Kitabı oku: «Digitalisierung im Marketing»

PRAXISWISSEN Management
Herausgegeben von Rainer Völker
Stefan Lacher/Philipp Tachkov/Rainer Völker (Hrsg.)
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1. Auflage 2021
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-037408-9
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-037409-6
epub: ISBN 978-3-17-037410-2
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Vorwort der Herausgeber
Die Buchreihe »Praxiswissen Management« greift aktuelle Themen des Managements auf und illustriert Entwicklungen in Unternehmenspraxis wie angewandter Wissenschaft. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklungen ist die digitale Transformation, die ebenso wie in anderen Lebensbereichen auch ökonomische Vorgänge tiefgreifend beeinflusst. Was die Wirtschaft angeht, sind wie in anderen Unternehmensbereichen auch im Marketing mit der Digitalisierung diverse Chancen und Herausforderungen verbunden. So wird zum Beispiel durch datengestützte Personalisierung eine erleichterte und intensivere Interaktion mit Kunden mit verbesserten Feedbackoptionen ermöglicht. Die stärkere Kundenzentrierung führt zu besserem Verstehen von Kundenbedürfnissen und der Customer Journey. Die Kundenansprache geschieht über multiple Kanäle (Multichannel / Onmichannel), wobei die Wirkungsmessung von Marketingmaßnahmen durch die intelligente Analyse vielfältiger anfallender Daten stark verbessert wird. Letztlich ergeben sich für Unternehmen viele neue Möglichkeiten für eine verbesserte Differenzierung vom Wettbewerb und für das Kreieren von maßgeschneiderten Leistungsangeboten. Um diese Chancen zu ergreifen, sind jedoch auch organisatorische Anpassungen und Erweiterungen von Kompetenzen notwendig. Eine engere Verknüpfung von IT und Marketing ist für die wirkungsvolle digitale Kundeninteraktion unumgänglich, jedoch auch um den Anforderungen an Datensicherheit und –schutz zu genügen. Die Nutzung von Social Media erfordert die permanente Gestaltung von hochwertigem Content.
Der hier kurz angedeutete Wandel manifestiert sich in Unternehmen in vielfacher Weise, und dies abhängig von Branchen, Geschäftsfeldern, Zielgruppen und der Abstimmung des Marketings mit anderen Funktionalbereichen. Dementsprechend möchte der vorliegende Band einen Überblick zu zentralen Herausforderungen liefern und insbesondere die Seite der Umsetzung in Form von Succesful Practices beleuchten. Die Beiträge lassen sich vier thematischen Schwerpunkten zuordnen. Zum einen thematisieren die Beiträge neue Möglichkeiten, Kommunikation und Markenführung zu gestalten. Weiterhin werden die Chancen für das Management der Kundenbeziehung und Impulse für die Entwicklung des Leistungsangebots betrachtet. Schließlich werden einzelne »Schlüsseltechnologien« und ihre Auswirkungen auf die Marketingpraxis dargestellt.
Diese Einblicke geben uns Autoren aus Praxis und Wissenschaft, die sich aus ihren spezifischen Aufgabenstellungen heraus und in unterschiedlichen thematischen Kontexten bereits seit vielen Jahren tiefgehend mit der Thematik beschäftigen. Allen Autorinnen und Autoren möchten wir an dieser Stelle ganz herzlich für ihre hervorragenden Beiträge sowie die Geduld beim Erstellen dieses Sammelbands danken.
Der Band richtet sich primär an Fach- und Führungskräfte, die in ihren Unternehmen mit der Weiterentwicklung des Marketings befasst sind. Diesen Lesern bietet die thematische Vielfalt der Beiträge die Möglichkeit, sich ein differenziertes Bild aktueller Entwicklungen und praktischer Handlungsoptionen zu machen.
Einen ganz besonderen Dank möchten wir Frau Julia Harkcom, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Management und Innovation, aussprechen. Frau Harkcom koordinierte alle Aktivitäten und Kommunikationsvorgänge rund um das Buch, setzte wichtige Impulse im Entstehungsprozess und trug auf vielfältige Weise zum Gelingen des Werkes bei. Nicht zuletzt möchten wir dem Verlag danken, namentlich Herrn Dr. Fliegauf. Wie in den vorangegangenen Bänden begleitete er auch das Entstehen dieses Buches in souveräner und effektiver Weise und stand uns während des gesamten Prozesses stets als kompetenter Partner zur Seite.
