Kitabı oku: «Psychotherapie und Psychosomatik»

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Der Autor


Prof. Dr. med. Michael Ermann ist Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Psychoanalytiker in Berlin. Dort ist er vor allem als Supervisor und Berater tätig. Er ist habilitiert für Psychosomatische Medizin und Psychoanalyse an der Universität Heidelberg und emeritierter Professor für Psychosomatik und Psychotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er 25 Jahre der Psychosomatischen Abteilung der Psychiatrischen Klinik vorstand.

Michael Ermann

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7. Auflage 2020

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-036800-2

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-036801-9

epub: ISBN 978-3-17-036802-6

mobi: ISBN 978-3-17-036803-3

Vorwort
Zur 7. Auflage

Dieses Lehrbuch hat nach mehr als zwanzig Jahren seine eigene Geschichte. Ursprünglich von meinen Studenten1 angeregt, hatte ich es 1994 für den Gebrauch im Medizinstudium geschrieben. Damals war das Fach »Psychosomatische Medizin und Psychotherapie« neu in den Lehrplan eingeführt worden und es gab nur ganz wenige Lehrbücher für das neue Fach, in dem die psychodynamischen Konzepte dominierten. Es erwies sich aber rasch, dass das komplexe psychoanalytisch orientierte Denken zu weit vom Interesse des künftigen Allgemeinarztes wegführt, auf den das Medizinstudium ausgerichtet ist. Wir haben für den Leserkreis der jungen Mediziner deshalb bald parallel zu diesem Buch eine Einführung in die Psychosomatik und Psychotherapie herausgegeben, die sich großer Beliebtheit erfreut.2

So fand dieses Buch seine Leser hauptsächlich unter Ärzten und Psychologen in psychotherapeutischer Weiterbildung. Zum Leserkreis gehören aber auch praktizierende Psychotherapeuten und Psychiater, die für den psychodynamischen, psychoanalytisch orientierten Ansatz aufgeschlossen sind. Für diesen Leserkreis wurde die Bearbeitung der verschiedenen Neuauflagen konzipiert.

Als Idee dieses Lehrbuchs zieht sich die Systematisierung des psychodynamischen Zugangs zur Psychopathologie durch alle Auflagen. Sie beruht auf den drei Säulen reaktive, neurotische und posttraumatische Störungen, wobei die neurotische Pathologie anhand der Kategorien der Strukturdiagnostik weiter aufgeschlüsselt wird. Daraus ergibt sich ein differenzieller psychodynamischer Behandlungsansatz mit den Polen einer einsichtsorientierten und einer erfahrungsorientierten Behandlungsstrategie. Diese Systemtisierung stellt eine Brücke her zu Ergebnissen der Säuglings- und Bindungsforschung sowie der Gedächtnis- und Hirnforschung der letzten Jahrzehnte.

Für die 7. Auflage wurde das gesamte Buch gründlich überarbeitet und aktualisiert. Aufgrund der internationalen Entwicklung und meiner persönlichen Orientierung wurde dabei der intersubjektive Ansatz weiter ausgearbeitet. Damit erhält auch der wachstumsfördernde implizite Behandlungsansatz immer stärkeres Gewicht.3 Phänomene wie die Entwicklung des Selbst oder die Gestaltung der therapeutischen Beziehung erscheinen uns heute als intersubjektive Prozesse in einer neuen Perspektive.

Dieses Buch ist von der Überzeugung getragen, dass das psychoanalytische Denken einen unvergleichlichen Zugang zum Menschen in Gesundheit und Krankheit, zu seinem hintergründigen Erleben, seinen Beziehungen, seiner Sozialisierung und seinen kulturellen Schöpfungen eröffnet. Mit der aktualisierten Neuauflage verbinde ich den Wunsch, dass es dazu beiträgt, dieses Denken auf einer soliden modernen Grundlage für die Annäherung an unsere Patienten zu erhalten. Es soll ein Beitrag für die Sicherung unseres Faches in der Zukunft sein. Dabei denke ich vor allem an die Herausforderungen, die das Fach in der anstehenden Umstrukturierung der Ausbildung psychologischer Psychotherapeuten zu bewältigen hat.

