Kitabı oku: «Das magische Baumhaus (Band 49) – Abenteuer im Tal der Könige»

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Für Paul Aiken, einen meiner Helden



WIE ALLES ANFING

Eines sonnigen Tages tauchte ein geheimnisvolles Baumhaus im Wald von Pepper Hill in Pennsylvania auf.

Die Geschwister Philipp und Anne fanden schnell heraus, dass Zauberkräfte darin schlummern und dass sie damit nicht nur an jeden Ort der Welt, sondern auch kreuz und quer durch die Zeit reisen können.

Das Baumhaus gehörte der Zauberin Morgan. Sie war Bibliothekarin am Hof von Camelot, im sagenhaften Königreich des berühmten Königs Artus.

Im Auftrag von Morgan und ihrem Freund Merlin haben die Geschwister schon viele aufregende Abenteuer bestanden. Jetzt braucht Merlin wieder ihre Hilfe.

Sie sollen vier berühmte Personen treffen, um von ihnen das Geheimnis wahrer Größe zu erfahren. Auf ihrer Mission haben sie bereits Alexander den Großen und sein Streitross Bukephalos in Mazedonien kennengelernt und in New York eine Zaubershow des berühmten Magiers Harry Houdini besucht.

Jetzt warten die Geschwister gespannt darauf, wohin Merlin sie als Nächstes schicken wird, um einem weiteren Geheimnis wahrer Größe auf die Spur zu kommen …





Die kenne ich!

Philipp saß auf der vorderen Veranda in der Sonne und las in seinem Buch der besten Zaubertricks. Er hatte vor, für seine Eltern und Großeltern eine Zaubershow einzustudieren. Er trank einen Schluck Limonade und schrieb eine neue Liste in sein Notizbuch:



Anne klopfte von innen an die Fliegentür. „Hey, lass uns etwas machen!“

„Ich tu doch schon etwas“, entgegnete Philipp, trank noch einen Schluck Limonade und schrieb weitere Tricks auf seine Liste:



Anne hielt die Luft an: „Hast du das gehört?“ Sie zog die Tür auf und trat zu ihm auf die Veranda.

„Was gehört?“, fragte Philipp, während er schrieb:



„Dieses zischende Geräusch eben“, antwortete Anne.

„Ein zischendes Geräusch?“, wiederholte Philipp. Er überflog seine Liste und entschied, dass er noch zwei bis drei weitere Tricks brauchte.

„So als wäre das Baumhaus gerade in den Wald gezischt!“, erklärte Anne.

„Ja, ja … klar!“, sagte Philipp und blätterte in seinem Buch.

„Los, komm mit“, bat Anne. „Lass uns in den Wald gehen und nachschauen. Bitte!“

„Wir haben doch seit letztem Dienstag schon fünfmal nachgeschaut!“, sagte Philipp.

„Dann wird dir einmal mehr auch nicht wehtun“, meinte Anne. „Ich hab da so ein Gefühl … echt!“

Philipp seufzte. „Na gut. Du hast gewonnen! Noch einmal.“ Er steckte das Notizbuch und den Stift in seinen Rucksack. Das Buch mit den Zaubertricks ließ er auf der Veranda liegen. Dann stand er auf und ging hinter Anne die Stufen hinunter in den Hof.

„Bist du nicht auch ganz wild darauf, ein weiteres Geheimnis wahrer Größe für Merlin herauszufinden?“, fragte Anne, als sie den Bürgersteig entlanggingen. „Denk nur an den Zaubernebel: Willst du nicht auch wieder für eine Stunde ein großes Talent bekommen?“

„Doch, klar!“, antwortete Philipp. „Ich habe nur keine Lust, ständig das Baumhaus suchen zu gehen und es nie zu finden! Solche Ahnungen wie heute hast du jetzt schon seit zwei Wochen!“

Philipp und Anne überquerten die Straße und betraten den Wald von Pepper Hill. Im Schatten der Bäume roch Philipp den warmen Waldboden und die Blätter, er atmete tief ein. Vögel sangen in den Bäumen. Als Philipp und Anne sich der höchsten Eiche im Wald näherten, schlug Philipps Herz schneller. Diesmal war es wirklich da: Er sah es hoch oben in den Ästen des Baumes.

