Kitabı oku: «Sozialphilosophie, Teil 3»

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SOZIALPHILOSOPHIE

Moderne und natürliche Gesellschaft

Prof. Dr. Norbert Brieskorn SJ

In der ersten Vorlesung haben wir uns über grundlegende Dinge unseres Verhältnisses zur Gesellschaft unterhalten, zuerst über unsere Einstellung des Wohlwollens: Ohne Wohlwollen keine richtige Erkenntnis, auch nicht der Gesellschaft, mag sie uns auch manches zugefügt haben. Zweitens haben wir uns über das Erkennen von Gesellschaft unterhalten. Es ist nur möglich, weil wir nie total von der Gesellschaft ergriffen sind. Gesellschaft hat nie völlig von uns Besitz genommen. Nur deswegen ist es möglich, dass unser Geist sie anschaut und erkennt. Prinzipiell ist unser Geist eine Fähigkeit, welche gerade zur Eigenart hat, sich nicht bändigen und einfangen zu lassen. „Der Geist entwischt“, wie ich das in der ersten Vorlesung gesagt habe.

Bei der zweiten Vorlesung ging es um das Sprechen über Gesellschaft. Wir haben die Gefahr aufgezeigt, dass unser Sprechen über Gesellschaft, Menschen und Institutionen diese verdinglicht und sie damit ihre Lebendigkeit verlieren. Auch über das Sprechen, das immer ein Allgemeines ist, verlieren wir die Individualität dessen, was wir erkennen wollen. Im letzten Schritt sind wir dann auf Wissenschaften eingegangen, die sich mit Gesellschaft beschäftigen: Sozialwissenschaft, Soziobiologie, Konventionstheorie und Sozialphilosophie und wir haben diese als eine engagierte Philosophie des gesellschaftlichen Lebens herausgestellt.

Worum es im Folgenden geht, ist ein wenig Geschichte. Geschichte der Trennung von zwei Begriffen und damit auch von zwei Sachen, nämlich zwischen Staat und Gesellschaft. Dann geht es um das Wesen der Gesellschaft, seine klassische Formulierung und einen eigenenVorschlag.

1. Etymologische Auskunft

Erstens also die etymologische Auskunft: Gesellschaft findet sich etymologisch, also was die Wortherkunft angeht, in „Sälen“ das heißt genauer: in dem Versammlungsraum. Gesellschaft ist demnach ursprünglich etwas, wo Menschen sich versammeln, um Entscheidungen zu treffen. Geselle ist ebenfalls ein Wort, in welchem wir Bestandteile von Gesellschaft finden. Geselle ist der Mensch mit mir, der mit mir geht, nicht der Mensch neben mir. Der Wortteil „sell“ von Gesellschaft bezeichnet nicht bloßes Nebeneinander von Menschen, sondern eine gemeinsame Unternehmung, das heißt ein Aufeinandereinwirken von Menschen auf Menschen. In anderen Sprachen, wie in dem romanischen und angelsächsischen, finden wir das lateinische societas in Société oder Society, was Genossenschaft oder Gemeinschaft bedeuten kann.

2. Ausdifferenzierung von Gesellschaft aus Staat

Schauen wir uns die Geschichte der Ausdifferenzierung von Gesellschaft genauer an. In der griechischrömischen Zeit haben wir Begriffe, um das Gemeinwesen zu bezeichnen: Koinonia, griechisch die polis, bezeichnet den Staat oder Stadtstaat. Der lateinische Begriff civitas oder res publica bezeichnet wiederum die öffentliche Angelegenheit.

Es ist festzustellen, dass bis in das 18. Jahrhundert hinein Staat und Gesellschaft nicht unterschieden wurden. Man trennte nicht auf in die politische Organisation einerseits und einen ihr gegenüber stehenden eigenen Raum des sozialen Lebens andererseits. Vielmehr umfasste die politische Organisation das öffentliche Leben, die Erziehung der Kinder auf das öffentliche Leben hin, aber auch das Leben im Haus und anderen Lebensgemeinschaften.

