Kitabı oku: «Schlagfertig»
Michael Traindt
SCHLAGFERTIG
Wie man Gespräche im Job meistert
und Familienfeiern überlebt

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1. Auflage
© 2021 Ecowin Verlag bei Benevento Publishing Salzburg – München, eine Marke der Red Bull Media House GmbH, Wals bei Salzburg
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Red Bull Media House GmbH
Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15
5071 Wals bei Salzburg, Österreich
Satz: MEDIA DESIGN: RIZNER.AT
Umschlaggestaltung: Benevento Publishing
ISBN 978-3-7110-0276-1
eISBN 978-3-7110-5301-5
In Erinnerung an meine Großeltern
INHALT
Vorwort
Einleitung
Was ist Schlagfertigkeit?
Mein persönlicher Zugang zum Thema
Kann man Schlagfertigkeit lernen?
Die schlagfertigsten Menschen sind jene, die am besten vorbereitet sind!
Vorbereitungsschritt 1: Die Beweggründe des Angreifers oder der Angreiferin verstehen
Vorbereitungsschritt 2: Klare Gesprächsziele definieren
Vorbereitungsschritt 3: Auf gegenseitige Interessen konzentrieren
Vorbereitungsschritt 4: Den Mut haben, auch heikle Themen direkt anzusprechen
Vorbereitungsschritt 5: Eine gemeinsame Ausgangslage schaffen und Missverständnisse klären
Regel 1: Kenne deine Rolle – »Wisse, wer du bist!«
Position und Rolle
Rolle als die Summe von Erwartungen
Erwartungsarten: muss – soll – kann
Intra- und Inter-Rollenkonflikte
Die Kunst, erwachsen zu sein – »Aber Mutter weinet sehr«
Das Risiko, zu enttäuschen
Schlechte Nachrichten überbringen und Grenzen ziehen
Falle 1: Andeutungen
Falle 2: Höflichkeit
Falle 3: Die Hoffnung, eine schlechte in eine gute Nachricht zu verwandeln
Fünf wirkungsvolle Schritte beim Überbringen schlechter Nachrichten
Schritt 1: (Vor-)Entscheidung treffen
Schritt 2: Klare Aussagen formulieren – Eindeutigkeit und Erträglichkeit
Schritt 3: Auffangen der Reaktion
Schritt 4: Lösungen und Alternativen ansprechen
Schritt 5: Einen konkreten nächsten Schritt vereinbaren
Zusammenfassung
Regel 2: Der authentische Kern – »Erkenne, was dir wichtig ist!«
Kernwerte und Werte
Persönliche Kernwerte definieren – Möglichkeit 1
Persönliche Kernwerte definieren – Möglichkeit 2
Persönliche Kernwerte definieren – Möglichkeit 3
Wir alle spielen Theater – Darstellung, Fassade, Bühnenbild
Glaubwürdigkeit: die Rolle als Schutz
Authentizität: die Rolle als Problem
»Verloren in der Rolle«
Authentizität versus Glaubwürdigkeit
Die Kernwerte der Großeltern
Zusammenfassung
Regel 3: Die inneren Dialoge – »Kenne deine Glaubenssätze!«
Das innere Spiel
Glaubenssatz: »Sei ein guter Verlierer«
Glaubenssatz: »Du hast zwei linke Hände«
Unsere inneren Antreiber
»Sei perfekt«
»Mach es allen recht, sei gefällig«
»Streng dich an«
»Sei stark«
»Beeil dich, mach schnell«
Zusammenfassung
Regel 4: Nicht alles ist ein Angriff – »Halte etwas aus!«
Die Grenzen der Schlagfertigkeit
Widerstandskraft – »Trotzmacht des Geistes«
Verantwortung übernehmen statt Opfer sein
Sind wir alle Teil der »Generation Schneeflocke«?
