Kitabı oku: «Der Unterkiefer des Homo Heidelbergensis: Aus den Sanden von Mauer bei Heidelberg»

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Otto Schoetensack

Der Unterkiefer des Homo Heidelbergensis: Aus den Sanden von Mauer bei Heidelberg


Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2021

goodpress@okpublishing.info

EAN 4064066116873

Inhaltsverzeichnis

VORWORT.

I. Geologisch paläontologischer Teil.

II. Anthropologischer Teil.

ANHANG ZUM ANTHROPOLOGISCHEN TEIL

I. Spezielle Beschreibung.

II. Tabellen der Maße und Vergleichszahlen.

III. Die Höcker der Molaren.

IV. Die Pulpahöhlen.

V. Röntgenbilder.

Literatur.

Tafel I.

Ausschnitt aus der Geologischen Spezialkarte des Großherzogtums Baden, Blatt Neckargemünd.

Tafel II.

Lageplan und photographische Abbildung der Sandgrube.

Tafel III.

Geologisches Profil der Sandgrube.

Tafel IV.

Elephas antiquus Falc. adult.

Tafel V.

Elephas antiquus Falc. juv.

Tafel VI.

Mandibula des Homo Heidelbergensis in zwei Hälften getrennt, wie sie aufgefunden wurde.

Tafel VII.

Mandibula des Homo Heidelbergensis in zwei Hälften getrennt, nach Entfernung des mit dem Kiefer verkittet gewesenen Kalksteingerölles und Sandes.

Tafel VIII.

Mandibula des Homo Heidelbergensis in seitlicher Ansicht.

Querschnitt besagter Mandibula und derjenigen eines recenten Europäers in der Medianebene.

Zahnbogen des Fossils von oben gesehen und einzelne Zähne.

Tafel IX.

Röntgenbilder.

Tafel X.

Die Mandibula des Homo Heidelbergensis von oben und unten gesehen zur Veranschaulichung des Zahnbogens.

Tafel XI.

Diagraphische Profilkurven der Unterkiefer des Homo Heidelbergensis, eines recenten Europäers und eines afrikanischen Negers.

Tafel XII.

Diagraphische Profilkurven der Unterkiefer des Homo Heidelbergensis, eines Australiers, eines Dajak und von Anthropoiden.

Tafel XIII.

Diagraphische Horizontalkurven des Unterkiefers vom Homo Heidelbergensis und vergleichende Mediankurven der Symphyse.

VORWORT.

Inhaltsverzeichnis

Der den Gegenstand vorliegender Abhandlung bildende menschliche Unterkiefer wurde in den 10 km südöstlich von Heidelberg anstehenden, in der Literatur als Sande von Mauer bekannten fluviatilen Ablagerungen aufgefunden. Das Alter dieser Sande wird nach den darin angetroffenen Säugetierresten gemeinhin als altdiluvial angegeben; einige darin vertretene Arten lassen aber auch deutliche Beziehungen zu dem jüngsten Abschnitte des Tertiärs, dem Pliocän, erkennen. So durfte man vermuten, daß etwa in diesen Schichten sich findende Menschenknochen bedeutsame Aufschlüsse über die Morphogenese des menschlichen sowie überhaupt des Primatenskelettes geben würden. Diese Annahme hat nunmehr durch den Fund der Mandibula Bestätigung erfahren.

Ich habe mich bemüht, in dieser Schrift vor allem eine möglichst erschöpfende Beschreibung des Fundobjektes und der — bei fossilen Menschenresten äußerst wichtigen — Fundumstände zu geben. Bei den vergleichenden Studien habe ich mich im wesentlichen auf das von den Direktoren der hiesigen Universitätssammlungen, den Herren O. Bütschli, M. Fürbringer und W. Salomon, sowie von Herrn H. Klaatsch in Breslau mir in entgegenkommendster Weise zur Verfügung gestellte Material gestützt. Letztgenannter Freund sowie Herr G. Port standen mir bei meinen Untersuchungen mit ihren reichen Erfahrungen bei, die mir insbesondere bei den diagraphischen und Röntgenaufnahmen sehr zustatten kamen. Die Herren Gorjanović-Kramberger in Agram und J. Fraipont in Brüssel waren so liebenswürdig, mir Gipsabgüsse fossiler Unterkiefer zu überlassen. Ferner lieh mir Herr Assistent W. Spitz bei den photographischen Aufnahmen freundlichst seinen Beistand. — Allen diesen Herren sei hiermit herzlicher Dank ausgesprochen.

