Kitabı oku: «Mensch. Maschine. Kommunikation.», sayfa 16

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VertrauenVertrauen in Lio und Co.

Anthropomorphisierungantropomorph von Robotern als vertrauensfördernde Strategie

Rahel Staubli

1 Einleitung

Die Digitalisierung aller gesellschaftlichen Bereiche nimmt zu. Schon seit einiger Zeit werden sogar im Pflege- und Alltagskontext, der sich massgeblich durch den zwischenmenschlichen Kontakt auszeichnet, sozial interagierende RoboterRoboter eingesetzt (siehe Bendel 2020: 1). In Anbetracht dieser Entwicklung stellt sich die Frage: Kann man MaschinenMaschine vertrauen? Diese Frage beinhaltet nicht nur, ob MaschinenMaschine im Allgemeinen VertrauenVertrauen entgegengebracht werden kann, sondern zielt grundlegend darauf ab, ob überhaupt von ‹Vertrauen in MaschinenMaschine› gesprochen werden kann. Letzteres ist Teil einer kontroversen Diskussion, an der verschiedene wissenschaftliche Disziplinen beteiligt sind. Die linguistische VertrauensforschungVertrauensforschung kann auf verschiedenen Ebenen etwas zu dieser Thematik beitragen. Denn die Sprache ist sowohl Mittel zur Erfassung und Beschreibung von Konzepten wie ‹Vertrauen› und ‹MaschineMaschine› als auch Untersuchungsgegenstand im Diskurs über Vertrauensbildung, -förderung und -äusserung (siehe Schäfer 2016: 7). Auf beide Analyseebenen wird im vorliegenden Beitrag Bezug genommen. Zuerst wird das zugrundeliegende linguistische Verständnis von ‹Vertrauen› erläutert und interdisziplinär verortet (Kapitel 2). Danach geht es um das Thema ‹MaschineMaschine›, wobei der Fokus auf sozial interagierenden RoboternRobotersozialer liegt (Kapitel 3). In Kapitel 4 wird der Status von MaschinenMaschine mit Blick auf das Vertrauen aus verschiedenen Perspektiven diskutiert und es wird aufgezeigt, dass die sprachliche Vermenschlichung von MaschinenMaschine dazu führt, dass von ‹Vertrauen in MaschinenMaschine› die Rede sein kann. Aus diesen Beobachtungen heraus ergibt sich die Annahme, dass die Anthropomorphisierungantropomorph auch eine Strategie zur Vertrauensförderung darstellt. Diese These wird abschliessend exemplarisch anhand einer Werbebroschüre zum sozial interagierenden AssistenzroboterRoboter Lio untersucht (Kapitel 5).

2 Verständnis von VertrauenVertrauen

Das Konzept, welches hinter dem Ausdruck ‹VertrauenVertrauen› steht, wird je nach wissenschaftlicher Disziplin und theoretischem Hintergrund unterschiedlich definiert und operationalisiert. Psychologie und Soziologie gelten als die Basisdisziplinen der VertrauensforschungVertrauensforschung; in der Linguistik hingegen ist dieser Forschungsbereich vergleichsweise neu. Eine wichtige Arbeit in diesem Kontext stammt von Pavla Schäfer. Auf diese wird im Folgenden kurz Bezug genommen:

Schäfer (2016: 15f.) legt dar, dass VertrauenVertrauen ein multidimensionales Konstrukt darstellt, wobei je nach Perspektive unterschiedliche Vertrauensaspekte, -funktionen, -grade und -formen im Vordergrund stehen (siehe auch Fink 2014: 24). Vertrauen sei ein omnipräsentes Alltagsphänomen, welches beständig (bewusst und unbewusst) hergestellt und gepflegt wird, aber eben auch ‹verspielt› werden kann – und dies nicht ohne Konsequenzen: «Vertrauenswürdigkeitvertrauenswürdig ist ein wichtiger Bestandteil des Images eines jeden Akteurs und das Fehlen oder der Verlust dieser Komponente wird sozial sanktioniert» (Schäfer 2016: 59f.). Der Bedeutungsinhalt von Vertrauen überschneide sich mit anderen semantischen Feldern wie ‹Glaubwürdigkeit›, ‹Vertrautheit›, ‹Zuversicht›, ‹Zuverlässigkeit›, ‹Glaube› oder ‹Treue›, weshalb eine klare Abgrenzung zu diesen Begriffen teilweise schwierig ist und unterschiedlich gelöst wird (siehe ebd.: 68). Grundsätzlich gilt, dass Vertrauen zukunfts- sowie objektgerichtet, gleichzeitig aber auch wechselseitig abhängig ist: Die vertrauende Person (Vertrauenssubjekt) erwartet von der Person, der sie vertraut (Vertrauensobjekt), dass sie bestimmte Absichten zugunsten der vertrauenden Person verfolgt.1 Vertrauen hängt daher eng mit Risiko, Unvorhersagbarkeit sowie einer Abgabe von KontrolleKontrolle zusammen (siehe Fink 2014: 28, 40). Daraus kann in Anlehnung an Niklas Luhmann (2000) abgeleitet werden, dass Vertrauen zur Reduktion der komplexen sozialen Wirklichkeit dient (siehe Schäfer 2016: 27).

