Kitabı oku: «Briefe an Ludwig Tieck 4», sayfa 3
Genehmigen Sie den Ausdruck der innigen Verehrung von Ihrem für die höchsten Genüsse ewig dankbaren
G. Schwab.
Das Morgenblatt hofft sehnlich auf Ihre Beiträge.
Seckendorf, Gustav Freiherr von
Geb. zu Meuselwitz bei Altenburg am 20. November 1775, gestorben in Amerika 1823.
Otto III., Tragödie (1805.) – Orsina, 1816. – Vorlesungen über Deklamation und Mimik, 2 Bde. (1816.) – &c. Redigirte auch die Zeitschrift Prometheus.
Unter seinem Autornamen Patrik Peale zeigte er sich auf verschiedenen Theatern als plastisch-mimischer Künstler, und schlug sich als Docent, Musikdirector, Musiklehrer, Schriftsteller durch Deutschland und Amerika, ohne einen sichern Aufenthalt zu finden, vor dem allersichersten im Grabe. In wie fern das Mißlingen all’ seiner verschiedenen Unternehmungen von äußerlichem Unglück verursacht wurde? in wie fern es aus ihm selbst hervorging? wer wagt darüber zu entscheiden? Nicht abgeleugnet kann werden, daß er die Aufmerksamkeit vorzüglicher Männer zu erregen im Stande gewesen.
Solger schreibt an Friedrich v. Raumer: „der Mann hat mir bei einem Besuche einige Beispiele von seinem Talent und einer wirklich seltenen Macht über sein Gesicht gegeben: so z.B. drückte er mit der linken Seite des Gesichts den tiefsten Schmerz aus, so daß er sogar mit dem linken Auge weinte, während die rechte Seite ganz unverändert blieb.“
Das schmeckt nun freilich mehr nach Kunststücken, als nach Kunst.
Wien, 1. Dec. 1808.
Noch kann ich mich über Ihre schnelle, gar nicht vermuthete Abreise nicht zufrieden geben, in einem Augenblick, wo ich mir soviel von Ihrer Unterstützung versprochen hatte, wo es leichter, als zu irgend einem andern Zeitpunkt war, einen bedeutenden Einfluß auf die hiesigen Theater sich zu sichern, und vereint auf ein schönes Ziel hinzuwirken. Sie werden mir freilich einwenden, daß diese meine Ideen vielleicht ganz außer Ihrem Gesichtskreise lagen, mit Ihrer Neigung unvereinbarlich waren – allein vergeben Sie mir, wenn ich keine Kraft erblicke, ohne ihr zugleich in Gedanken ein bestimmtes Ziel anzuweisen, wenn ich gern alles Edle und Schöne um mich vereinigen möchte, um so vereint, eine bleibende Stätte für die Kunst zu gründen. Und hier scheint mir durch die Entziehung Ihrer persönlichen Gegenwart ein großes Hinderniß entstanden. Nennen Sie es immerhin Träume, wenn ich mir Sie an der Spize der hiesigen Theaterwelt, und mich als Ihren Gehülfen dabei dachte. In Ihrer Persönlichkeit lagen alle Mittel dazu, und was nun vielleicht auf Umwegen durch jahrelange Bemühungen nicht erreicht werden kann – das hätte Ihre Gegenwart, mit diesem Sinn das Gute überall anzuerkennen, und an seinen Plaz zu stellen, mit dieser poetischen Schöpfungskraft – und nicht zu vergessen die jezige Verlegenheit der Direktion, welche zwischen zwei Stühlen, Hartel und Iffland, sitzt, möglich gemacht. Dieser Augenblick kehrt vielleicht nie zurück – nie die Möglichkeit eines entschiedenen Einflusses auf Hartel durch seine Verwandte, wovon ich selbst nichts wußte – denn er geht nun in 4 Wochen vom Theater ab. Iffland kommt auch nicht, folglich wird – Sonnleithner oder gar etwas ärgers das Factotum werden. Nun sind das alles fromme Wünsche. Ich werde wohl nicht nachlassen, aber ich habe auch nur den guten Willen, mit den Menschen vermag ich nichts anzufangen. Auch hat mir meine erste Verbindung mit Stoll zu viel geschadet.
