Kitabı oku: «Die Aussenseiter und die Rache des Poltergeists», sayfa 5

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Kapitel 7• Geisterstunde

Ich nickte und drehte mich zur Tür, doch Jo schüttelte den Kopf.

»Nein, ich denke, wir bleiben noch«, sagte er.

»Bist du verrückt?«, fragte Sylvia und ich sah, wie ein leicht panischer Ausdruck in ihr Gesicht trat. »Meine Freundinnen werden gleich vorbeikommen.«

Jo nickte. »Ja, so etwas dachte ich mir.« Er machte es sich bequem.

»Ihr ruiniert meinen Ruf, geht das in deinen hohlen Schädel nicht rein?« Sylvia kreischte es fast.

»Du meinst den Ruf, ein mieses Miststück zu sein, das andere nur benutzt oder auf ihnen herumtrampelt wie auf einem Fußabtreter?«, erkundigte sich Jo, der keine Anstalten machte, sich zu erheben. »Ja, das ist ein Ruf, den man nur ungern verliert.«

Sylvia setzte zu einer Erwiderung an, doch sie kam nicht mehr dazu, etwas zu sagen, denn die Tür öffnete sich und Ramona, Michelle und Janine traten ins Zimmer. Als sie uns entdeckten, warfen sie Sylvia entsetzte Blicke zu.

Noah ging hinüber zu Jo, half ihm mit leichter Gewalt auf die Beine und bugsierte ihn zur Tür. Auf halbem Weg wandte er sich noch mal an Sylvia: »Wir sehen uns am Tag deiner Entlassung bei dir. Du hast ja Christinas Nummer. Ruf einfach durch, wenn du das genaue Datum weißt.« Er lächelte ihr freundlich zu und ging, am wie versteinert wirkenden Dreigestirn vorbei, zur Tür. Jo folgte ihm mit einem Grinsen.

Ich setzte mich ebenfalls in Bewegung. »Noch mal gute Besserung«, sagte ich ruhig zu Sylvia, die demonstrativ aus dem Fenster starrte.

Ich verließ den Raum, doch bevor ich die Tür hinter mir schließen konnte, steckte Jo noch einmal den Kopf ins Zimmer.

»Ich hoffe, ihr überlebt die Tatsache, dass Sylvia sich nicht umgebracht, sondern mit Christina gesprochen hat«, sagte er vergnügt.

Ehe Jo noch etwas hinzufügen konnte, zog Noah ihn zurück und schloss endlich die Tür. Die beiden klatschten lautlos ab, dann legte Jo das Ohr an die Tür. Noah und ich sahen ihn ungläubig an.

»Nun macht schon«, flüsterte Jo.

Ich sah mich kurz um. Der Korridor, in dem wir uns befanden, war leer. Ich zuckte mit den Schultern, grinste Noah an und beugte mich zur Tür. Noah tat es mir gleich. Im Zimmer war eine unterkühlte Unterhaltung im Gange.

»Was wollten die denn hier?«, erkundigte sich Ramona spitz.

»Was bitte sollte der blöde Spruch von Jo?«, entgegnete Sylvia und ignorierte Ramona völlig.

Einen Moment herrschte Schweigen, dann ergriff Michelle das Wort: »Als die Brillenschlange nach dir gefragt hat, habe ich ihr vor der ganzen Klasse gesagt, dass du lieber sterben würdest, als dich mit ihr abzugeben. Scheinbar habe ich mich getäuscht.« In ihrer Stimme klang ein gehässiger Unterton mit.

»Sei kein Idiot!«, fuhr Sylvia sie an. »Niemand zieht es vor, zu sterben, wenn er sich zwischen dem Tod und einer Unterhaltung mit ein paar Losern entscheiden muss. Macht nicht so eine riesige Sache daraus. Es reicht mir schon, dass ich, sobald ich hier rauskomme, einen ganzen Tag mit diesen absoluten Verlierern verbringen muss. Aber was tut man nicht alles, um seine Eltern glücklich zu machen. Ich werde es hinter mich bringen und das Ganze anschließend so schnell wie möglich vergessen. Und euch rate ich, das Gleiche zu tun. Sonst könnte ich nämlich vergessen, meinen Vater bei der nächsten Theaterpremiere zu bitten, auch Karten für euch zu besorgen«, fügte sie drohend hinzu.