„Siehst du! Ich hatte recht!“, rief Anne begeistert.

Grinsend betrachtete Philipp das kleine hölzerne Haus, mit dem sie schon so viele Abenteuer erlebt haben. „Wie gut, dass wir noch mal nachgeschaut haben!“, sagte er.

Anne rannte zur Strickleiter und kletterte hinauf. Philipp war dicht hinter ihr. Oben im Baumhaus tanzten die Schatten der Zweige über die hölzernen Wände. Auf dem Fußboden lagen ein Stück Papier, ein goldener Ring, ein winziges Fläschchen und eine Schriftrolle.

„Eine neue Nachricht von Merlin!“, rief Anne. Sie hob die Schriftrolle auf, rollte sie auseinander und las vor:



„Florence Nightingale?“, wiederholte Anne. „Die kenne ich! Ich habe ein Referat über sie gemacht!“

„Ich kenne nur den Namen. Wer ist das denn?“, fragte Philipp.

„Sie ist echt der Wahnsinn!“, schwärmte Anne. „Sie ist eine meiner Heldinnen!“

„Ja, okay, aber was macht sie?“, fragte Philipp noch mal.

„Florence Nightingale hat um das Jahr 1850 in England gelebt“, erzählte Anne. „Zu der Zeit hat die englische Armee auf der Krim am Schwarzen Meer gekämpft. Florence Nightingale war als Krankenschwester mit dort. Die Soldaten haben sie die Dame mit der Lampe genannt, denn nachts, wenn es im Lazarett schon still und dunkel war, ging sie alleine mit einer Lampe von Bett zu Bett. Sie brachte den Verletzten Licht und Trost und sah noch einmal nach ihren Wunden. Sie war eine ganz besondere Frau und unglaublich mutig. Sie wurde sehr berühmt und später hat sie den Beruf der Krankenschwester …“

„Stopp! Du musst jetzt nicht dein ganzes Referat noch einmal halten“, unterbrach Philipp seine Schwester. „Ich kann’s mir vorstellen. Sie klingt cool! Lass sie uns kennenlernen!“

„Ich habe das Gefühl, als ob ich sie jetzt schon kennen würde!“, sagte Anne und lachte.

„Ich bin gespannt, wo wir diesmal hinreisen“, meinte Philipp und hob ein dünnes Buch auf. Der ausgeblichene lederne Einband sah altmodisch aus.

„Ich wette, das Buch handelt von England oder von der Krim“, vermutete Anne.

„Weder noch.“ Philipp zeigte ihr den Umschlag.



„Ägypten?“, fragte Anne. „Ich habe nirgendwo gelesen, dass Florence Nightingale als Krankenschwester in Ägypten war!“

„Aber wir waren schon mal in Ägypten“, meinte Philipp. „Erinnerst du dich an die Mumie in der Pyramide?“

„Genau, die Geisterkönigin“, sagte Anne. „Sie war auf dem Weg in das nächste Leben.“

Philipp lief ein Schauder über den Rücken. „Das war vielleicht seltsam!“

„Keine Bange, die Geisterkönigin war Tausende von Jahren in der Vergangenheit“, beruhigte Anne ihn, „diesmal reisen wir nur bis ins Jahr 1849.“

„Na … okay“, meinte Philipp. „Wahrscheinlich sind die alten Geister bis dahin alle längst weg.“

„Wie auch immer“, sagte Anne. „Bereit?“

„Warte“, sagte Philipp. Er hob den goldenen Ring auf und reichte ihn Anne. „Du bist an der Reihe, ihn zu tragen.“

Anne steckte den Ring an ihren Finger. Die Geschwister starrten beide einen Moment darauf. Es war ein magischer Ring: Sobald Florence Nightingale ihnen ein Geheimnis wahrer Größe verriet, würde der Ring glühen wie Feuer.