Universität Heidelberg im September 1908.

Otto Schoetensack.

DER UNTERKIEFER DES

HOMO HEIDELBERGENSIS


AUS DEN SANDEN VON

MAUER BEI HEIDELBERG


GEOLOGISCHER TEIL
ANTHROPOLOGISCHER TEIL
ANHANG ZUM ANTHROPOLOGISCHEN TEIL

I. Geologisch paläontologischer Teil.

Inhaltsverzeichnis

Das Dorf Mauer, auf dessen Feldmark unser Fund am 21. Oktober 1907 gemacht wurde, ist 10 km südöstlich von Heidelberg und 6 km südlich von Neckargemünd, dicht an der südlichen Grenze des Odenwaldgebirges gelegen. Dieses wird in seinem südlichen Teile von dem aus dem schwäbischen Muschelkalkgebiete kommenden Neckar durchbrochen, der unterhalb Neckarelz auf den Buntsandstein stößt, den er bis zum Eintritt in die Rheinebene in vielfach gewundenem Laufe erodiert hat. Diese Talbildung reicht, worauf E. W. Benecke[8] zuerst hingewiesen hat und was auch A. Sauer[70] in den Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte des Großherzogtums Baden, Blatt Neckargemünd, bestätigt, bis in die Tertiärzeit zurück.

Wenige Kilometer südlich von Neckargemünd verschwindet der Buntsandstein dauernd unter der Oberfläche, und das Muschelkalkgebirge stellt sich ein. Mannigfach zergliedert und reichlich mit Löß und Lehm bedeckt, bietet es fruchtbares Ackerland dar, das, von der bei Neckargemünd in den Neckar sich ergießenden Elsenz durchflossen, frühzeitig zur Besiedelung einlud. — Schon in alter Zeit führte eine Verkehrsstraße von hier aus in das Schwabenland, der jetzt auch die Eisenbahnlinie Heidelberg-Neckargemünd-Jagstfeld folgt, die uns von Heidelberg in 30 Minuten an den Fundort bringt.

Die geologischen und topographischen Verhältnisse des unteren Elsenztales lassen sich an der Hand der oben genannten Karte, von der auf Taf. I, Fig. I ein Ausschnitt auf 1:50000 reduziert gegeben ist[I.], leicht übersehen. Im nördlichen Teile herrscht der Buntsandstein vor, der in ostwestlicher Richtung von dem Neckar durchfurcht wird. Senkrecht zu diesem Flusse erblicken wir zwei parallel verlaufende Täler, die „in ihrer engen felsigen Beschaffenheit dem Haupttale des Neckars unter- und oberhalb Neckargemünds gleichen“. Es sind dies, wie Sauer gezeigt hat, Teile einer alten Neckarschlinge, die weiter südlich, wo sie in das leichter zerstörbare Muschelkalkgebirge eintrat, eine beträchtliche Talerweiterung erfuhr und den terrassenförmigen Absatz der unter dem Namen „Sande von Mauer“ bekannten, von Sauer als altdiluvial bezeichneten Aufschüttungen veranlaßte, deren Ursprung auch durch typische Neckargerölle bezeugt wird.

Von den beiden vom Neckar verlassenen Paralleltälern wird das westliche von der Elsenz zum Abfluß benutzt, während das östliche, durch welches jetzt die Landstraße von Wiesenbach nördlich zum Neckar führt, trocken liegt. Daß dies schon seit der mittel-diluvialen Zeit der Fall ist, wird durch die Verbreitung der Ablagerungen von älterem und jüngerem Löß erwiesen, die sich auf und nahe der Sohle des Wiesenbacher Tales vorfinden.