Kontext und Intention
Entschuldigung und Vergebung
Mentale Stärke
Vertrauen braucht Selbstwert
Zusammenfassung
Regel 5: Lass dir nicht alles gefallen – »Wehre dich!«
Angriffsart A: Angriffe, die stimmen
Strategie 1: Recht geben
Strategie 2: Keine Begründungen oder Rechtfertigungen
Strategie 3: Themenwechsel
Strategie 4: »If they go low, we go high«
Strategie 5: Gesprächspartner wechseln
Strategie 6: Frieden mit sich selbst schließen
Angriffsart B: Angriffe, die nicht stimmen
Falle 1: Gegenschlag
Falle 2: Humor
Falle 3: Rechtfertigung
Strategie 1: Gegenfragen
Strategie 2: Klarstellung und Zurückweisung
Strategie 3: Ansprechen, was ankommt
Strategie 4: Feststellen, was zwischen den Zeilen gesagt wird
Strategie 5: Ausweichen und umlenken
Strategie 6: Das Gespräch und nicht die Beziehung beenden
Angriffsart C: Provokationen und versteckte Angriffe
Strategie 1: Ignorieren
Strategie 2: Körpersprachlich antworten
Strategie 3: Direkt ansprechen im persönlichen Gespräch
Angriffsart D: Totschlagargumente – Killerphrasen
Angriffsart E: Stammtischparolen
Falle 1: Belehrung
Falle 2: Emotionalisierung
Strategie 1: Gezielt nachfragen
Strategie 2: Verallgemeinerungen ansprechen
Strategie 3: Gefühle ansprechen
Strategie 4: Auf die langfristige Wirkung achten
Sonderfälle
Angriffe bei Familienfeiern
Angriffe in der Politik
Zusammenfassung
Nachwort
Danksagung
Kontakt zum Autor
Literatur
Anmerkungen
VORWORT
Ich arbeite nun seit über 15 Jahren als Schlagfertigkeitstrainer, und eines haben fast alle meine Kundinnen und Kunden gemeinsam: Sie haben Angst, vor anderen bloßgestellt zu werden. Das Gefühl, ausgelacht zu werden, schwach zu wirken und dann am liebsten im Boden zu versinken, kennen und beschreiben fast alle meine Kundinnen und Kunden, die Schlagfertigkeit erlernen und trainieren wollen. Sie kennen das Gefühl, »sprachlos« und einer demütigenden Situation, sei es privat oder beruflich, scheinbar schutzlos ausgeliefert zu sein. Ausnahmslos alle dieser Menschen beschreiben in unserer Zusammenarbeit ein konkretes Erlebnis, mit dem diese Angst, sozial bloßgestellt zu werden, begann, und diese Erinnerung liegt meist weit zurück: ein misslungener Klaviervorspielabend in der Grundschule, ein Gedicht, das beim Festakt einfach nicht mehr im Gedächtnis abrufbar war, bis hin zu Referaten in der Schule, die im Gelächter der Mitschülerinnen und Mitschüler untergingen.
Nun, ich persönlich habe auch ein derartiges Schlüsselerlebnis, doch bin ich heute davon überzeugt, dass mir damit nicht wissend der Grundstein für meinen Beruf gelegt worden ist. Diese Erinnerung möchte ich am Beginn mit Ihnen teilen, denn sie ist wohl ein wesentlicher Grund, warum ich mich in meinem Leben mit Kommunikation, Rhetorik und Schlagfertigkeit beruflich intensiv beschäftigt habe.
Mein Schlüsselerlebnis: die Lesung in der Kirche
Meine Familie und ich lebten in meiner Kindheit unweit der Kirche. Der Weg zum Ministrantendienst war also in doppelter Hinsicht nicht weit, und so war früh klar, dass ich Ministrant werden würde. Schon damals war ich sehr groß, was mir allerdings zum Verhängnis werden sollte. Es war an einem Freitag, dem ersten Schultag der dritten Klasse an der Volksschule, als mich kurz vor Beginn der Schulmesse der Herr Pfarrer zur Seite nahm und sagte: »Die Uli aus der vierten Klasse hätte heute die Lesung lesen sollen, aber sie ist krank. Michi, du bist groß genug. Heute wirst du die Lesung halten. Ich werde dir dann das Buch auf der richtigen Seite aufschlagen, wenn es so weit ist.