Wir wünschen den Lesern bei der Lektüre viel Freude und weiterführende Erkenntnisse.
Ludwigshafen, im August 2021
Stefan Lacher, Philip Tachkov, Rainer Völker
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort der Herausgeber
2 1 Einführung und Überblick zu den behandelten Themen
3 Stefan Lacher und Philipp Tachkov
4 Literatur
5 2 Neue Möglichkeiten für Kommunikation und Markenführung
6 2.1 Digitales Guerilla Marketing
7 Gerd Nufer
8 2.1.1 Einleitung
9 2.1.2 Charakteristika des Guerilla Marketing
10 2.1.3 Marketing-Mix des Guerilla Marketing
11 2.1.4 Kommunikationsinstrumente des digitalen Guerilla Marketing
12 2.1.5 Fazit und Ausblick
13 Literatur
14 2.2 Den Kunden im Netz zuhören – ein praktischer Einblick zur Nutzung von Social Media und Social Listening Tools
15 Laura Anne Brommer
16 2.2.1 Bedeutung und Rolle von Social Media
17 2.2.2 B2B und B2C: zwei Zielgruppen für das Social Media Marketing
18 2.2.3 Anwendung von Social Media Marketing im B2B- und B2C-Bereich
19 2.2.4 Social Listening: welche Tools können Unternehmen einsetzen?
20 2.2.5 Fazit
21 Literatur
22 2.3 Candy- oder Shitstorm: Chancen und Risiken des Social Media-Marketings zur Erschließung der Generation Z
23 Holger Schaaf und Johanna Wolday
24 2.3.1 Generation Z und Social Media
25 2.3.2 Social Media-Marketing
26 2.3.3 Chancen
27 2.3.4 Risiken
28 2.3.5 Fazit
29 Literatur
30 2.4 Die Nutzung von privaten Instagram Stories als Distributionskanal für Content Marketing Strategien
31 Reza Mehman
32 2.4.1 Einleitung
33 2.4.2 Trainingsgruppen
34 2.4.3 Instagram Stories
35 2.4.4 Fazit
36 Literatur
37 2.5 Kompetenzen und Know-how im Omnichannel-Marketing – Unternehmenserfolg durch kanalübergreifende Marketingkommunikation
38 Meike Terstiege
39 2.5.1 Bedeutung – Was bedeutet Omnichannel-Marketing?
40 2.5.2 Kennzeichen – Was kennzeichnet erfolgreiches Omnichannel-Marketing?
41 3.5.3 Erfolgsfaktoren – Was entscheidet über den Erfolg von Omnichannel-Marketing?
42 2.5.4 Herausforderungen – Was sind die Herausforderungen von Omnichannel-Marketing?
43 Literatur
44 2.6 Agiles Marken- und Produktmanagement in Zeiten der Digitalisierung mit dem ganzheitlichen Modell inlike
45 Karl-Josef Mittler
46 2.6.1 Herausforderungen des digitalen Marken- und Produktmanagements
47 2.6.2 Das agile Marken- und Produktmodell inlike
48 2.6.3 Anwendung des agilen Marken- und Produktmodells inlike
49 Literatur
50 3 Chancen für das Management der Kundenbeziehung
51 3.1 Einsatz digitaler Marketinginstrumente zu Beginn der B2B-Kundenbeziehung
52 Elmar Günther
53 3.1.1 Herausforderungen des digitalen B2B-Marketings beim Aufbau von Kundenbeziehungen
54 3.1.2 Digitale B2B-Marketinginstrumente und Phasen der Kundenbeziehung
55 3.1.3 Einsatz digitaler Marketinginstrumente zum Aufbau einer B2B-Kundenbeziehung
56 3.1.4 Ausblick
57 Literatur
58 3.2 Marketing Automation
59 Uwe Hannig
60 3.2.1 Automatisierung repetitiver Aufgaben im Marketing
61 3.2.2 Aktueller Stand der Marketing Automation in Deutschland
62 3.2.3 Einstieg in die Marketing Automation
63 3.2.4 Marketing Automation verbessert das Lead Management
64 3.2.5 Fazit: Marketing Automation kommt
65 Literatur
66 3.3 Digitales Lead Management – Lösungen für Marketing und Vertrieb im Internetzeitalter
67 Norbert Schuster
68 3.3.1 Zentrale Merkmale der Digitalisierung in Marketing und Vertrieb
69 3.3.2 Modernes Lead Management und Marketing Automation
70 3.3.3 Wo ist Marketing Automation im Gesamtprozess des Lead Management verortet?
