Kitabı oku: «Pleasure Underground», sayfa 2

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2 Umstrukturierung

Josie bekam nur wenige Tage später einen Arbeitsplatz in Leonard Büro, womit sie absolut nicht gerechnet hatte. Doch die Platzkapazitäten boten es so an, da bei Margret wenig Platz für Josies Arbeitsplatz war und Leonards großes Büro mehr als genug Platz anbot.

Leonard schien ebenfalls nicht damit gerechnet zu haben und trug es mit Fassung, als sein Vater ihn vor vollendete Tatsachen stellte.

Seine Begeisterung hielt sich deutlich in Grenzen als sein Vater ihm mitteilte, dass Josie die nächsten Wochen mit in seinem Büro sitzen sollte und er bereits veranlasst hatte, dass dort ein zusätzlicher Schreibtisch aufgestellt wurde. Leonard fand das in seiner Position als Geschäftsführer als nicht angemessen, dass eine Praktikantin mit in seinem Büro saß. Wie sollte er so ungestört arbeiten und auch vertrauliche Gespräche führen?

Ferdinand sah da allerdings kein Problem und bestand darauf, dass sein Sohn das die nächsten Wochen mal so hinnehmen musste. Alles diskutieren nutzte Leonard daher nichts und er fügte sich wie immer den Anordnungen seines Vaters. Auch wenn Leonard unter gleichwertiger Geschäftsführung etwas anderes verstand.

Aufgrund von Umstrukturierung und Renovierung einiger Büros herrschte gerade Raummangel und so sollte Josie in seinem großen Büro sitzen. Sie sollte nun Einblicke in die Personalverwaltung bekommen. Da das nächste Großprojekt aus dem sozialen Bereich war, passte es besonders gut, dass Josie da war und so ihre Erfahrung mit einbringen sollte.

Leonards Laune war unterirdisch schlecht als er wieder sein Büro betrat, in dem nun Josie an ihrem Schreibtisch saß. Sie fühlte sich mehr als beschissen und wäre am liebsten einfach nach Hause gegangen. Obwohl sie nichts dafür konnte, fühlte sie sich schuldig und völlig fehl am Platz.

Leonard kochte vor Wut, auch wenn er ihr gegenüber versuchte, es professionell wie immer, vor ihr zu verbergen. Die Hände in der Tasche zu Fäusten geballt, stand er am Fenster, starrte schweigend nach draußen und biss sich schnaufend auf die Unterlippe.

„Es tut mir leid…,“ stammelte Josie leise, es war ihr schrecklich unangenehm. „… ich kann noch mal mit ihrem…“

Leonard winkte wutschnaubend ab. „Vielen Dank, aber das ist nicht nötig. Wie viele Wochen sind sie noch hier?“ unterbrach er sie stattdessen. Stahlblaue Augen sahen sie kühl an.

„Noch etwa zwölf Wochen“, antwortete Josie etwas eingeschüchtert und wagte es kaum, ihn anzusehen.

Leonard schnaufte nur und nahm an seinem Schreibtisch Platz. „Naja, das ist ja dann absehbar“, murmelte er genervt. Für einen Moment schaute er auf seinen Pc. Dann stand wieder auf und verließ das Büro. Durch die offene Tür konnte sie hören, dass er nebenan bei seinem Vater im Büro war.

„… die zwölf Wochen mache ich das. Aber das war das erste und letzte mal, dass du mir ne Praktikantin ins Büro setzt. Ich schwöre dir, dass mache ich nicht mit. Das geht gar nicht. Was macht das bitte nach außen hin für einen Eindruck…?“ hörte sie Leonard aufgebracht reden.

„… es sind nur zwölf Wochen und du weißt, dass wir wegen dem Umbau gerade wenig Platz haben. Außerdem solltest du es als Bereicherung sehen. Sie passt gerade gut in das neue Projekt mit ihrer Erfahrung und kann dich bei der Konzeptentwicklung gut unterstützen… und ich erwarte von dir eine ordnungsgemäße und professionelle Zusammenarbeit…“ hörte sie Ferdinand von Wartenberg sagen.

Immer noch, oder vielleicht auch besonders jetzt, war Leonard noch distanzierter Josephine gegenüber. Freundlich, aber sehr zurückhaltend. Auch wenn sie nun des Öfteren nebeneinander am Schreibtisch saßen und er ihr Dinge am Laptop erklärte. Die Ansage seines Vaters hatte wohl gesessen.