Dagegen scheint es nun mit der Fortsezung des Prometheus Ernst zu werden. Wenn Sie diese Zeilen erhalten, ist als wahrscheinlich mit Cotta entschieden. Er ist nicht abgeneigt, und ich habe billige Bedingungen gemacht, und hoffe jezt seine günstige Definitiventscheidung. Auf diesen Fall rechne ich bestimmt auf Ihre Mitwirkung, und so schnell es sein kann, auf die Uebersicht der hiesigen Theater, wozu Sie mir Hoffnung gemacht haben. Diese ist ganz dazu geeignet das hiesige Publikum günstig für die Zeitschrift zu stimmen. In der Folge hoffe ich auch auf den Aufsatz über das teutsche Theater überhaupt, und über Fleck. Ich erwarte Ihre Bedingungen, bitte Sie aber, mir Ihre Abreise von München, und Ihren künftigen Aufenthalt sogleich wissen zu lassen. – Schlegel läßt Sie herzlich grüßen. Knorring und (? unlesbar) machen noch immer keine Anstalt zur Abfahrt. Der jüngere Collin geht in 14 Tagen nach Krakau, als Professor der Aesthethik. – Empfehlen Sie mich Mad. Bernhardi und gedenken meiner zuweilen in Ehren.
Seckendorf.(Vordre Schenkenstraße No. 23.)
Seidel, Max Johann
Es kann Einer ein sehr guter, naturwahrer, allbeliebter Komiker, und braucht deshalb eben kein Musterbriefsteller zu sein. Daß Herr Seidel Ersteres gewesen, wissen alle älteren Weimaraner, so wie sämmtliche Besucher Ilm-Athens, die den lustigen Mann auf der Bühne gesehen. Daß er letzteres nicht gewesen, geht aus diesem Briefe hervor, den wir deshalb doch nicht weglassen wollen; denn er schildert einen wichtigen Tag aus Goethe’s Leben treuherzig und unbefangen. Die Bezeichnung „biederer Greis,“ die S. auf Goethe anwendet, erinnert uns an einen andern Schauspieler, der zur Jahres-Feier der Schlacht bei Belle-Alliance einen Prolog zu sprechen und in diesem von dem Einzuge in Frankreichs Hauptstadt zu reden hatte, das richtige Beiwort vergaß, und voll Verlegenheit sagte:
„Wir aber folgen Dir, das ist gewiß,
Und grüßen Dich im traulichen Paris.“
Auf Goethe hätte sich wohl ein umfassenderes Epitheton finden lassen als grade „bieder“. Und dennoch hat dieses, in dieser Ideenfolge, etwas eigenthümlich Hübsches, denn es giebt den Eindruck deutlich wieder, den der alte Herr durch sein schlicht-patriarchalisches Benehmen, während jener festlichen Momente, auf die Umgebungen ausgeübt. Goethe ließ sich durch die Huldigung, die König Ludwig ihm hochherzig darbot, nicht aus dem Geleise bringen.
Weimar, den 31ten Aug. 1827.
Verehrtester Herr Hofrath!
Nehmen Sie dieses Schreiben als einen Beweis, daß die, zwar kurzen Augenblicke, wo meine Frau und ich das Vergnügen hatten, Ihre persönliche Bekanntschaft in Teplitz zu machen, uns unvergeßlich sind, und daß wir uns oft und mit Freuden daran erinnern. Diese Zeilen sollen dazu dienen, die mir so werthe Bekanntschaft zu erneuern, denn, daß Sie meine Kühnheit, an Sie zu schreiben, nicht übel deuten werden, bin ich überzeugt, aber wäre ich es doch auch davon, daß das, was ich schreibe, für Sie Interesse hätte. Ich will es versuchen; vielleicht gewährt Ihnen eine kleine Erzählung von Goethe’s Geburtstagsfeier, da ich Augen- und Ohrenzeuge war, einiges Vergnügen.
Daß Göthe’s Geburtstag, den 28t. August, von seinen Freunden und Verehrern alle Jahre laut gefeiert wird, ist Ihnen sicherlich bekannt; jedoch vernehmen Sie, verehrtester Herr, welche freudige Ueberraschung ihm, dem biedern Greise (!) zu Theil wurde.
