziel Reaktionen herauszufordern. Er hat die ganze Sitzung hindurch nur Grenzen ausgelotet.«

»Ihr habt recht«, erwiderte Lady Margaret. »Er provozierte unentwegt und wahrscheinlich wollte er nur Herausfinden, wem Domenik am Herzen liegt und wen das Schicksal des Jungen nicht berührt.«

Sie verließen den Seitenflügel durch einen Quergang und eine Zugangstür zum Innenhof. Es war jene Tür mit der Volker und Vigor am ersten Tag ins Schloss gekommen waren. Dann schnitten sie über das Sandsteinpflaster des Innenhofs und über das Tor des Haupteingangs zurück zum Thronsaal.

Sie erreichten das Tor des Saals. Es war ein großes Eichentor aus Latten diagonal gezimmert. Das Tor verfügte über keine Schnitzereien, dafür war es mit prunkvollen Türbeschlägen an den Bändern und dem Schloss versehen. Diese aus Gold geschmiedeten Ornamente verschnörkelten weitläufig die beiden Torflügel. Sie traten ein. Siegmund sah sich in der Halle um.

Der Thronsaal war eine weite, offene Halle, mit zwei Säulenreihen, jeweils etwa ein Viertel rechts und links von der Außenwand entfernt. Auf jeder Seite standen sechs Säulen. Alle waren trotz ihrer Höhe von knapp zwölf Metern vollkommen mit Schnittblumen eingehüllt. Sehr viele davon waren Sonnenblumen, als Symbol für den König, da die Blume eine goldgelbe Krone als Blüte hatte. Ansonsten waren es in erster Linie Ringelblumen, hauptsächlich mit gelben und orangefarbenen Blüten; außerdem viele rote, rosafarbene, aber auch violette und weiße Blüten. Für die Hochzeit war das Blumenmeer eigentlich völlig überzogen. Trotzdem hatte man sie kurzfristig angebracht, natürlich mit magischer Unterstützung.

Zwischen den Säulen und der Außenwand standen etliche Sessel an den Wänden. Durch das verspielte Nussbaumholz und die dicken gelben Polster wirkten sie alle wie kleine Throne. Der eigentliche Thron stand aber am Ende der Halle, wie üblich auf seiner Empore. Das Möbelstück war eine ungewöhnliche Kombination aus Thron und Sofa, aber ebenfalls aus Nussbaumholz mit dem gelben Polster. Grundsätzlich hatte es die Form und Funktion eines Throns, jedoch war es ein Zweisitzer. Snakeman wollte damit auf die Ebenbürtigkeit von Meana hinweisen. Neben dieser Bühne gab es zwei Türen. Hinter der einen wurde das Bankett aufgebaut, denn sie führte in den Speisesaal. Die andere war durch eine Verlängerung der Empore zur Zeit zugestellt.

Darunter lagen die Jungen flach auf dem Bauch und lugten an den geschwungenen Holzbeinen zwischen den roten Vorhängen hindurch, welche jene Bühne nach unten abschlossen.

Der Blick des Großherzogs blieb an den Vorhängen hängen.

Volker zuckte zurück. »Verdammt«, zischte er leise.

»Glaubst du, er hat uns gesehen?«, fragte Vigor.

»Keine Ahnung.« Volker riskierte einen erneuten Blick. Siegmund hatte sich abgewandt. Er, Lady Margaret und Sir Mike begrüßten die ankommenden Gäste der Hochzeit mit höflicher Distanz. Es waren genug Personen anwesend, denen der Großherzog misstraute.

Die Hochzeit bestand bei den Dämonen, aber auch bei den Drachen, nur aus wenigen Ritualen und war insbesondere durch die schweigend durchgeführten Handlungen geprägt. Dieses Handeln sollte das Sprechen über die Vermählungsabsicht und den Schwur von damit verbundenen Merkmalen, wie Treue und Verlässlichkeit, überflüssig machen. Dämonen galten auch nicht als große Redner und waren für spontanes Handeln ohne große Ankündigung bekannt. Aus dämonischer Sicht sollten in einer Ehe die Taten der Partner füreinander über irgendwelchen Versprechungen stehen, egal wie gut gemeint. Die Hochzeitsvermählung bestand aus drei Teilen, dem dämonischen Schlachten und der Beschenkung, welche sich auf das Brautpaar beschränkten und dem Umtrunk, bei dem alle geladenen Gäste als Zeugen miteinbezogen wurden.

