Kitabı oku: «Briefe an Ludwig Tieck 4», sayfa 21
Weber, Gottfried
Geb. am 1. März 1779 zu Fraunsheim in Rheinbayern, gestorben am 21. September 1839 zu Kreuznach.
Versuch einer geordneten Theorie der Tonsetzkunst, 2 Bde. (1817.) – Allgemeine Musiklehre (in 3ter Auflage 1833.) – u. a. W.
Als Staatsprokurator in Darmstadt angestellt, redigirte er, durch Amtsgeschäfte unbehindert, fortwährend seine musikalische Zeitschrift Cäcilia, und stand im vertrautesten Verkehr mit den edlen Familien, die das dortige Leben geistig schmückten. Sein Haus, eine Heimath der Töne, war auch der Poesie offen; für alles Gute und Schöne gab es dort empfängliches Verständniß. Nicht frei von hypochondrischen Launen, ging er alsbald in Freudigkeit auf, wenn die rechten Saiten angeschlagen wurden. Dann liebte er auch zu erzählen von seinem Namensvetter Karl Maria, von Meyerbeer und ihrem gemeinsamen Lehrer, dem Abbé Vogler. Seine Gattin, Mutter lustiger Kinder, sang reizende Duetten mit ihm, die er auf der Guitarre begleitete. In solchen Stunden war nichts vom Staatsprokurator an ihm zu entdecken.
Darmstadt, den 21. Dec. 1828.
Verehrtester Herr Hofrath
Mahnbriefe von alten Gläubigern erscheinen nie willkommen, und verdrüßlich werden also auch Sie meinen gegenwärtigen Brief empfangen, welcher sogar dummdreist genug ist, sich gleich von vorne herein geradezu als einen Mahnbrief anzukündigen, statt wenigstens glimpflich hinten herum zu kommen.
Aber da hilft nun einmal Alles nicht, Verehrtester, ich bin in meiner Eigenschaft als Vormund eines braven deutschen Mädchens, obhabender Pflichten halber, nun einmal genöthigt, Sie als deren Schuldner in Anspruch zu nehmen, und alles Ernstes zu mahnen, Sich der, gegen dieselbe übernommenen Verbindlichkeiten ohne weitere Zahlungs-Saumsal zu entledigen. Wie? – oder meinen Sie denn etwa, Herr! – meinen Sie denn, meine arme, durch ihre langjährige unerhörte Liebe zu Ihnen nur schon allzu unglücklich gemachte Cäcilia, nachdem sie erst lange um eine Gunstbezeugung von Ihnen geworben und endlich mit gebrochenem, blutendem Herzen ihren großen Schmerz in den innersten Busen verschlossen und auf die schönste ihrer Hoffnungen resignirt hatte, durch ihre jüngsthierigen freundlichen Blicke aber wieder zu neuen Hoffnungen berechtigt worden war, – meinen Sie denn, Herr! Herr!! das arme Mädchen werde die neugeweckte Liebespein ohne reelle Erhörung, auch jetzt wieder zu ertragen vermögen? Wollen Sie zum Mörder der Unglücklichen werden? Sie Felsenherz!
Ich will Ihnen, lieber Verehrtester, nicht weiter die Zeit lang machen mit Redensarten, sondern recht freundlich bitten: Sie waren bei Ihrer hiesigen Anwesenheit so gütig, mir Ihre Mitwirkung zur Cäcilia zu versprechen: lösen Sie diese freundliche Zusage doch auch bald ein, und lassen Sie sich das hier beiliegende Anschreiben der Verlaghandlung empfohlen sein. Was Sie immer senden wollen, wird dankbar erkannt werden, wäre es auch nur eine Hand voll Gedankenspähne. Daß es durchaus nicht gerade eine Abhandlung über einen musikalischen Gegenstand zu sein braucht, versteht sich ohnehin. Aeußerst erfreulich würden unter Anderem auch etwa eine oder ein Paar Novellen sein, wenn auch nur etwa grade so viel von Musik darin vorkommt, als z. B. in Ihrer vor mir liegenden Novelle: „Glück bringt Verstand“ von der Freimaurerei, oder in: „Der 19. November“ von Schiffbaukunst, oder in beiden von Katzen vorkommt.