« Es mag vielleicht übertrieben klingen, aber ich hatte in diesem Moment mein soziales Todesurteil erhalten. Ich war mit acht Jahren kein guter Leser. Die Kirche meiner Heimatgemeinde, ein kleiner Ort mit damals um die 2000 Einwohnerinnen und Einwohnern, war voll, alle meine Mitschülerinnen und Mitschüler waren da, das gesamte Lehrerteam und auch meine Oma saßen an ihrem Platz, wie jeden Freitag bei der Schulmesse. Dem Herrn Pfarrer zu widersprechen war damals keine Option, davonlaufen kam für mich auch nicht infrage, und so nahm ich das Urteil an. Die Messe begann, sodass ich keine Zeit mehr hatte, mir den Text vorher zumindest einmal durchzulesen. Mit jeder Minute bis zu meiner Hinrichtung am Altar wurde es in meiner Brust enger, und meine Hände waren nass vom kalten Schweiß. Dann war der Zeitpunkt gekommen: Ich trat vor, gefühlt in Zeitlupe. Ich sah meine Oma in der zweiten Reihe nach dem Mittelgang, meine Mitschülerinnen auf der rechten Seite vor mir – in den Achtzigern waren die Mädchen und die Buben noch »brav« getrennt – und meine Mitschüler auf der linken Seite. Ich blickte auf den Text. Die Anordnung der Buchstaben ergab einfach keinen Sinn, alles auf dem Blatt erschien mir verschwommen. Aber es gab kein Entkommen. So hielt ich meine erste Lesung, halb gestottert, halb geraten, was diese Aneinanderreihung von Silben bedeuten könnte. Es herrschte absolute Stille in der Kirche, die nur durch das Auslachen von mir durch einzelne Schüler und das wütende, tiefe Atmen des Herren Pfarrer, der unmittelbar neben mir stand, unterbrochen wurde. Nach einer gefühlten Ewigkeit war es dann vollbracht. Ich hatte es überlebt. Mit knallrotem Kopf ging ich zurück an meinen Platz.
Ich habe dieses Erlebnis, das mir als Achtjähriger widerfahren ist, deswegen erzählt, weil es mich bis heute prägt, oder besser gesagt, lange meinen Umgang mit ähnlichen Situationen geprägt hat. Ab diesem Zeitpunkt in der Kirche hatte ich eine Höllenangst, vor anderen Menschen zu lesen und auch zu sprechen. Diese Urangst, bloßgestellt zu werden, sich zu blamieren und ausgelacht zu werden, war mein ständiger Begleiter. So ging es auch in meinem weiteren Schulleben weiter, und selbst der Satz eines Mitschülers auf dem Gymnasium ist mir bis heute in Erinnerung geblieben: »Herr Professor, heute ist doch Faschingsdienstag, lassen Sie bitte den Michael etwas vorlesen, dann wird es wieder lustig.« Und ich enttäuschte bei spontanen Vorlesungen nur sehr selten: Es war immer lustig – für die anderen. So wurde etwa aus dem Duke of Cambridge »the Duck of Cambridge« – aus dem Großherzog wurde die Ente. Ich wusste eben schon damals, dass es in Cambridge viele Enten gibt, und damit lag ich ja auch nicht falsch.
Eines habe ich mir jedoch bereits als Achtjähriger geschworen: Nie wieder in meinem Leben werde ich in so eine Situation kommen, koste es, was es wolle. Ich hatte zwar noch sehr viele Lesungen zu meistern, weil ich oft »groß genug« oder »der Größte in der Gruppe« war. Dennoch habe ich in meinem ganzen Leben nichts mehr vorgelesen, da ich ab diesem Zeitpunkt immer alle Texte auswendig konnte. Wenn es nicht spontan und unerwartet sein musste – und das kam nur in der Schule vor –, war ich bestens vorbereitet. Selbst bis zur Reifeprüfung konnte ich, wenn irgendwie möglich, bei Lateinprüfungen sowohl den deutschen als auch den lateinischen Text aus dem Gedächtnis. Dafür hatte ich mich in meinem Elternhaus vor den Spiegel gestellt und jeden Text, den ich vorzulesen hatte, wie eine Rede eingeübt, und wenn es mir langweilig wurde, sprach ich die Texte in unterschiedlichen Rollen und Situationen. Gaius Julius Cäsar in »De bello Gallico« – ein Bericht des damaligen römischen Feldherrn über den Gallischen Krieg – verkörperte ich als Tennislehrer. Mit dem Tennisschläger in der Hand und den Linien eines realen Tennisplatzes im Kopf teilte ich Gallien »in seiner Gesamtheit in drei Teile«: Den Teil hinten auf der Grundlinie bewohnten die Belgier, einen anderen – vorne beim Netz – die Aquitanier und den Teil rund um die Aufschlaglinie in der Mitte die dritten, die sich selbst Kelten nennen, in unserer Sprache aber Gallier heißen. Irgendwann ließ ich die Bezüge zum Tennis weg, und fertig war die Vorbereitung auf die nächste Lateinstunde. Der Spiegel und ich, wir hatten eine eigene Welt, und es hat viel Spaß gemacht. Vor allem wurde ich im »Vorlesen« ziemlich gut, weil ich die Texte dadurch auch sehr gut verstand, hatte ich sie doch aus völlig unterschiedlichen Perspektiven gesprochen.