Den 27t. August Abends kam hier ein Fremder mit Extra-Post im Gasthofe zum Erbprinzen an, und läßt sich bei unserem Großherzog unter dem Titel und Namen des Ober-Stallmeister von Keßling am königl. bairischen Hofe, anmelden, mit dem Zusatze: früh acht Uhr sich bei Sr. kgl. Hoheit dem Großherzog vorzustellen; allein, noch ehe die Uhr halb 8 geschlagen, fährt unser Großherzog an dem Gasthofe zum Erbprinzen vor, und macht seine Aufwartung dem – Könige von Baiern, welcher incognito hier ankam, um Göthe an seinem Geburtstage zu überraschen, Glück zu wünschen und ihn persönlich kennen zu lernen.
Gegen 11 Uhr Mittags fuhren Sr. Maj. der König und unser Serenissimus, der Großherzog, bei Göthe’n vor.
Göthe war den Tag besonders gut gelaunt, er war froh und heiter und wie verjüngt erschien er der Gesellschaft, die sehr zahlreich war, denn, er nahm alle Besuche an, sprach mit jedem und freute sich der vielen Theilnahme, die wir an ihm nehmen; da traten der Großherzog und der König ein, schon angemeldet, die Anwesenden traten zurück. Der König ging auf ihn zu, bezeugte durch huldvolle Worte seine Freude, ihm diese Ueberraschung vorbehalten zu haben, und zog aus seiner Rocktasche ein rothes Kästchen hervor, worin der Zivil-Verdienstorden der königl. bairischen Krone, Großkreutz und Stern sich befanden, welches er Göthe’n mit den Worten überreichte: hier (auf Göthe’s Brust deutend), wird sich wohl noch ein Plätzchen finden, wo sie dieses anheften können. Alles bezeugte seine Theilnahme und Freude, Göthe war sehr überrascht, unterhielt sich dann über eine Stunde noch mit den fürstlichen Personen, die sich theilweise auch zu den Anwesenden gewendet hatten. Der König war über alles entzückt, was er sah und hörte und nach 12 Uhr beurlaubten sich die fürstlichen Personen.
Unser guter Fürst, der Großherzog, hat sich wieder sehr erholt, obgleich ihn das Teplitzer Bad sehr angegriffen hatte und er einige Zeit nach der Badekur krank darnieder lag; er hatte bei Göthe die Gnade mich zu bemerken und mit mir und meiner Frau zu sprechen; auch er äußerte seine große Freude über die unvermuthete Ankunft des Königs, doch als derselbe sich als „von Keßling“ anmelden ließen, schlossen Sie gleich, daß es der König sey, welcher meist in der Gesellschaft des „von Keßling“ reist.
Mittags war eine große Gesellschaft, die aus Göthe’s Verehrern bestand, bei einem glänzenden Gastmahle, welches im hiesigen Stadthaussaale gehalten wurde, versammelt, an welcher auch meine Wenigkeit Antheil genommen. Mehrere Gedichte, die wechselsweise gesprochen und gesungen wurden, habe mir die Freiheit genommen Ihnen zu übersenden.
Herr Kanzlar von Müller sprach das Gedicht „zur Weihe des Tafelfestes“ als Einleitungsrede, worauf denn unserm geliebten Fürsten ein 3maliges Lebehoch gebracht wurde. Dieses, so wie No. 2, sind von Herrn Kanzlar von Müller selbst gedichtet, so wie das ganze Arrangement zu voller Zufriedenheit aller Anwesenden von ihm getroffen war.
Herr Kapellmeister Hummel lieferte uns eine vortreffliche Composition, welche eben so vortrefflich ausgeführt wurde. Herr Kammersänger und Oberdirektor Stromeier trug, wie immer, voll Gefühl und klangvoller Stimme die Gesänge vor, eben so Herr Kammersänger Moltke, auch Herr Musikdirektor Eberwein leistete Vortreffliches.
Unter dem Jubelrufe: Auch die Todten sollen leben! von Herrn Geheimen Kammerrath von Göthe (Sohn) ausgebracht, wurde den Manen Wieland’s, Herder’s und Schiller’s ein Lebehoch gebracht. Abends wurde dem König von Baiern zu Ehren Freiball im hiesigen Schießhaussaale gegeben, wobei der König und unser ganze Hof gegenwärtig waren.
Zugleich war der Ball, durch das jezt hier stattfindende Vogelschießen, von vielen Fremden besucht, die sich zu diesem seltenen Vergnügen hier einzufinden pflegen.
