Kitabı oku: «Pleasure Underground», sayfa 3

Yazı tipi:

„Ich habe nicht vor, irgendwas weiter zu geben. Warum sollte ich das tun?“ entgegnete Josie überraschend cool.

„Weil mein Vater sie damit beauftragt hat. Sonst wären sie nicht hier. Er misstraut mir in jeglicher Weise und wartet nur darauf, dass sie ihm bestätigen, wie Recht er damit hat. Nur den Gefallen werde ich ihm bestimmt nicht tun. Sie haben mich gesehen, dass ich das Hotel verlassen habe, mehr nicht“, sagte Leonard leicht gereizt.

„Er wird fragen, wo sie noch waren?“ überlegte Josie laut.

Leonard nickte. „Natürlich wird er das. Und egal, was ich auch sagen würde, er würde es mir nicht glauben. Daher wird ihm diese kleine Info schon reichen, um mal wieder ein gewaltiges Fass aufzumachen. Wieso und weshalb auch immer.“

Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und lächelte. „Im Grunde habe ich auch gar nichts gesehen.“

Strahlendes blau traf sie. „Ihre Entscheidung, Josephine. Ich habe mich meinem Schicksal schon sehr lange ergeben.“ Etwas Trauriges lag nun in seinem Blick und seiner Stimme.

Den Rest des Frühstücks verbrachten sie schweigend. Der Fahrdienst holte sie ab und um neun Uhr begann pünktlich das Meeting. Das zog sich auch über den ganzen Tag und war erst nachmittags gegen vier zu Ende. Nicht nur Josie fand es sehr anstrengend, da nur englisch geredet wurde, auch Leonard schien echt geschafft zu sein.

Sie fuhren zurück zum Hotel, um sich frisch zu machen, bevor ihr Rückflug abends um sieben Uhr ging.

Anschließend checkten sie im Hotel aus und der Fahrdienst brachte sie zurück zum Flughafen. Leonard redete kaum und war ziemlich müde und erschöpft. Am Flughafen aßen sie noch etwas und warteten auf den Rückflug.

Josie war es unangenehm das Leonard ihr Baguette und den Latte Macchiato mit bezahlte und erklärte das bei Geschäftsreisen alles auf Firmenkosten lief. Davon ließ er sich auch nicht abbringen. Wenn sie schon mit musste, dann sollte sie nicht auch noch irgendetwas bezahlen müssen.

Viele Fragen schwirrten in ihrem Kopf herum, doch sie traute sich nicht, diese Leonard zu stellen.

Er telefonierte zwischendurch mit irgendwem über geschäftliche Dinge. Allerdings klang es sehr vertraut und angenehm. Sein Vater konnte es daher nicht sein.

Am nächsten Tag schien Ferdinand schon Josies Bericht zu erwarten und er zitierte sie direkt in sein Büro. Doch sie konnte nichts Besonderes sagen. Alles war wie geplant verlaufen. Es gab keinerlei besondere Vorkommnisse, was Ferdinand zwar überrascht aber sehr zufrieden aufnahm.

Josie verstand die scheinbaren Bedenken von Ferdinand von Wartenberg nicht. Leonard machte seinen Job. Zuverlässig, professionell und so, wie es erwartet wurde. Es war nicht mal so, dass er beim Abendessen großartig Alkohol getrunken hatte. Er hatte zwar etwas getrunken aber nicht mal so viel, dass man den Anschein hatte, dass er betrunken war. Selbst da war er sehr diszipliniert.

Josie verstand diese ganz Skepsis von Ferdinand von Wartenberg seinem Sohn gegenüber nicht. Aber irgendetwas schien ja zu sein, dass er so misstrauisch war.

Manchmal bat er Josie dann kurz raus zu gehen und sie konnte draußen hören, wie er Leonard eine Standpauke hielt was seine Pflichten und Aufgaben innerhalb der Firma betraf.

Nur wenige Tage später bekam Josie eine leichte Ahnung, warum das so war. Sie stand vorne bei Margret am Empfang, als sie Leonard eher zufällig beobachtet, wie er kreidebleich aus der Toilette kam, schwankte und sich gegen die Flurwand lehnen musste. Es schien ihm wirklich nicht gut zu gehen, er sah echt fertig und blass aus. Die Augen hatte er geschlossen und er atmete ein paar Mal tief durch, bis er sich zusammen raufen konnte und langsam in seinem Büro verschwand.

Als sie das Büro betrat saß er an seinem Schreibtisch und hatte den Kopf in den Händen vergraben.