In der soziologischen und psychologischen VertrauensforschungVertrauensforschung hat sich die Auffassung etabliert, dass VertrauenVertrauen eine soziale Einstellung ist (siehe Schäfer 2016: 40). Soziale Einstellungen, so betont Schäfer, beinhalten kognitiveKognition/kognitiv und affektive Verhaltenskomponenten und sind nicht einfach gegeben, sondern entstehen in der InteraktionInteraktion und müssen darin auch beständig gepflegt werden. Interaktion als soziales Handeln kann zu Vertrauen führen, wenn die eingesetzten kommunikativen Zeichen in Abhängigkeit von der konkreten Situation von den Interaktionsteilnehmenden als solche wahrgenommen und daraufhin interpretiert werden. Die linguistische Vertrauensforschung setzt hier an, fokussiert auf die (verbale und nonverbale) Kommunikation und untersucht, wie Vertrauen kommunikativ ausgedrückt sowie hergestellt werden kann.

Auch im vorliegenden Beitrag wird VertrauenVertrauen als eine in der InteraktionInteraktion entstehende soziale Einstellung aufgefasst, wobei Vertrauen ein pragmatisches Phänomen ist und die Vertrauensförderung und -bildung einen semiotischen Prozess darstellt. Weiter ist die Unterscheidung von ‹Vertrauen› und ‹Vertrauenswürdigkeit›vertrauenswürdig von Bedeutung. Vertrauen ist eine Beziehungsqualität und «entsteht auf der Basis der Zuschreibung von Vertrauenswürdigkeit. Vertrauenswürdigkeit ist keine objektiv gegebene Eigenschaft eines Akteurs, sondern eine subjektive Zuschreibung eines Interpreten» (ebd.: 61). Ob die Absicht, vertrauenswürdigvertrauenswürdig zu wirken, auf der anderen Seite tatsächlich zu dieser Zuschreibung führt, zeigt sich allerdings, auch darauf weist Schäfer zu Recht hin, erst in der weiteren Interaktion.

An dieser Stelle sei noch kurz auf die Frage eingegangen, wer wem überhaupt vertrauen kann. Disziplinübergreifend wird die Frage nach dem Status der Interaktionsteilnehmenden als eine der entscheidenden Dimensionen für das Verständnis von VertrauenVertrauen angesehen (siehe Budnik 2016: 68; Fink 2014: 37; Schäfer 2016: 6): Ist Vertrauen eine rein interpersonale Beziehungsqualität, also die Qualität einer Beziehung zwischen Mensch und Mensch, oder kann auch Nicht-Menschlichem wie MaschinenMaschine vertraut werden?MaschineVertrauen2 Können MaschinenMaschine auch vertrauen? Mit anderen Worten: Kann eine MaschineMaschine Vertrauensobjekt und gar Vertrauenssubjekt sein? Bevor diese Fragen beantwortet werden können, müssen noch andere diskutiert werden: Kann überhaupt von einer InteraktionInteraktion zwischen Mensch und MaschineMaschine gesprochen werden? Das Interaktionsverständnis ist abhängig von der Zuschreibung von Handlungsträgerschaft und Intentionalität. Es ist deshalb zu untersuchen, ob und wie man diese Konzepte auf MaschinenMaschine übertragen kann; denn nur wenn dies möglich ist, können sie als Interaktions- und Vertrauensakteure anerkannt werden. Will man dem Fragekomplex ‹Vertrauen in MaschinenMaschine› näher auf den Grund gehen, ist also auch zu klären, wie das Konzept ‹MaschineMaschine› zu fassen ist.