Das dämonische Schlachten war ein grundlegendes Ritual, welches zu bedeutenden Lebensbünden wie der Ehe, der Adoption oder dem Lehnseid vollzogen wurde. Bei diesem Ritus stand die Versorgung im Vordergrund, in der Regel war dabei die Ernährung die Anschaulichste. Der stärkere Dämon musste eine von ihm gejagte Kreatur fangen und als Opfergabe lebend mitbringen. Vor Ort wurde das Opfer dann getötet und dem schwächeren Dämon angeboten. Letzterer musste sich daran stärken. Bei der Hochzeit wurde auf diese Weise der Wille des stärkeren Dämons bewiesen die Familie zu ernähren. Gleichzeitig wurde bezeugt, dass der schwächere Dämon die Versorgung annimmt und damit die Vorrechtsstellung des Stärkeren anerkennt. Es regelte also die Rangfolge innerhalb der Dämonensippe. Das Geschlecht spielte bei der Rollenverteilung eigentlich keine Rolle, sondern lediglich die Stärke und Macht der beteiligten Dämonen. Die Stellung wurde in einem magischen Wettstreit und einem Ringkampf bei der Verlobung entschieden. Ohne dieses sich aneinander Messen war die Verlobung nicht wirksam. Während Meana beim Ringen noch eine recht gute Figur gemacht und nur knapp verloren hatte, war sie Snakeman magisch hoffnungslos unterlegen. Ein stärkerer Dämon männlichen Geschlechts war dennoch von Vorteil, denn die Dämonenklans waren wie der überwiegende Teil der Staaten patriarchalisch organisiert.

Aus Rücksicht auf die geladenen Gäste hatten Snakeman und Meana auf die traditionelle Opferkreatur verzichtet und ein Tier gewählt, dass selbst die anwesenden Menschen problemlos schlachten würden. Auf das Ritual wollten sie aber trotz der blutigen Angelegenheit nicht verzichten. Snakeman führte das Schaf an einem Strick herein und durch den Saal. Der gelbe Dämon war nur mit einer Lendenschürze bekleidet. Über seinen nackten Oberkörper fiel lediglich eine Kette aus purem Gold. Diese hielt einen königsroten Samtmantel um seinen Hals, der fast bis zum Boden reichte. Der polierte Knauf eines großen Schwerts glänzte am Gürtel seiner Lendenschürze, aus festem Leder. In der Mitte wartete Meana auf ihn, bekleidet in einer langen Robe die nur aus Blumen bestand. Wie so oft waren es die großen gelben Blüten der Ringelblume, doch als Besonderheit war mit roten Rosenköpfen ein prachtvolles Wellenmuster hinein geflochten. An dem Umhang hatten alle Floristen der Stadt einen ganzen Tag lang durchgearbeitet. Ansonsten trug Meana die reguläre Kluft weiblicher Dämonen des Nordens. Diese bestand aus einer Lendenschürze und einem Tuch, dass um ihren Busen gewickelt war. Die bloße Haut war jedoch nicht nur die althergebrachte Dämonenbekleidung, sondern auch aus praktischen Gründen so gewählt, um eine Verschmutzung während des dämonischen Schlachtens zu verringern.

Um Meana herum standen die Gäste in einem weiten Kreis, wobei Etliche der Hochzeitszeremonie fern blieben oder nicht eingeladen waren. Die Anwesenden waren alle für ihre Herkunft und Stellung dem Anlass entsprechend bekleidet. Meanas Eltern links neben ihr waren in der traditionellen Bekleidung der Basherdämonen. Torment der Zweite trug eine Lendenschürze und einen gelben Umhang mit dem goldgelb, wellenförmig gekrönten Basher-Wappen darauf. Dieses zeigte das stolze Basher-Manor, einem mächtigen Herrenhaus aus rotem Sandstein mit dicken Säulen vor der Haupteingangsveranda und den beiden flankierenden Türmen rechts und links des Hauptflügels. Der Rest des Wappens war in grün und blau gehalten, entsprechend der Region in der die Baronie regierte. Ein langes Schwert und einen Dolch hatte der Dämon an seinem Gürtel. Torment war der derzeitige Baron of Basher. Seine Frau trug etwa das Gleiche, jedoch ergänzt um ein Tuch um ihren Busen.