Heute, mit Anfang 40, kann ich mich zwar an das Gefühl in der Kirche noch immer ganz genau erinnern, aber ich habe keine Angst mehr. Oder anders gesagt: Die Angst ist immer noch da, aber das Wissen um den Umgang mit dieser Angst eben zum Glück auch. Ich verlese mich kaum noch, obwohl ich nicht mehr alles auswendig lerne. Und letztlich habe ich diesem Ereignis zwar viel Schmerz, aber auch meinen Beruf zu verdanken.
Rhetorik, Kommunikation, Wirkung und das kreative Herangehen an Worte, Texte sowie Sprachbilder habe ich mir über die Jahre vor dem Spiegel angeeignet. In unzähligen Stunden habe ich jene Fertigkeiten verfeinert, die mir heute in Vorträgen, Seminaren oder Coachings zur Verfügung stehen. Die wichtigste Erfahrung aus heutiger Sicht aber war die Angst: Ich verstehe damit jeden Kunden und jede Kundin, die mir von Lampenfieber, Nervosität oder Angst vor dem Scheitern, vor der Bloßstellung oder sein Gesicht zu verlieren, berichten. Dieser Angst habe ich fast alles, was ich heute an meinem Beruf liebe, zu verdanken. Wenn oft Kunden oder Kundinnen zu mir sagen: »Herr Traindt, Sie sprechen einfach gern vor Menschen und können gar nicht verstehen, wie sich das anfühlt. Ihnen macht das Freude, für mich ist es wie eine Hinrichtung, wie eine Höllenangst«, so ist mir bewusst, was ich meinem achtjährigen Ich zu verdanken habe. Ich kenne das Gefühl sehr gut und aus Angst vor Buchstaben, die für mich oft keinen Sinn ergaben, wurde die Liebe zur Sprache, die Bedeutung und Kraft hat.
EINLEITUNG
Kennen Sie die Situation, dass Sie in einem Gespräch sind und persönlich verbal angegriffen werden, Ihnen aber nichts einfällt, was Sie darauf erwidern könnten? Sie haben zwar das Gefühl, »das ist jetzt nicht in Ordnung und ich sollte mich verteidigen«, und dennoch reagieren Sie nicht. Sie lassen sich angreifen. Später auf dem Heimweg – im Auto, in der U-Bahn – oder erst daheim im Wohnzimmer fällt Ihnen eine gute Reaktion ein, und Sie denken sich: »Warum fällt mir das erst jetzt ein und nicht dann, wenn ich es brauche? Es wäre doch so einfach gewesen!« Sollten Sie diese oder ähnliche Situationen kennen, dann habe ich dieses Buch für Sie geschrieben.
An alle, die das Gefühl kennen, »sprachlos« zu sein, und den Wunsch, »im Boden zu versinken«, und an alle, die an besseren beruflichen sowie privaten Gesprächen interessiert sind, richtet sich mein Buch.
Das Hauptziel ist es, zentrale Regeln aufzustellen, die in heiklen Gesprächen schützen und damit sachliche Kommunikation sowie inhaltliches Arbeiten ermöglichen. Wie bereits im Titel angekündigt, können diese Regeln aber nicht nur im Berufsleben wichtig sein, sondern auch im Privatleben – sei es in der Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis.
WAS IST SCHLAGFERTIGKEIT?
Im Wesentlichen gibt es zwei völlig unterschiedliche Arten von Schlagfertigkeit: Einerseits geht es um die Fähigkeit, schnell und mit passenden, treffenden, witzigen Worten auf etwas zu reagieren, und andererseits geht es darum, wie ich mich vor Untergriffen oder »blöden Sprüchen« schütze und eben nicht sprach- oder reaktionslos werde.
Die erste Variante der Schlagfertigkeit, also der humorvolle Umgang mit einer Situation, trifft für mich dann zu, wenn es sich nicht um ein heikles Gespräch handelt, sondern etwa ein Gespräch unter Freundinnen und Freunden oder mit guten Kolleginnen und Kollegen bei einem Kaffee. Die Stimmung sowie die Beziehung sind also prinzipiell gut oder sogar sehr gut. Es ist ein mehr oder weniger lustiges Scherzen, wobei der Respekt hier nie verloren geht.