71 3.3.4 Vorteile von Marketing Automation-Plattformen für das Management von Leads
72 3.3.5 Strategieprozess nach dem Schuster-Modell
73 3.3.6 Handlungsempfehlungen für die Umsetzung von digitalem Lead Management
74 Literatur
75 3.4 Die Top-Kennzahlen im Customer Experience Management (CXM) – Kennzahlen sind wichtige Hinweise für die Entwicklung des CXM
76 Claus W. Gerberich
77 3.4.1 Die Basis: Der Kunde im Mittelpunkt
78 3.4.2 Customer Experience in der angewandten Forschung
79 3.4.3 Der Grundgedanke des Customer Experience Management
80 3.4.4 Vom Marktpotential zur konkreten Zielgruppe
81 3.4.5 Der Kunde im Fokus
82 3.4.6 Kundenanforderungen und Kundenerwartungen
83 3.4.7 Die Sharing Economy
84 3.4.8 Die Customer Journey
85 3.4.9 Touchpoint Management
86 3.4.10 Die Kundenkette
87 3.4.11 Die klassischen Kennzahlen im Kundenmanagement
88 3.4.12 Die Kennzahlen im digitalen Marketing
89 3.4.13 Die Top-Kennzahlen des Customer Experience Managements
90 3.4.14 Das Kunden-Dashboard
91 3.4.15 Net Promoter Score (NPS)
92 3.4.16 Fazit und wesentliche Erkenntnisse
93 Literatur
94 3.5 Verbesserung der Customer Experience am Beispiel von SAP Global Sponsoring
95 Lars Lamadé und Daniela Huckele-Görisch
96 3.5.1 Einleitung
97 3.5.2 Best Practice Beispiele: Verbesserung der Customer Experience am Beispiel von SAP Global Sponsoring
98 3.5.3 Fazit
99 Literatur
100 3.6 Disruptive Prozesse in der digitalen Werbewelt durch die Verordnung über Privatsphäre und elektronische Kommunikation (E-Privacy-Verordnung)
101 Heinrich Hanika und Günter Dhom
102 3.6.1 Einleitung, Anwendungsbereich und Ziele
103 3.6.2 Stellungnahmen
104 3.6.3 Europäisches Gesetzgebungsverfahren
105 3.6.4 Bußgelder und Fazit
106 Literatur
107 4 Impulse für die Entwicklung des Leistungsangebot
108 4.1 Digitale Personalisierung im B2C- und im B2B-Bereich
109 Klaus Heinzelbecker
110 4.1.1 Digitale Personalisierung im B2C-Bereich
111 4.1.2 Digitale Personalisierung im B2B-Bereich
112 4.1.3 Zukunft der digitalen Personalisierung im Marketing
113 Literatur
114 4.2 Datengetrieben Entscheiden durch Continuous Experimentation
115 Nina Meinel
116 4.1.1 Continuous Experimentation als neue Unternehmensphilosophie
117 4.1.2 Mit Continuous Experimentation zu datengetriebenen Entscheidungen
118 Literatur
119 4.3 Marktsegmentierung auf Basis digitaler Datenbestände als Erfolgsfaktor im Portfoliomanagement von Investitionsgütern
120 Hans Joachim Fröhlich
121 4.3.1 Einleitung: Effektive Marktsegmentierung als Herausforderung im Investitionsgüter-Marketing
122 4.3.2 Praxisbeispiel: Digitale Datenbestände als Chance zur Verständniserweiterung im Hinblick auf Bedürfnisse und Präferenzen der Kunden
123 4.3.3 Unmittelbare Erkenntnis: Nicht alle Kunden sind in ihren Präferenzstrukturen gleich