„Der Ring der Wahrheit“, flüsterte Anne.

„Ja! Vergiss bloß nicht, gut auf ihn zu achten, während wir mit Florence reden!“, ermahnte Philipp seine Schwester.

„Schon gut, das werde ich!“, versprach Anne. „Hier, nimm du das.“ Sie hob das Glasfläschchen auf und reichte es Philipp.



Er hielt das Fläschchen ins Sonnenlicht und betrachtete den silbrig wirbelnden Dunst im Inneren. „Nebel, der beim ersten Licht des Neumonds auf der Insel Avalon gesammelt wurde …“, flüsterte er.

„Ja. Damit werden wir genau eine Stunde lang eine besondere Fähigkeit haben“, sagte Anne.

Philipp lächelte, als er sich an ihre Stunde als Pferdetrainer und als Zauberkünstler auf der Bühne erinnerte. „Worin wir wohl diesmal besonders gut sein werden?“, überlegte er.

„Vielleicht in der Krankenpflege?“, vermutete Anne.

„Mal sehen“, meinte Philipp und steckte das kleine Fläschchen in seinen Rucksack. Dann nahm er das Blatt Papier vom Boden. Darauf hatte er die beiden Geheimnisse wahrer Größe notiert, die sie bisher herausgefunden hatten:



„Bereit, das dritte Geheimnis bei Florence Nightingale zu finden?“, fragte er.

„Tausendmal ja!“, rief Anne.

Philipp deutete auf das Bild auf dem Umschlag des Reisehandbuchs Ägypten. „Ich wünschte, wir wären dort!“, sagte er.

Wind kam auf.

Das Baumhaus fing an, sich zu drehen.

Es drehte sich schneller und immer schneller.

Dann war alles wieder still.

Totenstill.



Willkommen in Theben!

Trockene, warme Luft erfüllte das Baumhaus. Philipp hatte einen helmartigen Hut auf dem Kopf. Er trug Lederstiefel, ein langärmeliges Hemd, ein paar schwere Leinenhosen und dazu einen Ledergürtel, an dem eine große Gürteltasche befestigt war.

„Ich wünschte, ich hätte auch so etwas an wie du“, sagte Anne und verzog das Gesicht. Sie trug ein langes weißes Kleid mit Spitze. „Du siehst aus wie ein cooler Forscher. Ich bin angezogen, als wollte ich zu einer Teeparty gehen.“

„Mach dir nichts draus“, tröstete Philipp sie. „Meine Sachen sind dafür echt kratzig und schwer.“

„Iiiaah!“

„Ist das ein Esel?“, fragte Anne.

Philipp und sie schauten aus dem Fenster des Baumhauses. Blätter und Zweige versperrten ihnen völlig die Sicht.

„Ich glaube, wir sind in einem Maulbeerfeigenbaum gelandet“, meinte Philipp und betrachtete die Blätter.

Anne schob ein paar Äste zur Seite. Alles, was sie unter sich sahen, waren noch mehr Zweige. Doch geradeaus erblickten sie in der Ferne eine weite Ebene und einige sandfarbene Ruinen. Hinter der Ebene ragten Berge in den wolkenlosen Himmel. Die ägyptische Sonne war blendend hell.

„Iiiaah!“

„Das ist eindeutig ein Esel“, stellte Anne fest. „Lass uns mal nachschauen!“ Sie raffte ihr langes weißes Kleid zusammen und kletterte die Strickleiter hinunter.

Philipp steckte das kleine Reisehandbuch in seine lederne Gürteltasche. Sein Notizbuch, der Stift und das Fläschchen mit dem magischen Nebel befanden sich schon drin. Außerdem fand er darin noch ein paar Münzen mit Pharaonen darauf. „Hey, wir haben sogar ägyptisches Geld!“, rief er zu Anne hinunter.