Josies anfängliche Nervosität, wenn er den Raum betrat verschwand mit jedem Tag. Es war irgendwann nichts ungewöhnliches, wenn er mit seinem großartig duftenden After Shave direkt neben ihr saß und strahlend blaue Augen sie ansahen.

Er war professionell und kompetent aber seine dicke Eisschicht schien unzerbrechlich zu sein. Er war dafür eher angespannt und immer irgendwie auf der Hut, nichts Falsches zu sagen oder zu tun. Ganz anders war er zum Beispiel bei Margret, wo er immer locker und gelassen war, mit einem coolen oder lustigen Spruch auf den Lippen. Er flirtete schon manchmal mit ihr und machte ihr Komplimente, was Margret auch sehr gerne von ihm zu hören schien und sie beide immer gerne am Schäkern waren. Seinen ganzen Charme versprühte er bei gefühlt allen anderen Mitarbeiterinnen und nur ihr gegenüber war er kälter als jeder Eisblock. Josie war klar, dass sie das nicht persönlich nehmen durfte. Vermutlich lag es einfach nur an der klaren Ansage seines Vaters sich ihr gegenüber professionell zu verhalten. Wie sähe es dann auch nach Außen hin aus, wenn er nun gerade ihr Komplimente machte und so charmant zu ihr war? Das konnte für ihn ja nur nach hinten los gehen und das schien ihm durchaus bewusst zu sein. Josie verstand seine Strategie, dann lieber ein emotionsloser kalter Arsch, dann konnte auch keiner was sagen.

Das Arbeitsprinzip von Leonard von Wartenberg war Josie irgendwie noch nicht ganz klar. Mal kam er einige Tage gar nicht in die Firma, mal erst am Nachmittag oder mittags. Er schien eher zu kommen und zu gehen, so wie er gerade Lust hatte. Jedenfalls hatte er scheinbar keine klaren Arbeitszeiten so wie sie, montags bis freitags von acht bis sechzehn Uhr beziehungsweise freitags nur bis vierzehn Uhr.

Auch Leonard Tagesverfassung war die letzten Tage sehr unterschiedlich gewesen. Mal war er morgens ganz gut gelaunt und ausgeruht, ja fast schon ganz locker und entspannt bis hin zu etwas übermotiviert, mit so guter Laune, dass es schon unheimlich wurde und er sogar Josie gegenüber nicht ganz so steif und eisig war.

Mal war er extrem übermüdet und unmotiviert und schien den Tag nur mit Literweise Kaffee zu überstehen. Er war völlig müde, durcheinander und neben der Spur, konnte sich auf rein gar nichts konzentrieren, dabei vergaß er alles nach zwei Minuten wieder und musste zigmal nachfragen oder an etwas erinnert werden. Was auch Josie dann manchmal sehr anstrengend fand, wenn er scheinbar absolut keinen Plan mehr hatte. Dann war er morgens echt so verpeilt und kam erst gegen Mittag so langsam wieder in die Spur.

Woran Leonard von Wartenbergs Laune morgens abhängig war, konnte Josie sich daher nicht erklären. Oft hing es mit seinem Vater zusammen, denn wenn der nicht im Büro anwesend war, war Leonard immer deutlich entspannter und lockerer.

Eigentlich war es jeden Morgen ein Überraschungsmoment, wie Leonard ins Büro kam. Da er meistens erst zwischen halb neun und halb zehn kam, war Josie meistens schon vor ihm da, da sie ja pünktlich um acht Uhr anfangen musste.

Nur selten war Leonard schon vor ihr im Büro, meistens dann, wenn er ziemlichen Stress und Termindruck hatte und das dann auch wieder mit weniger guten Laune.

Interessant war, dass Ferdinand von Wartenberg ebenfalls fast jeden Morgen ins Büro kam und kurz einen guten Morgen wünschte und Termine mitteilte. Das er dabei auch den Zustand seines Sohnes kontrollierte war nicht zu ignorieren. Er musterte Leonard immer sehr genau und zog in direkt in Gespräche rein, wo er zu merken schien, wie Leonard so drauf war.

Josemi hatte sich nach der ersten Woche mit Leonard in einem Büro vorgenommen, sich nicht von ihm einschüchtern zu lassen und etwas mutiger zu werden. Denn eigentlich war er ja doch ganz nett und würde ihr schon nicht den Kopf abreißen.

Doch die letzten Tage war Leonard merkwürdig drauf gewesen. Er war ja derzeit ohnehin eher etwas gereizt und gestresst, was er Josie zwar nicht direkt zeigte, aber doch deutlich spürbar war. Immer wieder musste er zu langen Meetings und wurde ständig zu seinem Vater zitiert. Bei einem Projekt gab es scheinbar Schwierigkeiten, was nicht gerade zu guter Laune beitrug.