»Du musst einen ganzen Tag mit denen verbringen?« Michelles Stimme klang angewidert. »Warum das, in aller Welt?«

»Irgend so ein Sozialprojekt meines Vaters«, sagte Sylvia mit resignierter Stimme. »Christinas Mutter arbeitet für ihn. Wahrscheinlich will er sie beeindrucken, damit er ihr Gehalt nicht erhöhen muss. Falls ich diese Brillenschlange in ihren furchtbaren Klamotten allerdings öfter treffen soll, kann er sich das abschminken. Auch meine Großzügigkeit hat Grenzen.«

Aus dem Zimmer klang zustimmendes Gemurmel. Jo hatte die Hand bereits an der Türklinke, doch ich schüttelte den Kopf und wies in Richtung Ausgang. Ohne seine Reaktion abzuwarten, ging ich los. Noah und Jo folgten mir. Schweigend erreichten wir die Eingangshalle und trafen dort noch einmal Herrn von Kastanienburg, der uns fröhlich zuwinkte.

»Ist wirklich nur geprellt«, rief er von weitem und wedelte mit seiner jetzt professionell bandagierten Hand.

Ich hob lächelnd den Daumen und wir verließen das Krankenhaus. Draußen machte Jo seiner Empörung Luft: »Wieso hast du mich nicht reingehen lassen?«, fragte er wütend. »Dieses Miststück! Du willst dein Leben riskieren, um ihr zu helfen, und sie hat nichts Besseres zu tun, als über dich herzuziehen, sobald du ihr den Rücken zudrehst.«

Ich sah ihn überrascht an. »Was hattest du denn erwartet? Wir sprechen hier von Sylvia von Kastanienburg. Abgesehen davon konnte sie gar nicht anders reagieren, selbst wenn sie gewollt hätte. Ihr Dreigestirn ist alles, was sie hat. Wenn die drei aufhören, sich um sie zu drehen, steht sie alleine da und was macht sie dann? Unserem Club beitreten und unsere beste Freundin werden? Wohl kaum.«

Jo starrte mich an. »Soll ich jetzt etwa Mitleid mit ihr haben?«, fragte er ungläubig.

Ich schüttelte den Kopf. »Natürlich nicht, sie ist ja selbst Schuld. Was meint ihr, haben wir noch Zeit für einen kurzen Besuch bei Mathilde?«

»Kommt darauf an, was du unter kurz verstehst«, sagte Jo mit einem Blick auf seine Uhr. »Bis wir bei Mathilde sind, ist es vier und um kurz nach fünf muss ich dann zur Bushaltestelle, sonst komme ich zu spät zum Abendessen. Wenn das passiert, war meine Freiheit von kurzer Dauer.«

»Ich denke, dann lassen wir das heute lieber und fahren nach Hause.«

Wir waren bereits auf dem Weg zur Bushaltestelle, als ein Geländewagen neben uns hielt. Es war Herr von Kastanienburg.

»Hallo, ihr drei«, sagte er fröhlich. »Soll ich euch mitnehmen und irgendwo rauslassen?«

Fünfzehn Minuten später standen wir im Buchladen. Mathilde begrüßte uns mit einem Lächeln, legte ihr Buch beiseite und sagte dann: »Wusste ich doch, dass ihr noch vorbeikommt.« Sie nahm den Schlüsselring und ging sofort in Richtung Raum der Bücher.

»Es ist wirklich kein großes Ding, dass wir unsere Begegnung mit Sylvia gut überstanden haben, und sie uns sogar glaubt, also loben Sie uns bloß nicht«, rief Jo ihr hinterher.

»Hatte ich nicht vor«, erwiderte Mathilde. Ihre Stimme klang etwas gedämpft.

Ich folgte ihr kichernd. Hinter mir sagte Noah zu Jo: »Gegen Mathilde kommst du nicht an, aber versuch es ruhig weiter. Das hebt die Stimmung.«

»Und mir machen unsere kleinen Wortgefechte Spaß«, erklärte Mathilde, die uns an der offenen Tür erwartete.

Ich sah sie grinsend an und blickte dann Jo nach, der mit hoch erhobenem Kopf an uns vorbei in den Raum ging und dabei murmelte: »Mir fällt schon noch was ein! Wäre doch gelacht, wenn mir nichts einfallen würde.«

»Bis nachher, Mathilde«, sagte Noah und folgte Jo.