„Super! Kommst du runter?“, rief sie zurück. Sie war schon fast unten.

Philipp machte seine Tasche zu. Mit den steifen Lederstiefeln kletterte er etwas unbeholfen hinunter. Sobald er ins Gras trat, setzten sich Fliegen auf sein Gesicht. Er schüttelte den Kopf und wedelte mit den Händen, um sie zu verjagen.

Der Maulbeerfeigenbaum stand inmitten von Büschen und anderen Pflanzen am saftig grünen Ufer eines Flusses. Auf der gegenüberliegenden Seite ankerten einige Dutzend Segelboote in der Nähe eines Tempels.



„Iiiaah!“

Dieses Geräusch kam aus den Büschen. Philipp und Anne gingen um die Büsche herum und sahen nach. „Du hattest recht! Da sind zwei Esel“, stellte Philipp fest. „Und ein Junge ist bei ihnen.“

Ungefähr fünfzehn Meter weiter standen zwei kleine Esel unter einigen Palmen am Flussufer. Sie bewegten ihre langen pelzigen Ohren und schlugen mit dem Schwanz, um die Fliegen zu verscheuchen. Der Junge hatte ein gestreiftes KIeid an und schlummerte in einem Ruderboot, das auch am Ufer lag.

„Sollen wir mit ihm reden?“, fragte Anne.

„Klar!“, meinte Philipp.

Die Geschwister traten aus dem Gebüsch und steuerten auf den Jungen zu. „Hallo!“, rief Anne.

Der Junge kletterte aus dem Ruderboot. Er war ungefähr in ihrem Alter. „Ich habe euch nicht kommen sehen“, sagte er. „Willkommen in Theben! Mein Name ist Ali. Braucht ihr Esel und einen Führer?“

„Nein, vielen Dank“, wehrte Philipp ab.

„Mein Großvater ist der beste Führer in ganz Theben!“, sagte Ali stolz. „Er ist gerade mit zwei Reisenden aus England unterwegs. Dort kommt er! Der auf dem Pferd!“

In der Ferne erkannten sie einen Mann mit weißem Bart, der auf einem Packpferd ritt. Er führte einen Mann und eine Frau auf Eseln in Richtung Fluss.

„Nachdem mein Großvater die beiden über den Nil zu ihrem Boot gerudert hat, kann er euch zu den Gräbern in den Felsen führen“, schlug Ali vor. „Oder auch zum Tempel von Luxor.“ Er deutete auf den Tempel am anderen Flussufer.

„Danke. Später vielleicht“, sagte Philipp.

„Wir sind jeden Tag hier. Kommt wieder“, rief Ali und rannte seinem Großvater und den beiden Reisenden aus England entgegen.

„Wir haben ja gerade eine Menge erfahren“, sagte Philipp zu seiner Schwester. „Sieht so aus, als wären wir in Theben gelandet, einer Stadt in Ägypten, am Ufer des Nils, gegenüber vom Tempel von Luxor.“

„Klingt wie ein Märchen“, fand Anne.

Philipp holte das Ägypten-Handbuch heraus, suchte Theben und las vor:

Reisende besuchen gerne die Gegend um Theben in Ägypten. Vor 4000 Jahren war diese ägyptische Stadt der Mittelpunkt der damals bekannten Welt. Zu dieser Zeit war sie der lauteste und lebhafteste Ort entlang des Nils.

„Echt?“, fragte Philipp. Er sah sich am ruhigen Flussufer um, sah die beiden Esel und in der Ferne die kahlen Berge.

„Sieht aus, als hätten sich die Zeiten für Theben geändert“, meinte Anne.