Wenn er gestresst war, rauchte er viel und das bevorzugt am geöffneten Fenster seines Büros. Zum Rausgehen hatte er keine Zeit und immerhin war es auch sein Büro. Seine Vater missfiel das total, da die Büroräume grundsätzlich rauchfrei zu sein hatten.

Josie hielt sich ganz dezent zurück und versuchte so wenig wie nötig, irgendwas zu Fragen. Wie immer blieb Leonard aber freundlich und höflich, was ihm nicht immer so einfach fiel. Leonard ignorierte das allerdings gekonnt. So schlimm fand Josie es jetzt auch nicht, da er wirklich am großen offenen Fenster stand und den Rauch raus blies. Allerdings wurde es dann recht schnell kalt im Büro. Hinzu kam das er verdammt sexy aussah, wenn er rauchte. Obwohl Josie selber Nichtraucherin war und rauchen auch nicht wirklich gut fand, sah er dabei echt attraktiv aus.

Einen Morgen kam Leonard mit Verspätung und deutlich schlechter Laune ins Büro, die er dann auch direkt an Josie auslies und sie sehr unfreundlich wegen einer Kleinigkeit anmaulte. Josie lies das aber nicht auf sich sitzen und konterte direkt ganz offen, dass sie erstens nichts für seine schlechte Laune konnte und noch weniger, dass sie hier mit in seinem Büro sitzen musste. Woraufhin Leonard erst innehielt, sie mit hochgezogenen Augenbrauen etwas irritiert ansah und sich dann auch direkt bei ihr entschuldigte. Ein bisschen war Josie daher schon stolz auf sich, dass sie sich das nicht einfach so gefallen lies und einfach mal in die Offensive ging. Und sie war überrascht, dass Leonard sich tatsächlich bei ihr entschuldigte. Ein arroganter und überheblicher Geschäftsführer hätte das gegenüber einer Praktikantin vermutlich eher nicht getan. Andreas hatte schon gemerkt, dass er ihr Unrecht getan hatte und etwas drüber gewesen war. So ein überheblicher Arsch konnte er da doch nicht sein.

Einen Montagmorgen kam er mit so einer Alkoholfahne ins Büro, dass man den Eindruck hatte, er hätte bis morgens irgendwo gefeiert. Ihm schien es auch nicht wirklich gut zu gehen und Margret brachte ihm direkt einen extra starken Kaffee und ein Glas Aspirin. „Leonard, das ist nicht gut, was sie da machen“, waren ihre besorgten Worte gewesen.

Leonard stöhnte leise auf. „Ich weiß Margret, vielen Dank“.

Das Leonard von dem Wochenende echt fertig war, konnte er nur mit viel Disziplin und Selbstbeherrschung verbergen, denn er hatte direkt um neun Uhr ein Meeting.

Um kurz nach elf am er dann wieder zurück ins Büro und es schien ihm wirklich nicht besonders gut zu gehen.

„Josephine, können sie mir einen Gefallen tun?“ fragte er mit angeschlagener heiserer Stimme.

Josie nickte. Sie fand es noch immer befremdlich, dass er sie siezte.

Ihre Blicke trafen sich und seine Augen waren glasig und dunkel, als er vor ihrem Schreibtisch stand und sie ansah. Dann ging er zum Sofa und setzte sich erschöpft.

„Natürlich, was kann ich für sie tun?“ fragte Josie gut gelaunt.

Leonard legte sich mit einem gequälten Gesichtsausdruck hin. „Gehen sie bitte an mein Telefon? Ich muss mich kurz mal ne halbe Stunde legen“, murmelte er, legte sich auf den Rücken und schloss die Augen.

Josie musste sich das Grinsen verkneifen. „Gerne, kann ich sonst noch was für sie tun? Starker Kaffee, Aspirin?“ fragte sie übertrieben höflich. Ein bisschen amüsierte es sie schon, dass es ihm so merklich schlecht ging und das vermutlich durch seine eigene Schuld.

„Nein, sehr freundlich, vielen Dank“, murmelte er gähnend und seine Stimme versagte.

Natürlich fragte Josie nicht näher nach. Es ging sie auch absolut nichts an. Er war der Geschäftsführer, sie war nur eine Praktikantin. Das er ihr und auch den anderen Mitarbeitern immer höflich und freundlich war, stand dabei außer Frage, da war er wirklich sehr professionell.