Die Unterstützung der Helfer und Berater bei den früheren Auflagen ist nach wie vor unvergessen. Mein Dank gilt auch wieder dem Kohlhammer-Verlag, der die Entwicklung dieses Lehrbuchs weiter mit Engagement und Interesse begleitet. Ganz besonders danke ich meinem Partner Werner J. Stauten. Er hat die Arbeit an der Neuauflage mit Sorgfalt, viel Geduld und Sachverstand mit getragen.

Berlin, im Frühjahr 2020

Michael Ermann

Aus dem Vorwort zur ersten Auflage (1994)

Die Psychotherapie, und mit ihr die Psychosomatische Medizin, stand in Deutschland Anfang der 1990er Jahre mit der Einführung eines ärztlichen Fachgebietes »Psychotherapeutische Medizin« in einer neuen Phase der Institutionalisierung. Es besteht seither die Möglichkeit, dass Ärzte, die hauptsächlich Psychotherapie betreiben wollen, nach ihrer Ausbildung als Fachärzte tätig werden können. Sie wurden damit anderen Fachärzten gleichgestellt.

Diese Neuregelung war vor allem im Kreise der Psychoanalytiker, die einen großen Teil der Psychotherapeuten ausmachen, umstritten, weil weitgehende Veränderungen der Ausbildungsstrukturen und der Ausbildungsinhalte an die neue Regelung geknüpft wurden. Ähnliches wird für die nächsten Jahre von einem sog. Psychotherapeutengesetz erwartet, das auch die psychotherapeutische Tätigkeit von Diplompsychologen in Deutschland regeln soll.

So problematisch diese Veränderungen einerseits sind, der Psychotherapie und Psychosomatik haben sie im Medizinalsystem ein größeres Gewicht gegeben. Auch das Studienfach »Psychosomatische Medizin und Psychotherapie«, das vor 25 Jahren in die Ausbildung der Medizinstudenten eingeführt wurde, hat damit größeren Einfluss erhalten.

Ob es angesichts einer besseren, auch wirtschaftlich vorteilhafteren Institutionalisierung allerdings gelingt, den hohen wissenschaftlichen Standard der bisherigen Psychotherapie und Psychosomatik aufrechtzuerhalten, hängt vorrangig von der Qualität, daneben natürlich auch von der Struktur der Ausbildung ab. Damit hat die Ausbildung von Medizinern und Psychologen während und nach dem Universitätsstudium eine Neubewertung erfahren.

Für mich als Hochschullehrer und als Beteiligter an der Psychotherapieausbildung war das eine Herausforderung und war Anlass dafür, unser heutiges klinisches Wissen und den Stand unserer psychotherapeutischen Erfahrungen in einem Leitfaden für das Studium und die spätere Weiterbildung zusammenzutragen.

Zum Konzept dieses Buches

Der Darstellung liegt ein psychoanalytisch orientierter Ansatz zugrunde, der die Beziehungserfahrungen des Menschen in das Zentrum der Betrachtung rückt und mit trieb-, ich- und selbstpsychologischen Aspekten verknüpft. Er kann als weithin repräsentativ für das heutige psychoanalytische Denken gelten. Innerhalb dieses Ansatzes wird ein entwicklungsdynamisches Strukturmodell zugrunde gelegt. Daneben werden reaktive Störungen und chronische posttraumatische Störungen als besondere Störungsformen betrachtet.

Neben diesem psychoanalytischen Ansatz werden bei der Darstellung allgemeine psychotherapeutische und psychosomatische Basisinformationen vermittelt. Zusätzlich werden grundsätzliche verhaltenstherapeutische Aspekte erörtert.4

Zur Lektüre dieses Buches

Dieses Buch gliedert sich in die Teile Grundlagen, Diagnostik, Krankheitsbilder und Behandlung. Als Basis für das Verständnis ist das Kapitel 3 über die Neurosenentstehung gedacht. Weil immer wieder auf die Grundformen der psychogenen Pathologie Bezug genommen wird, empfiehlt es sich, vor dem Studium spezieller Fragen auf jeden Fall auch das Kapitel 4 durchzuarbeiten. Im Übrigen sind die einzelnen Kapitel so gestaltet, dass sie unabhängig voneinander gelesen werden können.

