Kitabı oku: «Pflege und Betreuung Bettlägeriger»

Die Autorinnen

Monika Pigorsch, Dipl.-Sozialpäd., Gerontopsychiatrische Pflegefachkraft, ehem. Einrichtungsleiterin Caritashaus St. Elisabeth, Rommerskirchen, Freiberufliche Dozentin für Fortbildungen in der Altenpflege.

Sabine Söhnchen-Korn, Sozialarbeiterin (BA), exam. Altenpflegerin, Gerontopsychiatrische Pflegefachkraft, in der Seniorenberatung und Betreuung tätig.
Monika Pigorsch/Sabine Söhnchen-Korn
Wir danken Stefan Schmidt und Martin Pigorsch für ihre Unterstützung und Hilfe.
Die wunderschönen Zeichnungen, die unser Buch schmücken, verdanken wir Jeanette Wieters, wir danken ihr dafür ganz besonders.
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1. Auflage 2021
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-039367-7
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-039368-4
epub: ISBN 978-3-17-039369-1
mobi: ISBN 978-3-17-039370-7
Inhaltsverzeichnis
1 1 Einleitung
2 2 Die Seele soll nicht vor den Beinen sterben
3 3 Psychische Grundfunktionen
4 3.1 Bewusstsein
5 3.2 Antrieb
6 3.3 Affektivität
7 3.4 Gedächtnis
8 3.5 Denken
9 3.6 Wahrnehmung
10 4 Bedeutung von Bettlägerigkeit
11 5 Gestaltung des Lebensbereiches Bett
12 6 Pflege- und Betreuungskonzepte
13 6.1 Person-zentrierter Ansatz nach Tom Kitwood
14 Definition
15 Ziele
16 Umsetzung
17 6.2 Mäeutik
18 Definition
19 Ziele
20 Umsetzung
21 6.3 Psychobiografisches Pflegemodell nach Böhm
22 Definition
23 Ziele
24 Umsetzung
25 6.4 Selbsterhaltungstherapie nach Romero (SET)
26 Definition
27 Ziele
28 Umsetzung
29 7 Methoden
30 7.1 Biografiearbeit
31 Definition
32 Ziele
33 Umsetzung
34 7.2 Validation
35 Definition
36 Ziele
37 Umsetzung
38 7.3 Basale Stimulation
39 Definition
40 Ziele
41 Umsetzung
42 7.4 Rückschauarbeit nach Pigorsch, Kleeberg, Sohn
43 Definition
44 Ziele
45 Umsetzung
46 7.5 Snoezelen
47 Definition
48 Ziele
49 Umsetzung
50 7.6 24-Stunden-Realitätsorientierungstraining (ROT)
51 Definition
52 Ziele
53 Umsetzung
54 7.7 Milieutherapie
55 Definition
56 Ziele
57 Umsetzung
58 8 ABEDLs® nach Monika Krohwinkel
59 9 Das Strukturmodell
60 10 Praktische Übungen
61 Übung 1: Kindheit und Spielen erinnern
62 Übung 2: Was ich mag und was nicht
63 Übung 3: Erzählen wir uns eine Geschichte mit R
64 Übung 4: Geräuschen lauschen, zuordnen, darüber sprechen, genießen
65 Übung 5: Redewendungen/Sprichwörter erinnern, ergänzen, darüber sprechen
66 Übung 6: Gegenstände ertasten, raten, Spaß haben
67 Übung 7: Sagen wir es ohne Worte
68 Übung 8: Alle Vögel fliegen hoch
69 Übung 9: Ball spielen
70 Übung 10: »Komm tanz mit mir«
71 Übung 11: Mit den Fingern das Alphabet darstellen
72 Übung 12: Ganzkörperausstreichung mit Öl
73 Übung 13: Orientalisches Erleben
74 Übung 14: Was mag ich auf meiner Haut
75 Übung 15: Berufe raten, die mit Schönheit und Pflege zu tun haben
76 Übung 16: Kosmetikstudio = das Verwöhnprogramm
77 Übung 17: Waschen und Pflegen – damals und heute
78 Übung 18: Frisuren im Wandel der Zeit
79 Übung 19: »Trockenkochen«
80 Übung 20: Mein Lieblingsgericht
81 Übung 21: Obstsaftbar
82 Übung 22: Gewürze und Kräuter sehen, riechen und erraten
83 Übung 23: Das ABC der Lebensmittel
84 Übung 24: Was sind eigentlich gesunde Lebensmittel?