Josie ging an sein Telefon, wenn es klingelte. Professionell machte sie Gesprächsnotizen und entschuldigte ihn. „… nein, tut mir leid. Herr von Wartenberg ist gerade in einer Besprechung…“ bei internen Anrufen sagte sie, dass er gerade nicht im Büro war.

Tatsächlich schlief Leonard nun fast zwei Stunden und er bewegte sich keinen Millimeter, so dass Josie ihn besorgt beobachtete. Er bewegte sich schon länger nicht mehr, er war blass und auch sein Brustkorb bewegte sich nicht wirklich, als er auf dem Rücken auf dem Sofa lag. Ein komisches Gefühl machte sich in Josie breit. Wer weiß was mit ihm los war, vielleicht war doch nicht alles ok. Langsam stand sie auf und ging zu ihm herüber. Sie sah ihn an, wie er da lag, die Augen geschlossen, sein männliches Gesicht mit diesen sanften Gesichtszügen, er hatte immer so hübsche Grübchen, wenn er lachte, die jetzt völlig entspannt waren. Langsam beugte sie sich etwas zu ihm herunter und lauschte, ob sie seine Atmung hören konnte.

Doch, ganz leise konnte sie seine Atmung hören. Sein AfterShave roch so wahnsinnig gut, trotz der Mischung aus Alkohol, Zigarettenrauch und Minze. Plötzlich öffnete er seine Augen. Ihre Gesichter waren nicht weit voneinander entfernt. Josie hielt die Luft an und war wie erstarrt. Das blau seiner Augen zog sie immer tiefer und tiefer, als würde sie langsam in einem tiefen dunkelblauen See versinken, nicht mehr fähig zu atmen, nicht fähig sich zu bewegen. Eine Spannung lag zwischen ihnen, die sie magisch anzog und festhielt. Und er… sah sie einfach nur an.

„Kann ich ihnen helfen Fräulein Wagner?“ hauchte er stimmlos.

Erschrocken zuckte Josie zusammen und wich zurück. „Ja?... ähm… nein… also ich wollte gucken, ob alles ok ist.“

Julian betrat nach kurzem klopfen das Büro. Irritiert sah er Josie und seinen Chef an und grinste nur. „Oh ha, der Herr Geschäftsführer ruht wohl. So möchte ich auch mal deine Kohle verdienen.“

Leonard rappelte sich benommen auf und rieb sich die Augen. „Was denn?“

„Ich hörte schon, dass dein Wochenende mal wieder hart war. Du musstest dich heute Morgen wohl übelst zusammen reißen“, sagte Julian amüsiert und blieb vor dem Sofa stehen.

Leonard streckte sich lang aus und gähnte leise. „Hmm… ging so“

„Julian lachte. „Wow, für vier Tage Druckbetankung geht’s so? Ernsthaft.“

Leonard schnaufte und schüttelte leicht den Kopf. „Ne, geht eben nicht. Ich bin langsam zu alt für so nen Scheiß.“

Julian grinste. „Tja, selber schuld vermute ich mal schwer?“

„Natürlich. Wie kann ich dir helfen Julian?“ schnaufte Leonard. Man merkte das er schnell vom Thema ablenken wollte und es ihm vor Josie unangenehm war

Julian schüttelte nur den Kopf „Och Leo, du hast echt mein vollstes Mitgefühl.“

Leonard fuhr sich mit den Händen durchs Gesicht und atmete ein paar Mal tief ein und wieder aus.

„Mensch fahr nach Hause. Wenn dich hier so einer sieht, bringt das doch auch nichts. Ganz davon abgesehen, wäre Senior auch nicht gerade begeistert“, meinte Julian ernst.

„Ich hab um zwei ne Telefonkonferenz mit Spanien. Solange muss ich noch irgendwie durchhalten“, murmelte Leonard müde.

Julian sah Josie an, die an ihrem Schreibtisch saß und versucht hatte, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. „Aber was ich eigentlich wollte…“, meinte Julian. „… darf ich mir Josephine ausleihen? Gleich kommt der Architekt und wir wollten raus fahren und uns ein paar Einrichtungen in der Nähe ansehen. Wäre schön, wenn sie uns begleiten würde.“

Leonard hielt kurz inne und sah erst Julian und dann Josie an. Dann nickte er. „Ja… sicher… klar, kann sie mit, wenn sie möchte.“

Josies Blick traf Leonard und blaue Augen sahen sie müde an.

Sie nickte. „Klar. Gerne. Wann denn?“

„Jetzt gleich?“ fragte Julian.