Daß die Verlaghandlung das von Ihnen bestimmt werdende Honorar mit Vergnügen leisten wird, habe ich bereits die Ehre gehabt, Ihnen im Voraus zu versichern. Seien Sie nun, verehrtester Herr, so freundlich und lassen uns nicht noch länger auf dem spurlosen Meere der Hoffnungen und Erwartungen herumtreiben.
Möge die Rheinreise Ihr Wohlbefinden haltbar gefördert und wir Hoffnung haben, Sie bald wieder bei uns zu sehen. Lassen Sie mich mit meiner Frau Ihnen und den verehrten Ihrigen empfohlen sein, und genehmigen Sie die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung
Ihrgehorsamster DienerWeber.
Welcker, Friedrich Gottlieb
Geb. am 4. Nov. 1784 zu Grünberg im Großherzogthum Hessen, seit 1819 Professor der Philologie an der Universität Bonn.
Hervorragender Alterthumsforscher; vorzüglich berühmt durch seine Schriften über die griechische Tragödie, hauptsächlich über die Aeschyleische Trilogie. – Siehe diese Briefchen.
I
Bonn.
Einige Unterhaltungen über Griechische Tragödie mögen mir zur Einleitung dienen, um Ihnen eine lange philologische Diatribe über den Ajax zu überreichen. Die Unterhaltungen alle und die kleinen Wanderungen, an denen ich damals das Vergnügen hatte, Theil zu nehmen, und die Vorlesungen sind mir so lebhaft in der Erinnerung geblieben, daß ich immer sehr beklagt habe, den Wunsch und Vorsatz, den ich damals hatte, Dresden bald zu besuchen, nicht ausführen zu können. Vielleicht geschieht es nun bald; denn einmal muß ich doch Dresden kennen lernen und Sie wieder sehen, Verehrtester. Von den liebsten Freunden hoffe ich, bey ihrer Rückkehr, zu hören, daß Sie sich wohl befinden und in der gewohnten Thätigkeit, wovon ich seither so manchen Beweis sah, heiter leben.
Mit wahrer Verehrung und Anhänglichkeit
der IhrigeF. G. Welcker.
II
Bonn, 19. Apr. 1840.
Die späte Zusendung meiner Griechischen Tragödien an den gütigsten Gönner meiner Arbeiten der Art, dem ich vor Allen sie zu überreichen mich getrieben fühle, würde sträflich seyn, läge das Sträfliche nicht in der Saumseligkeit, das Buch nicht zu vollenden. So weit als es jetzt ist, war es vor meiner Reise nach Dresden vor einem Jahr, und der Rest des Manuscripts sollte gleich nach der Rückkehr abgedruckt werden. Unterbrechungen sind schlimm, und von einer Zeit zur andern wurde die Wiederaufnahme des Drucks verschoben, so daß der Verleger längst den fertigen Theil ausgegeben hat und ich einen dritten, vorher nicht beabsichtigten Abtheilungstitel setzen muß. Der Wunsch allein, Ihnen ein Ganzes vorzulegen, Hochverehrter, damit Sie vielleicht an dessen Einrichtung ein Gefallen fänden, was Sie im Einzelnen, zum Theil auch nach der Natur der Sachen, am häufigsten vermissen könnten, ist Ursache meines Zögerns gewesen. Doch alles muß sein Ziel finden, und ich hoffe, daß der Schluß nicht zu lang auf diese Theile nachfolgen wird, um die Beurtheilung der Absicht des ganzen Unternehmens noch zeitig genug zu ergänzen. Darf ich auf einige Stücke besonders aufmerksam machen, so nenne ich Peleus, Triptolemos, Tereus, Thamyris von Sophokles, Andromeda, Sthenelos, Kresphontes von Euripides.
Löbells neuliche Reise hat den Gedanken, indem ich oft mich wiege, recht rege in mir gemacht, wie glücklich ich seyn würde, recht viele Abendstunden in Ihrer mich auf allen Seiten ergreifenden Unterhaltung zubringen zu können.
Mit der reinsten Verehrung und Anhänglichkeit empfiehlt sich Ihrem freundlich geneigten Andenken
F. G. Welcker.
Den Beyschluß für die Stadtpost wollen Sie entschuldigen.
Wendt, Amadeus
Geb. zu Leipzig am 29. September 1783, gestorben zu Göttingen am 15. Oktober 1836.