Das Theater sollte erst den 3t. September zum Geburtstag des Großherzogs eröffnet werden, mit „der Schnee.“ Zum erstenmal aber auf Verlangen des Königs geschah dies schon den 29t. August mit „die humoristischen Studien“ und „die 7 Mädchen in Uniform;“ beide Piecen gingen vortrefflich.
Gestern reiste der König von hier wieder fort.
Verehrtester Herr Hofrath, daß meine Frau und ich es sehr bedauerten Sie nicht in Dresden getroffen zu haben, werden Sie ganz in der Ordnung finden; denn Ihren Vorlesungen beiwohnen zu können, zähle ich (nur aus dem, was ich davon erzählen hörte) zu dem herrlichsten und größten Kunstgenuß unserer Zeit, und die Eile, mit der ich nach Hause berufen wurde, brachte mich darum; doch wir werden nicht versäumen kommendes Frühjahr oder Sommer Ihnen unsere ergebenste Aufwartung zu machen, und dann zweifle ich nicht an Ihrer Gewogenheit, daß Sie uns durch Ihr so schönes, seltenes Talent Gelegenheit geben werden, Sie einigemal bewundern zu können.
Indem wir uns Ihrem gütigem Wohlwollen bestens empfehlen, unterzeichne ich mich als
Dero ganz ergebenster DienerMax. Joh. Seidel.
P. S. Ich gebe Ihnen noch eine kleine Anekdote zum Besten, die sich in der sich hier befindenden Menagerie der Herrn van Aken und Martin ereignete, als der König von Baiern selbe besuchte. Der Wärter dieser Thiere, welchen die Gegenwart des Königs verlegen machte, zeigte unter anderm auch den sich dabei befindenden großen Löwen, und sagte: Hier ist Sr. Majestät, der größte jezt lebende König – der Thiere. – Wir alle lachten, doch der König von Baiern schien es nicht gehört zu haben.
Vermuthlich wollte er sagen: Hier Majestät, hier sehen Sie den größten Löwen, der in Deutschland gezeigt wird (welche Rede er zu jedem andern spricht).
Skepsgardh, Otto von
Das völlig verrückte Buch: „Drei Vorreden. Rosen und Golem-Tieck, eine tragikomische Geschichte, mit einer Vorrede von Friedr. Rückert“ hat trotz seiner wahrhaft niederträchtigen Ausfälle gegen Tieck so wenig Beachtung gefunden, daß wir lange vergeblich nach einem Menschen suchen mußten, der es nur angesehen. Als wir’s denn endlich selbst in Händen hielten, fanden wir’s noch unter der niedrigsten Erwartung. Der Verfasser hat gerade so viel produktives Talent besessen, um sich einzureden, daß er ein Poet sei; aber auch nicht ein Fünkchen mehr. Wo es ihm an Fähigkeit fehlte zu schaffen, da vermeinte er, es fehle den Andern an Fähigkeit ihn zu fassen; an gutem Willen ihn zu fördern. In Tieck, der ihn lange mit freigebiger Hand unterstützte, erblickte er einen Neider. Er sagt in der Vorrede zu jenen „drei Vorreden“ (lauter unsinniges Zeug!) „Tieck verschmähte es sogar nicht, mir zu zeigen, daß er mich fürchte. Gäbe Gott, er bekäme Ursache dazu!“
Was er eine Kritik Rückerts nennt, sind ein Paar Zeilen, die dieser gutmüthig und mitleidig einem Unbekannten, der sich an ihn drängte, über einen ersten Versuch hinwarf – gewiß nicht ahnend, daß der Empfänger die Frechheit haben werde, diese Zeilen vor ein hirnverbranntes opus zu setzen, dessen Schluß die gemeinsten Anschuldigungen wider seinen Wohlthäter enthält. Doch spricht eigentlich aus dem Autor wie aus dessen Buche schon der Wahnsinn. – In diesem soll er denn auch – (denn er ist längst verschollen) – seinem unseligen Dasein ein Ende gemacht haben.
In zwei Punkten ist jedoch Tieck hier abermals anzuklagen. Erstens, wegen der wahrhaft leichtsinnig-gutmüthigen Schwäche, womit er jedem Zudringlichen Ohr, Herz und Hand öffnete, bevor er ihn genauer kannte; zweitens wegen der Saumseligkeit, die er sich dann zu Schulden kommen ließ, wenn er einen solchen Menschen endlich durchschaut hatte, und den nothwendigen Bruch verschob, aus Mangel an Entschluß.