Die „Sande von Mauer“, auf der Karte (Taf. I, Fig. 2) mit der Signatur „dun“ versehen und großpunktiert eingezeichnet, sind namentlich an dem rechten Elsenzgehänge durch Gruben erschlossen, die schon zu Bronns Zeiten (in den dreißiger und vierziger Jahren des vor. Jahrh.) paläontologisches Material lieferten.

Seit 30 Jahren hat die etwa 500 m nördlich vom Dorfe Mauer im Gewann Grafenrain gelegene, von Herrn J. Rösch in Mauer zur Gewinnung von Bausand betriebene Sandgrube zahlreiche Tierreste ergeben, die von dem genannten Herrn mit großer Sorgfalt geborgen und in uneigennütziger Weise, hauptsächlich durch Schenkung an badische Staatssammlungen, der Wissenschaft zugänglich gemacht wurden.

Bei dem lebhaften Abbau des Sandes, von dem nach gütiger Mitteilung des Herrn Rösch seit 1877 159750 cbm gewonnen sind, wobei 182250 cbm Abraum beseitigt, insgesamt also 342000 cbm bewegt werden mußten, entstehen beständig frische Anbrüche, die entsprechend dem wechselnden Bilde, das fluviatile Ablagerungen darzubieten pflegen, in den einzelnen Schichten wohl stark variieren, in der Gesamterscheinung aber, wie die von E. W. Benecke und E. Cohen[9] gegebene Beschreibung und die von A. Sauer mitgeteilten Profile erkennen lassen, Übereinstimmung mit dem nachstehenden Profile zeigen, das 12 Tage nach Auffindung des menschlichen Unterkiefers unter freundlicher Mitwirkung von Prof. W. Salomon, Herrn W. Spitz und den Praktikanten des Heidelberger geologisch-paläontologischen Instituts aufgenommen wurde:

Profil der Sandgrube im Grafenrain (Grundstück Nr. 789), Gemarkung Mauer (Amtsbezirk Heidelberg), aufgenommen am 2. November 1907

(vgl. Taf. III, Fig. 5).

Richtung der Grubenwand Nord 26 West. Fußpunkt 1,40 m nördlich von der Fundstelle des menschlichen Unterkiefers.


Ordnungszahl der Schichten Mächtigkeit in Metern
Jüngerer Löß 27 5,74 Jüngerer Löß, unten mit kleinen Lößkindeln.
26 2,25 Brauner Lehm ohne sandige Lagen.
Älterer Löß bzw. Sandlöß 25 1,30 Brauner Lehm, stellenweise etwas sandig, aber ohne ausgesprochene Sandschmitzchen.
24 1,63 Letten, meist stark sandig, mit vereinzelten Sandschmitzchen und Lagen von Lößkindeln.
23 etwa 1,80 Grauer, mittelkörniger Sand, in abwechselnden Lagen ± verfestigt (etwa 15 Gesimse).
22 0,36 Graue feste Sandbank, mittelkörnig, mit HCl ganz schwach brausend, gesimsbildend.
21 1,30 Lockerer eisenschüssiger Sand, bald gröber, bald feiner, mit HCl ganz schwach brausend.
20 0,07 Festere, sehr eisenschüssige mittelkörnige Sandbank.
19 0,40 Eisenschüssiger Sand.
18 0,70 Grauer mittelkörniger Sand, mit HCl nicht brausend, unmittelbar über dem Letten stark eisenschüssig.
17 0,70 Brauner sandiger Letten und lettiger Sand; oben reiner, unten ziemlich reiner Letten; gesimsbildend.
16 0,22–0,25 Sandschicht mit dünnen eisenschüssigen Lagen nach S. anschwellend, nach N. auskeilend.
15 etwa 0,20–0,23 Geröllschicht mit Eistransportblöcken und Unioresten.
14 etwa 0,34 Grauer bis gelbbrauner Sand mit Andeutung von Schrägschichtung und Neigung zur Windpfeilerbildung.
13 etwa 0,50 Sand, reich an kleinen Geröllen, z. T. eisenschüssig.
Mauerer Sande. 12 etwa 0,50 Grauer mittelkörniger Sand mit einer schwach eisenschüssigen Schicht.
Lettenbank. 11 2,25 Sehr fester Letten, mit HCl schwach brausend.
10 1,65 Abwechselnde Schichten von schwach eisenschüssigem Sand und grauem, manchmal auch braunem Letten. Die jüngste der nach oben an Mächtigkeit zunehmenden etwa 9 Lettenschichten enthält nur sehr wenig Sand.
9 etwa 0,55 Reiner Sand mit unregelmäßig verteilten eisenschüssigen Stellen.
8 etwa 0,25 Mittelkörniger, grauer Sand mit vereinzelten kleinen Geröllen und vielen Lettenbrocken.
7 1,35 Mittelkörniger Sand mit vereinzelten kleinen Geröllen und Lettenbröckchen.
6 0,60–0,65 Grauer, mittelkörniger Sand mit vereinzelten Geröllen und kleinen Geröllschmitzchen. (Die Lage mit den vereinzelten Geröllen tritt nur stellenweise auf.)
5 etwa 0,23 Grobkörniger, mit HCl nicht brausender Sand mit eisenschüssigen Bändern.
4 etwa 0,10 Geröllschicht, durch kohlensauren Kalk etwas verkittet, mit ganz dünnen Lagen von Letten, der mit HCl schwach braust. (Fundschicht des menschlichen Unterkiefers.)
3 0,22 Gröberer Sand, mit HCl nicht brausend.
2 etwa 0,20 Geröllschicht, z. T. deutlich zu einem Conglomerat verkittet. Der verkittende Sand ist stark eisenschüssig, mit HCl nicht brausend. Weiß-Juragerölle und Reste von Unio sind häufig.
1 etwa 0,45 Mittelkörniger, mit HCl nicht brausender Sand.
Grubensohle.