Leonard nickte nur. „Is ok.“

Josie packte ihre Sachen zusammen und stand auf. Sie sah Leonard an. „Danke.“

Er lächelte. Und dieses Lächeln nahm Josie den Atem, denn es war anders als sonst. So warm und freundlich, so sympathisch und umwerfend, dass ihre Knie weich wurden.

„Dafür nicht. Ich danke ihnen“, sagte Leonard nur als Josie Julian aus dem Büro folgte.

Josie hoffte ein paar Worte mit Julian reden zu können, doch dazu kamen sie erstmal nicht. Trotzdem wollte Josie noch auf die passende Gelegenheit warten, denn Leonard und Julian hatten scheinbar wirklich einen guten Draht zueinander. Alleine die Tatsache das Julian Leonard Leo nannte zeigte das beide sich näher kannten.

Erst am späten Nachmittag, als sie wieder zurück in der Firma waren, passte es dann.

„Kann es sein, dass Leonard mich ziemlich blöd findet?“ fragte Josie Julian, als sie über den Parkplatz gingen.

Julian sah sie erstaunt an. „Dich? Nein… wie kommst du darauf?“

„Naja, weil er so distanziert zu mir ist. Irgendwie ist er zu allen anderen so locker und freundlich, nur zu mir ist er so abweisend. Er redet nur das notwendigste und mehr auch nicht. Ist komisch, wenn man in einem Büro zusammen sitzt“, gab Josie ehrlich zu.

Julians hellbraunen Augen sahen sie aufmerksam an.

„Nein, nein. Also er hat nichts gegen dich. Wenn das so wäre, würdest du das schon merken. Ok, es passt ihm nicht, dass du in seinem Büro sitzt. Das ist das eine… das andere ist aber eher sein Vater, der ihn dabei gut im Auge hat. Ich habe keine Ahnung, warum der Senior dich in Leos Büro gesetzt hat, aber irgendwas hat er sich dabei gedacht…, “ sagte Julian und beugte sich näher zu Josie heran. „… meine Theorie ist ja, dass du a) Leo ausspionieren sollst oder b) der Senior testen will, ob Leo sich wirklich daran hält, die Finger von Mitarbeiterinnen, insbesondere Praktikantinnen zu lassen“, sagte Julian dann ganz leise zu ihr.

Josie sah ihn ungläubig an. „Ausspionieren? Ich ihn? Weshalb denn das?“

„Naja, der Senior hat ihn halt gerne sehr intensiv im Auge. Er will immer wissen, wo er ist, was er macht, mit wem er sich trifft. Vielleicht wird er irgendwann anfangen dich auszuquetschen, was du so mit bekommst und weißt… keine Ahnung. Ist ein schwieriges Thema“, erklärte Julian leise.

Josie konnte nicht so glauben, was Julian da sagte und schüttelte den Kopf. „Unsinn. Warum sollte Herr von Wartenberg das tun?“

„Weil er seine Gründe hat? Ein noch schwierigeres Thema“, meinte Julian nur.

„Weil er gerne über die Stränge schlägt und gerne feiert?“ fragte Josie geradeheraus.

Julian sah sie an und musste sich ein grinsen verkneifen. “Möglich“ erwiderte er nur knapp.

Josie schnaufte leise. „Was die Praktikantin betrifft frage ich lieber nicht, oder?“

Julian grinste nur als sie zum Haupteingang gingen. „Ne. Besser nicht.“

Zu Joseis Überraschung war Leonard noch immer im Büro. Konzentriert saß er über einem Stapel Unterlagen.

„Hallo“, sagte sie als sie das Büro betrat.

Er sah kurz auf. „Hallo. Sie haben doch schon längst Feierabend.“

„Ich wollte nur meine Jacke holen“, fing Josie sich direkt an zu rechtfertigen.

Leonard sah sie wieder an und nickte. „Schönen Feierabend und Danke für heute Morgen“, sagte er wieder mit diesem umwerfenden Lächeln.

„Dafür nicht“, meinte Josie cool mit einem leichten Augenzwinkern. Ihr Herz hüpfte kurz freudig. War da tatsächlich ein winziger Riss in der kühlen Fassade des Herrn von Wartenberg?

