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Kitabı oku: «Briefe an Ludwig Tieck 4», sayfa 22

Various
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V

Sonntags, den 8. Juni 23.
Mein verehrter Freund!

Sie haben mich durch Ihren Brief sehr getröstet und erquickt. Möge das heilende Bad von Töplitz Sie körperlich eben so erquicken. Sie werden nun durch solchen großen Zeitverlust in Arbeiten wieder sehr zurückgesetzt werden und unter mancherlei Unterbrechungen die Stunden einer regelmäßigen Badekur kaum abbrechen können, um die Pressen zu befriedigen, welche alle nach Ihrem Manuscripte schreien. Dieß bestimmt mich, aus wahrer Freundschaft und Besorglichkeit für Ihre neugewonnenen Kräfte, Sie für diesmal Ihres Versprechens zu entlassen, mit der Bitte, wenn es Ihnen möglich ist, wenigstens Herrn Brockhaus das gegebene Versprechen zu erfüllen. Ich habe letzterem als Freund versprechen müssen, ein Wort für ihn in dieser Hinsicht zu sprechen. Doch bleibt letzteres natürlich unter uns.

Gegenwärtige Zeilen bringt Ihnen der junge Schauspieler, den ich dem Herrn Geheimrath Könneritz empfohlen hatte, Herr Jerrmann. Er wird sich sehr freuen, Sie kennen zu lernen. Sie werden ihn gütig belehren und er wird dankbar Ihre Winke aufnehmen und sich sehr freuen, wenn er Sie etwas vorlesen hören kann. Von Eßlair wird er Ihnen manches zu sagen wissen; er ist wohl gewissermaßen sein Schüler gewesen. Was Sie über Wallenstein gesagt, über Otto von Wittelsbach, finde ich treffend. In Hinsicht des Dallner kann ich darum nicht ganz mit Ihnen übereinstimmen, weil ich den Charakter des Dallner für consequenter und wahrer gezeichnet halte, als Sie glauben, weshalb ich auch Ifflands Darstellung für gelungener halte. Die strenge Redlichkeit im Dienste erlaubt eine Härte gegen Angehörige, welche unbillig wird. Sieht der Handelnde, daß er zu weit gegangen, so bricht das alte verdrängte Gefühl wieder hervor. Die Geschäftsmaschine stockt beim Dalner, der Mensch macht seine Rechte wieder geltend, daher die rührende Weichheit des Gekränkten. In Leipzig gab ihn Eßlair von vornherein fast gebrechlich, da kam es freilich nicht zu Contrasten, bei welcher Lösung er sich als Künstler zeigen konnte. So in Leipzig. Vielleicht hat er sich in Dresden wieder mehr zusammengenommen, da seine Reise im vorigen Jahre durch einen großen Theil von Deutschland so wenige Spuren von lebhaftem Interesse an ihn und Anerkennung der Kritik zurück ließ. Gern wünschte ich Ihnen mitzutheilen, was ich über Eßlair geschrieben; aber ich besitze es wahrlich selbst nicht. Vielleicht finden Sie es in einem Dresdener Journalinstitut oder in der Königl. Bibliothek, welche auch Unterhaltungsblätter sammelt, nehmlich im Morgenblatt von 1822, Nr. 172 und 173 und 177 bis 178; über Dallner insbesondere Elegante Zeitung 127 bis 136, 1822.

Gestern las ich eine Recension des Romans von Dinoncourt, der ebenfalls den Cevennenkrieg zur Grundlage hat. Le Camisard par M. Dinoncourt auteur du serf du XV. siecle 123, T. I-IV Paris chez Lepetit. Die Recension des Romans steht in der hallischen Allgem. Litteratur-Zeitung 127 d. J. Dies zur Notiz.

Daß ich die Sache mit Herrn Richter abgeschlossen, werden Sie durch Zusendung des Geldes hoffentlich erfahren haben; und so werden Sie mich stets finden als Ihren

innig ergebenen und bereitwilligsten
F. A. Wendt.

VI

(Ohne Datum.)
Verehrter Herr und Freund!

Im Drange der Geschäfte benutze ich doch die Gelegenheit, die sich mir durch den aus Göttingen kommenden Herrn Sillig darbietet, um Ihnen durch diese wenigen Zeilen zu zeigen, wie gern ich Ihrer gedenke.