Hiernach wurde der menschliche Unterkiefer etwa 0,87 m über der Sohle und etwa 24,10 m unter der Oberkante der Sandgrube aufgefunden, welch letztere Zahl der vom Geometer festgestellten 24,63 m (vgl. Taf. II, Fig. 3) bis auf 0,53 m nahekommt. Um diesen Punkt für die Zukunft festzulegen, ließ ich auf dieser Stelle einen kubischen Sandstein mit der eingemeißelten Inschrift „Fundstelle des menschlichen Unterkiefers 21. Oktober 1907“ errichten. Dieser Stein soll liegen bleiben, auch wenn die Grube wieder zugeworfen wird. Es soll dann oben ein neuer Stein mit entsprechender Inschrift gesetzt werden.

Die in dem vorstehenden Profil mit No. 23-1 bezeichneten, von 5,18 m älterem Löß und 5,74 m jüngerem Löß überlagerten Mauerer Sande haben wegen ihres Reichtums an Tierresten seit langer Zeit die Aufmerksamkeit der Geologen auf sich gelenkt. So führt A. Braun[13] in der auf der Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Mainz 1842 gegebenen vergleichenden Zusammenstellung der lebenden und diluvialen Molluskenfauna des Rheintals mit der tertiären des Mainzer Beckens unter der Rubrik „Ältere Diluvialbildung“ die Sande bei Bruchsal, bei Mauer im Elsenztal und bei Mosbach zwischen Mainz und Wiesbaden an. Während er von Mosbach auf Grund der Untersuchungen des Bergsekretärs Raht 66 Conchylienarten zu verzeichnen in der Lage ist, muß er sich für Mauer auf folgende Bemerkung beschränken: „Der dortige, durch seine interessanten Säugetierknochen bekannte, hoch von Löß bedeckte Sand enthält eine Menge von Unionen und größeren Helices, jedoch sämtlich so weich und mürbe, daß eine vollständige Herauslösung und genaue Bestimmung bis jetzt nicht möglich war.“

Fr. Sandberger[69] bemerkt sodann in seinem 1870/75 erschienenen Werke „Die Land- und Süßwasserconchylien der Vorwelt“, in dem über die Binnenmollusken der Mittelpleistocänschichten handelnden Kapitel folgendes: „Im Neckartale selbst sind in keiner sonstigen unter dem Tallöß gelagerten Ablagerung Binnenmollusken nachgewiesen, wohl aber in dem bei Neckargemünd in dasselbe einmündenden Elsenztale. Hier finden sich bei Mauer etwa 100' über dem Spiegel der Elsenz Sand- und Geröllbänke, welche schon A. Braun als Lagerstätte fossiler Wirbeltiere und Binnenmollusken bekannt waren. Im Jahre 1868 beobachtete ich hier von oben nach unten in einer Sandgrube:


1. Tallöß mit zahlreichen Conchylien 20 Fuß.
2. Rötlichen Sand mit diagonaler Schichtung und einzelnen Stücken von Helix rufescens, Helix hispida und Succinea oblonga, an der Grenze gegen 3 auch mit zerbrochenen Unionen 36 »
3. Groben Kies, bestehend aus Geröllen von Buntsandstein, Wellenkalk, Muschelkalk, Hornstein und Feldspatbrocken mit Equus caballus und Elephas primigenius (?) 40 »

Da von Binnenmollusken nur die oben genannten Arten, von Säugetieren aber nur noch Rhinoceros Merckii Jaeg. und Ursus spelaeus gefunden worden sind, so läßt sich das Alter der Sande noch nicht genauer feststellen, doch deutet das Fehlen von Rhinoceros tichorhinus, Felis spelaea und Hyaena spelaea auf ein höheres Alter, als das des Cannstatter Tuffes, und vielleicht hat A. Braun recht, wenn er den Sand von Mauer mit jenem von Mosbach bei Wiesbaden parallelisiert.“

Benecke und Cohen[9] erwähnen bereits 12 Conchylienarten von Mauer, die auf einigen Exkursionen gesammelt wurden, und weisen darauf hin, daß man hier eine reiche Fauna zusammenbringen könne, welche wahrscheinlich für die schon mehrfach gemachte Annahme, daß der Sand von Mauer mit dem Sande von Mosbach bei Wiesbaden gleichalterig sei, sichere Anhaltspunkte ergeben würde.

A. Andreae[5] hat nun in seiner für das Gebiet der Diluvialgeologie und der Malakozoologie gleich wichtigen Abhandlung über den Diluvialsand von Hangenbieten im Unterelsaß, Straßburg 1884, dieses Desiderat namentlich in bezug auf die Mollusken erfüllt, indem er in einer tabellarischen Übersicht der Fauna des Diluvialsandes von Hangenbieten, verglichen mit der Fauna des Diluvialsandes von Mosbach bei Biebrich und von Mauer bei Heidelberg, sowie mit der recenten Fauna des Elsaß und des Oberrheingebietes, von Mauer 35 Arten angibt, welche Zahl aber, wie er bemerkt, noch sehr der Vervollständigung bedarf; denn von Hangenbieten sind 79 und aus dem Diluvialsand von Mosbach 93 Molluskenarten bekannt geworden. Von Mauer werden folgende angeführt, die sämtlich auch in Mosbach vertreten sind:


Hyalinia (Polita) nitidula Drap. sp.
» » radiatula Ald. sp.
» (Vitrea) crystallina Müll. sp.
* Patula (Goniodiscus) solaria Menke sp.
» (Patulastra) pygmaea Drap. sp.
Helix (Vallonia) pulchella Müll.
» » costata Müll.
* » » tenuilabris Braun.
* » (Petasia) bidens Chemn. sp.
» (Trichia) hispida L.
» » rufescens Penn.
» (Eulota) fruticum Müll.
» (Arionta) arbustorum L.
Buliminus (Ena) montanus Drap.
Cochlicopa (Zua) lubrica Müll. sp.
Pupa (Pupilla) muscorum L. sp.
» (Vertigo) pygmaea Drap.
* Clausilia (Pirostoma) pumila (Ziegl.) C. Pfeiff.?
Succinea (Tapada) putris L. sp.?
» » Pfeifferi Rossm.
» » oblonga Drap.
Valvata (Concinna) antiqua Sow.
» » piscinalis Müll. sp.
* » » naticina Menke.
Bythinia tentaculata L. sp.
Limnaeus (Limnophysa) palustris Müll. sp.
Ancylus fluviatilis Müll.
Unio pictorum L. sp.
» batavus Lam.
* Sphaerium rivicola Leach sp.?
* » solidum Norm. sp.
Pisidium amnicum Müll. sp.
* » supinum A. Schm.
» Henslowianum Shepp.