Neben der Basherdame standen zwei Einkopfdrachen, wie sie im Großherzogtum bekannt waren. Der Duke of Dragon hatte vor Kurzem sein Herzogtum übernommen und war mit seiner Gemahlin angereist. Am einfachsten waren die beiden an der Farbe zu erkennen. Denn Dragon war tannengrün auf dem Rücken und gelb am Bauch, während seine Gemahlin einen braunen Rücken und einen roten Bauch hatte. Besonders auffallend war der weiße Fleck auf Dragons Brust, der die gesamte Fläche ausfüllte und nur ein gelber Schimmer an den Schultern und unter den Armen bildeten einen Übergang ins Grün seines Rückens. Beide Drachen hatten drei Reihen von Knochenplatten in Rückenfarbe vom Hinterkopf bis zur Schwanzspitze. Sie konnten in dem hohen Thronsaal bequem stehen.

Neben diesen beiden Riesen stand genau das Gegenteil: Lady Margaret in ihrem orangefarbenen Samtkleid, sowie Umhang und Stab. Zu ihrer rechten lächelte Sir Mike in seinem eleganten Gewand in blau und orange unter dem schneeweißen langen Mantel.

Den Kreis schloss Großherzog Siegmund, der auf Bitten von Lady Margaret und Snakeman der Zeremonie beiwohnte. Siegmund trug seinen dunkelroten Mantel und die königsblauen Weste, wie üblich. An seinem schwarzen Ledergürtel prangten wie bei den Dämonen etliche Klingenwaffen. Doch sein riesiges Zweihänderschwert hatte er wohl nicht mitgebracht. Lustigerweise war der Großherzog etwas größer als die beiden Basher neben ihm. Für Lady Margaret, Sir Mike und Siegmund war es die erste Dämonenhochzeit und so waren sie sich nicht sicher was sie erwartete. Lady Margaret rechnete aber mit einer blutigen Zeremonie, worauf bereits der Name des Programmpunkts schließen ließ. Und sie würde Recht behalten.

Snakeman blieb eine Armlänge vor Meana stehen und löste den Strick um den Hals des Schafs. Anschließend ging er neben dem Tier in die Knie und packte es mit einem Arm um die Schultern der Vorderbeine. Er hob das Schaf vorne an, welches nun auf zwei Beinen stehen musste. Es blökte widerwillig. Mit dem zweiten Arm zwang Snakeman das Tier den Kopf sehr unnatürlich weit nach oben zu heben. Dann biss er dem Schaf in die Kehle. Das Tier röchelte kurz während die Reißzähne des Dämons beide Schlagadern durchtrennten. Snakeman schloss die Kiefer und riss dem Schaf den ganzen Kehlkopf aus dem Hals. Er spuckte den blutigen Kehlkopf aus neben seine Füße. Er klatschte komplett und unbeschädigt auf die Sandsteinplatten.

Lady Margaret wandte vor Ekel kurz den Blick ab. Sir Mike und Siegmund hatten schon deutlich mehr Blut gesehen und dem Rest schien die Vorstellung eher zu gefallen. Im Übrigen war dies für die anwesenden Dämonen ein wichtiger Bestandteil, denn an der Unversehrtheit des Kehlkopfs konnten sie sehen, ob Snakeman einen guten Biss vollzogen hatte oder nicht. Was ein Qualitätsurteil für einen Dämon war.

Die Jungen sahen von ihrem Versteck aus zu. Wobei Viktor hinter Volker und Vigor lag und so schlechter sehen konnte. Vigor zog ein angewidertes Gesicht. »Das ist doch krank.«

»Nein, krank ist, dass wir uns das freiwillig ansehen«, antwortete Volker.

»Wenn ich heute Nacht deswegen Albträume habe, dann bist du schuld.«

»Ha, von wegen. Du hast doch eh jede Nacht Albträume.«

»Ja«, bestand Vigor. »Aber nicht von blutigen Organteilen.«

»Sei doch froh«, erwiderte Volker. »So sind es wenigstens mal nicht deine.«

Vigor streckte ihm die Zunge raus. »Das spielt in einem Albtraum keine große Rolle.«

Volker grinste. Viktor sah ihnen schweigend zu. Es war auch ihm lieber, als der Schlachtung zu zu schauen.