85 Übung 25: Kostümieren
86 Übung 26: Shoppen gehen
87 Übung 27: Stoffe sehen, tasten und darüber sprechen
88 Übung 28: Grün, grün, grün sind alle meine Kleider…
89 Übung 29: Mode im Wandel der Zeit – darüber sprechen, lachen, austauschen
90 Übung 30: Alte Gebete
91 Übung 31: Meditation – Ankommen bei sich selbst
92 Übung 32: Entspannungsbad
93 Übung 33: Duftende Einreibung
94 Übung 34: Muskelentspannung nach Jacobsen
95 Übung 35: Bewusstes Atmen – der Weg zur inneren Ruhe
96 Übung 36: Mein digitales Tagebuch
97 Übung 37: Mandalas
98 Übung 38: Memory
99 Übung 39: Basteln nach den Jahreszeiten und Schmücken des Zimmers
100 Übung 40: Wir machen Musik, da geht uns der Hut hoch
101 Übung 41: Ikebana auf Deutsch
102 Übung 42: Eigenschaften kaufen
103 Übung 43: Was sagt mein Körper?
104 Übung 44: Flirten und vieles mehr
105 Übung 45: Gefühle in Musik ausdrücken
106 Übung 46: Ärger in Aktion umsetzen
107 Übung 47: Was sind eigentlich typisch weibliche und männliche Eigenschaften?
108 Übung 48: Statussymbole – »man gönnt sich ja sonst nichts«
109 Übung 49: Eigene Orientierung schaffen
110 Übung 50: Mein Tagesablauf
111 Übung 51: Der Einrichtungsberater
112 Übung 52: Lebensalltag sichern
113 Übung 53: Was bedeutet eigentlich Sicherheit für mich persönlich?
114 Übung 54: Aktuelles Geschehen – ich rede mit
115 Übung 55: Meine Rollen im Leben
116 Übung 56: Herzensdinge
117 Übung 57: Heimat
118 Übung 58: Manchmal ist die Familie größer als man denkt
119 Übung 59: Hausfrau, Schreiner, Sekretärin und Co
120 Übung 60: Meine Kindheit – eine kleine Zeitreise
121 Übung 61: Niemand geht ohne Spuren
122 Übung 62: Mein schönster Tag oder mein schwärzester Tag
123 Übung 63: Das Max-und-Moritz-Spiel
124 Übung 64: Hoffnung – Weg der Zuversicht
125 Übung 65: Bewältigungsstrategien – Wege aus der Krise
126 Übung 66: Angst – wer die Zukunft fürchtet, verdirbt sich die Gegenwart
127 Verwandlung
128 von Bernhard Kraus
129 Literaturverzeichnis
130 Stichwortverzeichnis
1 Einleitung
Bettlägerigkeit kann viele Gründe haben. Sie tritt oft plötzlich ein, nach einem Unfall, einer Operation, akuten Ereignissen, wie einem Schlaganfall oder kommt schleichend daher, z. B. bei zunehmender Schwäche oder einer Demenz im fortgeschrittenen Stadium.
Der Betroffene wird zu einem »Pflegefall« und das im wahrsten Sinne des Wortes. In der Regel wird er medizinisch und pflegerisch gut versorgt. Er wird gelagert, Druckgeschwüren, Thrombosen sowie Kontrakturen werden vorgebeugt und er wird mit Nahrung versorgt.
Bei all diesen Interventionen geschieht es sehr leicht und wie es scheint, fast automatisch, dass die körperliche Ebene des bettlägerigen Menschen derart im Mittelpunkt steht, sodass die Persönlichkeit, der individuelle Ausdruck immer mehr in den Hintergrund gerät und schließlich ganz verloren geht.
