Kitabı oku: «Die phantastische Welt der Literatur: 90+ Romane, Märchen & Zauberhafte Geschichten»

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Lewis Carroll, Selma Lagerlöf, Oscar Wilde, Charles Dickens, Hans Christian Andersen, Gustav Weil, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm, E.T.A. Hoffmann, Carlo Collodi, Friedrich de la Motte Fouqué, Gerdt von Bassewitz, Dorothea Schlegel, Gottfried Keller, Heinrich Seidel, Lothar Meggendorfer, und Rosalie Koch

Die phantastische Welt der Literatur: 90+ Romane, Märchen & Zauberhafte Geschichten

Merlin, Der Zwergenwald, Drude, Nils Holgersson, Der Zauberring, Alice im Wunderland, Die Elfen…


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musaicumbooks@okpublishing.info

2017 OK Publishing

ISBN 978-80-272-2627-6

Inhaltsverzeichnis

Zauberer & Hexen Romane

Geschichte des Zauberers Merlin (Dorothea Schlegel)

Der Hexenmeister (Heinrich Seidel)

Prinzessin Brambilla (E.T.A. Hoffmann)

Spiegel, das Kätzchen (Gottfried Keller)

Magische Märchen

Der Zwergenwald (Heinrich Seidel)

Dolpatsch (Heinrich Seidel)

Die Wetterhexe (Heinrich Seidel)

Das Zauberklavier (Heinrich Seidel)

Die Elfen (Ludwig Tieck)

Die Geschichte von dem kleinen Muck (Wilhelm Hauff)

Schneewittchen (Lothar Meggendorfer)

Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich (Brüder Grimm)

Brüderchen und Schwesterchen (Brüder Grimm)

Rapunzel (Brüder Grimm)

Hänsel und Grethel (Brüder Grimm)

Das Rätsel (Brüder Grimm)

Frau Trude (Brüder Grimm)

Fitchers Vogel (Brüder Grimm)

Die sechs Schwäne (Brüder Grimm)

Dornröschen (Brüder Grimm)

Der Liebste Roland (Brüder Grimm)

Der goldene Vogel (Brüder Grimm)

Die zwei Brüder (Brüder Grimm)

Die Bienenkönigin (Brüder Grimm)

De Gaudeif un sien Meester (Brüder Grimm)

Jorinde und Joringel (Brüder Grimm)

Die Goldkinder (Brüder Grimm)

Das singende springende Löweneckerchen (Brüder Grimm)

Das blaue Licht (Brüder Grimm)

Der Königssohn der sich vor nichts fürchtet (Brüder Grimm)

Der Krautesel (Brüder Grimm)

Die Alte im Wald (Brüder Grimm)

Der Eisenofen (Brüder Grimm)

Die sechs Diener (Brüder Grimm)

Die weiße und die schwarze Braut (Brüder Grimm)

Das Lämmchen und Fischchen (Brüder Grimm)

Der Hahnenbalken (Brüder Grimm)

Der gläserne Sarg (Brüder Grimm)

Das Waldhaus (Brüder Grimm)

Die Gänsehirtin am Brunnen (Brüder Grimm)

Der Trommler (Brüder Grimm)

Die Kristallkugel (Brüder Grimm)

Das Sternenkind (Oscar Wilde)

Die Schneekönigin (Hans Christian Andersen)

Nussknacker und Mausekönig (E.T.A. Hoffmann)

Geschichte vom Zauberpferde

Geschichte Sindbads, des Seefahrers

Geschichte des Prinzen Seif Almuluk und der Tochter des Geisterkönigs

Geschichte des Ali Baba und der vierzig Räuber, die durch eine Sklavin ums Leben kamen

Geschichte Alaeddins und der Wunderlampe

Rübezahl (Rosalie Koch)

Der Zauberspiegel (Walter Scott)

Fantasy-Romane

Der Weihnachtsabend (Charles Dickens)

Alice im Wunderland (Lewis Carroll)

Das Gespenst von Canterville (Oscar Wilde)

Der Zauberring (Friedrich de la Motte Fouqué)

Nils Holgerssons wunderbare Reise mit den Wildgänsen (Selma Lagerlöf)

Peterchens Mondfahrt (Gerdt von Bassewitz)

Pinocchio (Carlo Collodi)

Drude (Gertrud Prellwitz)

Zauberer & Hexen Romane

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Zauberers Merlin

(Dorothea Schlegel)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I. Von der Versammlung der Teufel und wie sie eine Familie ins Verderben trieben