Auch ich nickte ihr noch einmal zu und schloss dann die Tür hinter mir. Wir setzten uns an den Tisch und ich zog eine Karteikarte. »Wir haben es eilig, also komme ich gleich zur Sache. Wie bekommen wir alle wichtigen Informationen über den Geist, der im Haus der von Kastanienburgs umgeht?«

Eine Zeitlang geschah nichts. Gerade, als ich es erneut versuchen wollte, bildete sich über dem Tisch eine Art phosphoreszierender Nebel, der immer dichter wurde und schließlich die durchscheinende Form eines jungen Mannes in altmodischer Kleidung annahm. Eine Aura hellen Lichtes umgab ihn wie eine zweite Haut.

»Man hat mich hierher geschickt, doch ich weiß nicht warum, noch was ihr begehrt«, sagte er. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern im Wind. Er sah uns nacheinander an und sein Blick blieb an mir hängen. Er wirkte irritiert.

Ich starrte ihn mit offenem Mund an. Schließlich räusperte ich mich. »Wir haben um Hilfe gebeten, um mehr über einen Geist zu erfahren, den höchstwahrscheinlich Cecile Schönbrunn heraufbeschworen hat.«

»Cecile hat einen Geist heraufbeschworen?« Der junge Mann schüttelte ungläubig den Kopf. »Mit so etwas hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Sie war zwar schon als kleines Mädchen kaum zu bändigen, aber einen Geist beschwören …« Er verstummte und fuhr sich mit den durchsichtigen Händen durch die Haare.

Ich bemerkte fasziniert, dass sich seine Frisur dadurch nicht im Geringsten veränderte.

»Cecile hätte einen Vater gebraucht, der sie richtig erzieht und nicht einen wie mich, der drei Jahre nach ihrer Geburt seinem Leben ein Ende setzte, weil er die Schmerzen seines gebrochenen Herzens nicht mehr ertrug.« Er sah mich entschuldigend an.

»Sie sind der Vater von Cecile Schönbrunn?«, fragte Jo verblüfft.

Der junge Mann nickte.

»Und Sie sind tot.«, fügte Jo hinzu.

»Ich denke, das ist offensichtlich«, erwiderte der Geist. »Entschuldigt bitte, ich habe es versäumt, mich vorzustellen, aber die Situation ist neu für mich. Man hat mich noch nie ... gerufen. Mein Name ist Kurt Schönbrunn. Wie kann ich euch zu Diensten sein?« Er sah mich aufmerksam an und wieder trat der verwirrte Ausdruck in sein Gesicht. Auch ich betrachtete ihn eingehender. Er sah selbst blass und durchscheinend noch gut aus, doch er wirkte trotz des hellen Lichts, das ihn umgab, unendlich traurig.

»Wir waren auch nicht höflicher«, sagte ich endlich. »Mein Name ist Christina Stahl und das sind meine Freunde Jo Dräxler und Noah Ahadi. Wir brauchen alle Informationen, die wir über den Geist bekommen können. Die „wütende Dame“, so nennen wir die Erscheinung, bis wir wissen, wer es ist, muss irgendwie mit den Schönbrunns verbunden sein, oder durch sie ein großes Unrecht erfahren haben. Als sie sich Sylvia von Kastanienburg zeigte, sagte sie etwas davon, dass der Hochmut und die Habgier der Schönbrunns ihr Leben zerstört hätten.«

»Von Kastanienburg? Was haben die von Kastanienburgs mit den Schönbrunns zu tun?«, wollte Kurt Schönbrunn wissen.

»Es sind Ihre Nachkommen«, klärte Jo ihn auf.

»Du willst mir doch nicht erzählen, dass Cecile mit dem Sohn dieses adligen Schnösels verheiratet wurde?«, erkundigte sich Kurt Schönbrunn aufgebracht.

»Ähm, scheint so«, sagte Jo. »Ich weiß zwar nicht, von wem Sie sprechen, aber sie hat einen von Kastanienburg geheiratet, das steht fest. Friedrich von Kastanienburg, um genau zu sein«, fügte er hinzu.

»Genau den meine ich.« Kurt Schönbrunn schwieg einen Moment und sagte dann mehr zu sich selbst: »Ich weiß nicht, was ich erwartet habe. Ich war nicht da, um sie zu erziehen, und Lucille, ihre Mutter, war schwach. Mein Vater hatte also ein leichtes Spiel.« Er wandte sich zu mir und fragte: »Entschuldige, was kannst du mir über den Geist erzählen? Ich brauche mehr Informationen, um euch helfen zu können.«

Ich nickte. »Nun, er ist weiblich und ziemlich wütend, was vermuten lässt, dass es sich um einen Poltergeist handelt. Außerdem hat er lange, wilde, schwarze Locken und trägt ein schlichtes weißes Kleid. Sylvia meinte, dass er etwas von einem Amulett gesagt hättet, das niemals jemand finden würde. Sagt Ihnen das etwas?«

Kurt Schönbrunn zuckte zusammen. »Maria«, flüsterte er heiser und eine durchsichtige Träne lief ihm über die Wange. »Die Liebe meines Lebens!«

Ich sah ihn überrascht an.