NB. Die mit ? bezeichneten Arten sind in Fragmenten oder angezweifeltem Vorkommen vorhanden.

Wie Andreae bemerkt, fehlen die mit einem Stern bezeichneten Mollusken jetzt in der Fauna des Oberrheingebietes. Um darüber Klarheit zu erhalten, ob dies auch auf das Neckargebiet zutrifft, wandte ich mich an den ausgezeichneten Kenner desselben, Herrn D. Geyer in Stuttgart, der so freundlich war, hierüber, sowie über die weitere Frage Auskunft zu geben, welche Schlüsse auf das derzeitige Klima die in den Sanden von Mauer abgelagerten Mollusken gestatten. Ich teile das Wesentlichste aus diesem Berichte hier mit: Es handelt sich bei den Ablagerungen von Mauer offenbar um fluviatile Bildungen, welche durch den Neckar zustande gekommen sind. Nun wäre es aber durchaus irrig, anzunehmen, daß die in den Sanden abgelagerten Schalen aus größeren Entfernungen bzw. aus einem weiten Gebiete hierher geführt und Vertreter der gesamten Fauna seien. Die große Masse stammt vielmehr aus der nächsten Nähe, da die zahlreichen scharfen Windungen bzw. Schleifen des Neckars ebenso viele Dämme bildeten, welche die auf den Fluten schwebenden leeren Schalen zur Ablagerung nötigten; denn nur um solche handelt es sich, da die mit lebenden Tieren gefüllten Schalen untersinken und im Sande und Geröll zerrieben werden. Felsen-, Berg-, Heide- und großenteils auch Waldbewohner sucht man vergeblich in Ausspülungen; diese setzen sich zusammen aus Wasser-, Ufer-, Wiesen- und Gebüschbewohnern, denen nur einzelne Waldschnecken sich zugesellen.

Von den in obiger Liste angeführten 35 Arten sind 21 Land- und 14 Wassermollusken. Von ersteren sind nur 3 Baumtiere: Helix fruticum, eigentlich Buschtier; Helix arbustorum, die aber auch gern auf dem Boden am Wasser lebt, und Buliminus montanus, der sich am meisten von den dreien an Bäume hält. Helix rufescens lebt meist am Boden und steigt nur zuweilen an Krautpflanzen auf. Die übrigen Landschnecken sind alle ausschließlich Bodentiere. Die Busch- und Baumtiere leben heute noch in nächster Nähe von Mauer.

Die in obiger Liste mit einem Stern bezeichneten Arten fehlen heute auch im Neckargebiete bis auf Sphaerium rivicola, Sph. solidum und Pisidium supinum. Sie leben aber größtenteils noch im Osten, wie aus den in der Fußnote[III.] auszugsweise wiedergegebenen Mitteilungen des Herrn D. Geyer hervorgeht. Sein Resumé lautet: „Sollen Folgerungen in bezug auf das Klima aus den in den Sanden von Mauer zur Ablagerung gelangten Molluskenschalen gemacht werden, so kann man allenfalls auf ein mehr kontinentales Klima, als wir es heute haben, schließen.“

Die von Andreae a. a. O. mitgeteilte Liste der in den Mauerer Sanden festgestellten Säugetiere ist namentlich durch W. v. Reichenau[64 u. 65], Beiträge zur näheren Kenntnis der Carnivoren aus den Sanden von Mauer und Mosbach, erweitert und berichtigt worden, auf welche wichtige Arbeit bei den Bemerkungen zu den einzelnen Species Bezug genommen werden soll. Hinzufügen konnte ich selbst noch Sus scrofa var. cfr priscus Marcel de Serres, Cervus (Alces) latifrons Johns. und Felis cfr catus. Zwei von Andreae angeführte Arten: Elephas primigenius Blumenb. und Bos primigenius Boj. mußten ausgeschieden werden, da deren Reste wahrscheinlich aus der die Mauerer Sande überlagernden Lößstufe stammen.

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17 ocak 2025
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