Kitabı oku: «Scheidung - Wiederheirat - von der Kirche verstoßen?», sayfa 3

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Die Kirche gab mir eine Chance

Mein Wiedereinstieg ins Berufsleben war nicht einfach. Auf dem freien Arbeitsmarkt war ich trotz guter Qualifikation aufgrund meines Alters und der langen beruflichen Abwesenheit unvermittelbar. Die Kirche, für die ich mich seit vielen Jahren engagiert hatte, gab mir – auch als Geschiedener – eine Chance! Ich erlebte in meinen unmittelbaren Vorgesetzten Menschen, die nicht in erster Linie auf mein Alter und auf meinen Familienstand schauten, sondern sich menschlich, verständnisvoll und ermutigend zeigten und mir die Möglichkeit eines Neuanfangs gaben. Ich glaube, dass ich sie nicht enttäuscht habe.

Hilfen auf dem Weg zum Neuanfang

Ich habe auch eine äußerst einfühlsame und lebensbejahende geistliche Begleiterin gefunden, die mich über viele Jahre meines Ehelebens und über das Scheitern meiner Ehe hinaus begleitete. In dieser Zeit habe ich gelernt und erlebt, was es heißt, im Glauben Halt und Sinn zu finden. Ich hab gelernt, mein Leben im Licht des Evangeliums zu reflektieren, mich mit den Schwierigkeiten und Verletzungen der Ehe auseinanderzusetzen und meine eigenen Anteile am Scheitern wahrzunehmen, zu akzeptieren und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Ich habe mich zu einem radikalen Weg der Versöhnung entschieden, weil mir bewusst geworden ist, dass nur dieser Weg zu einem sinnvollen Weiterleben führt! Es war ein harter und steiniger Weg. Die Kraft dazu fand ich im Glauben, in den Sakramenten, in einem regen Gebetsleben, in der einfühlsamen Begleitung, im Austausch mit Menschen, denen ich vertrauen konnte, und in der Geborgenheit der Familie und des Freundeskreises.

Dass dieser Versöhnungsweg der richtige war, zeigte sich anlässlich der Sponsion meiner Kinder, wo es zu einem Zusammentreffen mit meinem geschiedenen Mann kam. Ich begegnete ihm nach vielen Jahren wieder und spürte keinen Groll und keine Verletzung mehr in mir – ich fühlte mich völlig frei. Welch eine Gnade! Welch ein Segen für den Lebensvollzug unserer Kinder!

Erfahrungen als Seelsorgerin in der Begleitung von geschiedenen Wiederverheirateten und Geschiedenen

Seit einigen Jahren begleite ich Frauen in schwierigen Phasen der Ehe bzw. vor und nach der Scheidung. Eine durchgehende Erfahrung, die ich in diesem Kontext mache, ist, dass Frauen unglaublich leidensfähig sind. Sie ertragen über lange Zeit Verletzungen und Gewalt innerhalb der Familie und suchen erst dann Hilfe, „wenn der Hut schon lichterloh brennt“. Was mir besonders nahegeht und was mich wütend macht, ist die Haltung mancher Priester, die in Gesprächen und in der Beichte Frauen immer wieder dazu auffordern, Gewalt und Erniedrigungen auszuhalten und dem Mann willens zu sein, um die Familie nicht zu gefährden. Hier wird der christliche Glaube instrumentalisiert. Diese Frauen erleben die Entwürdigung nicht nur im häuslichen Bereich, sondern auch von Seiten der Kirche, die von ihrem Grundauftrag her an der Seite der Schwachen und Unterdrückten zu stehen hätte.

Aus meiner Erfahrung lassen sich Ehepaare nicht leichtfertig scheiden, einer Trennung geht oft ein jahrelanges mühsames Ringen und Kämpfen voraus. Ich erlebe Frauen, die aufgrund ihrer Verletzungen innerlich so hart geworden sind, dass sie nur äußerst schwer einen Weg der Versöhnung finden. Oft dauert das Jahre und die Kinder leiden entsetzlich darunter. Oft gelingt Versöhnung überhaupt nicht.