II. Über zwei Schwestern, deren eine tugendhaft war und die andere von Lüsternheit übermannt wurde

III. Wie Merlin vom Teufel und einer frommen Jungfrau gezeugt wurde

IV. Merlin, der des Teufels und Gottes ist, und von beiden erstaunliche Gaben mitbekommt

V. Wie das Kind Merlin die Hinrichtung seiner Mutter verhinderte

VI. Über Begebenheiten, die Merlin dem Einsiedler Blasius in die Feder diktierte

VII. Wie Vortigern durch Ränke und Listen zur Macht kam

VIII. Wie König Vortigern sich seiner Helfer und Widersacher entledigte

IX. Wie Vortigern einen Turm bauen ließ, der dreimal zusammenstürzte

X. Von sieben ratlosen Astrologen und den Boten, die ausgesandt wurden, um Merlin zu töten

XI. Wie Merlin weitere Proben seiner Hellsicht und Prophetengabe ablegte

XII. Vom weißen und roten Drachen unter dem Turm, ihrem fürchterlichen Kampf und dem weiteren Schicksal der Astrologen

XIII. Wie Merlin König Vortigern die Drachen deutete und ihm den Tod prophezeite

XIV. Über den Sieg der Prinzen Pendragon und Uter und die Verwandlungskünste Merlins

XV. Wie Merlin dem neuen König in verschiedener Gestalt begegnete, zu seinem Ratgeber wurde und allerhand Schabernack trieb

XVI. Wie durch Merlins Rat das Land von den Heiden befreit wurde

XVII. Über einen Neider, der Merlin eine Falle stellte und den dreifachen Tod geweissagt bekam, sowie über das Buch der Prophezeiungen

XVIII. Wie Merlin die Schlacht gegen die Heiden vorausplante und welchen dunklen Todesspruch er fällte

XIX. Wie aus Uter König Uterpendragon wurde und Merlin in Irland Steine auftürmte, die er allein zum Grabmal zusammenfügte

XX. Über die dritte Tafelrunde in Wales, an der fünfzig Ritter teilnahmen und ein Platz leer blieb

XXI. Wie ein übler Ritter den leeren Platz besetzen wollte und was dann mit ihm geschah

XXII. Wie sich Uterpendragon in Yguerne verliebte und ihr durch ihren eigenen Mann einen Becher senden ließ

XXIII. Wie der König in Zorn geriet, als er von der Abreise des Herzogs von Tintayol erfuhr, und Genugtuung verlangte

XXIV. Von einer langanhaltenden Belagerung und dem Liebeskummer des Königs

XXV. Wie sich Uterpendragon, Ulsius und Merlin verwandelten und die Herzogin damit täuschten. Wie König Artus gezeugt wurde und Merlin das Neugeborene für sich verlangte

XXVI. Was Ulsius und Merlin dem König rieten, und wie Merlin dann Abschied nahm

XXVII. Wie durch geschicktes Reden der König die Witwe Yguerne zur Frau bekam und dafür noch gepriesen wurde

XXVIII. Yguerne entdeckt dem König, daß das Kind weder von ihm noch dem Herzog sei, und Merlin verabredet mit Anthor einen Kindestausch

XXIX. Wie ein fremder alter Mann das Neugeborene in Empfang nahm und Anthor es dann auf den Namen Artus taufen ließ

XXX. Vom Tode Uterpendragons, der Suche nach einem neuen König und von dem Schwert, das keiner aus dem Amboß zog

XXXI. Wie Artus versehentlich das Schwert ergriff, das Geheimnis seiner Herkunft erfuhr und etliche Male geprüft wurde, bis zur Krönung

XXXII. Wie die Ritter König Artus drohten und er sich in einen Turm verschanzte, Merlin ihm den Weg zu Leodagan wies, zur schönen Genevra und dem Reich Thamelide

XXXIII. Über den Wald von Briogne, den Ritter Dionas und seine Tochter Nynianne, die von Merlin allerhand Künste lernte

XXXIV. Über Artus' und Merlins letzte Begegnung, die Chronik des Blasius und wie der Zauberer seine geliebte Nynianne alles lehrte, bis er selbst verzaubert wurde

XXXV. Wie Gawin auf der Suche nach Merlin zwei seltsame Begegnungen hatte, Merlins Vermächtnis vernahm und schließlich heil zurückkehrte

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Rittersinn, Zauberei und Liebe bilden den Inhalt und den Geist jener schönen alten Romane, welche den größten deutschen Dichtern der schwäbischen Zeit und etwas später auch den italienischen den Stoff zu ihren herrlichen Ritterliedern gaben.