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3 Ungewollte Begleitung

Ferdinand von Wartenberg sah seinen Sohn ernst an. „…Leonard. Wie besprochen wirst du übermorgen nach Amsterdam fliegen und das Meeting übernehmen. Und Josephine wird dich dabei begleiten.“

Innerhalb von Sekunden entglitten Leonard sämtliche Gesichtszüge und er starrte seinen Vater fassungslos und sichtlich überrascht an. „Wie bitte?“ fragte er ungläubig. „Das ist ein Scherz. Auf gar keinen Fall.“

Josie spürte, wie ihr die Röte vor Scham ins Gesicht stieg. Es war ihr schrecklich unangenehm, wie er reagierte.

Plötzlich hielt er inne und sah Josies betroffenes Gesicht. „Sorry Josephine, das ist nichts gegen sie persönlich. Aber ich fliege definitiv alleine“, beharrte Leonard.

Ferdinand sah ihn scharf an und schüttelte den Kopf. „Nein. Leonard. Die Flüge sind gebucht. Josephine fliegt mit, da Christoph dich nicht begleiten kann. Du wirst auf keinen Fall alleine fliegen. Darüber diskutiere ich auch nicht weiter, du weißt genau warum.“

Wie ein kleiner Junge verschränkte Leonard die Arme vor der Brust und schnaufte. „Diese ständige Bevormundung geht mit sowas von auf den Sack. Wann lässt du das mal sein? Du machst dich echt lächerlich“, beklagte er sich.

Ferdinands Blick war streng und scharf. „Leonard, ich verbitte mir diesen Ton“, donnerte er los. „Du machst dich lächerlich. Alleine Josephine gegenüber, ist dein Verhalten eine bodenlose Unverschämtheit. Ich erwarte von dir absolute Disziplin und Professionalität. Sie wird dich begleiten und damit darfst du wieder an deine Arbeit gehen.“

Das Thema war für Ferdinand erledigt und Leonard verließ wutentbrannt das Büro.

Ferdinand hielt Josephine kurz zurück und schloss die Bürotür. Er sah sie ernst an.

„Nehmen sie es nicht persönlich Josephine. Er wird sich damit abfinden, da er genau weiß, dass er nicht ohne Begleitung fliegen wird…“ Ferdinand beugte sich etwas näher zu Josie herüber. „Josephine, ich möchte sie bitten, wenn ihnen irgendetwas auffällt, dann sagen sie mir das bitte. Seine Aufgabe sind die Meetings mit den Geschäftsführern unserer Tochterfirma und mehr nicht. Keinerlei privaten Aktivitäten, egal in welcher Form.“

Josie erwiderte Ferdinand kritischen Blick. „Was genau meinen Sie damit?“

Ferdinand hielt inne, überlegte und lächelte. „Das Leonard ausschließlich zum Arbeiten dorthin fliegt. Treffen mit den Geschäftsführern, Besuch der Firma, mehr nicht. Ich möchte nicht, dass er in welcher Form auch immer dort privaten Aktivitäten nachgeht. Wenn er nicht arbeitet, hat er sich im Hotel aufzuhalten.“

Ferdinand schien Josies kritischen Blick zu bemerken. „Ich verlasse mich auf sie, Josephine. Leonard weiß, was ich erwarte und was ich keinen falls dulden werde und auch, dass sie mich informieren werden.“

Josie nickte nur nachdenklich und beschloss erstmal abzuwarten was kam. Ferdinand schien ja ernsthafte Bedenken zu haben.

Leonard redete an diesem Tag mit Josie nur noch das notwendigste. Er war sauer und das ließ er sie spüren, obwohl sie natürlich am wenigsten dafür konnte. Ihr war es absolut unangenehm.

Auch am Flughafen war er sehr wortkarg. Zwar freundlich, aber mehr auch nicht. Josie hatte gestern noch ein kurzes Gespräch zwischen ihm und seinem Vater mit bekommen, wo Leonard sich wieder aufregte.“

„… findest du es ok, sie als Spitzel für dich zu missbrauchen?...“ hat er seinen Vater gefragt. „… wenn du so wenig Vertrauen in mich hast, warum fliegst du nicht selber mit?...“

Einen Satz hatte Josie dann noch mitbekommen, als Ferdinand zu Leonard sagte, dass er seinen Alkoholkonsum aufs minimalste zu beschränken habe und sich genau überlegen sollte welche wo er sich aufhält.

Leonard war noch immer verdammt sauer über das Misstrauen seines Vaters und hatte null Verständnis dafür.

Nun saß er im Flugzeug neben Josie und las auf seinem Tablett. Wie immer trug er Anzug und Hemd, teure schwarze Lederschuhe und perfekt gestylte Haare. Er sah toll aus, groß, schlank sportlich, absolut hübsch und attraktiv zog er direkt die Blicke sämtlicher Frauen auf sich.