„Alles ok?“ fragte Josie vorsichtig als sie sich an ihren Platz setzte.

Leonard sah sie nicht mal an. Sie hörte nur seine schnelle starke Atmung.

Unsicher stand Josie auf und ging zu seinem Schreibtisch heran. „Leonard? Ist alles ok?“ fragte sie nun besorgt.

Keine Reaktion.

Sie ging noch einen Schritt näher heran. „Soll ich ein Glas Wasser oder so holen?“

„Nein danke…“, murmelte er nur leise. Denn hob er wieder den Kopf und sah sie kurz an während seine Finger seine Haare wieder glatt strichen. „…alles ok. Vielen Dank. Mein Kreislauf ist heute nicht so… liegt bestimmt am Wetter.“

Josie blieb wie angewurzelt stehen und sah ihn kritisch an. „Kann ich wirklich nichts…?“

„Nein, Josephine. Es geht mir gut, ok“, meinte er dann etwas schroff.

Sie merkte sofort, dass sie ihn in Ruhe lassen sollte und nahm wieder schnell an ihrem Schreibtisch Platz.

Die nächste Stunde verbrachten beide schweigend, wobei sie sich nicht sicher war, ob er wirklich etwas las oder nur einfach so in den Ordner vor sich starrte.

Dann klingelte sein Telefon und es dauerte eine ganze Weile bis er das überhaupt registriert hatte und abnahm. Was dann kam, war sehr fragwürdig, denn Leonard war nicht in der Lage, auch nur einen vernünftigen zusammenhängenden Satz zu sprechen. Er stammelte, stotterte und brachte dabei nichts Gescheites heraus. Scheinbar wusste er nicht mal, was er redete, mit wem oder worüber. Er war völlig verpeilt und planlos. So langsam wurde es unangenehm für Leonard, denn sein Gesprächspartner schien ebenfalls etwas irritiert zu sein.

Josie hörte sich das exakte drei Minuten an, bevor sie aufstand und dem völlig irritierten Leonard das Telefon aus der Hand nahm.

„Josephine Wagner, Guten Tag. Bitte entschuldigen sie die Unterbrechung. Wir haben durch den Umbau im Büro derzeit technische Störungen in der Telefonleitung. Daher kommt bei uns und vermutlich auch bei Ihnen nicht alles richtig an. Aber die Techniker werden heute Nachmittag fertig und es wäre super, wenn sie morgen früh nochmal anrufen. Dann dürfte alles reibungslos klappen. Vielen Dank und auf Wiederhören“, sagte Josie schnell ins Telefon. Herr Fernbach am anderen Ende war erst etwas irritiert aber dann verständnisvoll und wollte morgen nochmal anrufen.

Josie legte auf und behielt das Telefon in ihrer Hand. Fragend sah sie Leonard an, der sein Gesicht wieder in den Händen auf dem Schreibtisch vergraben hatte.

„Sie sollten nicht ans Telefon gehen, wenn sie nicht wissen was und mit wem sie reden. Herr Fernbach war wohl etwas irritiert“, meinte sie schroff zu ihm.

Leonard murmelte etwas unverständliches.

„Das geht nicht. Sie können doch nicht so ans Telefon gehen. Was sollen die Leute denn denken? Das sie besoffen sind? Zu gedröhnt sind oder sowas? Was ist los mit ihnen?“ sagte Josie entrüstet.

Sie bekam keine Reaktion, denn Leonard schien gerade auf einem ganz anderen Planeten zu sein. Erst nach einigen Minuten berappelte er sich wieder und sah sie zerknirscht an.

„Schuldigung“, murmelte er leise. Er setzte sich auf, ordnete sein Haare und seinen Anzug.

„Was ist los mit ihnen?“ fragte Josie erneut.

Er wich ihrem Blick aus und atmete ein paar Mal tief ein und wieder aus. Ihm war klar, dass sie auf eine Erklärung wartete.

„Nichts, nichts. Alles gut. Mein Kreislauf ist im Keller, ich habe die letzten Tage zu wenig geschlafen und gegessen… ich war das Wochenende klettern… war ziemlich anstrengend und dazu die Höhenluft… keine Ahnung“, stammelte er dann unsicher.

Josie wusste, dass er log. Sie schnaufte nur. „Ah, klettern, sicher? Wenn das so aufs Gehirn und Kreislauf schlägt, sollten sie mal über einen Alternativsport nachdenken.“

Zack, das hatte gesessen. Mit offenem Mund starrte Leonard Josie nun sprachlos an.