Ich erlebe Frauen, die sich von der Kirche enttäuscht abwenden, weil sie sich als geschiedene Wiederverheiratete in ihrem Scheitern und in ihrer Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit nicht ernst genommen fühlen und eine unbarmherzige Kirche erleben. Sie fühlen sich ohnmächtig und durch den Ausschluss vom Sakramentenempfang als Christen zweiter Klasse.

Ich erlebe aber auch Frauen, die eine lebensbejahende Gottesbeziehung, ein gesundes Gewissen und ein gutes Selbstwertgefühl entwickelt haben, die ihr Leben gut reflektieren, Verantwortung für ihr Scheitern übernehmen und zu einer anderen Haltung kommen, als es die Lehre der Kirche vorgibt. Sie suchen pfarrliche Gemeinschaften, wo sie als geschiedene Wiederverheiratete akzeptiert sind, wo sie sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit einbringen und ihren Glauben leben können. Oft sind das Frauen, die wieder andere auf diesem Weg ermutigen.

Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten

Aus eigener und aus meiner Erfahrung in der Begleitung von Betroffenen sind mir im Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten folgende Punkte wichtig geworden:

– wertschätzender, einfühlsamer, offener Umgang im Gespräch mit Betroffenen, Anteilnahme und Akzeptanz signalisieren (gut hinschauen, gut zuhören, gut da sein)

– hinführen zur Achtung, Wertschätzung und Verantwortung für die / den getrennten PartnerIn und deren Kinder, damit den Kindern beide Elternteile erhalten bleiben. Hier ist oft eine intensive Begleitung notwendig!

– Unterstützung und Begleitung auf dem Weg der Vergebung/Versöhnung, damit die Wunden heilen können (Auseinandersetzung mit den eigenen Anteilen des Scheiterns, Aufarbeitung und Verantwortung)

– Wie kann eine Theologie des Scheiterns aussehen und wie kann sie praktiziert werden (z. B. Schaffung von Räumen für Klage, Austausch, Rituale, Gebet, Gottdienst)?

– Wenn die Phasen der Trennung, Aufarbeitung, Versöhnung/Vergebung durchlebt sind, Hinführen zu einem neuen Gelöbnis (z. B. durch Segnungsgottesdienst) und Zulassung zu den Sakramenten.

Wünsche an die Amtsträger der Kirche

Diese Punkte sind sehr ernst zu nehmen. Viele Betroffene bekommen „das drückende Joch“ der Kirche zu spüren. Sie erleben eine enge Sicht und Sturheit der Amtsträger, ihre oft äußerst mangelhafte Kommunikationsfähigkeit, ihre Verständnislosigkeit, ihren oft erbärmlichen Umgang mit Betroffenen, ihre Angst und Unsicherheit gegenüber dem Gesetz der Kirche und gegenüber ihren Bischöfen. Es braucht eindeutige, klare pastorale Richtlinien, die dieser Unsicherheit und Hilflosigkeit auf beiden Seiten Rechnung tragen.

Den Amtsträgern lege ich „ans Herz und ins Hirn“, die Zeichen der Zeit wahrzunehmen und anzuerkennen, dass es neben der Ehe weitere Lebensgemeinschaften gibt, die den christlichen Wertvorstellungen (Hingabe, Treue, Verantwortung füreinander, offen für neues Leben) voll und ganz entsprechen und deshalb auch gewürdigt werden müssen.

Es ist inakzeptabel, geschiedenen Wiederverheirateten zu empfehlen, ein Verhältnis wie Bruder und Schwester zu führen, um weiter die Sakramente empfangen zu können. Damit wird das Wesen der Ehe ausschließlich auf den sexuellen Akt reduziert und Liebe, Hingabe, Treue, Verantwortung für nicht wesentlich erklärt! Den geschiedenen Wiederverheirateten werden die Sakramente verweigert. Gleichzeitig wird ihnen aber empfohlen, weiter am Gemeindeleben und an den Gottesdiensten teilzunehmen, damit sie an den „Gnadengaben“ teilhaben können. Ich frage mich, wie das geschehen soll, wenn doch im Zustand schwerer Sünde keine Gnade möglich ist.

