Kitabı oku: «Medienwissenschaft und Mediendidaktik»

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Medienwissenschaft und Mediendidaktik

Jörg Roche

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© 2019 • Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG

Dischingerweg 5 • D-72070 Tübingen

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E-Book-Produktion: pagina GmbH, Tübingen

ePub-ISBN 978-3-8233-0144-8


Inhalt

  Vorwort

  Einleitung: Die Reihe Kompendium DaF / DaZ Warum Aus-, Weiter- und Fortbildung heute so wichtig ist Interkulturelle Kommunikation im Zeitalter der Globalisierung Interkultureller Fremdsprachenunterricht Ein kleiner historischer Rückblick auf die Entwicklung des Fremdsprachenunterrichts Zur kognitiven Ausrichtung

 1. Grundlagen des multimedialen Lernens1.1 Multimediales Lerndesign1.1.1 Theoretische Grundlagen von Designprinzipien1.1.2 Anwendung der Designprinzipien1.1.3 Zusammenfassung1.1.4 Aufgaben zur Wissenskontrolle1.2 Animationen in der Grammatikvermittlung1.2.1 Grammatische Metaphern und Animationen1.2.2 Wechselpräpositionen1.2.3 Modalverben1.2.4 Passiv und Aktiv1.2.5 Zusammenfassung1.2.6 Aufgaben zur Wissenskontrolle1.3 Multimedialität und Multimodalität1.3.1 Mehrsprachigkeit und Spracherwerb1.3.2 Medialität und Spracherwerb1.3.3 Multiliteralität und Spracherwerb1.3.4 Medienhandeln in der interkulturellen Unterrichtspraxis1.3.5 Umsetzungsformen1.3.6 Zusammenfassung1.3.7 Aufgaben zur Wissenskontrolle

 2. Didaktische Konzepte2.1 Lernformen2.1.1 Lernformen im handlungsorientierten Unterricht2.1.2 Individualisiertes Lernen2.1.3 Forschendes Lernen2.1.4 Forschendes Lernen am Beispiel der Sprachlernspiele2.1.5 Kollaboratives Lernen2.1.6 Produktorientiertes Lernen2.1.7 Zusammenfassung2.1.8 Aufgaben zur Wissenskontrolle2.2 Theorie und Didaktik kollaborativen Lernens2.2.1 Theoretische Grundlagen und didaktische Umsetzung kollaborativen Lernens2.2.2 Zusammenfassung2.2.3 Aufgaben zur Wissenskontrolle2.3 Tandem-Lernen2.3.1 Sprache oder Kultur? Oder vielleicht doch Sprache und Kultur?2.3.2 Tandem als …?2.3.3 Zusammenfassung2.3.4 Aufgaben zur Wissenskontrolle

 3. Mediendidaktik im Curriculum3.1 Curriculare Rahmenbedingungen3.1.1 Mediale Mehrwerte und Medienadäquatheit3.1.2 Logistisch-administrative Aspekte3.1.3 Wissenstransfer3.1.4 Handlungskompetenzen und Arbeitswerkzeuge3.1.5 Individualisierung und Intensivierung des Lernens3.1.6 Zusammenfassung3.1.7 Aufgaben zur Wissenskontrolle3.2 Sprachlernsoftware3.2.1 Prinzipien zur Klassifikation der Software3.2.2 Tutorielle Systeme3.2.3 Situativ ausgerichtete Programme3.2.4 Instrumentell-explorativ-referenzielle Sprachlernangebote3.2.5 Sprachlernspiele3.2.6 Zusammenfassung3.2.7 Aufgaben zur Wissenskontrolle3.3 Nachhaltigkeit3.3.1 Nachhaltigkeit in der Entwicklung von Lernprogrammen3.3.2 Kriterien für die Nutzung von Medien in Spracherwerb und Sprachvermittlung3.3.3 Zusammenfassung3.3.4 Aufgaben zur Wissenskontrolle