Die erfindungsreichsten und bedeutendsten unter diesen alten Romanen sind wohl überhaupt diejenigen, welche sich auf die Tafelrunde und den König Artus beziehen; und unter diesen ist wiederum nicht leicht einer wunderbarer und eigentümlicher als der vom Zauberer Merlin.

Die gegenwärtige deutsche Bearbeitung dieser Dichtung ist aus den besten französischen Quellen auf der Pariser Bibliothek in den Jahren 1803 und 1804 gezogen worden.

Friedrich Schlegel

I. Von der Versammlung der Teufel und wie sie eine Familie ins Verderben trieben

Inhaltsverzeichnis

Der böse Feind war voller Zorn, als Jesus Christus zur Hölle hinabgestiegen war und Adam und Eva daraus erlöste, samt allen, die mit ihnen in der Hölle waren. »Wer ist dieser Mensch«, sagten die Teufel voller Furcht, »welcher die Pforten der Hölle zerbricht, und dessen Macht wir nicht widerstehen können? Hätten wir doch niemals geglaubt, daß ein Mensch, vom Weibe geboren, nicht uns angehören sollte, und dieser da zerstört unser Reich. Wie kommt es wohl, daß er geboren werden konnte, ohne daß wir ihn versündigten, so wie es den andern Menschen geschieht?« Da antwortete ein andrer: »Er ist ohne Sünde geboren und nicht aus des Mannes Samen, sondern nach dem Willen Gottes durch seinen heiligen Geist im Jungfrauen-Leib. Darum wäre es wohl gut, wenn wir Mittel finden möchten, gleichfalls einen Leib in einem Weib zu bilden, der nach unserm Ebenbild geformt sei, der nach unserm Willen täte, und alle geschehenen Dinge und alles, was geschieht und gesprochen wird, wüßte so wie wir. Ein solcher könnte uns von großem Nutzen sein. Denn wir müssen darauf sinnen, wie wir wiedergewinnen, was der Welterlöser uns raubte.« Da waren alle Teufel einstimmig und riefen: »Ja, laßt uns Mittel finden, wie einer von uns einen solchen Menschen durch das Weib erzeugen kann.« Da rief einer von ihnen: »Ich habe Gewalt über ein Weib, so daß sie mir gehorcht, und vieles tut, was ich will; auch habe ich die Macht, Menschengestalt anzunehmen. Dieses Weib nun, über welches ich Gewalt habe, wird mir sicherlich Mittel verschaffen, mit einer Jungfrau einen Menschen zu erzeugen.« Es ward also unter ihnen beschlossen, daß dieser darangehen sollte, das Werk auszuführen; aber sie trugen ihm vorher noch auf, daß er ja sorgen solle, daß der Mensch, den er erzeuge, ihnen ähnlich werde und nach ihrem Willen handle.

Der Rat des Satans ging wieder auseinander; der Abgesandte aber eilte, und versäumte keine Zeit, um zu dem Weib zu kommen, über welches er Gewalt hatte.

Es war dies die Frau eines sehr reichen Mannes, der viele Güter besaß, viel Vieh und andre Schätze, von denen manches zu erzählen wäre; er hatte mit dieser Frau drei Töchter und einen Sohn. Satan fand das Weib ganz bereit, alles zu tun, was er verlangte. Er fragte, ob es ein Mittel gäbe, ihren Mann zu betrügen, oder ihn in seine Gewalt zu geben. Das Weib antwortete, das könne nur geschehen, wenn er ihn erzürnte und betrübe. Sie riet ihm deshalb, daß er hinginge und einen Teil seines Viehs umbrächte. Das tat der Teufel sogleich. Als die Hirten die Hälfte der Herden erschlagen sahen, liefen sie zu ihrem Herrn und sagten es ihm an, worüber er sehr erschrak. Als der Böse merkte, daß er schon um die Hälfte seiner Herden so erschrak, ging er in den Stall und tötete in einer Nacht zehn der besten Pferde. Als der reiche Mann das erfuhr, fehlte wenig, daß er rasend wurde; er schrie und tobte und rief: da der Teufel schon so viel geholt habe, gäbe er ihm das übrige alles dazu.