»Aber nicht die Mutter von Cecile«, stellte Noah fest.

Kurt Schönbrunn schüttelte den Kopf. »Nein. Maria war eines unserer Hausmädchen. Eine schwarzhaarige Schönheit mit spanischen Vorfahren, sonnigem Gemüt und südländischem Temperament. Sie fand immer einen Grund zum Lachen und eine Methode, den melancholischen Sohn des Hauses aufzumuntern. Mich. Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir uns ineinander verliebten. Als sie ein Kind von mir erwartete, bat ich sie, meine Frau zu werden und gab ihr als Unterpfand meiner Liebe das Familienamulett der Schönbrunns, das einst meiner Mutter gehört hatte und nur an die Frauen der Familie weitergegeben wurde.«

Ein komisches Gefühl beschlich mich, doch Kurt Schönbrunn, gefangen in der Erinnerung, sprach bereits weiter: »Natürlich hatte ich die Rechnung ohne meinen Vater gemacht. Als ich ihm von Maria, dem Kind und dem Amulett erzählte, geriet er vollkommen außer sich. Er forderte mich auf, das Amulett sofort zurückzuholen, und drohte mir schließlich damit, mich zu enterben, sollte ich meinen Plan, Maria zu heiraten, in die Tat umsetzen.« Kurt Schönbrunn sah uns an. »Ihr müsst wissen, dass ich es bis zu diesem Gespräch nie gewagt hatte, meinem Vater zu widersprechen, deshalb stand es für ihn außer Frage, dass ich seinen Befehlen nachkommen würde. Doch diesmal bot ich ihm die Stirn. Ich sagte ihm, dass mir sein Geld vollkommen egal sei, erklärte ihm, dass ich Maria auch ohne seinen Segen heiraten würde und dass das Amulett somit rechtmäßig ihr gehöre. Zu meinem grenzenlosen Erstaunen lenkte mein Vater ein. Er klingelte nach unserer Haushälterin und bat sie, Maria zu holen. Immer noch völlig perplex willigte ich ein, als er mich bat, mit Maria alleine sprechen zu dürfen. Mein Vater versprach mir, dass er uns seinen Segen geben würde, wenn Maria einwilligte, mich auch ohne einen Cent zu heiraten. Er schickte mich aus dem Zimmer, noch bevor sie angekommen war. Ich hatte also keine Chance, vorher mit ihr zu sprechen, doch ich war nicht beunruhigt, denn ich war mir vollkommen sicher, dass Maria mich wirklich liebte.« Er holte tief Luft. »Was war ich für ein Idiot.«

»Wieso, was ist geschehen?«, fragte ich atemlos.

Kurt Schönbrunns Miene verfinsterte sich. »Mein Vater erklärte Maria, dass ich keinen Cent erben würde, sollte ich mich mit ihr vermählen. Er bot ihr eine Alternative. Wenn sie mich sofort verließe, wollte er ihr eine großzügige Apanage zahlen …«

»Eine was?«, fragte Noah verwirrt.

»Einen Unterhalt«, erklärte Jo.

Der Geist sah die beiden irritiert an.

»Entschuldigen Sie die Unterbrechung, bitte fahren Sie fort«, bat ich Kurt Schönbrunn und warf Jo und Noah warnende Blicke zu.

Der Geist räusperte sich und sprach weiter: »Er wollte ihr regelmäßig Geld zukommen lassen, damit es ihr und dem Kind an nichts mangelte. Maria willigte ein. Ich habe sie nie wieder gesehen.«

»Und das haben Sie ihrem Vater geglaubt?«, fragte ich empört.

»Da ist doch was faul«, sagte Jo im gleichen Moment.

»Haben Sie nie versucht, Maria zu finden und mit ihr zu sprechen?«, erkundigte sich Noah.