Er war Redakteur des Leipziger Kunstblattes, des (ehem. Becker’schen) Taschenbuches für „Geselliges Vergnügen,“ gab verschiedene wissenschaftliche Werke heraus, wie z. B. Grundzüge der philosophischen Rechtslehre (1811). – Ueber die Hauptperioden der schönen Künste (1831) – und führte in Leipzig ein anerkannt kritisches Regiment.
Nach Göttingen ward er an die Universität als Professor der Philosophie berufen.
I
Leipzig, 30ten Okt. 1821.
Hochzuverehrender Freund
Um Ihren theuern Brief auch zu meiner eigenen Befriedigung zu beantworten, will ich von meinen Sünden anfangen, deren er mich zeiht. Denn das Geständniß ist drückend, aber führt die Vergebung herbei.
Also das Register getrost angefangen: 1) ich habe mehrere Nachläßigkeiten in Ihrer Erzählung nicht abgeändert, die ich unter uns gesagt – bei Arnim gewiß geändert hätte, theils weil ich manche Nachläßigkeit in Ihrem Erzählen für eine grata negligentia hielt, und ich immer Sie selbst als mündlichen Erzähler vor mir hatte, dem man ja solche Nachläßigkeit so gern verzeiht, wo nicht gar als Tugend anrechnet; theils weil ich in der That noch nicht wußte, wie sensible Sie in dieser Beziehung seyn möchten. 2) Es sind viele garstige Druckfehler in Ihrer Erzählung stehen geblieben, was ich leider schon beim Vorlesen gefunden habe. Die Wahrheit: meine Geschäfte waren zur Zeit des Abdrucks so vielfach und drückend, daß ich die Revision meinem Famulus, einem übrigens geschickten und auch poetisch gebildeten Menschen übergeben mußte. Indessen sind die beiden angeführten Druckfehler doch nur die wichtigsten, und den einen „das flüchtige Werk des L.“ hätte ich wohl auch stehen lassen, weil man den individuellen Gegenstand im Sinne haben muss, um das Prädikat wahr oder falsch zu finden. 3) Ich habe die Anzeige von Solgers Erwin in der Leipziger Zeitung gemacht; das ist wahr, aber genügt ihnen nicht – mir vielleicht noch weniger; eben weil es fast nur Anzeige seyn konnte.
Die geistvollen Ansichten des Buchs erfordern in der That noch eine tiefere Würdigung, als ich damals geben konnte. Indessen bin ich doch davon überzeugt und Hegel, den ich neulich darüber gesprochen, theilte mit mir diese Meinung, daß diese Form des Gegenstandes nicht mehr dem Standpunkt der Wissenschaftlichkeit unsrer Zeit eignet. Ich, der ich selbst jetzt an der Aesthetik arbeite, weiß aber auch recht gut, daß Solger keine Vorgänger in der wissenschaftlichen Deduction des Schönen hatte.
Nach dieser Beichte wird die Absolution von Ihnen sehnlich begehrt, ja mit Zuversicht erwartet, und ich kann getrost zu den Andern fortgehen.
I. Die Novelle wird mit beiden Händen angenommen – aber nach Ihrer eigenen Bedingung als Ostern ganz fertig; – denn Sie glauben nicht, welche Verlegenheiten und Bedrängniß nicht blos der Componirende, sondern auch Redacteur und Verleger durch Verspätigung auszuhalten haben.
II. Wegen des Honorars habe ich besonders mit Herrn Richter gesprochen und ihm Ihren Brief richtig abgegeben.
III. Die vertraute Frage von wegen meines Redactions-Honorars wird vertraulich dahin beantwortet, daß mir der Verleger 300 Thlr. exclusive der Portoauslagen und meiner eigenen Beiträge zu zahlen hat.
Das Unannehmlichste bei einer solchen Redaction ist aber die dringende Pünktlichkeit im Correspondiren und Briefe beantworten. Sie glauben doch wohl nicht, wie viele Briefe mir jährlich das Büchlein zu schreiben macht, und in wie manche Verlegenheit es mich deshalb zuweilen setzt. Das es auch angenehme Correspondenzen herbeiführt, wie die gegenwärtige, ist freilich auch nicht zu läugnen, allein ich liebe das Mündliche doch mehr. Diese Bedingung werden Sie sich sehr zu vergegenwärtigen haben, bevor Sie ein solches Verhältniß eingehen. Für einen Mann wie Sie ist das Schaffen genügender und auch einträglicher, als das Redigiren.