 4. Interkulturelle Didaktik4.1 Visuelle Medien im Kulturtransfer4.1.1 Interkulturelles Lernen4.1.2 Zu Struktur und interkulturellem Potential kreativer Videoprojekte4.1.3 Projekttypen4.1.4 Zusammenfassung4.1.5 Aufgaben zur Wissenskontrolle4.2 Interkulturelles Lernen mit fiktionalen Filmen4.2.1 Vermittlung interkultureller Kompetenzen bei der Arbeit mit Filmen4.2.2 Analyse der Filme unter interkulturellem Aspekt4.2.3 Reflexion über die interkulturelle Thematik in den Filmen interkultureller Landeskunde4.2.4 Filmanalyse4.2.5 Einsatz des Wertequadrates4.2.6 Polaritätsprofil Deutsche / Italiener4.2.7 Hinweise zur Umsetzung des didaktischen Projekts in der Praxis4.2.8 Zusammenfassung4.2.9 Aufgaben zur Wissenskontrolle4.3 Kommunikation im Cyber-Unterricht4.3.1 Cyberkultur4.3.2 Studiendesign4.3.3 Interkultur der elektronisch vermittelten Lehre4.3.4 Beiträge der Personen4.3.5 Zur Rolle der Kultur in Animationen4.3.6 Zusammenfassung4.3.7 Aufgaben zur Wissenskontrolle

 5. Mediengestützte Handlungsdidaktik5.1 Didaktik und Methodik5.1.1 Handlungsorientierung versus Medienaktionismus5.1.2 Technische Fachsprachen und ihre elektronischen Arbeitswerkzeuge5.1.3 Lernwerkzeuge5.1.4 Hintergrund zum inhaltsbasierten Lernen und Lehren von Sprachen5.1.5 Handlungsorientierung5.1.6 Handlungsorientiertes Lernen mit elektronischen Medien5.1.7 Lernplattformen und Infrastruktur5.1.8 Forschung und Evaluation5.1.9 Zusammenfassung5.1.10 Aufgaben zur Wissenskontrolle5.2 Handlungskompetenzen5.2.1 Interkulturalität und Medien5.2.2 Interkulturelle Lernziele im Fremdsprachenunterricht für Anfänger5.2.3 Modell-Lerneinheit Meine Wohnung5.2.4 Forumsbeiträge als Anlass für interkulturelle Sensibilisierung5.2.5 Lerntraditionen5.2.6 Mehrwert von Forumsaufgaben5.2.7 Zusammenfassung5.2.8 Aufgaben zur Wissenskontrolle5.3 Innovativer berufsorientierter DaF-Unterricht5.3.1 Vorüberlegung5.3.2 Die interkulturelle DaF-Übungsfirma5.3.3 Planspiel – Multimedia im interkulturellen Kontext5.3.4 Hinweise für den Unterricht5.3.5 Zusammenfassung5.3.6 Aufgaben zur Wissenskontrolle

 6. Lernplattformen6.1 Situierung und Aufbau einer Lernplattform (Beispiel DUO)6.1.1 Begriff der Lernplattform6.1.2 Entwicklung von Sprachlernplattformen6.1.3 Komponenten moderner elektronischer Lernplattformen6.1.4 Einstieg in die Plattform6.1.5 Bestandteile und Funktionen der Materialienseite6.1.6 Zusammenfassung6.1.7 Aufgaben zur Wissenskontrolle6.2 Kommunikationsfunktionen und Übungstypologie6.2.1 Kommunikationsfunktionen in Lernplattformen6.2.2 Übungstypologie6.2.3 Online-Programme im Prüfungsmodus6.2.4 Zusammenfassung6.2.5 Aufgaben zur Wissenskontrolle6.3 Klassen-, Lerner-, Aufgabenverwaltung6.3.1 Verwaltungsfunktionen für Teilnehmer6.3.2 Verwaltungsfunktionen für Tutorinnen6.3.3 Korrektur Schriftlicher Ausdruck6.3.4 Korrektur Mündlicher Ausdruck6.3.5 Zusammenfassung6.3.6 Aufgaben zur Wissenskontrolle