Sie merkte sofort, dass sie den Bogen überspannt hatte. Ihr Puls schoss in die Höhe. „Entschuldigung. Es tut mir leid. Es geht mich auch nichts an. Aber vielleicht fahren sie besser nach Hause und erholen sich etwas… Also, lassen sich nach Hause fahren und fahren nicht selber“, korrigierte sie schnell.

Leonard starrte sie noch immer an. Doch Josie war sich inzwischen nicht mehr sicher, dass er noch wusste, ob er nun sauer war oder nicht. Zu ihrer Überraschung stand er wirklich auf, suchte seine Sachen zusammen und verließ das Büro.

„Bis morgen“, murmelte er nur noch und verschwand.

Josie hoffte, dass er sich nicht in seinen Wagen setzte und selber fuhr.

Umso überraschter war sie dann, als eine knappe Stunde später Julian ins Büro kam und eine Mischung aus besorgt und amüsiert war.

„Ich habe ihn nach Hause gefahren. Irgendwie war er ja ziemlich durch den Wind. Er meinte, du hättest ihn nach Hause geschickt, weil er am Telefon keinen Plan mehr hatte, wegen Kreislauf und so…“, erklärte Julian mit einem verschmitzten grinsen. „… naja. Jedenfalls wars wohl besser so, wenn er hier nichts auf die Reihe bekommt.“

Josie sah Julian mit gerunzelter Stirn an. „Ich hätte sich fast total blamiert, weil er am Telefon nur noch zusammenhangloses Zeug gestammelt hat. Was stimmt mit ihm nicht? Das er so daneben ist? Trinkt er? Nimmt er Drogen? Irgendwelche Medikamente?“

Julian schnaufte leise. „Nein. Quatsch. Denk jetzt blos nichts Falsches von ihm. Normal ist er ja nicht so. Kam vielleicht wirklich vom Klettern. Ein paar Tage unter so extremen Bedingungen, extreme Belastung, wenig schlaf, wenig essen, dazu die Höhe… kann schon sein.“

Josie verzog das Gesicht. „Sicher Julian. Vom Klettern. Ich habe ne ganze Weile mit gewissen Klienten gearbeitet. Also erzählt mir doch keinen Scheiß… von wegen klettern und so.“

Natürlich glaubte Josie auch Julian kein Wort.

Dafür tat Leonard am nächsten Tag so, als wäre nichts gewesen. Er war auch so wie immer und schien wieder ganz fit zu sein. Zeit, um zu reden blieb auch nicht, da sich an diesem Tag ein Meeting an das andere reihte. Und hier lief Leonard wieder zu seiner bekannten Hochform auf. Souverän und kompetent leitete er die Besprechungen und Präsentationen. Sein Charisma füllte den Raum und alle hörten ihm gespannt zu, wie er professionell stundenlang reden und erklären konnte.

Nur Dirk hatte es wieder auf Konfrontationen angesehen und versuchte Leonard zu jeder Gelegenheit rein zu grätschen. Doch auch das konterte Leonard wie immer gekonnt entspannt.

Am Ende der Präsentation packte Leonard seine Sachen zusammen, als Dirk noch am Tisch saß und ihn argwöhnisch beobachtete. Julian und Josie halfen dabei, die Tische im Besprechungsraum aufzuräumen und die Getränkeflaschen in die Kisten zu sortieren.

„Mal wieder ein hartes Wochenende gehabt von Wartenberg? War ja ein kurzer Arbeitstag gestern?“ meinte Dirk provokativ.

Leonard hielt inne und sah Dirk direkt an. „Während du vermutlich erfolglos im Oanser Champagner geschlürft hast, hab ich nen dreieinhalbtausender bestiegen. Na? Und wer war da wohl erfolgreicher im Thema?“ Konterte Leonard cool.

Dirk verzog das Gesicht und stand auf. „Als wenn dir die Sportnummer noch irgendwer hier abnimmt? Ich weiß genau, was du so treibst, ebenso erfolglos vermutlich…“, raunte er Leonard im Vorbeigehen dann zu. „… also hab nicht so eine verdammt große Fresse, Wartenberg.“

Leonard sah Dirk scharf an. „Ich kann mir die große Fresse aber erlauben. Ganz im Gegensatz zu dir.“

Schnaufend verließ Dirk den Raum.

Julian und Josie sahen Leonard an und der schien sich deutlich unwohl zu fühlen.

Plötzlich legte er die Ordner, die er in der Hand hatte, wieder ab und knöpfte sein Hemd auf.