»Natürlich habe ich das!«, fuhr Kurt Schönbrunn ihn an. Noah zuckte zurück. Kurt Schönbrunn hob entschuldigend die durchsichtigen Hände und wischte sich über die Augen. »Entschuldige«, murmelte er, »ich habe Maria überall gesucht. Ich habe sogar einen Detektiv engagiert, doch sie war wie vom Erdboden verschluckt.«

>Was ist mit dem Amulett geschehen?<, wollte die Wächterin wissen, die bis eben geschwiegen hatte.

»Und das Amulett?«, erkundigte ich mich.

Kurt Schönbrunn sah mich überrascht an. »Was soll damit sein?«

»Genau das will ich wissen«, erwiderte ich. »Es schien Ihrem Vater doch sehr wichtig zu sein. Wenn Maria wirklich auf seinen Handel eingegangen ist, muss er es zurückgefordert haben. Er hätte es ihr doch nicht überlassen, oder?«

Kurt Schönbrunn starrte mich an und schüttelte den Kopf. »Nein, hätte er nicht. Er hätte es zurückgefordert und darauf bestanden, dass Lucille es bei unserer Hochzeit bekommt. Nachdem Maria mich verlassen hatte, war ich so zerstört, dass ich an das Amulett überhaupt nicht mehr gedacht habe.«

»Aber das kann doch nur bedeuten, dass Maria es ihm nicht wiedergegeben hat. Entweder aus Liebe, um wenigstens einen Teil von Ihnen bei sich zu tragen, oder aus Hass. Doch warum sollte Maria Sie hassen, wenn sie aus freien Stücken gegangen ist?«, überlegte ich laut.

Kurt Schönbrunn sah aus, als wäre ihm übel. »Sie hat mich nicht verlassen«, flüsterte er. »Mein Gott, was hat mein Vater ihr angetan? Er hätte sie das Amulett niemals behalten lassen. Warum habe ich nie daran gedacht?«, fragte er verzweifelt. »Wenn ihr sie trefft, sagt ihr bitte, dass ich meinem Vater die Stirn geboten, dass ich sie nie verlassen habe.« Er sah uns flehend an.

Ich nickte. »Eine letzte Frage habe ich noch: Das Amulett, war es wertvoll?«

Kurt Schönbrunn schüttelte den Kopf. »Nicht im eigentlichen Sinne. Das Amulett war aus Silber und zum Schutz gedacht. Es hatte zwar die Form eines silbernen Auges, durch das ein waagerechter, ebenfalls silberner Steg führte, doch es war so an einer Kette befestigt, dass es auf dem Kopf stand. Ich weiß allerdings nicht, wogegen es schützte. Meine Mutter wollte es mir nie sagen. Sie trug das Amulett übrigens immer zusammen mit einem silbernen Kreuz.«

»Wenn es so ausgesehen hat«, ich zog mein Amulett hervor, »dann schützt es vor allen Übeln, die man sich nur denken kann.«

»Woher hast du das?«, fragte Kurt Schönbrunn mit rauer Stimme.

Das Blut rauschte in meinen Ohren und meine Stimme zitterte leicht, als ich antwortete: »Ich habe es von meiner Urgroßmutter Carmen geerbt. Sie hinterließ es mir, weil es schon immer zu den Frauen unserer Sippe, den Wächterinnen, gehört hat.«

»Wer waren die Eltern deiner Urgroßmutter?«, wollte Kurt Schönbrunn wissen.

»Das weiß niemand. Uroma Carmen ist in Spanien in einem christlichen Armenhaus aufgewachsen. Ihre Mutter ist kurz nach der Geburt gestorben, doch sie hatte noch Zeit, ihr den Namen Carmen zu geben, das Amulett umzulegen und darauf zu bestehen, dass man es ihrer Tochter nie abnehmen sollte.«

Einen Moment lang sagte niemand etwas, dann räusperte sich Kurt Schönbrunn. »Ich denke, du und ich ahnen, wer Carmens Eltern waren. Dass sie in einem Armenhaus aufgewachsen ist, beweist außerdem, dass Maria den Vorschlag meines Vaters nicht angenommen hat. Falls es überhaupt jemals so etwas wie ein Angebot gab.«

»Immer vorausgesetzt, dass meine Urgroßmutter Ihre Tochter ist«, warf ich ein.