Ich sende Ihnen einen Aufsatz mit, den ich über Ihre kürzlich erschienene Novelle geschrieben. Ich lege demselben aber nicht den allergeringsten Werth bei und muß, um Ihre Nachsicht für denselben auszuwirken, noch insbesondere hinzufügen, daß derselbe ursprünglich von mir für die musikalische Zeitung bestimmt war. Diese wird meist von Musikern gelesen, in deren Hände sonst wenig Litteratur kommt. Da ich nun von diesen Ihre Novelle ganz besonders gekannt wünschte, so entschloß ich mich denselben das Wesentlichste davon mitzutheilen. Um aber nicht bloßer Referent zu seyn, erlaubte ich mir manchmal die Einrede. Nehmen Sie dieß mit freundlicher Nachsicht auf!

Ueber Krause’s Lage höre ich nicht viel Erfreuliches. Herr Sillig kann Ihnen mehr sagen. Mir hat er noch gar nicht geschrieben; er macht es darin, wie andere Leute, von denen man gern selbst nur ein Zeichen sieht und sich oft darnach sehnen muß.

Raupach war auf einige Tage hier; ich traf ihn beim Hofrath Küstner und fand ihn eben nicht anziehend. Anziehender soll seine Reise nach Italien seyn, die er eben edirt hat. Das hiesige Parterre brachte ihm bei der Vorstellung der großen Fürsten Chawansky ein nothgedrungenes Vivat, zu welchem die Schauspieler, welche herausgerufen wurden, gewissermaßen aufforderten. Jetzt ist die gespenstische Tarnow hier. Lauter fremde Geister! Nur mit Ihrem Besuche will es nicht mehr werden.

Hoffentlich liegt kein Hinderniß in Ihren Gesundheitsumständen. Aber was machen Sie? Dieß wünscht sehnlich zu wissen

Ihr
treuergebener
A. Wendt.

VII

(Ohne Datum.)
Mein sehr theurer Freund!

Lange haben wir nichts von Ihnen gehört, und doch wünschen wir immer etwas von Ihnen zu hören, nehmlich etwas über Ihr künftiges Verhältniß zur Leipziger Bühne. Sobald wir nehmlich (d. h. vor allem ich und mein Schwager Wagner) erfuhren, daß die Dresdner königl. Intendanz der Schauspiele das Theater in Leipzig auf 3 Jahre übernommen habe, sobald war unser erster Gedanke – das gibt eine Aussicht, unsern Tieck öfter in Leipzig zu haben. Wir könnten und können uns nehmlich schwerlich denken, daß die königl. Intendanz einen Schauspieler, der zwar vielseitiges Talent und Routine in mehreren Rollenfächern zeigt, aber einer praktischen Totalanschauung, wie sie ein guter Regisseur noch mehr aber der artistische Leiter einer Bühne besitzen muß, völlig ermangelt, ich meine den Herrn Genast, dessen Frau noch dazu ein sehr mittelmäßiges Talent ist, das mit jedem Jahre den Theaterfreunden lästiger werden wird, wie man, sage ich, diesem einen Menschen die ganze Unternehmung in ästhetischer Hinsicht anvertrauen möchte. Und da wir eine obere Leitung für unentbehrlich hielten, so meinten wir, keinem andern werde sie übertragen werden, als Ihnen, und wir glaubens noch, obgleich wir nichts davon hören, mit Zuversicht, weil wir das Gute und Beste hoffen, und weil wir zugleich so egoistisch sind, es zu unserer Freude zu wünschen.

Da ich nun glaube, daß Sie bei der Einrichtung des neuen Theaters mitwirkend seyn werden, so thue ich noch eine andere Frage. Man wird einen Musikdirector für die Oper brauchen. Musikdirector Marschner, den Sie ja kennen und der auf das Engagement seiner Frau wohl nicht besteht, würde entschieden zu dieser Stelle tauglich und ich glaube auch geneigt seyn. Im Publikum und im Orchester hat er sich durch seine neuesten Compositionen und besonders durch den Vampyr viel Respect erworben und es würde der neuen Unternehmung sicher ein gutes Ansehn geben, wenn kein bloßer Routinier, wie es unser bisheriger Herr Präge war, sondern ein solcher Mann, an die Spitze des Orchesters gestellt würde. Ich rede allerdings hiermit nur von der Tüchtigkeit des Mannes, nicht von dem Charakter, den ich so genau nicht kenne; und ich erlaube mir diese Mittheilung auch nur aus wahrer Liebe zur Sache, ich wünschte aber wohl zu wissen, was Sie davon dächten und ob Sie Marschner empfehlen könnten.