Julian und Josie sahen ihn nun noch fragender und erstaunt an.

Leonard öffnete sein hellblaues langärmeliges Hemd und trug darunter noch ein weißes enganliegendes Kurzarmshirt. Auf dem rechten Arm sah Josie nun ein großes schwarzes Azteken Tattoo das bis kurz vor dem Ellbogen ging. Um den Unterarm war ein Verband gewickelt, den Leonard nun schnell abwickelte.

Julian verzog das Gesicht, als er die blutigen Abschürfungen sah, die nun zum Vorschein kamen und die gesamten Unterarminnenseite großflächig umfassten.

„So, das war eine Felskannte von der Wildspitze im Ötztal, 3768 Meter. Ihr könnt auch gerne den Felix anrufen, das ist mein Kletterpartner, der war auch mit. Nur so viel zu den scheiß Gerüchten, die hier ständig so fleißig verbreitet werden. Und das gestern war wirklich nur eine ungünstige Mischung aus zu wenig schlaf, zu wenig essen, zu vielen, zu starken Schmerzmitteln, der Höhe in so kurzer Zeit und jede Menge Stress.“

Josie spürte, wie sie rot wurde, vor Scham, weil sie Leonard wirklich unrecht getan hatte.

Julian kratzte sich nachdenklich am Kopf. „Ich hab nie was gesagt, oder?“

Leonard sah ihn an. „Ach komm Julian. Wir kennen uns schon lange. Ich weiß genau was du denkst.“

Ohne ein weiteres Wort packte Leonard seine Ordner wieder zusammen und verließ den Raum.

Als Josie wenig später ins Büro kam, saß er am Schreibtisch und versuchte etwas umständlich mit der linken Hand seinen rechten Unterarm wieder neu zu verbinden. Was natürlich nicht so einfach war.

„Kann ich helfen?“ fragte sie ihn und schloss die Tür hinter sich.

Leonard sah sie an und schüttelte den Kopf. „Danke, geht schon.“

Josie sah ihm eine Weile zu, wie er etwas unbeholfen versuchte den Verband vernünftig zu wickeln. Dann ging sie einfach zu ihm hin, nahm den Verband aus seiner Hand und wickelte ihn etwas ab, um ihn dann ordentlich um die Wundauflage zu wickeln. Ihr Finderspitzen berührten sich dabei und es war wie ein kleiner Blitz, der sie durchzuckte.

„Danke“, meinte Leonard nur und ein winziges Lächeln huschte über seine Lippen.

Leonard von Wartenberg war und blieb ein Mysterium. Zwar ein verdammt attraktives und gut aussehendes, aber er gab absolut nichts von sich preis.

Gegen Mittag, kurz vor zwölf, klopfte es an der Bürotür und eine Frau kam herein. Sie war recht groß, schlank, und vermutlich um die Ende vierzig. Ihre langen blonden Haare hatte sie elegant hoch gesteckt und ihr Erscheinungsbild war sehr gepflegt. Sie trug ein beiges Kostüm und ein leichtes Makeup.

„Hallo“, begrüßte sie Leonard und Josie lächelnd. Sie ging direkt auf Josie zu und gab ihr die Hand. „Katharina von Wartenberg“, stellte sie sich freundlich vor. „Josephine Wagner, freut mich sehr“, sagte Josie höflich. Das war also Leonards Mutter, so ganz anders als Josie sie sich bisher vorgestellt hatte. Sie strahlte unheimliche Sympathie und Wärme aus.

„Ich hoffe sie fühlen sich hier wohl? Ich weiß das die Herren nicht immer ganz einfach sind“, sagte sie mit einem lächelnden Augenzwinkern zu Josie.

„Danke. Ich kann mich nicht beklagen“, antwortete Josie und erwiderte Katharinas Blick freundlich. Katharina lächelte und wandte sich Leonard zu. Leo stand hinter seinem Schreibtisch auf und umarmte sie kurz. Er zuckte kurz schmerzerfüllt zusammen, als Katharina ihn herzlich an sich drückte. Leonard war etwas größer als seine Mutter, die allerdings auch hochhackige Schuhe trug.

„Ich habe dich vermisst mein Großer. Du bist am Wochenende nicht zum Essen gekommen“, sagte sie etwas vorwurfsvoll. Man spürte sofort eine gewisse Wärme und Liebe zwischen den beiden. Ganz anders als Josie das bisher zwischen Vater und Sohn wahrgenommen hatte.