124 4.3.4 Mittelbare Erkenntnis: Von der Kundensegmentierung zur effektiven Portfoliostruktur
125 4.3.5 Fazit: Sorgfalt und Flexibilität in der Umsetzung sichern Glaubwürdigkeit und Geschäftserfolg
126 4.3.6 Ausblick: Schaffung und Nutzung digitaler Datenbestände im Portfoliomanagement als Schlüsselkompetenz kundenzentrierter Investitionsgüterhersteller
127 Literatur
128 4.4 Etablierung neuer Geschäftsfelder in Zukunftsmärkten – Marketing als Impulsgeber für neues Geschäft am Beispiel der Mobilitätsbranche
129 Viktoria Herrmann
130 4.4.1 Marketing als Impulsgeber für neues Geschäft
131 4.4.2 Wie Digitalisierung Märkte verändert und neue Anforderungen an das Marketing stellt: Das Beispiel Mobilitätsbranche
132 4.4.3 Praxisbeispiele DB Regio Mitte
133 4.4.4 Fazit und Ausblick
134 Literatur
135 4.5 Zur Digitalisierung des Lebensmittelhandels und deren Adoption in Deutschland
136 Philipp Piroth und Edith Rüger-Muck
137 4.5.1 Digitaler Lebensmittelhandel in Deutschland – eine internationale Perspektive
138 4.5.2 Stand der Forschung – Ein kurzer Überblick
139 4.5.3 Weitere Entwicklung und Forschungsempfehlungen
140 Literatur
141 4.6 Herausforderung und Möglichkeit durch Disruption und Veränderung im Sportmarketing
142 Peter Weber und Christian Deffte
143 4.6.1 Einleitung
144 4.6.2 Was ist Sportmarketing?
145 4.6.3 Geschichte des Sportmarketings
146 4.6.4 Auswirkungen von Disruption im Sport auf die Disziplin Sportmarketing
147 4.6.5 Unvergleichliche digitale Fan-Erlebnisse kreieren
148 4.6.6 Die Zukunft des Sport Marketings
149 4.6.7 Use Cases: Services Intelligent Research in Sponsoring (IRIS)
150 4.6.8 Resümee
151 Literatur
152 5 Schlüsseltechnologien erfolgreich einsetzen
153 5.1 Einzigartige virtuelle Kundenerlebnisse schaffen – wie Unternehmen durch den Einsatz immersiver Technologien ihre Marken stärken
154 Theresa Ries, Stefan Lacher und Philipp Tachkov
155 5.1.1 Immersive Technologien und ihre Anwendung im Marketing
156 5.1.2 Sieben Erfolgsfaktoren zur Integration von immersiven Technologien in das Marketing
157 5.1.3 Praxisbeispiele
158 5.1.4 Ein Blick in die Zukunft
159 Literatur
160 5.2 Agieren auf Erkenntnissen durch Kundendaten – Unterstützung des Data-Driven Marketing durch Customer Data Management Plattformen
161 Nina Meinel
162 5.2.1 Data-Driven Marketing
163 5.2.2 Bausteine eines effektiven Data-Driven Marketings
164 5.2.3 Die Rolle der Customer Data Platform
165 Literatur
166 5.3 Voice of the Customer: A Feedback-Centered Approach
167 Sylvia Chan-Olmsted, Lisa-Charlotte Wolter und Elisa Dorothee Adam
168 5.3.1 Introduction
169 5.3.2 Voice of the Customer – an overview
170 5.3.3 Implications
171 Literatur
172 5.4 Künstliche Intelligenz – Die Zukunft des Marketing?!
173 Michael Bernecker
174 5.4.1 Was ist künstliche Intelligenz?