Was nun meine eigne Angelegenheit anlangt, so sey dieß die erste Erinnerung an das mir gegebne, theure Versprechen eines poetischen Beitrags zu dem beabsichtigten Taschenbuche. Sie befinden sich wohl; innen und außen haben Sie schönes Wetter und die beste Stimmung, einen poetischen Schmetterling einzufangen. Ich würde weiter fortfahren im Gleichnisse, wenn ich nicht einen gewissen ironischen Blick von Ihnen im Geiste sähe. Darum nur die Bitte, mich auch diesmal nicht im Stiche zu lassen. Sie sind vom Geiste ausersehen, viel für mein Taschenbuch thun zu können, erstens durch eignen Willen, zweitens auch durch ein freundliches Zureden. Quandt schreibt nehmlich, daß Friedrich von Schlegel nach Dresden gekommen sey. Ich habe Ursache zu glauben, daß meine Einladung an ihn durch die lahmere Buchhändlergelegenheit entweder noch nicht in Wien an ihn gelangt sey, oder daß er aus irgend welchem Grunde die Antwort verschoben hat. Da findet sich nun gute Gelegenheit, der Sache gewiß zu werden; kurz ich sende eine zweite Aufforderung durch Ihre gütige Hand an ihn. Die Freundlichkeit, mit welcher Sie Fürsprecher unserer Unternehmung seyn werden, wird mich wieder zu Ihrem dankbaren Schuldner machen. Die Gesellschaft aber soll Sie beide, hoffe ich, nicht gereuen. —

Das Beste, was ich seit langer Zeit über Ihre Poesie gelesen habe, steht im Litteraturblatt im Morgenblatte Nr. 86, 1828, und ist, wenn ich nicht irre von W. Menzel, der mir auch für das Taschenbuch ein humoristisches kleines Drama senden wird. Es ist mir besonders aus der Seele geschrieben, was er von der Grazie sagt, welche Ihre Ironie begleitet. Ich werde nächstens auch Gelegenheit nehmen, mich über Ihre neusten Novellen auszusprechen.

Der Contrast trägt jetzt dazu mächtig bei, uns stets an Ihre Seite oder Ihrem Lesetische gegenüber zu denken. Es ist nehmlich eben ein junger Mann hier, Namens Kiesewetter, Sohn des berühmten Concertmeisters in Hannover, welcher agirend aus Clavigo, Romeo, Hamlet u. s. w. – vorliest. Er verändert die Stimme, die nicht ganz fehlerfrei ist, dreht die Augen nach oben, oder sieht die Damen schmachtend an; indessen hat er es trotz aller Bemühungen, die er sich in eigner Person gegeben, doch nicht so weit bringen können, die Kosten seines Aufenthalts zu decken. Ich zweifle übrigens nicht, daß er die Keckheit besitzt, nach Dresden zu gehen, und Sie selbst, den er an einigen Orten seinen Meister nennt, zu seinen Vorlesungen einzuladen.

Doch weg von solcher Carrikatur. Der rasche, durch einen Nervenschlag oder Schlagfluß herbeigeführte Tod unserer lieben, zarten und sinnigen Clodius hat uns sehr erschüttert und betrübt. Sie haben eine aufrichtige Verehrerin verloren; – zweimal habe ich derselben Ihre kleine Novelle das Fest zu Kenelworth vorgelesen, und ich hatte sie eben zu einer Vorlesung Ihres 15. November eingeladen, als ich nach wenigen Stunden die bestürzende Nachricht Ihres Scheidens erfahren musste.

Lieber! Empfehlen Sie mich den werthen Ihrigen und vergessen Sie nicht

Ihren
ergebensten Freund
A. Wendt,
(der nächstens einige Zeilen von Ihrer Hand in
Betreff der obigen Angelegenheit erwartet.)

Wiebeking, Charlotte von

In der vom Sohne Max verfaßten ausführlichen Lebensbeschreibung unseres C. M. v. Weber lesen wir:

„Von allen Häusern, in denen er in München Eintritt gefunden, heimelte ihn keines so an, wie das des Baudirektor W., dessen origineller Geist ihn fesselte.“

Carl Maria selbst schreibt an Gottfried Weber: „Ein einziges Haus habe ich, in dem es mir recht wohl ist, bei dem bekannten Geheimerath W. Seine Tochter (Fanny) ist meine Schülerin, mit vielem Genie und großem Fleiße, so daß ich recht viel Freude an ihr habe; und die Mutter eine höchst liebenswürdige, gebildete Frau.“

Hier spricht diese Mutter von ihrer verstorbenen Fanny und sendet dem Lehrer der nun Verklärten durch seinen Freund Tieck Glückwünsche zu den Triumphen, die der Freischütz feiert.