„Ich war klettern, Mama. Hatte ich auch gesagt. Ich muss das gute Wetter immer nutzen, so gut es geht“, sagte Leonard gefühlvoll.

Katharina sah ihren Sohn kritisch an und runzelte die Stirn. „Du siehst schlecht aus. Müde, blass, gestresst.“ Ihr Gesichtsausdruck war besorgt. Sie strich ihm mit den Fingern über die Wange. „Ich muss mit deinem Vater nochmal reden. Er muss dir mehr Freizeit lassen. Du brauchst Zeit für dich, deinen Sport, deine Freunde. Den ganzen Tag in diesem Büro zu sitzen ist nicht gesund“, sagte sie leise, mit ernster Stimme zu ihm.

„Und genau das wird er nicht zulassen. Und das weißt du auch. Für ihn ist jede Minute, die ich hier bin gut und jede Minute, die ich anders Verbringe schlecht“, meinte Leonard kritisch.

Katharina lächelte. „Ich möchte mit dir essen gehen. Dein Vater hat keine Zeit, aber du wirst mich jetzt begleiten.“

Leonard stöhnte leise auf. „Ich kann nicht. Ich hab echt viel zu tun.“

Katharinas Blick wurde streng. „Das mag sein. Aber du kommst jetzt mit. Wenn du dich schon wieder wochenlang nicht zu Hause blicken lässt, bist du mir das jetzt schuldig, Andreas.“

Leonard sah Josie kurz an. „Würden sie das Telefon übernehmen, Josephine? Ich bin gegen zwei wieder da.“

Josie erwiderte seinen Blick und nickte lächelnd. „Natürlich, mache ich das.“

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4 Die Fabrik

Schwarze Wolken verhüllten den Himmel. Blitze zucken in der Ferne und das Donnergrollen wurde immer lauter. Erste Regentropfen fielen vom Himmel.

Josie schob ihr Fahrrad mit dem Platten über den Bürgersteig und zog ihre Sweatjacke noch weiter zu. Ein kühler Wind zog auf und verdrängte die Wärme des Tages. Sie ärgerte sich, dass sie trotz der Gewitterwarnung heute mit dem Rad zur Firma gefahren war.

Immerhin war durch den Park und das Gewerbegebiet der kürzeste Weg zurück zu ihrer Wohnung. Doch jetzt zu Fuß würde sie bestimmt noch zwanzig Minuten unterwegs sein. Trocken kam sie vermutlich eh nicht zu Hause an.

Ein junger Mann stand an einem der zahlreichen Firmen Gebäude unter einem schmalen Dach und telefonierte. Sie schätzte ihn auf Mitte Zwanzig. Er war groß, schlank und hatte kurze braune Haare. Und sie war überrascht, denn er kam ihr total bekannt vor.

Es war Dominik. Dominik Allmann. Josie erkannte ihn sofort. Ihre Mutter war mit seiner Mutter befreundet. Sie kannten sich schon seit vielen Jahren über ihre Eltern. Meistens trafen sie sich bei irgendwelchen Familien Feierlichkeiten.

Als er Josie sah hielt er kurz inne und sah sie an. Vermutlich überlegte er, was sie gerade hier suchte. Die Gegend war doch recht einsam freitags, am späten Nachmittag.

Josie ging auf ihn zu. Er steckte sein Handy in die Hosentasche und lächelte sie freundlich an.

„Josie? Hey Josie…“, sagte er sofort und umarmte sie freundlich. „…wie geht es dir? Was machst du hier?“

Sie erzählte kurz, dass sie seit kurzem hier in München studierte, von ihrem Praktikum kam und auf dem Heimweg ihr Rad einen Platten bekommen hatte.

Dominik erzählte ihr das er auch hier in München arbeitete und wohnte. So ein Zufall das sie sich hier trafen. Dominik schien sichtlich erfreut zu sein und sie plauderten eine ganze Weile. Der Regen nahm zu und wurde innerhalb weniger Minuten zu einem prasselnden Platzregen. Das Vordach, unter dem sie standen, bot immerhin etwas Schutz.

Ein Wagen näherte sich ihnen. Der schwarze Mercedes fuhr in ihre Richtung, bremste dann abrupt ab und verlangsamte enorm das Tempo, als er an ihnen vorbei fuhr. Was Josie ziemlich merkwürdig vorkam. Sie fühlte sich beobachtet. Entweder sucht der Wagen etwas oder beobachtete sie beide. So langsam wie er fuhr, war es wirklich unheimlich. Durch die verdunkelten Scheiben konnte allerdings niemanden erkennen. Der Wagen fuhr vorbei und Dominik wurde plötzlich ganz nervös.