3 Verständnis von Maschinen und Robotern

‹MaschinenMaschine› sind «zweckorientierte technischeTechnik Vorrichtungen verschiedenster Art und Größe mit i.d.R. beweglichen Teilen» (Gabler Wirtschaftslexikon online).1 Sie können (unter anderem) anhand ihrer Funktion, ihrem Einsatzbereich, ihrer Gestaltung und ihrem Automatisierungsgrad differenziert werden. Diese Kategorisierungsmerkmale sind für die Frage nach ‹VertrauenVertrauen in MaschinenMaschine› von besonderer Bedeutung (s.u.). Eine spezifische Art von MaschinenMaschine stellen RoboterRoboter dar. Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert ‹RoboterRoboter› als «selbstständig das World Wide Web durchsuchendes Programm».2 Alltagssprachlich wird der Begriff jedoch mit einer konkreten physischen Realisierung in Verbindung gebracht: Ein RoboterRoboter ist demnach eine «(der menschlichen Gestalt nachgebildete) Apparatur, die bestimmte Funktionen eines Menschen ausführen kann» (Duden online).3 Der Begriff wird im semantischen Feld von «Androideandroid, Apparatur, künstlicher Mensch, Maschinenmensch» (ebd.) verortet. Diese Bedeutungskomponenten schwingen auch im Begriff ‹RoboterRoboter› mit. Die Menschenähnlichkeitmenschenähnlich ist oftmals auf ihre äusserliche Erscheinung zurückzuführen, kann sich jedoch auch auf deren Funktion beziehen. In westlich geprägten Kulturkreisen werden RoboterRoboter aufgrund dieser Ähnlichkeit eher als Bedrohung wahrgenommen; im Vergleich dazu treten sie in asiatischen Kulturkreisen hingegen positiv assoziiert als Freund und Helfer auf (siehe Becker et al. 2013: 76).

Neue Technologien befördern die Angleichung von Mensch und RoboterRoboter: Bei herkömmlichen RoboternRoboter ist eine Bedienung durch den Menschen nötig, damit sie die geforderte Leistung erbringen. Neuere Robotertypen (sogenannte ‹Automaten›) sind hingegen mit künstlichen Systemen ausgestattet, «die selbsttätig ein Programm befolgen und dabei aufgrund des Programms Entscheidungen zur Steuerung und ggf. Regelung von Prozessen treffen» (Gabler Wirtschaftslexikon).4 Zu solchen Systemen gehören auch Methoden der Künstlichen IntelligenzKünstliche Intelligenz, die maschinelles LernenMaschinenlernen ermöglichen: MaschinenMaschine werden programmiert, «selbstständig Wissen aufzunehmen und zu erweitern, um ein gegebenes Problem besser lösen zu können als vorher» (ebd.).

Der Mangel an Pflegepersonal und der demographische Wandel führen dazu, dass RoboterRoboterPflege- verstärkt für Betreuungs- und Pflegeaufgaben eingesetzt werden und neben rein funktionalen auch soziale und emotionale Aufgaben übernehmen: «So würde eine sozial interagierende Hebehilfe eine Person nicht nur umlagern, sondern bspw. auch mitfühlend nachfragen, ob die Person nun bequem liegt» (Janowski et al. 2018: 65). Zurzeit sind diese sogenannten sozial interagierenden RoboterRobotersozialer mehrheitlich Prototypen und befinden sich in der Entwicklungs- und Testphase (siehe Bendel 2020:1; Bendel 2018: 206).