„Aber ganz gewaltig!“, stimmte Philipp ihr zu. „Was tut Florence Nightingale dann wohl hier?“

„Kranke pflegen!“, antwortete Anne. „Was sonst? Dafür ist sie schließlich berühmt. Vielleicht wissen die beiden Reisenden aus England ja etwas über sie?“ Anne deutete auf das Paar, das mit Alis Großvater unterwegs war. „Schließlich kommt Florence auch aus England.“

Philipp und Anne beobachteten die drei Reiter. Alis Großvater stieg von seinem Packpferd und half dem Paar beim Absteigen von den Eseln. Während Ali und sein Großvater den Eseln Wasser gaben, bemerkte die Engländerin die Geschwister.



„Hallo Kinder!“, rief sie und winkte ihnen zu.

Philipp und Anne winkten zurück und das Paar kam zu ihnen rüber.

„Wie schön, neue Gesichter in Theben zu sehen!“, sagte die Frau.

„Ja“, bestätigte der Mann lächelnd. „Wer seid ihr? Und wo kommt ihr her?“

Der Mann und die Frau waren beide kräftig. Sie waren mittelalt, aber sie wirkten ausgelassen und jugendlich.

„Ich heiße Anne und das ist mein Bruder Philipp“, sagte Anne. „Wir kommen aus Pepper Hill in Pennsylvania.“

„Amerikaner! Wunderbar!“, rief die Frau. „Wir sind aus England. Mein Name ist Selina Bracebridge. Ich reise mit meinem Mann Charles.“

„Dieser Charles bin ich!“, sagte Charles. „Und mit wem seid ihr unterwegs?“

„Äh … unseren Eltern“, schwindelte Anne. „Aber sie haben uns alleine hier in Theben gelassen.“

„Damit wir uns die Ruinen anschauen können“, erklärte Philipp. „Sie fanden, das wäre eine lehrreiche Erfahrung.“

„Was für tapfere amerikanische Kinder ihr seid!“, fand Selina. „Und was für ungewöhnliche Eltern ihr habt!“

„In der Tat! Und wo wohnt ihr mutigen amerikanischen Kinder?“, fragte Charles.

„Äh … dort flussaufwärts am Nil“, sagte Anne und wedelte mit der Hand vage in Richtung Baumhaus. „In einem kleinen Haus, einer Art Gasthaus.“

„Aha. Gut, gut“, sagte Charles. „Können wir euch vielleicht irgendwie helfen bei eurer lehrreichen Erfahrung hier in Theben?“

Philipp wusste, dass der Mann scherzte, aber Anne antwortete sofort: „Ja, Sie könnten uns wirklich helfen. Kennen Sie zufällig eine Frau, die Florence Nightingale heißt? Dort, wo wir wohnen, hat uns jemand erzählt, sie wäre hier in Theben.“

Selinas Augen wurden groß vor Überraschung. „Charles, hast du das gehört? Sie suchen Flo!“

Philipp sah Anne an, dann Charles und Selina.

„Sie kennen Florence Nightingale?“, fragte er.

„Sie kennen?“, wiederholte Selina. „Kennen? Natürlich! Sie ist unsere beste Freundin und wir reisen zusammen.“ Sie deutete auf die Segelboote, die im Fluss ankerten.

„Sie segelt seit vielen Wochen mit uns in unserem Boot den Nil rauf und runter!“, erklärte Charles.

„Das ist ja erstaunlich!“, sagte Anne zu Philipp.

„Und wie!“, fand er.

„Und woher kennt ihr beide Flo?“, fragte Selina.

„Na ja, eigentlich kennen wir sie nicht richtig“, gab Anne zu. „Wir wissen nur, dass sie eine weltberühmte Krankenschwester ist.“

„Eine was?“, fragte Selina.

„Eine weltberühmte … Krankenschwester?“, wiederholte Anne. „Sie wissen schon, in einem Krankenhaus.“

Charles und Selina lachten beide.