Das Blut quoll bereits aus dem Schaf und lief Snakeman an Hals und Brust hinunter. Der Dämon verlor keine Zeit, sondern bot den toten Körper Meana an. Ohne zu zögern nahm sie ihm die Opferdarbietung ab. Dann versenkte sie ihre eigenen Zähne in dem klaffenden Loch im Hals und trank vom ausströmenden Blut. Derweil zog sie ein Messer aus ihrem Gürtel unter dem Blumenumhang hervor. Dann schnitt sie dem Schaf das Fleisch zwischen den Vorderbeinen von den Rippen. Während sie die beiden großen Brustmuskeln in ihrer Hand hielt, ließ sie das Schaf auf den Boden fallen. Die beiden Fleischstücke schob sie auf einen Fleischspieß und trat zum Kamin rüber, indem ein Feuer brannte. Dort hielt sie den Spieß über das Feuer um das Fleisch zu rösten.

Nach wenigen Minuten brachte sie das Fleisch zurück, dass man noch nicht einmal als Medium-roh bezeichnen konnte. Es ging mehr um den Symbolgehalt als sich das Fleisch, aus dämonischer Sicht, trocken zu braten. Meana reichte Snakeman ein Stück, der sich mit einem Kopfnicken bedankte. Er fing aber erst mit dem Essen an, als Meana in ihre Portion biss. Dann verschlangen sie gemeinsam das Fleisch.

Snakeman war sehr froh, dass seine Eltern nicht gekommen waren und Meanas Eltern die nicht standesgemäße und schon gar nicht dem Anlass entsprechende Opfergabe akzeptiert hatten. Denn eine solch bedeutende Zeremonie wie eine Hochzeit forderte schon ein weniger primitives Opfer. Zumindest ein Trollopfer, und zwar von Waldtrollen, nicht von ihren weniger intelligenten Bergtroll-Artgenossen, sollte verwendet werden. Aber bei den Bashern vergoss man traditionell bei Hochzeiten immer Menschenblut. Meanas Eltern hatten dies auch angeregt, sahen dass aber nicht so eng, da Meana nicht die direkte Erbin ihrer Linie war, dies fiel ihrem Bruder Torment dem Dritten zu. Dennoch hatten sie mit leuchtenden Augen von ihren guten Erfahrungen mit einem menschlichen Mädchen erzählt, welches der zweiten Hochzeit von Meanas Großmutter väterlicherseits zum Opfer gefallen war. Letztendlich willigten Meanas Eltern deshalb ein, weil Meana mit Snakeman einen idealen Fang im Sinne der Basher-Erbtradition gemacht hatte.

Snakeman selbst empfand Menschenopfer aber, wenn er ehrlich war, als zu brutal und zu primitiv. Er war ganz froh, dass er sich mit Hilfe der Gästeliste hatte aus der Affäre ziehen können. Denn schon aus Sicht seines Philosophiestudiums konnte Snakeman mit intelligenten Opfergaben nichts anfangen. Schließlich waren etliche dieser Opfer von etwa ihrer Intelligenz und von ähnlicher Stellung. So viel weniger wert als die Dämonen waren die Menschen schließlich nicht, auch wenn dies viele seiner Spezies anders sahen.

Die Beschenkung war weniger blutig und begann mit dem Rösten des Fleisches. Meanas Geschenk war das fertige Essen, dass aber seit langem als Bankett nach der Hochzeit erbracht wurde. Als symbolische Beschenkung während der Zeremonie galt also das gebratene Fleischstück. Lediglich das Geschenk des Bräutigams fehlte noch. Snakeman überreichte Meana ein kleines Holzfass. Es war ein starker Likör, der aufwendig hergestellt wurde. Dann wurde ein kleiner Umtrunk gereicht, der wie traditionell üblich aus dem kleinen Fässchen stammte, dass Meana von Snakeman erhalten hatte. Die anwesenden Freunde und Verwandten dienten als Zeugen der Eheschließung. Aus diesem Grund mussten sie mit trinken.

Lady Margaret roch an dem Glas, welches ihr von Snakeman ausgehändigt wurde. Sie konnte den süßlichen Geruch nicht zuordnen. Es schien ein Honigaroma zu sein.