 7. Digitale Werkzeuge, automatische Spracherkennung, Evaluation7.1 Arbeits-, Lern- und Kommunikationswerkzeuge7.1.1 Plattformunabhängige digitale Autorenwerkzeuge7.1.2 Autorenwerkzeuge7.1.3 Kommunikationswerkzeuge7.1.4 Zusammenfassung7.1.5 Aufgaben zur Wissenskontrolle7.2 Intelligente elektronische Tutoren7.2.1 Systeme zur Erkennung von schriftlicher Sprache7.2.2 Systeme zur Erkennung von gesprochener Sprache7.2.3 Empirische Erprobung intelligenter elektronischer Tutoren7.2.4 Zusammenfassung7.2.5 Aufgaben zur Wissenskontrolle7.3 Evaluation7.3.1 Kriterienbasierte Evaluation7.3.2 Theoriebasierte Evaluationsmodelle7.3.3 Evaluation, Qualitätsmanagement und Forschung7.3.4 Kriterienkataloge7.3.5 Instrument zur Evaluation von Sprachlernprogrammen7.3.6 Zusammenfassung7.3.7 Aufgaben zur Wissenskontrolle

  8. Literaturverzeichnis

  9. Abbildungsverzeichnis

  10. Register

Vorwort

Trotz vieler neuerer Bemühungen um Kompetenz-, Aufgaben- und Handlungsorientierung kommen in der Praxis der Sprachvermittlung weiterhin verbreitet traditionelle Verfahren zur Anwendung, beispielsweise bei der Festlegung der Lehrprogression, den Niveaustufen, der Fehlerkorrektur und der Leistungsmessung. Mit der Weiterentwicklung der kognitiven Linguistik, die ihre Wurzeln lange vor der Einführung dieses Namens hat und viele (bisher implizite) Beziehungen zur modernen Sprachdidaktik aufweist, und weiterer kognitiv ausgerichteter Nachbardisziplinen setzt sich auch in der Sprachvermittlung in vieler Hinsicht der Paradigmenwechsel fort. Die kognitionslinguistischen Grundlagen dieses Paradigmenwechsels werden in dieser Reihe systematisiert und anhand zahlreicher Materialien und weiterführender Aufgaben für den Transfer in die Praxis aufbereitet.

Die Reihe Kompendium DaF/DaZ verfolgt das Ziel einer Vertiefung, Aktualisierung und Professionalisierung der Fremdsprachenlehrerausbildung. Der Fokus der Reihe liegt daher auf der Vermittlung von Erkenntnissen aus der Spracherwerbs-, Sprachlehr- und Sprachlernforschung sowie auf deren Anwendung auf die Sprach- und Kulturvermittlungspraxis. Die weiteren Bände behandeln die Themen Sprachenlernen und Kognition, Kognitive Linguistik, Berufs- und Fachsprachen, Sprachenlehren und Sprachenlernen, Kultur- und Literaturwissenschaften, Mehrsprachigkeitsforschung, Unterrichtsmanagement, Propädeutik, Angewandte Kulturwissenschaften.

Durch die thematisch klar abgegrenzten Einzelbände bietet die Reihe ein umfangreiches, strukturiertes Angebot an Inhalten der aktuellen DaF/DaZ-Ausbildung, die über die Reichweite eines Handbuchs weit hinausgehen und daher sowohl in der akademischen Lehre als auch im Rahmen von Weiter- und Fortbildungsmaßnahmen behandelt werden können.

Die Reihe wird daher von (fakultativen) flexibel einsetzbaren Online-Modulen für eine moderne Aus- und Weiterbildung begleitet. Diese Online-Module ergänzen den Stoff der Bücher und enthalten Zusatzlektüre und Zusatzaufgaben (www.multilingua-akademie.de). Das Digitale Lexikon Fremdsprachendidaktik (www.lexikon-mla.de) bietet darüber hinaus Erklärungen der wichtigsten Fachbegriffe und damit einen leichten Zugang zu allen aktuellen Themen der Fremdsprachendidaktik und der Sprachlehr- und -lernforschung.