IV. Müßte ich Ihnen fast von letzterm abrathen, so rathe ich Ihnen unbedingt von der dramaturgischen Zeitung ab. Aber Sie fordern ja nicht meinen Rath! – Allerdings, und es würde mir nichts Belehrender, nichts Lesenswerther seyn, als eine solche Zeitung von Ihnen. Aber ich nenne mich nun einmal Ihren Freund, ich will es seyn, und darum beschwöre ich Sie, um Ihrer eigenen Ruhe willen, den Gedanken fahren zu lassen. Ich habe bei der Herausgabe meines mit dem ersten Jahrgang geschlossenen Kunstblatts, zu welchem ich wegen Mangel an anfänglicher Unterstützung die große Hälfte selbst schreiben und zu bestimmter Zeit in die Druckerei liefern mußte, eine Erfahrung in dieser Art gemacht, die mich verpflichtet, Ihnen das Drückende der Sache ganz ins Bewusstseyn zu bringen. Sie haben jetzt in Ruhe gelebt und gedichtet, Sie sind der Unruhe nicht gewohnt, welche die Kritik der Dichter und Schauspieler in diesen papiernem Zeitalter hervorbringt, und vergeuden gewiß nicht gern an die Misère Ihre schöne Zeit, welche zu eigenem Schaffen förderlich seyn konnte. Ihre Dichtungen, Ihre vaterländischen Schauspiele, Ihr Werk über Hamlet fordert das Vaterland dringend von Ihnen; die dramaturgische Kritik hat mit dem Interesse an dem Theater abgenommen, das keine Kritik zu veranlassen fähig ist. Was ich aber hätte vorausstellen sollen, ist, daß ich nicht glaube, einen Verleger unter diesen Bedingungen zu finden. Auch Zimmermanns dramaturgische Blätter werden gewiß nicht lange fortgehen, weil, wie die Verleger sagen – „jedes Unterhaltungsblatt Theaterkritik gibt.“ Doch will ich mich noch umsehen. Für jetzt vergeben Sie wenigstens meiner zutraulichen Offenheit, wenn Sie die Ansicht nicht theilen können.
V. Kommen die Leipziger Lerchen beifolgend an, so gut meine Frau sie hat bekommen können; denn die Lerchenzeit ist bei uns fast schon vorbei. Sehen Sie dieselben als ein kleines Geschenk aus meiner Küche an, und laßen Sie sich dieselben wohl schmecken – versteht sich, wenn sie wohlbehalten nach Dresden kommen. Sagen Sie den Ihrigen, und vorzüglich der Frau Gräfin, der ich mich bestens zu empfehlen bitte, daß ich mich selbst gern an dem traulichen Tischchen sähe, an welchen ich mit ihnen geseßen.
VI. Hrn. Spohr werden Sie nun wohl gesprochen haben, den ich Ihnen mit einigen Zeilen zusendete. Dies bringt mich auf die Musik, und die Oper, über die Sie, wie mir kürzlich Jemand versichern wollte, nicht sehr schmeichelhaft denken sollen. Nächstens wird ein Band des bei Brockhaus herauskommenden Hermes erscheinen, dort finden Sie eine Recension von mir über 2 Werke von Castil-Blaze. Ueberschlagen Sie die zwei ersten Abschnitte derselben, die sich blos auf das Buch beziehen, und lesen Sie den dritten, mit der Absicht, mir Ihre Ansicht über den Gegenstand an der meinigen zu entwickeln, denn gern hätte ich längst mit Ihnen darüber ausführlich gesprochen.
Doch es ist Zeit zu schließen. Darum die Versicherung aufrichtiger Hochachtung und freundlicher Erinnerung von
IhremergebenenA. Wendt.
II
Leipzig, 29ten Juni 1822.