»Was ist da drin?«, fragte die alte Magierin interessiert.

»Tomate«, antwortete Snakeman.

»Also ein Tomatenlikör?«

»Nein, nicht ganz.« Der Dämon schüttelte den Kopf. »Zunächst wird mit Kiefernhonig ein Tomatenmet hergestellt. Der wird dann als Likör auf 66% vergoren.«

»Seien Sie mir nicht böse. Aber unverdünnt trinken kann ich das nicht.«

Snakeman grinste.

So hohen Alkohol vertrug die alte Dame natürlich nicht, außerdem hielt sie aus Prinzip nichts vom Betrinken. Also nippte Lady Margaret nur an ihrem Kristallkelch mit dem nun verdünnten Likör, um dem Ritual gerecht zu werden. Dieses erforderte, dass alle Trauzeugen aus dem gleichen Fass gemeinsam tranken. Ebenso waren stets sieben Trauzeugen nötig, weswegen Siegmund sich zum Beiwohnen hatte überreden lassen. Der eigentliche siebte Gast, der Duke of Reaper, war verhindert. Niedergeschrieben wurde die Eheschließung nicht, sondern durch die Vielzahl der lebenden Zeugen, sollte die Ehe stets beweisbar bleiben. Mit dem Leeren des Fässchens war die Eheschließung besiegelt.

Anschließend fiel die Hochzeitsgesellschaft ins Gespräch und verließ gruppenweise den Saal. Gleichzeitig traten etliche Bedienstete ein, die vor dem Tor gewartet hatten. Es war eine bunte Mischung aus Trollen, Skeletten und Menschen. Alle in unterschiedlichen Gewändern oder im Falle der Gerippe ohne Kleidung. Während die Hochzeitsgesellschaft zügig verschwand, schienen die Diener keine Eile zu haben. Zwei Diener, beides Waldtrolle mit gelbem Haar, schrubbten die Sandsteinplatten bevor die vollständige Gästezahl für die Krönung versammelt werden sollte. Die Sessel wurden auf der Plattform aufgestellt. Die beiden Throne nach vorne an den Rand des Podests geschoben. Dabei trampelten die Trolle den Jungen quasi auf den Köpfen herum.

Die Jungen warteten und warteten. Volker rollte die Augen. »Könnten die nicht alle mal gehen.«

»Gehen wir einfach so«, schlug Vigor vor.

»Aber die Diener sehen uns doch.«

»Die werden sich nicht um uns kümmern, oder?«, meinte Vigor.

»Stimmt.« Volker nickte.

»Wenn die Krönung losgeht, dann ist der Saal rappel voll. Und ich habe ein flaues Gefühl bei der Sache.«

»Also los.«

Die drei Jungen krochen zeitgleich unter dem Vorhang hindurch und aus der Empore heraus. Auf halber Strecke warteten sie. Niemand beachtete die Jungen, ganz wie Vigor vermutet hatte. Sie krochen vollends hervor. Noch ehe sie sich aufrichten konnten, packte etwas Vigor und Volker hinten auf dem Rücken. Es war sehr kraftvoll, denn es hob beide, auf allen Vieren krabbelnde Jungen vom Boden weg. Sie hingen an ihren Hemden wie die Fische im Netz. Viktor versuchte davon zu krabbeln, doch etwas presste ihn unsanft auf den Boden nieder. Vigor sah den schwarzen Reiterstiefel.

»Geht von mir runter«, maulte Viktor. »Ich bin ein Königssohn.«

»Hört auf zu jammern, sonst seid Ihr gleich Königspastete.« Der Stiefel presste fester nach unten.

»Vater, es tut mir Leid«, entschuldigte sich Volker.

»Mir tut es auch Leid«, erwiderte der Großherzog. »Das meine Anweisung so schwer zu verstehen war, glaube ich kaum.«

»Nun ja, es ist halt schon spannend.«

»So, welchen Teil von – Bleibt in eurem Zimmer - hast du nicht verstanden?«

Volker schwieg.

»Du widersetzt dich meinen Anweisungen und hast dann auch noch die Frechheit anzunehmen, dass ich es nicht merken würde.«

»Es tut mir Leid«, wiederholte Volker.