175 5.4.2 Die 4 Arten der Künstlichen Intelligenz
176 5.4.3 Methoden der Künstlichen Intelligenz
177 5.4.4 Einsatzgebiete der Künstlichen Intelligenz im Marketing
178 5.4.5 Weitere Einsatzgebiete der Künstlichen Intelligenz
179 5.4.6 Fazit: Künstliche Intelligenz im Marketing nutzen
180 Literatur
181 5.5 Der Einsatz künstlicher Intelligenz zur Optimierung von Marketing- und Vertriebsprozessen
182 Laurenz Wuttke
183 5.5.1 Die Herausforderung, Kunden das richtige Angebot zur richtigen Zeit zu machen
184 5.5.2 Die intelligente Marketing- und Vertriebssteuerung mit künstlicher Intelligenz
185 5.5.3 Vorgehen bei der Implementierung einer KI-Lösung im CRM
186 5.5.4 Praxisbeispiel intelligente Vertriebssteuerung im Callcenter
187 5.5.5 Fazit und Ausblick: Künstliche Intelligenz im CRM
188 Literatur
189 Herausgeber und Autoren
190 Herausgeber
191 Autoren
1 Einführung und Überblick zu den behandelten Themen
Stefan Lacher und Philipp Tachkov
Die Digitalisierung revolutioniert sämtliche Bereiche in den Unternehmen und macht selbstverständlich auch vor dem Marketing nicht Halt. Über Jahrzehnte etablierte Praktiken funktionieren oftmals nicht mehr und die Macht der Kunden steigt durch die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke signifikant an. Gleichzeitig bieten Innovationen auf Basis der Informations- und Kommunikationstechnologien, künstlicher Intelligenz oder immersiver Technologien wie Virtual und Augmented Reality dem Marketing bisher ungeahnte Möglichkeiten in der Interaktion mit den Kunden. Um diese Technologien passend zu implementieren, Marketingprozesse auf die digitale Ebene zu bringen und einen nachhaltigen Mehrwert für die Kunden zu generieren, bedarf es einer erheblich engeren Zusammenarbeit zwischen den Marketing- und IT-Abteilungen der Unternehmen, was in der Praxis jedoch oft zu Konflikten führt. Weitere Herausforderungen betreffen u. a. rechtliche Rahmenbedingungen bezüglich des Umgangs mit Daten, sich verändernde Anforderungen an Marketing-Professionals, neue Potenziale (und Risiken) für die Markenkommunikation und -führung sowie erweiterte Ansätze in der Marktforschung. Dieser Sammelband erläutert wesentliche Entwicklungen und zeigt aktuelle Ausprägungen der Digitalisierung in der Marketingpraxis auf. Aktuelle Successful Practices, die von innovativen Unternehmen entwickelt und angewendet werden, illustrieren dabei eindrücklich die vielfältigen Möglichkeiten.
Die Digitalisierung führt Unternehmen zunehmend in eine »neue Welt« und verändert somit auch die gewohnten Praktiken in Marketing und Vertrieb. Um nicht durch Disruptionen selbst vom Markt verdrängt zu werden, hat ein Großteil der Unternehmen bereits mit der Transformation hin zu einem digitalen Unternehmen begonnen. Der Verkauf wird dann nicht mehr als der Endpunkt des Innovationsprozesses verstanden, sondern stellt den Anfang einer Kundenbeziehung dar, die auf Echtzeitdaten und regelmäßiger Rückmeldung der Nutzer basiert. In diesem Zuge hat sich auch die Verantwortung des Marketings weg von der reinen Unterstützung der Vertriebsaktivitäten und hin zu einer Nutzenmaximierung der Produkte und Dienstleistungen über die gesamte Kundenbeziehung entwickelt. Die relevanten Daten werden zunehmend durch die Produkte bzw. Anwendungen selbst generiert, an den Anbieter übermittelt und müssen dort analysiert werden, um eine nachhaltige Steigerung des Kundennutzens zu erreichen. (Stöger 2019, S. 26)
Doch nicht nur auf der Unternehmensseite verändern sich die etablierten Rahmenbedingungen, auch die Kunden haben aufgrund der Digitalisierung ihr Verhalten geändert. So erlauben mobile Geräte und der damit verbundene Zugang zum Internet eine erheblich flexiblere Informationsbeschaffung und Recherche. Kunden sind nicht mehr allein auf die Empfehlungen der Verkäufer angewiesen, sondern haben Zugang zu anderen Kundenbewertungen in Onlineshops, digitalen Testberichten oder Diskussionen in sozialen Netzwerken. Sie gehen somit deutlich informierter in den Kaufprozess. Des Weiteren hat sich das Nutzungsverhalten mit Hinblick auf die Marketingkanäle verändert. Gerade jüngere Kundengruppen setzen vermehrt auf digitale Kanäle. Beispielsweise geht die Nutzung des traditionellen Fernsehens konstant zurück und im Gegenzug wird auf Streaming-Angebote zurückgegriffen. Ähnliches ist im Bereich der papierbasierten Zeitungen festzustellen, die immer mehr von digitalen Nachrichtenangeboten verdrängt werden. Doch der Wandel beinhaltet nicht nur die Einführung neuer digitaler Werkzeuge und Kanäle, sondern auch die sinnvolle Verknüpfung der digitalen Kanäle mit den vorhandenen analogen Kanälen. (Urbach 2020, S. 7 ff.)