Ach wie gütig sind Sie, mein verehrter Freund! Zwei Briefe in einer Woche von Ihrer Hand, das ist unerhört! aber auch den herzlichsten Dank dafür. Hiermit sende ich Ihnen das Erste von dem Druck, und werde damit immer fortfahren. Wolfsberg musste Wolfsberg bleiben, da sein Name schon im ersten Bogen vorgekommen war, und ich Ihre Entscheidung später erhielt. Ich corrigire sorgfältig, und sollten Sie doch – kein Auge ist untrüglich – einen Fehler von Bedeutung finden, so schreiben Sie mir, und es kann allenfalls am Schlusse des Büchleins angezeigt werden. Dem Setzer habe ich den Auftrag gegeben, das Mscpt. zurückzubehalten, Sie können es dann wohl Ihrem Wunsche gemäß erhalten. Von Eulenböck aber waren nur einige Fetzen übrig. Ueber Esslair’s Tell werden Sie einen Aufsatz nächstens in der eleganten Zeitung finden, auch habe ich an das Morgenblatt Einiges über ihn gesendet. – Nun hab’ ich auch die Stich gesehen – eminentes mimisches Talent, aber unerträgliche Manier, geschraubter affectirter Ton, fatales Singen, und Coquetterie hinter Allem. Julie sehr ausgezeichnet – versteht sich, wenn man den Maaßstab des Gewöhnlichen anlegt. – Aber die Jungfrau hat fast misfallen wegen jenes affectirten Vortrags.
Dr. Löbel hat mich besucht und mich durch Nachricht von Ihrem Wohlseyn erfreut; es scheint Ihnen unbekannt gewesen zu seyn, daß er an Rüders Stelle zu Brockhaus gegangen ist. Ich werde mit Vergnügen seine nähere Bekanntschaft zu machen suchen.
Zu meinem großen Misvergnügen habe ich durch nähere Erkundigung bei Barth erfahren, daß das orthographische Mscpt. noch nicht an den Verfasser zurückgegangen ist. Letzterer bittet auch, auf ihn alle Schuld überzutragen, er habe dem Verf. ohnedies auf einen andern Antrag zu antworten, und wolle es bald, recht bald thun.
Von Hrn. Bernhardi habe ich seitdem nichts weiter gesehen und gehört. Ich will ihn auszuforschen suchen.
Heute sehe ich den Grafen Kalkreuth, mit welchem ich gestern Abend zusammen war, und Dr. Kralup hat mich auch schon besucht. Sie sehen also, wie oft und angenehm ich an Dresden erinnert werde. Doch erweckte es mir ein Lächeln, daß Sie in Ihrem letzten Briefe schrieben, ich hätte doch wieder hinüber nach Dresden kommen sollen, weil ich daraus sehe, daß Sie mich für einen leichten Vogel halten, der höchstens eines Eilwagens zu seinem Fluge bedarf. So leicht wird es mir nicht, den Ausflug nach Dresden zu machen – und doch mache ich ihn weit öfter als andere.
Nun – ein andermal! Und nächstens mehr von
IhremtreuverbundenenA. Wendt.
III
Leipzig, 27ten Juli 1822.
Geliebter und verehrter Freund
Hiermit erhalten Sie den Rest des Abdrucks Ihrer Erzählung. Ich wurde durch einige unangenehme Arbeiten jeden Posttag gehindert, Ihnen denselben zuzusenden. Und nun lesen Sie Allen, die es verdienen, zur erbauenden Unterhaltung das geistreiche Werk, das ich nun recht durch und durch kenne, und immer mehr als ein Ganzes zu erkennen genöthigt worden bin, mit der humoristischen Salbung vor, die Ihnen so schön von der Lippe strömt, und trösten Sie die gute Gräfin nun reichlich dafür, daß ich ihr das Manuscript noch rauchend entführte, worüber Sie mir (im Vertrauen nicht ganz mit Unrecht) böse war. – In diesen Tagen machte mich Jemand zu meinem großen Leidwesen darauf aufmerksam, daß Ihre Untersuchungen über Shakspeare, welche alle Kenner Ihres Geistes so lange vermissen, vielleicht durch Aufschieben des Abschlusses oder Ihrer öffentlichen Mittheilung an Neuheit und Interesse verlieren können, wenn nehmlich Ihre Ansichten durch Dritte, die sich damit viel wissen, und denen Sie sich vielleicht in geistiger Mittheilung hingeben, ins Publikum kommen.
Die Veranlassung zu dieser Bemerkung ist, daß Brockhaus ein Werk über alle Schauspiele Shakspeares ni fallor von Franz Horn angekündigt hat, welches in 3 Bänden nächstens erscheinen soll. Voraus wahrscheinlich steht eine Probe, welche über Makbeth handelt, im litterarischen Conversationsblatt 159 No.
Jener Jemand nun behauptete gegen mich, was dort über den Einfluß der Lady Makbeth gesagt sey, sey, soviel er wisse, Ihre Ansicht. – Ob sie auch von Ihnen sey, das wäre nun die Frage, die ich nicht entscheiden will, aber Ihnen vorwerfe, um die Reflexion in sich zu erwecken, welche die Frucht zur Reife bringen können.