Josie mochte seine Nähe, spürte seine Wärme und konnte sein wunderbares After Shave riechen.

„Waren sie schon mal im Amsterdam?“ fragte er sie irgendwann. Josie war kurz verwundert, dass er überhaupt wieder mit ihr redete.

„Nein. Ich wollte schon immer mal hin. Soll ja toll zum Einkaufen und Bummeln sein, so mit den schönen Grachten und so“, antwortete Josie.

Ihre Blicke trafen sich. Strahlend blaue Augen sahen sie an.

„Ich fliege meistens alle zwei, drei Monate rüber und mache die großen Meetings mit der Geschäftsführung unserer Tochterfirma. Es ist wirklich eine schöne Stadt, es bleibt nur leider zu wenig Zeit, sich alles in Ruhe anzusehen“, meinte er und sah wieder auf sein Tablet.

Josie genoss den kurzen Flug, denn sie flog für ihr Leben gerne. Besonders Start und Landung waren super aufregend und das in Begleitung dieses attraktiven Mannes, der neben ihr saß. Schade nur das er kaum Notiz von ihr nahm und lieber auf seinem Tablett Nachrichten las. Zwischendurch schrieb er Nachrichten auf dem Handy. Ob er wohl eine Freundin hatte? Bei Gelegenheit würde sie Julian nochmal etwas ausquetschen.

Ein privater Fahrdienst holte sie am Flughafen ab und brachte sie ins fünf Sterne Sofitel Hotel, direkt im Zentrum von Amsterdam. Dort bezogen sie ihre beiden Einzelzimmer. Leonard Zimmer war direkt schräg gegenüber von ihrem Zimmer. Und Josie war ganz begeistert von dem sehr schönen und modern eingerichteten Zimmer.

Um sieben Uhr waren sie zum Abendessen mit den beiden Geschäftsführern verabredet. So blieb ihr nur wenig Zeit, sich frisch zu machen, da Leonard bereits um viertel vor sieben draußen vor dem Hotel auf sie wartete und rauchte.

„The Lobby Nesplein“ war ein gehobeneres Restaurant ganz in der Nähe und zu Fuß schnell erreichbar.

Die beiden Geschäftsführer Magnus und Rouven erwarteten sie bereits vor dem Restaurant. Sie waren um die Mitte dreißig und begrüßten Josie und Leo freundlich.

Das Abendessen verlief sehr ruhig und entspannt. Obwohl Rouven und Magnus etwas deutsch sprachen, unterhielten sie sich mit Leo die meiste Zeit in perfektem Englisch. Nur mit Josie redeten sie zwischendurch etwas deutsch, beziehungsweise, sie versuchten es.

Sie fühlte sich ganz wohl, die Herren waren sehr nett und höflich. Leonard, war Josie gegenüber wie immer distanziert und zurückhaltend. Den anderen beiden gegenüber allerdings recht locker und gut gelaunt.

Die meiste Zeit ging es um geschäftliche Themen und zwischendurch um Dinge wie Sport, besonders Fußball und Autos oder auch den letzten Urlauben. Die beiden hatten Familie und erzählten auch gerne von ihren Kindern. Leonard wie immer interessiert, freundlich und ein guter Gesprächspartner, der die Kommunikation gekonnt am Laufen hielt.

Als das Essen kam, wurde es ruhiger und jeder genoss das wirklich gute Essen. Eigentlich fand Josie ihren Job als Babysitter gar nicht so schlecht. Flug nach Amsterdam, tolles Hotel, gutes Essen, in Gesellschafft so netter Herren, konnte bestimmt schlimmeres geben. Anstatt teurem Wein gab es für die Herren Bier und das in einem recht zügigem Tempo. Die Herren waren demnach recht trinkfreudig und schon wurde die nächste Runde gebracht während Josie lieber Bitter Lemon trank. Als wieder eine neue Runde Bier gebracht wurde sah Leonard sie kritisch an.

„Haben sie ordnungsgemäß mitgezählt Fräulein Wagner?“ fragte er sie mit leichter Belustigung in der Stimme. Erst wusste Josie nicht, was genau er jetzt meinte, bis er auf sein Bierglas zeigte und ihr vier Finger zeigte. „Nur fürs Protokoll an den Herrn von und zu Senior Chef. Wir halten das heute auch extra mal etwas gediegener, damit sie nicht den Überblick verlieren“.