»Daran habe ich keinen Zweifel«, sagte Kurt Schönbrunn. »Ich muss dich nur ansehen, um zu wissen, dass es stimmt. Du hast Marias herrliche Haare und ihre wunderschönen Augen, aber meine Nase. Oder vielleicht sollte ich sagen, die, Gott sei Dank, durch Generationen verbesserte, weibliche Version davon!« Er zeigte auf seine eigene wohlgeformte, aber ziemlich große Nase und zog eine Grimasse. Dann wurde er wieder ernst. »Du hast mich vom ersten Moment an sie erinnert. Doch wenn du es sicher wissen willst, schau auf die Rückseite des Amuletts. Wenn es meiner Mutter gehörte, ist unterhalb der Anhängeröse, ein Stückchen unterhalb der Stelle, wo das Amulett mit der Öse verschweißt wurde, ein “S“ eingraviert.« Bevor ich etwas erwidern oder tun konnte, hielt Kurt Schönbrunn inne und lauschte auf etwas, das nur er hörte. Mit einem entschuldigenden Lächeln sagte er: »Sie rufen mich, meine Zeit hier ist um. Seid vorsichtig, wenn ihr euch dem Poltergeist stellt, und unterschätzt ihn nicht. Dieses Ding ist nicht Maria. Der Geist besteht aus jahrzehntelang aufgestauter Wut und Hass. Marias Seele ist unter den Aggressionen verborgen und sie benutzt diese wie ein Schutzschild.« Seine Form begann zu verschwimmen und seine Stimme wurde eindringlich, als er weiter sprach: »Du musst versuchen, Maria hervorzulocken, sie daran zu erinnern, wie es sich anfühlt zu lieben, damit sie für einen Moment vergisst, zu hassen. Nur so kannst du ihr helfen.« Inzwischen war nur noch sein Oberkörper zu erkennen. Er warf mir eine Kusshand zu, lächelte ein letztes Mal und verschwand.

Im Raum der Bücher herrschte Schweigen. Wie üblich war es Jo, der als Erstes etwas sagte: »Wow, ich schätze, Sylvia wird es nicht witzig finden, dass ihr halbe Cousinen vierten Grades seid.«

Ich zuckte zusammen und sah ihn an. »Das wissen wir überhaupt noch nicht«, entgegnete ich abwehrend.

>Klar wissen wir das!<

»Aber wir können es ganz einfach feststellen«, konterte Jo im gleichen Moment. »Außerdem: Du hast doch Kurt Schönbrunn gehört. Er musste dich nur ansehen, Vulkanchen, und es war ihm klar.«

»Ja, und das ist nun wirklich ein handfester Beweis!«

»Dann mach ihn handfest«, forderte Jo und sah mich abwartend an.

Ich warf einen Blick zu Noah, der mir aufmunternd zulächelte, und schluckte.

>Jetzt zier' dich nicht so<, sagte die Wächterin ungeduldig.

»Gut, aber was immer hierbei herauskommt, ihr erwähnt Sylvia gegenüber kein Wort davon. Versprecht es mir«, gab ich mich geschlagen. Ich sah erst Noah und dann Jo an.

Letzterer zog einen Flunsch, nickte aber.

»Wahrscheinlich würde Sylvia uns eh nicht glauben, aber es ist gut möglich, dass sie uns dann erst gar nicht ins Haus lässt, was bedeuten würde, dass wir uns der wütenden Dame ...«

»Maria«, unterbrach mich Jo, doch ich ignorierte ihn und fuhr fort: »... nicht stellen und weder Sylvia noch ihrem Vater helfen könnten.«

Jo seufzte. »Schön, ich werde schweigen wie ein Grab, damit wir Ihre Hoheit nicht verschrecken, aber würdest du jetzt bitte nachsehen?«

Ich warf einen Blick auf die fragliche Stelle des Amuletts und spürte, wie mein Mund trocken wurde. »Kein Wort zu niemandem!«, befahl ich noch einmal. »Es ist schlimm genug, dass ich mit Sylvia verwandt bin, es muss nicht auch noch die ganze Welt wissen.«

»Ich wusste es«, jubelte Jo. »Vulkanchen, ist dir klar, wie viel Geld dir zusteht? Du bist eine Schönbrunn.«

»Ich bin eine Stahl und ich habe genug Geld!«, erwiderte ich bestimmt.

>Da stimme ich dir ausnahmsweise mal aus vollem Herzen zu<, ließ die Wächterin mich wissen.

Jo starrte mich an. »Wie kannst du das nur so vollkommen cool wegstecken?«

Ich zuckte mit den Schultern und hoffte, dass Jo nicht auffiel, wie sehr meine Hände zitterten. In meinem Inneren herrschte Chaos. Dann fiel mir etwas ein: »Wie spät ist es eigentlich?«

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