Unser Anliegen ist es, einen Beitrag zu leisten, diese Menschen wieder in ihrer Ganzheitlichkeit wahrzunehmen, sie in ihrer Identität und Würde zu unterstützen und damit ihr Leben wieder menschlicher und lebendiger zu gestalten.
Dieses Buch wendet sich an Pflegerinnen und Pfleger in stationären Senioren- und Pflegeeinrichtungen, an freiwillig und ehrenamtlich Helfende, an Mitarbeitende der Sozialen Dienste in der Altenhilfe genauso wie an pflegende Angehörige.
Zunächst werden die psychischen Grundfunktionen des Menschen beschrieben, deren Berücksichtigung unerlässlich für eine ganzheitliche Betreuung ist. Es folgt eine übersichtliche Darstellung der wichtigsten heute verwendeten Pflege- und Betreuungskonzepte. Damit wollen wir dazu einladen, einen neuen Blickwinkel auf den zu betreuenden Menschen zu öffnen und darin unterstützen, die Pflege bettlägeriger Menschen für alle Beteiligten noch lebenswerter zu gestalten. Entsprechend werden dann innovative Gestaltungsmöglichkeiten für die »Lebensperspektive Bett« dargestellt. Anschließend werden die beiden in der Altenhilfe am häufigsten eingesetzten Pflegemodelle erläutert: Das Strukturmodell, welches noch mehr von einer ganzheitlichen Pflege ausgeht und die ABEDLs® nach Krohwinkel sollen zum einen deutlich machen, dass Körper und Geist in einem engen Zusammenhang stehen und zum anderen helfen, die nachfolgenden Anregungen zu einer guten Betreuung besser zu dokumentieren.
Die ausführlich beschriebenen praktischen Übungen zur individuellen Betreuung und Beschäftigung sind jeweils entsprechend der oben genannten Modelle deutlich gekennzeichnet, sodass sie für den beruflich interessierten Leser mühelos in eine Pflege- oder Maßnahmenplanung integriert werden können.
Wir möchten Sie mit diesem Buch dazu anregen, eingefahrene Wege zu verlassen, die Perspektive zu wechseln, sich auf die Biografie und Erlebniswelt der ihnen anvertrauten Menschen einzulassen und sind sicher, dass nicht nur der alte, hilfebedürftige Mensch, sondern auch Sie viele innige Glücksmomente erleben werden.
| Monika Pigorsch & Sabine Söhnchen-Korn | Oktober 2020 |
2 Die Seele soll nicht vor den Beinen sterben
Bettlägerige Menschen waren nicht immer ans Bett gebunden, so wie sie es heute sind. Unterschiedlichste Krankheitsbilder, Demenzen und seelische Störungen können diese Pflegebedürftigkeit verursacht haben.
Aus der Lebensbiografie geht hervor, welche Begabungen und Fähigkeiten der heute alte Mensch hat, welche Schwierigkeiten er bereits meistern konnte und wie er mit Krisensituationen umgegangen ist.
Die Generation, die heute alt und pflegebedürftig ist, ist oft noch von Kriegserlebnissen geprägt, hat zumeist Hunger und Not erlebt und musste sich immer wieder mit erheblichen persönlichen und materiellen Verlusten auseinandersetzen.
Sie ist aber auch Werten und Traditionen gefolgt, die ihr das Leben möglicherweise erleichtert haben. Verhaltensweisen wie Mut, Durchhaltungsvermögen, Disziplin, Rücksichtnahme und Fleiß haben oftmals das Leben bestimmt und Bewältigungsstrategien hervorgebracht, die im jetzigen Zustand als Ressourcen genutzt werden können.
Dennoch ist im Umgang mit bettlägerigen Menschen häufig zu bemerken, wie sich Gefühle wie Hilflosigkeit, Angst und Resignation Raum verschaffen, die zunehmend von Antriebslosigkeit bis hin zu Apathie führen können. Vielfach kommen besonders im Alter bis dahin verdrängte traumatische Erlebnisse ins Bewusstsein, die ebenfalls in der Betreuung bearbeitet werden wollen.