Sozial interagierende RoboterRobotersozialer simulieren aber nicht nur menschliche Interaktionsfähigkeit (wie bspw. sprechen, Emotionen und Intentionen zeigen), sie können auch in Gestalt, Design sowie Motorik anthropomorphantropomorph konstruiert werden. Damit werden zwei Ziele verfolgt: Zum einen dient diese Art der Vermenschlichung dem Zweck, «die Mensch-Maschine-KommunikationMensch-Maschine-Kommunikation anthropozentrischer und persönlicher zu gestalten» (Janowski et al. 2018: 65), um so die Handhabung der MaschinenMaschine zu vereinfachen. Zum andern sollen die MaschinenMaschine menschlicher erscheinen, um die Akzeptanz gegenüber MaschinenMaschine zu fördern und (damit zusammenhängend) die MaschineMaschine vertrauenswürdigvertrauenswürdig wirken zu lassen (siehe Bendel 2018: 198; Früh/Gasser 2018: 46; Janowski et al. 2018: 63f.; Weber 2019: 201). Die Hersteller*innen bewegen sich dabei in mehrfacher Hinsicht auf einer Gratwanderung. Das menschenähnlichemenschenähnlich Aussehen sollte gerade nicht zu hohe ErwartungenErwartungshaltung generieren und den RoboterRoboter «unheimlich und unglaubwürdig“ (Bendel 2018: 202) wirken lassen – dieser sogenannte Uncanny-Valley-Effekt muss vermieden werden. Hinzu kommen ethischeEthik Probleme, wenn MaschinenMaschine derart menschlich gestaltet sind, dass sie über ihre maschinelle Beschaffenheit hinwegtäuschen (könnten). Von Experten und Laien wird daher gefordert, dass RoboterRoboter als MaschinenMaschine erkennbar sind und bleiben (siehe Weber 2019: 206; TA Swiss 2019: 14, 19). Bei sozial interagierenden RoboternRobotersozialer im Alltags- und Pflegebereich ist dieses Gebot jedoch zu hinterfragen, weil gerade das menschlich wirkende Aussehen einen Therapiezweck erfüllt (siehe Weber 2019: 207). Grundsätzlich stellt sich hier aber die moralische und ethischeEthik Frage, ob RoboterRobotersozialer soziale und emotionale Aufgaben überhaupt übernehmen sollten.

Die Vermenschlichung von MaschinenMaschine hinsichtlich ihrer Funktionsweise, ihrer Einsatz- und Aufgabenbereiche sowie ihrer Gestaltung hat zur Folge, dass ihnen Handlungsträgerschaft, Intentionalität, Emotionen und damit einhergehend Interaktionsfähigkeit attribuiert werden. Dies wiederum hat einen Einfluss auf ihre Wahrnehmung und die Zuschreibung von Vertrauenswürdigkeitvertrauenswürdig. Wieso aber könnten die Hersteller*innen von RoboternRoboter die Vertrauenswürdigkeit ihrer Produkte überhaupt anstreben? Zum einen dient Vertrauenswürdigkeit der Komplexitätsreduktion: Hochkomplexe (und deshalb für Laien schnell undurchschaubare) MaschinenMaschine erfordern VertrauenVertrauen im Sinne einer Risikobereitschaft, einer Abgabe von KontrolleKontrolle (siehe Fink 2014: 41). Weber bringt dies deutlich zum Ausdruck: «Wichtig ist, dass Menschen solche Zuschreibungen vornehmen können und tatsächlich vornehmen, um Ereignisse und Prozesse, die sie ansonsten kognitivKognition/kognitiv nicht durchdringen (können), in der jeweils gegebenen Situation trotzdem verständlich und erklärbar zu machen. Sie nehmen dann einen intentionalen Standpunkt in der InteraktionInteraktion mit dem Gegenüber ein» (Weber 2019: 200). Zum andern erfüllt diese Zuschreibung auch therapeutische Zwecke und führt dazu, dass die RoboterRoboter von den Patient*innen auch längerfristig genutzt werden (siehe Janowski et al. 2018: 68). Sozial interagierende RoboterRobotersozialer können (und sollten) aufgrund ihres Aussehens also vertrauenswürdig wirken. Diese Feststellung klärt aber noch nicht die grundsätzliche Frage, ob MaschinenMaschine vertrauenswürdigvertrauenswürdig sind bzw. ob man MaschinenMaschine vertrauen kann.