Ein großer Vorteil des Online-Marketings ist, dass die Wirkung von Kampagnen viel direkter ermittelt werden kann als bei traditionellen Marketingaktivitäten. Durch Performance-Marketing kann die Reaktion der Werbungsempfänger für jeden Kanal ermittelt und bewertet werden. Im zeitlichen Verlauf kann dann die Nutzung der verschiedenen Kanäle kontinuierlich optimiert werden, um somit den Erfolg von Kampagnen immer weiter zu verbessern. Idealerweise erfolgt dies nicht nur punktuell, sondern entlang der gesamt Customer Journey. Die erlaubt zu den richtigen Zeitpunkten Marketingimpulse bei den Kunden zu setzen und gleichzeitig die Synergien verschiedener Marketinginstrumente bestmöglich zu nutzen. (Kamps & Schetter 2018, S. 7 f.)
Die digitale Transformation stellt eine Vielzahl von Unternehmen vor große Herausforderungen und diverse Aspekte müssen bei der Umsetzung berücksichtigt werden. So gilt es zu klären, welche der Marketingprozesse durch Digitalisierung optimiert werden sollen und bei welchen Prozessschritten gegebenenfalls eine Automatisierung möglich ist. Wichtig ist eine Analyse, in welchen Bereichen das größte Potential zu erwarten ist und wie hoch die entsprechenden Aufwände sind. Gleichzeitig muss überprüft werden, ob die geplanten Digitalisierungsmaßnahmen zu Strategie und Geschäftsmodell des Unternehmens passen. Und die Unternehmen können hierbei nur eine Momentaufnahme machen bzw. wenige Jahre in die Zukunft schauen, da stets neue technologische Innovationen die Digitalisierung weiter vorantreiben (Urbach 2020, S. 2). Doch nicht hinter jedem Trend verbirgt sich eine bedeutende Innovation. Umso wichtiger ist es, dass die Unternehmen sich ausführlich mit den aktuellen Entwicklungen auseinandersetzen und das konkrete Potential für das eigene Marketingkonzept beurteilen.
Viele Unternehmen sind trotz großer Anstrengungen bei der Digitalisierung von Marketingprozessen in den vergangenen Jahren mit dem bislang Erreichten noch unzufrieden. Das deckt sich mit den Ergebnissen des aktuellen Digitalisierungsindex für Marketing und Vertrieb, der darüber Auskunft gibt, wie digital deutsche Unternehmen in den Unternehmensfunktionen Marketing und Vertrieb aufgestellt sind. Für das Jahr 2020 wurde ein Indexwert von lediglich 49 % gemessen, wobei 100 % vollständig digitalisiert bedeuten würde. Dabei ist als kritisch anzusehen, dass in vielen Unternehmen nur Teilprozesse digitalisiert wurden und das Kundenerlebnis somit oftmals nicht durchgängig digital ist bzw. es zu ungünstigen Medienbrüchen kommt. Ein Grund dafür kann in der fehlenden konsequenten Zielsetzung hinsichtlich der Digitalisierung von Marketing und Vertrieb vermutet werden, die bei ca. vier Fünfteln der befragten Unternehmen nicht vorhanden ist. Dies wiederum ist überraschend, da die zunehmende Verfügbarkeit von relevanten Daten eine quantitative Erfolgsmessung vereinfachen sollte. (Deutsch & Elste 2020)
Einen weiteren Vorschub für die digitale Transformation im Marketing hat die Corona-Pandemie geleistet. Durch die Reduktion persönlicher Kontakte bzw. den Ausfall vieler Veranstaltungen und Messen mussten vermehrt neue Wege im Online-Marketing oder bei digitalen Konferenzen und virtuellen Messen gegangen werden. Da Unternehmen aufgrund der Pandemiebeschränkungen auf bestimmte Instrumente traditioneller Kundenansprache nicht zurückgreifen konnten bzw. ihre Kunden nicht erreichten, waren viele Marketingentscheider bereit, erste Pilotversuche mit neuartigen digitalen Instrumenten zu starten. Bei einer Rückkehr zur Normalität wird es entscheidend sein, nicht einfach zu etablierten Praktiken zurückzukehren, sondern die Erfolge der digitalen Marketingaktivitäten genau zu analysieren und die besten Ansätze auch zukünftig einzusetzen. Doch nicht nur die externe Kommunikation hat sich im Rahmen der Pandemie-Maßnahmen verändert, auch innerhalb der Marketingabteilungen hat die Nutzung digitaler Kommunikationsplattformen einen rasanten Aufschwung erfahren. (bvik 2020)