„Scheiße“, murmelte er nur und zog Josie am Arm mit sich. „Komm mit, wir können hier nicht bleiben“.

Josie sah Dominik irritiert an, folgte ihm aber. Dominik ging mit schnellen Schritten über den Bürgersteig und Josie folgte ihm. Immer wieder sah er sich nach dem schwarzen Mercedes um, der plötzlich anhielt und auf der Straße drehte.

„Was ist los?“ wollte Josie wissen.

„Erkläre ich dir später. Wir müssen hier weg. Kannst du dein Rad stehen lassen?“ sagte Dominik nur und ging in eine Seitengasse hinein.

Josie nickte. „Ja, warum denn? Was ist denn los?“

Sie stellte ihr Fahrrad in der Seitengasse an einen Container und schloss es ab.

Dominik wurde immer unruhiger und griff ihre Hand. „Komm mit, wir müssen hier weg“, sagte er schnell und zog Josie hinter sich her. Mit schnellen Schritten gingen sie die Seitenstraße entlang. Immer wieder den Blick nach hinten gerichtet. Dann fuhr der schwarze Mercedes an der Gasse vorbei.

Es lag die Vermutung nahe, dass Dominiks plötzliche Unruhe mit dem Wagen zu tun hatte. Daher war Josie erleichtert, dass der Wagen vorbei gefahren war. Doch Dominik schien nicht erleichtert zu sein und zog sie nun noch schneller durch den strömenden Regen hindurch mit sich durch die schmale Seitengasse. Fabrikgebäude ragten links und rechts von ihnen hoch.

Der Donner wurde immer lauter und auch die Blitze kamen näher.

Josie und Dominik blickten sich gleichzeitig um, als in dem Augenblick der Mercedes rückwärtsfuhr und in die Seitengasse einbog.

Dominiks Schritte wurden schneller, bis er fast schon lief. Immer noch hielt er Josies Hand fest. Er bog nach rechts in eine andere Seitengasse, die noch schmaler und enger war. Sie liefen und liefen. Regen verschleierte Josies Sicht. Sie hatte keine andere Wahl als ihm zu folgen. Was sollte sie sonst tun? Wenn es einen Grund gab, warum er lief, war es vermutlich nicht klug, einfach stehen zu bleiben und abzuwarten. Also lief sie mit ihm, keine Ahnung warum und wohin.

An einem großen Fabrikgebäude blieb er vor einer Tür stehen. Hinter einer unscheinbaren Klappe tippte er etwas auf ein Zahlenfeld und legte seinen Ringfinger auf ein kleines Feld.

Stille. Nur der Regen prasselte und ein Motorengeräusch schien näher zu kommen.

Ein leises Summen ertönte und Dominik drückte die stabile schwere Eisentür auf. Eine Sekunde zweifelte Josie, ob sie ihm folgen sollte. Doch er griff wieder ihre Hand und zog sie in einen schmalen Flur. Die Tür klickte leise ins Schloss. Es war alt und muffig hier. Eine Putzfrau war vermutlich seit Jahren nicht mehr hier gewesen, denn Spinnweben hingen unter der Decke und in den Ecken.

Gedimmte Deckenlampen gaben ein schummriges Licht ab und beleuchteten einen langen grauen Flur. Dominik schien nun etwas erleichtert und entspannter zu sein. Er ging vor, durch den langen Flur zu einer Aufzugtür. Dort tippe er wieder einen Code auf einem Tastenfeld ein und der Aufzug setzte sich in Bewegung. Josie überkamen Zweifel, ob der Aufzug hier wohl regelmäßig gewartet wurde? Die Geräusche, die er machte, waren weniger vertrauenserweckend.

„Wo sind wir hier?“ wollte Josie wissen. Aufregung machte sich in ihr breit. Ok, sie kannte Dominik schon viele Jahre. Aber gerade die letzten Jahre hatten sie nicht mehr so intensiven Kontakt gehabt wie früher, als sie Kinder waren.

„Ich treffe mich hier immer mit ein paar Freunden“, war seine knappe Antwort.

Sie stiegen in den Aufzug. Dominik drückte einen der zahlreichen Knöpfe, die alle keine Beschriftung, nicht mal Zahl hatten. Dann fuhren sie hinab.

Oh Gott, was tat sie hier nur? Überlegte Josie. Sie kam sich vor wie in einem schlechten Film, oder wie bei einem schlechten Scherz.