München, den 28sten Dec. 1822.
Verehrter Freund!

Sie haben mich sehr glücklich durch Ihren freundschaftlichen Brief gemacht; wenn mein inniger Dank, den ich bey deßen Empfang empfand, ohne Tinte, Feder und Papier zu Ihnen hätte gelangen können, Sie würden ihn schon längst erhalten, und da seinen Freunden wohlgethan zu haben eine der höchsten menschlichen Freuden ist, vielleicht nicht ohne angenehme Empfindungen. Ihre Aeußerungen über den Werth unsrer verewigten unvergeßlichen Fanny, Ihre Theilnahme an unserm Verlust, hat mein schmerzlich geprüftes Mutterherz erhoben und erquickt! Sie können sich daher meine Empfindungen vorstellen, als ich Ihr früher an sie gerichtetes Gedicht in Ihrer vortrefflichen Sammlung fand! Die Verstorbene, so wie alle Glieder unsrer Familie, haben Ihrem lehrreichen Umgange sehr viel zu verdanken! Jene genußreichen Tage Ihres Hierseiens werden mir ewig unvergeßlich bleiben! Wäre ich König von Bayern, ich würde dem der Sachsen Ihren Besitz auf alle Weise streitig machen – so habe ich in meiner Ohnmacht die beglückende Erinnerung, die kein Monarch der Erde sich erkaufen kann, voraus.

Die Frage wäre aber, ob Sie das schöne Dresden mit dem sterilen München vertauschen möchten?

Als Ihre theuren Zeilen hier anlangten, waren wir, mein lieber Wiebeking und ich, auf einer Reise nach dem Bade Kißingen, und von da nach meiner Vaterstadt Gotha begriffen. Indeßen haben wir bey unsrer Zuhausekunft die Bekantschafft der beiden Herren Ueberbringer noch gemacht, und einige Mahle das Vergnügen gehabt, sie bey uns zu sehen. Daß Doktor Waagen von hier wieder abgereist, ist für unsre Familie ein großer Verlust; als begünstigter Verwandter von Ihnen war er mir, schon ehe ich ihn kannte, interessant; bey näherer Bekanntschaft wurde er mir und uns allen durch eigne Vorzüge werth. Mit ihm, der Sie eben so aufrichtig hochschäzt und dankbar verehrt, von Ihnen theuerster Freund uns zu unterhalten, gab uns gegenseitig wahren Genuß! Auch mit Ihrem schönen Familien-Kreise, Ihrer würdigen Gemahlin, Ihren geistvollen, liebenswürdigen Töchtern machte er uns durch seine Mittheilungen bekannt; daher bitte ich Sie, mich ihnen zu empfehlen. Insbesondere aber beruhigte und erfreute mich die Bestätigung, die er uns über die Befestigung Ihrer theuren Gesundheit gab. Wie unschätzbar ist dieses für jeden unentbehrliche Gut für die, welche so wie Sie Mit- und Nachwelt belehren, veredlen und erfreuen!

Von meinem l. Wiebeking, der seit den ersten Tagen des Monats September eine Reise nach Italien unternommen, kann ich Ihnen heute nichts sagen, als daß er sich sehr wohl in diesem schönen Lande befindet und wichtige Materialien zu seinem neuen architektonischen Werke dort einsammlet; sein lezter Brief war von Mailand, von wo er über die Schweiz zurückzukehren gedenkt. Meine Tochter Köhler hat sich Ihres freundlichen Andenkens sehr erfreuet und trägt mir viel Schönes an Sie auf; sie und ich haben in dem kleinen dreyjährigen Sohn unsrer verewigten Fanny, der ihr geistig und körperlich ähnlich zu werden verspricht, Trost und süße lohnende Beschäftigung. Schlichtegroll’s Tod haben Sie gewiß nicht ohne Theilnahme gelesen; er ward seiner Familie zu früh entrißen! seine gebeugte Wittwe und Kinder empfehlen sich Ihnen, besonders der Baurath, dem in London der Vorzug ward, Sie wiederzusehen.

Wenn Sie Carl Maria Weber sehen, so bitte ich Sie, ihn freundlich von mir zu grüßen. Ich habe den Triumpf dieses genialen Künstlers mit allen seinen Freunden gefeiert.