„Oh nein! Flo doch nicht!“, wehrte Selina ab. „Sie hat zwar kranken Verwandten und Nachbarn zu Hause ab und zu geholfen. Aber berühmt ist sie dafür kein bisschen!“

„Und sie hat ganz bestimmt noch nie in einem Krankenhaus gearbeitet“, ergänzte Charles. „Ich fürchte, da habt ihr die falsche Florence Nightingale gefunden.“

„Oh“, machte Philipp. Aber bei sich dachte er: „Wie viele Florence Nightingales kann es wohl geben?“

„Aber Ihre Flo ist ein großartiger Mensch, oder?“, hakte Anne nach.

„Natürlich, wir finden, das ist sie!“, bestätigte Selina.

„Also, dann würden wir sie auch sehr gerne kennenlernen!“, meinte Anne.

„Na dann!“, sagte Selina. „Flo sieht sich heute Vormittag den Tempel von Luxor an. Kommt doch am besten mit uns zu unserem Boot und wartet dort auf sie.“

„Oh, vielen Dank!“, sagte Anne.

„Sehr gut!“, meinte Charles. „Mustafa wird uns mit seinem Ruderboot hinbringen.“ Er wandte sich an den bärtigen Führer und seinen Enkel. „Mustafa, können wir los?“, rief er. „Auf Wiedersehen, Ali!“

Der Junge winkte ihnen zu und sein Großvater schob das Ruderboot ein Stückchen weiter ins Wasser.

„Die Kinder zuerst“, sagte Charles.

Mustafa hielt das Ruderboot fest, während Anne und Philipp an Bord kletterten und sich setzten. Dann half er Charles und Selina an Bord und kletterte selbst ins Boot.

Sobald alle saßen, stieß Mustafa das Boot vom Ufer ab und ruderte auf den Nil. Während das Boot über das in der Sonne glitzernde Wasser glitt, sang der alte Ägypter leise ein Lied. Philipp konnte die Worte nicht verstehen, aber die Melodie war beruhigend, gesungen im Rhythmus der Ruderbewegungen.

„Das ist doch perfekt“, flüsterte Anne. „Alles, was wir jetzt tun müssen, ist, Zeit mit Florence Nightingale zu verbringen und darauf zu warten, dass der Ring der Wahrheit glüht.“

„Schon, aber sie ist doch gar keine berühmte Krankenschwester“, flüsterte Philipp zurück. Er wedelte ein paar Fliegen weg. „Sie ist nicht berühmt und nicht besonders großartig in irgendetwas.“

„Das stimmt. Das ist allerdings ein bisschen verwirrend“, gab Anne zu.



„Seht doch, Kinder! Ist das nicht ein erstaunlicher Anblick?“ Charles deutete auf ein riesiges Krokodil, das sich auf einem Felsen im Fluss sonnte.

„Wahnsinn!“, rief Philipp.

„Iiieh!“, rief Anne gleichzeitig.

Das Krokodil hatte eine schuppige Haut mit schwarzen Flecken. Seine grünen Augen glommen auf, als das Ruderboot vorüberglitt.

„Habt keine Angst“, beruhigte Charles sie. „Nach unserer Erfahrung sind die Nil-Krokodile völlig harmlos.“

„Harmlos? Krokodile?“, dachte Philipp. „Das glaube ich nicht!“

Als sie am gegenüberliegenden Ufer ankamen, hörte Mustafa auf zu singen, kletterte an Land und vertäute das Boot. Er half Anne und Philipp an Land. Selina und Charles stiegen ebenfalls aus.

Charles gab dem Führer Geld.

„Vielen Dank, Mustafa“, sagte er. „Bitte warten Sie hier am Ufer, da Miss Nightingale später, wenn es etwas kühler ist, das westliche Theben besuchen möchte. Hier entlang, Kinder!“

Philipp und Anne folgten Selina und Charles, die zügig den Bootsanleger entlanggingen, vorbei an einer Reihe von Segelbooten, die hier vor Anker lagen.

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Yaş sınırı:
18+
Litres'teki yayın tarihi:
20 ağustos 2020
Hacim:
95 s. 43 illüstrasyon
ISBN:
9783732005130
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