Möglich gemacht wurde die Entwicklung der Inhalte und der Online-Module durch die Förderung des EU Tempus-Projektes Consortium for Modern Language Teacher Education und des Projektes Dhoch3 des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Neben den hier verzeichneten Autorinnen und Autoren haben eine Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an der editorischen Fertigstellung des Manuskriptes dieses Buches mitgewirkt: Tamara Schabka, Telse Sundermann und Kathrin Heyng sowie Katharina Wituschek (Gunter Narr Verlag). Ihnen allen gebührt großer Dank für die geduldige und professionelle Mitarbeit.

Die Struktur des vorliegenden Bandes kann folgenderweise zusammengefasst werden:

1 Lernpsychologische Aspekte (Kapitel 1)

2 Didaktische Aspekte (Kapitel 2 bis 5)

3 Technologische Aspekte (Kapitel 6 und 7)

Der Band orientiert sich in großen Teilen an Elementen des Bandes »Sprachenlernen und Kognition« (Lerneinheiten 1.1, 1.2) und des Bandes »Kultur- und Literaturwissenschaften« (Lerneinheit 2.3) der Kompendium DaF/DaZ-Reihe sowie am „Handbuch Mediendidaktik“ (2008) von Jörg Roche (Kapitel 3,6 und 7).

BMW Group (© 2012 und Herausgeber) hat aus dem Projekt LIFE. Ideen und Materialien für interkulturelles Lernen. Fünfte Ergänzungslieferung: Interkulturelles Lernen mit Medien (Projektleitung: Roche, Jörg. Koordination und Redaktion: Roche, Jörg; Suñer Muñoz, Ferran & Reher, Janina. München: BMW Group) die Grundlagen für einzelne Lerneinheiten zur Verfügung gestellt. Dafür sei ihnen und den Autorinnen und Autoren gedankt.

Einleitung: Die Reihe Kompendium DaF / DaZ

Jörg Roche

Der Bedarf an solider Aus-, Fort- und Weiterbildung im Bereich der Sprachvermittlung nimmt ständig zu. Immer stärker treten dabei spezialisierte Anforderungen zum Beispiel in Bezug auf Fach- und Berufssprachen, Kompetenzen oder Zielgruppen in den Vordergrund. Theoretisch fundiert sollten die entsprechenden Angebote sein, aber gleichzeitig praxistauglich und praxiserprobt. Genau diese Ziele verfolgen die Buchreihe Kompendium DaF / DaZ und die begleitenden Online-Module. In mehreren Modulen und Bänden soll hiermit eine umfassende Einführung in die Wissenschaft und in die Kunst des Sprachenlernens und Sprachenlehrens gegeben werden, weit weg von fernen Theorie- oder Praxiskonstruktionen und Lehr-Dogmen. Im Mittelpunkt des hier verfolgten Ansatzes steht das, was in den Köpfen der Lerner geschieht oder geschehen sollte. Sachlich, nüchtern, effizient und nachhaltig. Buchreihe und Online-Module sind eine Einladung zur Professionalität eines Bereichs, der die natürlichste Sache der Welt behandelt: den Sprachenerwerb. In diesen Materialien und Kursen werden daher Forschungsergebnisse aus verschiedenen Forschungsrichtungen zusammengetragen und der Nutzen ihrer Synthese für die Optimierung des Sprachenerwerbs und Sprachunterrichts aufgezeigt.