Josie nahm ihr Handy. Sie wollte Lisa ihren Standort schicken, wer wusste schon wofür es gut war. Immerhin fuhr sie mit einem Mann den sie seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, in einem einsamen Industriegebiet in irgendeinem Gebäude mit dem Aufzug ins den Keller. Was zur Hölle tat sie da nur?

Dominik sah sie an. „Was hast du vor?“

„Einer Freundin meinen Standort schicken“, meinte Josie ganz in Gedanken. Scheiße, sie hat gar kein Netz hier unten. Ihr Handy zeigte keinen Empfang an. Dominiks braune Augen funkelten sie an. Blitzschnell nahm er ihr das Handy aus der Hand. „Nein. Lass das sein. Blos keinen Standort verschicken…“, rief er hektisch. „… du hast hier eh kein Netz:“

Josie starrte ihn an, mit einem Anflug von Panik in den Augen und einem Brustkorb, der sich plötzlich zuschnürte. In dem Moment schien er zu realisieren welchen Eindruck er gerade bei Josie hinterließ. Schnell gab er ihr das Handy wieder, als könne er ihre Gedanken lesen. „Ich kann dir das gleich alles erklären, ok. Mach dir keine Sorgen, es passiert dir nichts.“

Die Tür öffnete sich und wieder lag ein langer Gang vor ihnen. Lichter gingen automatisch an. Hier unten war es noch muffiger und älter als oben. Frische Luft wäre hier dringend mal notwendig.

Vor einer großen Stahltür blieben sie stehen. Wieder summte es und Dominik konnte sie aufdrücken.

Sichtlich überrascht betraten sie dann einen ganz neu renovierten und hellen Flur mit hellen Deckenlampen, deutlich freundlicher und angenehmer als bisher und dazu noch gut durchlüftet durch die Klimaanlagenschächte in der Decke. Man spürte einen seichten Lufthauch, nicht kalt aber angenehm frisch. Eine Lüftungsanlage rauschte leise.

Mehrere Türen waren links und rechts zu sehen. Alles schien wirklich recht neu und modern renoviert zu sein.

Dominik ging nach rechts in einen Raum, der sich als Küche heraus stellte. Josie staunte nicht schlecht als sie die nagelneue und hochmoderne schwarze Hochglanz Küche an der linken Wandseite sah.

An der anderen Seite standen ein großer Esstisch und eine schwarze Ledereckbank mit passenden Stühlen. Auffällig war auch der große Kühlschrank, der zur Küche gehörte. Ok, es war alles in schwarz gehalten aber zu der weißen Wand und Decke und dem grauen Fliesenboden passte es irgendwie. Fenster gab es hier natürlich nicht, da sie ja irgendwo im Keller waren, dafür aber wieder die Klimaschächte unter der Decke, die frische Luft hinein pusteten.

Dominik hing seine nasse Jacke an die Garderobe neben der Tür auf und wuschelte sich durch die kurzen braunen Haare. Dann sah er Josie kritisch an. „Du holst dir den Tod in den nassen Klamotten. Ich gucke gleich mal, ob ich was zum Anziehen für dich finde.“

Josie sah sich neugierig um und nickte. Erst jetzt wurde ihr bewusst das sie wirklich klatsch nass war. Diese skurrile Fluchtnummer gerade hatte sie ganz schön aus dem Konzept geworfen. War es eine Flucht gewesen? Ja, irgendwie schon. Aber wovor eigentlich? Fragen über Fragen schossen durch ihren Kopf.

„Willst du nen heißen Tee, Kaffee, Kakao? Oder nen Bier vielleicht?“ fragte Dominik sie freundlich.

„Tee klingt gut. Wohnst du hier?“ fragte Josie nun neugierig. Ihre nassen Klamotten klebten auf ihrer Haut und ihr war nun doch echt kalt.

Dominik grinste und stellte den Wasserkocher an. „Naja, nicht ganz, aber ich bin schon ziemlich oft hier. Früchtetee? … oder… Früchtetee? Ich sehe gerade, unsere Teeauswahl ist eher übersichtlich.“

„Sehr gerne Früchtetee“, nickte sie lächelnd und setzte sich auf die Eckbank an den Tisch. Dominik schüttete den Tee auf und stellte ihn ihrhin. Er ging an den Kühlschrank, öffnete ihn und holte eine Flasche Bier heraus. Auf den ersten Blick sah es so aus, als wären nur Bier und Schnapsflaschen im Kühlschrank.

„Oder mit Schuss?“ fragte er Josie grinsend.