Ich kann abschließend von mir sagen, dass ich noch immer in dieser Kirche bin, weil ich sie liebe und weil ich weiß, dass es diese Kirche nur im Fragment gibt. Auf Fragmente und Nischen richte ich mein Augenmerk. Ich erlebe in dieser Kirche trotz aller Brüche – wie sonst nirgendwo – Sinn!

* Der Name ist zum Schutz der Autorin geändert.

Erika Hinrichs
Ein langer Prozess

Es war Liebe auf den ersten Blick. Kennengelernt haben wir uns an der Uni, ich als Erstsemester und 20 Jahre jung, er als Student kurz vor dem Examen und fünf Jahre älter als ich. Wir waren sehr verliebt und ich glaubte, dass nichts mir etwas anhaben könne. Ich fühlte mich stark und sehr geborgen in seiner Gegenwart. Wir waren unzertrennlich und ein halbes Jahr später zogen wir zusammen. Matthias bereitete sich mittlerweile auf seine Prüfungen fürs Examen vor, ich lebte mich an der Universität ein und studierte.

Dann wurde ich unerwartet schwanger. Das Wort Abtreibung hing nur für einen kurzen Moment in der Luft und wir waren uns schnell einig, das Kind zu bekommen. Wir würden das schaffen, da waren wir uns sicher und einig. Wir heirateten, denn unser Kind sollte in der Sicherheit einer Familie aufwachsen und wir beide wollten sowieso zusammenbleiben, nichts könnte uns trennen. „Bis dass der Tod uns scheidet“, das war für uns keine leere Floskel und ich weiß noch, wie empört ich bei der Hochzeit meines Bruders war, als der Pfarrer in seiner Predigt auch das Thema Scheidung anschnitt.

Unser Sohn wurde geboren und Matthias begann sein Referendariat an einem Gymnasium. Ich versuchte, unseren kleinen Haushalt zu managen, studierte neben Kind, Haushalt und Ehemann und hatte immer öfter das Gefühl, dem allen nicht gerecht zu werden. War ich an der Uni, glaubte ich, ich müsse bei meinem Kind sein, war ich zuhause, plagte mich die Angst, mein Studium zu vernachlässigen. Matthias stand ebenso unter Druck, er war jetzt der Familienernährer mit einer ungewissen Zukunft, denn es gab keine Lehrerstellen. Zudem bereitete er sich auf das zweite Examen vor. Alltag und Routine hielten Einzug, wir verstanden uns aber immer noch sehr gut und waren auf einer Wellenlänge.

Eines Tages, unser Sohn war eineinhalb Jahre alt, eröffnete Matthias mir, er habe sich in eine andere Frau verliebt und das sei nicht nur ein Flirt, sondern Liebe. Für mich brach eine Welt zusammen, ich konnte das nicht glauben. Wie in Trance versuchte ich, meinen Alltag zu bewältigen, meinem Kind eine gute Mutter zu sein. Ich redete mit niemandem darüber, fraß meinen Kummer in mich hinein und heulte mir die Augen aus, wenn er abends gut gelaunt zu seinem Rendezvous eilte. Das Gefühl des eigenen Versagens, gepaart mit der Angst, ihn verlieren zu können, schlich sich in mein Herz. Gleichzeitig fühlte ich mich von ihm verraten, war wütend und nahm es ihm übel, dass er unsere kleine Familie so gering schätzte. Wir waren kein unschlagbares Team mehr. Aber ich hoffte, er würde zur Besinnung kommen und seine Affäre beenden. Das tat er aber nicht, sondern behauptete, mich und die andere Frau gleich zu lieben. Tief in mir ging etwas zu Bruch, aber ich dachte keinen Moment daran, ihn zu verlassen.