Warum Aus-, Weiter- und Fortbildung heute so wichtig ist

Wer sich etwas eingehender darum bemüht zu verstehen, welche Rolle die Sprache im weiten Feld des Kontaktes von Kulturen spielt – oder spielen könnte –, muss von den Gegensätzen, Widersprüchen und Pauschalisierungen, die die Diskussion in Gesellschaft, Politik und Fach bestimmen, vollkommen irritiert sein. Vielleicht lässt sich aus dieser Irritation auch erklären, warum dieser Bereich von so vielen resistenten Mythen, Dogmen und Praktiken dominiert wird, dass das eigentlich notwendige Bemühen um theoretisch fundierte Innovationen kaum zur Geltung kommt. Mangelndes Sprach- und Sprachenbewusstsein besonders in Öffentlichkeit und Politik führen ihrerseits zu einem ganzen Spektrum gegensätzlicher Positionen, die sich schließlich auch bis in die lehrpraktische Ebene massiv auswirken. Dieses Spektrum ist gekennzeichnet durch eine Verkennung der Bedeutung von Sprache im Umgang der Kulturen auf der einen und durch reduktionistische Rezepte für ihre Vermittlung auf der anderen Seite: Die Vorstellung etwa, die Wissenschaften, die Wirtschaft oder der Alltag kämen mit einer Universalsprache wie dem Englischen aus, verkennt die – übrigens auch empirisch über jeden Zweifel erhabenen – Realitäten genauso wie die Annahme, durch strukturbasierten Sprachunterricht ließen sich kulturpragmatische Kompetenzen (wie sie etwa für die Integration in eine fremde Gesellschaft nötig wären) einfach vermitteln. Als ineffizient haben sich inzwischen auch solche Verfahren erwiesen, die Mehrsprachigkeit als Sonderfall – und nicht als Regelfall – betrachten und daher Methoden empfehlen, die den Spracherwerb vom restlichen Wissen und Leben zu trennen versuchen, also abstrakt und formbasiert zu vermitteln. Der schulische Fremdsprachenunterricht und der Förderunterricht überall auf der Welt tendieren (trotz rühmlicher unterrichtspraktischer, didaktischer, struktureller, konzeptueller und bildungspolitischer Ausnahmen und Initiativen) nach wie vor stark zu einer solchen Absonderung: Weder werden bisher die natürliche Mehrsprachigkeit des Menschen, die Sprachenökologie, Sprachenorganik und Sprachendynamik noch die Handlungs- und Aufgabenorientierung des Lernens systematisch im Fremdsprachenunterricht genutzt. Stattdessen wird Fremdsprachenunterricht in vielen Gesellschaften auf eine (internationale) Fremdsprache reduziert, zeitlich stark limitiert und nach unterschiedlich kompetenten Standards kanalisiert.