Die Literaturverweise in den Fußnoten enthalten einerseits Grundsatzarbeiten zu zentralen Konzepten; hier kann die Auswahl angesichts der Fülle der Literatur nur willkürlich sein. Wo verfügbar, wurden deutschsprachige und leicht erreichbare Arbeiten angegeben. Andererseits werden einige zentrale Begriffe durch Hinweise auf die Erstbeschreiber oder wichtige Neuformulierungen belegt. Bei Begriffen und Konzepten, die heute zum »allgemeinen Wissensstand« unseres Fachs gehören, wurde auf solche Hinweise verzichtet, um das Literaturverzeichnis überschaubar zu halten.

1 Wenn im Folgenden bei der Nennung von Personen im Hinblick auf eine bessere Lesbarkeit des Textes lediglich die Form des generischen Maskulinums verwandt wird, sind stets alle Geschlechter gemeint.

2 Ermann u. a. (2006)

3 Ermann (2014)

4 Die Idee, in diesem Buch auch grundlegende Informationen über die Verhaltenstherapie als zweite führende Methode in der Versorgung zu vermitteln, hat sich nicht bewährt. Ich habe mich anlässlich der 6. Auflage daher entschlossen, auf das Kapitel über die Verhaltenstherapie zu verzichten, und mich bei einzelnen Themen auf kurze Hinweise zur verhaltenstherapeutischen Sichtweise beschränkt. Im Übrigen sei auf die inzwischen vorliegende große Zahl hervorragender Einführungen in die Verhaltenstherapie verwiesen.

Inhalt

1  Vorwort

2  Einleitung: Das Arbeitsfeld der Psychotherapie und Psychosomatik

3  1 Annäherungen an das Psychische

4  2 Psychotherapie und Psychosomatik

5  Krankheit und Krankheitsentstehung

6  1 Psychosoziale Aspekte des Krankseins

7  1.1 Krankheitsrisiko

8  1.2 Krankheitsbewältigung – Das Coping-Konzept

9  1.3 Die therapeutische Beziehung

10  2 Erleben und Entwicklung aus psychoanalytischer Sicht

11  2.1 Psychodynamik und die Verarbeitung von Erfahrungen

12  2.2 Entwicklungspsychologische Grundlagen

13  2.3 Marksteine der Entwicklung

14  3 Die Entstehung von psychogenen Störungen

15  3.1 Ätiopathogenetische Grundlagen

16  3.2 Grundformen der psychogenen Pathologie (»Allgemeine Neurosenlehre«)

17  Diagnostik

18  4 Psychoanalytische Entwicklungs- und Strukturdiagnostik

19  4.1 Entwicklung und Struktur

20  4.2 Das niedere Strukturniveau (Borderline-Persönlichkeitsorganisation)

21  4.3 Das mittlere Strukturniveau (Präödipale Persönlichkeitsorganisation)

22  4.4 Das höhere Strukturniveau (Neurotische Persönlichkeitsorganisation)

23  4.5 Anmerkungen zur reifen Persönlichkeitsorganisation

24  5 Klinische Diagnostik

25  5.1 Psychodynamische Diagnostik im Vorfeld der Fachpsychotherapie

26  5.2 Psychotherapeutische Fachdiagnostik

27  5.3 Psychotherapeutische Diagnosen

28  Krankheitsbilder

29  6 Reaktive Störungen

30  6.1 Belastungsreaktionen

31  6.2 Anpassungsstörungen

32  6.3 Somatopsychische Störungen

33  7 Posttraumatische Störungen

34  7.1 Trauma und seelische Störung

35  7.2 Häufigkeit und Disposition

36  7.3 Traumatisierung und Traumaverarbeitung

37  7.4 Posttraumatische Krankheitsbilder

38  7.5 Diagnostik und Therapie

39  8 Persönlichkeitsstörungen

40  8.1 Das Konzept der Persönlichkeitsstörungen

41  8.2 Hysterische (histrionische) Persönlichkeitsstörung und »Hysterie«

42  8.3 Präödipale narzisstische Persönlichkeitsstörung und narzisstische Krisen

43  8.4 Borderline-Persönlichkeitsstörung und Borderline-Syndrom

44  8.5 Schizoide Persönlichkeitsstörung

45  8.6 Weitere Persönlichkeitsstörungen

46  9 Psychische Störungen (Psychoneurosen)