Als Satan dies hörte, war er sehr erfreut und nahm auch alles übrige. Der Mann, der auf einmal sich aller Schätze beraubt sah, betrübte sich so darüber, daß er ganz schwermütig wurde, sich ganz von all den Seinigen entfernt hielt, sich nicht um sie kümmerte und sie nicht um sich leiden mochte, sondern beständig einsam lebte. Der Teufel, der ihn nun so die Menschen hassen sah und wie er alle Gesellschaft floh, war jetzt gewiß, alle Gewalt über ihn zu haben und in seinem Hause schalten und walten zu können. Er ging auch sogleich hin und erwürgte des guten Mannes einzigen schönen Sohn. Darüber wollte der Vater vor Herzeleid und Betrübnis ganz vergehen. Der Teufel ging darauf zur Frau, die er ganz allein fand, und versuchte sie mit der Vorstellung ihres Unglücks dergestalt, daß sie einen Strick nahm und sich daran aufhing. Bald darauf starb der gute Mann, aus Gram über den schrecklichen Tod seiner Frau und seines Sohnes.

Nachdem der Böse dieses vollbracht hatte, überlegte er, wie er die Jungfrauen, die jungen Töchter dieses reichen Mannes, in seine Gewalt bekommen könne; um sie zu betrügen, mußte er erst sich ihnen gefällig bezeigen. Er holte also einen schönen Jüngling, den er schon längst in seiner Gewalt hatte, und brachte ihn zu den Jungfrauen. Der Jüngling brachte es mit lieblichen Reden, mit Hin- und Wiedergehen so weit, daß eine der Jungfrauen sich in ihn verliebte, worüber Satan sehr vergnügt war. Nun ruhte er auch nicht eher, sie mußte dem Jüngling ganz zu eigen werden. Dann ging er hin und entdeckte es der ganzen Welt, damit die Jungfrau zu Schanden werden sollte; denn damals war das Gesetz so: wenn ein Mädchen, das kein öffentliches war, des Umgangs mit einem Manne überführt wurde, so mußte es sterben. Satan brachte es durch Verrat dahin, daß die Richter es erfuhren. Der Jüngling entfloh, und die Jungfrau ward vor Gericht geführt. Die Richter hatten großes Mitleiden mit ihr, um ihres Vaters willen, der ein sehr braver Mann gewesen war. »Wunder!« sagten die Richter, »wie konnte dem armen Mädchen solches Leid widerfahren, es ist ja noch gar nicht lange her, daß ihr Vater, der frömmste Mann im Lande, starb.« Sie wurde verurteilt und lebendig begraben, aber aus Achtung vor ihren Anverwandten geschah es in der Nacht, um Aufsehen zu vermeiden.

So geht es denjenigen, die sich dem Satan einmal ergeben haben.

II. Über zwei Schwestern, deren eine tugendhaft war und die andere von Lüsternheit übermannt wurde

Inhaltsverzeichnis

Es lebte nicht weit von dem Ort, wo die Jungfrauen wohnten, ein Einsiedler, der einen überaus frommen Wandel führte. Als dieser nun die wunderbare Begebenheit erfuhr, daß die eine der Jungfrauen lebendig begraben worden sei, ging er hin zu den anderen Schwestern, um ihnen mit seinem Rat beizustehen. Zuerst fragte er sie, auf welche Weise sie Vater und Mutter und alle Güter verloren hätten. »Das Schicksal«, sagten sie, »hat es so gewollt; wir werden von Gott gehaßt, und er hat uns zu solcher Betrübnis bestimmt.«

»Gott haßt keinen Menschen«, sagte der fromme Einsiedler; »vielmehr geht ihm alles, was Ihr Böses tut, sehr nahe; durch die Einwirkung des Teufels ist Eure Schwester zu solcher Schande verführt worden. Da Ihr aber nichts davon wißt und bis jetzt befreit davon seid, so hütet Euch ferner vor schlechter Gesellschaft und bösen Eingebungen.«

Der fromme Mann gab ihnen darauf noch viele vortreffliche Lehren. Er unterrichtete sie im Glauben, lehrte sie die göttlichen Gebote und die Tugenden des Heilands. Der ältesten Tochter gefielen diese Lehren wohl, und sie nahm sie sehr zu Herzen, gab sich auch große Mühe, alles zu erlernen, und alles das jeden Tag zu tun, was der fromme Einsiedler ihr zu tun gebot.

»Wirst Du«, sagte er zu ihr, »dem Rat immer so folgen, meine Tochter, und pünktlich so tun, wie ich es Dir heiße, so wirst Du zu vielen Ehren und großem Gut kommen; also folge meinem Rat. Komm zu mir, so oft Du über etwas in Zweifel bist oder in Versuchung gerätst, damit ich Dich mit Hilfe Gottes wieder auf den rechten Weg führe. Laß Dich von nichts bestürzt machen, sondern vertraue auf Gott.« Nachdem der fromme Mann die beiden Jungfrauen so gestärkt und unterrichtet hatte, ging er wieder in seine Einsiedelei, schärfte ihnen aber vorher noch einmal ein, daß sie zu ihm kommen und ihn um Rat fragen sollten, so oft ihnen etwas begegnen würde.