Professor Erwin Böhm, österreichischer Pflegeforscher, spricht in diesem Zusammenhang davon, »dass die Seele vor den Beinen stirbt und jeder Mensch zum Leben Seelenenergie benötigt«. Zu der Seele und zu den Empfindungen müssen wir vordringen, um Menschen mit psychischen und körperlichen Belastungen unterstützen zu können.
Somit ergibt sich von selbst, dass sich Pflege und Betreuung nicht nur auf die körperliche und geistige Ebene beschränken darf, sondern in erster Linie individuelle und persönliche »Beziehungsarbeit« sein muss.
Die Grundvoraussetzung für eine gelungene Beziehung ist die Kommunikation. Neben der verbalen Sprache, die im Krankheitsverlauf oft immer reduzierter möglich sein kann, sollte die Aufmerksamkeit auf die nonverbale Kommunikation gerichtet sein. Darunter wird hier besonders die Beobachtung und der bewusste und reflektierte Einsatz von Mimik, Gestik, Körperhaltung, Tonfall, Atmung und natürlich der Blickkontakt verstanden. Körpersprache ist die Sprache der Gefühle. Sie ist oft authentischer als das gesprochene Wort und wird bis zum Tode »gesprochen« und verstanden.
Gute Pflege ist sicher die erste wichtige Voraussetzung zur Erhaltung des Wohlbefindens, seelische Begleitung aber der zweite, unerlässliche Baustein zur Erhaltung von Lebenssinn und positivem Ich-Gefühl, damit »die Seele vor den Beinen bewegt wird«.
3 Psychische Grundfunktionen
Die psychischen Grundfunktionen sind Parameter für seelische und körperliche Gesundheit/Krankheit und deren Berücksichtigung ist notwendig für die zielgenaue Planung eines Betreuungs- und Beschäftigungsangebotes.
Die relevanten psychischen Funktionsbereiche sind:
• Bewusstsein
• Antrieb
• Affektivität
• Gedächtnis
• Denken
• Wahrnehmung
Im Folgenden werden diese Funktionen kurz beschrieben und mit Hinweisen für die Pflege und Betreuung bettlägeriger Menschen versehen.
3.1 Bewusstsein
Unter Bewusstsein wird das Erleben mentaler Zustände eines Individuums verstanden, die sich aus komplexen neurophysiologischen Prozessen ergeben.
»Es beinhaltet die Grundelemente aller psychischen Abläufe und Funktionen«1 und ist die Voraussetzung, um äußere Sinnesreize und innere Prozesse zu verarbeiten.
Bewusstseinsstörungen liegen vor, wenn die Orientierung herabgesetzt und der Wachzustand (Vigilanz) gemindert ist, wodurch das Denken, Handeln und Fühlen des betroffenen Menschen stark beeinflusst wird.
Vigilanzstörungen sind:
• Benommenheit: der Betroffene ist verlangsamt, nimmt die Umgebung nur unpräzise wahr und reagiert entsprechend diffus, die Orientierung ist lückenhaft.
• Somnolenz: der Betroffene ist schläfrig, befindet sich in einer Art Dämmerzustand, reagiert jedoch auf deutliche Ansprache und Berührung.
• Sopor: der Betroffene befindet sich in einem Zustand des Tiefschlafs, reagiert nur noch auf stärkste Reize und ist nur für kurze Momente erweckbar.
• Koma: der Betroffene befindet sich in tiefer Bewusstlosigkeit, reagiert nicht auf Reize, ist nicht erweckbar.
Ist das Bewusstsein herabgesetzt, die Reaktionen verlangsamt und die Orientierung gestört, sollte auf Angebote zurückgegriffen werden, die diese Zustände berücksichtigen und den Mangel lindern. Vielversprechende Betreuungsmöglichkeiten sind hier die Basale Stimulation und das Snoezelen (
Kap. 6 – Betreuungskonzepte), bei der die Wahrnehmung über die Sinne angesprochen, gefördert und aktiviert wird.