»Das wird es«, bekräftigte Siegmund. »Ihr zwei geht jetzt in eure Stube, packt zusammen und geht ins Bett. Morgen früh reisen wir ab.«

»Aber die Krönung?«, fing Volker an.

»Die findet auch ohne euch statt.«

Vigor und Volker sahen sich kurz niedergeschlagen an.

»Und...« Volker schluckte. Er konnte es sich denken. Vigor betrachtete peinlich berührt die Sandsteinplatten.

»Das Bankett ist auch gestrichen«, entschied Siegmund. »Der knurrende Magen wird euch vielleicht daran erinnern, dass euer Vater und Monarch euch eine Order erteilt hat. Und lasst heute Abend keinen Laut mehr von euch hören.«

Der Großherzog setzte die beiden Jungen auf ihre Füße und ließ Viktor aufstehen. Erst jetzt hatte der blonde Junge wieder den Mut zu rebellieren. »Das sage ich meinem Großvater.«

»Tut dem so. Dann kann ich mich später kurzfassen«, rief der Großherzog dem davon stapfenden Viktor nach. Siegmund wandte sich an Volker. »Dein neuer Freund hat weder Manieren noch Verstand. Und nun Abmarsch.«

Vigor und Volker gingen den Flur entlang und die Treppe hoch. Erst kurz vor dem Zimmer wagten sie es zu sprechen.

»Ist dein Vater sehr wütend?«

»Schwer zu sagen«, überlegte Volker. »Besser wäre, es nicht herauszufinden.«

»Schlägt er auch?«

»Nein.«

»Das ist gut, dass er nicht wie der Oberste Aufseher ist.«

»Was meinst du?«

»Na ja, er würde uns sonst beim Bestrafen alle Knochen brechen.«

Volker sah Vigor fragend an.

»Überlege mal. Dein Vater hat uns, womöglich noch am gestreckten Arm, in der Luft gehalten und uns derweil in aller Ruhe zurechtgewiesen. Wo der hinschlägt, wächst gewiss kein Gras mehr und auch nichts anderes.«

Volker nickte mit einem kurzen Grinsen. Er war schon irgendwo Stolz auf die Muskelkraft seines Vaters.

In der Kammer zogen sie schweigend ihre guten oder sauberen Gewänder aus und wechselten in einfachere Kleidung. Vigor zog einfach wieder seine alte schmutzige Wäsche an. Für die Rückreise war keine Parade mehr vorgesehen, stattdessen würden sie äußerst informell im Vorhof des Jagdschlosses landen. Auch ihre Sachen, Bücher, Holzspielzeug von Volker verstauten sie in dem großen Reisekoffer. Es war eine verstärkte Kiste, groß genug, dass sich Vigor hineinsetzten konnte und der Deckel noch zuging. Hinzu kamen noch ein paar Kleinigkeiten, die Volker gekauft hatte, wo und wie auch immer. Sie waren sehr bald fertig. Doch die beiden Jungen wussten, dass es noch ein sehr langer Nachmittag werden würde.

Die Krönung, die nun folgte, war wesentlich aufwendiger als die Hochzeit. Denn die Magier verlangten ihr eine entsprechende Form ab. Jemanden außerhalb der angestammten Königslinien in den Königsstand zu erheben war unüblich und wurde groß gefeiert, da ein neuer, vererbbarer Titel geschaffen wurde. Aus diesem Grund war auch der gesamte Thronsaal so prunkvoll geschmückt worden. Schließlich wurde das Volk eingelassen. Es war ein gesunder Querschnitt durch die Stadtbevölkerung. Alle Familienväter waren mit einer Begleitperson eingeladen. Dies war in der Regel die Gemahlin, in allen anderen Fällen der älteste Sohn. Alle nur erdenklichen Kreaturen nahmen teil. Es waren Drachen, Dämonen und Trolle verschiedenster Arten anwesend. Ferner wohnten Menschen, Skelette, Spinnen, Schlangen und Echsen der Krönung bei. An der Wand hatten sich riesige Fliegen und eine Art übergroße Fledermaus niedergelassen. Flankiert wurde die Empore von zwei ausgewachsenen Zweikopfdrachen. Der anwesende Adel der Bashs hatte in der ersten Reihe Platz genommen. Er war genauso kunterbunt gemischt, wie die sonstige Bevölkerung der Stadt.

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