Nach einem halben Jahr bat ich ihn, sich zu entscheiden, sie oder ich. Nach einer quälend langen Bedenkzeit trennte er sich von ihr, nicht ohne mir zu sagen, dass er sich nicht entscheiden wollte und ich ihn gezwungen hätte zu etwas, hinter dem er nicht stehe. Notgedrungen bleibe er bei mir. Ab diesem Zeitpunkt fühlte ich mich als zweite Wahl. Immer wieder vermittelte er mir, dass er nicht hinter dieser Entscheidung stehe. Dass er das nur mir zuliebe getan habe.

Nun war er wieder bei mir und doch nicht, war wütend auf mich, wo ich hätte wütend auf ihn sein müssen. Er benahm sich wie ein Kind, dem man sein Spielzeug weggenommen hatte. In der Zwischenzeit hatte er sein Referendariat abgeschlossen und fand in Nordrhein-Westfalen eine Angestelltenstelle als Lehrer. Wir zogen um, ich fühlte mich sehr einsam, hatte meinen Freundeskreis zurückgelassen und versuchte weiter, Kind, Haushalt, Studium und Eheleben unter einen Hut zu bekommen. Unausgesprochene Dinge hingen über uns wie ein Damoklesschwert, und wenn ich mit ihm reden wollte, bezeichnete er mich als nachtragend. Ganz schleichend blieb unser Eheleben auf der Strecke, etwas in mir blockierte. Ich hatte das Vertrauen verloren; das Gefühl des Geborgenseins und der emotionalen Sicherheit, das unsere Beziehung einst ausgezeichnet hatte, war verschwunden.

Matthias reagierte auf seine Weise, er stürzte sich in Arbeit, seine Freizeit verbrachte er ohne mich. Er hatte erneut eine Affäre, diesmal zog es mich schon nicht mehr runter, innerlich war ich wie tot und hatte einen Schutzwall um mein Herz gebaut. Ich funktionierte und fühlte eine große Leere.

Ich büffelte für mein Examen und absolvierte die Prüfungen. Unser Sohn war mittlerweile im Kindergarten und ich nahm eine befristete Stelle als Lehrerin an. Nun ging es uns zumindest finanziell besser. Ich war wieder schwanger, diesmal gewollt, und unsere Tochter kam zur Welt. Später behauptete Matthias, ich hätte ihn missbraucht, eigentlich hätte er ja kein Kind mehr gewollt. Als Matthias dann eine Stelle in der Rhön angeboten bekam, zogen wir wieder um. Nun lebten wir in einem winzigen Dorf. Matthias war der Familienernährer, seine Arbeit hatte Priorität und ich unterstützte ihn.

Er übernahm Arbeitsgemeinschaften und war an vielen Wochenenden im Jahr mit Schülern unterwegs. Ich kümmerte mich um Kinder und Haushalt und erwartete nichts. Als ich in einer Buchhandlung anfing zu arbeiten, hatte ich zum ersten Mal seit Jahren das Gefühl, aus meiner Schockstarre zu erwachen. Die Arbeit gefiel mir, ich war unter Menschen und fühlte mich nicht mehr so einsam. Unsere Ehe zeichnete sich durch Sprachlosigkeit aus, wir lebten nebeneinander her.

Matthias entwickelte Züge eines Workaholics, und so stellte er mich eines Tages vor die Tatsache, dass er sich wieder beworben habe auf die nächsthöhere Stelle.

Wieder zogen wir um, ich kündigte meine liebgewonnene Stelle. Er hatte über meinen Kopf hinweg entschieden, hatte nichts mit mir besprochen. Ich bat ihn, sich doch jetzt nicht mehr weiter zu bewerben, auch schon wegen der Kinder. Und dass ich ihn auch liebe, wenn er nicht die Karriereleiter erklimmt. Er versprach, dass dies der letzte Ortswechsel für uns sei.