Hätte er dem eitlen Narren sein Manuskript umgehend zurückgeschickt und kurz erklärt, was er davon halte, so könnten die Vorwürfe ihn nicht getroffen haben, die der dritte Brief enthält.
I
Berlin, d. 12ten August 1843.
Hochverehrter Herr Geheimerrath!
Im Vertrauen auf die mir, als einem Strebenden von Ihnen so freundlich zu Theil gewordene Berücksichtigung erlaube ich mir Ihnen den zweiten Theil meines Romans so umgearbeitet zu überschicken, wie ich ihn gern gleich damals gesehn hätte, als Sie so gütig waren dem rohen Entwurf Ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Wieder muß ich’s bedauern, Sie damals mit dem ungefügen Produkt belästigt und Ihnen so vielleicht die Lust, es noch einmal durchzusehn, benommen zu haben. Doch ist der größeste Theil völlig neu und das Alte nur an wenigen Stellen geblieben wie es war. Ich glaube alles gethan zu haben, was in so kurzer Zeit und bei meiner Lage an einem Werke zu thun möglich ist, dem man entwachsen zu sein glaubt, oder dessen gute Idee man doch mindestens gern von vorn herein ganz anders angelegt wünschte. Ihre Winke hab’ ich mir, wie Sie sehn werden, überall zu Nutz gemacht und bitte Sie nur sehr, sich durch das erste Kapitel nicht abschrecken zu lassen, das mit Fleiß etwas sandig angelegt ist, damit das Interesse in dem Maße zunähme, als man sich der Poesie des Landlebens nähert. Indem ich Ihre Erlaubniß, Sie am Schlusse des Werkchens einführen zu dürfen, benutzte, hab’ ich daselbst alles gesagt, was ich von der Angelegenheit mit der Vorrede fürchte und hoffe. Sollte Ihnen etwas im Werkchen misfallen und Sie darum Bedenken tragen, meinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, so haben Sie die Güte, das Mißfällige fortzustreichen und wenn auch darüber die halbe Arbeit draufginge. Wer schlechtes einbüßt gewinnt. In einigen Tagen werde ich nach Ihrer Anweisung auch mit dem ersten Theil, aber hier nur bescheidend verfahren, womit ich in 8 Tagen fertig zu sein hoffe. All’ meine Hoffnung, so wie die meiner armen Schwester, ist jetzt auf das Werkchen und Sie gerichtet. Sein Sie mir nicht böse, daß ich an der Stelle, wo ich Sie in das Märchen einführen durfte, meiner Begeistrung keine zu engen Schranken anlegte3, ich bin Ihnen mehr schuldig als Sie vielleicht ahnen, ich habe Ihnen die Idee zu verdanken, in welcher allein die Poesie liegt, daß nur die allmächtige Leidenschaft poetisch sei, und daß alle Kunst darin bestehe, diesen Strom von seinem Ursprunge an bis an das Meer zu verfolgen, indem man weder die Blumen am Ufer noch die künstlichen Hemmungen vergißt, welche des Stromes Gewalt vergrößern, indem sie ihn aufhalten, so daß er in Diamanten stäuben und in Strahlen schäumen muß. Jetzt verstehe ich Romeo und Julie, Werther, Coriolan u. a. Meisterwerke erst. Sie werden vielleicht über den jungen Menschen lächeln, der eine Ihnen sicher längst geläufige Idee so prahlend hervorhebt, aber solche Gedanken entscheiden mehr als alles, das fühl ich, über die Richtung, die ein strebender Geist einschlägt; oder sie ersparen wenigstens ein langwieriges Tappen auf gut Glück. – Wenn doch das Schicksal mir den einen stolzen Wunsch gewährte, einem Manne in der Litteratur, bevor er vom Leben scheidet Freude zu machen, einem verehrten Manne, bei dem man sich eben nicht auf die honetteste Weise eingeführt hat.
Ich will Sie nicht mit zu langem Geschwätz ermüden, zumal auch meine Schwester sich’s nicht nehmen läßt an Sie zu schreiben. Gott schenke Ihnen noch lange Gesundheit und heitern Muth, damit auch ich noch lange von einem Auge weiß, das auf mir ruhend mich zu Thaten anspornt.