Interkulturelle Kommunikation im Zeitalter der Globalisierung

In unserer zunehmend globalisierten Welt gehört die Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen zu einem der wichtigsten sozialen, politischen und wirtschaftlichen Aufgabenbereiche. Die Globalisierung findet dabei auf verschiedenen Ebenen statt: lokal innerhalb multikultureller oder multikulturell werdender Gesellschaften, regional in multinationalen Institutionen und international in transkontinentalen Verbunden, Weltorganisationen (unter anderem für Wirtschaft, Gesundheit, Bildung, Sport, Banken) und im Cyberspace. Dabei sind all diese Globalisierungsbestrebungen gleichzeitig Teil einer wachsenden Paradoxie. Der Notwendigkeit, die großen sozialen und wirtschaftlichen Probleme wegen der globalen Vernetzung der Ursachen auch global zu lösen, stehen andererseits geradezu reaktionäre Bestrebungen entgegen, der Gefahr des Verlustes der „kulturellen Identität“ vorzubauen. Einerseits verlangt oder erzwingt also eine Reduktion wirklicher und relativer Entfernungen und ein Überschreiten von Grenzen ein Zusammenleben und Kommunizieren von Menschen verschiedener Herkunft in bisher nicht gekannter Intensität, andererseits stehen dem Ideal einer multikulturellen Gesellschaft die gleichen Widerstände entgegen, die mit der Schaffung solcher Gesellschaften als überkommen geglaubt galten (Huntington 1997). Erzwungene, oft mit großer militärischer Anstrengung zusammengehaltene multikulturelle Gesellschaften haben ohne Druck keinen Bestand und neigen als Folge des Drucks vielmehr dazu, verschärfte kulturelle Spannungen zu generieren. Auch demokratisch geschaffene multikulturelle Gesellschaften benötigen meist viel Zeit und Energie, um sich aus der Phase der multi-kulturellen Duldung zu inter-kultureller Toleranz und interkulturellem Miteinander zu entwickeln. Die rechtspopulistischen Bewegungen in Europa und die ethnischen Auseinandersetzungen in Afrika und Asien zeigen, dass es zuweilen gewaltig unter der Oberfläche gesellschaftlicher Toleranz- und Internationalisierungspostulate rumort. Ethnozentrismus, Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit, Rechtspopulismus, Rassismus, Diskriminierung, Terrorismus, Bürgerkrieg, Massen- und Völkermord sind durch politisch und wirtschaftlich bewirkten Multikulturalismus nicht verschwunden. Das verbreitete Scheitern von Multikulturalismus-Modellen zeigt, dass ein verordnetes oder aufgezwungenes Nebeneinander von Kulturen ohne Mediationsbemühungen eher Spannungen verstärkt, als nachhaltig Toleranz zu bewirken. Es mangelt an effizienten Verfahren der Vermittlung (Mediation) zwischen Kulturen. Den Sprachen kommt in dem Prozess der Mediation deswegen eine besondere Rolle zu, weil er mit der Kommunikation über kulturelle Grenzen hinweg anfängt und auch nur durch diese am Laufen gehalten wird. Die Sprache kann nicht alle Probleme lösen, aber sie hat eine Schlüsselposition beim Zustandekommen interkulturellen Austauschs, die weit über die Beherrschung von Strukturen sprachlicher Systeme hinausgeht. Diese Funktion hat mehr mit Kulturvermittlung als mit strukturellen Eigenschaften sprachlicher Systeme zu tun und sie kann kaum durch eine einzige Lingua Franca erfüllt werden. Das Lernen und Lehren von Sprachen ist in Wirklichkeit eines der wichtigsten politischen Instrumente im Zeitalter der Globalisierung und Internationalisierung. Sprachunterricht und Sprachenlernen werden aber von Lehrkräften und Lernern gleichermaßen oft noch als die Domäne des Grammatikerwerbs und nicht als Zugangsvermittler zu anderen Kulturen behandelt. Wenn kulturelle Aspekte im Fremdsprachenerwerb aber auf die Faktenvermittlung reduziert werden und ansonsten vor allem strukturelle Aspekte der Sprachen in den Vordergrund treten, bleiben wichtige Lern- und Kommunikationspotenziale ungenutzt. Dabei bleibt nicht nur der Bereich des landeskundlichen Wissens unterentwickelt, sondern es wird in erster Linie der Erwerb semantischer, pragmatischer und semiotischer Kompetenzen erheblich eingeschränkt, die für die interkulturelle Kommunikation essenziell sind. Wenn in der heutigen Zeit vordringlich interkulturelle Kompetenzen verlangt werden, dann müssen in Sprachunterricht und Spracherwerb im weiteren Sinne also bevorzugt kulturelle Aspekte der Sprachen und Kommunikation berücksichtigt werden. Dazu bedarf es aber einer größeren Bewusstheit für die kulturelle Bedingtheit von Sprachen und die sprachliche Bedingtheit von Kulturen. Diese müssen sich schließlich in kultursensitiven Lern- und Lehrverfahren manifestieren, die Mehrsprachigkeit nicht nur künstlich rekonstruieren und archivieren wollen, sondern die in Fülle vorhandenen natürlichen Ressourcen der Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität organisch, dynamisch und effizient zu nutzen wissen. Das Augenmerk der künftigen Lern- und Lehrforschung ist daher verstärkt auf Aspekte der Ökologie und Ökonomie des Sprachenerwerbs und Sprachenmanagements zu richten. Das bedeutet aber, dass die Spracherwerbs- und die Mehrsprachigkeitsforschung sich nicht nur eklektisch wie bisher, sondern systematisch an kognitiven und kultursensitiven Aspekten des Sprachenerwerbs und Sprachenmanagements ausrichten müssen. Diesen Aufgabenbereich zu skizzieren, indem wichtige, dafür geleistete Vorarbeiten vorgestellt werden, ist Ziel dieser Reihe.

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