Ich suchte mir eine neue Stelle, arbeitete wieder, und als der Betrieb mir anbot, noch nachträglich eine Ausbildung zu machen, war ich glücklich. Ein paar Jahre lebten wir so, arrangierten uns irgendwie. Matthias verbrachte seine Freizeit ohne uns. Ich fand mich damit ab, dass ich in seinem Leben auf der Rangliste unten stand, hatte die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, dass er mich doch noch wahrnehmen würde. Mit ihm reden war fast unmöglich, er blockte sofort alles ab. Es gab keine Zärtlichkeiten zwischen uns. Er lebte immer sein Leben, das ohne uns genauso aussah wie mit uns. Nichts würde sich ändern.

Am neuen Wohnort aber fühlte ich mich wohl, die Kinder und ich lebten uns gut ein. Wir waren nun schon 28 Jahre verheiratet, als Matthias mir eröffnete, dass er eine Stelle als Schulleiter annehmen würde. Das bedeutete einen erneuten Umzug, wieder sollte ich meine Stelle kündigen müssen, wieder hatte er mich nicht in seine Entscheidung miteinbezogen.

Endgültig brach eine Welt zusammen, ich weinte tagelang und trauerte um unser kleines Leben. Für die erste Zeit nahm Matthias sich eine kleine Wohnung am neuen Arbeitsort und wir führten eine Wochenendbeziehung. War ich am Anfang untröstlich und traurig, dass er weg war, merkte ich mit der Zeit, dass es mir guttat, alleine zu sein. Ich vermisste ihn immer weniger und die Wochenenden waren oft so angespannt, dass ich mich freute, in der Woche ohne ihn auszukommen.

In dieser Zeit reifte in mir die Erkenntnis, dass meine Ehe, so wie ich sie zu führen vor dem Altar versprochen hatte, am Ende war. Wie sollte ich ein Ehebündnis aufrechterhalten, das schon vor langer Zeit seine Grundlage verloren hatte, das nur noch ein einseitiges Versprechen war? Kann das wirklich verlangt werden und ist es wirklich im Sinne des Sakraments der Ehe? Man spricht theologisch hinsichtlich des Ehesakraments vom Treuebruch durch Scheidung und Aufgabe der Ehe, aber ist nicht viel wesentlicher, dass diesem Scheitern eine einseitige Kündigung der Vertragsgrundlagen innerhalb der Ehe vorausgegangen ist? Diese Gedanken beschäftigten mich zunehmend.

Nach einer Zeit waren wir es nicht mehr gewöhnt, längere Zeit zusammen zu sein, und bei einer Urlaubsreise kam es dann zum endgültigen Eklat. Wir waren 24 Stunden am Tag aneinandergekettet, was wir nicht mehr gewohnt waren. Es gab kein Zusammenspiel mehr, alles wirkte gezwungen, Freude darüber, Zeit füreinander zu haben, wollte nicht aufkommen. Wir spulten unser Urlaubsprogramm ab, waren zusammen und doch nie einsamer als in diesen Tagen.

Ich fühlte keine Nähe zu ihm, es gab keinen Draht zueinander, es gab auch nichts mehr zu sagen, wir waren uns fremd geworden. Er meinte, das sei gar nicht ich, die sich da trennen wollte, er kenne mich nicht mehr. Als er mir gestand, dass er ein paar Monate zuvor heimlich ein Treffen mit der Frau hatte, mit der er mich zu Anfang unserer Ehe betrogen hatte, ging bei mir innerlich der letzte Rest von Gefühlen zu Bruch. Er habe wissen wollen, „ob da noch was ist“. Das machte mir schmerzlich bewusst, wie sehr ihn das über all die Jahre beschäftigt hatte.

Wir wurden fast 30 Jahre nach unsrer Hochzeit geschieden. Ich bin Single, Matthias hat eine neue Partnerin gefunden. Keiner soll sagen, ich hätte es nicht versucht, es war eine Befreiung und für jeden von uns eine Chance für einen Neuanfang. Niemand heiratet mit dem Vorsatz, sich wieder zu trennen, aber es ist ein Gebot der Fairness und der Barmherzigkeit mit dem anderen, loszulassen, wenn der eingeschlagene Weg, die persönliche Entwicklung, nicht von beiden mitgetragen wird.