47  9.1 Grundlagen

48  9.2 Depressive Störungen (Depressive Neurosen)

49  9.3 Angststörungen (Angstneurosen)

50  9.4 Zwangsstörungen (Zwangsneurosen)

51  9.5 Dissoziative Störungen

52  9.6 Entfremdungsstörungen (Depersonalisations-/Derealisationssyndrome)

53  10 Somatoforme Störungen (Organneurosen)

54  10.1 Grundlagen

55  10.2 Konversionsstörungen (Konversionsneurosen)

56  10.3 Somatisierungsstörungen

57  10.4 Schmerzstörungen

58  10.5 Psychogene Sexualstörungen

59  11 Verhaltensstörungen

60  11.1 Essstörungen

61  11.2 Abhängigkeitsverhalten

62  11.3 Selbstverletzendes Verhalten

63  11.4 Störungen der Sexualität

64  11.5 Suizidalität

65  11.6 Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS)

66  12 Psychosomatosen

67  12.1 Grundlagen

68  12.2 Psychosomatosen aus psychoanalytischer Sicht

69  12.3 Allgemeines zur Psychotherapie

70  12.4 Häufige Krankheitsbilder

71  13 Nichtorganische Psychosen

72  13.1 Geschichte der psychoanalytischen Psychosentherapie

73  13.2 Das psychodynamische Verständnis von nichtorganischen Psychosen

74  13.3 Psychodynamische Behandlung von Psychosen

75  14 Psychosomatik in somatischen Fachgebieten

76  14.1 Allgemeinmedizin, fachübergreifende psychosomatische Aufgaben

77  14.2 Augenheilkunde

78  14.3 Chirurgie

79  14.4 Dermatologie

80  14.5 Gynäkologie und Geburtshilfe

81  14.6 Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde

82  14.7 Innere Medizin

83  14.8 Neurologie

84  14.9 Orthopädie

85  14.10 Pädiatrie

86  14.11 Urologie

87  14.12 Zahnmedizin

88  Behandlung

89  15 Psychotherapie: Grundlagen und Versorgung

90  15.1 Grundlagen der Psychotherapie

91  15.2 Die Institutionalisierung der Psychotherapie

92  15.3 Ambulante psychotherapeutische Versorgung

93  15.4 Psychotherapie in Institutionen

94  16 Einführung in die Psychoanalyse

95  16.1 Entwicklung der Psychoanalyse

96  16.2 Die psychoanalytische Methode

97  16.3 Zielsetzungen und Behandlungsstrategien

98  17 Psychodynamische (psychoanalytisch begründete) Verfahren

99  17.1 Indikation zur psychodynamischen Behandlung

100  17.2 Psychoanalytische Verfahren

101  17.3 Psychoanalytisch orientierte Verfahren

102  18 Psychodynamische Gruppenpsychotherapie

103  18.1 Grundlagen

104  18.2 Psychotherapie in Gruppen

105  18.3 Methoden und Praxis

106  19 Paar- und Familientherapie

107 Unter Mitarbeit von Michael Wirsching und Peter Scheib

108  19.1 Das System als Bezugspunkt

109  19.2 Methoden und Verfahren

110  19.3 Allgemeine Indikation und Anwendungen

111  20 Stützende und übende Verfahren

112  20.1 Behandlung von somatopsychischen Anpassungsstörungen

113  20.2 Krisenintervention

114  20.3 Suggestive Techniken und Entspannungsverfahren

115  21 Entwicklungen im Umfeld der Psychoanalyse

116  21.1 Humanistische Psychotherapie

117  21.2 Systemische Therapie

118  21.3 Neue Entwicklungen

119  22 Medikamente in der Psychotherapie und Psychosomatik

120 Unter Mitarbeit von Lars Hermann

121  22.1 Medikamente und die therapeutische Beziehung

122  22.2 Kurzer Überblick über gebräuchliche Medikamente

123  22.3 Zur Behandlung mit Psychopharmaka

124  Anhang

125  Glossar

126  Literatur

127  Sachverzeichnis

128 

Für Susanne und Rainer, Gabriel und Samira

Einleitung: Das Arbeitsfeld der Psychotherapie und Psychosomatik

1 Annäherungen an das Psychische

2 Psychotherapie und Psychosomatik

2.1 Definitionen

2.2 Historischer Hintergrund

2.3 Grundlagen

2.4 Traditionelle und neuere Aufgaben

Psyche [griech.] bedeutet Seele, Soma heißt Körper. Unter Seele versteht man die gefühlshaften und geistigen Regungen.