4 VertrauenVertrauen in Maschinen

Der humanistischen Tradition zufolge ist in der Linguistik und anderen Geistes- und Sozialwissenschaften ‹Intentionalität› und ‹Handlungsträgerschaft› ausschliesslich Menschen vorbehalten (siehe Fink 2014: 137; Krumenheuer 2011: 33). InteraktionInteraktion kann demzufolge nur zwischen Menschen stattfinden. Auch VertrauenVertrauen ist an Intentionalität gebunden: Wie in Kapitel 2 festgestellt, beruht der Vertrauenszuspruch massgeblich auf der (Annahme einer) wohlwollenden Absicht. Hält man also an diesen Grundannahmen fest, ist Vertrauen ein Merkmal rein interpersonaler Beziehungen, MaschinenMaschine können weder Vertrauensobjekt noch Vertrauenssubjekt sein. Dementsprechend wäre auch die Rede von ‹Vertrauen in MaschineMaschinen› sowie ‹Mensch-Maschine-InteraktionMensch-Maschine-Interaktion› unzulässig, ebenso Begriffe wie ‹künstliche IntelligenzKünstliche Intelligenz›, ‹Lernfähigkeit› sowie ‹Selbsttätigkeit› und ‹Selbstständigkeit› von MaschinenMaschine.

Nun könnte man aber das Vertrauensverhältnis nicht direkt zwischen Mensch und MaschineMaschine verorten, sondern als eine Beziehung zwischen den NutzerNutzer*in*in und der Hersteller*innen bzw. der Verkaufsfirma (genauer: den Personen, welche die Firma repräsentieren) (siehe Schäfer 2016: 76). Bahner (2008: 18) erläutert diesen Ansatz wie folgt:

[Die] motivationale oder intentionale Komponente [wird] nicht direkt beim (technischenTechnik) Interaktionspartner, sondern beim (menschlichen) Entwickler [angesiedelt] […]. Allerdings schließt sich hier die Frage an, inwiefern die Intentionen des Entwicklers bezüglich der zu entwickelnden Automation ähnlich vielschichtig und fein abgestuft sein mögen, wie die Motivationslage eines Gegenübers in interpersonalen Beziehungen. Ein Entwickler wird in aller Regel wenig motiviert sein, eine Automation zu schaffen, die dem Operateur nicht nutzt oder gar schaden kann – während eine solche Motivation in interpersonalen Situationen durchaus auftreten kann.

Eine andere Möglichkeit ist, für das multidimensionale Phänomen ‹VertrauenVertrauen› verschiedene Begriffe zu verwenden, die unterschiedliche Bedeutungskomponenten beinhalten und Abstufungen aufzeigen. Philosophische Abhandlungen schlagen bspw. vor, zwischen ‹Vertrauen› und ‹Sich-Verlassen› zu unterscheiden: «Ich kann mich auf unbelebte Objekte wie etwa mein Fahrrad verlassen, vertrauen kann ich hingegen nur Personen» (Budnik 2016: 68), wobei man sich je nach Intensität der Beziehung auch auf Menschen nur verlassen kann (siehe ebd.). Analog dazu wird auch vorgeschlagen, bei einem Aufeinandertreffen von Mensch und MaschineMaschine nicht von ‹InteraktionInteraktion›, sondern von ‹Interaktivität› zu sprechen (siehe Becker et al. 2013: 59). In anderen Arbeiten wird die Unterscheidung in ‹der handelnde Mensch› und ‹die funktionierende MaschineMaschine› mit Blick auf die automatisierte TechnikTechnik, künstliche IntelligenzKünstliche Intelligenz und maschinelles LernenMaschinenlernen grundsätzlich hinterfragt (siehe Fink 2014: 37; Krummheuer 2011: 33). Doch wie lassen sich in diesem Diskurs sozial interagierende RoboterRobotersozialer, welche im Pflege- und Alltagsbereich eingesetzt werden und menschenähnlichmenschenähnlich erscheinen, einordnen? Weil derartige MaschinenMaschine (auf eine gewisse Art und Weise) aktiv und autonomautonom handeln können, wird der Zusammenhang von ‹künstlich›, ‹unbelebt› und ‹passiv› aufgelöst und es wird ihnen Akteurstatus und Interaktionsfähigkeit zugestanden. Die Sprache leistet auch einen Beitrag dazu; MaschinenMaschine können diskursiv als Menschen konstruiert werden. Das sei im Folgenden an einem Beispiel gezeigt:

Dem Begriff ‹RoboterRobotersozialer› wird mit dem Zusatz ‹sozial interagierend› eine intentionale Akteurposition zugeschrieben. Damit wird die Möglichkeit eröffnet, sie als Vertrauensobjekte und sogar Vertrauenssubjekte aufzufassen (siehe Fink 2014: 37; Krummheuer 2011: 33). Aus dieser konstruktivistischen Perspektive ist es daher auch möglich, von ‹VertrauenVertrauen in MaschinenMaschine› zu sprechen.MaschineEthik1 Dabei ist der Diskurs um den Status von MaschinenMaschine und RoboternRoboter immer auch von moralischen, kulturell geprägten Bewertungen abhängig. Führt man sich die kulturellen Unterschiede des Verständnisses von RoboternRoboter, wie sie in Kapitel 3 angeschnitten wurden, vor Augen, wird dies offensichtlich: Die TechnikbegeisterungTechnik der japanischen Bevölkerung «kann zum einen erklärt werden durch eine lange Tradition von Geschichten, die positiv von künstlichen Dienern für Menschen berichten. […] Zum anderen haben japanische Religionen und Philosophien wie Buddhismus und Shintoismus einen Einfluss auf die Einstellung zu RoboternRoboter. Japaner glauben, dass alles eine Seele hat und eine Verkörperung des Göttlichen sein kann» (Becker et al. 2013: 76).

5 Sprachliche Darstellung von Maschinen

Wie bereits dargelegt, wird die menschliche Gestaltung von sozial interagierenden RoboternRobotersozialer gezielt zur Förderung von Vertrauenswürdigkeitvertrauenswürdig eingesetzt. Mit dieser Anthropomorphisierungantropomorph wird die Absicht verfolgt, die Wahrnehmung und Interpretation der RoboterRoboter als vertrauenswürdige Interaktionspartner zu begünstigen. Davon kann abgeleitet werden, dass entsprechende sprachliche Attribuierungen die Zuschreibung von Vertrauenswürdigkeit bei RoboternRoboter ebenfalls fördern können. Im Folgenden wird an einem Beispiel gezeigt, wie MaschinenMaschine sprachlich dargestellt werden und inwiefern damit ihre Vertrauenswürdigkeitvertrauenswürdig gefördert werden kann. Zu diesem Zweck wird die Werbebroschüre zum sozial interagierenden RoboterRobotersozialer mit Namen Lio analysiert.1 Da VertrauenVertrauen als Grundvoraussetzung für eine Kaufhandlung betrachtet wird, verfolgen Werbetexte gezielt vertrauensfördernde Strategien, um ihr persuasives Potenzial zu steigern (siehe Schäfer 2016: 120f). Sie eignen sich daher besonders zur Untersuchung der vertrauensfördernden Darstellung von MaschinenMaschine.

Der RoboterRoboter Lio wird von der Schweizer Firma F&P Personal Robotics entwickelt, getestet und vermarktet. Auf der Firmenwebseite2 kann ein Werbeprospekt zu Lio heruntergeladen werden; dieses wird nun im Folgenden genauer betrachtet. Der RoboterRoboter ist auf der zweiten Prospektseite unter der Überschrift «Portrait» zu sehen (Abb. 1).

Abb. 1:

Portrait des RobotersRoboter Lio

Wie man sieht, ist die maschinelle Beschaffenheit hier deutlich erkennbar – und doch sieht Lio ‹niedlich› aus. In einem Zeitungsartikel liest man dazu, «[e]in weicher, weiss-oranger Überzug und zwei Augen über der Greifzange verleihen ihm ein knuffiges Aussehen. Das spricht viele Leute an» (Tages-Anzeiger).3 Auf der Titelseite der Broschüre ist der Roboter dagegen kaum zu sehen (Abb. 2). Das Foto zeigt eine ältere Frau, die eine Trinkflasche entgegennimmt, die Lio ihr reicht. Das Foto zeigt den RoboterRoboter hier in seiner Funktion als Hilfskraft, wobei die auf Hilfe angewiesene Person (und damit ihre Bedürfnisse) klar im Mittelpunkt steht. Die Frau lächelt, das Überreichen der Trinkflasche durch den RoboterRoboter wird dadurch positiv dargestellt.