Sie schüttelte den Kopf. „Ne danke. Gerade nicht.“

Dominik öffnete die Flasche und trank einen Schluck.

„Ich schau mal nach trockenen Klamotten für dich“, sagte er dann und verließ die Küche. Neugierig sah Josie sich um. Die Küche sah noch so neu aus, als ob sie bisher nie groß genutzt wurde. Sehr hochwertig mit teuren Elektrogeräten und einem exklusiven Kaffeevollautomaten.

Dominik kam wieder und reichte ihr einen dunkelblauen Marken Hoodie. „Bitte schön. Direkt rechts ist das Bad. Da kannst du dich umziehen.“

Josie stand auf, ging auf den Flur und betrat die nächste Tür rechts ein kleines modernes Badezimmer. Auch hier war es überraschend sauber und ordentlich. Wieder war alles in schwarz und weiß gehalten. Schwarze Fliesen auf dem Boden und an der Wand, weißer Putz, weiße Decke. Es gab eine Dusche, eine Toilette und zwei Waschbecken, ebenfalls in weiß. In einem Regal lagen ordentlich zahlreiche Handtücher gestapelt, alle in grau. Eine kleine schwarze Wäschetonne stand in der Ecke für dreckige Handtücher. Ansonsten stand nichts herum, bis auf einen Seifenspender neben dem Waschbecken. Auch in der sauberen Dusche stand nichts herum, kein Duschgel, kein Shampoo, absolut gar nichts.

Sie benutzte die Toilette und zog ihre nasse Sweatjacke, Top und ihren BH aus. Alles war pitsch nass. Sie hing ihre nassen Sachen über den Handtuchheizkörper an der Wand und zog den bequemen und vor allem trockenen Pulli über. Auch wenn er etwas groß war, er war warm und gemütlich und roch dazu noch wunderbar frisch gewaschen.

In ihrer Arbeitstasche hatte sie Deo und eine Haarbürste. Sie machte sich frisch und bürstet die nassen Haare durch, die sie dann offen trocknen lies.

Dominik stand in der Küche, diesmal aber nicht alleine. Der junge Mann war ebenfalls groß, aber noch etwas größer als Dominik. Er war groß, stabil, mit kurzen dunkelblonden Haaren und ziemlich muskulös. Sofort fiel Josie die muskulösen Oberarme auf, die bei seinem kurz Arm Shirt besonders gut zur Geltung kamen. Auch sein Oberkörper sah aus wie von einem Bodybuilder. Er war echt verdammt gut trainiert.

Dominik stellte ihr daraufhin Basti vor. Sie gaben sich die Hand und er hatte ein wahnsinnig sympathisches Lächeln und hübsche hellbraune Augen. „Ich bin Basti. Freut mich.“

Basti sah Dominik kritisch an. „Eigentlich kennst du doch die Regeln, oder?“

Dominik nickte. „Ich weiß. Aber es war ein Notfall. Der schwarze Mercedes von Birkners fuhr draußen herum. Wir konnten gerade noch abhauen und ich hoffe sie haben nichts gesehen. Sollte ich sie einfach alleine draußen stehen lassen? Sie haben gesehen das sie mit mir da stand?“

Bastis Blick blieb kritisch. „Ich fürchte das werden nicht alle so locker sehen. Du bringst jemand Fremden mit hier runter. Das ist gegen alle Regeln.“

Josie bekam das Gespräch der beiden mit, obwohl sie sehr leise sprachen und bekam ein ganz schlechtes Gewissen. Oh je, wo war sie hier nur gelandet?

„Ich muss auch jetzt wieder los, danke für den Tee…“, sagte Josie, trank schnell ihren Tee aus und stand auf. „…wenn du mir nur den Weg raus zeigen könntest?“

Beide sahen sie kritisch an.

In diesem Moment kam ein andere junger Mann in die Küche gestürmt. Auch er war klatsch nass und völlig außer Atem. „Scheiße man, was macht der schwarze Benz da draußen? Der steht direkt gegenüber von Tor C und ich musste über die Nordseite rein kommen. Die stehen direkt gegenüber dem Tor. Wie kann das sein?“

Die drei sahen sich vielsagend und etwas ratlos an. Basti nahm sein Handy und tippte etwas. „Ich schicke gleich mal nen Code-Orange an alle raus. Nur das die anderen Bescheid wissen.“

Die Handys von Dominik und dem anderen gaben einen kurzen Signalton ab und gleichzeitig blinkte eine kleine Lampe über der Küchentür orange auf.

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