Ich schließe, indem ich Ihnen herzlich Lebewohl zurufe mit der Bitte, mich in Ihrem freundschaftlichen Andenken zu erhalten. Zeitlebens

Ihre
aufrichtig ergebene
Freundin
Charlotte von Wiebeking.

Wiese, Sigismund

Geb. am 27. December 1800 zu Kulm, gestorben im März 1864 zu Genthin.

Dr. Rudolph Koepke schreibt uns auf unsere bittende Anfrage über den sonderbaren Mann folgendes:

„W. studierte in Berlin Naturwissenschaften, arbeitete einige Zeit beim Oberbergamte, verließ den Dienst, um der Litteratur zu leben, trat seit 1833 als Dramen- und Romanen-Dichter auf: Hermann (1833.) – Theodor (1834.), Romane. – Drei Trauerspiele (1835.) – Drei Dramen (1836.), darunter: Paulus – Beethoven. – Friedrich, Roman (1836.) – Don Juan (1840.) – Moses (1844.) – Jesus (1844.), Dramen. – Das Trauerspiel Petrus – und manches Andere.

Mit bitterer Armuth kämpfend erhielt er durch Humboldt’s und Tieck’s Verwendung die sogenannte königl. Dichterpension von 300 Thlr. – Persönliche Verbindungen hatte er, außer der mit Tieck, keine von irgend welchem Einfluß, aber bei einigen angeregten Studenten hatte seine dunkle Mystik Eingang gefunden, und durch sie lernte ich mehrere seiner Sachen im Manuskripte kennen, bis ich (K.) später bei Tieck mit ihm zusammen traf. Es war ein Mann mit früh ergrautem Haar, eckig, scheu, sonderbar in Erscheinung und Wesen; schwerfällig und jäh in Rede und Ansicht. Man erkannte in ihm den Einsiedler als Mensch wie als Dichter; vielleicht erst: „verachtet – nun Verächter!“ – Auf dem Lande bei Potsdam, in Magdeburg, zuletzt in Genthin lebte er in tiefer Einsamkeit, ein Prophet und eine Stimme in der Wüste, deren Niemand achtete; freilich kaum zu verwundern, da er auf die Welt wirken wollte, die er nicht kannte!

Er war ohne Zweifel ein tiefes, aber dunkles und schweres Talent. Indem er der Poesie durch das Christenthum einen Halt geben, sie zum Ausdrucke desselben machen wollte, irrte er darin entschieden, wenn er glaubte Dogmen und Charaktere in ihrer biblischen Gestalt einführen zu müssen. Dadurch gerieth er in die Gefahr, die Einfachheit der biblischen Ueberlieferung zu stören, ohne der Poesie zu genügen, und so verdarb er’s mit beiden.

Ein Lyriker war er sicher nicht; sein Geburtstagsgedicht an Tieck ist herzlich schlecht; eine stolpernde Reimerei confuser Anspielungen &c.“ (K.)

Dasselbe müssen wir von den andern Versen bekennen, welche sich zwischen seinen Briefen befinden. Von letzteren, deren Masse unzählbar ist (in manchem Monat ein Dutzend), haben wir wenige ausgesucht, die etwa eine Uebersicht von seinem, – gar oft durch zweifelnden und verzweifelnden Mißmuth gestörten Verhältnisse zu Tieck geben.