Ihre Blicke trafen sich und er sah sie durchaus provokant und amüsiert an. Machte er sich etwa über sie lustig? Stimmt, da war ja was gewesen, dass er seinen Alkoholkonsum aufs Minimum zu reduzieren hatte. Was genau aber nun das Minimum sein sollte, wusste sie nun nicht. Zwei Bier, vier Bier, sechs Bier? Keine Ahnung, was genau das heißen sollte. Aber eigentlich machte sie sich da auch keine großen Gedanken drum, denn Herr von Wartenberg Junior schien ja doch recht trinkfest zu sein. Also wo war dann der Punkt, wo sie etwas sagen sollte? Und ließ er sich von ihr überhaupt etwas sagen? Wohl kaum und das von der Praktikantin? Was hatte Ferdinand von Wartenberg sich dabei nur gedacht? Das sie irgendetwas ausrichten konnte? Im Prinzip hatte sie auch gar kein Interesse daran, mit ihm darüber zu diskutieren, ob er nun vier oder fünf Bier trinken sollte.

Sie erwiderte seinen Blick cool. „Aber natürlich Graf von Wartenberg. Danke für die Info“, konterte sie selbstbewusst.

Gegen zehn Uhr verließen sie das Restaurant und verabschiedeten sich, um zurück zum Hotel zu gehen.

„Um neun ist Meeting, wir sehen uns um acht beim Frühstück“, hatte Leonard vor seiner Zimmertür noch gesagt und ihr höflich eine gute Nacht gewünscht.

Gerade wollte Josie ins Bad gehen, als sie auf dem Flur eine Tür ins Schloss fallen hörte. Intuitiv ging sie zum Fenster, dass schräg oberhalb dem Hoteleingang lag und sah hinaus.

Nur wenige Minuten später verließ Leonard das Hotel. Er trug Jeans und einen dunklen Hoodie. Mit schnellen Schritten, den Händen in den Hosentaschen ging er zielstrebig durch den Innenhof und verschwand aus Josie Sichtfeld.

Sie überlegte kurz, ob sie ihm folgen sollte. Doch ehe sie Schuhe und Jacke anhatte und unten war, war er vermutlich schon lange verschwunden. Aber wo ging er noch hin, abends um zehn Uhr? Diese Frage beschäftigte Josie noch eine ganze Weile, während sie in ihrem Hotelbett saß und Fernseh schaute. Und vermutlich war es genau das, was Ferdinand meinte. Denn geschäftlich schien Leonards verschwinden abends um zehn Uhr nun nicht zu sein.

Irgendwann schlief sie dann ein und wurde nachts gegen ein Uhr wieder wach, als sie wieder eine Zimmertür ins Schloss fallen hörte. Ob das Leonard war? War er zurückgekommen? Um die Zeit? Und vor allem, wo war er gewesen?

Am nächsten Morgen saß Leonard schon am Frühstückstisch, als Josie pünktlich um acht in den Speiseraum kam. Er sah wie immer gut aus. Geduscht, rasiert, gestylt, gut duftend in Hemd und Anzug saß er da, frühstückte und las auf seinem Tablett.

„Guten Morgen“, sagte sie freundlich.

Ihre Blicke trafen sich. „Morgen“, meinte er nur.

Josie musterte ihn kritisch als sie sich ihm gegenüber setzte. Er schien das zu bemerken und erwiderte ihren Blick. „Alles ok? Haben sie gut geschlafen Josephine?“

Sie fand diese siezen so bescheuert. Warum duzte er sie nicht einfach? Immerhin war sie gerade mal ein paar Jahre jünger als er.

„Ja. Ich habe gut geschlafen. Und Sie? Sie sind gestern Abend nochmal weg gegangen?“ fragte sie lächelnd.

Wieder trafen sich ihre Blicke. Eiskalte strahlend blaue Augen sahen sie neugierig an. Dann lächelte er. „Ich habe noch etwas frische Luft geschnappt und Zigaretten geholt.“

Dass das nicht ganz die Wahrheit war, wussten beide ziemlich genau.

„Bis nachts um eins?“ bemerkte Josie skeptisch.

Sein Blick blieb starr auf sie gerichtet und sein Gesicht wurde ernst. „Josephine, ich weiß das mein Vater sie als Spitzel mitgeschickt hat. Wenn sie es für nötig halten, können sie das auch gerne so weiter geben. Scheint ja ihr Job zu sein. Aber geben sie nur das weiter, was sie auch hundertprozentig wissen und nicht, was sie denken oder vermuten. Ich muss mich ständig für irgendwelche dämlichen Dinge rechtfertigen, die ich angeblich irgendwo, irgendwie getan habe. Es nervt einfach nur.“

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