Abb. 2:

RoboterRoboter Lio in seiner Funktion als Hilfskraft

Die Hilfsfunktion des RobotersRoboter wird auch im Titel des Werbeprospekts ins Zentrum gerückt. Der Titel lautet: «Lio – Der persönliche AssistenzroboterRoboter» (S. 1).4 Mit der Bezeichnung ‹RoboterRoboter› (und nicht: ‹MaschineMaschine›) wird die Bedeutungskomponente ‹irgendwie menschlich› assoziiert.5 Das Determinans ‹Assistenz› verweist auf den Einsatz des RobotersRoboterPflege- als Unterstützung für das Pflegepersonal und die auf Hilfe angewiesenen Personen. ‹Assistenz› dient häufig zur Präzisierung von Personenbezeichnungen (wie bspw. Assistenzarzt/Assistenzärztin oder Assistenzprofessor*in). Das Adjektiv ‹persönlich› legt die Interpretation nahe, dass der RoboterRoboter an individuelle Bedürfnisse einer Person angepasst wird und ihr gewissermassen ‹zur Seite steht›. Der Einsatz des RobotersRoboter als Hilfskraft wird zudem mit den Verben betont, die seine Tätigkeit beschreiben. So kann er «helfen» und «unterstützen» (S. 2), er «ist rund um die Uhr für die Bewohner da und kümmert sich um ihre Anliegen» (S. 3) und er «lernt dazu», denn das Entwicklerteam «bringt ihm gerne Fähigkeiten bei» (S. 4). Zudem kann er «[m]it Personen sprechen, unterhalten und informieren» und er kann Menschen (nachdem er sie ‹kennengelernt› hat) «mit Namen begrüssen!» (S. 4). Dem RoboterRoboter werden damit menschliche Fähigkeiten (nicht technischeTechnik Funktionen) attribuiert, wobei ihm wohlwollende, fürsorgliche Absichten als Motivation zugeschrieben werden. Dass der RoboterRoboter eine Ladestation benötigt, wird wie folgt umschrieben: «[E]r braucht ein Plätzchen nahe einer Steckdose [sic] um zu schlafen» (S. 4). Diese Formulierung legt die Ähnlichkeit mit einem Haustier nahe.

Eine weitaus subtilere Form, dem RoboterRoboter sozusagen ‹Leben einzuhauchen›, ist sein Name: Lio ist ein Rufname für (männliche) Personen. Dabei ist zu betonen, dass Lio der offizielle Robotername ist, also nicht von den Benutzer*innen vergeben wurde. Auch auf diese Weise wird der RoboterRoboter personifiziert und als agensfähig6 dargestellt, wahrgenommen und identifiziert (als dieser spezifische Robotertyp). Gleichzeitig wird er so auch individualisiert, denn Rufnamen attribuieren maximalen Belebtheits- bzw. Individualitätsgrad (siehe Nübling et al. 2012: 22). Der wohlklingende Name Lio hat zudem einen werbenden Charakter: Er ist kurz und einprägsam, lenkt von der maschinellen Beschaffenheit des Namenträgers ab. Diese dem Namen anhaftenden Wirkungen werden in der Werbebroschüre mehrfach genutzt: Der RoboterRoboter wird durchgehend Lio genannt – auf einen nicht-onymischen Zusatz, der ihn als RoboterRoboter kennzeichnen würde (wie bspw. ‹Roboter Lio› oder Ähnliches), wird verzichtet. Den Anschein einer Art Individualität erhält die MaschineMaschine zusätzlich durch die Verwendung des Singulars: Es ist nicht von Lios die Rede, sondern immer nur von dem einen Lio. Indem der RoboterRoboter auch als «Ihr Lio» (S. 4) bezeichnet wird, wird dies zusätzlich betont und eine (mögliche) Beziehung zwischen dem RoboterRoboter und seinen NutzerNutzer*in*innen angesprochen.

Die MaschineMaschine wird also als aktives, soziales Wesen mit menschlichen Fähigkeiten (wie sprechen, sich kümmern etc.) beschrieben. Diese Darstellung hat zum einen zur Folge, dass der hochkomplexe technischeTechnik Apparat in den Hintergrund gerückt wird. Das verwundert nicht: Die Werbung richtet sich an das Betreuungspersonal, an unterstützungsbedürftige Personen und an ihre Angehörigen, also an technischeTechnik Laien.vertrauenswürdigRoboter7 Zum andern wird dadurch möglicherweise erreicht, dass man den RoboterRoboter nicht als Bedrohung wahrnimmt, sondern seinen Einsatz mit positiven Assoziationen verknüpft. Ob eine solche Vermenschlichung in der untersuchten Werbung bewusst als vertrauensfördernde Strategie eingesetzt wurde und bei den Rezipient*innen auch tatsächlich VertrauenVertrauen weckt, kann hier nicht geklärt werden. Beides ist jedoch zu vermuten.

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