I

Berlin, d. 2ten Februar 28.
Wohlgeborener,
Hochgeehrter Herr Hofrath

Seit meiner letzten Zuschrift an Ew. Wohlgeboren verfloß abermals ein Monat, ohne daß ich mich der erbetenen Antwort erfreuen durfte. Im Ganzen sind nun die oft genannten Manuscripte fast ein Jahr in Ihren Händen; Sie bemerkten, daß sie mit Talent und Liebe verfaßt seien, und schwiegen die lange Zeit hindurch, schwiegen auf meine wiederholte dringende Bitte! Unerklärlich nach meinen Principien. Ein Mann, denk ich mir, mit Kraft und Liebe der Dramaturgie ergeben, von großem Einfluße auf Literatur und Kunst, wie er selbst wißen muß, ein berühmter Dichter, human – ein solcher, meine ich, unterrichte gern, wo er Talent wahrnahm, wo er aufrichtig, zutrauensvoll um Unterricht gebeten worden; sei auch der Kreis seiner Thätigkeit sehr groß, größer als ich ihn hier denken darf, ein Stündchen oder zwei – und so viele Monate! Wenn aber die Anerkennung dieses Talents zu früh geschah, bei näherer Würdigung nicht haltbar schien? Aber bat ich nicht um Kritik im Allgemeinen? zwei Worte hätten dann genügt, ich hätte Antwort. Doch ist jener Fall Voraussetzung schlechthin, denn weder ich weiß mich so isolirt mit meiner Weltanschauung, daß nicht, was mich ergriff und beschäftigte, auch Andere ergreifen müße, noch weiß ich, daß Ew. Wohlgeboren jene mathematische Begeisterung kennen, die nach äußeren Regeln empfindet, in Zahlen die Wege des Himmels berechnet und nur gelten läßt, was von solchem Krüppel seinen Ursprung nimmt. Das ist es ja eben, was mich bestimmte, bei Ew. Wohlgeboren Raths zu erholen, weil Sie das Maaß des tragisch Schönen nicht in einer Doctrin suchen und – doch hiervon wollt ich nicht sagen, sondern nur jene Prämiße rechtfertigen. Vielleicht waren Sie einmal in einer Lage, wie ich bei dieser Angelegenheit, vielleicht nicht, dann kann es Ihnen nach all’ den Zuschriften nicht schwer sein, sie zu denken, denken Sie an sie, und hierum bitt ich wieder.

Mit aufrichtiger Hochschätzung

Ew. Wohlgeboren
ergebenster
Wiese.

II

Berlin, 6ten Jan. 1829.
Wohlgeborener,
Hochverehrter Herr Hofrath

Ich bin lange mit mir zu Rathe gegangen, ob ich diesen entscheidenden Schritt thun sollte und mehr die Aussicht, die sich mir in Ihnen, hochgeehrter Herr Hofrath, darzubieten schien, neben einer sichern Leitung meines Geistes auf ehrenwerthe Art in Correspondenz mit dem Publikum zu kommen, als mein eigner Wille hielt mich davon zurück: – nun aber erwog ich, daß meine Hoffnung doch wohl eitel gewesen, denn ihr gemäß behandelten mich Ew. Wohlgeboren keineswegs, so vielmehr, wie man etwa – ich kann den Satz nicht ausschreiben, weil er mich verkleinernd schildern müßte. Bei Gott, meine Seele ist fern von Eigendünkel, aber mir geschieht Unrecht. Es widerstrebt mir, mehr davon zu sagen. Ich bitte demnach um gefällige Rücksendung der Ihnen mit freudiger Zuversicht übersendeten Manuscripte, weiß ich gleich nicht, auf was für Art ich bei meiner verbandlosen Stellung in der Welt jene äußerlichen Zwecke erreichen werde; aber ich bitte um Rücksendung der Manuscripte – auch floßen mir jene Worte fast ohne meinen Willen aus der Feder, und sollen Ew. Wohlgeboren durchaus nicht veranlaßen, aus irgend einem anderen Motiv für mich etwas zu thun, als – der Sache selbst wegen. Ich müßte ja an Gemüth, Phantasie, Urtheil, Ursprünglichkeit, Wahrheit verzweifeln, mich selbst der dummsten Thorheit zeihen, wenn ich auf jene Versuche nicht einiges Moment legte, bei deren Abfaßung ich mich erhoben, erschüttert, sicher unterscheidend schauend fühlte, wenn ich ihre ungeschminkte Wirkung auf Menschen von ganz verschiedener Art und Bildung mißkennete, die, wie vieles sie auch entgegnen mochten, darin übereinstimmten, daß sie ergriffen wurden, wenn ich bei partheiischer Vergleichung mit den dramatischen Schriftstellern unserer Zeit – partheiisch, weil Mißtraun in eigene Kräfte mich zu dieser Vergleichung bewegt – nicht einsähe, daß ich mich den beßeren vergleichen darf; ich müßte ungereimt empfinden, denken, wenn ich mich überzeugen sollte, ich hätte Ihnen das Hohle, Richtige dargeboten; – deßhalb darf ich wiederholen, daß mir Unrecht geschieht, und die eigene Ueberzeugung, ein redlich treues Streben, wesentlicher Eifer, vielleicht auch das gleiche Schicksal mehrerer zum Theil beßerer Köpfe, als ich bin, die meinen Weg gingen, werden mich trösten, wenn ich immer wieder auf mich zurückgedrängt in einen freien, fröhlichen Verkehr mit dem Publikum nicht treten darf.

Mit geziemender Hochachtung

Ew. Wohlgeboren
ganz ergebenster
S. Wiese.

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01 kasım 2017
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