Koinonia bezeichnete ursprünglich den Kultverband, dann auch den zweckbestimmten Zusammenschluss von Menschen, die nicht allein durch Instinkt oder Natur zusammen getrieben worden waren, sondern aus eigener Wahl zusammengehörten.

Polis meinte das funktionierende Beziehungsgeflecht öffentlichen Lebens. Sie war eine territoriale Organisation, die nach Selbständigkeit und dem guten Leben strebte und die in sich Häuser, Familien und Ehen einschloss. Civitas ist der lateinische Ausdruck dafür. Res publica schließt außerdem das Privateigentum und die Privateigentümer ein. Es gibt also letztlich die Antike hindurch keinen Begriff, um das zu bezeichnen, was wir heute Gesellschaft nennen.

Wie sah es etwas später aus, wenn wir beispielsweise das westeuropäische Mittelalter nehmen? Der Begriff, der mir am meisten zur Kennzeichnung taugt, ist der französisch Begriff der société tripartite, der dreigeteilten Gesellschaft, die wir übrigens bei Platon schon angedeutet finden: Herrscher, Wächter und die Arbeiter. Die drei Ordines wie man im Mittelalter sagte: Krieger, Beter und Arbeiter. Immer wieder hat man diese Ordnung für eine göttliche und unantastbare Ordnung ausgegeben. Zu ihr gehörten die politische Dimension, die verteidigende Arbeit und die Arbeiter, die den Reichtum erwirtschaftet haben.

Es ist interessant zu sehen, dass es innerhalb dieser dreigeteilten Gesellschaft immer wieder Bewegungen gab, sie, was die drei Schichtungen anbetraf, durchsichtig zu machen. Bauern strebten nach oben in den Adelsstand, der Adelsstand wollte in den Klerikerstand hinein. Ebenso gab es Abwehr und Abschottungsbemühungen. Es gab auch Tendenzen, dass man diese Dreiteilung aufheben wollte, jedenfalls zum Teil.

Ein Wort des Heiligen Benedikt von Nursia im 5. Jahrhundert lautet: „Ora et labora“ – bete und arbeite. Hier sind der Stand der Beter und Arbeiter in einem Menschen zusammengenommen. Benedikt wollte den betenden Arbeiter und den arbeitenden Beter haben. Der Beter sollte für sein tägliches Brot sorgen. Der Arbeiter sollte wissen, dass es mehr gab als bloß die körperliche Arbeit.

Etwas später haben wir die geistlichen Ritterorden, welche sowohl Anteil an dem Beterstand haben, aber auch im militärischen Bereich weiterhin kämpfen wollen. Die radikalste Absage an die Dreiteilung der Gesellschaft erfahren wir während des Bauernkrieges, also 1525, als die Bauern unter anderen Sprüchen auch diesen hatten: „Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?“

Das ist eine Kritik an der Abschottungstendenz der Krieger und natürlich an ihren Privilegien und ihrer Unterdrückungspolitik.

Das feudale Zeitalter hat die Gesellschaft durch die Dreiteilung in einer starken Starre gehalten, so dass die vielen Verträge, die wir noch zu Beginn des Mittelalters kennen, allmählich zurückgeführt werden auf starre Gesetze und Privilegienhaltungen. Aber – und das ist wichtig für uns: Es ist keine Teilung zwischen privat und öffentlich, zwischen wirtschaftender und politischer Gesellschaft vorhanden, sondern auch die wirtschaftende Gesellschaft gehört in den Bereich der einen dreigeteilten Gesellschaft. Das hatte den großen Sinn, etwa auch für Thomas von Aquin, dass es nur eine Moral gibt. Eine Moral für den König, eine für den Krieger, dieselbe für den Bauern und Arbeiter. Erst am Beginn der Neuzeit bildet sich eine Verschiedenartigkeit der „Moralen“ heraus – je nach Berufsstand. Dann ließ sich der König nichts mehr von der Tugendlehre sagen, der Krieger hatte wiederum seine eigene Einstellung und die volle Wucht der alten Moral traf die Armen.

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Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
30 temmuz 2025
Hacim:
25 s. 2 illüstrasyon
ISBN:
9783831256327
Telif hakkı:
Bookwire
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