Ich bin zum Beispiel Teil einer Reisegruppe von Freundinnen und Freunden aus meiner Studienzeit. Regelmäßig, um nicht zu sagen immer, machen sie sich über meine Eigenart lustig, dass ich überpünktlich am Bahnhof oder am Flughafen sein möchte. Mein Rekord liegt übrigens bei fünf Stunden vor Abflug am Flughafen zu erscheinen, und das für eine Strecke von Wien nach Barcelona. Sie dürfen gern an dieser Stelle lachen. Natürlich ist das leicht verrückt, und ich höre dann Sprüche wie: »Warum verbringst du nicht gleich die Nacht davor auf einer Bank am Flughafen, wenn es dir dort so gut gefällt?« Ich erwidere dann, dass für mich der Urlaub damit bereits fünf Stunden früher beginnt und ich in Ruhe ein Buch oder Zeitungen lese. Darauf höre ich: »Dafür haben wir drei Stunden länger geschlafen, aber gut, du arbeitest wohl an einem Rekord im Zu-früh-Sein, oder?« Ich entgegne, dass ich einen neuen Rekord sicher noch schaffe und mich auf den Tag freue, »an dem ihr alle zu spät kommt, und dann hat das Sich-über-mich-lustig-Machen ein Ende. Der frühe Vogel fängt den Wurm, und der frühe Michael erwischt den Kranich«1. Sie können sich vorstellen, wie dieses »Spiel« weitergeht. Ein Hin und Her, aber ohne böse Absicht. Dies ist jedoch nicht die Schlagfertigkeit, die ich in diesem Buch behandeln möchte. Vielmehr geht es im Folgenden um echte, persönliche Angriffe, die ein sachliches Arbeiten oder ein gutes sowie konstruktives Gespräch schwer oder sogar unmöglich machen.
Davon handelt die zweite Variante der Schlagfertigkeit, bei der es weniger um Humor und auch nicht zwingend um Schnelligkeit geht, sondern um die Abwehr von Angriffen. Unter einem persönlichen, verbalen Angriff versteht man einerseits einen Angriff mit Worten, der die klare Absicht hat, die Angesprochene oder den Angesprochenen zu irritieren, zu treffen oder zu kränken. Andererseits kann es sich um eine Aussage handeln, die verletzt, ohne dass diese Absicht vorhanden ist. In diesem Buch zeige ich Möglichkeiten auf, wie man sich solch einer unfairen Kommunikationsform entgegenstellen kann. Im Wesentlichen gibt es dafür zwei Arten: Entweder mit Gegenangriffen nach dem Motto »möge die oder der Stärkere gewinnen« oder konstruktiv. Ich möchte Ihnen die zentralen Elemente der konstruktiven Schlagfertigkeit näherbringen.
Die Regeln in diesem Werk haben nicht zum Ziel, dass ich bei Angriffen »witzig, schnell oder hart zurückschlagen« kann, sondern sollen im Kern die folgenden Fragen beantworten: Wie mache ich mich weniger angreifbar? Wie bleibe ich selbst auf der Sachebene? Wie kann ich meine Kommunikationsfähigkeiten in heiklen Gesprächssituationen verbessern? In meiner Praxis als Schlagfertigkeitstrainer und auch als Coach habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese innere Haltung weit effektiver am Weg zu mehr Schlagfertigkeit oder mehr Reaktionssicherheit in heiklen Gesprächen ist als etwa das Auswendiglernen von Antwortphrasen oder witzigen Satzmustern, die meist weder witzig noch hilfreich sind.
Es wird im Folgenden nicht darum gehen, immer etwas zu kontern oder »nie mehr sprachlos« zu sein, sondern möglichst in jeder Situation eine angemessene Reaktion zu zeigen. Auch ein bewusstes Schweigen kann eine ausgezeichnete schlagfertige Reaktion sein. Für einen Angreifer oder eine Angreiferin ist es oft schlimmer, wenn man »das Spiel der Untergriffe« überhaupt nicht mitspielt. Es geht nicht darum, überhaupt etwas zu sagen, sondern im richtigen Zeitpunkt das Wesentliche zu artikulieren, um sein Gesprächsziel zu erreichen.