Für mich sehr schmerzlich war nicht nur das Scheitern meiner Ehe, sondern auch die damit verbundene Erkenntnis, dass ich nicht nur meine emotionale Heimat verloren hatte, sondern auch die Solidarität meiner Kirche. Denn wie soll ich Trost und Beistand auf jeder Ebene finden, wenn meine Kirche mir dies dadurch verweigert, dass ich an keinem Abendmahl mehr teilnehmen darf, dass ich von einer erneuten kirchlichen Heirat ausgeschlossen werde, dass mein persönlicher Karfreitag meine Kirche nicht interessiert? Ich hätte mich gerne wenigstens spirituell aufgehoben und geborgen gefühlt, ich verbinde mit einer lebendigen Kirche auch eine seelsorgliche Anteilnahme und Begleitung in Krisenzeiten, damit man wieder gestärkt und geläutert eine „Auferstehung“, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn, als Neuanfang erleben kann. Ich denke, dass Gott einem nie näher ist als in Zeiten der Krise, des Scheiterns und der durchkreuzten Lebenswege. Das lehrt mich jedenfalls der gekreuzigte und wieder auferstandene Jesus.

Manfred Maier*
Die Kirche schließt mich bewusst und dauerhaft aus
Was einen geschiedenen und wiederverheirateten Pastoralassistenten und Religionslehrer besonders schmerzt

Als mich einer der Herausgeber dieses Buches gebeten hat, meine persönlichen Erlebnisse und Eindrücke rund um meine Scheidung, Wiederverheiratung und meine derzeitige Beheimatung in der Kirche zu schildern, habe ich spontan zugesagt, einfach weil ich diesen Theologen schätze. In einer ersten gedanklichen Auseinandersetzung mit meiner Lage wurde mir aber schnell klar, dass dieses Thema in meinem jetzigen Leben eigentlich keine Rolle mehr spielt.

Ich bin Theologe, 49 Jahre alt und seit 16 Jahren glücklich in zweiter Ehe verheiratet. Wir haben zwei wunderbare Kinder, die uns mit 15 und 13 Jahren tatsächlich noch in den sonntäglichen Gottesdienst begleiten. Mein Beruf lässt vielfältige Begegnungen und Glaubenserfahrungen zu. Damals, zum Zeitpunkt der Wiederverheiratung, und auch in der Zeit danach hat das ganz anders ausgeschaut. Die Verletzungen waren tief, die Enttäuschung groß. Inzwischen habe ich meinen Frieden gefunden. Es war ein zähes Ringen, das immer wieder auch die neue Beziehung belastet hat.

Vom innigsten Moment der Eucharistiefeier ausgeschlossen

Bevor ich zu meiner persönlichen Geschichte komme, möchte ich von einer Begebenheit erzählen, die ich zu Beginn meines Theologiestudiums erlebt habe und die mich mit Vehemenz mit dem Thema konfrontiert hat: Wir feierten mit einer Pilgergruppe einen Gottesdienst in der Höhle, in der der heilige Benedikt zwei Jahre seines Lebens zugebracht hatte. Kurz vor der Kommunion sah ich, wie eine junge Frau aufstand und mit Tränen in den Augen die Kapelle verließ. Ich folgte ihr nach draußen und ohne Aufforderung beantwortete sie meine stumme Frage: „Ich bin geschieden und wiederverheiratet und immer, wenn es zum innigsten Moment im Gottesdienst kommt, bin ich ausgeschlossen.“ Ich kann mich noch genau an diesen Moment erinnern, der in mir starke Betroffenheit und Unverständnis auslöste. Wer kann es verantworten, einem verzweifelten, tiefgläubigen Menschen diese ersehnte Form der Gemeinschaft mit Gott zu verwehren?

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