Psychotherapie ist Krankenbehandlung mit psychologischen Mitteln.

Psychosomatik ist die Lehre von der Wechselwirkung zwischen seelischen, psychosozialen und körperlichen Prozessen in Gesundheit und Krankheit.

1 Annäherungen an das Psychische

Die Seele ist ein traditionelles Thema in der abendländischen Kultur. Seit der Antike beschäftigen sich Philosophie, Mythologie, Psychologie, Religion und Medizin mit dem menschlichen Erleben und Verhalten. Dabei wurden Seele und Körper in Anschluss an die griechische Philosophie traditionell als Ganzheit betrachtet. Das galt sowohl für die Philosophie, aus der heraus sich im 19. Jahrhundert die Psychologie entwickelt hat, als auch für die Medizin. Erst René Descartes stellte 1641 in seinen »Meditationen« die res cogitans, d. h. Geist, Seele, Bewusstsein, Verstand und Vernunft, den res extensa, d. h. dem Körper, gegenüber und prägte damit nachhaltig das abendländische Denken.

Ansätze der Psychologie

Erste systematische Abhandlungen über die Seele stammen von Platon und Aristoteles. Der Begriff Psychologie als Lehre von der Seele tauchte um 1500 auf. In der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert entstand ein zunehmendes Interesse an psychologischen Fragen, verbunden mit Namen wie Gottfried Wilhelm Leibnitz und Immanuel Kant. Sie betonten den empirischen Charakter der Psychologie. Dieser Ansatz wurde leitend, als im 19. Jahrhundert die Psychologie als akademisches Forschungsgebiet entstand: Sie verstand sich als empirische Wissenschaft. Inhaltlich beschäftigte sie sich mit Phänomenen wie dem Denken und der Wahrnehmung und rückte damit in die Nähe zur Neurophysiologie und Medizin. Methodisch stand sie den Naturwissenschaften und ihrem positivistischen Forschungsansatz nahe. Maßgeblich ist dafür die Verknüpfung von Experiment und Mathematik, die von Gustav Theodor Fechner eingeführt wurde. So gelten die Laborexperimente von Wilhelm Wundt in Leipzig als Beginn der akademischen Psychologie.

Als Gegenströmung zur experimentellen Psychologie entstand die geisteswissenschaftliche Richtung, die von Wilhelm Dilthey vertreten wurde. Er entwickelte mit der Hermeneutik einen verstehenden geisteswissenschaftlichen Ansatz. Dieser hat sich allerdings nie gegenüber dem naturwissenschaftlichen Ansatz durchgesetzt und gilt in der akademischen Psychologie als unwissenschaftlich. Diese Bewertung erfuhr auch die Psychoanalyse, die um 1900 von Sigmund Freud entwickelt wurde und sich außerhalb der akademischen Psychologie etablierte.

Auch heute versteht die akademische Psychologie sich als empirische Wissenschaft vom Erleben und Verhalten, die überwiegend an experimentellen naturwissenschaftlich-quantitativen Methoden orientiert ist. Als ein Bereich der angewandten Psychologie hat sich die klinische Psychologie etabliert, die psychologische Aspekte von psychischen Störungen und Folgen anderer Erkrankungen untersucht, Grundlagen und Methoden für deren Behandlung erarbeitet und die Ergebnisse von Interventionen wissenschaftlich evaluiert. Die psychologische Psychotherapie ist insoweit ein Teil der klinischen bzw. medizinischen Psychologie. Sie überschneidet sich in der Praxis mit der psychosomatischen bzw. psychotherapeutischen Medizin und Teilen der Psychiatrie.

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Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
18 ağustos 2025
Hacim:
1206 s. 44 illüstrasyon
ISBN:
9783170368026
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