Das Buch »Digitalisierung im Marketing« gibt einen Einblick in die unterschiedlichen Aspekte der digitalen Transformation der Marketingaufgaben und verbindet hierzu anwendungsorientiertes Theoriewissen mit den Herausforderungen der Unternehmenspraxis. Anhand von Beispielen und kurzen Fallstudien werden Lösungsansätze aufgezeigt und relevante Erfolgsfaktoren herausgearbeitet. Bei den Autoren handelt es sich sowohl um Dozenten von Hochschulen mit engem Bezug zur Unternehmenspraxis als auch um marketingerfahrene Experten aus Betrieben unterschiedlicher Größe und Industrien. Somit kann das Themengebiet von unterschiedlichen Sichtweisen betrachtet und erläutert werden. Die Beiträge werden hierfür in 4 Kapitel unterteilt (
Abb. 1).

Abb. 1: Kapitel und Themen
Im 2. Kapitel liegt der Schwerpunkt auf den Veränderungen, die sich durch die Digitalisierung für die Kommunikation und Interaktion von Unternehmen mit ihren Zielgruppen ergeben. Konsequent werden in diesem Zusammenhang Möglichkeiten und Chancen, aber auch die Risiken der Digitalisierung aufgezeigt. Das Spektrum der Beiträge reicht von digitalem Guerilla Marketing und dem Umgang mit einzelnen Social Media-Plattformen über eine ganzheitliche Betrachtung der Potenziale des Omnichannel-Marketings bis hin zu der Herausforderung einer agilen Markenführung im Digitalzeitalter.
Kapitel 3 beschäftigt sich mit den Chancen, welche die digitale Transformation für ein optimiertes Management der Kundenbeziehung bietet. Es werden einerseits digitale Instrumente und Lösungen vorgestellt, die der Verbesserung der existierenden Kundenbeziehung sowie der Gewinnung von Neukunden dienen können, insbesondere die Themen Marketing Automation und digitales Lead Management stehen hier im Vordergrund. Zudem wird der Ansatz des Customer Experience Managements in Theorie und Praxis anschaulich dargelegt. Weiterhin werden aktuelle rechtliche Aspekte der Interaktion in der digitalen Werbewelt genauer betrachtet.
In Kapitel 4 werden Themen im Zusammenhang mit dem Marktumfeld und dem Leistungsangebot von Unternehmen genauer beleuchtet. Ein Schwerpunkt der Beiträge liegt auf dem Umgang mit großen Datenmengen, die Unternehmen aufgrund der zunehmenden Digitalisierung ihrer Prozesse zur Verfügung stehen. Durch entsprechende Analytik werden Marketingverantwortliche zunehmend in die Lage versetzt, datengestützt zu entscheiden. Daraus resultieren Weiterentwicklungen des Leistungsangebots z. B. in Form personalisierter Lösungen. Weiterhin werden praktische Herausforderungen und Chancen für Unternehmen von mehreren Autoren anhand konkreter Branchenbeispiele deutlich gemacht und vertieft.
Das abschließende Kapitel 5 gibt Einblicke in den Einsatz und die Potenziale von aktuell vielfach beachteten Schlüsseltechnologien des digitalen Marketings. Die hierbei von den Beiträgen abgedeckten Themen umfassen Customer Feedback Systeme zum analytischen Umgang mit Kundendaten bzw. -rückmeldungen, immersive Technologien wie Virtual oder Augmented Reality zur Schaffung intensiverer Kundenerlebnisse, die Benefits von Customer Data Management-Plattformen sowie das zentrale Thema der Einsatzmöglichkeiten und Erfolgsfaktoren künstlicher Intelligenz für die Marketingaktivitäten von Unternehmen.