Dem Satan war der Zuspruch des frommen Mannes nicht lieb, er fürchtete sehr, die beiden Jungfrauen zu verlieren; sah auch ein, daß er sie nie würde betrügen können, außer mit Hilfe eines anderen von ihm besessenen Weibes. Er kannte eine, die schon oft seinen Willen getan, und deren er ganz mächtig war. Diese schickte er zu den Jungfrauen; sie wandte sich sogleich an die jüngste, denn mit der ältesten zu reden wagte sie nicht, weil sie zu fromm war. Das Weib nahm also die jüngste auf die Seite und fragte sie, wie sie lebte, und wie sie sich mit ihrer Schwester stände. »Meine Schwester«, antwortete das junge Mädchen, »ist über die vielen Begebenheiten, die wir hintereinander erlebt haben, so nachdenklich geworden, daß sie Essen und Trinken vergißt, und weder mir noch andern ein freundliches Gesicht zeigt. Ein guter, frommer Mann hat ihr Gemüt ganz zu Gott gewendet, sie glaubt und tut nichts, als was dieser Mann ihr sagt.«

»Schade,« sagte das Weib darauf, »daß ein so schönes Mädchen wie Du unter einer solchen Vormundschaft steht; denn niemals wirst Du Dich bei Deiner Schwester Deiner Schönheit erfreuen können. Mein süßes Töchterchen«, fuhr sie fort, »wenn Du wüßtest, welche Freude und welches Wohlleben die anderen Frauen genießen, Du würdest alles, was Du bei Deiner Schwester hast, für nichts achten. Trocknes Brot in Gesellschaft von Männern ist angenehmer, als alle Güter der Welt bei Deiner Schwester. Wie kannst Du es nur so allein aushalten; eine Frau, die keinen Mann kennt und mit keinem umgeht, weiß gar nicht, was Freude ist. Ich sage es Dir, schönes Kind, Du wirst niemals die Liebe eines Mannes genießen, Deine Schwester wird sie eher genießen als Du, denn sie ist die älteste und wird heiraten; dann wird sie sich aber gar nicht mehr um Dich bekümmern, und Du wirst die Freuden Deines schönen Leibes nicht kennen lernen.« Diese Reden machten das junge Mädchen ganz nachdenklich.

»Wie dürfte ich das wohl tun«, fing sie wieder an, »man würde mich lebendig begraben, wie meine Schwester.« – »Deine Schwester«, sagte das Weib, »war eine Törin und hat es sehr übel angefangen; wenn Du mir folgen willst, sollst Du alle Lust Deines Leibes genießen, und kein Mensch soll Dir etwas anhaben können.« – »Jetzt darf ich nicht länger mit Euch reden«, sagte das junge Mädchen, »meine Schwester möchte es gewahr werden; entfernt Euch jetzt, und kommt einen andern Tag wieder.« Das Weib ging fort, und Satan freute sich des guten Anfangs.

Als das Mädchen nun allein geblieben war, überlegte sie unaufhörlich die Reden des Weibes und sprach immer mit sich selber davon. Dadurch wuchs die Lüsternheit, die der Teufel durch jene Reden in ihr entzündet hatte, in ihr immer mehr, so daß als sie des Abends ihre Kleider abgelegt hatte, sie ihren schönen Leib betrachtete und sich dessen freute. »In Wahrheit«, sagte sie, »die kluge Frau hat Recht, ich wäre ohne den Genuß eines Mannes ganz verloren.« Sie ließ bald darauf jenes Weib wieder zu sich rufen und fragte sie, wie sie es machen müßte, einen Mann zu lieben, und nicht verraten und getötet zu werden, wie ihre Schwester. »Du brauchst nur«, sagte jene, »Dich einem jeden öffentlich hingeben. Fliehe wie erzürnt hier aus dem Hause und sage, daß Du es nicht länger mit Deiner Schwester zusammen aushalten kannst; nachher kannst Du tun, was Dir gefällt, und niemand darf Dich vor Gericht fordern oder Dich verurteilen. Wenn Du dann einst des wilden Lebens müde bist, kannst Du immer noch einen Mann finden, der Dich heiratet, um Deiner vielen Reichtümer willen; so wirst Du aller Freuden dieser Welt froh.«

Die Jungfrau folgte wirklich dem verderblichen Rat des verfluchten Weibes, entfloh aus dem Hause ihrer Schwester, und gab sich öffentlich jedem preis.

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13 kasım 2024
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9788027226276
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