Man sagt mir, daß heute die Klebepflanze A. Wagner genannt cum diligentia (das was vorauszusehen, daß er es nicht bis zur Kühnheit des Eilwagens werde bringen können) angelangt sey. Der soll mir viel von Ihnen erzählen!
IhrA. Wendt.
IV
Leipzig, 29. Dec. 1822.
Theurer Freund!
Ein scharfes Rescript des Kirchenraths an unsere Universität, keine Weihnachts- oder Neujahrsferien zu machen, und die noch schärfere Kälte benimmt mir von neuem die Hoffnung, Sie in diesen Tagen zu besuchen, und an mein Herz zu drücken. Nun wird es wohl vor Ostern nicht möglich seyn, Sie zu sehen, wenn Sie nicht etwa den Entschluß fassen und sich in den Wagen setzen, wozu Sie von Ihren hiesigen Freunden herzlich eingeladen sind. Zu Ostern hoffe ich auch die mir versprochene Novelle wieder in Empfang zu nehmen.
Aber was sagen Sie zu Müllners Maliçe? In den Probeblättern der Hekate, ni fallor Nr. 2, las ich in schlechten Versen über unser Taschenbuch, daß die Reisenden aus dem Merkur in dem Taschenbuch angekommen wären, und wußte nicht, was das heißen sollte. Jetzt lese ich eine noch schlechtere Anzeige des Taschenbuchs in Müllners Literaturblatt, daß diejenigen, welche es interessiren könnte, nun die Novelle: die Reisenden, die sie früher im litterarischen Merkur hätten zerstückelt lesen müssen, hier beisammen fänden. Hätten Sie nicht Lust, dieses Beispiel gründlicher Kritik, die nicht einmal liest, was sie beurtheilen will, und sich ohne Noth eine so herabsehende Miene giebt, durch den litterarischen Merkur zu rügen? „Die Gemälde“ hat er bei seiner vorjährigen Anzeigen nicht einmal genannt.
Haben Sie denn zu einem Taschenbuch: die Rheinblüthen genannt, eine Erzählung gegeben? ich habe es gehört. Hier aber ist dieses Taschenbuch, so wie das Berliner, welches ich mir besonders habe kommen lassen, um Ihre schöne Novelle zu lesen, nicht gangbar. Sonach sind Sie in diesem Jahre an Novellen sehr fruchtbar gewesen.
Aber was macht Shakespear, was Solgers Schriften, die Sie herausgeben? Brockhaus, der Verleger, ist heute zu ersten Male wieder eine Treppe herab in sein Comtoir gestiegen; er war tödlich krank. Wolf, in Berlin, der Schauspieler nehmlich, hat mir in diesen Tagen seine dramatischen Spiele zugeschickt, und ist ebenfalls wieder hergestellt. Seine Frau soll die Elisabeth in Kenilworth (eine neue Rolle für sie) trefflich darstellen.
Wagner läßt Sie grüßen, er hat nun auch den deutschen Theil des Fahrenkrügerschen Wörterbuches beendet. – Sonst gibt es in der Litteratur wenig Neues. Immermans dramatische Poesieen werden sehr gelobt; ich habe sie noch nicht gelesen. Ich bin sehr mit meiner Aesthetik und mit historisch-philosophischen Untersuchungen beschäftigt und lese dabei so viel – nehmlich Collegia – daß ich jetzt wenig zu anderm Lesen komme, und es daher gern hätte, wenn mich ein lieber theurer Freund zuweilen auf etwas aufmerksam machte, was ich nicht übersehen sollte. Doch so gut will es mir nicht werden; und hierbei fühle ich es wieder recht schmerzlich, daß wir 12 Meilen von einander getrennt sind, und trotz aller Eilposten immer noch Hindernisse genug vorhanden sind, diese Trennung aufzuheben. Mögen Sie dem Wiedersehn so sehnlich entgegensehen als ich, und mich unterdessen den Ihrigen bestens empfehlen.
Das Gedicht von Kleist für die Prof. Krug muß ich mir nun durch Briefpost leider ausbitten. Hoffentlich hat Richter nun ihre Wünsche erfüllt! Ich umarme Sie im Geist, und nenne mich stets
IhrentreuergebenenA. Wendt.