Mit vollkommner Hochachtung
Ihr ergebensterOtto v. Skepsgardh.
II
Berlin, d. 31sten August 1843.
Hochverehrter Herr Geheimrath!
Ich bin so frei Ihnen wieder ein Werkchen zu schicken, diesesmal jedoch nur mit der Bitte um Ihr Urtheil darüber. Es ist in vier Tagen aufgefaßt und niedergeschrieben, als Ableitung einer peinigenden Ungeduld. Um den dritten Akt bin ich etwas besorgt, da ich ihn gleich gestern Abend in’s Reine geschrieben. Noch keine meiner Arbeiten hat mir jedoch unmittelbar nach der Vollendung so im Ganzen gefallen, als dieser melankolische Scherz und ich nehme das für ein gutes Zeichen. Freuen würd’ es mich, wenn das Stück sich Ihre Zufriedenheit erwürbe, da ich als Dramatiker nicht wohl bei Ihnen zum ersten Male bestanden. Ist es wohl werth aufgeführt zu werden? Welchen Weg hätte ich da einzuschlagen. Ein bloßes Hinsenden an eine Direktion ist langwierig und mir wäre es lieb wegen meiner Schwester, je eher desto lieber einen kleinen Einfluß auf die Bretterwelt zu erlangen. Werden Sie mich auch nicht für unleidlich zudringlich ansehn müssen? Aber setzen Sie sich in meine Lage, die in diesem Augenblick nicht die beste ist, wäre nicht noch das Bißchen Hoffnung, so müßte man verzweifeln. Alle meine Schritte für uns das Nothwendige zu besorgen, sind bis heute fruchtlos im Wesentlichen geblieben. Nun faßte ich den Plan, meine Vorreden an einen kunstliebenden, mir bekannten hiesigen Bankier, der mir in frühern Zeiten manchmal geholfen, zu schicken mit einer Art von Zueignung an ihn und der beiläufigen Bitte um einen Vorschuß von 30 Thlr., bis das Werk gedruckt ist. Ich würde wie ich den Mann kenne nicht schlecht spekuliren, wenn er um Ihre Vorrede wüßte, aber auch nur in diesem Falle dürfte ich hoffen, denn der Mann hat kein selbstständiges Urtheil. So unangenehm das ganze Verfahren mich auch berühren möchte, so thäte ich’s doch, wenn Sie mir die Erlaubniß dazu gäben, denn was unternimmt man nicht in der Noth. Meiner Schwester Engagement nach Strahlsund ist fest und hat sich so verzögern lassen, daß wir erst zum 15ten Sept. dazusein brauchen. Da wäre nun wieder Raum zu spekuliren und zu hoffen.
Ich habe in diesen Tagen auf der Folter gelegen; allerlei Vermuthungen, wie sie mir bald die Furcht, bald die Hoffnung eingab, gingen mir durch den Kopf. Ich konnte es nicht unterlassen, mich auf der Post zu erkundigen, ob Briefe an Sie auch sicher bestellt seien? Die Antwort war beruhigend und ich schrieb an meinem Drama. Nun es fertig ist, erwache ich aus einem Traume und sehe besorgt um mich. Verzeihen Sie meiner Ungeduld, stets schwebe ich in Angst, Sie möchten unsrer schon überdrüssig sein oder es doch alle Augenblicke werden. Meine Schwester nimmt sich die Freiheit selbst an Sie zu schreiben und auch ich hätte Sie noch nicht belästigt, wüßte ich nicht, daß ich in einem meiner Briefe Ihnen geschrieben, wir könnten schon zum 1sten Sept. fort sein. Nun fiel es mir ein, daß Sie dann nicht wissen würden, wo wir eigentlich stecken, falls Sie uns mit einigen Worten beglücken wollten. Bei den Karten sucht’ ich nach alter Angewöhnung auch schon Trost, fand aber keinen sonderlichen, denn sie sprechen in der letzten Zeit nur von Unwohlsein und Fehlschlägen, die Sie in Gedanken führen sollen.
Gott wende alles zum Besten, erwerbe oder erhalte mir Ihr Wohlwollen.
Hochachtungsvoll
Ihr
ergebensterv. Skepsgardh.